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Afghanistan: jetzt auch noch ein riesiges Ölfeld unter der Sackgasse gemeldet!

Dienstag, August 17th, 2010

Unter der deutschen Zone im Norden Afghanistans liege eines der größten Ölfelder Mittelasiens. Das soll erst jetzt entdeckt worden sein. Die Frage ist wohl eher, weshalb es ausgerechnet jetzt (wieder, und diesmal groß) medial ausposaunt wird. Ist das nun ein Akt der Verzweiflung? Denn vor Tische las mans anders: Als unser Ex-Pazifistenfreund Ludger Volmer 1999 die circa 50000 Bombenangriffe auf Belgrad, Prishtina und andere Großstädte des Balkans rechtfertigte, war eines seiner wichtigsten Argumente noch, dass es unter dem Kosovo kein Öl gäbe und dass das bewiese, die 50000 Bombenangriffe auf Großstädte hätten absolut nichts zu tun mit “dem, was wir früher Imperialismus genannt haben”. Daraus sei logisch zu folgern, dass die 50000 Bombardements nur humanitäre Ziele haben könnten.

Ebenso hörten wir nun fast 10 Jahre lang zuerst gar nichts von Bodenschätzen unter Afghanistan, dann zwar von einigen Mineralien, aber nichts von Öl, und jedenfalls nicht unter der deutschen Zone.  Und nun erfahren wir, dass genau unter der deutschen Zone ein Riesenölfeld liege. Hält man die Grünen inzwischen für derartig konvertiert zu “dem, was wir früher Imperialismus genannt haben”, dass man ihre Abkehr vom Afghanistankrieg nur noch mit der Aussicht auf ein riesieges Ölfeld verhindern zu können glaubt?

Gleichzeitig erfahren wir, dass der Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan”, der den Abzug ja unabhängig von Öl oder Nichtöl fordert, in jeder Hinsicht bestätigt ist. Der Krieg ist schmutzig wie der in Vietnam: Die “Ausbildung” der Karzai-Truppen durch die Bundeswehr bedeutet Eskalation pur in Gestalt blutiger gemeinsamer Offensiven mit Opfern auf allen Seiten, die “gezielten Tötungen” durch US-Spezialkräfte in der deutschen Zone eskalieren ebenso wie die Drohnenkillungen. Und dennoch werden die “Taliban” nicht weniger. Und von “baldigem Abzug” ist jedenfalls beim Oberkommandierenden Petraeus keine Rede mehr.  Wie wir es gesagt haben: “Exit” bedeutet “Exitus”.

Schließlich erfahren wir ganz nebenbei noch eine makabre Spitze: die “gezielten” Drohnenkillungen in Pakistan gegen die “Rückzugsgebiete der Taliban” gehen selbst während der größten Naturkatastrophe in diesem geschundenen Land weiter: Es gibt nicht einmal eine Pause aus Pietät. Und unsere ach so kritischen Medien (kritisch gegenüber “gezielten Tötungen” und anderem Kriegshorror nicht nur auf Seiten der Taliban, sondern auf beiden Seiten) wundern sich nun, dass für Pakistan nicht gespendet wird.

Übertreibt die “Sprache” des Generals Petraeus? Ganz im Gegenteil!

Dienstag, August 3rd, 2010

Nun hat der Chef aller Afghanistan-Truppen, auch der Bundeswehr, eine Art feierliches Manifest für die große, für die 2. Jahreshälfte geplante Eskalation veröffentlicht. Darin herrscht eine “Sprache”, die angeblich nur “amerikanisch” und nicht “deutsch” ist. Zum Beispiel werden die NATO-Soldaten, also auch unsere Jungs, aufgefordert, die Taliban “ins Fleisch zu beißen” (wörtlich “ihre Zähne ins Fleisch zu schlagen”). Davon distanzieren sich einige deutsche Hindukuschstürmer - aber nur von dieser “Sprache”, nicht von der geplanten Groß-Eskalation.

Was hätte aber Karl Kraus dazu gesagt? Er hätte zweifellos festgestellt, dass die so skandalöse “Sprache” nicht über-, sondern untertreibt!  Schön wäre es für die Taliban, wenn sie von unseren Jungs nur gebissen würden – da hätten sie eine Chance zu überleben. Sie könnten mit den Bisswunden in ein Gefangenenlager kommen. Tatsächlich aber sollen sie “gezielt getötet” werden – nicht mit Gebiss, auch nicht mit der Hand, überhaupt nicht mit Körper gegen Körper, sondern mit Drohnen, die von Texas aus auf ihre Ziele gelenkt werden. Oder mit Panzerhaubitzen der Bundeswehr. Immerhin wollte Petraeus mit seiner volkstümlichen Metapher ausdrücken, dass ein schmutziger Entscheidungskampf bevorsteht.

Eklig ist übrigens diese nationalistische “Sprachkritik” – ausgerechnet aus “deutschen” Mündern. Als ob diese Politiker nicht dieselben wären, die sich auf allen gutbezahlten Posten “Leute mit Biss” wünschen. Soviel zur sauberen deutschen “Sprache”.

Der springende Punkt ist doch ein ganz anderer: Auch die “Kritiker” loben Petraeus über den grünen Klee dafür, dass er auch gesagt hat, “Zivilisten” sollten geschont werden, und nur “Taliban” gejagt und zur Strecke gebracht. Aber woher sollen die Jungs wissen, wer “Taliban” sind? Das kriegen sie “von oben” gemeldet, als ein “target”. Und dieses “target” wird durch Denunziation von anonymen “Informanten” produziert – von keinem Soldaten, auch keinem “Elite-Soldaten”, kontrolliert und kontrollierbar. Capture or kill (aus der Luft und mit Haubitze usw. nur kill) – ohne Identifikation, ohne Anklage, ohne Urteil, aber “gezielt” (targeted). Oft liegen da dann Dutzende Leichen. Und als Collateral Damage (“Zivilisten”) gelten dann ausschließlich Frauen, weibliche Kinder und männliche Kinder unter 13 (ab da sind auch sie “feindliche Kämpfer”). Von Wikileaks tausendfach dokumentiert.

Ist das wirklich übertrieben, wenn das “beißen” genannt wird?

Es gibt eine kleine Möglichkeit zu reagieren: den Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” unterzeichnen (hier gleich im Netz), falls nicht schon geschehen.

Wikileaks bestätigt überwältigend den Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan”

Sonntag, August 1st, 2010

Die Veröffentlichung von fast 92000 Geheimberichten von der Afghanistanfront an das Pentagon ist ein außerordentliches, ein wirklich historisches diskursives Ereignis. Wikileaks wird ab jetzt ähnlich von den Diensten gejagt werden wie die “Taliban” – es wird dann dringend die aktive Unterstützung aller Kriegsgegner/innen brauchen. Dabei ist das Wichtigste (wie auch bei Afghanistan insgesamt) das Problem, wie es erreicht werden kann, die veröffentlichte Meinung zu zwingen, die öffentliche Meinung zu verbreiten.

NICHTS NEUES?

Obama bzw. seine Sprecher behaupteten nach außen, die Dokumente im Netz “brächten nichts Neues”. Das ist in einer bestimmten Hinsicht wahr, in allem Wesentlichen aber falsch. Wahr ist, dass die Struktur des Krieges, der auf den Speerspitzen von “gezielten Tötungen” und Drohnen beruht, jedem bekannt sein konnte, der seine Augen nicht aus Angst vor den Konsequenzen verkleisterte. Was die Grünen Hindukuschstürmer den Kriegsgegnern vorwarfen, nämlich “wegzukucken”, das haben sie selber praktiziert und praktizieren es selbst jetzt noch, selbst nach Wikileaks, weiter. Einer der vielen Beweise dafür, dass wir die wesentlichen, strukturellen Wahrheiten der 92000 Dokumente bereits vorher wissen konnten, bilden die früheren Einträge dieses Blogs und bildet der Appell “HERAUS AUS DER SACKGASSE IN AFGHHANISTAN!”

ZUR ERSTEN AUSWERTUNG DES “SPIEGEL”

In einer ersten Auswertung (Ausgabe vom 26. Juli 2010) konzentriert sich der “Spiegel” auf die “Elitekrieger”-Einheit “Task Force 373″ und stellt ihre “Talibanjagden” mit den “gezielten Tötungen”, in hohem Maße unter Einsatz von Drohnen, dar. Dabei erweckt er mehrere falsche Eindrücke und verschweigt einen ganz wesentlichen Punkt. Falscher Eindruck 1: Die zweifelsfrei zivilen Opfer “gezielter Tötungen” werden zugunsten angeblich “legitimer” Ziele total heruntergespielt (nur ein Beispiel eines Massakers an 7 Kindern wird gegeben) – “positiv” dagegen eine Liste “echter” Taliban, wenn auch zugegebenermaßen teilweise aus dem “Mittelbau” der Taliban – “Mittelbau der Taliban”!!! Falscher Eindruck 2: Die Popularität der Taliban beruht auf Geld, das sie bieten. Klar ist: dass die Welt-Junta überhaupt noch Unterstützer findet, beruht auch auf Geld. Geld gegen Geld – aber dann ist da noch der kleine Unterschied muslimische Einheimische gegen christliche Fremde. Falscher Eindruck 3: Eigentlich liegt die miese Lage der NATO trotz überwältigend “effektiver gezielter Tötungen” daran, dass der pakistanische Geheimdienst ISI und besonders dessen früherer Chef Gul die Taliban unterstützt. Im Vietnamkrieg bekam der “Vietcong” angeblich entscheidende Unterstützung aus Kambodscha – die USA rückten in Kambodscha ein – und brachten dadurch die Roten Khmer an die Macht.  Falscher Eindruck 4: Die Deutschen sind (mal wieder) ahnungslos – Das wird gemeldet! Herr Lehrer! Die Amis haben das gemacht!

DER WESENTLICHE PUNKT VERTUSCHT: KOLLABORANTEN, INFORMANTEN, DENUNZIANTEN, INFILTRANTEN

Zwar ist auch in den vom “Spiegel” angeführten Dokumenten selbstverständlich in praktisch jedem Bericht vom “Informanten” , zuweilen sogar von “Spitzeln” die Rede. Zitiert wird ein solcher Spitzelbericht, nach dem in Pakistan 45 “Aufständische” Deutsch lernen würden, um sich dann in  der deutschen Zone als Dolmetscher in die Bundeswehr zu infiltrieren. Was aber, wenn die “Quelle” dieser Nachricht selbst ein “Infiltrant” war?! Wenn dadurch das Misstrauen in alle Dolmetscher noch erhöht werden soll? Was also vertuscht wird, ist gerade das Wesentliche: In einem Counterinsurgency-Krieg gegen eine in der Bevölkerung verwurzelte Guerilla ist die fremde Besatzungsmacht auf Verdeih und Verderb auf ein entscheidendes “Kettenglied” angewiesen, nämlich die Kollaborateure – und denen kann man nie trauen, weil sie mit ihrem Leben spielen. Vor allem: Die Denunzianten können ihre Privatrache durch die fremden Elitekiller ausüben lassen! Dieser Mechanismus des Krieges ist im vorliegenden Blog mehrfach dokumentiert und dargestellt. Fast alle Kollaboranten sind Nicht-Pashtunen, die die Pashtunen hassen und deren Überzahl durch die “Kreuzritter” dezimieren lassen möchten. Wie Marc Thörner in seinem Buch “Afghanistan Code” belegt, wurden auch die Opfer des Bundeswehr-Massakers von Yakob Baj vom 4. Septemeber 2009 Opfer eines solchen “gezielten” Hinweises von Pashtunenhassern. Jedenfalls ist es wirklich unglaublich, wie sich die Dienste und Elitekiller-Einheiten in diesem Krieg 100prozentig auf ihre “Informanten” verlassen und deren “Hinweise” im Handumdrehen in Drohnen-Angriffe oder nächtliche Überfälle auf Dörfer “umsetzen”. Dass diese Maschine eben nicht nur in seltenen Ausnahmefällen losschlägt, sondern zur Alltäglichkeit dieses Krieges gehört wie die Drohnen am Himmel, das hat Wikileaks jetzt bewiesen, und das war bisher in diesem Umfang lediglich zu erraten, nicht aber zu beweisen. Nun ist es bewiesen, und das ist neu.

UND DIE BUNDESWEHR: MAL WIEDER SAUBERES DEUTSCHLAND?

Angeblich weiß die Bundeswehr nicht, was amerikanische Elitekiller-Einheiten in ihrer Zone so treiben. Weiß sie auch nicht, was ihr eigenes KSK treibt? Und dass ihr eigener BND intensiv an den c/k-Listen (capture or kill) beteiligt ist? Offenbar möchte die Bundeswehr die Stadt Duisburg im Vertuschen noch übertreffen. Das wird sich aber ebenso wenig durchhalten lassen wie in Duisburg, und das Aufknacken des Vertuschens fängt schon an. Es genügt doch eigentlich die Schlagzeile auf Seite 1 der FAZ vom 5. Juli 2010, die das Fazit eines Interviews mit Minister Guttenberg resümiert:

“GUTTENBERG: NACH ABZUG GEHEIMDIENSTE UND SPEZIALKRÄFTE”

Damit ist auch die Katze des “Umbaus der Bundeswehr” aus dem Sack: Sie soll eine Weltjunta-Armee “auf Augenhöhe” mit den USA werden. Die künftigen “Auftragslagen” werden heißen: Counterinsurgency und nochmal Counterinsurgency. (Daneben natürlich auch weitere Super-Blitzkriege, z.B. gegen den Iran.) Und die Mittel dazu: “Profis”, “Eliteeinheiten”, die sich “keinen Kopp machen” und die “Spaß am Abenteuer” haben – und Dienste, d.h. Informantenwesen (mit dem Risiko: Infiltrantenwesen…). “Fascio di combattimento” könnte man auch gut mit “Elite-Kampfeinheit” übersetzen.

ALSO BESTÄTIGT: EXTERMINISTISCHE KRIEGFÜHRUNG (GEZIELTE KILLUNGEN NACH UNKONTROLLIERBAREN DENUNZIATIONSLISTEN; DROHNEN), WELT-JUNTA-SPIELEN

Wer den Appell Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan, dessen Besonderheit eben darin lag und liegt, dass er diese Aspekte beim Namen nennt, noch nicht unterzeichnet hat, dies aber jetzt tun möchte, hat dazu jederzeit die Möglichkeit. Und was wäre “objektiv” jetzt das wichtigste, nächste und erreichbare Ziel?

DIE GRÜNE FÜHRUNG ZU ZWINGEN, IHREN KRIEGSKURS ZU REVIDIEREN UND DEN SOFORTIGEN ABZUG ZU UNTERSTÜTZEN.

Deserteur Köhler? Welche der Seelen des deutschen V-Trägers ist mutig und welche feige?

Dienstag, Juni 1st, 2010

Köhler war Kohls Sherpa auf den Siebener Gipfeln. Offenbar wollte er nun auch den Sherpa am Hindukusch machen. Sherpas sind berühmt für ihre Tapferkeit und ihre Opferbereitschaft: sie retten ihre weißen Herren unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Und nun wird ihm Desertion vorgeworfen.

Es ist wirklich nicht einfach da durchzublicken. Vielleicht kann aber die Lektüre des Romans “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag) da wirklich etwas klären. Dort wird der deutsche V-Träger (Verantwortungs-Träger) auf seinem 3. Versuch begleitet. Dieser deutsche V-Träger leidet an MPD, das heißt Multiple Personality Disorder (nicht zu verwechseln mit NPD): er trägt nicht bloß zwei, sondern viele Seelen in seiner Brust – so wie Schopenhauers ewig unerlöster Ur-Wille ist er hin und hergerissen: die eine Seele sagt: Hier sind die Zukunftschancen, die andere da. Die eine will an den Hindukusch, die andere woanders hin.

Da wollte die Seele namens Horst als Sherpa mutig die Wahrheit darüber sagen, warum die Bundeswehr am Hindukusch ist (nicht wegen der Seewege: wo ist denn da See? Seewege bezog sich aufs Horn von Afrika! Hindukusch bezog sich auf Instabilität, die unsere Chancen gefährdet). Sicher sah er Kritik voraus, wollte aber als Sherpa seiner Berg-Chefin den Aufstieg zum Hindukusch der mutigen Wahrheit freimachen. Aber die Chefin ließ ihren Sherpa feige im Schnee stehen.

Da griff er zur letzten Möglichkeit eines Sherpas: Wie der Schweizer Held Winkelried zog er alle Speere auf sich und ging mutig in den Opfertod. Und nun werfen die feigen anderen Seelen des V-Trägers ausgerechnet ihm sogar Desertion vor. Wir warten nun auf mutige Seelen, die seine Tat in ihrer tragischen Konsequenz begreifen und jetzt die Chance zum Befreiungsschlag nutzen. Es muss jetzt laut bestätigt werden: Ja, wir sind ein Land dieser Größe. Ja, wir müssen für unsere Chancen und Interessen “im Zweifel” auch militärisch aktiv werden wie jetzt am Hindukusch, wo es um Chancen und Stabilität geht. Wir warten jetzt auf einen MUTIGEN BEFREIUNGS-SCHLÄGER.

Oder sollte der Sherpa doch eine Mimose und ein feiger Deserteur sein? Das darf nicht wahr sein.

Warum kein Beifall für Köhlers mutigen Beitrag zum “Diskurs” über und zur “Normalität” in A*?

Donnerstag, Mai 27th, 2010

Alle hegemonialen Parteien einschließlich der Grünen fordern seit Yakob Baj nahezu täglich “Ehrlichkeit” und “Mut” im “Diskurs” über Afghanistan. Man müsse auf dieser Basis der Bevölkerung endlich “überzeugend vermitteln”, warum die  Bundeswehr dort einen blutigen und zunehmend schmutzigen Krieg führt und nicht im Traum an Abzug denkt. Es gehe dort gar nicht, das müsse man heute ehrlich zugeben, um Okzidental-Demokratie und Mädchenschulen, sondern um “unsere gewachsene Verantwortung” und um eine absolut “notwendige Stabilisierung”.

Offenbar hatte Horst Köhler als oberster politischer Verantwortungs-Träger den (absolut zutreffenden!) Eindruck, dass die Bevölkerung noch etwas genauer wissen möchte, was eigentlich mit “Verantwortung” und “Stabilität” gemeint ist. Er entschloß sich also (auf dem Rückflug von Afghanistan) mutig zur Ehrlichkeit und übersetzte “Verantwortung” und “Stabilität” fürs Volk ins Konkrete: “Alles das heißt, wir haben Verantwortung” fing er an, und setzte fort: “ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit”" müsse wissen, “dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen” usw. 

Statt den Mut zur Ehrlichkeit zu loben, schreien die Führer der Parteien, die den Krieg in A* und gerade noch seine enorme Eskalation beschlossen haben und allen voran der Erz-Konverter (zum Begriff s.u.) Jürgen Trittin, die Bundeswehr führe keine Wirtschaftskriege. Dabei hat Köhler das mögliche kleine Missverständnis sofort klargestellt: In A* führt die Bundeswehr Krieg, “um ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen” – und für “freie Handelswege” kämpft die Bundeswehr augenblicklich vor allem am Horn von Afrika. Was ist daran falsch? Trittin hat beide Kriege mit beschlossen!

Wenn Köhlers Partner also undankbar und unfair sind, sollten wir Kriegsgegner Fairness beweisen: Mit “einem Land unserer Größe” kann Köhler nicht die Bevölkerungszahl gemeint haben: Wie im Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” genau quantifiziert wird, bringt Deutschland momentan noch (!) 1,2% der Weltbevölkerung auf und ist damit (noch!) das 16. Land im Ranking (sehr bald wird es stark abrutschen). Also kann Köhler mit “Größe” nicht die Bevölkerung, sondern nur die Kapitalstärke gemeint haben. Auf dieser Basis sind “wir” 3.größtes Land der G 7 (oder eigentlich als europäischer Hegemon schon 2.größtes), und niemand weiß das besser als Köhler, der seine Karriere als Kohls “Sherpa” auf den damaligen G 7-Treffs begann und dann im IWF fortsetzte. Niemand versteht besser als er, wie “unsere Chancen” (d.h. die Gewinnaussichten unseres Kapitals) von der “Instabilität ganzer Regionen” negativ beeinflusst werden können. Also dass “im Zweifel, im Notfall” die Bundeswehr “stabilisieren” muss – was sie in A* tut.

Mit Köhlers mutigem Statement ist nun auch noch der letzte Punkt des Appells “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan”, der von einigen Friedensfreunden als überzogen eingeschätzt wurde, offiziell: Die Bundeswehr ist dort, weil “ein Land unserer Größe” (sprich: eine Groß- und Weltmacht) “im Zweifel” (!!) auch militärisch präsent sein muss, wenn es um die “Stabilisierung ganzer Regionen” geht. Aus keinem anderen Grunde. Weil er das mutig gesagt hat, kriegt er jetzt Prügel vom Erzkonverter Trittin.

“Erzkonverter”: der Begriff “Konverter” wird in dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag Oberhausen) näher erklärt. (Jürgen Trittin kämpfte einstmals mutig gegen den Marsch der Bundeswehr in die weite Welt und konkret gegen die öffentlichen Gelöbnisse.)

Das “gezielte Töten” der Nato in A*: gesteuert von gezielten Fehl-Denunziationen

Sonntag, Mai 16th, 2010

Wie im Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” erklärt,  beruhen die massiven “gezielten Tötungen” der Spezial- und teils auch Normalkräfte der Nato (Isaf) selbstverständlich auf Denunziationen afghanischer Informanten an die westlichen Geheimdienste, darunter den BND. Das läuft nach dem Mechanismus: Stell dir vor, es ist schmutziger Krieg in Afghanistan und du bist Informant der Nato: Dann hast du nicht bloß Geld, sondern kannst auch alle Leute, die dich ärgern, aus dem Weg schaffen: Anruf bei der Nato genügt.

Dass dieser Mechanismus tatsächlich so und nicht anders funktioniert, wird inzwischen an exemplarischen Fällen bestätigt. Es ist ja auch kein Wunder in einem Land mit starken Gegensätzen der Sprache, der Stämme und besonders der Machtkartelle von Warlords. Da die Nato (und auch die Bundeswehr) die Paschtunen pauschal im Verdacht hat, mit den Taliban zu sympathisieren, werden als Informanten vor allem Nicht-Paschtunen angeheuert, die also freie Bahn für Rachakte haben.

Nach den Recherchen von Marc Thörner (Afghanistan Code, S. 140ff.) waren die Toten und Verstümmelten des von der Bundeswehr befohlenen Luftschlags bei Yakob Baj vom 4. September 2009 ebenfalls paschtunische Opfer der Rache nicht-paschtunischer (tadschikischer) Informanten des BND.

Dieser Krieg der Bundeswehr ist also nicht bloß irrational, sondern auch völkerrechtlich und ethisch alles andere als “sauber”.

Diskurswerkstatt erinnert den neuen Landtag

Mittwoch, Mai 12th, 2010

Während der mediopolitische Diskurs mit Farbspielen beschäftigt ist, hat die Diskurswerkstatt Bochum-Dortmund die neuen NRW-Abgeordneten an eine überfällige “Hausaufgabe” erinnert: Es geht darum, drei unschuldige Opfer des Archipel Guantánamo aufzunehmen, damit sie nach dem jahrelangen KZ-Horror noch ein Leben führen können. Sie haben nachweislich keine Verbrechen begangen und niemand kann ernsthaft befürchten, dass von ihnen künftig eine Gefahr ausgeht.

Imgrunde geht es um eine kleine Sache – aber sie hat auch eine symbolische Bedeutung. Das System der geheimen und obskuren (zappendunklen) CIA-Verliese, das in einer völlig rechtsfreien Zone funktioniert (weshalb z.B. Giorgio Agamben nicht in die USA reist, solange dieses System auch unter Obama weiter existiert), muss ja schon allein statistisch auch Unschuldige treffen. Es gehört daher zum System der rechtsfreien “gezielten Tötungen” und Drohnen-Exekutionen, z.B. in Afghanistan. Dort sind “wir” (d.h. die Bundeswehr) teils schon in dieses System verstrickt, teils auf der Kippe dazu. Gerade meldet sogar das den Nato-Regierungen weitgehend verpflichtete Internationale Komitee von Roten Kreuz , dass der CIA-Archipel in Baghram bei Kabul trotz allen sicher ehrlich guten Willens des Menschen Barack Obama ‘ungestört’ weiter funktioniert.

Hier geht es zum offenen Brief der Diskurswerkstatt Bochum-Dortmund!

“Monitor” bestätigt Afghanistanappell

Freitag, April 23rd, 2010

In der Monitor-Sendung Nr. 605 vom 22.4.2010 wurde klar, dass inzwischen sogar ein hegemoniales Medium und höchste internationale hegemoniale Instanzen wie das Internationale Komitee von Roten Kreuz (CICR) in Genf wesentliche Punkte des Appells “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” bestätigen.

Sowohl in der Moderation von Sonja Seymour Mikich wie in den Dokumenten von Markus Schmidt, Christoph Heinzle, Andreas Orth und Kim Otto ging es endlich in aller Deutlichkeit um die taktische Speerspitze des ganzen ISAF- und Bundeswehreinsatzes: das “gezielte Töten” nach geheimen sogenannten “c/k-Listen” (capture or kill). ( Dieser Begriff des “gezielten Tötens”, der bei den Prokriegsparteien des Bundestags nie in den Mund genommen wird, ist hiermit nicht länger Tabu in der öffentlichen Diskussion.)

Es wurde belegt: In der deutschen Zone finden routinemäßig “gezielte Tötungen” durch US-Special Forces statt. Dokumentiert wurde ein nächtliches Massaker in Iman Said am 22.3. 2010. Ein afghanischer Mitarbeiter des DED kommentierte mehrere Leichen als “völlig harmloser Mensch ohne jede Schulbildung” bzw. “etwas geistig zurückgebliebener Mensch”. Dann der Armeesprecher: “Es waren alles legitime Ziele, die wir durch spezifische Aufklärung aus mehreren Quellen als Kontaktleute von Al Qaida identifiziert hatten.” Das von der Bundeswehr befohlene Massaker von Yakob Baj vom 4.9.2009 wurde dann als imgrunde zweifelsfreier Fall von “gezielter Tötung mit Kollateralschäden” eingeordnet (vom Internationalen Roten Kreuz befragte Zeugen: [mindestens] 18 Kinder und Jugendliche als Opfer).

Sogar Nils Melzer vom CICR in Genf  (der imgrunde NATO-Mächte nicht kritisieren darf) äußerte “große Sorge” über die “gezielten Tötungen”. Der Völkerrechtler Tomuschat von der HU rang sich dagegen zu einem klaren “Ja, ein Kriegsverbrechen” durch.

Drei Punkte sind zu ergänzen, die (bisher) im hegemonialen Bereich noch Tabu sind:

1. Das systematische “gezielte Töten” beruht ganz und gar, wesentlich und strukturell auf einem geheimdienstlichen Denunziationssystem für Belohnung mit Geld, zu dem die Interventen keinen direkten sprachlichen und kulturellen Zugang haben. Es besteht dabei demnach ein sehr, sehr hohes Risiko, dass die “Informationsquellen” (siehe oben) ethnische, religiöse und andere gruppenspezifische (etwa Feindschaft zwischen Clans) Motive für Denunziationen einsetzen. Das ist vielfach belegt (s. dazu Marc Thörner, “Afghanistan-Code”, zum Fall Yakob Baj). Damit verstößt das “gezielte Töten” nach geheimdienstlichen Denunziationen immer und grundsätzlich gegen selbst ein völlig überzogenes “Kriegsvölkerrecht”, weil immer und grundsätzlich Zweifel angebracht sind, ob es sich auch nur um “feindliche Kämpfer” (zu schweigen von Kombattanten oder Terrorverdächtigen, die niemals außerhalb einer akuten Gefahr einfach liquidiert werden dürfen) handelt. Das darf ein Angestellter des CICR natürlich nicht sagen.

2. Ob “gezieltes Töten” überhaupt mit dem Kriegsvölkerrecht vereinbar ist, ist keineswegs bereits völkerrechtlicher “mainstream” – es ist noch ganz kontrovers.

3. Die Monitorsendung hat den absurden Widerspruch zwischen der von der Bundeswehr nun auch ganz offen übernommenen Counterinsurgency-Eskalationsstrategie einerseits und den angeblichen Gründen für das “Engagement” anderseits (“Stabilisierung” Afghanistans, Schutz Deutschlands vor Terror aus Afghanistan) überzeugend herausgearbeitet. In dieser Perspektive erschienen Merkel und Guttenberg (SPD und Grüne kamen außer Nouripour nicht vor) als völlig irrational und schizophren. Das sind sie aber nicht, wenn der wahre Grund für ihr “Engagement” ein  anderer ist (wie es der Afghanistanappell sagt): Um “ganz vorne in der 1. Welt-Liga spielen” zu können, d.h. einen Platz unter den führenden Weltmächten zu behaupten, muss Deutschland beweisen, dass es inzwischen auch einen Counterinsurgency-Krieg (also einen Anti-Guerillakrieg) führen kann. Sonst ist man “zweitklassig”.

Der Afghanistanappell steht weiter zur Unterzeichnung bereit.

Ausbildung

Freitag, April 16th, 2010

(Karl Kraus zum Gedächtnis)

Die Bundeswehr, das wissen Fatz wie Tatz

Stellt Ausbilder und bildet im Galopp

Jetzt Azubis von Karzai aus, hopphopp!

Professionell, sonst ist es für die Katz.

Sie üben also friedlich einen Kampfeinsatz

Natürlich realistisch on the job

Damits nicht wird am Ende nochen Flop,

Sind echte Taliban der Feind bei dieser Hatz.

Doch diese hinterhältig feigen Taliban

Verüben einen Anschlag auf die Bundeswehr

Mitten im Friedenstraining spieln sie Krieg.

In ihrem dumpfen Fanatismuswahn

Schießen sie feige quer und spieln nicht fair

Versaun der Wehr den Aufstieg in die Champions League.

Guttenberg bestätigt den Afghanistanappell: Also jetzt weiter unterzeichnen!

Donnerstag, April 15th, 2010

Nun kann niemand mehr daran zweifeln, worin die “neue Strategie” der Bundeswehr in A* besteht: im Eskalationskurs. Baron Guttenberg, der zuständige Minister und heimliche Super-Außenminister, verkündet gemeinsam mit dem neuen Generalissimus Wieker an der Front in Kundus die Aufrüstung mit schwerer Artillerie (Panzerhaubitzen 2000), weiteren Gefechtspanzern (Marder), Hubschraubern u.a.

Wenn man den Kontext verstehen will, muss man (so unglaublich das klingt) das als Sensation präsentierte Buch “Unter Beschuss. Warum Deutschland in Afghanistan scheitert” des jungen Bundeswehr-Politologen Marc Lindemann lesen, in dem dieses Eskalationsprogramm zuvor in allen Einzelheiten (genau die gleichen Waffensysteme) vorgeschlagen worden war. Lindemann war zwar nicht ein bloßer Journalist, sondern über längere Zeit bei der militärischen Aufklärung (Geheimdienste) in Afghanistan eingesetzt, aber trotzdem: Wedelt hier etwa der Schwanz mit dem Hund?

Wohl kaum: Eher ist anzunehmen, dass Lindemann für “Entscheider” sprach, die ihr Programm im Vorfeld lancieren wollten. Dafür spricht auch die offene, geradezu höhnische Polemik Lindemanns gegen Guttenbergs und Wiekers Vorgänger Jung und Schneiderhan. Obwohl es sicher interessant wäre, über die Auseinandersetzungen in der Generalität auch interpernal-interaktionistische Informationen zu haben, lässt sich darüber natürlich nur spekulieren.

Wichtig ist das Programm, das bei Lindemann im Klartext nachzulesen ist. Sein Untertitel soll natürlich gelesen werden: Deutschland darf auf keinen Fall in A* scheitern. Es muss bei den Siegern dieses Krieges sein. Warum? Weil sonst die Terroristen auch Deutschland bedrohen. Da zeigt sich eine Art Erklärungsnotstand dieses durchaus nicht dummen Autors. Warum? Weil er den eigentlichen Grund, der im Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” genannt wird, nicht offen proklamieren kann: Weil Deutschland seine Rolle als eine der führenden Weltmächte, als ein Mitglied der inoffiziellen “Welt-Junta” unbedingt behaupten und ausbauen muss.

Was so nicht offen gesagt werden kann, wird kollektivsymbolisch aber völlig unmissverständlich eingestanden: Mittels des Fußball-Ligen-Symbols. Fast ununterbrochen beklagt Lindemann, dass die Bundeswehr, wenn sie so weiter macht, auf “Kreisliganiveau” bleiben und nie auf das Niveau der “1. Liga” aufsteigen könne. Diese Trainer-Understatements, um die Jungs zum äußersten anzuspornen, kennen wir schließlich.

Dazu passt auch das ständig propagierte Vorbild USA: Natürlich sind “wir” keine Supermacht und nicht Number One – aber ein bisschen sollten “wir” uns schon zusammenreißen. Wenn nun die USA die Großoffensive in der deutschen Zone eröffnen, können “wir” doch nicht in “unserer eigenen Zone” in den Basislagern bleiben und zukucken! Wie sieht das denn aus? Also voll eskalationsfähig werden! Ohne Rücksicht auf das Geld, das das kostet (Geld wird nie quantifiziert, bloß immer noch viel mehr als absolut notwendig gefordert).

Und damit wir uns auf der Zunge zergehen lassen können, was es heißt, wenn Guttenberg dieses Programm wirklich in allen konkreten Forderungen jetzt nachzubuchstabieren scheint, noch etwas O-Ton Lindemann:

“Die Panzerhaubitze 2000 wäre ein guter Anfang. Sie würde dafür sorgen, dass sich jeder Angreifer in einem Umkreis von 40 Kilometern reiflich überlegen muss, ob er wirklich bereit ist, ins Paradies einzutreten. Seine Chancen darauf würden sich nämlich beim Abfeuern einer BM-1 potenzieren. Um die Risiken von Kollateralschäden zu minimieren, könnte die Truppe vor Ort auch ganz offen mit der Gefahr für die Bevölkerung umgehen. Es könnten Laufzettel mit Warnhinweisen verteilt werden, die vom Aufenthalt in den bekannten Raketenabschussräumen zu gewissen Uhrzeiten abraten. Sogar Karten wären denkbar, in denen die gefährdeten Bereiche rot markiert werden. Natürlich [!!] lässt sich die grundsätzliche Gefahr, auch Unschuldige zu treffen, niemals ausschließen. Doch letztlich hängt auch das Wohl der afghanischen Bevölkerung davon ab, ob es uns gelingt, die Aufständischen zur Aufgabe zu bringen.” (Seite 118)

Jetzt sind wir gespannt, ob demnächst auch tatsächlich solche Handzettel (für Analfabeten!) in der deutschen Zone verteilt werden. Soviel ist klar: Indem Guttenberg-Wieker Lindemanns Vorschläge angenommen haben, ist der Afghanistanappell definitiv bestätigt: Ja, die Bundeswehr führt einen Anti-Guerillakrieg mit Eskalationsstrategie. Ja, sie führt ihn primär, um ihre “Erstligafähigkeit” zu beweisen.

Der Appell kann hier weiter unterzeichnet werden.

Lesung aus dem Roman und politischer Impuls im Kombipack

Donnerstag, April 15th, 2010

Auf Einladung des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS) liest Jürgen Link die Simulation vom UDD (Unbekannter deutscher Deserteur) aus seinem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag Oberhausen). In dieser Simulation haben sich die “ursprümglichen Chaoten”, die Schreiber des Textes, einen künftigen Antiguerillakrieg der Bundeswehr in einem Land A* vorgestellt – rechtzeitig, um ihn zu verhindern. Dazu gehört die Geschichte vom UDD.

Inzwischen findet ein solcher Krieg in einem anderen Lande A* tatsächlich statt – ohne dass man bisher von einem Deserteur gehört hätte. Deshalb das Kombipack: Im politischen Impuls werden einige Spezifika des gemeinsamen Appells von DISS-journal, kultuRRevolution und AMOS “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” erläutert und zur Diskussion gestellt.

Wann?

Mittwoch, 21. April 2010, 17 Uhr

Wo?

DISS, Siegstraße 15, Duisburg

Alle Interessentinnen sind herzlich eingeladen.

Ach “Normales Deutschland”!

Montag, April 5th, 2010

Die Osterausgabe der Fatz (3.4.2010) ist mit einem Coverbild aufgemacht, das eine Dornenkrone darstellt, die aber in eine Art Triumphsonne hinein zu explodieren scheint. Die Kollektivsymbolik kann auf den ersten Blick ein wenig kryptisch erscheinen, wird aber vielleicht durch das umgebende Textmaterial deutlicher: Unter dem Bild schlägt die Schlagzeile "Drei Bundeswehrsoldaten in schweren Gefechten gefallen." Rechts eine Glosse "Gefallen", und darunter der Leitartikel "Normales Deutschland" von Klaus-Dieter Frankenberger, einem der Startenöre der Fatz. Darin wird eine, wie es heißt, nur angeblich neue "egoistische" Berliner Politik gegenüber den europäischen Partnern (besonders Griechenland) und am Hindukusch vehement verteidigt. "ein kühler, eng an deutschen Interessen orientierter Pragmatismus der Kanzlerin Merkel" wird gegen Einwände des Auslands in Schutz genommen, und die Anklage, "Deutschland denke nicht mehr europäisch, sondern, eben, deutsch", wird teilweise bestätigt, aber verteidigt. Im Klartext: "Jene, welche die Europapolitik früherer Bundesregierungen romantisieren, übersehen zweierlei: Geschichte steht nicht still. Das Deutschland der 16 Bundesländer ist nicht mehr das vor der Wiedervereinigung."

Diese Positionsklärung stützt sich nun auf den Begriff der "Normalität": Die deutsche Bevölkerung sei "(fast) so normal oder selbstbezogen oder europanörglerisch wie jede andere auch" und die Regierung sei doch schließlich ständig von den anderen westlichen Regierungen aufgefordert worden, "historisch begründete Selbstbeschränkungen aufzugeben und selbstbewusst seine Interessen zu vertreten. Also normal zu werden."  Insgesamt wird "normal" von Frankenberger demnach im Sinne von ‘legitim national-egoistisch’  verwendet. Das kann nun doch nicht einfach so stehen bleiben.

Wie im "Versuch über den Normalismus" (4. Aufl. Göttingen 2009, Vandenhoeck und Ruprecht) ausgeführt, wird der Begriff der Normalität zwar gerade im mediopolitischen Diskurs als leere Sprechblase und meistens geradezu paralogisch verwendet, besitzt aber einen historischen Kern, dessen Konzept systematisch entwickelt werden kann. Dabei geht es, kurz gesagt, um die Mittelzonen von massenhaften sozialen Erscheinungen: Bei Körpergröße, -gewicht, -stärke usw. liegen die Mittelwerte im "normal range", während Riesen und Zwerge anormal sind. Ähnlich ist es bei IQ, bei der Sexfrequenz usw. Im soziopolitischen Bereich gibt es demnach drei Dimensionen, wo sich sinnvoll von Normalität sprechen lässt: die Verteilung des Lebensstandards (breite Mitte, wenige Reiche oben und wenige Arme unten), die Verteilung des Wissens ("Bildung") und die des Wahlverhaltens (starke "Mitte" vs. mickrige "Extreme"). In allen drei Dimensionen hat die "Berliner" Politik Denormalisierung (Abbau von Normalität) betrieben: "Reformen", Zweidrittelgesellschaft, Explosion der Armut, Aufblasen der Spitze, Schrumpfen der Mitte – bei den Wahlen als konsequente Folge: Kollaps der "linken Mitte" sprich SPD.

Von all dem schweigt des Startenors Herrlichkeit – ihm geht es nur um die Außenpolitik. Und da ordnet er das Berliner Deutschland mal wieder als "Mittelmacht" ein, obwohl er im gleichen Atemzug feststellt, es könne keine "große Schweiz" sein (gemeint: militärisch abstinent). Das heutige Deutschland, dass seine Hegemonie in Europa voll ausreizt und das militärisch vom Balkan übers Horn von Afrika bis zum Hindukusch "in der Fläche präsent" ist, eine "Mittelmacht"? (Womit "Normalität" assoziierbar wäre.) Obwohl der Artikel für Ehrlichkeit plädiert, macht er sich hier einer grotesken Vertuschung schuldig. "Mittelmacht"? Das wäre im Ranking der 200 Stasten etwa eine Position im 20er oder 30er Bereich! Da lachen unsere griechischen oder französischen Freunde schallend. Man kann (und sollte) mit ihnen das Spiel spielen: "Top ten? Top five? Top three?"

Und das bedeutet: Abgesehen davon, dass 200 eine viel zu kleine Grundgesamtheit ist, um darin eine belastbare "Normalität" zu bestimmen, spielt dieses "normale Deutschland" eben in der Spitze der 1. Welt-Liga! Mindestens unter den Top five – und das ist nicht nur alles andere als normal – es ist der rundum durchschlagende Raketenmotor, der "dieses unser geliebtes Vaterland", inzwischen flächendeckend schwarz-rot-gold beflaggt, überall dort, wo es wirklich um Normalität geht, immer tiefer in die Denornalisierung treibt. Wenn nicht… Ach wenn nicht!

Fünf Azubis und drei Ausbilder in A* verunglückt

Samstag, April 3rd, 2010

So steht das nicht in unseren Medien, müsste aber konsequenterweise! Statt dessen heißt es: Drei Fallschirmjäger der Bundeswehr seien in eine feige und heimtückische Falle der Taliban gelockt worden, und fünf afghanische Karzai-Soldaten seien einem tragischen Irrtum zum Opfer gefallen und im friendly fire der Bundeswehr umgekommen.

Tatsächlich handelt es sich um die ersten größeren Todesopfer einer Offensive der Bundeswehr, die nach dem amerikanischen Modell von McChrystal ("Clear and Hold") versucht, von "Aufständischen" kontrollierte Gebiete gewaltsam zu erobern. Nur haben die deutschen Interventionspolitiker (einschließlich der rot-grünen) diese Realität mittels ihres Newspeak in einer Weise vertuscht, gegen die die Vertuschungspraxis der katholischen Kinderquäler fast noch harmlos erscheint, weil es in A* um nicht weniger als um Leben und Tod geht.

Deshalb ein kurzer Crashkurs in Bundeswehr-Newspeak:

Offensive mit massiver Feuerkraft = "mehr Präsenz in der Fläche"

Gemeinsame Offensive mit Karzai-Soldaten = "Ausbildung"

offensive deutsche Kampftruppen = "Ausbilder"

offensive Karzai-Truppen = "Auszubildende"

Wenn der Volksmund sagt: "Sie wollen uns dumm sterben lassen", so meint er das meistens nur metaphorisch. In A* ist das Dumm-Sterben dagegen bitterer Ernst: auf allen Seiten. (Übrigens: Die taz bringt die Nachricht kommentarlos im Newspeak unter Fernerliefen und macht groß mit dem osterfröhlichen Appell auf, den Garten auf Frühling zu trimmen.)

Neues vom Geist der Drohnen

Freitag, April 2nd, 2010

Die Drohnen der Bundeswehr in Afghanistan "geben den Geist auf"! Die alten kleinen, aus deutschem Eigenbau, sämtlich bei 40 Grad Celsius – und nun auch die erste von drei großen Drohnen vom Typ "Heron" aus israelischer Produktion: gleich bei der esten Probe zu Schrott gelenkt! Bei der Gelegenheit erfahren wir, dass die "Hero(i)n"-Drohnen nicht gekauft, sondern geleast sind (für 110 Millionen Euro). Und zwar für 3 Jahre! Das zeigt, wie ernst die Stäbe ihre angeblich ja allein entscheidungsbefugte "Politik" nehmen! Die "Politik" verspricht doch einen "Exit" schon vom nächsten Jahr ab; sie entscheidet doch jeweils bloß für ein weiteres Jahr. Aber was bleibt ihr noch übrig, wenn die Generäle schon auf 3 Jahre ausgeleast sind? Natürlich die Verantwortung!

Afghanistanappell: Werkstatt-Treff und weiter

Dienstag, März 16th, 2010

Um die spezifischen Aspekte des Appells “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” analytisch zu vertiefen, fand am 6. März 2010 im Kulturzentrum Bahnhof Langendreer in Bochum ein Werkstatt-Treff mit 30 Teilnehmenden statt. Lebhaft diskutierte Impuls-Referate von Andreas Zumach, Tobias Pflüger, Margarete und Siegfried Jäger, Johannes Weissinger und Jürgen Link arbeiteten die Besonderheiten dieses “Kriegs der Drohnen und Drogen” und des Anteils der Bundeswehr daran heraus. Die Beiträge werden in Heft 58 der “kultuRRevolution. zeitschrift für angewandte diskurstheorie” nachzulesen sein. kRR, AMOS und DISSjournal wollen diese analytische Arbeit schwerpunktmäßig weiterführen und laden dazu weitere Zeitschriften und einzelne Personen zur Mitarbeit ein (Zeitschrifteninitiative “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan”).

Der Text des Appells wurde im Konsens um einen kleinen Zusatz zur Forderung nach “umgehendem” Rückzug der Bundeswehr erweitert. Der nun gültige definitive Text kann im Netz (Afghanistanappell.de) nachgelesen werden. Um der Zeitschrifteninitiative innerhalb des Netzes der Friedensgruppen zusätzliche Aufmerksamkeit zu verleihen, bitten wir um weitere Unterschiften und ggf. weitere Spenden für die Anzeige im “Freitag” (wir gehen davon aus, dass die kleine Erweiterung im Sinne der bisherigen UnterzeichnerInnen ist, die also stillschweigend zustimmen können).

Für die weitere analytische Arbeit zum Afghanistankrieg hat der Werkstatt-Treff vorläufig die folgenden 10 Problemfelder formuliert:

1. Überblick über die hegemoniale, den Krieg begleitende Forschung zu A* (an welchen Unis, in welchen privaten Institutionen usw., welche Hauptvertreter und Experten). Fragen der Geopolitik, der Stützpunktnetze, der Sprachen/Kulturen; muslimischen Strömungen (Taliban u.a.); Theorie des „asymmetrischen Kriegs“ (Herfried Münkler): Selbstmordattentate vs. Drohnen.

2. Theorie und Praxis von CIMIC (Civil-Military Cooperation); welche Expertisen, z.B. an Unis und privaten Instituten; welche NGOs machen mit, welche Projekte sieht die Bundeswehr als Modelle usw.; Niebels Pläne für enge Bindung der Entwicklungshilfe ans Militär.

3. konkrete Strategie, Taktik und Funktionsweise der Bundeswehr im Krieg: Strategie „Clear and Hold“ (Modell Irak) Gezielt töten nach c/k-Listen, wucherndes Informantenwesen; Durchkämmen Haus zu Haus; Eliteeinheiten und ‚normale’ Truppen, deren Verhältnis zueinander und deren Mentalitäten; Aufbau des KSK durch Hoffmann-Freund Reinhard Günzel; Mentalität Kriegszustand, incl. faschistoide Züge

4. „Psychologie“: posttraumatische Störungen und deren Behandlung: Militärseelsorge; Psychiatrie, Stresstraining

5. „Verkauf“ in der Öffentlichkeit: Interdiskurs, mediopolitischer Diskurs; welche Subjektivitäten von Freund und Feind, binäre Reduktionismen („der Westen“ vs. „die Taliban“); elementare Literatur (Doku-Berichte; Reportagen, Blogs?) wie werden die Massen zugegebenermaßen „Unschuldiger“ medial entsorgt? (Defizite Statistik)

6. Fragen des Rechts (Völkerrecht, Strafrecht); besonders: Taktik der „gezielten Tötungen mit CDE“ (Collateral Damage Estimate); c/k-Listen, Rolle der Geheimdienste und ihrer anonymen Informanten

7. welche ‚positiven’ Alternativen zur Sicherheit (Komplex Mädchenschulen usw.)

8. Problemfeld Deutschland als Weltmacht: Rolle in der inoffiziellen militärischen „Welt-Junta“; Verhältnis zur Supermacht USA (incl. Widersprüche); welche „deutsche Identität in der Welt“? Verhältnis zur deutschen Militärgeschichte; Afghanistan-Erbe der DDR: Beziehungen während der sowjet. Besatzung; Übernahme von Experten?

9. Bundeswehr-Propaganda in den Schulen, Jobcentern u.a.

10. Finanzierung; Militärhaushalt und andere Haushalte; Zahlen; incl. Rolle private Military-Firmen

Beiträge zu diesen Problemfeldern sind uns jederzeit willkommen; wir denken an weitere Werkstatt-Treffen und an weitere Publikationen in unseren Zeitschriften.