Archive for the ‘Interdiskurs’ Category

Zeitschrift “kultuRRevolution”: Neues Heft 72 über Populismus – neuer Verlag K-West – neue Homepage mit allen Informationen

Sonntag, Juli 23rd, 2017

Im neuen Verlag K-West in Essen ist Heft 72 der kultuRRevolution zeitschrift für angewandte diskurstheorie erschienen. Thema: “Populismus: Rechts, Links, Mitte?” Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 laufen die Versuche auf Hochtouren, die “Populismuskrise” abzuhaken, wobei Trump äußerst gelegen kam. Aber die Populismuskrise ist Symptom einer ernsthaften Hegemoniekrise des ewigen Wechselspiels zwischen rechter und linker Mitte. Gerade jetzt braucht es also eine belastbare Theorie der “populistisch” genannten Tendenzen (auf diskurstheoretischer Basis). Was ist überhaupt Populismus außer einem trumpartigen “Stil”? Soll Rassismus neuerdings “Populismus” heißen und warum? Ist Linkspopulismus gleich Rechtspopulismus? Wie geht das Links-Rechts-Spiel, bei dem immer die “Mitte” gewinnt? Warum aber schmiert die linke Mitte in der “Populismuskrise” ab?

Auf der erneuerten und vervollständigten Homepage zeitschrift-kulturrevolution.de, die eine Überblick über alle Hefte, Themen, Autorinnen seit 1982 bietet, kann man sich von der prognostischen und also analytischen Stärke des Projekts kRR überzeugen. Deutschlands Aufstieg zu einer der führenden Weltmächte, wie er auf dem Gipfel in Hamburg konsakriert wurde, hat die kRR seit langem verfolgt – ebenso wie Aufstieg und Krise des Rechts-Links-Mitte-Extreme-Modells. Dazu sind Leitfäden wie Kollektivsymbolik, Interdiskurs, Normalismus sehr brauchbar.

Also lohnt eine Autopsie ganz sicher: bis hin zur Bestellung eines Heftes oder sogar eines Abos.

“Normalismus und Antagonismus in der Postmoderne”: neues Heft 70 der Zeitschrift “kultuRRevolution” erschienen

Mittwoch, Juli 20th, 2016

Den Schwerpunkt des neu erschienenen Hefts 70 der Zeitschrift “kultuRRevolution.  zeitschrift für angewandte diskurstheorie” bildet der Vorabdruck eines Teils des Buchprojekts “Normalismus und Antagonismus in der Postmoderne” von Jürgen Link. Darin wird das Konzept des Normalismus in einen weiteren Kontext gestellt, der sich auch explizit auf bekannte außerhegemoniale Grundsatztheorien wie die von Negri/Hardt, Laclau-Mouffe, Rancière u.a. bezieht. Als “spingender Punkt” all dieser “postmarxistisch” (oder eben auch “postmodern”) genannten Theorien erscheint die Frage, ob die westlichen Gesellschaften nach dem Kollaps des Ostblocks und des Wechsels Chinas zum Kapitalismus tendentiell antagonismusfrei werden (so dass alle sozialen und politischen Konflikte per Kompromiss lösbar sind, wie Fukuyama es vertritt). Im Kontext einer Kritik “semdialektischer” Auffassungen von Antagonismus seit Hegel wird ein operatives Antagonismuskonzept vorgeschlagen. Dabei wird der Normalismus (der in den meisten neuen Großtheorien übersehen ist) als das wichtigste Instrument analysiert, um tendentielle Antagonismen am Ausbruch zu hindern bzw. wegzumanagen. Die wachsende “Krise” wird als Kaskade von Denormalisierungen, also als Krise des Normalismus beschrieben – mit daraus folgenden Prognosen (erweisen sich die Antagonismen als stärker als der Normalismus?).

Der teilweise Vorabdruck geht mit der Bitte um Diskussion einher. (Fragen, Kritiken und andere Diskussionsbeiträge können auch hier im Blog als Comments eingebracht werden: sehr erwünscht.)

Näheres siehe auf der Homepage  zeitschrift-kulturrevolution.de.  Dort auch die Möglichkeit, das Heft zu ordern oder gleich endlich die Zeitschrift zu abonnieren.

Heft 69 der Zeitschrift “kultuRRevolution” erschienen: “Hellas im medialen Zyklopenblick”

Donnerstag, Januar 7th, 2016

Heft 69 der Zeitschrift für angewandte Diskurstheorie (kultuRRevolution) hat den Schwerpunkt “Hellas im medialen Zyklopenblick”. Darin sind die Beiträge der Dortmunder Tagung vom 26. Juni 2015 publiziert (Thema: “Wie einäugig ist die deutsche Medienberichterstattung zu Griechenland?”). Es handelt sich um sehr genaue und “belastbare” Analysen der Talkshows, der Bildzeitung, der FAZ, der SZ u.a. (mit einer Erfassung sämtlicher Talkshows zum Thema Griechenland in der ersten Jahreshälfte 2015). Das Resultat ist eindeutig: Von ehrenhaften Ausnahmen abgesehen, erwiesen sich die großen deutschen Leit- und Mainstreammedien als einäugige “Kopflanger” (wie Bertolt Brecht solche Intellektuellen nannte) der gnadenlosen Abstrafungs- und Versenkungspolitik der Berliner Regierung und ihrer Brüsseler willigen Claque. Ein zweites, griechisches Auge wurde ganz selten geöffnet. Niemand erklärte, dass die “Rettungsgelder” einfach für die Gläubiger profitable Verlängerungen und Vergrößerungen der Altschulden sind und dass die griechische Regierung zu einer “Inkassofirma” für die Gläubiger erpresst werden sollte und dann auch wurde. Niemand öffnete ein Auge zum Vergleich mit der Ukraine: Dort war und ist all das, was für Athen “unmöglich” ist, durchaus möglich: Schuldenerlass, Moratorium, Neukredite ohne bereits durchgeführte “Reformen” (d.h. Verelendungsschnitte).

Genaues Inhaltsverzeichnis, Autorinnenverzeichnis, Bestellmöglichkeit, Abomöglichkeit usw. (d.h. Unterstützung eines sinnvollen Projekts, das seit 1982 seine Relevanz bewiesen hat) im Netz unter zeitschrift-kulturrevolution.de    . Dort auch Verzeichnis aller bisherigen 69 Hefte mit ihren Schwerpunkten.

Michael Jäger im “Freitag” zum neuen Normalismus-Buch und zur kultuRRevolution

Mittwoch, Juli 24th, 2013

Treffend-poetisch bringt Michael Jäger die Funktion der “kulturrevolution. zeitschrift für angewandte diskurstheorie” (Klartext Verlag Essen) als einer Zeitschrift “mit sowohl wissenschaftlichem als auch theoretischem Anspruch” auf den Punkt, “die in beiden Flussbetten gegen den Strom schwimmt und genau weiß, was sie will.” Er nimmt den Foucault-Schwerpunkt des aktuellen Heftes 64 zum Anlass, um das in 30 Jahren des Bestehens realisierte Profil mit seinen theoretischen wie politischen Originalen “Interdiskurs”, “Kollektivsymbolik” und “Normalismus” in Erinnerung zu rufen und seine Tauglichkeit für die Zukunft zu betonen (“Freitag” vom 18. Juli 2013, siehe hier unten den Text).

Bereits in einem Beitrag “Ist das ‘noch’ normal?” vom 22. Juni hatte er auch die Neuerscheinung “Normale Krisen? Normalismus und die Krise der Gegenwart” mit einem Blick auf Thilo Sarrazin” (Konstanz University Press, 19,90 Euro) besprochen und dabei einige Potentiale des Normalismus-Konzepts für eine kultursoziologische Analyse aktueller Gesellschaften westlichen Typs (wie den Unterschied zwischen Normativität und Normalität und seine Funktion oder die Integrationsfunktion zwischen Teilsystemen) sehr transparent dargestellt. Auch der Zusammenhang mit der Krise wird am Beispiel der Herabstufung Griechenlands um eine Normalitätsklasse erörtert.

Das 30-Jahre-Heft der Zeitschrift “kultuRRevolution” erschienen: “Bilanz und Vorerinnerung”

Donnerstag, Dezember 27th, 2012

Das gerade erschienene Heft 63 der “zeitschrift für angewandte diskurstheorie” mit dem manches Gemüt noch immer provozierenden Titel “kultuRRevolution” ist das 30-Jahre-Jubiläumsheft und versucht eine Art Summe des Erreichten. Wer im Netz surft, kann sehen, dass das Projekt “kRR” (k 2 R) mindestens als Geheimtipp oder Gerücht weit über den Kreis der Abonnenten hinaus bekannt ist: Das ist die Zeitschrift, die längst vor dem Mainstream “Paradigmen” wie Foucault, Deleuze/Guattari, Althusser, Pêcheux, Gramsci, Rancière, Flusser u.v.a. in Deutschland bekannt gemacht hat. Aber eben nicht bloß als “Paradigmen”, sondern tatsächlich als Werkzeugkisten – und die mit den Werkzeugen eigene, neue “Produkte”, wie der Mainstream sagen würde, geschaffen hat, die aber – vom Mainstream aus gesehen – ein dickes “Aber” besitzt: “Ein garstig Lied, pfui! ein politisch Lied!”

Bangemachen gilt nicht! Heft 63 bietet für langjährige Leserinnen, sowohl regelmäßige wie sporadische, darüber hinaus aber gerade auch für neugierige Erstleser einen Überblick über diese neuen Produkte. Die kRR ist, wie man schnell sieht, nicht für den Profitkonkurrenzmarkt gedacht, sie schnüffelt nicht nach Marktnischen. Sie besitzt höchstens auf ironisch “Alleinstellungsmerkmale”, sagen wir lieber Originale. Heft 63 gibt einen Überblick über 10 Originale: 1. prognostische kapazität; 2. WNLIA (Weder-Noch, Lieber Irgendwie Anders); 3: interdiskurs; 4. angewandte diskurstheorie; 5. hölderlin, romantik, surrealismus – und karl kraus; 6. kollektivsymbolik; 7. normalismus; 8. simulation; 9. wider den interpersonalen interaktionismus; 10. vorerinnerung.

Zum Konzept WNLIA gehört, dass die kRR jenseits der Mainstream-Alternative entweder zeitlos-wissenschaftlich oder aktuell-politisch operiert. Sie hat sich deshalb gleich beim “Ausbruch” der großen Krise von Kapitalismus und Normalismus seit dem Jahr 2007 zum Analyseforum dieser Krise entwickelt. In Heft 63 wird der Schwerpunkt aus Heft 61/62 (Wieviel Kulturrevolution am Mittelmeer?) mit einem zweiten Griechenland-Schwerpunkt fortgesetzt: Was bedeutet es, dass ein Land um eine Normalitätsklasse heruntergestuft wird? (Wie es ja auch in diesem Blog bereits kurz erklärt wurde.) Ferner hat die kRR mit ihrem normalismustheoretischen Instrumentarium als erste (und wohl immer noch einzige) Zeitschrift analysiert, dass Deutschland durch die Krise in die Position der Weltmacht Nr. 2 katapultiert worden ist. Das in Deutschland festzustellen und die Folgen ohne Scheuklappen zu bedenken, ist natürlich ein Tabu.

Im Abonnement kosten zwei Hefte pro Jahr (incl. Versand) nur 17 Euro 50. Bestellungen über die neue Website zeitschrift-kulturrevolution.de oder beim Klartext Verlag Essen. Natürlich braucht die kRR mehr AbonnentInnen – offen gesagt: besonders auch jüngere, weil 30 Jahre nicht bloß Erfolg bedeuten, sondern die ursprüngliche Leserschaft auch unter Alterungsdruck gesetzt haben.

Übigens kann man auch schreibend mitmachen: Ein anderes WNLIA der kRR war von Anfang an: Weder nur bekannte Autoren noch bloß unbekannte Blogger avant la lettre, vielmehr beides gemischt: abhängig von konkreten Problemen. Näheres beim Besuch der Website zeitschrift-kulturrevolution.de

Rechtzeitig zum 4. Jahrzehnt: die neue Homepage der Zeitschrift “kultuRRevolution”

Donnerstag, August 9th, 2012

Leserinnen, die mehrfach in dieses Blog geschaut haben, wissen, dass es Teil eines mehrfacettigen Projekts ist, zu dem auch die “zeitschrift für angewandte diskurstheorie” mit dem Namen kultuRRevolution gehört, die im Klartext-Verlag Essen erscheint (und bloß 17 Euro 50 incl. Versand im Jahresabo für 2 Hefte kostet). Die kultuRRevolution (kRR) wird im Herbst mit ihrem Heft 63 bereits 30 Jahre alt.

Die gänzlich neugestaltete Homepage (www.zeitschrift-kulturrevolution.de) informiert ab sofort über die “Spezialitäten” der kRR, über das jeweils aktuelle Heft sowie (unter dem Menüpunkt “HEFTÜBERSICHT” auch über alle bisher erschienenen Hefte. Diese Übersicht wird schrittweise auch auf alle Artikel und Autorinnen ausgedehnt. Unter dem Menüpunkt “KULTURREVOLUTION” kann man nicht bloß direkt ein Abo ordern, sondern auch “kRR MITGESTALTEN”, also Fragen, Kritiken und auch Vorschläge (auch Textvorschläge) einbringen.

Häufige Begriffe auch dieses Blogs (wie “Diskurs”, “Interdiskurs”, “Kollektivsymbol”, “Normalismus”, “Kulturrevolution”, “Simulation”) gehören zu den “Dauerbrennern” der Zeitschrift kRR, in der sich also jeweils viele theoretische und theoretisch-praktische (angewandte) Beiträge von sowohl sehr bekannten wie weniger bekannten Autorinnen finden. Das Besondere des Projekts kRR ist, dass es sowohl als eine Art “orientierende Plattform der Diskurstheorie” (im Anschluss an Foucault – und besonders der Interdiskurstheorie) auch in der “scientific community” anerkannt ist und dennoch gleichzeitig ein spezifisches politisches Engagement verfolgt – nach dem Prinzip auch dieses Blogs: “WNLIA” (Weder Noch Lieber Igendwie Anders). Weder rein akademisch noch rein “politisch” – vielmehr eben angewandt-diskurstheoretisch – weder total verstart noch bloß anonym-bloggerisch, vielmehr eben kooperativ (ohne Witz).

Demnächst wird auch das Jubiläumsheft 63, das im Herbst erscheinen wird (“30 Jahre kRR – Bilanz und Vorerinnerung”) auf der Homepage angekündigt und präsentiert werden. Viele sogenannt “linke” Zeitschriften sind seit 1980 und dann massenweise nach 1989 untergegangen – nicht so die kRR, weil sie seit ihrem Beginn vorerinnernde Konzepte für 2001 und danach hatte – es lohnt sich, sich über sie zu informieren und sie ggf. auch zu unterstützen (was sie wie jedes Projekt brauchen kann).

“wieviel kultuRRevolution am mittelmeer?” Doppelheft 61/62 zu diesem Schwerpunkt erschienen

Mittwoch, Februar 29th, 2012

Das Doppelheft 61/62 der “kultuRRevolution. zeitschrift für angewandte diskurstheorie” sowohl mit Beiträgen aus erster Hand Engagierter (Tunesien, Ägypten, Spanien, Griechenland, Occupy) wie mit diskurstheoretischen Analysen zum Zusammenhang von Krise der Denormalisierung und kulturrevolutionären Bewegungen ist erschienen. Bestellungen über den Klartext-Verlag Essen.

Aus dem Inhalt: – Jürgen Link, “Von der Denormalisierung zu kulturrevolutionären Drives?” – Oliver Kohns, “Guy Fawkes, 2011. Ein Beitrag zur politischen Ikonographie des Aufstands” – Khadija-Katja Wöhler-Khalfallah, “Tunesien. Ein Volk ringt um Freiheit und Würde” (sowie weitere Beiträge zu Tunesien und Ägypten) – Maria Corredera, “Die Indignados von 15-M” – Amador Fernández-Savater, “15. Mai: Eine Revolution aus Personen” – Vassilis Tsianos, Margarita Tsomou, Dimitris Papadopoulos, “Athen: Metropolitane Blockade, Reale Demokratie” – u.a.

Sowie weitere diskurstheoretische und diskurshistorische Schwerpunkte, u.a. von Rolf  Parr: “Kein universeller, kein spezifischer Intellektueller. Walter Höllerer im Literaturbetrieb der 1950er und 1960er Jahre”.

Im Abo ist die Zeitschrift billiger(17,50 Euro zwei Hefte im Jahr incl. Versand) – alles Nähere über Klartext (Kontaktdaten Internet).

Cem Özdemir, Angela Merkel und die rätselhafte Subjektqualität der “Märkte” (und was der V-Träger dazu sagt)

Donnerstag, Juli 21st, 2011

Cem Özdemir wirft Angela Merkel ihre Entscheidungsschwäche vor: Sie solle nicht immer hinter “den Märkten” herlaufen, sondern endlich die Vorherrschaft der Politik wiederherstellen. Wie sie das machen soll? Indem sie “ein starkes Signal an die Märkte sendet” und “die Märkte endlich wieder beruhigt” usw. Wie aber, wenn Merkel realistischer wäre als Özdemir? Denn wer sind “die Märkte”? So wie alle unsere Medien und Politiker von “den Märkten” reden, sind es personale Subjekte – genau von derselben Sorte wie Merkels “Menschen”. Es gibt “die Menschen” (bei denen zum Beispiel “der Aufschwung ankommt”) – und es gibt “die Märkte”. Beide “machen sich Sorgen”, sind “nervös”, sind “beunruhigt”, können “in Panik geraten” oder “sich wieder beruhigen” – ja sie können auch “jubilieren” und dann “eine Kursrakete hinlegen”. Sind “die Märkte” also einfach auch “Menschen”? Genau da fängt das Rätsel an, zu dem Özdemir offensichtlich noch gar nicht vorgedrungen ist, weil er gar nicht merkt, dass er selber genauso wie Merkel glaubt, das Wichtigste in “der Politik” wäre, “die Märkte endlich zu beruhigen”.

Tatsächlich haben alle realistischen Beobachter aus der Krise inzwischen folgendes gelernt: Der ungeschriebene Grundgesetz-Artikel Null heißt “Was die Politik nicht entscheiden kann, entscheiden in letzter Instanz die Märkte”. Worum geht es bei allen Wochenend-Krisensitzungen seit dem Beginn der Krise im Jahre 2008? Darum, dass am Montag “die Märkte nicht in Panik geraten”. Das schlimmste “Signal an die Märkte” wäre aber das von Ozdemir vorgeschlagene, nämlich als führender Politiker laut zu schreien: “Die Politik muss über die Märkte herrschen”. Das würde “die Märkte” ganz sicher nicht “beruhigen”, da würden sie vielleicht sogar “total durchdrehen”. Denn offensichtlich sind “die Märkte” sehr eigenwillige und höchst empfindliche Subjekte, die sich einer “Diktatur der Politik” niemals unterwerfen würden, im Gegenteil: eine solche Politik würden sie “gnadenlos abstrafen”. Das können sie nämlich, und das bereitet Angela Merkel die größten Sorgen.

Offenbar kommt man aus dem Rätsel und aus der ständigen Sorge um die “Stimmung der Märkte” nicht heraus, solange man “die Märkte” für quasi-menschliche Subjekte hält und “psychologisch” behandeln möchte. Was “die Märkte” angeht, so hat tatsächlich der alte Marx dieses Rätsel ein für allemal gelöst: “Die Märkte” mit ihren inzwischen vom Computerhandel in Sekundenbruchteilen ixmal um den Globus “gefluteten” Billionen sind un-menschliche Mechanismen, die sich nach dem Profitkriterium (“Gewinnmarge, Wettbewerbsfähigkeit, Effizienz”) bewegen – von denen die Menschen “gnadenlos abgestraft” werden, wenn sie die “Wettbewerbsfähigkeit” nicht an die erste Stelle setzen möchten – mehr noch: von denen die Menschen ein bloßes Anhängsel darstellen, die die Menschen längst nicht mehr “beherrschen” können, die auf noch so “starke Signale” der Politik in gewissen Situationen einfach pfeifen.

Am Punkte dieser Einsicht beginnt dann eine andere Betrachtungsweise. Es zeigt sich dann, dass hinter Angela Merkels Entscheidungsschwäche ein Dilemma des “deutschen V-Trägers” (“Verantwortungs-Trägers”) steckt: Wie soll der deutsche V-Träger seine Hegemonie in Europa bewahren und verstärken – durch offene Staatspleiten der Mittelmeerländer und ihren Austritt aus dem Euro, wodurch sie wieder nationale Verantwortung (V) bekämen – oder durch Eurobonds, wodurch ihre Integration verstärkt würde? Das Entscheidende wäre in beiden Fällen die Durchsetzung der Hegemonie – bei welcher Variante würden die “Südvölker” lauter über “deutsche Diktatur” schreien?

Für eine solche alternative Sicht hat der Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee” (assoverlag Oberhausen) fantasievolle und satirische Modelle entwickelt: Dort wird auch die Rede von “den Märkten” (als ob sie menschliche Subjekte wären) lustig beim Wort genommen. Dort sind Crashe und Krisen “der Märkte” und “der Politik” witzig vorerinnert. Und eben der V-Träger, dessen “Bauch” bzw. dessen “Unterbewusstes” eben die Märkte sind. Daran leidet der V-Träger zuweilen sehr tieftragisch und fühlt sich dann wie der zerrissene Wille “seines Philosophen” (Schopenhauer). Und schimpft auf “seine Politik”. Zu Özdemir würde er sagen: Halt endlich die Schnauze, was die Krise angeht, bleib bei deinen AKWs, ich kriege Bauchschmerzen wenn du redest, mein Bauch sind meine Märkte, die reagieren allergisch auf dich, wenn du wüsstest, wie nervös ich meine Märkte in meinem Bauch in diesen Wochen fühle! Das ist schon kein Ziehen mehr, das sind Koliken, besonders wenn du dich auch noch einmischst! Lieber Cem, hör auf mich zu quälen! Ich bin doch die Kuh, die auch deine Milch geben muss!

Wenn Guttenberg bleibt, kann Schavan nun wirklich nicht bleiben

Freitag, Februar 25th, 2011

Guttenberg selbst, Merkel und die ganze Regierung sowie deren mediale und populäre Basis, argumentieren systemtheoretisch: Das politische Teilsystem der Gesellschaft ist autopoietisch funktional ausdifferenziert, und das wissenschaftliche Teilsystem ebenso. Der binäre Code des ersten lautet “Regierung/Opposition”, der des zweiten “wahr/falsch” – beide sind voneinander völlig unabhängig (jeweils autopoietisch geschlossen), und deshalb kann Guttenberg bleiben, weil er zum Minister, wie Merkel es schön formuliert hat, als fähiger Politiker und nicht als Wissenschaftler berufen wurde.

Was aber ist mit Frau Schavan, die im politischen Teilsystem für das wissenschaftliche Teilsystem zu sorgen hat? Sie sagte dem Deutschlandradio Kultur am 24.2.2011: “Viele, die in der Wissenschaft arbeiten, sind natürlich enttäuscht darüber, dass eine Dissertation so zustande gekommen ist, und ich finde, dass die gestrige Entscheidung (nicht die Gutti-Entscheidung von BILD, sondern die der Uni Bayreuth, J.L.) zeigt: […] Die Wissenschaft ist souverän, die Wissenschaft entscheidet zügig. […] Es gibt Situationen, in denen Fehler gemacht wurden. Und entscheidend ist dann ein System, das Selbstregulierungskräfte hat, und das ist gestern deutlich geworden. Der Titel ist aberkannt, und damit ist klar seitens der Wissenschaft gesagt worden: Hier ist ein Fehler gemacht worden beim Zustandekommen der Arbeit – bei der Bewertung der Arbeit […].”

Der systemtheoretische Duktus ist hier sehr deutlich. Aber er kollabiert: “zügige Entscheidung” gehört zum politischen, nicht zum wissenschaftlichen Teilsystem. Und sie wurde tatsächlich im politischen, nämlich in einem zwischen Guttenberg und dem Kabinett abgesprochenen “Zustandekommen” gefällt und der Uni okroyiert. Der Titel wurde eben nicht “aberkannt”, sondern Guttenberg  hatte souverän politisch entschieden, ihn “zurückzugeben” wie ein Geschenk – und die Uni “nahm ihn zurück” – wie ein abgelehntes Geschenk.

Frau Schavan hat also ihre Aufgabe, politisch das Wissenschaftssystem zu verteidigen, eindeutig nicht wahrgenommen. Sie hat außerdem ein weiteres funktional ausdifferenziertes autopoietisches Teilsystem verhöhnt, nämlich das Rechtssystem (mit dem Code “Recht/Unrecht”) – beides schon allein dadurch, dass sie weiter im gleichen Kabinett wie Guttenberg sitzen bleibt.

Daraus folgt zweierlei: Erstens dass kein Wissenschaftler mehr die Wissenschaft bei Frau Schavan in guten Händen glauben kann.

Zweitens aber auch einige Grundsatzfragen an die (luhmannsche) Systemtheorie: Ist nicht der Fall Guttenberg ein Modellfall dafür, dass die Gleichbehandlung spezialdiskursiv verfasster Teilsysteme (wie Wissenschaft und Recht) mit interdiskursiv verfassten (wie Politik und Medien) nicht hinhaut? Über die Frage “wahr/falsch” wurde ja nie geredet: imgrunde geht es um eine interdiskursive Interferenz Wissenschaft-Recht und die Frage, ob sie in dieser Kombination oder im Interdiskurs Politik entschieden werden soll. Die Uni Bayreuth hat sich für eine eindeutig politische Version der Kombination entschieden. Sie hat implizit gesagt: Politik schlägt Recht in der Wissenschaft. Nach dieser Maxime führt Frau Schavan das Wissenschaftsministerium.

Aber was ist das für eine Politik? Woher stammt ihre “Sturheit”? Über Machtkampf hinaus aus ihrem praktischen Wissen, dass Politik für alles zuständig ist, eben als Interdiskurs. Interdiskurs bedeutet aber, dass politische Kompetenz keine Spezialkompetenz (wie die wissenschaftliche) ist, sondern eine selektive interpraktische (“generalistische”) Kompetenz. Guttenberg hatte auch Wissenschaft für seine politische Kompetenz selegiert: Er versucht, diese politische Selektion jetzt mit dem Argument loszuwerden, dass Politik eine Spezialität genau wie Wissenschaft wäre. Schavan deckt das mit ihrer “systemtheoretischen” Argumentation. Werden Wissenschaft und Recht das absegnen? Und Politik?

Vortrag im Atelierhaus Essen-Steele

Dienstag, Mai 4th, 2010

Auf Einladung von Doris Schöttler-Boll hält Jürgen Link einen Abendvortrag zum Thema:

Wo eigentlich liegt das Feld der Künste? Überlegungen zu ihrer diskursiven Verortung im Dreieck Bourdieu-Luhmann-Foucault.

Wann? 

Freitag, 7. Mai, 20 Uhr

Wo?

Atelierhaus Alte Schule Essen-Steele, Äbtissinnensteig 6

Ein Witz?

Dienstag, Mai 19th, 2009

Staatsanwaltschaft

Anklageschrift

 

Die WAZ wird angeklagt, am 25.6. 1998 im gesamten Verbreitungsgebiet der WAZ öffentlich zu rechtswidrigen Taten, nämlich zur Begehung gefährlicher Körperverletzungen bis hin zu Mord sowie zu Verstößen gegen das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufgerufen zu haben.

 

Der Angeschuldigten wird Folgendes zur Last gelegt:

 

Die Angeschuldigte ist Betreiberin der größten regionalen Tageszeitung der Bundesrepublik Deutschland.

 

Im Vorfeld der Bundestagswahl 1998 veröffentlichte sie am 25.6.1998 unter dem Titel „…noch jemand aus dem Weg“ eine grafische Darstellung, in der der Wettbewerb zwischen Wolfgang Schäuble und Volker Rühe um die Kanzlerkandidatur der CDU mit der grafischen Darstellung eines Panzerangriffs von Rühe auf den Behinderten Schäuble dargestellt wurde.

In einer sogenannten Gedankenblase Rühes wurde derselbe auf dem Kanzlerstuhl dargestellt. Panzerangriff, Gedankenblase und die Unterschrift „… noch jemand aus dem Weg“ bilden den wesentlichen Zusammenhang der grafischen Darstellung.

waz_panzer

 

Diese Form der Darstellung im Zusammenhang mit dem vorgenannten Titel beinhaltet den Aufruf, die demokratische Chance des behinderten Wolfgang Schäuble auf Kanzlerkandidatur und Kanzlerschaft durch die Vornahme der Androhung von extremen Gewalttätigkeiten (Panzerangriff auf Rollstuhl) zu verhindern oder sonst ihre Durchführung zu vereiteln, und stellt sich gleichzeitig als Aufruf an Rühe und seine Unterstützerinnen und Unterstützer dar, im Wahlkampf schwere Panzer, die ihrer Art nach zur Verletzung und Tötung von Personen und/oder zur Beschädigung von Sachen geeignet und bestimmt sind, ohne behördliche Ermächtigung mit sich zu führen und diese zur Begehung von Vergehen der gefährlichen Körperverletzung oder gar der Tötung von Personen, darunter eines Behinderten, einzusetzen. Der Titel „… noch jemand aus dem Weg“ spielt auf die volkstümliche Redewendung „jemanden aus dem Weg räumen“ an und stellt damit zweifelsfrei sogar einen Aufruf zum Mord dar. W. Staatsanwältin

Ein Witz? Ja, aber ein ernstgemeinter von Staatsanwältin W.: man setze nur statt der „grafischen Darstellung“ aus der WAZ einen Comic mit Torte und Lunte aus dem Internet-Forum bo-alternativ und statt der WAZ Martin Budich ein, und alles ist kein Witz mehr, obwohl der größte Witz des beginnenden Jahrhunderts. Staatsanwältin W. weiß nicht, dass Karikaturen Konflikte symbolisch darstellen und dazu groteske Übertreibungen als ihr wesentliches Mittel einsetzen müssen. „Panzer“ bedeutet symbolisch „große Entschlossenheit“  (und nicht: realer Panzereinsatz !!!) – Torte mit Lunte bedeutet symbolisch „Entschlossenheit mit Spaß“ (erheblich kleinere als Panzer!!!), und nicht realen Terrorismus!

Man muss schon nicht bloß völlig humorlos, sondern außerdem diskursanalytisch eine Null sein, um derart danebenhauen (keine Unterstellung, Statsanwältin W. habe wirklich zugeschlagen!!) zu können.

Aber vielleicht muss folgendes zur Erklärung dieses Danebenhauens hinzugefügt werden: Vermutlich ist sie so sozialisiert worden, dass sie das Axiom „linksextrem = rechtsextrem“ für die eigentliche Grundlage sowohl des GG wie des StGB hält; und dass sie also meint, „Linksextreme“ müssten immer und egal in welchem Zusamnenhang genauso schlimm sein wie „Rechtsextreme“ (oder noch ein bisschen schlimmer). Rein mathematisch folgt aus ihrem Axiom aber, da „extrem“ = „extrem“, die Gleichung „links = rechts“ – und dann hätten wir gar keine Wahl mehr! Und die Parole „Mehr Demokratie wagen“ wäre wohl „linksextrem“, oder?