Wenn der Bundeswehrnachwuchs jetzt auch noch arabische Schönschrift lernen muss, bekommt de Maizière ein Problem

Was ist im Lager Bagram (dem größten in Afghanistan, in dem “Aufständische” konzentriert sind) eigentlich passiert, dass schon wieder alle Stabilisierungserfolge von Monaten mit einem Schlag zum Teufel sind? Wie es heißt, bekamen US-Soldaten den Auftrag, “extremistische” Schriften, die bei Häftlingen gefunden worden waren, auf einer Müllkippe heiß zu entsorgen. Für die eigentliche Arbeit gab es afghanische Hiwis. Die entdeckten nun unter den bereits teilweise angebrannten Schriften auch Exemplare des Korans: Aufschrei, Aufruhr im  Lager, dann vor dem Lager, dann in Kabul, dann im ganzen Land. Entschuldigungen über Entschuldigungen.

Und konkrete Zusagen: Ab sofort sollen die Marines im Entziffern arabischer Titel, inclusive Ornamentschrift, geschult werden. Operation West-östlicher Divan! Die deutschen Medien tun mal wieder so, als ob das alles die Bundeswehr nichts anginge – aber wir können sicher sein, dass “unsere” Generäle sofort nachziehen: Auch unsere Jungs kriegen jetzt prophylaktische Entzifferungsschulungen! Endlich ein lukrativer Auftrag für die unterfinanzierten orientalistischen Institute an unseren Unis.

Aber im Ernst: Glaubt de Maizière wirklich, das mühsam rinnende Bächlein von Freiwilligen würde anschwellen, wenn jetzt auch noch diese Hürde dazukommt?

Ceterum censeo exercitum Germanicum ex Afghanistan esse recedendum.

Tags: , ,

2 Antworten zu “Wenn der Bundeswehrnachwuchs jetzt auch noch arabische Schönschrift lernen muss, bekommt de Maizière ein Problem”

  1. Dr. rer. Nat. Harald Wenk sagt:

    „Geschichten aus 10001 und 1er Nacht?“.
    Nun, es gibt in Arabien die alte „Volksfrömmigkeits“ und „Schultradition“ der Sufis und Derwische, der Mystiker. Die haben die Techniken der Codierungen und des Shreibens an den Rand systematisch entwickelt und gebraucht. Sie standen auch viel in Konkurrenz zur orthodoxen, stark mit Rechtsschulen verbundenen offiziellen klerischen Religion. Taliban sind nun „eigentlich“ vom „Wortsinn“ her STUDENTEN dieser orthodoxen rechtsschulastigen Tradition. Mit entsprechendem Prestige.
    Unsere „Till Eulenspiegel“ Geschichten kommen daher, im Orginal als “Mulla Nassdrudin” mit viel „Veräppelung“ der Richter und auch viel Gefängnisausbruchsgeschichten dabei als Derwischerfindung vor. Die Taliban haben allerdings die hochangesehen Sufis schon des öftern mit ein paar Selbstmordattentaten bedacht, sogar die „Sekte“ von Irans Präsident, und sind ihnen extrem feindlich gesonnen. Die Sufis haben denn auch gleich 600 (und mehr ) Interpretationen des Koran. Da kann man eigentlich gar nichts mehr „falsch“ machen.

    Also eine sehr “ausgetrickste” (wohl Doppelbedeutung) Aktion. “Wir haben die bessere List” ist ein wohl brusteschwellendes frühes Koranzitat.

    Tja, und wie man dann das “skandalsiert”, jahrzehntelang, – das ist schon fast so wie bei uns…..

  2. Dr. rer. Nat. Harald Wenk sagt:

    wie stark diese narrative “kollektivsymbolik” der sufi- und derwischgeschichten ist, merkt man daran: der aktuelle “führer” von al-quadi trägt den namen eines alten sufimeisters. der lässt sich bestimmt schon lange nichrts mehr von einem sagen. die kollektivsymbolische bedeutung ist ein bessere kategorie als der oft vreergebliche versuch, sie auf unsere: mythos, politik, philosophie, religion, technik, wissenschaft, öffentliche meinung – unterscheidungen als “koordinatenachsen” zu projizieren. alle länder haben zum teil extrem wild verwucherte, mit unterjochter kolonialerfahrung getränkte kollektivsymboliken. “meine” armen inder als “mutter aller kolonialisierten” (spätestens ab Alexander dem großen) haben doch tatsächlich mit abstand die meisten….

Eine Antwort hinterlassen