Archive for the ‘Drones'n'Drugs’ Category

Nichts ist normal in Afghanistan

Freitag, August 5th, 2011

Unter “Inland [!?] in Kürze” fand sich am 5.8.2011 auf Seite 4 der FAZ im Kleindruck folgendes:

“Afghanistan-Einsatz traumatisiert – Bundeswehrsoldaten erkranken nach einem Afghanistan-Einsatz bis zu zehnmal häufiger an posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) als Soldaten ohne Auslandseinsatz. Laut einer Studie  des Instituts für Klinische Psychologie der Technischen Universität Dresden kehrten rund zwei Prozent aller Soldaten, die 2009 in Afghanistan waren, mit einer PTBS zurück, wie die Zeitschrift “Psychologie heute” berichtet. Hochgerechnet entspreche das etwa 300 Betroffenen pro Jahr. (KNA)”

Erstens: Das ist ein gutes Beispiel für Manipulation, weil die Meldung auf die “Front Page” (nomen est omen) gehört hätte.

Zweitens: Leserinnen dieses Blogs können leicht das Fehlende ergänzen: Man muss sicher einen Multiplikator von etwa 10 ansetzen, um sich eine Vorstellung von den PTBS afghanischer Zivilisten und insbesondere bei Frauen und Kindern machen zu können. Daran sind nicht ausschließlich “die Taliban” schuld, sondern dieser schmutzige Anti-Guerillakrieg insgesamt mit seinen “gezielten Tötungen”, Luftschlägen, Racheaktionen beider Seiten, Clear-and-Hold-Offensiven usw.

Drittens: Was hier unter die Sparte “Psychologie” gesetzt ist, ist ein ganz entscheidender Faktor des Krieges, nämlich der Subjektkern des “soldatischen Mannes” (Klaus Theweleit). Es war vollständig vorauszusehen, dass dieser ganze alte deutsche Horror mit den “neuen Kriegen” zurückkommen würde. Dazu lese man das Kapitel “Zwillingsgeschichte vom UDD aus Afrika (Simulation von 1976-82 auf 1998 plus x)” in der Vorerinnerung “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee” (assoverlag Oberhausen). UDD heißt: “Unbekannter Deutscher Deserteur”.

Mörderisch: der Denunziations-Luftschläge-Krieg der NATO in Afghanistan.

Dienstag, August 2nd, 2011

Schon wieder hat die NATO eine ganze Einheit von Karzai-Polizei (“Azubis”) aus Versehen per Luftschlag gezielt getötet. Sie “untersucht” das jetzt wie üblich wieder (bis der “Vorfall” von den westlichen Medien vergessen bzw. durch einen frischen “Vorfall” überholt ist). Das vermutliche Ergebnis der Untersuchung wird sowieso wahrscheinlich top secret bleiben. (Und Wikileaks ist offenbar auch sehr geschwächt.) Denn die Menge solcher Versehen deutet auf systemische Ursachen, die zwar nicht schwer zu erraten sind, dennoch aber Tabu bleiben müssen, weil sie das Wesen dieses Krieges betreffen: Dieser Krieg wird hauptsächlich mit “gezielten Tötungen” durch “Luftschläge” geführt – und die Ziele dieser Schläge werden von “einheimischen” Informanten (Denunzianten) bei den NATO-Geheimdiensten (z.B. BND, MAD) gemeldet. Diese durch strikte Anonymität “geschützten” Denunzianten müssten ja Heilige sein, wenn sie nicht ab und zu Clanrachen und “ethnische” Fehden per Anruf bei den NATO-Diensten regeln würden. Die Kombination ist teuflisch, weil die Luftschläger aus ihrem Jet und in den wenigen Sekunden des Schlages nicht nachprüfen können, ob die Opfer nicht Karzai-Polizisten sind. Inzwischen sollen auch bei der Bundeswehr schon schwarz-makabre Witze im Umlauf sein: Es bestehe eine Wahrscheinlichkeit von etwa einem Drittel, dass es sich bei den jeweiligen Karzai-Truppen um eingeschlichene Taliban handle – und dann wäre ein Versehen entweder doch keins, oder es würde jedenfalls die zulässige Collateral-Damage-Rate nur unwesentlich überschritten.

Dieser Krieg ist derartig schmutzig, dass der sofortige Abzug der Bundeswehr in keinem denkbaren Szenario einen schlimmeren Zustand hervorbringen kann als den der jetzigen “Stabilisierung”.

Der Turboaufschwung ist ein Meister aus Deutschland – überall auf der Welt warten Azubis auf ihn.

Sonntag, Juli 31st, 2011

Wie können die Griechen wieder (oder überhaupt zum erstenmal) “wettbewerbsfähig” werden? Günther Oettinger (Hamburger Abendblatt 26. Juli) und Philipp Rößler (FAZ 28. Juli) haben die entscheidende Idee: Deutsche Handwerksmeister in Rente sollen nach unten vor Ort gehen und die Griechen ausbilden. Der Grieche als Azubi des Meisters aus Deutschland. Das ist ein inzwischen bereits sehr erfolgreich in Afghanistan bewährtes Modell: Dort sind es deutsche Meister in Uniform, die Afghanen technisch ausbilden – on the job natürlich, wie im deutschen dualen System vorgesehen. Im “Figaro” gab es zu dieser Meldung einen verkrampft sarkastischen Comment: Die Deutschen sollten als erste Wahl 85jährige Meister schicken, die hätten als junge Aufstreber in den 1940er Jahren schon mal Griechenlanderfahrung on the job gesammelt. Blanker Neid eines Franzmanns!

Wenn China eine “Supermacht” ist – was ist dann Deutschland?

Donnerstag, Juni 30th, 2011

Anlässlich des Staatsbesuchs von Wen mit Gefolge in Berlin waren sich alle deutschen Medien einig, dass da eine “Supermacht” auf dem roten Teppich marschierte. Was ist eine Supermacht? Bisher dachten wir, es habe in der Geschichte nur zwei gegeben, von denen nach 1990 nur noch eine übrig sei. Supermacht heißt Welthegemonie – also nicht bloß eine Wirtschaft, ohne die die Weltwirtschaft zusammenbräche, sondern auch ein politisches und vor allem militärisches Übergewicht über den ganzen “Rest der Welt” (außer eventuell einer zweiten Supermacht). Es kann also überhaupt nur eine Supermacht geben (oder höchstens zwei).

Die USA sind also eine Supermacht: Sie besitzen die wirtschaftliche, militärische und politische (nebenbei auch noch kulturelle) Welt-Hegemonie. So viele Stützpunkte in der ganzen Welt, so viele Flugzeugträger, Raketen, Drohnen, Elitesoldaten und normale Soldaten usw. bekommen alle anderen nur in seltenen Fällen gemeinsam auf die Reihe. Bis vor kurzem konnte das Pentagon gleichzeitig zwei große Kriege führen und gewinnen – seit Obama sollen es vier sein.

Und China? Hat (noch) keinen einzigen Militärstützpunkt außerhalb Chinas. (Das kann sich theoretisch ändern, aber Zukunftsmusik ist Zukunftsmusik). Es ist aber “Weltmeister” in einigen ökonomischen Dimensionen: Export, Devisenschatz und “Wachstum” (nicht absolut, aber unter den großen Ländern). Der Devisenschatz hauptsächlich in Dollar-US-Staatsanleihen macht China aber von den USA auf Gedeih und Verderb abhängig. Auch als Exportweltmeister ist China auf die USA auf Gedeih und Verderb angewiesen. (Alles andere ist bis auf weiteres Zukunftsmusik.)

China ist also (schon jetzt) eine der führenden Großmächte, aber beileibe keine Supermacht. Warum also diese Aufbauscherei sämtlicher deutscher Medien? Aus zwei äußerst transparenten Gründen: Erstens soll die Monopolstellung der USA als Supermacht ‘verkleinert’ werden – zweitens und vor allem aber will “Deutschland” am liebsten ganz wegtauchen!

Deutschland ist “nur” noch “Vize-Exportweltmeister” – “legt” aber mit 80 Millionen Einwohnern fast genauso viel “hin” wie China mit 1,3 Milliarden! Daran wird die Stärke des deutschen Kapitals klar. Das gilt noch mehr für fast alle anderen ökonomischen und auch ökologischen Dimensionen. Etwa die globalen Investitionen: Wieder bauscht man die chinesischen auf und verschweigt die viel höheren deutschen. Und das Militär? Während China (noch) zuhause bleibt, hat die Bundeswehr inzwischen jede Menge Stützpunkte auf dem Balkan, im Mittelmeer, am Horn von Afrika und vor allem in fast allen Ländern Zentralasiens. Und steht Gewehr bei Fuß auf dem Balkan und führt einen blutigen Besatzungs- und Antiguerillakrieg in Afghanistan. Und politisch ist Deutschland die Hegemonialmacht ganz Europas und diktiert nicht nur Griechenland die Politik. (Auch Hegemonie bedeutet nicht Kommandogewalt, sondern faktisches Vetorecht – so wie gegen den Willen der USA nichts in der Welt läuft, so gegen den Willen Deutschlands nichts in Europa.)

Gegen Missverständisse: Es geht nicht um “böse” deutsche Eliten in Politik und Banken, die Hegemonie über andere Länder “wollen” – es geht um historische Entwicklungen, die diese Eliten angeblich “zwingen”, immer mehr “Verantwortung” für die Welt zu übernehmen. Es geht um das bestehende globale “Spiel”, in dem Deutschland (zum drittenmal seit Bismarck) die “Rolle” einer der mindestens fünf führenden Groß- und Weltmächte “zugefallen” ist. Das hat ungeheure Folgen und darf deshalb nicht weiter schamhaft hinter der “Supermacht China” versteckt werden. Weder China noch Deutschland sind “Supermächte” – beide aber führende Groß- und Weltmächte. Die Zeiten, als Deutschland eine schnuckelige “europäische Mittelmacht” war, sind lange vorbei.

Festzuhalten bleibt: Niemals hat die deutsche Bevölkerung darüber diskutieren oder gar abstimmen dürfen, ob “wir” wieder führende Weltmacht “werden wollen”. Das ist aber eine wichtigere Frage als die Frage Bonn oder Berlin oder die Frage PID, bei der sogar die Abgeordneten frei abstimmen dürfen. Konkret geht es bei der Frage von Bundeswehrkriegen in “Übersee” um diese Frage. Die Eliten meinen, in Zukunft noch viel mehr solcher Kriege führen zu “müssen” – eben in der Logik der Weltmachtposition. Die Bevölkerung ist sehr viel geschichtsbewusster und lehnt daher beides ab. Nicht nur “Atomkraft? nein danke!” – auch “Weltmacht? nein danke!”

Szenario Vietnam in A*? Der deutsche V-Träger wird nervös

Donnerstag, Juni 9th, 2011

Seit geraumer Zeit hören sich die Meldungen über die Strategie der Welt-Junta in Afghanistan (und auch in Libyen, im Irak, im Iran usw.) immer irrationaler und immer widersprüchlicher an. Es sieht so aus, als wisse die eine Hand nicht mehr, was die andere tut: Während die eine Hand die Drohnen-Killungen und die Boden-Killungen nicht bloß mutmaßlich führender, sondern auch “einfacher” Taliban und anderer “Aufständischer” nach Killisten anonymer Denunzianten eskaliert und dadurch ständig neue Fälle von “Bestrafungen” (im westlichen Diskurs “Blutrache”) provoziert, schwadroniert die andere Hand, inzwischen bis zum zuständigen Minister Gates, von “baldigen Verhandlungen mit den Taliban” (die nach anderen Meldungen längst intensiv geführt würden). Während die deutschen GRÜNEN Hindukusch-Stürmer ein “Bürgen-System” überlegen, um die weit vorangeschrittene Unterwanderung der Karzai-Truppen (die in Wirklichkeit Truppen der jeweiligen regionalen  Warlords sind) zu bekämpfen, kündigt Obama einen baldigen Teilrückzug an, der wiederum “unseren” De Maizière in Panik versetzt. Während immer noch von “Demokratie” unter Karzai und seinen Warlords die Rede ist, wird täglich deutlicher, dass alle relevanten Entscheidungen sowieso von Geheimdiensten getroffen werden, also von klassisch undemokratischen Institutionen.

Genau um in einem solchen Politik- und Medienwirrwarr die nötige Distanz zu bekommen, um die Strukturen erkennen zu können, kann die Lektüre des Romans “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag Oberhausen, über den Buchhandel, 29,90 Euro) hilfreich und gleichzeitig amüsant sein. “Vorerinnerung” bezieht sich auf die Zukunfts-Simulationen, unter anderen von Bundeswehrkriegen in “Übersee”. Dabei muss der deutsche “V-Träger” (“Verantwortungs-Träger”) regelmäßig mit seinem “BB” (“Big Brother”) klarkommen, was nicht einfach ist. Hören wir ihm also mal zu (das ist jetzt zusätzlich ad hoc im Stil der “Vorerinnerung” hinzusimuliert):

“Der BB bringt mich noch um meine letzten Nerven! Jetzt redet er plötzlich von Verhandlungen mit den Taliban, und klickt damit das Vietnam-Szenario an! Dabei habe ich ihm, als ich mit ihm in A* reingegangen bin, im 7erclub doch genau klargemacht, dass meine Azuvis [Allzuvielen] das überhaupt nicht wollen. Ich habe ihm die Statistiken der Befragungen dick vor die Nase gehalten. Ich habe ihm die Geschäftsgrundlage, natürlich auf Englisch, 10mal wiederholt. Es ist die Geschäftgrundlage, auf der ich auch meine GRÜNEN Hindukuschstürmer ins Boot gekriegt habe: “NIE WIEDER HITLER! NIE WIEDER VERLORENER KRIEG!” (Die GRÜNEN hatten das früher etwas anders formuliert, aber dann haben sie das Angebot angenommen: Hat übrigens einer von ihnen selber gemacht!)  Nie wieder verlorener Krieg! Zwei Zusammenbrüche habe ich überlebt, ein dritter ist das Undenkbare und muss das Undenkbare bleiben. Wofür bin ich denn in die Welt-Junta reingegangen? Der BB hat doch behauptet, das wir mit der Strategie “Clear and Hold” diesen Krieg mit 100% Garantie niemals verlieren können! Und jetzt redet er von Verhandlungen mit den Taliban – als ob ich nicht genau wüsste, wohin die Verhandlungen mit dem Vietcong in Vietnam schließlich geführt haben!

Klar weiß ich (von meinen Diensten), was der BB mit “Abzug” meint: Stützpunkte, Öl und Pipelines auf Dauer besetzen und mit Drohnen weiter alle Terroristen und Extremisten, die die Dienste auf die Killisten setzen, ausschalten, selbst wenn deren Sympathisanten in der Hauptstadt an die Macht kommen. Das mit den Drohnen war damals in Vietnam technisch noch nicht drin, soweit okay. Dann hat er seinen Krieg mit Null eigenen Verlusten, der sein eigentliches Ziel ist. Diese Sorte Krieg ist technisch super – aber ich kann diese Sorte Krieg meinen Azuvis und sogar einem Teil meiner Politik jetzt einfach noch nicht verkaufen! Da komme ich in Teufels Küche. Und ehrlich habe ich Zweifel, ob es überhaupt klappen kann: Technisch ist es super, aber die Killlisten müssen von den Diensten erstellt werden – die Dienste kriegen die Killziele von einheimischen Informanten geliefert – wer garantiert mir denn, dass die Informanten nicht unterwandert sind und genau die falschen Leute auf die Liste setzen lassen? Und bei den Diensten, wo alles strikt geheim laufen muss, kann ich noch nichtmal das raffinierte Bürgen-System, das meine GRÜNEN vorschlagen, anwenden.

Ich sehe das Vietnam-Szenario näherrücken und kann nicht mehr schlafen. Wenn es am Ende so aussieht wie Vietnam, dann sieht es so aus wie verlorener Krieg. Das kann ich einfach nicht verantworten. Und Drohnenkriege kann ich jetzt noch nicht führen – die sind für mich jetzt noch zu früh. Ich bin doch grade erst dabei, Begriffe wie “Gefallene” und “Helden” wieder in die Medien zu kriegen. Der BB kann mir regelrecht meinen Konjunkturoptimismus vermiesen, wo ich gerade diesen prächtigen XXL-Aufschwung aufs Parkett lege. Aber darauf ist der BB natürlich neidisch und will sich rächen und mir noch am Ende den verlorenen Krieg in A* anhängen.”

Talokan heißt der 1. GAU der Hochrisikotechnologie namens “neue Bundeswehr” (= Welt-Junta-Bundeswehr)

Dienstag, Mai 31st, 2011

Was am 28. Mai 2011 in Talokan in der deutschen Zone von Afghanistan geschah, ist das bisher größte Debakel der “neuen, reformierten, Bundeswehr”, deren Strategie bekanntlich “vom Einsatz” (in der ganzen Welt) bestimmt ist. Die “engagierten Eliten” (Militärs, Politiker, aber gerade auch Medienleute) waren (völlig zurecht) “von der Rolle”, ja in Panik: Die mediale Gleichschaltung der Bevölkerung rotierte: Teils erfuhr man gar nichts, teils gab es dicke Falschmeldungen: “Selbstmordanschlag” hieß es, und zwei Tage später wurde das kleinlaut als Ente entlarvt – es war viel schlimmer: Eine ferngezündete Bombe hatte im Gouverneurspalast von Talokan installiert werden können.

Die gleichen wild rotierenden Sprachregelungen bei den Opfern: Zuerst wurde gemeldet, “zwei weitere Soldaten der Bundeswehr” seien “gefallen”. Damit konnten die Automaten in Gang gesetzt werden: “feige, barbarische, abscheuliche Tat” (während die eigenen nächtlichen Drohnen-Killungen offenbar tapfer, zivilisiert und ethisch wertvoll sein sollen). Dann kam tropfenweise heraus, dass der Anschlag einem veritablen Gipfeltreffen gegolten hatte: zwischen dem obersten General der Bundeswehr und Befehlshaber aller ISAF-Truppen im gesamten Norden von Afghanistan, Generalmajor Markus Kneip, dem “Polizeichef” ebenfalls des gesamten Nordens, Daud Daud, dem “Polizeichef” der Provinz und anderen Spitzenleuten (sicher auch von den Diensten). Auf deutscher Seite war General Kneip verwundet worden (zuerst: “schwer”, dann: “leicht”), zwei seiner (hochrangigen!) Adjutanten getötet und eine Adjutantin schwer verletzt. Auf afghanischer Seite war Daud Daud unter den Opfern.

Wenn man die Informationspolitik der Bundeswehr auf eine Formel bringen will, dann kann sie nur lauten: “dumm sterben lassen” (die Opfer im wörtlichen, und das Volk im übertragenen Sinne). Denn wer war Daud Daud: etwa ein einfacher “Polizeichef”? Daud Daud war der engste Vertraute und Nachfolger von Achmed Schah Massud, dem kurz vor dem 11. September 2001 noch von den Taliban ermordeten Führer der “Nordallianz”. Daud Daud war also der aktuelle inoffizielle Führer der Nordallianz. Und die Bundeswehr samt BND und MAD hat sein Leben nicht schützen können! Dass der Anschlag in einem Gebäude der “Afghanen” stattfand, ändert daran gar nichts: Die (jährlich mindestens 1 Milliarde teure, vom “Steuerzahler” großzügig alimentierte) “Verantwortung” für ihre Zone liegt bei der Bundeswehr bzw. bei “Deutschland” und nirgendwo sonst. “Die Deutschen” haben nichts gewusst und haben das Debakel mit zu verantworten. Noch-Gesamtchef des NATO-Abenteuers in Afghanistan, US-General Petraeus, der Master Mind der Eskalationsstrategie “clear and hold” mit ihren Killteams und Drohnenschlägen, muss einen Schock erlitten haben.

Denn Daud Daud dürfte unersetzlich sein. Vereinfacht dargestellt (aber es gibt auch Vereinfachungen, die die Struktur klarlegen), ist Afghanistan ein “multiethnisches” Land mit einer paschtunischen Mehrheit, einer Farsi sprechenden Minderheit im Westen und mehreren Minderheiten im Norden, darunter der wichtigsten , tadschikischen. Während die Taliban hauptsächlich unter den Paschtunen dominieren, bildete (und bildet) die scharf anti-paschtunische Mentalität der in der Nordallianz dominierenden Tadschiken so etwas wie die “eiserne Reserve” der NATO-Intervention. Deren Führer hieß Daud Daud, und er konnte bei einem geheimen Gipfeltreffen, auf dem die weitere gemeinsame Eskalation der Petraeus-Strategie zwischen der Bundeswehr und ihren afghanischen “Azubis” besprochen werden sollte, getötet werden!

Damit liegt diese Strategie endgültig in Scherben. Die einzige Alternative zur Option der Vernunft, dem sofortigen Abzug, lautet: noch stärkere, noch riskantere, noch hirnrissigere Eskalation. Deren erster Laut-Sprecher war der CDU-”Verteidigungsexperte” Beck, der einen “Vergeltungsschlag” forderte. Aber auch die Vorschläge der “verteidigungspolitischen Sprecher” der anderen Parteien erinnern an die Maßnahmen von Tepco nach Fukushima: Die SPD bezweifelte die Effizienz der von der CDU angeregten Spürhunde-Einsätze und “biometrischen Überprüfungen” unserer afghanischen Azubis und forderte Verbesserung ihrer “nachrichtendienstlichen Überwachung”. Am nächsten zu einer Tepco-Maßnahme (wie z.B. Einsatz von Wasserwerfern gegen Kernschmelze) kamen die Grünen mit ihrem Sprecher Nouripour: Er forderte ein “Bürgensystem” für unsere Azubis. Er, Nouripour, verstehe nämlich was vom afghanischen Clansystem: Eine “Bürge” würde sein “Gesicht verlieren”, wenn er seine Hand für einen Verwandten ins Feuer gelegt hätte, der sich dann später doch als U-Boot herausstellen würde.

Diese grüne Schizophrenie wäre – wenn es nicht um Leben und Tod afghanischer, deutscher und anderer Menschen ginge – köstlicher schwarzer Humor. Bei der Atomtechnologie treten sie zurecht (unter dem Druck der Bevölkerung) für die Vermeidung auch des kleinsten Risikos ein – bei der GAUrisikotechnologie “Welt-Junta-Kriege der neuen Bundeswehr” schlagen sie ein “Bürgensystem” vor (das wäre doch noch ein Tipp für RWE bei AKWs!)!  Und die Moral von der Geschicht? Bei der GAUrisikotechnologie Eskalationskriege fehlt leider noch der Druck der Bevölkerung. Wie lange noch?

Bundeswehr schießt auf “Mob” (Gaddafi & Assad auf demokratische Rebellen)

Donnerstag, Mai 19th, 2011

Äußerlich gleichen sich die Bilder: Massendemonstrationen, darunter viele Frauen und Kinder, dem Anschein nach unbewaffnet, die Särge zu Grabe tragen und anschließend wütend gegen killende Militärs demonstrieren. Die Begriffe in unseren Massenmedien machen aber klar, dass es sich um 100 Prozent verschiedene Ereignisse handelt: In den arabischen Ländern geht es um Rebellen für die Demokratie (was nicht zu bezweifeln ist) – in Afghanistan um “Mob”, in den sich irgendwann auch noch “Aufständische infiltiert haben”. Genau das ist aber die Sprachregelung, die Gaddafi & Assad für ihre Demonstranten benutzen: “Mob, in den sich bewaffnete Aufständische infiltriert haben”. Diese Ausdrucksweise hat eine klare Funktion: Auf “aufständischen Mob” darf geschossen werden. Die dabei getöteten Zivilisten (mindestens die Frauen und Kinder) sind legitime Kollateralschäden der “infiltrierten Aufständischen”. So behaupten es auch Gaddafi & Assad.

Gegen wen oder was richtet sich der “aufständische Mob” in Afghanistan, auf den die Bundeswehr legitim schießt? Folgt man unseren Medien, gegen die afghanische “Demokratie”, z.B. gegen den “demokratischen Gouverneur” von Talokan, der der Bundeswehr sofort und vor jeder Untersuchung bescheinigt, dass sie zu recht geschossen habe. Nun wurde aber bei den letzten Wahlen festgestellt, dass sie massiv gefälscht wurden. Daraufhin erklärte die UNO im Auftrag der NATO, dass die Ergebnisse (oben Karzai, unten die Gouverneure usw.) dennoch demokratisch seien. Weitere Untersuchungen wurden unterbunden.

Bleibt die Behauptung der ISAF, dass die 4 gekillten Menschen in den Särgen des “Mobs” (darunter 2 Frauen), bewaffnete “Aufständische” gewesen seien –  während der “Mob” behauptet, es seien Zivilisten gewesen. Wenn die ISAF recht hat, lassen die “Aufständischen” aber militärische Emanzipation der Frauen zu, was allem widerspricht, was wir sonst hören.

Da soll noch jemand durchblicken! Gottseidank blicken unsere Medien genau durch und wissen genau, wer demokratischer Rebell ist und wer aufständischer Mob. Sicher ist immerhin dies: Die Bundeswehr führt einen Counterinsurgency-Krieg (Anti-Guerilla-Kieg) vom Typ Vietnam. Bisher ist kein “sauberer” Krieg dieses Typs bekannt. Gekillt wird nach Listen der Geheimdienste, die von anonymen, unkontrollierbaren Denunzianten bestückt werden (die 4 in den Särgen – oder mindestens 1 von ihnen -standen auf solchen Listen). Das führt regelmäßig zu “Mobs” – auf “Mobs” darf aber ebenfalls geschossen werden. Die “Stabilisierung” der afghanischen “Demokratie” macht rasende Fortschritte. Wer’s glaubt, wird selig – wer nicht, fordert den sofortigen Abzug der Bundeswehr und unterzeichnet den Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan”.

Am 7. April: Dritte Tagung des Appells “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan”

Samstag, April 2nd, 2011

Dass der Krieg in Afghanistan und die Beteiligung der Bundeswehr daran Sackgassen sind, müsste inzwischen auch den bisher Zweifelnden klar sein. Was ist von all den schönen Ausssichten auf von der Bundeswehr militärisch erzwungene Frauenemanzipation und Demokratie geblieben?

Nur die letzten Nachrichten aus der deutschen Zone: Massenaufruhr im “vorbildlich stabilisierten” Mazar-i-Sharif, Überfall auf das UNO-Gebäude und Ermordung von UNO-Mitarbeitern – unter den Augen der Bundeswehr. Grund des Aufruhrs die Verbrennung des Korans durch einen christlichen Fanatiker in den USA nach der Logik “Mitgefangen mitgehangen”. – Sehr verdichtete Hinweise auf intensive Beteiligung des KSK an der Praxis der “gezielten Killungen”. Ob das KSK selbst sogenannte “Kill-Teams” (wie die USA) unterhält, ist unwahrscheinlich – allerdings arbeitet es, wie es scheint, zusammen mit dem BND  intensiv mit an der Erstellung von Killungs-Listen für solche “Kill-Teams”. – Schließlich: Alle Truppen der ISAF, also auch die Bundeswehr, werden von der afghanischen Bevölkerung (mit gewissem Recht) für die Praxis der Drohnen-Killungen verantwortlich gemacht. Diese Drohnen-Killungen gelten inzwischen in der gesamten  islamischen Welt als Nonplusultra einer zutiefst “feigen” Kriegführung, zu der nur “christliche Westler” fähig seien: anonyme Denunzianten lassen nach völlig unkontrollierbaren Kriterien die Opfer auf die Killungslisten (u.a. des KSK) setzen – Computersoldaten im sicheren Texas programmieren die Ziele ein und lenken dann im sicheren Texas die Drohnen auf die Dörfer der Opfer. Und die ISAF-Sprecher reden dann noch weiter von der “Feigheit” ihrer Gegner – in einer Kultur, in  der noch ein eher mittelalterliches Ideal von “Tapferkeit” herrscht.

Betrachtet man also die Afghanistan-”Mission” in ihrem gesamten, auch technischen, kulturellen und eskalationslogischen Zusammenhang, so stellt sie sich als eine GAUrisikotechnologie heraus, die es ebenfalls sofort abzuschalten gilt.

Dazu möchten wir auf dem 3. Werkstatt-Treffen unseres Appells “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan”, in dem die heute nicht mehr bezweifelbaren Wesenszüge dieses “schmutzigen” Krieges beim Namen genannt wurden, einen weiteren analytischen Beitrag leisten. (Kann weiter im Netz unterzeichnet werden.)

WANN? Donnerstag, 7. April 2011, 16.30 Uhr bis 21.30 Uhr

WO?  In der Evangelischen Stadtakademie Bochum, Klinikstr. 20

MIT WEM? Tobias Pflüger (IMI-Tübingen): “Vom Einsatz her gedacht” – Zur “Reform” der Bundeswehr. – Robert Zion: “Den Unwillen der Gesellschaft in die Pro-Kriegs-Parteien tragen – am Beispiel der GRÜNEN”. – Andreas Zumach: (Zur Libyen-Intervention)

Hiermit sind alle InteressentInnen und/oder Neugierigen herzlich eingeladen, besonders auch GRÜNE

PS.: Der “Kill-Team”-Skandal weitet sich aus. Dabei wird systematisch fehlinformiert: Ein einziges Kill-Team wird herausgepflückt, weil es Killungen von Zivilisten, die nicht auf den Killungslisten standen, vorgenommen und davon besonders zynische Fotos geschossen hat. Angeblich hat dieses Team gegen die Grundsätze von good governance solcher Teams verstoßen: Alle Killungen nach Listen sind “gut”, bloß Killungen außerhalb von Listen sind nicht okay – wer Listen “abarbeitet”, ist ein guter demokratischer Killer (vielleicht gehören auch schon Scharfschützen der Bundeswehr dazu).

ABC-Spezialisten, Kampfhubschrauber, Flugzeugträger, Drohnen: GAUrisikotechnologie ist Krieg – und Krieg ist eine GAUrisikotechnologie: Beides abschalten!!

Donnerstag, März 17th, 2011

Natürlich müssen wir uns genauso wie die betroffenen Japaner an die Hoffnung klammern, dass der Einsatz der (verfassungswidrigen) japanischen “Selbstverteidigungsstreitkräfte” und der von US-Spezialeinheiten – selbst der von Kampfhubschraubern, Wasserwerfern und Drohnen – in Fukushima dazu beitragen kann, das immer noch schlimmere Mögliche zu verhindern. Aber was für ein Eingeständnis: Dies ist ein Krieg! Wenn hoffentlich das noch Schlimmere verhindert ist, muss er überall in der Welt abgeschaltet werden! Die GAUrisikotechnologie der AKWs darf nicht ein weiteres Mal “normalisiert” werden. 25 Jahre seit Tschernobyl sind zwar unter Aspekten von Halbwertzeiten eine mikroskopische,  im Menschenleben aber eine lange Zeit, so dass die Atomlobby gerade dachte, sie könne wieder voll loslegen. Was bedeutet es, dass es Fukushima (mit dem Anklang an Hiroshima) bedurfte, um in Deutschland und selbst in China ein Moratorium zu erzwingen?

Aber wir wissen: Die Lobbyisten und ihre mediopolitischen Sykophanten (bezahlte Ghostwriter) stehen schon in den Startlöchern für eine neuerliche “Rehabilitierung” der “sauberen” Kernenergie, auf die wir “aus ökologischen Gründen als Brückentechnologie nicht verzichten können” usw.: Sie werden nicht aufgeben, weil nun mal Profite winken und die Schäden nicht versichert, da bekanntlich gar nicht versicherbar,  sind – und also von “der Politik”, d.h. von der Bevölkerung bezahlt werden müssen.

Genau wie Kriegsschäden! Und tatsächlich hat Fukushima ein weiteres Mal klargelegt: Umgekehrt gilt es auch: moderne Kriege, insbesondere NATO-Hightech-Interventionskriege mit ihren Flugzeugträgern, Kampfhubschraubern, Drohnen, Raketen und “Luftschlägen” sind eine GAUrisikotechnologie, die ebenfalls sofort abgeschaltet werden muss, zumal sie tatsächlich sofort abgeschaltet werden kann.

Konkret: Die Bundeswehr kann umgehend aus Afghanistan abgezogen werden, wodurch das GAUrisiko eines Counterinsurgencykrieges als Eskalationskrieg abgeschaltet werden kann. Luftschläge aufgrund völlig unkontrollierbarer anonymer Denunziationen gegen afghanische Dörfer fordern nicht bloß ebenso zivile Opfer wie ein AtomGAU, sondern verseuchen auch das Land ökologisch auf  lange Zeit mit Schwermetallen und anderen Giften (heute noch überall auf dem Balkan als Folgen von 1999 festzustellen).

Grüne Basis, wach bitte endlich auf!

Ceterum censeo exercitum Germanicum ex Afghanistan esse recedendum. Cito et velociter!

“Kontrollierte Explosionen”: Symbol des durchdrehenden Normalismus

Dienstag, März 15th, 2011

Was hat die Stunde geschlagen, wenn die hegemonialen Medien sokratisch werden und bekennen, dass sie nur wissen, dass sie nichts wissen? Nur vage kann man ahnen, dass auf jeden Fall der normalistische SuperGAU eingetreten ist: Die Experten als Träger der sarrazinischen “MINT-IQ-Intelligenz” [Mathe, Ing, Natwiss, Techno] haben keine Daten mehr, können also keine Wahrscheinlichkeiten mehr berechnen und auf dem normalistischen “Optionen-Tisch” die besten “Optionen” zwecks Normalisierung “wählen”.

Ebenfalls nur vage kann man ahnen, welche “Option” sie in dieser Situation “gewählt” haben: die Taktik der “kontrollierten Explosion”: Nacheinander ließen sie in allen betroffenen Reaktoren Wasserstoffgas frei, um “den Druck zu verringern” und führten so angeblich “kontrollierte Explosionen” herbei, von denen sie behaupteten, sie seien nur schwach radioaktiv. Wie das rein technisch ablief und was daraus folgte und weiter folgen wird, wussten und wissen sie selbst nicht. Was wir aber wissen können: Diese Taktik der “kontrollierten Explosion” ist das repräsentative Symbol, die pars pro toto des durchdrehenden Normalismus – des Normalismus, der nicht bloß den Notstand (also die Denormalisierung) erklärt, sondern der die Denormalisierung dadurch zum GAU treibt, dass er glaubt, man könne auch eine irreversible Denormalisierungs-Kaskade noch normalisieren – durch Notstands-Schläge in diese Kaskade hinein.

Tragödie und Farce: Diese gleiche durchgedreht-normalistische Mentalität tobt sich nun auch außerhalb der atomaren Havarie aus: In Politik und Wirtschaft (und sicher bald auch Kultur). Es gilt die Kaskade von denormalisierenden Kopplungen mit anderen Praxis-Diskursbereichen (luhmannschen Teilsystem) mit allen  Mitteln zu verhindern, vor allem die “Ansteckung” der Börsen. Keine Panik! Ruhig bleiben! “Die Krise bietet auch Chancen” (wie wir seit 2008 ständig hören). Wenn die Öl- und Chippreise steigen, ist das gut für deren Aktien! Und erstmal das “enorme Potential” an Wiederaufbaunachfrage in Japan! Wenn schon der technoszientistische GAU nicht zu verhindern ist, können wir den ProfitGAU “mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit”  verhindern. Wie es die US-Middleclass 1987 beim Crash sagte: “Things look already pretty much better today, and it may even go up!”

Aber was diese Kopplung angeht, hat der japanische Premier Naoto Kan unter Stress eine Aussage getroffen, die die Kopplung ebenfalls wie eine pars pro toto bestätigte, indem er sie verhindern wollte: Er beschwor die Firma Tepco, die letzten 50 Ingenieure und Facharbeiter nicht auch noch aus dem havarierten AKW abzuziehen, weil… (zig Millionen Menschen in Gefahr schweben?) – weil… das den sicheren Kollaps der Firma Tepco bedeuten würde! (SPON 15. März, 6 Uhr 25 MEZ) In Tschernobyl waren es “Helden der sozialistischen Arbeit” – in Fukushima also “Helden des kapitalistischen Profits”.

Normalismustheoretisch kann gesagt werden: Die Abschottungsversuche gegen Kopplungen mit anderen “Teilsystemen” und gegen “Entdifferenzierungen” bergen ein hohes Risiko diskursiver “kontrollierter Explosionen”, also von Paniken (die man gerade verhindern will). Normalismustheoretisch gesehen, sind dagegen solche Kopplungen gut, weil sie Möglichkeiten aufzeigen, nicht nur AKWs, sondern auch andere Hochrisiko-Unternehmen rechtzeitig abzuschalten.

Musterbeispiel: Die Interventionskriege vom Typ Afghanistan sind sowohl wörtlich wie metaphorisch ebenfalls Hoch-Risiko-Technologien. Welch ein weiteres Symbol, dass über Fukushima eine Flugverbotszone verhängt wurde! Und dass der US-Flugzeugträger wegen der Radioaktivität umkehren musste! Aber es besteht die Gefahr, dass die Kriege, Revolutionen und Konterrevolutionen nun “in den Schatten” der japanischen Katastrophen geraten: Das nützt nicht bloß Gaddafi, sondern allen Konterrevolutionären: Gestern marschierte Saudi-Arabien in Bahrain ein. Vor einigen Tagen forderte sogar Karzai den Abzug der NATO, also auch der Bundeswehr, wegen der vielen zivilen Opfer der “Luftschläge” (die ja nicht bloß kriminell sind, wenn sie von Gaddafi geführt werden). Die übrigens immer auch große ökologische Schäden anrichten. Ceterum censeo exercitum Germanicum ex Afghanistan esse recedendum.

Wann endlich kommen die Mitglieder und Wählerinnen der Grünen zu der Einsicht, dass ihre Führung schizophren handelt, solange sie die Hochrisiko-Technologie eines Eskalationskrieges absegnet?

Gaddafi plagiiert die NATO

Sonntag, März 6th, 2011

Jetzt macht er auch noch copy and paste! Und plagiiert unverschämterweise den Diskurs der NATO! Er führt “gezielte Luftschläge”, und zwar nur gegen “Al Kaida” und andere “Aufständische”, rein militärisch. Obwohl das nur bei Demokraten legitim ist. Kein “Luftschlag” sei gegen Zivilisten geführt worden, sagt Saif Gaddafi in Interviews – als ob er ein Demokrat wie Petraeus, Wieker oder Klein wäre, deren zivile Opfer tatsächlich und zweifellos ausschließlich “tragisch” zutode kommen. Er könnte die NATO noch weiter plagiieren und von “Kollateralschäden” reden, was er sich vermutlich für noch schlimmere Massaker aufspart.

Wie verheerend die Wirkung seiner Plagiate ist, zeigt sich nun bereits in Afghanistan, wo es erstmals Massenproteste in Kabul gegen demokratische Luftschläge der NATO gibt, bei denen Kinder tragisch zutode kamen. Dabei verwechseln die afghanischen Protestierer völlig diktatorische mit demokratischen Luftschlägen. Und sehen sich offenbar in solidarischer Analogie mit den demokratischen Rebellen in Tunis, Ägypten und Libyen. Und merken nicht, dass sie sehr schnell auf die Seite der bösen Rebellen geraten können, die ein legitimes Ziel von demokratischen “Luftschlägen” sind!

Das Rätsel der zwei Zweidrittelmehrheiten

Samstag, Februar 26th, 2011

Bei repräsentativen Umfragen sprechen sich jeweils etwa zwei Drittel der Befragten in Deutschland gegen den Krieg der Bundeswehr in Afghanistan (und für den Rückzug) sowie für die weitere Führung dieser Bundeswehr durch Minister Guttenberg aus (trotz dessen “handwerklichen Fehlern” in seiner Doktorerwerbs-Strategie und -Taktik).

Wenn man annimmt, dass die Mehrheit des bellizistischen Drittels (darunter viele Grünenwähler/innen) auch für den Oberkommandierenden Guttenberg votiert und die Mehrheit des Anti-Guttenberg-Drittels für den Abzug aus Afghanistan ist, stellt – grob überschlagen – das Schnittmenge-Drittel ein Rätsel dar.

Schizophrenie? Weibliche (und männliche) Suggestibilität durch den angeblichen Sex-Appeal? Oder die Annahme, dass der Minister, der die Wehrpflicht de facto abgeschafft und es dadurch unmöglich gemacht hat, dass jemals ein junger Deutscher, der sich nicht freiwillig dazu gemeldet hat, in Afghanistan fallen kann – dass dieser Minister den heimlichen Plan verfolgt, die Wehr in Kürze zurückzuziehen?

Gegen die zuletzt genannte Hoffnung spricht natürlich gerade die Umstellung der gesamten Wehr auf sogenannte “Elite”-Soldaten mit Profimentalität, die sich noch nie in der Geschichte viel Gedanken über Demokratie und Zivilistenrechte im Krieg gemacht haben. Es spricht auch Guttenbergs bedingungslose Zustimmung zur Petraeus-Eskalations-Strategie dagegen.

Also stehen wir beim Schnittmenge-Drittel vor dem Rätsel eines schwarzen Lochs. Bitte melden, wer hineinleuchten kann.

“Luftschläge” gegen Menschen am Boden – wenn von Gaddafi befohlen, ein Verbrechen

Dienstag, Februar 22nd, 2011

“Gaddafi bombardiert sein Volk” (WAZ). Kampfhubschrauber und Jets gegen unbewaffnete Demonstranten – niemand bezweifelt, dass es sich dabei um eine der schlimmsten Formen von Verbrechen handelt. An Feigheit nicht zu übertreffen.

Natürlich behauptet Gaddafi (bzw. sein Militär), dass sich “Terroristen” unter die Demonstranten infiltriert hätten. Das hätten ihm seine Dienste glaubwürdig berichtet. Dass es “Aufständische” (insurgents) sind, kann ja niemand bezweifeln. Wenn die libyschen “Despoten” den westlichen Diskurs fleißig gelernt haben, werden sie formulieren: Die infiltrierten Terroristen haben “die Demonstranten als Geiseln genommen.”

Hören wir zum erstenmal von “Luftschlägen” gegen “Aufständische”? Wenn man unseren Medien und Politikern folgt, ist das was ganz Neues – wozu nur ein Gaddafi fähig ist. Denn wenn die Bundeswehr einen “Luftschlag” gegen die Bewohner eines ganzen afghanischen Dorfes anordnet und dabei mindestens 150 Leichen produziert werden (unter denen Frauen und Kinder am Boden liegen), dann ist es unerhört, das mit Gaddafi zu “vergleichen”. Dann werden die eigentlichen Täter vom geheimen KSK gar nicht aufgedeckt und der offizielle Täter Oberst Klein von jedem Verfahren befreit. Warum? Weil Klein (oder wer es war) aus sicheren Quellen wusste, dass sich in die Dorfbewohner “Aufständische” infiltriert hatten, die die Zivilisten “als Geiseln genommen hatten”.

Und das genügt, um einen “Luftschlag” zu rechtfertigen. Wie solch ein Luftschlag aus Kampfhubschraubern abläuft, kann man – in Libyen sehen? Leider momentan (noch) nicht “aus sicheren Quellen”, weil Gaddafi eine Nachrichtensperre verhängt hat. Aber man kann es auf Wikileaks in dem Video “Collateral Murder” in allen Einzelheiten anschauen, wie es im Irak abläuft. Und ebenso läuft es hundertfach und fast wöchentlich in Afghanistan und Pakistan ab: meistens von Drohnen durchgeführt. Solche aus Texas gesteuerten Drohnen-Luftschläge sind “tapfer” – jeder Selbstmordanschlag ist “feige”.

Das aufständische libysche Volk bringt seine fürchterlichen Opfer hoffentlich nicht vergeblich: Es besteht die Chance, dass Gaddafi zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Und was können wir tun? Ceterum censeo exercitum Germanicum ex Afghanistan esse recedendum. Cito et velociter!

Warum Latein? Weil das die Chance erhöht, dass der Oberkommandierende der Bundeswehr es kopiert – und zwar als “Tagesbefehl”!

Re: Deutsche Kriegsweihnacht. Angela Umbra Mortis in Kundus erschienen

Montag, Dezember 20th, 2010

“Überschattet” von einem tragischen Unfalltod mit der Waffe im Kampfgebiet erschien auf dem Bildschirm die wie ein schwarzer Schatten gekleidete Allegorie des Todes inmitten von Weihnachts- und Natogrün – das Ökogrün der grünen heißen Krieger war ebenfalls im geistigen Hintergrund  mit dabei. Die deutsche Kriegsweihnacht, die auf so erschütternde Prototypen zurückblickt, ist wieder da. Und angeblich sind die 70 Prozent im Volk, die den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan fordern, dennoch “stolz” auf “unsere Soldaten am Hindukusch” und sollen dennoch gerührt sein über den Besuch des Todesengels im miltärischen Weihnachtsgrün.

Grund zum Stolz besteht, wie Stephan Löwenstein, einer der neuen deutschen Kriegsberichterstatter, in der FAZ vom 20.12.2010 auf Seite 2 mitteilt: Die Bundeswehr mache “Fortschritte” und siege wieder (am 15.11.2010 titelte die FAZ: “Der Sieg bei Isa Khel”, und am 17.11.: “Bundeswehr soll weiter Taliban angreifen”). Wie sagte der V-Träger zu den Konvertern in der “Vorerinnerung” (“Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee”): Wenn ich auch früher “Nie wieder Krieg” gefordert haben sollte, dann habe ich gemeint: Nie wieder verlorener Krieg. Die neue, im Laufe des Jahres 2010 implementierte Offensivstrategie zeitige große Erfolge. “Gerade läuft eine große Operation in der Provinz Baghlan, wo wichtige Straßen zusammenlaufen. [...] Die Operation wird unterstützt von amerikanischen und anderen ISAF-Kräften, darunter dem rund 400 Mann starken deutschen Kampfverband (“Ausbildungs- und Schutzbataillon”, ASB) [...]. Der verunglückte deutsche Soldat gehörte zu diesem ASB.” – “Inzwischen ist ihr [Angela] nicht nur Achtung, sondern beinahe ein wenig Stolz auf eine Truppe anzumerken, die sich neuerdings nicht nur als einfühlsame Stabilisierer in einem kargen Land erwiesen haben [Grammatik original], sondern auch, von einigen politischen Fesseln befreit und durch die Umstände gezwungen, als durchsetzungskräftige und tapfere Kämpfer.”

Eine von ARD, BBC und ABC durchgeführte Umfrage in den “einfühlsam stabilisierten” Gebieten Afghanistans ergab allerdings, dass sogar die Bevölkerung im NATO-Propagandabereich zu zwei Dritteln die ISAF ableht und zu 52 Prozent den sofortigen Abzug fordert. Besonders katastrophal war der Schwund an “Zustimmung” zur Bundeswehr: Er ging seit 2008 von 45 auf jetzt noch 21 Prozent zurück (FAZ und WAZ 7.12.2010). Und das wie gesagt sogar in den “stabilisíerten” Gebieten! Soviel zum “Fortschrittsbericht”.

Vor etwa einem Jahr haben die Zeitschriften kultuRRevolution, AMOS, DISS-journal, Analyse + Kritik, et cetera ppf u.a. den Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” veröffentlicht, der von mehr als hundert Personen unterzeichnet wurde. Dieser Appell unterschied sich von anderen dadurch, dass er den Krieg als einen schmutzigen Anti-Guerillakrieg (“Drones ‘n Drugs”) kennzeichnete, dessen Speerspitze in Killungsaktionen ohne Prozess und fern von Kampfgebieten durch “Spezialkräfte” (wie das KSK) gegen “Aufständische” besteht, die als solche von anonymen IMs denunziert wurden, wobei hohe Anteile von zweifelsfreien Zivilisten (Frauen und Kindern) als “Kollateralschäden” in Kauf genommen werden (eingestandenermaßen bis zum Verhältnis von 1:6).  Durch Wikileaks ist das als Routine dieses Krieges bestätigt. Auch die Soldaten, die nicht an solchen “Spezialaktionen” beteiligt sind und die “nur” mit traditioneller Kriegstaktik Dörfer erobern, sitzen im Boot eines schmutzigen Krieges. Die vielen “Traumatisierungen” und der große Bedarf an Kriegs-Psychotherapie sprechen eine deutliche Sprache.

Deshalb kann ein Zeichen setzen, wer den Appell jetzt und künftig unterzeichnet.

Deshalb kam unser Appell auch nicht darum herum, den plausibelsten Grund für das sture Festhalten an der Eskalation dieses Krieges durch die Bundesregierung zu nennen: Deutschland als eine der führenden Weltmächte nicht bloß ökonomisch und politisch, sondern auch militärisch zu etablieren. Darin dürfte der eigentliche Grund für den nun ständig betonten “Stolz” liegen.

Und doch gibt es den “grünen Höhenflug”: Wenn man sich nicht vorstellen kann, dass die grünen Wählerinnen unter Grün das Grün der deutsche Kriegsweihnacht mit allem Drum und Dran verstehen, dann bleibt nur die Erklärung, dass sie die sture Kriegspolitik der Berliner Grünen mit einem vollständigen Blackout “verarbeitet” haben. Wie lange dieser Blackout wohl noch hält?

Afghanistan: jetzt auch noch ein riesiges Ölfeld unter der Sackgasse gemeldet!

Dienstag, August 17th, 2010

Unter der deutschen Zone im Norden Afghanistans liege eines der größten Ölfelder Mittelasiens. Das soll erst jetzt entdeckt worden sein. Die Frage ist wohl eher, weshalb es ausgerechnet jetzt (wieder, und diesmal groß) medial ausposaunt wird. Ist das nun ein Akt der Verzweiflung? Denn vor Tische las mans anders: Als unser Ex-Pazifistenfreund Ludger Volmer 1999 die circa 50000 Bombenangriffe auf Belgrad, Prishtina und andere Großstädte des Balkans rechtfertigte, war eines seiner wichtigsten Argumente noch, dass es unter dem Kosovo kein Öl gäbe und dass das bewiese, die 50000 Bombenangriffe auf Großstädte hätten absolut nichts zu tun mit “dem, was wir früher Imperialismus genannt haben”. Daraus sei logisch zu folgern, dass die 50000 Bombardements nur humanitäre Ziele haben könnten.

Ebenso hörten wir nun fast 10 Jahre lang zuerst gar nichts von Bodenschätzen unter Afghanistan, dann zwar von einigen Mineralien, aber nichts von Öl, und jedenfalls nicht unter der deutschen Zone.  Und nun erfahren wir, dass genau unter der deutschen Zone ein Riesenölfeld liege. Hält man die Grünen inzwischen für derartig konvertiert zu “dem, was wir früher Imperialismus genannt haben”, dass man ihre Abkehr vom Afghanistankrieg nur noch mit der Aussicht auf ein riesieges Ölfeld verhindern zu können glaubt?

Gleichzeitig erfahren wir, dass der Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan”, der den Abzug ja unabhängig von Öl oder Nichtöl fordert, in jeder Hinsicht bestätigt ist. Der Krieg ist schmutzig wie der in Vietnam: Die “Ausbildung” der Karzai-Truppen durch die Bundeswehr bedeutet Eskalation pur in Gestalt blutiger gemeinsamer Offensiven mit Opfern auf allen Seiten, die “gezielten Tötungen” durch US-Spezialkräfte in der deutschen Zone eskalieren ebenso wie die Drohnenkillungen. Und dennoch werden die “Taliban” nicht weniger. Und von “baldigem Abzug” ist jedenfalls beim Oberkommandierenden Petraeus keine Rede mehr.  Wie wir es gesagt haben: “Exit” bedeutet “Exitus”.

Schließlich erfahren wir ganz nebenbei noch eine makabre Spitze: die “gezielten” Drohnenkillungen in Pakistan gegen die “Rückzugsgebiete der Taliban” gehen selbst während der größten Naturkatastrophe in diesem geschundenen Land weiter: Es gibt nicht einmal eine Pause aus Pietät. Und unsere ach so kritischen Medien (kritisch gegenüber “gezielten Tötungen” und anderem Kriegshorror nicht nur auf Seiten der Taliban, sondern auf beiden Seiten) wundern sich nun, dass für Pakistan nicht gespendet wird.

Übertreibt die “Sprache” des Generals Petraeus? Ganz im Gegenteil!

Dienstag, August 3rd, 2010

Nun hat der Chef aller Afghanistan-Truppen, auch der Bundeswehr, eine Art feierliches Manifest für die große, für die 2. Jahreshälfte geplante Eskalation veröffentlicht. Darin herrscht eine “Sprache”, die angeblich nur “amerikanisch” und nicht “deutsch” ist. Zum Beispiel werden die NATO-Soldaten, also auch unsere Jungs, aufgefordert, die Taliban “ins Fleisch zu beißen” (wörtlich “ihre Zähne ins Fleisch zu schlagen”). Davon distanzieren sich einige deutsche Hindukuschstürmer - aber nur von dieser “Sprache”, nicht von der geplanten Groß-Eskalation.

Was hätte aber Karl Kraus dazu gesagt? Er hätte zweifellos festgestellt, dass die so skandalöse “Sprache” nicht über-, sondern untertreibt!  Schön wäre es für die Taliban, wenn sie von unseren Jungs nur gebissen würden – da hätten sie eine Chance zu überleben. Sie könnten mit den Bisswunden in ein Gefangenenlager kommen. Tatsächlich aber sollen sie “gezielt getötet” werden – nicht mit Gebiss, auch nicht mit der Hand, überhaupt nicht mit Körper gegen Körper, sondern mit Drohnen, die von Texas aus auf ihre Ziele gelenkt werden. Oder mit Panzerhaubitzen der Bundeswehr. Immerhin wollte Petraeus mit seiner volkstümlichen Metapher ausdrücken, dass ein schmutziger Entscheidungskampf bevorsteht.

Eklig ist übrigens diese nationalistische “Sprachkritik” – ausgerechnet aus “deutschen” Mündern. Als ob diese Politiker nicht dieselben wären, die sich auf allen gutbezahlten Posten “Leute mit Biss” wünschen. Soviel zur sauberen deutschen “Sprache”.

Der springende Punkt ist doch ein ganz anderer: Auch die “Kritiker” loben Petraeus über den grünen Klee dafür, dass er auch gesagt hat, “Zivilisten” sollten geschont werden, und nur “Taliban” gejagt und zur Strecke gebracht. Aber woher sollen die Jungs wissen, wer “Taliban” sind? Das kriegen sie “von oben” gemeldet, als ein “target”. Und dieses “target” wird durch Denunziation von anonymen “Informanten” produziert – von keinem Soldaten, auch keinem “Elite-Soldaten”, kontrolliert und kontrollierbar. Capture or kill (aus der Luft und mit Haubitze usw. nur kill) – ohne Identifikation, ohne Anklage, ohne Urteil, aber “gezielt” (targeted). Oft liegen da dann Dutzende Leichen. Und als Collateral Damage (“Zivilisten”) gelten dann ausschließlich Frauen, weibliche Kinder und männliche Kinder unter 13 (ab da sind auch sie “feindliche Kämpfer”). Von Wikileaks tausendfach dokumentiert.

Ist das wirklich übertrieben, wenn das “beißen” genannt wird?

Es gibt eine kleine Möglichkeit zu reagieren: den Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” unterzeichnen (hier gleich im Netz), falls nicht schon geschehen.

Wikileaks bestätigt überwältigend den Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan”

Sonntag, August 1st, 2010

Die Veröffentlichung von fast 92000 Geheimberichten von der Afghanistanfront an das Pentagon ist ein außerordentliches, ein wirklich historisches diskursives Ereignis. Wikileaks wird ab jetzt ähnlich von den Diensten gejagt werden wie die “Taliban” – es wird dann dringend die aktive Unterstützung aller Kriegsgegner/innen brauchen. Dabei ist das Wichtigste (wie auch bei Afghanistan insgesamt) das Problem, wie es erreicht werden kann, die veröffentlichte Meinung zu zwingen, die öffentliche Meinung zu verbreiten.

NICHTS NEUES?

Obama bzw. seine Sprecher behaupteten nach außen, die Dokumente im Netz “brächten nichts Neues”. Das ist in einer bestimmten Hinsicht wahr, in allem Wesentlichen aber falsch. Wahr ist, dass die Struktur des Krieges, der auf den Speerspitzen von “gezielten Tötungen” und Drohnen beruht, jedem bekannt sein konnte, der seine Augen nicht aus Angst vor den Konsequenzen verkleisterte. Was die Grünen Hindukuschstürmer den Kriegsgegnern vorwarfen, nämlich “wegzukucken”, das haben sie selber praktiziert und praktizieren es selbst jetzt noch, selbst nach Wikileaks, weiter. Einer der vielen Beweise dafür, dass wir die wesentlichen, strukturellen Wahrheiten der 92000 Dokumente bereits vorher wissen konnten, bilden die früheren Einträge dieses Blogs und bildet der Appell “HERAUS AUS DER SACKGASSE IN AFGHHANISTAN!”

ZUR ERSTEN AUSWERTUNG DES “SPIEGEL”

In einer ersten Auswertung (Ausgabe vom 26. Juli 2010) konzentriert sich der “Spiegel” auf die “Elitekrieger”-Einheit “Task Force 373″ und stellt ihre “Talibanjagden” mit den “gezielten Tötungen”, in hohem Maße unter Einsatz von Drohnen, dar. Dabei erweckt er mehrere falsche Eindrücke und verschweigt einen ganz wesentlichen Punkt. Falscher Eindruck 1: Die zweifelsfrei zivilen Opfer “gezielter Tötungen” werden zugunsten angeblich “legitimer” Ziele total heruntergespielt (nur ein Beispiel eines Massakers an 7 Kindern wird gegeben) – “positiv” dagegen eine Liste “echter” Taliban, wenn auch zugegebenermaßen teilweise aus dem “Mittelbau” der Taliban – “Mittelbau der Taliban”!!! Falscher Eindruck 2: Die Popularität der Taliban beruht auf Geld, das sie bieten. Klar ist: dass die Welt-Junta überhaupt noch Unterstützer findet, beruht auch auf Geld. Geld gegen Geld – aber dann ist da noch der kleine Unterschied muslimische Einheimische gegen christliche Fremde. Falscher Eindruck 3: Eigentlich liegt die miese Lage der NATO trotz überwältigend “effektiver gezielter Tötungen” daran, dass der pakistanische Geheimdienst ISI und besonders dessen früherer Chef Gul die Taliban unterstützt. Im Vietnamkrieg bekam der “Vietcong” angeblich entscheidende Unterstützung aus Kambodscha – die USA rückten in Kambodscha ein – und brachten dadurch die Roten Khmer an die Macht.  Falscher Eindruck 4: Die Deutschen sind (mal wieder) ahnungslos – Das wird gemeldet! Herr Lehrer! Die Amis haben das gemacht!

DER WESENTLICHE PUNKT VERTUSCHT: KOLLABORANTEN, INFORMANTEN, DENUNZIANTEN, INFILTRANTEN

Zwar ist auch in den vom “Spiegel” angeführten Dokumenten selbstverständlich in praktisch jedem Bericht vom “Informanten” , zuweilen sogar von “Spitzeln” die Rede. Zitiert wird ein solcher Spitzelbericht, nach dem in Pakistan 45 “Aufständische” Deutsch lernen würden, um sich dann in  der deutschen Zone als Dolmetscher in die Bundeswehr zu infiltrieren. Was aber, wenn die “Quelle” dieser Nachricht selbst ein “Infiltrant” war?! Wenn dadurch das Misstrauen in alle Dolmetscher noch erhöht werden soll? Was also vertuscht wird, ist gerade das Wesentliche: In einem Counterinsurgency-Krieg gegen eine in der Bevölkerung verwurzelte Guerilla ist die fremde Besatzungsmacht auf Verdeih und Verderb auf ein entscheidendes “Kettenglied” angewiesen, nämlich die Kollaborateure – und denen kann man nie trauen, weil sie mit ihrem Leben spielen. Vor allem: Die Denunzianten können ihre Privatrache durch die fremden Elitekiller ausüben lassen! Dieser Mechanismus des Krieges ist im vorliegenden Blog mehrfach dokumentiert und dargestellt. Fast alle Kollaboranten sind Nicht-Pashtunen, die die Pashtunen hassen und deren Überzahl durch die “Kreuzritter” dezimieren lassen möchten. Wie Marc Thörner in seinem Buch “Afghanistan Code” belegt, wurden auch die Opfer des Bundeswehr-Massakers von Yakob Baj vom 4. Septemeber 2009 Opfer eines solchen “gezielten” Hinweises von Pashtunenhassern. Jedenfalls ist es wirklich unglaublich, wie sich die Dienste und Elitekiller-Einheiten in diesem Krieg 100prozentig auf ihre “Informanten” verlassen und deren “Hinweise” im Handumdrehen in Drohnen-Angriffe oder nächtliche Überfälle auf Dörfer “umsetzen”. Dass diese Maschine eben nicht nur in seltenen Ausnahmefällen losschlägt, sondern zur Alltäglichkeit dieses Krieges gehört wie die Drohnen am Himmel, das hat Wikileaks jetzt bewiesen, und das war bisher in diesem Umfang lediglich zu erraten, nicht aber zu beweisen. Nun ist es bewiesen, und das ist neu.

UND DIE BUNDESWEHR: MAL WIEDER SAUBERES DEUTSCHLAND?

Angeblich weiß die Bundeswehr nicht, was amerikanische Elitekiller-Einheiten in ihrer Zone so treiben. Weiß sie auch nicht, was ihr eigenes KSK treibt? Und dass ihr eigener BND intensiv an den c/k-Listen (capture or kill) beteiligt ist? Offenbar möchte die Bundeswehr die Stadt Duisburg im Vertuschen noch übertreffen. Das wird sich aber ebenso wenig durchhalten lassen wie in Duisburg, und das Aufknacken des Vertuschens fängt schon an. Es genügt doch eigentlich die Schlagzeile auf Seite 1 der FAZ vom 5. Juli 2010, die das Fazit eines Interviews mit Minister Guttenberg resümiert:

“GUTTENBERG: NACH ABZUG GEHEIMDIENSTE UND SPEZIALKRÄFTE”

Damit ist auch die Katze des “Umbaus der Bundeswehr” aus dem Sack: Sie soll eine Weltjunta-Armee “auf Augenhöhe” mit den USA werden. Die künftigen “Auftragslagen” werden heißen: Counterinsurgency und nochmal Counterinsurgency. (Daneben natürlich auch weitere Super-Blitzkriege, z.B. gegen den Iran.) Und die Mittel dazu: “Profis”, “Eliteeinheiten”, die sich “keinen Kopp machen” und die “Spaß am Abenteuer” haben – und Dienste, d.h. Informantenwesen (mit dem Risiko: Infiltrantenwesen…). “Fascio di combattimento” könnte man auch gut mit “Elite-Kampfeinheit” übersetzen.

ALSO BESTÄTIGT: EXTERMINISTISCHE KRIEGFÜHRUNG (GEZIELTE KILLUNGEN NACH UNKONTROLLIERBAREN DENUNZIATIONSLISTEN; DROHNEN), WELT-JUNTA-SPIELEN

Wer den Appell Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan, dessen Besonderheit eben darin lag und liegt, dass er diese Aspekte beim Namen nennt, noch nicht unterzeichnet hat, dies aber jetzt tun möchte, hat dazu jederzeit die Möglichkeit. Und was wäre “objektiv” jetzt das wichtigste, nächste und erreichbare Ziel?

DIE GRÜNE FÜHRUNG ZU ZWINGEN, IHREN KRIEGSKURS ZU REVIDIEREN UND DEN SOFORTIGEN ABZUG ZU UNTERSTÜTZEN.

Deserteur Köhler? Welche der Seelen des deutschen V-Trägers ist mutig und welche feige?

Dienstag, Juni 1st, 2010

Köhler war Kohls Sherpa auf den Siebener Gipfeln. Offenbar wollte er nun auch den Sherpa am Hindukusch machen. Sherpas sind berühmt für ihre Tapferkeit und ihre Opferbereitschaft: sie retten ihre weißen Herren unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Und nun wird ihm Desertion vorgeworfen.

Es ist wirklich nicht einfach da durchzublicken. Vielleicht kann aber die Lektüre des Romans “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag) da wirklich etwas klären. Dort wird der deutsche V-Träger (Verantwortungs-Träger) auf seinem 3. Versuch begleitet. Dieser deutsche V-Träger leidet an MPD, das heißt Multiple Personality Disorder (nicht zu verwechseln mit NPD): er trägt nicht bloß zwei, sondern viele Seelen in seiner Brust – so wie Schopenhauers ewig unerlöster Ur-Wille ist er hin und hergerissen: die eine Seele sagt: Hier sind die Zukunftschancen, die andere da. Die eine will an den Hindukusch, die andere woanders hin.

Da wollte die Seele namens Horst als Sherpa mutig die Wahrheit darüber sagen, warum die Bundeswehr am Hindukusch ist (nicht wegen der Seewege: wo ist denn da See? Seewege bezog sich aufs Horn von Afrika! Hindukusch bezog sich auf Instabilität, die unsere Chancen gefährdet). Sicher sah er Kritik voraus, wollte aber als Sherpa seiner Berg-Chefin den Aufstieg zum Hindukusch der mutigen Wahrheit freimachen. Aber die Chefin ließ ihren Sherpa feige im Schnee stehen.

Da griff er zur letzten Möglichkeit eines Sherpas: Wie der Schweizer Held Winkelried zog er alle Speere auf sich und ging mutig in den Opfertod. Und nun werfen die feigen anderen Seelen des V-Trägers ausgerechnet ihm sogar Desertion vor. Wir warten nun auf mutige Seelen, die seine Tat in ihrer tragischen Konsequenz begreifen und jetzt die Chance zum Befreiungsschlag nutzen. Es muss jetzt laut bestätigt werden: Ja, wir sind ein Land dieser Größe. Ja, wir müssen für unsere Chancen und Interessen “im Zweifel” auch militärisch aktiv werden wie jetzt am Hindukusch, wo es um Chancen und Stabilität geht. Wir warten jetzt auf einen MUTIGEN BEFREIUNGS-SCHLÄGER.

Oder sollte der Sherpa doch eine Mimose und ein feiger Deserteur sein? Das darf nicht wahr sein.

Warum kein Beifall für Köhlers mutigen Beitrag zum “Diskurs” über und zur “Normalität” in A*?

Donnerstag, Mai 27th, 2010

Alle hegemonialen Parteien einschließlich der Grünen fordern seit Yakob Baj nahezu täglich “Ehrlichkeit” und “Mut” im “Diskurs” über Afghanistan. Man müsse auf dieser Basis der Bevölkerung endlich “überzeugend vermitteln”, warum die  Bundeswehr dort einen blutigen und zunehmend schmutzigen Krieg führt und nicht im Traum an Abzug denkt. Es gehe dort gar nicht, das müsse man heute ehrlich zugeben, um Okzidental-Demokratie und Mädchenschulen, sondern um “unsere gewachsene Verantwortung” und um eine absolut “notwendige Stabilisierung”.

Offenbar hatte Horst Köhler als oberster politischer Verantwortungs-Träger den (absolut zutreffenden!) Eindruck, dass die Bevölkerung noch etwas genauer wissen möchte, was eigentlich mit “Verantwortung” und “Stabilität” gemeint ist. Er entschloß sich also (auf dem Rückflug von Afghanistan) mutig zur Ehrlichkeit und übersetzte “Verantwortung” und “Stabilität” fürs Volk ins Konkrete: “Alles das heißt, wir haben Verantwortung” fing er an, und setzte fort: “ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit”" müsse wissen, “dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen” usw. 

Statt den Mut zur Ehrlichkeit zu loben, schreien die Führer der Parteien, die den Krieg in A* und gerade noch seine enorme Eskalation beschlossen haben und allen voran der Erz-Konverter (zum Begriff s.u.) Jürgen Trittin, die Bundeswehr führe keine Wirtschaftskriege. Dabei hat Köhler das mögliche kleine Missverständnis sofort klargestellt: In A* führt die Bundeswehr Krieg, “um ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen” – und für “freie Handelswege” kämpft die Bundeswehr augenblicklich vor allem am Horn von Afrika. Was ist daran falsch? Trittin hat beide Kriege mit beschlossen!

Wenn Köhlers Partner also undankbar und unfair sind, sollten wir Kriegsgegner Fairness beweisen: Mit “einem Land unserer Größe” kann Köhler nicht die Bevölkerungszahl gemeint haben: Wie im Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” genau quantifiziert wird, bringt Deutschland momentan noch (!) 1,2% der Weltbevölkerung auf und ist damit (noch!) das 16. Land im Ranking (sehr bald wird es stark abrutschen). Also kann Köhler mit “Größe” nicht die Bevölkerung, sondern nur die Kapitalstärke gemeint haben. Auf dieser Basis sind “wir” 3.größtes Land der G 7 (oder eigentlich als europäischer Hegemon schon 2.größtes), und niemand weiß das besser als Köhler, der seine Karriere als Kohls “Sherpa” auf den damaligen G 7-Treffs begann und dann im IWF fortsetzte. Niemand versteht besser als er, wie “unsere Chancen” (d.h. die Gewinnaussichten unseres Kapitals) von der “Instabilität ganzer Regionen” negativ beeinflusst werden können. Also dass “im Zweifel, im Notfall” die Bundeswehr “stabilisieren” muss – was sie in A* tut.

Mit Köhlers mutigem Statement ist nun auch noch der letzte Punkt des Appells “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan”, der von einigen Friedensfreunden als überzogen eingeschätzt wurde, offiziell: Die Bundeswehr ist dort, weil “ein Land unserer Größe” (sprich: eine Groß- und Weltmacht) “im Zweifel” (!!) auch militärisch präsent sein muss, wenn es um die “Stabilisierung ganzer Regionen” geht. Aus keinem anderen Grunde. Weil er das mutig gesagt hat, kriegt er jetzt Prügel vom Erzkonverter Trittin.

“Erzkonverter”: der Begriff “Konverter” wird in dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag Oberhausen) näher erklärt. (Jürgen Trittin kämpfte einstmals mutig gegen den Marsch der Bundeswehr in die weite Welt und konkret gegen die öffentlichen Gelöbnisse.)

Das “gezielte Töten” der Nato in A*: gesteuert von gezielten Fehl-Denunziationen

Sonntag, Mai 16th, 2010

Wie im Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” erklärt,  beruhen die massiven “gezielten Tötungen” der Spezial- und teils auch Normalkräfte der Nato (Isaf) selbstverständlich auf Denunziationen afghanischer Informanten an die westlichen Geheimdienste, darunter den BND. Das läuft nach dem Mechanismus: Stell dir vor, es ist schmutziger Krieg in Afghanistan und du bist Informant der Nato: Dann hast du nicht bloß Geld, sondern kannst auch alle Leute, die dich ärgern, aus dem Weg schaffen: Anruf bei der Nato genügt.

Dass dieser Mechanismus tatsächlich so und nicht anders funktioniert, wird inzwischen an exemplarischen Fällen bestätigt. Es ist ja auch kein Wunder in einem Land mit starken Gegensätzen der Sprache, der Stämme und besonders der Machtkartelle von Warlords. Da die Nato (und auch die Bundeswehr) die Paschtunen pauschal im Verdacht hat, mit den Taliban zu sympathisieren, werden als Informanten vor allem Nicht-Paschtunen angeheuert, die also freie Bahn für Rachakte haben.

Nach den Recherchen von Marc Thörner (Afghanistan Code, S. 140ff.) waren die Toten und Verstümmelten des von der Bundeswehr befohlenen Luftschlags bei Yakob Baj vom 4. September 2009 ebenfalls paschtunische Opfer der Rache nicht-paschtunischer (tadschikischer) Informanten des BND.

Dieser Krieg der Bundeswehr ist also nicht bloß irrational, sondern auch völkerrechtlich und ethisch alles andere als “sauber”.