Quizfrage an die Plasberg-Runde

02. September 2010

Am Ende seiner Sarrazin-Show hatte Plasberg seinem Stargast einen großen Abgang präpariert: Der hatte in seinem sofort zum Bestseller aufgeputschten Manifest für den Protonormalismus die Prognose getätigt, in 100 Jahren werde in Deutschland, und zwar wegen der sich so stark vermehrenden muslimischen “Population”, niemand mehr wissen, von wem das Gedicht “Wanderers Nachtlied” sei. Plasberg spielte einen Test von einem Essener Gymnasium ein: niemand, auch nicht “deutsche” Deutschlehrer, wusste es (schon jetzt). Daraufhin durfte der Stargast es aufsagen. Auffällig war weniger das Fehlen eines Verses als vielmehr der bürokratische Leierton, der an den von muslimischen Kindern erinnerte, die den unverstandenen Koran auch bloß “auswendig lernen” können .

Nun aber ein Gedankenexperiment: Angenommen es wäre möglich (kontrafaktisch angenommen!), jemand wirklich “Gebildeter” und wirklich “Intelligenter” hätte von Plasberg eingeladen werden können. Dann hätte er Plasberg, seinem Star und den übrigen Eingeladenen folgende Frage stellen können:

Von welchem Dichter stammt das folgende Zitat:

“Der Dichter betrachtet sich als einen Reisenden. Schon ist er im Orient angelangt. Er freut sich an Sitten, Gebräuchen, an Gegenständen, religiösen Gesinnungen und Meinungen, ja er lehnt den Verdacht nicht ab, daß er selbst ein Muselmann sey.”

?? (Auflösung vielleicht in einem späteren Eintrag. Natürlich kann auch eine von den vermutlich verzweifelt wenigen Leserinnen dieses Blog die Antwort eintippen. Das wäre dann mal wieder ein “Comment”.)

“Migrantinnen und Migranten”: In diesem Zeichen können sie nur verlieren

01. September 2010

Nun verteidigen sie ihre “Migrantinnen und Migranten” gegen Sarrazin, unsere Migrantinnen- und Migranten-Forscherinnen und -forscher, verliebt wie sie sind in ihren Begriff “Migrantinnen und Migranten”. Der klingt ja auch so wissenschaftlich, genau wie Repräsentant und Signifikant. Damit kann man vielleicht sogar Exzellenz werden, mit der Migrantinnen- und Migrantenforschung, insbesondere der Migrantinnen- und Migranten-Kinder-Defizite-Forschung. Bloß: Warum kommt das bei “den Menschen” (Angela Merkel) irgendwie schlecht an und wirkt vielleicht sogar wie Wasser auf Sarrazins Mühle?

Weil es die Anten in der deutschen Sprach-, Diskurs- und Kulturgeschichte so in sich haben. Im Prinzip ist die Endung natürlich ganz harmlos: abgeleitet per Analogie aus dem Latein bzw. aus romanischen Sprachen, im Prinzip wie Student. Im Prinzip eben oft wissenschaftlich (spezialdiskursiv). Aber wie die Kontingenz gerade auch in der Sprachgeschichte so spielt: Im Deutschen haben die Anten seit langem, seit den Vaganten und (ursprünglichen) Protestanten, zunehmend einen ausgrenzenden und negativen Beigeschmack bekommen. Man muss das ganz statistisch sehen. Es handelt sich um typische, auszugrenzende Gruppen:

1. die Alltags-Anten: Bummelanten, Denunzianten, Dilettanten, Ignoranten, Intriganten, Mogelanten, Mutanten, Pedanten, Querulanten, Schmieranten, Simulanten, Simultanten (ganz neu), Spekulanten, Trabanten.

2. die psychiatrisch “Devianten”: Deliranten, Denunzianten, Flagellanten, Halluzinanten, Intriganten, Komödianten, Konfabulanten, Masturbanten, Querulanten, Simulanten, Skrupulanten, Suizidanten.

Ich überspringe die juristischen und unmündigen Anten und komme 3. zu den politischen/rassistischen: Degeneranten (AH in “Mein Kampf”), Devianten, Diversanten, Kapitulanten, Kollaboranten, Militanten, Minusvarianten, Optanten, Sympathisanten.

Und 4. zu den Minderheiten, darunter unseren “Migrantinnen und Migranten”: Assimilanten, Asylanten, Emigranten, Exulanten/Exilanten, Immigranten – MIGRANTEN.

Assimilanten wurden die “Westjuden” genannt, bis zur Vergasung (im doppelten Sinne). Asylanten klang (so spielt der Zufall aus Deutschland) ganz ähnlich , bis sie durch die GG-Änderung erheblich weniger wurden.

Aber da sprangen rechtzeitig die MIGRANTINNEN UND MIGRANTEN in die Bresche – und wurden durch die Migrantinnen- und Migranten-Forscherinnen und -forscher besonders als wissenschaftlich geadelt. Man überlege mal: Ab der wievielten Generation hören Migranten mit deutscher Staatsangehörigkeit bzw. mit Aufenthalt in Deutschland eigentlich auf, solche zu sein? Und warum sind “deutschstämmige Spätaussiedler” (jedenfalls in den meisten Kontexten) keine Migranten? Der semantische Effekt ist jedenfalls klar: MIGRANTEN sind jene Menschen, die ewig “migrieren”, weil “wurzellos”, ewig “zwischen den Rassen” (Heinrich Mann), immer markiert als “nicht zur WIR-Gruppe zählend”. Warum scheut der “deutsche” Diskurs die sehr deutschen Signifikanten EINWANDERER UND EINWANDERINNEN wohl so sehr? So sehr, dass er selbst dort, wo er ein deutscheres Wort als “Migranten” vorzieht, pedantisch und skrupulantisch “Zuwanderinnen und Zuwanderer” sagen muss? (Während er Auswanderer glatt über die Zunge bringt – und nicht etwa Abwanderer sagen muss.)

Etwas theoretischer gefasst: Die Anten gehören diskurshistorisch zum Protonormalismus, d.h. zu jener Auffassung von “Normalität”, die auf starren Grenzen von Normalitäts-Klassen auch innerhalb einer “Population” beruht. (Ausführlich dargestellt im “Versuch über den Normalismus”.) Also genau zu jener Spielart des Normalismus, für die Sarrazin plädiert, deren Wiederbelebungs-Manifest er gerade publiziert hat. Wenn irgendeinem, dann passen ihm die MIGRANTINNEN UND MIGRANTEN glatt ins Konzept – egal ob gegen oder “für” sie plädiert wird.

Sarrazin? Dazu jetzt definitiv die “Zwillingsgeschichte Zwillingsforschung” lesen!

30. August 2010

Für Leserinnen dieses Blogs gibt es zu Sarrazin ja wirklich nichts Neues (siehe Einträge vom 13.8.2010 und den ausführlichen vom 8.10.2009). Schirrmachers überwiegend kluger Kommentar in der FAS vom 29.8. 2010 zeichnet die Archäologie der lärmenden S-Diskursblase korrekt als mehr als hundertjährig alt und abgekupfert nach, als ob Schi. dieses Blog oder den “Versuch über den Normalismus” gelesen hätte: Stichworte Galton, Herrnstein-Murray, Zwillingsforschung, IQ-Theorien, kritisch dazu Stephan Gould usw. Die uralten Kamellen der endlosen Nature-Nurture-Geschichte: ob fifty-fifty oder eighty-twenty usw. Die monozygoten Zwillinge usw. Natürlich darf heute das “Gen” (“das hat der S. nun  mal in den Genen!”) statt des galtonschen “gemmule” nicht fehlen, einschließlich des Juden-, Deutschen- und Türken-Gens. S. wird sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus verteidigen: Er hat schon in dem Lettre-Interview betont, dass das Juden-Gen einen höheren IQ (nicht niedrigeren wie das Türken-Gen) als selbst das durchschnittliche Deutschen-Gen impliziere: so what?

Wenn Schi. allerdings mit dem korrekten Hinweis auf den angelsächsischen Ursprung der gesamten Debatte folgert: Rassismus sei das keineswegs, so scheint er “demokratischen” Rassismus per se für unmöglich zu halten: Genau den gibt es aber! Nicht nur in Deutschland, auch in den USA und in Schweden wurden “Minderwertige” in den 1920er und 1930er Jahren aus “eugenischer Indikation” sterilisiert – ganz “demokratisch”.

Bekanntlich sagte Karl Kraus 1933 mit makaber-sarkastischer Ironie, ihm “falle zu Hitler nichts ein.” Damit meinte er, das Thema sei zu ernst, um mit journalistischen “Einfällen” (wie sie jetzt wieder zu S. ins Kraut schießen) “bewältigt” zu werden. (Er schrieb ja dann den großen Essay, in dem er “den Fußbreit Leben, zwischen Phrasen und Gasen”, zu verteidigen suchte – bekanntlich erfolglos: Nach den Phrasen kamen die Gase.)

So gefährlich ist die durch S. markierte Lage sicher nicht. Wir sind nicht auf makaber-sarkastisches Lachen zurückgeworfen, wir können noch ganz heiter und schallend lachen über diesen S. , der ganz offensichtlich überzeugt ist, ein Genie-Gen zu besitzen, weil er einige mittelschwere Statistik-Kurse erfolgreich überstanden hat. Das ist “definitiv” der Moment für alle, die es noch aufgeschoben haben, das Kapitel “Zwillingsgeschichte Zwillingsforschung” aus dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (asso-Verlag Oberhausen, S. 255-281) zu lesen. Dort ist der Fall S. mit dem Genie-Gen eines Zwillingsforschers haarklein vorerinnert, und schallendes Lachen ist garantiert. Es ist gleichzeitig ein aktueller Einstieg in die Lektüre dieses angeblich “schweren” Romans: Man kann doch einfach mit den satirischen Zwillingsgeschichten anfangen.

Afghanistan: jetzt auch noch ein riesiges Ölfeld unter der Sackgasse gemeldet!

17. August 2010

Unter der deutschen Zone im Norden Afghanistans liege eines der größten Ölfelder Mittelasiens. Das soll erst jetzt entdeckt worden sein. Die Frage ist wohl eher, weshalb es ausgerechnet jetzt (wieder, und diesmal groß) medial ausposaunt wird. Ist das nun ein Akt der Verzweiflung? Denn vor Tische las mans anders: Als unser Ex-Pazifistenfreund Ludger Volmer 1999 die circa 50000 Bombenangriffe auf Belgrad, Prishtina und andere Großstädte des Balkans rechtfertigte, war eines seiner wichtigsten Argumente noch, dass es unter dem Kosovo kein Öl gäbe und dass das bewiese, die 50000 Bombenangriffe auf Großstädte hätten absolut nichts zu tun mit “dem, was wir früher Imperialismus genannt haben”. Daraus sei logisch zu folgern, dass die 50000 Bombardements nur humanitäre Ziele haben könnten.

Ebenso hörten wir nun fast 10 Jahre lang zuerst gar nichts von Bodenschätzen unter Afghanistan, dann zwar von einigen Mineralien, aber nichts von Öl, und jedenfalls nicht unter der deutschen Zone.  Und nun erfahren wir, dass genau unter der deutschen Zone ein Riesenölfeld liege. Hält man die Grünen inzwischen für derartig konvertiert zu “dem, was wir früher Imperialismus genannt haben”, dass man ihre Abkehr vom Afghanistankrieg nur noch mit der Aussicht auf ein riesieges Ölfeld verhindern zu können glaubt?

Gleichzeitig erfahren wir, dass der Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan”, der den Abzug ja unabhängig von Öl oder Nichtöl fordert, in jeder Hinsicht bestätigt ist. Der Krieg ist schmutzig wie der in Vietnam: Die “Ausbildung” der Karzai-Truppen durch die Bundeswehr bedeutet Eskalation pur in Gestalt blutiger gemeinsamer Offensiven mit Opfern auf allen Seiten, die “gezielten Tötungen” durch US-Spezialkräfte in der deutschen Zone eskalieren ebenso wie die Drohnenkillungen. Und dennoch werden die “Taliban” nicht weniger. Und von “baldigem Abzug” ist jedenfalls beim Oberkommandierenden Petraeus keine Rede mehr.  Wie wir es gesagt haben: “Exit” bedeutet “Exitus”.

Schließlich erfahren wir ganz nebenbei noch eine makabre Spitze: die “gezielten” Drohnenkillungen in Pakistan gegen die “Rückzugsgebiete der Taliban” gehen selbst während der größten Naturkatastrophe in diesem geschundenen Land weiter: Es gibt nicht einmal eine Pause aus Pietät. Und unsere ach so kritischen Medien (kritisch gegenüber “gezielten Tötungen” und anderem Kriegshorror nicht nur auf Seiten der Taliban, sondern auf beiden Seiten) wundern sich nun, dass für Pakistan nicht gespendet wird.

Norbert Bolz kandidiert zum MdmW!

13. August 2010

Norbert Bolz, zu Beginn seiner Karriere auch einmal Beiträger der Zeitschrift “kultuRRevolution” (heft 8 von februar 1985, 52-55, Titel “der terrorist als held”, über den “kulturrevolutionären diskurs des jungen lukács”), ist seither als postmoderner Medientheoretiker und Verfasser vieler Manifeste hervorgetreten, darunter eines “Konsumistischen” und eines gegen Rousseau und den Egalitarismus gerichteten. Nun ruft er im “Tagesspiegel” (13. August 2010) zur Gründung einer neuen Partei auf, die sich mutig als “rechts” und “rechts von der CDU” bekennen soll: “Die erste Aufgabe einer anspruchsvollen politischen Rechten wäre, zu sagen, was die Politische Korrektheit der Medienlinken zu sagen verbietet. Mehr noch als Ideen braucht man dazu Mut, denn in der Öffentlichkeit herrscht keine Waffengleichheit. Die Medienlinke hofiert die Linken und denunziert die Rechten. Auf der Kommunistischen Plattform darf man fröhlich tanzen. Aber wehe, wenn man der “Jungen Freiheit” ein Interview gibt.” Sein Held solch mutiger Wahrheit ist Thilo Sarrazin, der bekanntlich sofort aus der SPD und der Bundesbank flog, sogar seine Rente verlor und nun am Hungertuch nagen muss, als er den Mut hatte festzustellen, dass Südeinwanderer im Schnitt einen niedrigeren IQ als eingeborene Deutsche hätten und dass folglich Heiraten zwischen hiesigen Einwanderern türkischer Herkunft und “nachgeholten” Ehepartner/innen verboten werden sollten. Verboten.

Bolz meint, dass solcher Mut gerade in der deutschen Academia viel Zustimmung finde, aber leider nur “hinter vorgehaltener Hand… Du hast ja recht, aber das kann man doch  nicht sagen…” Diese bekannte Feigheit deutscher Intellektueller, sich als Rechte zu bekennen, könnte daher “nur durch ein Coming-out von Starintellektuellen gebrochen werden.” Bolz, zweifellos der Typ des Starintellektuellen par excellence, schaut also dem Tod ins Auge und geht mutig voran.

Er hat damit seinen Hut in den Ring geworfen und seine Kandidatur zum MdmW erklärt. Das ist ein Kürzel aus dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag Oberhausen). Es lautet: “Mann der mutigen Wahrheit”. Solche MdmW braucht der “V-Träger” (Verantwortungs-Träger), und zwar möglichst viele, darunter “Turbotuis” (alias Starintellektuelle) und unter denen wiederum gerade auch “Konverter” (Konvertiten der 68er Intelligenz). Das alles, und damit auch der Fall Norbert Bolz, ist in dem Roman vorerinnert und wird dort in seinen diskursiven Mechanismen vorweg erzählt, damit man es dann wiedererkennt, wenn es kommt.

Man muss das Manifest im “Tagesspiegel” zusammen mit einem fast gleichzeitigen Manifest im “focus” vom 26. Juli 2010 sehen. Dort ruft der “focus” zu einer deutschen “Tea Party”-Bewegung auf und verspricht einer neuen Rechtspartei auf Anhieb 20% der Stimmen. Als führende Köpfe werden eingeladen (ob mit ihrem Einverständnis ist unklar): Joachim Gauck, Arnulf Baring, Peter Sloterdijk, Wolfgang Clement, Friedrich Merz, Necla Kelek, Thilo Sarrazin und Paul Kirchhof. Diese 8 mit Großfoto. Wie man sieht, nur eine Frau, die aber gleichzeitig als mutige “Migrantin” (FdmW) für 2 zählt. Das Manifest sieht (kein Witz) den “Kairos” für eine solche Partei gekommen.

Nun aber die Frage: Und wo ist Norbert Bolz? Keine Sorge, es fehlt nur sein Foto, nicht sein Name (“die Philosophen Robert Spaemann, Norbert Bolz und Peter Sloterdijk”). Aber dieses Fehlen des Fotos ist doch fatal: Es zwang den Medienphilosophen offensichtlich dazu, ein eigenes Manifest nachzuschieben und damit seinen Mut zu beweisen, der zugleich (das können wir als Diskurstheoretiker jederzeit bestätigen) als ernsthafte Kandidatur zählt.

Übertreibt die “Sprache” des Generals Petraeus? Ganz im Gegenteil!

03. August 2010

Nun hat der Chef aller Afghanistan-Truppen, auch der Bundeswehr, eine Art feierliches Manifest für die große, für die 2. Jahreshälfte geplante Eskalation veröffentlicht. Darin herrscht eine “Sprache”, die angeblich nur “amerikanisch” und nicht “deutsch” ist. Zum Beispiel werden die NATO-Soldaten, also auch unsere Jungs, aufgefordert, die Taliban “ins Fleisch zu beißen” (wörtlich “ihre Zähne ins Fleisch zu schlagen”). Davon distanzieren sich einige deutsche Hindukuschstürmer - aber nur von dieser “Sprache”, nicht von der geplanten Groß-Eskalation.

Was hätte aber Karl Kraus dazu gesagt? Er hätte zweifellos festgestellt, dass die so skandalöse “Sprache” nicht über-, sondern untertreibt!  Schön wäre es für die Taliban, wenn sie von unseren Jungs nur gebissen würden – da hätten sie eine Chance zu überleben. Sie könnten mit den Bisswunden in ein Gefangenenlager kommen. Tatsächlich aber sollen sie “gezielt getötet” werden – nicht mit Gebiss, auch nicht mit der Hand, überhaupt nicht mit Körper gegen Körper, sondern mit Drohnen, die von Texas aus auf ihre Ziele gelenkt werden. Oder mit Panzerhaubitzen der Bundeswehr. Immerhin wollte Petraeus mit seiner volkstümlichen Metapher ausdrücken, dass ein schmutziger Entscheidungskampf bevorsteht.

Eklig ist übrigens diese nationalistische “Sprachkritik” – ausgerechnet aus “deutschen” Mündern. Als ob diese Politiker nicht dieselben wären, die sich auf allen gutbezahlten Posten “Leute mit Biss” wünschen. Soviel zur sauberen deutschen “Sprache”.

Der springende Punkt ist doch ein ganz anderer: Auch die “Kritiker” loben Petraeus über den grünen Klee dafür, dass er auch gesagt hat, “Zivilisten” sollten geschont werden, und nur “Taliban” gejagt und zur Strecke gebracht. Aber woher sollen die Jungs wissen, wer “Taliban” sind? Das kriegen sie “von oben” gemeldet, als ein “target”. Und dieses “target” wird durch Denunziation von anonymen “Informanten” produziert – von keinem Soldaten, auch keinem “Elite-Soldaten”, kontrolliert und kontrollierbar. Capture or kill (aus der Luft und mit Haubitze usw. nur kill) – ohne Identifikation, ohne Anklage, ohne Urteil, aber “gezielt” (targeted). Oft liegen da dann Dutzende Leichen. Und als Collateral Damage (“Zivilisten”) gelten dann ausschließlich Frauen, weibliche Kinder und männliche Kinder unter 13 (ab da sind auch sie “feindliche Kämpfer”). Von Wikileaks tausendfach dokumentiert.

Ist das wirklich übertrieben, wenn das “beißen” genannt wird?

Es gibt eine kleine Möglichkeit zu reagieren: den Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” unterzeichnen (hier gleich im Netz), falls nicht schon geschehen.

Wikileaks bestätigt überwältigend den Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan”

01. August 2010

Die Veröffentlichung von fast 92000 Geheimberichten von der Afghanistanfront an das Pentagon ist ein außerordentliches, ein wirklich historisches diskursives Ereignis. Wikileaks wird ab jetzt ähnlich von den Diensten gejagt werden wie die “Taliban” – es wird dann dringend die aktive Unterstützung aller Kriegsgegner/innen brauchen. Dabei ist das Wichtigste (wie auch bei Afghanistan insgesamt) das Problem, wie es erreicht werden kann, die veröffentlichte Meinung zu zwingen, die öffentliche Meinung zu verbreiten.

NICHTS NEUES?

Obama bzw. seine Sprecher behaupteten nach außen, die Dokumente im Netz “brächten nichts Neues”. Das ist in einer bestimmten Hinsicht wahr, in allem Wesentlichen aber falsch. Wahr ist, dass die Struktur des Krieges, der auf den Speerspitzen von “gezielten Tötungen” und Drohnen beruht, jedem bekannt sein konnte, der seine Augen nicht aus Angst vor den Konsequenzen verkleisterte. Was die Grünen Hindukuschstürmer den Kriegsgegnern vorwarfen, nämlich “wegzukucken”, das haben sie selber praktiziert und praktizieren es selbst jetzt noch, selbst nach Wikileaks, weiter. Einer der vielen Beweise dafür, dass wir die wesentlichen, strukturellen Wahrheiten der 92000 Dokumente bereits vorher wissen konnten, bilden die früheren Einträge dieses Blogs und bildet der Appell “HERAUS AUS DER SACKGASSE IN AFGHHANISTAN!”

ZUR ERSTEN AUSWERTUNG DES “SPIEGEL”

In einer ersten Auswertung (Ausgabe vom 26. Juli 2010) konzentriert sich der “Spiegel” auf die “Elitekrieger”-Einheit “Task Force 373″ und stellt ihre “Talibanjagden” mit den “gezielten Tötungen”, in hohem Maße unter Einsatz von Drohnen, dar. Dabei erweckt er mehrere falsche Eindrücke und verschweigt einen ganz wesentlichen Punkt. Falscher Eindruck 1: Die zweifelsfrei zivilen Opfer “gezielter Tötungen” werden zugunsten angeblich “legitimer” Ziele total heruntergespielt (nur ein Beispiel eines Massakers an 7 Kindern wird gegeben) – “positiv” dagegen eine Liste “echter” Taliban, wenn auch zugegebenermaßen teilweise aus dem “Mittelbau” der Taliban – “Mittelbau der Taliban”!!! Falscher Eindruck 2: Die Popularität der Taliban beruht auf Geld, das sie bieten. Klar ist: dass die Welt-Junta überhaupt noch Unterstützer findet, beruht auch auf Geld. Geld gegen Geld – aber dann ist da noch der kleine Unterschied muslimische Einheimische gegen christliche Fremde. Falscher Eindruck 3: Eigentlich liegt die miese Lage der NATO trotz überwältigend “effektiver gezielter Tötungen” daran, dass der pakistanische Geheimdienst ISI und besonders dessen früherer Chef Gul die Taliban unterstützt. Im Vietnamkrieg bekam der “Vietcong” angeblich entscheidende Unterstützung aus Kambodscha – die USA rückten in Kambodscha ein – und brachten dadurch die Roten Khmer an die Macht.  Falscher Eindruck 4: Die Deutschen sind (mal wieder) ahnungslos – Das wird gemeldet! Herr Lehrer! Die Amis haben das gemacht!

DER WESENTLICHE PUNKT VERTUSCHT: KOLLABORANTEN, INFORMANTEN, DENUNZIANTEN, INFILTRANTEN

Zwar ist auch in den vom “Spiegel” angeführten Dokumenten selbstverständlich in praktisch jedem Bericht vom “Informanten” , zuweilen sogar von “Spitzeln” die Rede. Zitiert wird ein solcher Spitzelbericht, nach dem in Pakistan 45 “Aufständische” Deutsch lernen würden, um sich dann in  der deutschen Zone als Dolmetscher in die Bundeswehr zu infiltrieren. Was aber, wenn die “Quelle” dieser Nachricht selbst ein “Infiltrant” war?! Wenn dadurch das Misstrauen in alle Dolmetscher noch erhöht werden soll? Was also vertuscht wird, ist gerade das Wesentliche: In einem Counterinsurgency-Krieg gegen eine in der Bevölkerung verwurzelte Guerilla ist die fremde Besatzungsmacht auf Verdeih und Verderb auf ein entscheidendes “Kettenglied” angewiesen, nämlich die Kollaborateure – und denen kann man nie trauen, weil sie mit ihrem Leben spielen. Vor allem: Die Denunzianten können ihre Privatrache durch die fremden Elitekiller ausüben lassen! Dieser Mechanismus des Krieges ist im vorliegenden Blog mehrfach dokumentiert und dargestellt. Fast alle Kollaboranten sind Nicht-Pashtunen, die die Pashtunen hassen und deren Überzahl durch die “Kreuzritter” dezimieren lassen möchten. Wie Marc Thörner in seinem Buch “Afghanistan Code” belegt, wurden auch die Opfer des Bundeswehr-Massakers von Yakob Baj vom 4. Septemeber 2009 Opfer eines solchen “gezielten” Hinweises von Pashtunenhassern. Jedenfalls ist es wirklich unglaublich, wie sich die Dienste und Elitekiller-Einheiten in diesem Krieg 100prozentig auf ihre “Informanten” verlassen und deren “Hinweise” im Handumdrehen in Drohnen-Angriffe oder nächtliche Überfälle auf Dörfer “umsetzen”. Dass diese Maschine eben nicht nur in seltenen Ausnahmefällen losschlägt, sondern zur Alltäglichkeit dieses Krieges gehört wie die Drohnen am Himmel, das hat Wikileaks jetzt bewiesen, und das war bisher in diesem Umfang lediglich zu erraten, nicht aber zu beweisen. Nun ist es bewiesen, und das ist neu.

UND DIE BUNDESWEHR: MAL WIEDER SAUBERES DEUTSCHLAND?

Angeblich weiß die Bundeswehr nicht, was amerikanische Elitekiller-Einheiten in ihrer Zone so treiben. Weiß sie auch nicht, was ihr eigenes KSK treibt? Und dass ihr eigener BND intensiv an den c/k-Listen (capture or kill) beteiligt ist? Offenbar möchte die Bundeswehr die Stadt Duisburg im Vertuschen noch übertreffen. Das wird sich aber ebenso wenig durchhalten lassen wie in Duisburg, und das Aufknacken des Vertuschens fängt schon an. Es genügt doch eigentlich die Schlagzeile auf Seite 1 der FAZ vom 5. Juli 2010, die das Fazit eines Interviews mit Minister Guttenberg resümiert:

“GUTTENBERG: NACH ABZUG GEHEIMDIENSTE UND SPEZIALKRÄFTE”

Damit ist auch die Katze des “Umbaus der Bundeswehr” aus dem Sack: Sie soll eine Weltjunta-Armee “auf Augenhöhe” mit den USA werden. Die künftigen “Auftragslagen” werden heißen: Counterinsurgency und nochmal Counterinsurgency. (Daneben natürlich auch weitere Super-Blitzkriege, z.B. gegen den Iran.) Und die Mittel dazu: “Profis”, “Eliteeinheiten”, die sich “keinen Kopp machen” und die “Spaß am Abenteuer” haben – und Dienste, d.h. Informantenwesen (mit dem Risiko: Infiltrantenwesen…). “Fascio di combattimento” könnte man auch gut mit “Elite-Kampfeinheit” übersetzen.

ALSO BESTÄTIGT: EXTERMINISTISCHE KRIEGFÜHRUNG (GEZIELTE KILLUNGEN NACH UNKONTROLLIERBAREN DENUNZIATIONSLISTEN; DROHNEN), WELT-JUNTA-SPIELEN

Wer den Appell Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan, dessen Besonderheit eben darin lag und liegt, dass er diese Aspekte beim Namen nennt, noch nicht unterzeichnet hat, dies aber jetzt tun möchte, hat dazu jederzeit die Möglichkeit. Und was wäre “objektiv” jetzt das wichtigste, nächste und erreichbare Ziel?

DIE GRÜNE FÜHRUNG ZU ZWINGEN, IHREN KRIEGSKURS ZU REVIDIEREN UND DEN SOFORTIGEN ABZUG ZU UNTERSTÜTZEN.

“Stresstest” – Mega-Diskurs-Blase zur Normalisierung der Krise

24. Juli 2010

“Stresstest für Banken” – das gehört zur medizinischen Kollektivsymbolik: Infarktgefährdete Patienten müssen eine “Stress-Echo-Kardiografie” machen und dabei auf dem Stress-Fahrrad prüfen, wie hoch der Blutdruck bei einer jeweiligen “Belastung” steigt. Dafür gibt es ein normales Spektrum und Grenzwerte, wo es anormal wird und also ein bedenkliches Infarktrisiko beginnt.

Es ist klar, dass es sich bei dem Banken-Stresstest um ein bloßes Kollektivsymbol, um eine Diskurs-Blase handelt. Wie es heißt, wird simuliert, wie tief die Eigenkapitaldecke einer Bank bei Annahme eines bestimmten Konjunkturrückgangs sinkt. Der “Belastung” entspricht also der Konjunktureinbruch, und die Eigenkapitaldecke soll dem Blutdruck entsprechen. Der Witz ist bloß, dass:

Erstens der wichtigste Indikator die Höhe der Aktienkurse wäre, weil die Banken den größten Teil ihrer Profite einfach durch Aktienkauf (“Anlage”) und Wertsteigerung der gekauften Aktien (“Assets”) machen. Der Konjunkturverlauf ist damit nur äußerst schwach korreliert.

Zweitens der entscheidende Wert für die “Gesundheit” einer Bank eben die Profite und die Profitrate sind (Fehlanzeige in der Simulation).

Drittens alle wirklich wichtigen Daten für Aktienkurse, Profite und Profitrate den “Simulatoren” natürlich verborgen sind. Denn unsere “soziale Marktwirtschaft” beruht nun mal auf Konkurrenz autonomer Einheiten. “Transparenz” wäre zwar für den Normalismus gut, ist aber Gift für den Kapitalismus. Transparenz hieße ja, dass alle Konkurrenten alle ‘heißen’ Daten aller Konkurrenten kennen würden, und das wäre ja das Ende der Konkurrenz, wäre “Sozialismus”!

Warum also der “Stresstest”? Es wird gar nicht verheimlicht: Um das “Vertrauen” in die Gesamtheit der Banken so sehr zu erhöhen, dass die Aktienkurse das Niveau von 2007 wieder erreichen, als der Dow bei 14000 stand, während er jetzt um 10000 dümpelt. Sollte dieses Dümpeln anhalten, so würden die Bankenprofite erneut in den Keller gehen, weil sie eben dominant aus steigenden Aktienkursen kommen. Die Kurse müssen also irgendwie wieder zum “Klettern” gebracht werden – es muss wieder “All Times Highs” geben, koste es was es wolle.

Deshalb erleben wir augenblicklich eine PR-Großaktion auf allen Kanälen, deren “Evangelium” (“Good News”) lautet: Die Krise ist abgehakt hurrah! Die Krise ist abgehakt hurrah! usw. Und dazu war der Stresstest ein toller PR-Gag! Jetzt müssten die Aktien also endlich eine Super-Rally “aufs Parkett legen”. Und zwar eine “nachhaltige”, die auch den immer riskanten Herbst überlebt.  Schaun wir mal.

Britta Heidemann erinnert in der Watz-Kultur an die Vorerinnerung (25.6.)

25. Juni 2010

Auf Seite 2 des überregionalen Kulturteils der Watz (wie sie in der “Vorerinnerung” geschrieben wird) erschien am 25.6.2010 eine ausführliche (süffig geschriebene) Wegweisung, verfasst von Britta Heidemann, zum Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee” – Ergebnis eines Gesprächs mit dem Autor. Es geht dabei auch um das Rhizom-Modell für das Ruhrgebiet. Jetzt ist zu hoffen, dass ein paar Leute mehr den Weg ins Rhizom wagen: Die Urlaubszeit könnte das Zeitfenster öffnen.

Und noch mal Doppelpack – im Rahmen der Dortmunder Ringvorlesung Kulturhauptstadt

22. Juni 2010

Im Rahmen der Dortmunder Ringvorlesung “Jenseits der Kohle. Kulturgeschichte(n) des Ruhrgebiets” anlässlich des Jahrs der Kulturhauptstadt befasst sich Jürgen Link mit dem Ereignis “Rheinhausen” im “Doppelpack” (Vortrag kombiniert mit Kurzlesung aus dem Rheinhausen-Kapitel des Romans “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung”, assoverlag Oberhausen).

“Abstract”: Der Kampf der Belegschaft von Krupp-Rheinhausen Ende 1987/Anfang 1988 wurde in Alltag und Medien als eine Art “letztes Gefecht” der klassischen Arbeiterschaft des Ruhrgebiets wahrgenommen. Dabei zeigten die Kampfformen eine Art Janusgesicht zwischen Abgesang und Antizipation. Welche Rolle spielten Basisengagements und welche Betriebsrat und IG Metall? Wie verhielt sich der Konflikt zur politischen Konstellation und warum konnte er isoliert werden? Welche Vorstellungen von “Normalität” erwiesen sich als ausschlaggebend?

Dazu sollen zunächst aktualhistorische Daten erinnert und interpretiert werden. Danach folgt eine exemplarische Kurz-Lesung aus dem Roman “Bangemachen gilt nicht…”

Wann? Donnerstag 8. Juli 2010, 19 Uhr

Wo? Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund (Hansastr. 3)

Interview mit der Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung (BSZ)

08. Juni 2010

Im Zusammenhang mit seiner Lesung am 15. Juni wird morgen ein Interview mit Jürgen Link in der Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung (BSZ) erscheinen.

Es lässt heute bereits online lesen.

Die Fragen stelle Rolf van Raden.

Neue Lesung im Doppelpack: “Kulturhauptstadt auf eigene Faust”

08. Juni 2010

Ich lese an der Ruhr-Universität Bochum Auszüge aus meinem Ruhr-Roman (“Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung. assoVerlag Oberhausen). Darin einmontiert wird ein Kurzessay “Das Konzept Rhizom” (bezogen auf das Ruhrgebiet und auf den Roman).

Wann?  Dienstag 15. Juni 2010, 18-20 Uhr

Wo?   Ruhr-Universität Bochum, HZO 60

Mit Diskussion: Ich lade dazu besonders herzlich ein, trotz Semester- und Schulschluss zu kommen. Ich lese andere Stücke als in den Buchläden und signiere natürlich auch.

Alle Informationen gibt es hier als druckbares PDF.

Jürgen Link

Deserteur Köhler? Welche der Seelen des deutschen V-Trägers ist mutig und welche feige?

01. Juni 2010

Köhler war Kohls Sherpa auf den Siebener Gipfeln. Offenbar wollte er nun auch den Sherpa am Hindukusch machen. Sherpas sind berühmt für ihre Tapferkeit und ihre Opferbereitschaft: sie retten ihre weißen Herren unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Und nun wird ihm Desertion vorgeworfen.

Es ist wirklich nicht einfach da durchzublicken. Vielleicht kann aber die Lektüre des Romans “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag) da wirklich etwas klären. Dort wird der deutsche V-Träger (Verantwortungs-Träger) auf seinem 3. Versuch begleitet. Dieser deutsche V-Träger leidet an MPD, das heißt Multiple Personality Disorder (nicht zu verwechseln mit NPD): er trägt nicht bloß zwei, sondern viele Seelen in seiner Brust – so wie Schopenhauers ewig unerlöster Ur-Wille ist er hin und hergerissen: die eine Seele sagt: Hier sind die Zukunftschancen, die andere da. Die eine will an den Hindukusch, die andere woanders hin.

Da wollte die Seele namens Horst als Sherpa mutig die Wahrheit darüber sagen, warum die Bundeswehr am Hindukusch ist (nicht wegen der Seewege: wo ist denn da See? Seewege bezog sich aufs Horn von Afrika! Hindukusch bezog sich auf Instabilität, die unsere Chancen gefährdet). Sicher sah er Kritik voraus, wollte aber als Sherpa seiner Berg-Chefin den Aufstieg zum Hindukusch der mutigen Wahrheit freimachen. Aber die Chefin ließ ihren Sherpa feige im Schnee stehen.

Da griff er zur letzten Möglichkeit eines Sherpas: Wie der Schweizer Held Winkelried zog er alle Speere auf sich und ging mutig in den Opfertod. Und nun werfen die feigen anderen Seelen des V-Trägers ausgerechnet ihm sogar Desertion vor. Wir warten nun auf mutige Seelen, die seine Tat in ihrer tragischen Konsequenz begreifen und jetzt die Chance zum Befreiungsschlag nutzen. Es muss jetzt laut bestätigt werden: Ja, wir sind ein Land dieser Größe. Ja, wir müssen für unsere Chancen und Interessen “im Zweifel” auch militärisch aktiv werden wie jetzt am Hindukusch, wo es um Chancen und Stabilität geht. Wir warten jetzt auf einen MUTIGEN BEFREIUNGS-SCHLÄGER.

Oder sollte der Sherpa doch eine Mimose und ein feiger Deserteur sein? Das darf nicht wahr sein.

Sondersendung der Ursprünglichen Chaoten

31. Mai 2010

Frühere Sondermeldungen noch im Ohr, hörten wir eben die Sondersendung zum Rücktritt Horst Köhlers. Alles klang wie ein Fake der Ursprünglichen Chaoten – aber wir wussten ja, dass wir das nicht gefaket hatten. Wir gehörten ja nicht zu denen, die sein Interview über die Interessen eines Landes unserer Größe und die Rolle der Bundeswehr dabei als verfassungsfeindlich und lügenhaft mit Kritik überschüttet hatten. Im Gegenteil hatten wir ja Respekt vor seinem Mut zur Wahrheit bekundet. Mit ihm verlieren wir einen großen MdmW, also einen großen Mann der mutigen Wahrheit (die Geschichte des MdmW kann man in dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung”, assoverlag Oberhausen, nachlesen; dort sind Zeiten der Krise wie augenblicklich vorerinnert).

Spannend wird es übrigens sein zu sehen, wie die SCHLAGzeitung bei weiterer Eskalation sämtlicher Krisen das Problem lösen wird, eine einzige SCHLAGzeile zu generieren, wenn sozusagen mehrere “Themen” sich dazu drängen: LENA oder KÖHLER oder JOGI oder EURO usw.?  Man wird kombinieren müssen: etwa FOLGT LENA KÖHLER NACH? Bleiben Sie dran!

Die Ursprünglichen Chaoten

Warum kein Beifall für Köhlers mutigen Beitrag zum “Diskurs” über und zur “Normalität” in A*?

27. Mai 2010

Alle hegemonialen Parteien einschließlich der Grünen fordern seit Yakob Baj nahezu täglich “Ehrlichkeit” und “Mut” im “Diskurs” über Afghanistan. Man müsse auf dieser Basis der Bevölkerung endlich “überzeugend vermitteln”, warum die  Bundeswehr dort einen blutigen und zunehmend schmutzigen Krieg führt und nicht im Traum an Abzug denkt. Es gehe dort gar nicht, das müsse man heute ehrlich zugeben, um Okzidental-Demokratie und Mädchenschulen, sondern um “unsere gewachsene Verantwortung” und um eine absolut “notwendige Stabilisierung”.

Offenbar hatte Horst Köhler als oberster politischer Verantwortungs-Träger den (absolut zutreffenden!) Eindruck, dass die Bevölkerung noch etwas genauer wissen möchte, was eigentlich mit “Verantwortung” und “Stabilität” gemeint ist. Er entschloß sich also (auf dem Rückflug von Afghanistan) mutig zur Ehrlichkeit und übersetzte “Verantwortung” und “Stabilität” fürs Volk ins Konkrete: “Alles das heißt, wir haben Verantwortung” fing er an, und setzte fort: “ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit”" müsse wissen, “dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen” usw. 

Statt den Mut zur Ehrlichkeit zu loben, schreien die Führer der Parteien, die den Krieg in A* und gerade noch seine enorme Eskalation beschlossen haben und allen voran der Erz-Konverter (zum Begriff s.u.) Jürgen Trittin, die Bundeswehr führe keine Wirtschaftskriege. Dabei hat Köhler das mögliche kleine Missverständnis sofort klargestellt: In A* führt die Bundeswehr Krieg, “um ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen” – und für “freie Handelswege” kämpft die Bundeswehr augenblicklich vor allem am Horn von Afrika. Was ist daran falsch? Trittin hat beide Kriege mit beschlossen!

Wenn Köhlers Partner also undankbar und unfair sind, sollten wir Kriegsgegner Fairness beweisen: Mit “einem Land unserer Größe” kann Köhler nicht die Bevölkerungszahl gemeint haben: Wie im Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” genau quantifiziert wird, bringt Deutschland momentan noch (!) 1,2% der Weltbevölkerung auf und ist damit (noch!) das 16. Land im Ranking (sehr bald wird es stark abrutschen). Also kann Köhler mit “Größe” nicht die Bevölkerung, sondern nur die Kapitalstärke gemeint haben. Auf dieser Basis sind “wir” 3.größtes Land der G 7 (oder eigentlich als europäischer Hegemon schon 2.größtes), und niemand weiß das besser als Köhler, der seine Karriere als Kohls “Sherpa” auf den damaligen G 7-Treffs begann und dann im IWF fortsetzte. Niemand versteht besser als er, wie “unsere Chancen” (d.h. die Gewinnaussichten unseres Kapitals) von der “Instabilität ganzer Regionen” negativ beeinflusst werden können. Also dass “im Zweifel, im Notfall” die Bundeswehr “stabilisieren” muss – was sie in A* tut.

Mit Köhlers mutigem Statement ist nun auch noch der letzte Punkt des Appells “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan”, der von einigen Friedensfreunden als überzogen eingeschätzt wurde, offiziell: Die Bundeswehr ist dort, weil “ein Land unserer Größe” (sprich: eine Groß- und Weltmacht) “im Zweifel” (!!) auch militärisch präsent sein muss, wenn es um die “Stabilisierung ganzer Regionen” geht. Aus keinem anderen Grunde. Weil er das mutig gesagt hat, kriegt er jetzt Prügel vom Erzkonverter Trittin.

“Erzkonverter”: der Begriff “Konverter” wird in dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag Oberhausen) näher erklärt. (Jürgen Trittin kämpfte einstmals mutig gegen den Marsch der Bundeswehr in die weite Welt und konkret gegen die öffentlichen Gelöbnisse.)

Das “gezielte Töten” der Nato in A*: gesteuert von gezielten Fehl-Denunziationen

16. Mai 2010

Wie im Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” erklärt,  beruhen die massiven “gezielten Tötungen” der Spezial- und teils auch Normalkräfte der Nato (Isaf) selbstverständlich auf Denunziationen afghanischer Informanten an die westlichen Geheimdienste, darunter den BND. Das läuft nach dem Mechanismus: Stell dir vor, es ist schmutziger Krieg in Afghanistan und du bist Informant der Nato: Dann hast du nicht bloß Geld, sondern kannst auch alle Leute, die dich ärgern, aus dem Weg schaffen: Anruf bei der Nato genügt.

Dass dieser Mechanismus tatsächlich so und nicht anders funktioniert, wird inzwischen an exemplarischen Fällen bestätigt. Es ist ja auch kein Wunder in einem Land mit starken Gegensätzen der Sprache, der Stämme und besonders der Machtkartelle von Warlords. Da die Nato (und auch die Bundeswehr) die Paschtunen pauschal im Verdacht hat, mit den Taliban zu sympathisieren, werden als Informanten vor allem Nicht-Paschtunen angeheuert, die also freie Bahn für Rachakte haben.

Nach den Recherchen von Marc Thörner (Afghanistan Code, S. 140ff.) waren die Toten und Verstümmelten des von der Bundeswehr befohlenen Luftschlags bei Yakob Baj vom 4. September 2009 ebenfalls paschtunische Opfer der Rache nicht-paschtunischer (tadschikischer) Informanten des BND.

Dieser Krieg der Bundeswehr ist also nicht bloß irrational, sondern auch völkerrechtlich und ethisch alles andere als “sauber”.

Diskurswerkstatt erinnert den neuen Landtag

12. Mai 2010

Während der mediopolitische Diskurs mit Farbspielen beschäftigt ist, hat die Diskurswerkstatt Bochum-Dortmund die neuen NRW-Abgeordneten an eine überfällige “Hausaufgabe” erinnert: Es geht darum, drei unschuldige Opfer des Archipel Guantánamo aufzunehmen, damit sie nach dem jahrelangen KZ-Horror noch ein Leben führen können. Sie haben nachweislich keine Verbrechen begangen und niemand kann ernsthaft befürchten, dass von ihnen künftig eine Gefahr ausgeht.

Imgrunde geht es um eine kleine Sache – aber sie hat auch eine symbolische Bedeutung. Das System der geheimen und obskuren (zappendunklen) CIA-Verliese, das in einer völlig rechtsfreien Zone funktioniert (weshalb z.B. Giorgio Agamben nicht in die USA reist, solange dieses System auch unter Obama weiter existiert), muss ja schon allein statistisch auch Unschuldige treffen. Es gehört daher zum System der rechtsfreien “gezielten Tötungen” und Drohnen-Exekutionen, z.B. in Afghanistan. Dort sind “wir” (d.h. die Bundeswehr) teils schon in dieses System verstrickt, teils auf der Kippe dazu. Gerade meldet sogar das den Nato-Regierungen weitgehend verpflichtete Internationale Komitee von Roten Kreuz , dass der CIA-Archipel in Baghram bei Kabul trotz allen sicher ehrlich guten Willens des Menschen Barack Obama ‘ungestört’ weiter funktioniert.

Hier geht es zum offenen Brief der Diskurswerkstatt Bochum-Dortmund!

Vortrag im Atelierhaus Essen-Steele

04. Mai 2010

Auf Einladung von Doris Schöttler-Boll hält Jürgen Link einen Abendvortrag zum Thema:

Wo eigentlich liegt das Feld der Künste? Überlegungen zu ihrer diskursiven Verortung im Dreieck Bourdieu-Luhmann-Foucault.

Wann? 

Freitag, 7. Mai, 20 Uhr

Wo?

Atelierhaus Alte Schule Essen-Steele, Äbtissinnensteig 6

“Monitor” bestätigt Afghanistanappell

23. April 2010

In der Monitor-Sendung Nr. 605 vom 22.4.2010 wurde klar, dass inzwischen sogar ein hegemoniales Medium und höchste internationale hegemoniale Instanzen wie das Internationale Komitee von Roten Kreuz (CICR) in Genf wesentliche Punkte des Appells “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” bestätigen.

Sowohl in der Moderation von Sonja Seymour Mikich wie in den Dokumenten von Markus Schmidt, Christoph Heinzle, Andreas Orth und Kim Otto ging es endlich in aller Deutlichkeit um die taktische Speerspitze des ganzen ISAF- und Bundeswehreinsatzes: das “gezielte Töten” nach geheimen sogenannten “c/k-Listen” (capture or kill). ( Dieser Begriff des “gezielten Tötens”, der bei den Prokriegsparteien des Bundestags nie in den Mund genommen wird, ist hiermit nicht länger Tabu in der öffentlichen Diskussion.)

Es wurde belegt: In der deutschen Zone finden routinemäßig “gezielte Tötungen” durch US-Special Forces statt. Dokumentiert wurde ein nächtliches Massaker in Iman Said am 22.3. 2010. Ein afghanischer Mitarbeiter des DED kommentierte mehrere Leichen als “völlig harmloser Mensch ohne jede Schulbildung” bzw. “etwas geistig zurückgebliebener Mensch”. Dann der Armeesprecher: “Es waren alles legitime Ziele, die wir durch spezifische Aufklärung aus mehreren Quellen als Kontaktleute von Al Qaida identifiziert hatten.” Das von der Bundeswehr befohlene Massaker von Yakob Baj vom 4.9.2009 wurde dann als imgrunde zweifelsfreier Fall von “gezielter Tötung mit Kollateralschäden” eingeordnet (vom Internationalen Roten Kreuz befragte Zeugen: [mindestens] 18 Kinder und Jugendliche als Opfer).

Sogar Nils Melzer vom CICR in Genf  (der imgrunde NATO-Mächte nicht kritisieren darf) äußerte “große Sorge” über die “gezielten Tötungen”. Der Völkerrechtler Tomuschat von der HU rang sich dagegen zu einem klaren “Ja, ein Kriegsverbrechen” durch.

Drei Punkte sind zu ergänzen, die (bisher) im hegemonialen Bereich noch Tabu sind:

1. Das systematische “gezielte Töten” beruht ganz und gar, wesentlich und strukturell auf einem geheimdienstlichen Denunziationssystem für Belohnung mit Geld, zu dem die Interventen keinen direkten sprachlichen und kulturellen Zugang haben. Es besteht dabei demnach ein sehr, sehr hohes Risiko, dass die “Informationsquellen” (siehe oben) ethnische, religiöse und andere gruppenspezifische (etwa Feindschaft zwischen Clans) Motive für Denunziationen einsetzen. Das ist vielfach belegt (s. dazu Marc Thörner, “Afghanistan-Code”, zum Fall Yakob Baj). Damit verstößt das “gezielte Töten” nach geheimdienstlichen Denunziationen immer und grundsätzlich gegen selbst ein völlig überzogenes “Kriegsvölkerrecht”, weil immer und grundsätzlich Zweifel angebracht sind, ob es sich auch nur um “feindliche Kämpfer” (zu schweigen von Kombattanten oder Terrorverdächtigen, die niemals außerhalb einer akuten Gefahr einfach liquidiert werden dürfen) handelt. Das darf ein Angestellter des CICR natürlich nicht sagen.

2. Ob “gezieltes Töten” überhaupt mit dem Kriegsvölkerrecht vereinbar ist, ist keineswegs bereits völkerrechtlicher “mainstream” – es ist noch ganz kontrovers.

3. Die Monitorsendung hat den absurden Widerspruch zwischen der von der Bundeswehr nun auch ganz offen übernommenen Counterinsurgency-Eskalationsstrategie einerseits und den angeblichen Gründen für das “Engagement” anderseits (“Stabilisierung” Afghanistans, Schutz Deutschlands vor Terror aus Afghanistan) überzeugend herausgearbeitet. In dieser Perspektive erschienen Merkel und Guttenberg (SPD und Grüne kamen außer Nouripour nicht vor) als völlig irrational und schizophren. Das sind sie aber nicht, wenn der wahre Grund für ihr “Engagement” ein  anderer ist (wie es der Afghanistanappell sagt): Um “ganz vorne in der 1. Welt-Liga spielen” zu können, d.h. einen Platz unter den führenden Weltmächten zu behaupten, muss Deutschland beweisen, dass es inzwischen auch einen Counterinsurgency-Krieg (also einen Anti-Guerillakrieg) führen kann. Sonst ist man “zweitklassig”.

Der Afghanistanappell steht weiter zur Unterzeichnung bereit.

Ausbildung

16. April 2010

(Karl Kraus zum Gedächtnis)

Die Bundeswehr, das wissen Fatz wie Tatz

Stellt Ausbilder und bildet im Galopp

Jetzt Azubis von Karzai aus, hopphopp!

Professionell, sonst ist es für die Katz.

Sie üben also friedlich einen Kampfeinsatz

Natürlich realistisch on the job

Damits nicht wird am Ende nochen Flop,

Sind echte Taliban der Feind bei dieser Hatz.

Doch diese hinterhältig feigen Taliban

Verüben einen Anschlag auf die Bundeswehr

Mitten im Friedenstraining spieln sie Krieg.

In ihrem dumpfen Fanatismuswahn

Schießen sie feige quer und spieln nicht fair

Versaun der Wehr den Aufstieg in die Champions League.