DIE LÖSUNG (upgedatet nach Bertolt Brecht)

13. Juli 2015

Nach dem OXI des 5. Juli

In der griechischen Volksabstimmung

Ließ die deutsche Regierung

In ihren Medien erklären, dass das griechische Volk

Das Vertrauen der deutschen Regierung verscherzt habe

Und es nur durch Übergabe seiner letzten Aktiva

An einen Treuhandfonds der Gläubiger

In Luxemburg

Zurückerobern könne. Wäre es da

Nicht doch einfacher, die deutsche Regierung

Löste das griechische Volk auf und

Wählte ein anderes?

GERMROPA? OXI!

06. Juli 2015

Wäre es nicht tragisch, so wäre es urkomisch: Die deutsche mediopolitische Klasse, die der Regierung Tsipras „Verleugnung der Realität“ vorwirft, verleugnet das historische Großereignis des griechischen Referendums! Dabei ist es der GAU für ihre Erpressungspolitik und insbesondere der Super-GAU für ihre Mainstreammedien. Fast Zweidrittel der Griechen (und über Zweidrittel der griechischen Jugend) haben erklärt: Auch wenn Ihr mit euren Erpressungen ernst macht, die Banken geschlossen haltet und uns buchstäblich zum Hungern zwingt mitten in eurer Überproduktion, werden wir nicht angekrochen kommen und um Brotkrümel betteln. GERMROPA? OXI!

Dieses historische Ereignis verleugnen sowohl Berliner Regierung wie Mainstreammedien in ihrer Mehrzahl einfach. Sie behauptet statt dessen, dass nun ein ganzes Volk (und zwar das Volk, das ihren Begriff Europa, das die Demokratie, die Politik und die Ökonomie und zigtausende weitere Begriffe der Wissenschaften erfunden hat) – dass dieses ganze Volk die Realität nicht wahrhaben wolle. Welche Realität? Dass Deutschland in Europa Hegemon (schon wieder ein griechisches Wort) ist? Aber weil das griechische Volk eben diese Realität nur allzu genau begriffen hat, hat es OXI gesagt! Weil es genau gesehen hatte, dass nicht Tsipras die Banken schloss und die Renten blockierte, sondern Schäuble und Merkel. Weil es genau weiß, dass es Merkel einen Fingerschnips kosten würde, und die Banken wieder offen und die Renten wieder auszahlbar wären.

Diese Totalverweigerung gegenüber der Realität des OXI bei den Berliner Eliten ist enorm gefährlich. Denn diese Eliten bewegen sich in einem informationellen Notstand: Sie bauen weiter auf die Informationen der griechischen Oligarchenmedien, die ein 50/50-Ergebnis oder einen Sieg des Ja voraussagten (so wie sie bereits bei den Januarwahlen total schief gelegen hatten). Sie begreifen nicht, dass ihre oligarchischen Kumpels längst jeden belastbaren Draht zu ihrem Volk verloren haben. Aber zu Syriza haben sie selber „alle Brücken abgebrochen“, wie Gabriel es wiederum in einer Totalverkennung der Realität von Tsipras behauptet. Wer alle Brücken abgebrochen hat – zu Tsipras, zum griechischen Volk und zur historischen Realität – das sind sie selber.

Sie selber sind die Geisterfahrer

Und nun stecken sie am Ende einer engen Sackgasse, hinter sich eine selbstgebaute Berliner Mauer und können nicht wenden – behaupten aber weiter, Tsipras stecke in einer Sackgasse. Sie selber sind die Geisterfahrer, sie selber haben ihr Gefährt vor die Wand gesetzt! Ihre Mainstreammedien haben in ihrer Mehrheit selbst die „Hausaufgaben nicht gemacht“ und nicht „geliefert“. Man hört Aristophanes im Grab lachen und gleichzeitig weinen.

Dieser informationelle Super-GAU der Berliner Eliten hat auch in Deutschland zum Durchtrennen der Drähte zwischen Eliten und Volk geführt. Unglaublich, dass ein „Berichter“ wie Rolf-Dieter Krause, der die Griechen bei Plasberg aufforderte, per Referendum „die Regierung Tsipras zum Teufel zu jagen“, nicht abtreten muss (wegen völligen Mangels an Professionalität) und am Abend des Referendums dessen Resultat völlig verleugnen kann. Dessen Boden weg ist, und der einfach weiterrennt. Das gleiche gilt für einen Peter Dalheimer, der es fertigbringt, die überwältigende OXI-Welle wegzubeamen. Das gleiche gilt für all die Michael Martens in den Printmedien: absolute Versager in Professionalität. Ein großer Teil auch der deutschen Jugend hat sich von diesen Medien bereits emanzipiert und informiert sich nur noch im Netz, wo es weniger zyklopisch (einäugig) zugeht.

Lenkt Schäubkel jetzt ein?

Aber es ist nicht nur zum Lachen: Historisch sind deutsche Eliten, die die Realität verleugnen, dafür bekannt, zu Amokreaktionen zu tendieren. Noch könnte Angela Schäubkel einlenken – aber es steht zu befürchten, dass immer nur die Feinde „einlenken“ müssen: Saddam, Milosivic, Putin, Tsipras – aber doch wir nicht! Was aber nun, wo alle „Optionen“ verbrannt sind (Sturz der Regierung Tsipras, „Übergangsregierung“ aus „Experten“, Neuwahlen -die würden Syriza ja die absolute Mehrheit bringen!)? Bleibt nur noch das große Abenteuer, der Oettinger-Gabriel-Plan: den „humanitären Notstand“ über Griechenland zu verhängen und nach der Regel Not kennt kein Gebot eine Art „europäischen“ Einmarsch von „Helfern“ an der Regierung vorbei erzwingen zu wollen (flankiert von der Wiederöffnung der Banken). Wahnsinn? Genau – aber das wäre nicht das erstemal in diesem unserem Lande.

Jetzt noch dem appell-hellas unterschreiben!

Bitte nochmal die Website appell-hellas.de öffnen, den Appell nochmals lesen und unterschreiben, falls nicht schon geschehen, und in der Rubrik „aktuell“ die updates lesen, die auch in telepolis und nachdenkseiten publiziert sind.

Wissenschaftlich-politische Tagung zur Medienorchestrierung der Griechenlandkrise: Einladung

20. Juni 2015

Tagung zum Thema „Wie ‚einäugig‘ ist die deutsche Medienberichterstattung zu Griechenland?“

Wann? Freitag, 26. Juni 2015, 9.45 Uhr bis 17.15 Uhr

Wo: TU Dortmund, IBZ (Internationales Begegnungs-Zentrum), Emil-Figge-Str. 59, 44227 Dortmund

Mit Vorträgen-Analysen von Wassilis Aswestopoulos, Ute Gerhard, Margarete Jäger,  Clemens Knobloch, Jürgen Link, Matthias Thiele, Rainer Vowe, Regina Wamper.

Interessentinnen sind eingeladen.

„Wir sprengen die griechische Etage einfach aus dem Europäischen Haus raus – dann ist das Haus stabil!“

15. Juni 2015

In diesem Blog ist seit langem eigentlich alles gesagt über die Strategie der Achse Berlin-Brüssel im Fall Griechenland. Sie wollen ihre willigen Vollstrecker von der Vorgängerregierung nicht im Regen stehen lassen, wollen kein „verheerendes Signal“ nach Spanien und Italien „senden“, wollen einer „linkspopulistischen“ Regierung nicht den kleinsten Erfolg gönnen, um deren Popularität zu zerstören. Deshalb haben sie in der nun fünfmonatigen Verhandlung so getan, als ob sie „hart arbeiten“ würden (während Syriza angeblich faul ist und nichts tut) – haben in Wahrheit aber seit fünf Monaten nur immer mit der Monotonie von Wildtauben die zwei gleichen Forderungen wiederholt: Zusätzliche Rentenkürzung, zusätzliche Mehrwertsteuererhöhung. Warum diese beiden seit fünf Monaten täglich und stündlich? Weil sie wissen, dass diese beiden von der Syriza-Regierung nicht akzeptiert werden können, weil das schlicht und einfach der politische Selbstmord dieser Regierung wäre.

Obwohl Herr Kauder mit genialer Originalität Alexis Tsipras als „rotzfrechen Burschen, der seine Hausaufgaben nicht macht“, beschreibt, waren die einzigen, die wirklich gearbeitet haben, die Griechen: Sie machten verschiedene sehr konkrete Vorschläge, wie man die Schulden tragfähig bekommen könnte (durch Umschuldungen), und begannen konkret mit der Eintreibung der Oligarchen-Steuerschulden. Die Antwort der „Partner“: reicht nicht, Tricksereien, realitätsfremd. Und was ist die Realität? Dreimal darf man raten: Zusätzliche Rentenkürzung, zusätzliche Mehrwertsteuererhöhung.

Die Strategie der „Europäer“ (geführt vom europäischen Möchtegernkanzler Schäuble und seinen Hilfssheriffs Dijsselbloem, Moscovici und Juncker) war also äußerst einfach: Begeh Selbstmord oder wir bringen dich um. Nach fünf Monaten ist klar: Athen will einfach nicht Selbstmord begehen. Aber Schäuble und Co. meinen, keinen Kompromiss eingehen zu können ohne zusätzliche Rentenkürzung und zusätzliche Mehrwertsteuererhöhung. Sie würden dann ihrerseits ihr „Gesicht verlieren“ (obwohl das eigentlich nur für „Asiaten“ der Knackpunkt ist). Dann müssen sie also jetzt zur Tat schreiten?

Jedenfalls werden sie nun auf ihre Weise konkret: Oettinger (was hat der eigentlich mit Griechenland zu tun?) schlägt schon mal vor, zusammen mit einem „Grexit“ Griechenland zur „europäischen Notstandzone“ zu erklären und unter die Verwaltung „europäischer Notstandsbehörden“ zu stellen. Achtung!! Man darf ja keine Vergleiche machen!!  Auch nicht mit dem Zweiten Reich und Kaiser Wilhelm? „Dass nie wieder ein Grieche einen Deutschen scheel ansieht“?

Darf der Poroschenko das, was der Tsipras nicht darf? Der Poroschenko darf das!

29. Mai 2015

Das (bekanntlich radikal „prowestliche“) Parlament in Kiew hat ein Gesetz beschlossen – und Präsident Poroschenko hat es schon unterzeichnet -, das einseitige Schuldenmoratorien „zum Schutz nationaler Interessen“ erlaubt. Konkret wird es wohl gegen Russland eingesetzt werden. Unter anderem wird es damit begründet, dass Frau Lagarde (IWF) die Schulden der Ukraine nicht für „tragfähig“ und deshalb eine Reduktion dieser Schulden für unvermeidbar halte. Frau Lagarde hat das anscheinend nicht kommentiert. Sie hat anderes zu kommentieren und zu tun: Gemeinsam mit Herrn Schäuble protestiert  sie gegen Erklärungen der griechischen Regierung, dass man kurz vor einem „ehrenhaften Kompromiss“ stehe und die längst beschlossene Tranche aus dem letzten Troikaabkommen dann endlich ausgezahlt werden könne. Bekanntlich halten die Troikamächte, allen voran Deutschland unter Schäuble, diese Tranche seit nunmehr vier Monaten zurück, um die neue Regierung bis zur Zahlungsunfähigkeit von Löhnen und Renten zu erpressen: Sie soll gezwungen werden, entgegen ihren demokratischen Verpflichtungen alles zu unterschreiben, was die überwältigend abgewählte Vorgängerregierung Samaras-Venizelos noch kurz vor ihre Ende unterschrieben hatte. Damit soll der Wählerbasis von Syriza eine Lektion erteilt werden: Wenn ihr eine „falsche“ Partei wählt, tun wir einfach so, als ob die alte Regierung weiter im Amt wäre – bis die neue Regierung das akzeptiert: Ätsch!

Schäuble hat Varoufakis verboten, „unkeusche Wörter“ wie Schuldenerlass, Moratorium, demokratische Verpflichtung auch nur weiter in den Mund zu nehmen – umso lauter dröhnt sein Schweigen zu Poroschenko und Jazenjuk: Die nehmen diese Wörter nicht nur in den Mund, die machen Gesetze, um sie zu praktizieren. Und die dürfen das! Warum? Weil sie die „richtigen“, radikal „prowestlichen“, sprich antirussischen Politiker sind – während die „richtigen“, radikal „proeuropäischen“ (sprich prooligarchischen) Politiker in Athen leider abgewählt wurden. Da muss den neuen, „falschen“, eben der Geldhahn zugedreht werden, bis sie mit den alten gleichgeschaltet sind.

Zu dieser Erpressungspolitik gehört dann noch das altbekannte Fundi-Realo-Spiel: Unsere Mainstreammedien (etwa die FAZ) sehen nun in Syriza zwei Parteien: eine „realistische“ und eine „ideologische“. „Realismus“ bedeutet natürlich Schäuble und Lagarde, also Samaras-Venizelos, also nochmalige Rentenkürzung und weitere Mehrwertsteuererhöhung ausgerechnet auf den Tourismus, die einzige Branche, die momentan normal läuft. Also auch das die Botschaft: Geldhahn bleibt zu, wenn ihr nicht bedingungslos kapituliert.

Ich weiß nicht, warum die griechische Regierung nicht den Vergleich mit dem, was Kiew erlaubt wird, zum Thema in der Öffentlichkeit macht. Weil die Ukraine nicht EU-Mitglied ist? Aber das macht die Einäugigkeit Berlins und Brüssels doch noch skandalöser! Oder um nicht neidisch zu erscheinen? – Aber Schuldenerlass für Griechenland zu fordern heißt ja nicht, ihn für die Ukraine abzulehnen! Sicher braucht auch die Bevölkerung der Ukraine einen Schuldenerlass, aber eben nicht nur gegenüber Russland, sondern auch gegenüber dem Westen einschließlich IWF und EU. Umso mehr braucht die griechische Bevölkerung das gleiche. Es gilt nicht, Gleichheit nur „abwärts“ zu praktizieren (gleiche Verelendung), sondern auch einmal „aufwärts“ (Schuldentragfähigkeit für alle)!

Ja wenn Tsipras Jazenjuk wäre…

23. Mai 2015

Man stelle sich folgendes vor: Die Regierung Tsipras hätte mit ihrer Mehrheit in Athen ein Gesetz verabschiedet, dass sie ermächtigte, „gewissenlosen Gläubigern“ keine Schulden zurückzuzahlen. Tsipras hätte in einer großen Rede „gedroht“: „Wir werden unsere Schulden zurückzahlen, aber nicht zu den Bedingungen, die uns diktiert werden!“ Außerdem bestände er absolut auf sofortigem Schuldenschnitt, eventuell auch unter dem Begriff „Umschuldung“. Unter den größten Gläubigern wären IWF und EU. Und was wäre die Folge bei IWF und EU? Sie würden sofort die nächste Tranche von 1,8 Mrd. auszahlen und weitere Kredite zusagen. Und Herr Schäuble würde kein Wort darüber verlieren – und die große Mehrheit der deutschen Mainstreammedien würde entweder gar nicht oder irgendwo im Kleingedruckten darüber informieren.

Geschacklose Satire? Nein Faktum, bloß muss man Athen durch Kiew und Tsipras durch Jazenjuk ersetzen, dann hat sich das alles Ende Mai 2015 genau so zugetragen (einigermaßen ausführlich berichtet im Handelsblatt 20.5.2015). Halluzination? Unmöglich? Tsipras wäre doch schon bei eine Zehntel solchen Verhaltens sofort mit Hausverbot in Berlin und Brüssel belegt und definitiv von jeder weiteren Tranche ausgeschlossen, also zu Grexit gezwungen worden! Was ist also hier los? Sehr einfach: Die „gewissenlosen Gläubiger“ sind vor allem Russland (und leider auch ein US-Hedgefonds, der versucht, gehört zu werden). IWF und EU (Schäuble!) finden es offensichtlich okay, zahlen ihre Tranchen sofort aus. Es reicht ihnen das Versprechen (!!) von „Reformen“. Russlands Reaktion nannte die FAZ (in einer ganz kleinen Notiz im Inneren des Wirtschaftsteils) „pikiert“ (21.5.2015). Man stelle sich vor, sie hätte jemals geschrieben: Schäuble reagiert „pikiert“ auf Varoufakis! Aber nein, „einäugig“ ist das nicht.

Gegen Missverständnisse: Die Ukraine braucht sicher einen großen Schuldenerlass, obwohl ihre jetzige Regierung ihre Kredite vor allem in dem Stellvertreterkrieg gegen Russland verbrennt. Aber warum wird das langjährige EU-Mitglied Griechenland regelrecht ausgehungert? Warum bekommt es nicht einmal die längst zugesagte Tranche, damit die demokratisch gewählte Regierung endlich anfangen kann, Politik zu machen? Weil das griechische Volk dafür bestraft werden muss, eine Regierung gewählt zu haben, die „nicht das Vertrauen der deutschen Regierung besitzt“ , wie Schäuble zu Varoufakis sagte.

(krisenlabor.gr) Jetzt auch noch eine Dolchstoßlegende: Es reicht mit den Mythen made in Germany.

19. Mai 2015

Zwar wurde seit den Januarwahlen und der neuen Regierung in Griechenland medial schon oft mit der Apokalypse (Staatsbankrott, Grexit, Armageddon) gedroht: Schon zum 28. Februar drohte Schäuble bekanntlich: „Um Mitternacht isch over!“ Aber nun scheint wirklich ein erster Abschluss der Verhandlungen unter dem Damoklesschwert der Zahlungsunfähigkeit des griechischen Staats unvermeidlich zu sein. Auf der Ebene der EU stehen sich zwei klare Positionen gegenüber: Berlin (jedenfalls Schäuble und Weidmann) bestehen darauf, dass Tsipras bis zum letzten Eurocent alles unterschreiben soll, was Samaras-Venizelos an weiteren Spardiktaten der Troika schon unterschrieben haben. Sie wollen ihre willigen Vollstrecker nicht „verbrennen“ lassen  und „Linksradikalen“ keinerlei noch so relativen Erfolg gönnen. Dagegen besteht die griechische Regierung weiter auf einem „ehrenvollen Kompromiss“, der zusätzliche Rentenkürzungen, zusätzliche Steuererhöhungen und zusätzliche Massenentlassungen ausschließt. Eine eigene Position vertritt der IWF: hart auf Troikalinie, aber offen für einen Schuldenerlass.

Bekanntlich wirft die deutsche mediopolitische Klasse der Regierung Tsipras vor, sie „pokere“, „trickse“, „drohe“, „erpresse“ usw. Haltet den Dieb! Tatsächlich pokern die Troikamächte fortwährend mit dem Staatsbankrott, drohen mit dem Grexit und erpressen mit der Weigerung, die längst schon der alten Regierung zugesagte letzte Tranche auch auszuzahlen.

Und nun holen die deutschen Mainstreammedien, allen voran die FAZ, zusätzlich noch einen uralten Mythos aus der Weimarer Mottenkiste: die Dolchstoßlegende. Wie war das noch? Angeblich hatte die kaiserliche Armee Ende 1918 noch jede Menge Siegeschancen, als die Linksradikalen der Novemberrevolution ihr den Dolchstoß in den Rücken gestoßen hätten! Und so geht das heute: Die treuen griechischen Troikavertreter Samaras und Venizelos hätten Ende 2014 Griechenland aus der Krise geholt, als die Linksradikalen unter Tsipras dem super Aufschwung ihren „ideologischen“ Dolch in den Rücken stießen! Etwas O-Ton:

„Selten hat eine neue Regierung in so kurzer Zeit so große Schäden angerichtet. Innerhalb von nur drei Monaten hat das Athener Bündnis aus Links- und Rechtspopulisten den griechischen Aufschwung des Jahres 2014 beendet und etwa 50 Milliarden Euro aus dem Lande getrieben.“ (Holger Schmieding FAZ 4.5.2015: sofort auf griechisch in der Oligarchenzeitung „Kathimerini“ übersetzt) In Wirklichkeit brach der mickrige „Aufschwung“ des Sommers (guter Tourismus) schon im letzten Quartal 2014, also unter der Troikaregierung Samaras-Venizelos, in eine neue Rezession ein. Das war einer der Gründe für die Neuwahlen: Soll Tsipras doch unsere Troikasuppe auslöffeln! Und was ist mit dem „vertriebenen“ Kapital? Es ist natürlich das der Oligarchen, die doch ständig in BILD (und FAZ) vor Tsipras gewarnt worden sind!

„Die andauernde Drohung mit dem wirtschaftlichen Absturz führte zu einer Unterbrechung jeglicher Investitionsvorhaben. Von einem – endlich – hoffnungsvollen Wachstumspfad, der sich den Griechen noch im Oktober 2014 zu öffnen schien, ist das Land wieder in die Rezession abgestürzt.“ Ursache: „Tsipras und seine Partei sind getrieben von einer Mischung aus Ideologie und Überheblichkeit.“ (Tobias Piller FAZ 18.5.2015: „Tsipras vor dem Abgrund“). Also Dolchstoß! Weshalb Piller schließt: „Zu hoffen bleibt nur, dass Tsipras und seine Gesinnungsgenossen mit ihrem Scheitern nicht ein ganzes Land in den Abgrund reißen. Sie sollten wenigstens noch kurz vor dem Zusammenbruch abtreten.“ Unglaublich aber wahr: O-Ton der Hugenbergpresse aus Weimarer Zeiten! Wer war das noch, der die Dolchstoßlegende so wirksam wie kein anderer verbreitete und ständig von den „Jahren marxistischer Misswirtschaft“ schwafelte?

Die Azubis lernen schnell: Schon „selbständig“ eine Hochzeitsgesellschaft ausgelöscht.

01. Januar 2015

Bisher wurden die Angriffe auf Hochzeitsgesellschaften in Afghanistan von westlichen Drohnen auf der Basis von Dienstelisten des CIA, BND usw. ausgeführt (siehe dazu den vorigen Post und mehrere frühere Posts). Gleich zur Feier des „Abzugs“ der NATO scheint nun tatsächlich ein solcher Angriff (mit traditioneller Rakete statt mit Drohne) „hausgemacht“ von der afghanischen Azubi-Armee geleistet worden zu sein. Wahrscheinliches Strickmustere wie üblich: Vermutlich Diensteinformation zu Lasten eines feindlichen Clans. Übrigens sieht man daran, dass die Azubis jedenfalls noch nicht als Drohnenpiloten infrage kommen: Das kommt, wenn überhaupt, erst im dritten Lehrjahr.

Kosovokrieg-Master Mind mit Eskalation in Heuchelei pro Eskalation gegen Russland

14. Dezember 2014

Klaus Naumann ist der höchstdekorierte General der Bundeswehr – er hat sich in einem Gegenaufruf in der Fatz (13.12.14) noch einen weiteren Orden verdient: den eines Generaloberheuchlermarschalls. Denn um seinen Gegenaufruf gegen den Aufruf von Horst Teltschik, Walter Stützle, Antje Vollmer und anderen („Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!“) plastisch im Kontext lesen zu können, muss man folgendes wissen: Naumann war nicht nur der oberste deutsche Soldat seit 1945, langjähriger Generalinspektor und dann 1996-1999 Chef des NATO-Militärausschusses, sondern in dieser Funktion auch der Master Mind des NATO-Krieges gegen Jugoslawien 1999, durch den das Kosovo von Serbien abgespalten wurde. Naumann bereitete diesen Krieg maßgeblich und von langer Hand vor. Er trat dann auch als Zeuge der Anklage gegen Milosevic in Den Haag auf (bevor Milosevic auf bizarre Weise durch versehentlichen Selbstmord zu Tode gekommen sein soll).

Wie oft muss man es wiederholen: Wenn die Heuchelei Naumanns, der NATO und der deutschen Politik zu konstatieren ist, bedeutet das nicht im mindesten eine Position „pro Milosevic“ oder „pro PUUTIIN“. WNLIA = Weder Milosevic noch Naumann, lieber irgendwie anders wie im folgenden: Das Kosovo gehörte nach dem Völkerrecht zu Jugoslawien bzw. zu Serbien. Es gab keinen davon abweichenden UNO-Beschluss. Wer also rein völkerrechtlich argumentiert (und das tut der Generaloberheuchlermarschall), hat im Fall Kosovo absolut schlechte Karten. Im Gegenteil hat Ex-Kanzler und (in dieser Sache) ehrlicher Zyniker Gerhard Schröder recht, wenn er die Abspaltung des Kosovo als Präzedenzfall für die Abspaltung der Krim wertet (es gibt noch viele weitere Präzedenzfälle, die meisten auf Initiativen des „Westens“).

Nun hat Schröder den Aufruf von Antje Vollmer und anderen unterschrieben. Das ist in jeder Hinsicht unfein, aber der Aufruf ist das mindeste, was angesichts der ungebremsten und kriegsbrandgefährlichen Eskalationspolitik des Westens und besonders  der USA und Deutschlands gegen Russland zu tun ist (wie oft muss man es wiederholen: Russland ist nicht gleich PUUTIIN, Russland besteht (noch) aus 145 Millionen Männern und Frauen). Der Aufruf ist in Wirklichkeit viel zu vage: Er warnt nur allgemein vor den möglichen militärischen Automatismen der jetzigen Eskalationspolitik, ohne explizit zu fordern: keine weiteren Sanktionen gegen Russland und Aussetzung und Aufhebung der bisherigen; bündnisfreier Status für die Ukraine; keinerlei Unterstützung für eine Wiederaufnahme des Kriegs in der Ostukraine von keiner Seite, auch nicht von der Kiewer Seite – Zeit für Verhandlungen aller strittigen Probleme. Trotz seiner Vagheit und trotz Schröder ist der Aufruf wenigstens ein Einspruch gegen das einäugige Trommelfeuer der Mainstreampolitik und der Mainstreammedien zur Eskalation gegen Russland ohne Rücksicht auf die möglichen katastrophalen Folgen und insofern unterstützenswert.

Wie vor dem Ersten Weltkrieg kann dagegen nur mit Diffamierung, Beschuldigung des „Verrats“, extremer Einäugigkeit und einer wahren Nuklearexplosion von Heuchelei gestritten werden. Musterbeispiel Naumann. Was sagt er zur Warnung vor einer automatischen Eskalation, die schließlich, wenn sie einfach „laufen gelassen“ wird (wie bei den Automatismen vor WK I) in eine militärische Konfrontation mit Russland münden kann? „Die Unwahrheit: Es drohe Krieg in Europa. Das ist blanker Unsinn. Russland ist zu schwach, Krieg gegen das mit Nordamerika verbündete Europa zu führen.“ War das die Frage? Doch wohl die gegenteilige: Ob das mit Nordamerika verbündete Europa zu schwach ist, Krieg gegen Russland zu führen! (Krieg gegen Jugoslawien zu führen, war es nicht zu schwach. Und zweitens: (dieser Heuchler schreibt sich ständig in den Finger, wie Brecht das nannte) – Wenn  Russland also gar keine Kriegsgefahr für Europa darstellt (was stimmen dürfte): Warum dann die Eskalation, die ja nur mit der Aggressivität Russlands begründet wird (Titel Naumann: „Wir brauchen Sicherheit vor Russland“)?

Und so geht es weiter: Ein Absatz Heuchelei („Menschen, denen die Kraft des Rechts mehr bedeutet als das Recht des Stärkeren, dürfen diesen Aufruf nicht unterstützen“ – sagt der Master Mind von 50000 Bombenangriffen gegen europäische Großstädte wie Belgrad und Prishtina im Jahre 1999 ohne UNO-Mandat und aufgrund eines Ultimatums, das als unannehmbar kalkuliert war) – und dann wieder ein Absatz Selbstwiderspruch: „dass es Putins Russland selbst ist, das sich aus Europa herausdrängt, weil es entgegen der Vereinbarung von Paris eine eigene Einflusszone beansprucht und sie beherrschen will.“ – 2 Sätze weiter (!!): „Dort (in  Moldau und Georgien) ist es Russland, das Europa und den Einfluss westlicher Ideen verdrängen will.“ Also es gibt einerseits böse „Einflusszonen“, und anderseits den guten „Einfluss westlicher Ideen“. Es ist zu befürchten, dass Naumann niemals ein  Buch über die Eskalation des Ersten Weltkriegs studiert hat, und besonders über die Rolle spezifisch deutscher „Ideen“-Heuchelei! „Ideen-Einflusszonen sind gut!“ Sie sagen es selbst – wie aber, wenn es auch russische Ideen gibt? Wenn etwa Serbien mit dem „Recht zur freien Bündniswahl“ (hat die Ukraine, sagt Naumann) mit Russland verhandeln will, dann wird es umgehend von Frau Merkel bedroht: Entweder oder! (Aber das ist ja eine „Ideen-Einflusszone“.)

Und dann wieder ein Satz Heuchelei, und dann wieder ein Satz Selbstwiderspruch undsoweiter. Bis am Schluss dann auch (wie 1914!) der Vorwurf des „Verrats“ nicht fehlen darf: „In Gegensatz zu den Unterzeichnern des Aufrufs VERRÄT sie (Angela Merkel) nicht des eigenen Vorteils wegen die Grundlagen Europas: Rechtsstaatlichkeit und Freiheit.“ Radetzkymarsch bitte! O ja doch. Wir Ursprünglichen Chaoten finden den Aufruf, wie gesagt, in mancher Hinsicht zu vage und sehen ungern die Unterschrift von Gerhard Schröder (darauf zielt natürlich die Formel vom „eigenen Vorteil“: geschenkt!) – aber wir lassen uns gern vom Generaloberheuchlermarschall zu den „Verrätern“ zählen – der Oberverräter Karl Kraus wäre heute ebenfalls wieder dabei, da sind wir sicher.

Heuchlertest, oder: Wer von den „außergerichtlichen“ CIA-Drohnenkillungen nicht reden will, soll auch von den CIA-Folterpraktiken schweigen.

12. Dezember 2014

Jeder, der es wissen wollte, konnte schon längst wissen, was die „Professionals“ (!) des CIA in ihren „globalisierten“ Folterhöllen trieben – jetzt ist es (zumindest teilweise) sogar US-Senat-offiziell. Aber es gibt darauf zwei sehr verschiedene Reaktionen: Zum einen humanistische Empörung, zum anderen eine diskursive NATO-Doppelstrategie nach dem Muster: Erstens sicher nicht human, aber zweitens sogar „nutzlos“. Dieses „nutzlos“ will heißen: Dabei ist nichts „rausgekommen“. Das wird natürlich von Bush, Cheney und Co. heftig bestritten: Es sei doch eine Menge dabei „rausgekommen“, die „Professionals“ hätten einen „tremendous Job“ gemacht. Und was würden die Halb-Humanisten sagen, wenn die Bushleute recht hätten? (Aber sie haben eine Antwort auf die „Nutzlosigkeit“, siehe weiter unten.)

Doch gibt es einen einfachen Test auf die humanistische Ehrlichkeit: Was sagen die Empörten zu den „außergerichtlichen“ Drohnenkillungen mutmaßlicher Terroristen, die von Professionals mit dem Joystick von den USA aus durchgeführt werden, so dass man die „jungen Demokratien“ in Osteuropa nicht bemühen muss? Danach wurde CIA-Chef Brennan im Interview am 11. Dezember gefragt – seine Antwort: „tremendous Technology“, „wonderful Job“, „minimizing collateral damage“. Dabei kann jede/r wissen, dass bis heute schon Tausende solcher Killungen mit mindestens Hunderten „Unschuldigen“ durchgeführt wurden und weiter durchgeführt werden. Und woher nehmen die Warriors on Terror ihre Kriterien von Schuld und Unschuld? Hauptsächlich von einheimischen „Azubi“-Informanten „on the ground“, die sich bekanntlich oft einfach an feindlichen Clans rächen wollen: Anruf beim CIA genügt, Feind gekillt und Clan gleich mit. Denn „Terroristen“ sind für diese Professionals weder „normale“ Kombattanten, die nur bei einer direkten wechselseitigen Kriegshandlung  getötet bzw. gefangen genommen werden dürfen – noch Kriminelle, die vor ein Gericht gestellt werden müssen und denen im Prozess ihre kriminellen Taten (= „Terror“) nachzuweisen sind. Die „killbaren Terroristen“ werden dagegen ganz abgesehen von unabsichtlichen oder absichtlichen Irrtümern und „Kollateralschäden“ häufig bereits vor der Tat aufgrund der unterstellten Gesinnung gekillt.

Die Brennan im Interview fragende Journalistin formulierte es denn auch so: Wie können Sie sicher sein, dass wir nicht in künftigen Jahren wieder hier stehen und den gleichen Skandal mit den Drohnenkillungen zu diskutieren haben? Die Antwort war, wie schon gesagt, die eines kaltschnäuzigen Computertäters.

Das alles aber ist keineswegs bloß „schmutzige Wäsche der USA“ – auch bei uns ist der Heucheleitest relevant – und vor allem bei den Mainstreammedien und MainstreampolitikerInnen. Wer gibt sich humanistisch über die Folter und schweigt wie das Grab über die Drohnenkillungen?

Denn die zweite Alternative der diskursiven NATO-Doppelstrategie geht so weiter: Wenn die Folter tatsächlich „nutzlos“ war, dann liegt die „Lösung“ des Problems ganz einfach in der präventiven „außergerichtlichen“ Drohnenkillung! Wer tot ist, muss nicht mehr gefoltert werden! „Nie wieder Folter – statt dessen sofort Killung!“

Und Obama? Er hakt, wie er vor geraumer Zeit erklärte, jede Killung persönlich ab. Er hat also angeblich Tausende Killungen persönlich „geprüft“ und dann abgehakt.

Ach Obama! Ist das die Wahrheit deines „Change“? Killung statt Folter? Du wirst als der Beweis in die Geschichte eingehen, dass dieser „Tanker“ beim besten Willen (der unterstellt sei) nicht mehr humanistisch „umgesteuert“ werden kann.

Erzähl nochmal den Witz vom „Einlenken“, oder: Schwarzrot freiwillig gefangen in der Eskalationsspirale

04. Dezember 2014

 

ESKALATIONSLOGIK, OPTIONEN, „EINLENKEN“ – UND WAS, WENN NICHT „EINGELENKT“ WIRD?

Seit Monaten dreht die Regierung Merkel-Gabriel an der Eskalationsspirale gegen Russland. Zugrunde liegt dieser Spirale die herrschende NATO-Doktrin der nach oben offenen „Flexible Response“. Sie beruht auf einer Eskalations-„Leiter“ von „gestuften Optionen“. Es beginnt mit nicht-militärischen „Optionen“, vor allem Wirtschaftssanktionen, deren Ziel das „Einlenken“ des Gegners ist. Wenn der Gegner nicht „einlenkt“, kommen automatisch die „Optionen“ militärischer Eskalationsstufen an die Reihe. So war es mit „SADDAM“, so war es mit „MILOSEVIC“, und es endete jedesmal, weil der Gegner wie erwartet nicht „einlenkte“, mit der „Option“ Krieg. Nun sind sich allerdings die Medien einig, dass beim Eskalationsspiel gegen Russland militärische „Optionen“ ausscheiden würden – aber was passiert denn, wenn „PUUTIIN“ wie erwartbar nicht „einlenkt“, und die nicht-militärischen „Optionen“ ausgereizt sind, bevor die russische Wirtschaft völlig zusammenbricht? Und es stimmt ja nicht wirklich, dass (auch jetzt schon) militärische „Optionen“ ausscheiden würden: Was sind NATO-Großmanöver an der russischen Grenze und was ist die Schaffung einer ultraschnellen NATO-Eingreiftruppe gegen Russland, „Speerspitze“ genannt (mit der Bundeswehr als „Speerspitze in der Speerspitze“), anderes als militärische „Optionen“? Und was war die in diesem Blog schon kommentierte (und seither gottseidank erstmal stornierte) „Idee“, bewaffnete Fallschirmjäger der Bundeswehr an die ukrainisch-russische Grenze zu verlegen, anderes als die Inkaufnahme einer „begrenzten“ militärischen Kollision mit Russland? Was ist das enge und „nibelungentreue“ Bündnis mit der Kiewer Regierung, die für jeden sichtbar bereits auf die militärische „Option“ setzt und bereits eine Art Stellvertreterkrieg gegen Russland führt, anderes als die Verwischung zwischen nicht-militärischen und militärischen Eskalationsstufen?

DIE BUNDESWEHR ALS „SPEERSPITZE IN DER SPEERSPITZE“ – UND WAS DANN?

Bereits jetzt ist also die Eskalationsstufe absehbar, wenn die nicht-militärischen „Optionen“ kein „Einlenken PUUTIINS“ erreicht haben werden. Was dann? Diese Frage müsste doch in der mediopolitischen Öffentlichkeit, auf allen Kanälen, auf allen Pressekonferenzen und in allen Talkshows diskutiert werden – als Thema Nr. 1, unter Hintanstellung aller „Probleme“ von zu wenig Frauen in Aufsichtsräten usw.

DER WESTEN UND SEINE ANGELA OHNE EINFLUSSSPHÄREN?! – UND DIE NEUE KÜNDIGUNG DES RÜCKVERSICHERUNGSVERTRAGS MIT RUSSLAND

Statt dessen lenkt der mediopolitische Diskurs von dieser wahrhaften Überlebensfrage völlig ab und spielt schöne vorweihnachtliche Normalität. Zwischendurch heuchelt Angela (Weihnachtsengel) Merkel moralische Überlegenheit gegenüber PUUTIIN: Für PUUTIIN seien Nachbarn „Einflusssphären“ , für „uns“ (Merkel) dagegen „Partner“. Wie bitte: Der „Westen“, allen voran die USA und Deutschland, hätten keine Einflussphären? Wofür denn dann überhaupt eine NATO? Und warum denn dann täglich in den Nachrichten die Ausflaggung aller Politiker der Welt nach „prowestlich“ oder „prorussisch“? Dabei sollte doch die Analogie mit dem Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren Lehrstücke über Lehrstücke liefern. Aber seit Berlin zum drittenmal gegen Russland eskaliert, ist der Erste Weltkrieg plötzlich „kein Thema“ mehr. Statt dessen wird die total falsche Analogie mit einem pervers verdrehten Zweiten Weltkrieg (PUUTIIN gleich Hitler!) wieder aus dem Abfall des Kalten Krieges ausgebuddelt. Und niemand erinnert an die Nicht-Verlängerung des „Rückversicherungsvertrags“ mit Russland nach dem Sturz Bismarcks, die die Bündnisse und die Bündnisautomatismen des Weltkriegs auf den Weg brachte. Was Merkel-Gabriel mit ihrer Sanktionspolitik gegen Russland machen, ist strikt analog zu einer neuen Nicht-Verlängerung des Rückversicherungsvertrags. Die Folgen stehen in den Geschichtsbüchern. Die  NATO ist ein äußerst riskanter Bündnisautomatismus: Jedes, auch das kleinste, Mitglied, kann den „Stolperdraht“ oder besser die „Lunte“ spielen, um den „Bündnisfall“ auszulösen! Und nun wird die Ukraine zwar noch nicht offiziell aufgenommen, aber bereits jetzt wie ein Mitglied behandelt (und sie soll schnell in die EU, die ebenfalls eine militärische Dimension besitzt, die wiederum per Quasi-Automatismus mit der NATO verbunden ist).

DEMOKRATIE? – ODER GELASSENHEIT IN  IHREN SCHERBEN?

Nun soll es (jedenfalls offiziell) aber doch einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Deutschland Wilhelms II. und dem Deutschland Merkel-Gabriels geben: Schließlich sind wir jetzt eine Demokratie! Der Rückversicherungsvertrag und seine Kündigung – das alles war Geheimdiplomatie, davon wusste das Volk nichts, genauso wenig wie von den Eskalationsspielchen („Serbien muss einlenken!“) vor dem Krieg. Und heute? Weiß das Volk, warum die Eskalationsspirale gegen Russland sich plötzlich wieder dreht, und zwar in rasendem Tempo? Tatsächlich läuft die neue Geopolitik mit Deutschland als Weltmacht 3 oder 2 wie gehabt völlig geheim gegenüber dem Volk. Niemand von uns weiß, was eigentlich die Gründe für die Eskalation sind. Dass PUUTIIN „Einflusssphären“ kennt, Angela aber, wie sie behauptet, nicht? In geheuchelter moralischer Entrüstung kann nun wirklich die Ursache nicht liegen. Genau wie vor 100 Jahren riskiert unsere Regierung, dass ihr Volk (schlimmstenfalls im Wortsinne) „dumm sterben“ soll. Wir wissen ja nicht einmal, warum der Ölpreis abschmiert, wir hören nur, dass PUUTIIN das hoffentlich zum „Einlenken“ zwingen wird. Dabei spielt er jedenfalls bis auf weiteres das Eskalationsspiel mit und lässt „Southstream“ platzen. Der „Westen“ reagiert, wie es heißt, mit „Gelassenheit“ – woran man sieht, dass der Westen mit diesem Schachzug nicht gerechnet hatte! Wieviele Schachzüge wird es noch geben, mit denen der Westen nicht rechnet? Und zu „Gelassenheit“: Das war Heideggers Rückzugsideal nach dem Zweiten Weltkrieg, als auch sein erträumtes Deutschland in Scherben lag – da blieb nichts anderes übrig als „Gelassenheit“.

Vor 100 Jahren: Georg Trakl Opfer der Schlacht bei Horodok (Ukraine) gegen Russland

03. November 2014

Am 3. November 1914 starb Georg Trakl als eins der Millionen Opfer des 1. Weltkriegs und als eins der vielen jungen Genies der Moderne, deren Zukunft der besoffene imperiale Nationalismus und der „Griff zur Weltmacht“ auslöschte. Im Alter von 27 Jahren hatte er sich in einem Lazarett in Krakau mit einer Überdosis von Medikamenten das Leben genommen. Trakl war als Sanitäter (weil er von Beruf Apotheker war) an die Ostfront gegen Russland kommandiert worden, wo er in einer der ersten entsetzlichen Materialschlachten des Krieges eingesetzt wurde, der Schlacht bei Horodok in der Ukraine (polnisch Grodek Jagiellonski, russisch Gorodok), 24 Kilometer südwestlich von Lwiw (Lemberg), am 7 . September 1914. Die Opfer an Toten und Schwerverletzten auf beiden Seiten gingen in die Tausende: Trakl sollte Hunderte von laut und leise klagenden Schwerverletzten „versorgen“: Er fühlte sich vollständig ohnmächtig und brach zusammen, versuchte bereits, sich das Leben zu nehmen. Er wurde daraufhin als krank nach Krakau ins Hospital überführt. Wie er in den zwei letzten Monaten seines Lebens in tödlicher Depression existierte, kann man sich nur vorstellen, es sind keine Konkreta darüber bekannt. Aber er schrieb noch einige Gedichte, die zu den Gipfeln der modernen Poesie zählen. Verse wie diese aus „Grodek“: „Am Abend tönen die herbstlichen Wälder/ Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen/ Und blauen Seen, darüber die Sonne/ Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht/ Sterbende Krieger, die wilde Klage/ Ihrer zerbrochenen Münder. / Doch stille sammelt im Weidengrund/ Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt/ Das vergoßne Blut sich, mondne Kühle; /Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.“

Man kann den letzten Vers nur halbwegs angemessen lesen, wenn man sich die Straßen in Richtung Russland gefüllt mit nationalistische Kriegslieder grölenden Fortschrittsbatallionen („wir fahrn nach Lotz!“) vorstellt. Die Schlussverse: „Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,/Die ungeborenen Enkel.“ Trakl erlebte diesen Krieg als „die letzten Tage der Menschheit“, wie Karl Kraus von ihm inspiriert formulierte: in einer Halluzination wie bei seinem Vorbild Rimbaud sah er visionär das Ende der Menschheit als Konsequenz dieser Art von Kriegen voraus. Wie es in einem anderen der letzten Gedichte („Klage“) heißt: „Schlaf und Tod, die düstern Adler/ Umrauschen nachtlang dieses Haupt:/ Des Menschen goldnes Bildnis/ Verschlänge die eisige Woge/  Der Ewigkeit.“ – „Sieh ein ängstlicher Kahn  versinkt/ Unter Sternen,/ Dem schweigenden Antlitz der Nacht.“

Im 2. Weltkrieg rollte die Vernichtungsmaschine der Wehrmacht wieder auf den gleichen Straßen nach Osten gegen Russland. Und diesmal wurde auch hinter der Front vernichtet: Im Mai 1943 wurde das Ghetto von Horodok „aufgelöst“, seine letzten Bewohner ins Gas geschickt – so wie das ganze Jiddischland der Westukraine.

Im Jahre 2014 verbündete sich die deutsche Regierung mit einer nationalistischen ukrainischen Regierung, deren Chefs Politik in Kampfanzügen machte und die innere Konflikte militärisch als „Anti-Terror-Operationen“ lösen wollte. In dieser Regierung gab es Fraktionen, die sich in der Tradition von 1943 sahen und die von „Siegesparaden über Russland“ träumten.  Der deutsche Präsident, eine Art Kaiser Wilhelm III., setzte am 1. September 2014 in  Danzig (wo die Wehrmacht am 1. September 1939 den 2. Weltkrieg begonnen hatte), indirekt Putin mit Hitler gleich und forderte, der Westen müsse ihn stoppen. Unbekannte Master Minds planten daraufhin die Entsendung bewaffneter deutscher Fallschirmjäger an die ukrainisch-russische Grenze. Die militärische Eskalation gegen Russland schien kaum noch zu stoppen zu sein.

Natürlich können Eskalationspolitiker mit Trakl nichts anfangen – Phantasielosigkeit ist die erste Bedingung von Eskalationspolitik. Aber Medienleute, vor allem weibliche, sollten noch einen Rest von Vorstellungskraft und historischem Erinnerungsvermögen besitzen. Ihre phantasielosen einäugigen, eskalationsträchtigen Berichte sind mit Trakls Versen zu konfrontieren: „Dornige Wildnis umgürtet die Stadt./ Von blutenden Stufen jagt der Mond/ Die erschrockenen Frauen./ Wilde Wölfe brachen durchs Tor.“ („Im Osten“)

 

 

„Deutsche Kampftruppen an die ukrainisch-russische Grenze“ (2): Oder wollen jetzt doch Frauen die Rolle des „MhW“ des „V-Trägers“ spielen?

04. Oktober 2014

Und wenn es doch alles wahr ist, ohne dass Putin es eingeflüstert hat? Wenn sie doch selber auf diese Wahnsinnsidee gekommen sind? Welche Stunde hat dann geschlagen? Dazu muss man die Kürzel auflösen. Sie stammen aus meinem Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“ (assoVerlag Oberhausen 29,90 Euro; jetzt bitte schon als Weihnachtsgeschenk vormerken; ist wirklich lesenswert). Dort geht es um die Vorerinnerung des „dritten Versuchs des deutschen V-Trägers“. Der „V-Träger“ ist der „Verantwortungs-Träger“, eine Art Allegorie der deutschen Eliten. Der V-Träger besitzt verschiedene „politische Männer“. Zum Beispiel einen Mdkd (Mann, ders klammheimlich durchzieht), und einen MmW (Mann der mutigen Wahrheit). Es findet als Zukunfts-Simulation eine Eskalation dieser Männer statt. Die letzte Stufe der Eskalation ist der MhW (Mann des hellen Wahnsinns).

Wie man sieht: Wenn es sich bei dem Plan, deutsche Kampftruppen an die russische Grenze zu schicken, um eine „selbsternannte“ „Mission“ handeln sollte, die nicht von Putin eingeflüstert ist, dann bedeutet das schlicht und einfach, dass der V-Träger seinem MhW die Regierung übertragen hat. Aber an der Spitze der Regierung stehen ja mindestens zwei Frauen: Angela und Zensursula. Dann hieße das also, dass wir soweit sind, dass Frauen unbedingt die Rolle des „Manns des hellen Wahnsinns“ übernehmen wollen. Offenbar sehen sie erst dann die Emanzipation am Ende. Dieses „am Ende“ ist aber zurecht doppeldeutig. Oft denkt die Sprache weiter als ihre „Benutzerinnen und Benutzer“.

Ich warte jetzt gespannt darauf, ob die „Generation Internet“ und die „Generation digital natives“ nach so vielen Shitstorms für nichts und wieder nichts eine Internet-Petition gegen diesen Beschluss des MhW auf die Beine bringt, die allerdings die Millionenmarke „knacken“ müsste. Mindestens.

„Deutsche Kampftruppen an die ukrainisch-russische Grenze“ (1): Ein fürchterlicher Verdacht: Bundesregierung von Putin gefaket?

04. Oktober 2014

SCHLAG wusste es zuerst: Angeblich plant die Regierung Merkel-Gabriel die Verlegung bewaffneter Fallschirmjäger der Bundeswehr an die russische Grenze in der Ostukraine. Angeblich mit Kampfauftrag zur Absicherung von OSZE-Beobachtern. Angeblich zusammen mit deutschen Aufklärungsdrohnen. Ich wollte zuerst nicht glauben, dass SCHLAG das wirklich gemeldet hätte. Aber es stimmte: Es stand in SCHLAG.online. Da dachte ich: Hacker haben SCHLAG einen Streich gespielt – also die Papierausgabe prüfen: Da stand es aber auch „Deutsche Fallschirmjäger sollen in die Ukraine“  (4.10.2014, FrontPage). „Die Bundeswehr bereitet sich auf einen bewaffneten Einsatz in der Ukraine vor!“ Angeblich üben bereits Elite-Fallschirmjäger mit Afghanistan-Erfahrung für die russische Grenze.

Alle meine Bekannten hatten die gleiche Reaktion: Das kann einfach nicht wahr sein! Das wäre doch ein sehr hohes Risiko für einen bewaffneten Konflikt mit Russland. Unsere Jungs brauchten doch bloß angebliche verkleidete Russen erschießen und/oder über die Grenze verfolgen – und der Krieg von 1941-1944 würde an den gleichen Orten wir seinerzeit unterm Führer wieder aufgenommen und fortgesetzt! Das kann nicht wahr sein, das kann nicht wahr sein, das kann einfach nicht wahr sein. Nein, nein, dreimal nein. Das kann Angela (Engel) Merkel nicht beschlossen haben, das nicht. Aber alle Medien scheinen es für wahr zu halten und bringen die gleiche Meldung.

Und da komme ich auf einen fürchterlichen Verdacht: Wer könnte Interesse an einem solchen „Engagement“ der Bundeswehr haben? Wer anders als Putin? Wieder deutsche Kampftruppen in Donetz? Wieder eine (Bundes)Wehrmacht fast in Sichtweite von Stalingrad? Das Risiko von deutschen Schüssen auf „Prorussen“ oder Russen? Wie könnte der Verteidigungsgeist des russischen Volkes besser mobilisiert werden, als wenn wieder der „deutsche Stiefel“ den russischen Boden stampft?

Wäre es also denkbar, dass Putins Geheimdienst bei diesem angeblichen Beschluss von Angela die Hand im Spiel hätte? Hat etwa Putins Geheimdienst (er ist bekanntlich ein früherer Geheimdienstmann!) unsere Dienste penetriert und unterwandert? Hat Putin unseren Diensten diese Idee eingeflüstert? (Und bekanntlich setzen Merkel, Gabriel und ihre Leute Vorgaben unserer Dienste immer 100prozentig um, selbst wenn sie innerlich den Kopf darüber schütteln.) Ein entsetzlicher Verdacht, aber vielleicht die einzige Erklärung für diesen Wahnsinnsplan – und nicht nur unsere Dienste, sondern auch die Bundeswehrführung unterwandert? Und ein Teil des Kabinetts selber? Und die Parteispitzen von CDU, SPD und GRÜNEN? Alle von Putin unterwandert und manipuliert?

Hoffentlich sind wenigstens „die Märkte“ noch nicht von Putin unterwandert und penetriert: Liebe Märkte! Reagiert bitte mit einem Crash auf diesen Wahnsinn und verhindert ihn dadurch in letzter Minute!

100 Jahre WK I, 75 Jahre WK II: Die SCHLAGzeitung schaltet auf Modus WK III

01. September 2014

Machen wir uns nichts vor: Die politischen SCHLAGzeilen der SCHLAGzeitung sind die deutlichste Stimme der deutschen hegemonialen Eliten. Genau heute, am 1. September 2014 (Antikriegstag, da Jahrestag des Überfalls auf Polen 1939), bringt SCHLAG auf der Front Page (Front Page) die riesige SCHLAGzeile: PUTIN GREIFT NACH EUROPA! garniert mit einem schon nicht mehr bulldoggenhaft drohenden, sondern zynisch grinsenden PUUTIIN, der mit einem Globus spielt. Richtig: Chaplins „Great Dictator“, also PUUTIIN = HITLER! Noch am letzten Samstag gab es die „blutrote“ SCHLAGzeile „PUTIN FÜHRT KRIEG“ vor schwarzem Hintergrund, garniert mit nur einer riesigen „amokdrohenden“ Augenpartie (nur die Augenpartie) von PUUTIIN – darunter die Köpfe von Merkel, Cameron, Obama und Hollande: „… und sie reden, reden, reden“. Klare „Botschaft“: sie müssen HANDELN, HANDELN, HANDELN! Dreimal darf der SCHLAGleser raten, was HANDELN bedeutet. Aber immerhin stand diese diskursive Mobilmachung noch auf Seite 2, während auf Seite 1 noch Uli Hoeness im Knast die Priorität hatte. Ab jetzt wird die radikale Eskalationsstrategie also erste Priorität, passend zum Antikriegstag. (Klar, wo die zynisch grinsenden Köpfe also realiter sitzen: Und man kann ihnen nicht vorwerfen, sie blickten nicht durch. In dem Artikel vom Samstag auf Seite 2 schreiben sie wörtlich: „Die Ukraine als Mitglied der NATO? Für viele ist schon der Gedanke ein Spiel mit dem Feuer! Denn: Wäre das Land derzeit NATO-Mitglied, MÜSSTEN (Hervorhebung im Original) Deutschland (!!) und die anderen NATO-Partner den ukrainischen Truppen zu Hilfe kommen. (ab jetzt fett weiter:) ES WÄRE DER KRIEGSFALL WESTEUROPA GEGEN RUSSLAND!“ Soweit Zitat, und daneben „Kommentar“ des freundlich grinsenden Béla Anda: „UKRAINE BRAUCHT DIE NATO!“

Kein Zweifel mehr möglich: Die klarste Stimme der deutschen hegemonialen Eliten stimmt das Volk auf eine radikale Eskalationsstrategie ein, bei der sogar das Risiko eines Krieges gegen Russland in Kauf genommen wird (selbst wenn es von den Experten sagen wir mit „nur 33,33 Periode Wahrscheinlichkeit“ bewertet wird, weil man „rechnet“, dass man PUUTIIN zum „Einlenken“ zwingen kann).

Totale Einäugigkeit der deutschen Mainstream-Medien

Aber ist PUUTIIN nicht wirklich darauf aus, ganz Osteuropa (und dann auch Deutschland) zu erobern? Das können nur Wahnsinnige ernsthaft glauben. Es gilt: WNLIA = Weder-noch, lieber irgendwie anders. Der binäre Reduktionismus, das heißt die totale „Einäugigkeit“: „PUUTIIN“ gegen den Rest der Welt, ist eine tödliche diskursive Waffe – als ob wir nicht bis 3 zählen könnten und uns entweder für PUUTIIN oder für eine radikale Eskalationsstrategie des „Westens“ im Schlepptau der abenteuerlichen „Anti-Terror-Aktionen“ Kiews mit Bombardierung von Großstädten entscheiden müssten. Die Einäugigkeit und Selbstgleichschaltung unserer Medien unterscheidet sich in nichts von 1914 (in diesen Tagen, als vor 100 Jahren bereits die mörderischen Materialschlachten gegen Russland an der Ostfront tobten). Einzelne Beobachter im Netz müssen der ARD und anderen Medien die plumpesten Manipulationen nachweisen: ein altes Foto eines russischen Panzermanövers als „Beweis“, dass russische Panzer in die Ukraine einmarschieren – ein Hubschrauberabschuss in Syrien als „Beweis“ für das, was in der Ukraine passiert. Kann denn irgendwer den „Beweisen“ der Kiewer Regierung trauen, die pleite ist, weil von ihren Oligarchen ausgesaugt, und jetzt nur in einem Kriegszustand überleben zu können glaubt? Kann denn irgendwer „Beweisen“ der westlichen Dienste trauen, die 2003 bei SAADAAAM bekanntlich Massenvernichtungswaffen unterm Bett entdeckten? Kann den irgendwer auch nur auf korrekte Übersetzungen russischer Verlautbarungen vertrauen?

Weder noch, lieber irgendwie anders – es gibt mehr als nur 2 Positionen

Weder Putin noch Poroschenko-Jazenjuk, sondern lieber sofort eine Erklärung Merkels, dass Deutschland unter keinen Umständen (wie immer Russland seine Anhänger in der Ostukraine gegen die Kiewer „Anti-Terror-Aktionen“ unterstützt) – unter keinen Umständen Krieg gegen Russland auch nur als eine „Option, die auf dem Tisch ist“, zulassen wird. Das muss Merkel doch erklären, um gemäß ihrem Eid „Schaden vom deutschen Volk abzuwenden“. Und das unabhängig davon, ob auch Putin (so wie die Regierung Jazenjuk) faschistoide Tendenzen hat (hat er). Und unabhängig davon, ob auch Putin (so wie die NATO) geostrategisch kalkuliert (tut er). Doch das darf keine Rolle bei der Frage von Krieg und Frieden zwischen Deutschland und Russland spielen (oder will jemand wie Blair 2003 im Irak mit bekanntem Erfolg eine „stable democracy“ nun auch in Russland schaffen: durch einen Krieg gegen das 145-Millionen-Volk?) – Und nach dieser Erklärung dann konkret eine sofortige Waffenruhe in der Ukraine als ersten Schritt fordern – von beiden Seiten, das heißt auch von Kiew. Bei Eintreten der Waffenruhe dann sofort die Sanktionen aussetzen. Das ist das erste, alles weitere kommt danach im Zuge von Verhandlungen einschließlich der „Separatisten“ (Autonomisten, wie man in anderen Ländern sagt). (Oder sollte man Cameron ermutigen, im Falle eines Siegs der schottischen Separatisten eine Anti-Terror-Operation gegen Edinburgh mit Luftbombardements und Artilleriefeuer zu unternehmen? Genau das macht man in der Ukraine.)

Und warum haben die Medien eigentlich das Flugzeug offenbar „vergessen“?

Wie erbärmlich unsere Massenmedien sich benehmen, dafür schließlich der allerdickste Hammer (anders kann ich das nicht formulieren): Nachdem der angebliche Abschuss des malaysischen Flugzeugs durch die russische oder „prorussische“ Seite den entscheidenden Wendepunkt für die Radikalisierung der westlichen Eskalation gebildet hatte (wir erinnern uns an das Spiegel-Cover STOPPT PUUUTIIIN JETZT! mit den Porträts der toten niederländischen Passagiere) – nachdem die Boxen (darunter die Black Box) schon seit Wochen sichergestellt wurden und Wochen über Wochen vergingen – ist dieser casus belli (Kriegsgrund) seit geraumer Zeit „kein Thema“ mehr für unsere Medien! Wahrscheinlich haben die Chefredakteure gesagt: „Da ist die Luft raus.“ Und alle gehorchen und „vergessen“ einfach das „Thema“ (denn sonst müsste man ja die Frage stellen, warum die Tondokumente des Kiewer Towers verschwunden sind: hat etwa PUUTIIN sie geklaut?! und warum die Zeugen, die eine Militärmaschine in nächster Nähe des Passagierflugzeugs sahen, nicht ernsthaft einbezogen werden? Und warum die Kiewer „Anti-Terror-Truppen“ die Absturzstelle wochenlang beschossen haben?

Der Krieg ist entschändet worden

07. August 2014

1946 schrieb Bertolt Brecht  aus bekanntem Anlass das folgende Gedicht:

 

DER KRIEG IST GESCHÄNDET WORDEN

Wie ich höre, wird in den besseren Kreisen davon gesprochen

Daß der zweite Weltkrieg in moralischer Hinsicht

Nicht auf der Höhe des ersten gestanden habe. Die Wehrmacht

Soll die Methoden bedauern, mit denen die Ausmerzung

Gewisser Völker von der SS vollzogen wurde. Die Ruhrkapitäne

Heißt es, beklagen die blutigen Treibjagden

Die ihre Gruben und Fabriken füllten mit Sklavenarbeitern, die Intelligenzler

Hör ich,  verdammen die Forderung nach Sklavenarbeitern von Seiten der

Industriellen, sowie die gemeine Behandlung. Selbst die Bischöfe

Rücken ab von dieser Weise, Kriege zu führen, kurz, es herrscht

Allenthalben jetzt das Gefühl, daß die Nazis dem Vaterland

Leider einen Bärendienst erwiesen und daß der Krieg

An und für sich natürlich und notwendig, durch diese

Über alle Stränge schlagende und geradezu unmenschliche

Art, wie er diesmal geführt wurde, auf geraume Zeit hinaus

Diskreditiert wurde.

Wie lange dauerte die „geraume Zeit“? Allerhöchstens 54 Jahre, wie wir seit 1999 wissen, als die Kampfjets des Wiedervereinigten Deutschland mit den gleichen Eisernen Kreuzen, mit denen die Stukas des Schandkrieges 1941 bemalt waren, die gleichen Städte (Belgrad, Prishtina u.a.) bombardierten wie während des Schandkrieges. Joschka Fischer brachte es seinerzeit auf den Punkt, warum die neuen Bombardements entschändet waren: Weil Deutschland gerade deshalb, weil es an  Schandbombardements schuld war, nun die Pflicht hatte, wieder zu bombardieren, weil nämlich diesmal Hitler ein Serbe geworden war. Seither wurde er Afghane, Iraker, Libyer – und nun Russe (ein eigentlicher Deutscher war er ja nie gewesen, weil in seinem innersten Wesen ein Asiate, was Ernst Nolte wissenschaftlich festgestellt hatte).

Seit 1999 ist nun wieder geraume Zeit vergangen, und es ist der Quasi-Bischof Joachim Gauck, der nun vom Abrücken abrückt und wieder an die Pflicht heranrückt, „zu den Waffen zu greifen“. Natürlich nicht auf „diese Weise“. Sondern auf entschändete, 100 Prozent saubere Weise, zum Beispiel nächstens mit unbemannten, von der Heimat aus gesteuerten Drohnen, wie Gott selbst. Zusammen mit dem Sozialisten (!) Hollande ergriff er die Gelegenheit „100 Jahre 1. Weltkrieg“ (der ja noch moralisch auf der Höhe war), um noch einmal klarzustellen, dass wir daraus lernen müssen, uns nie wieder einfach wegzuducken, wenn (ja wer wohl?) eine Agression vorbereitet. Er hätte es gegen den Atheisten Brecht auf den Punkt bringen können:

DER KRIEG IST ENTSCHÄNDET WORDEN!

Originelle Neuerung aus der Ukraine für „Tatort“-Krimis: Den Tatort zusammenballern und „erobern“

30. Juli 2014

Nach dem Absturz des algerischen Passagierflugzeugs in Mali sagte ein Experte am französischen Fernsehen u.a.: „Die Absturzstelle muss wie ein Tatort betrachtet werden: Also nichts verändern, bevor Experten ankommen.“ Als Tatort im engen Sinne ist bekanntlich auch die Absturzstelle des malaysischen Passagierflugzeugs in der Ukraine zu betrachten. Dabei praktiziert die neue Kiewer Prowessi-Regierung aber höchst originelle Methoden, die für unsere langweiligen Tatort-Krimis echt Action bringen könnten: Sie will den Tatort, der ja in der Hand von „Terroristen“ sei, als erstes militärisch „erobern“, was nicht ohne Beschuss abgeht. Die OSZE-Experten müssen derweil warten, bis der Tatort „erobert“ ist. Also Szenario für einen neuen „Tatort“-Krimi: Ein SEK beschießt den Tatort, stürmt und erobert ihn, bevor unsere Kommissare untersuchen dürfen. Deren Aufgabe, noch Spuren zu finden, wird dadurch nahezu eine mission impossible, was die Spannung echt erhöhen wird!

Auch die Eskalation unseres Westens gegen Russland (zur Feier von 100 Jahren „Serbien muss sterbien“ und „Jeder Schuss ein Russ“) wird durch die Beschießung des Tatorts durch unsere Prowessi-Freunde in Kiew krimimäßig viel spannender: Der Tathergang kann jetzt nämlich nur noch durch die wahnsinnig komplizierten, aber umso sichereren Methoden unserer Dienste festgestellt werden. Wir erinnern uns, wie diese gleichen Dienste im Jahre 2003 alle Vertuschungsversuche von Saddam zum Scheitern brachten und 100prozentig überzeugend feststellten, dass Saddam riesige Arsenale von chemischen Waffen bereit zum Abschuss auf London in Stellung gebracht hatte. Wir erinnern uns an Tony Blair, wie er sagte: „Saddam kann London binnen 48 Stunden mit seinen chemischen Waffen angreifen. Das haben unsere Dienste gottseidank 100prozentig sicher festgestellt.“ Aber Saddam konnte gestürzt werden: die Chemiewaffen wurden gefunden (er hatte sie bekanntlich in seinen Palästen unterm Diwan versteckt), und eine „stable democracy“ wurde errichtet, über die sich die ganze Welt heute freut – alles dank der todsicheren Methoden unserer Dienste. Also vertrauen wir auch jetzt unseren westlichen Diensten und unseren westlichen Mainstream-Medien, die diesen Diensten aufgrund der guten Erfahrungen von 2003 voll vertrauen. Wer jetzt noch zweifelt, ist ein Putin-Versteher, basta!

Wer aber trotz alledem noch Zweifel an den westlichen Mainstream-Medien hat, ist außerdem ein Feigling und Defaitist. Denn unsere führenden „Jeder-Schuss-ein-Russ“-Medienleute sind bereit (siehe dieses andere mutige Blog hier: Telepolis), selber gegen Russland an die Front zu gehen! Tapfer sind sie dabei, eine National-Promi-Garde aufzustellen, um ihren Freunden von der ukrainischen Nationalgarde beim Sturm auf die Absturzstelle zur Seite zu stehen! Diese ukrainische Nationalgarde besteht bekanntlich aus tapferen Antirussen des „Rechten Sektors“ und von Swoboda – und wenn es noch immer Zweifel geben sollte, dass Russland die Maschine eigenhändig abgeschossen hat, dann werden diese mutigen Freunde sie beseitigen. Beseitigen in jedem Sinne des Wortes.

Was wir jetzt brauchen, ist die Bereitschaft zu persönlichen Opfern. STOPPT PUTIN JETZT! fordert der Spiegel mit den Fotos der toten Passagiere. Wenn der Spiegel das fordert, müssen wir bereit sein, „auch viele Arbeitsplätze zu opfern“. Zu 54 Prozent sind wir laut einer Umfrage dazu bereit, sagt der Spiegel. Dann sind wir ja auch frei, um den Spiegelfechtern freiwillig an die Front folgen zu können.

(Aber wenn man die Kommentare im Netz liest, sieht man, wie notwendig die Mobilmachung unserer Mainstreammedien gegen Russland ist: Denn dort wuchert der Zweifel – sogar an unseren Diensten! Und dort wuchert vor allem der Zweifel an unseren Mainstream-Medien! Es soll sogar Abbestellungen geben – wo soll das bloß alles enden??!!)

Neues Heft der Zeitschrift „kultuRRevolution“ erschienen.

03. Juli 2014

Für Leser dieses Blog dürfte das neue Heft 66/67 der Zeitschrift „Kulturrevolution“ besonders interessant sein: Schwerpunkt „Krisenlabor Griechenland“ und außerdem Beiträge zur Kultur- und Medienkritik.

krr-heft66-67

Aus dem Inhalt: Margarita Tsomou: Das Versuchskaninchen baut am eigenen Labor…! Zum Aufschwung solidarischer Ökonomien als Exoduspraktiken im Griechenland der Krise. • Jacques Rancière: Die Gegenwart denken. • Gregor Kritidis: Eingeschränkte Demokratie. Zur Etablierung des postdemokratischen Maßnahmestaats in Griechenland. • Karl Heinz Roth: Die griechische Tragödie und die Krise Europas. Egalitarian Europe Working Paper No. 20.01-2013 (December 2013). • Christos Zisis: Political /Socially- engaged/ interfering art in Greece during the years of the economic crisis. • Alain Badiou: Die demokratische Nichtexistenz. • Jürgen Link: Den »Archipelagus« lesen, oder: Wie konkret ist Hölderlins Utopie einer »griechischen« As-Sociation? – gefolgt von: Mit Zeltstädten und direkter Demokratie zu einem polyeurhythmischen Ausweg aus der griechischen Krise? • Helmut Schareika: Rigas Velestinlís, der griechische Aufstand 1821 ff. und die aktuelle Krise Griechenlands. • Rolf Parr: Griechenland: Symbolisches und reales Experiment.

Der Griechenland-Schwerpunkt verbindet aktuelles Engagement mit historischer Fundierung so-wie Beiträge auch junger GriechInnen über widerständige Initiativen (Margarita Tsomou über selbstverwaltete Produktion und Distribution; Christos Zisis über kulturrevolutionäre Interventionen) mit Athener Vorträgen bekannter Philosophen wie Jacques Rancière und Alain Badiou, in denen Krise und Widerstand aktualhistorisch reflektiert werden. Wenn Neugriechenland im Allgemeinen erst mit dem Befreiungskrieg der 1820er Jahre angesetzt wird, so ist diese Auffassung zu korrigieren: Es beginnt wie jede Moderne um 1800, was Helmut Schareika am Beispiel von Rigas Velestinlis (Ferräos) darstellt. Parallel dazu gilt es, wie Jürgen Link frühere Beiträge fortsetzt, Hölderlin als Dichter auch Neugriechenlands zu entdecken. Wenn das deutsch-griechische »Liebesverhältnis« in der Krise eher Züge von »Hassliebe« zeigt, so ist die Ambivalenz also alt – beruht aber in erster Linie auf der Verdrängung der fürchterlichen Vergewaltigung unter der Besatzung durch die Wehrmacht (Karl Heinz Roth). – Dass die Versuche, Krisen still zu stellen, sie zu normalisieren, als so etwas wie soziale Experimente im ›Freilandlabor‹ verstanden werden können, zeigt Rolf Parr am ›Experiment Griechenland‹. Deutlich wird, dass das man es dabei mit real durchgeführten sozial-ökonomischen Experimenten zu tun hat, die medio-politisch im Rückgriff auf die positiven Konnotationen von naturwissenschaftlichen Experimenten und ihrem methodischen Setting verhandelt werden. Genau an diesem Punkt müssen daher diskurstaktische Interventionen ansetzen.

kultuRRevolution. zeitschrift für angewandte diskurstheorie ist erhältlich über den Klartext-Verlag, Heßlerstraße 37, 45329 Essen, www.klartext-verlag.de. • Das Einzelheft kostet 10,00 €; das Doppelheft 20,00 €; Abonnement 17,00 € im Jahr (2 Hefte).

100 Jahre nach Sarajewo stellt die EU „Russland ein Ultimatum“: Das haben die Verantwortungs-GAUCKler aus der Urkatastrophe des westlichen Ultimarationalismus „gelernt“.

29. Juni 2014

Während die Historiker daran erinnern, dass die „Urkatastrophe des 20 Jahrhunderts“ aus einer fatalen Verkettung von Militärbündnis-Automatismen, Eskalationen und Provokationen, „Wetten“ auf das „Einlenken“ des Gegners, Ultimaten und totaler „Einäugigkeit“ der Medien entstand, haben die westlichen Großmächte des 21. Jahrhunderts daraus folgendes „gelernt“, wie sie in ihren Reden schwingen: Die Militärbündnis-Automatismen der NATO müssten verstärkt und vor allem auf die Nachbarstaaten Russlands ausgedehnt werden; gegen die russischen Eskalationen und Provokationen müsste der Westen gegen-eskalieren und gegen-provozieren; „PUUTIIN“ müsste zum „Einlenken“ gezwungen werden; „PUUTIIN“ müsste ein Ultimatum gestellt werden (schon gemacht); und wer im öffentlichen Diskurs die prowestliche Einäugigkeit breche und den obersten Verantwortungs-GAUCKler als Kriegstreiber kritisiere, müsse als „Nazi“ bezeichnet und der Staatsanwaltschaft angezeigt werden.

Dabei ist es doch einfach ein schlichtes Faktum, dass Gauck es auf sich genommen hat, sich rund um die Uhr aufs Schießen einzuschießen. Dass er dabei seine Kompetenz klar überschreitet und den Hindenburg spielt, was einem Bundespräsidenten ja eben gerade nicht mehr erlaubt sein sollte. Dass er gegen die überwältigende Mehrheit der Volksmeinung „schießt“. Dürfte man ihn dafür „Spinner“ nennen? Da sei sein Gott vor! Aber zwei Bezeichnungen muss er sich gefallen lassen: „Verantwortungs-Backe“ (so der probajuwarische Separatist Gauweiler im „Stern“: wo er recht hat…), das heißt mit aufgeblasener Backe „Verantwortung“ zu fordern im Sinne von „zur Waffe greifen“ – und eben Verantwortungs-GAUCKler (dieses Blog).

Wer wirklich etwas aus der 100 Jahre alten Urkatastrophe, jenem „Schoß, der fruchtbar noch“, lernen möchte, der sollte nun „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus lesen oder wieder lesen. Dort wird jene Dialektik der westlichen Aufklärung aufgeklärt, in der aus der Ratio immer wieder die Ultima Ratio der kriegerischen und konterrevolutionären Gewalt entstanden ist. Gauck beleidigen? Ebert beleidigen? Beleidigt werden durften und dürfen nur die Karl Krause und Rosa Luxemburgs, die den westlichen Ultimarationalismus aufgeklärt haben. Sie waren in diesem Sinne nicht pro-westlich – also waren sie, würden die Verantwortungs-GAUCKler „wie aus der Pistole geschossen“, rufen: „pro-russisch“. Tertium non datur: darauf beschränkt sich diese Art Ratio – eine Ratio, die nicht bis 3 zählen kann.

(Als „V-Träger“ = „Verantwortungs-Träger“ wurden alle V-GAUCKler und V-Backen vorerinnert in meinem Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“, assoVerlag Oberhausen.)

„Verantwortung“ im Westblock-Kaderwelsch = „Krieg“ auf deutsch. Steinmeiers fliegender Wechsel vom Mdkd zum MdmW.

22. Mai 2014

Zuerst die Auflösung der Kürzel: In der „Vorerinnerung“, deren Lektüre hier zuweilen empfohlen wird: „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee“ (von J.Link, asso-Verlag Oberhausen; 29,90 Euro: „dick“, aber kapitelweise lesbar) – in diesem Buch steht Mdkd für „Mann ders klammheimlich durchzieht“, und MdmW für „Mann der mutigen Wahrheit“. Diese beiden Männer gehören zu den politischen Männern des deutschen „V-Trägers“, d.h. des deutschen „Verantwortungs-Trägers“. Momentan erleben wir im Kontext der Ukraine-Eskalation eine beängstigende Verwirklichung der Simulationen meines Romans (den man deshalb vielleicht langsam wahrnehmen sollte).

Brecht erfand nach dem 17. Juni 1953 das schöne Wort „Kaderwelsch“: das Kauderwelsch der SED-Kader („Sozialismus“, „Kommunismus“, „die Partei hat immer recht“ usw.) Aber es gibt auch ein Westblock-Kaderwelsch – und dazu gehört unbedingt die „gewachsene deutsche Verantwortung“. Auch Wörter haben ihre Karrieren; auch Wörter können „einen Job machen“ und einen „Topjob“ erobern. Solche Wörter-Karrieren spielen eine wichtige Rolle in der „Vorerinnerung“: in satirischem Licht wie bei Karl Kraus. „Verantwortung“. Warum dieses Wort diese Karriere gemacht hat, geht aus der „Vorerinnerung“ hervor, in der der deutsche „Verantwortungs-Träger“ eine Hauptrolle spielt. Dass nun allerdings eine von Steinmeiers Bürokratie selber in Auftrag gegebene Umfrage das Ergebnis hatte: Ungefähr 2/3 des „demokratischen Souveräns“ sind gegen „mehr deutsche Verantwortung“ – das hat Steinmeier umgehauen und seine „Subjektivität“ revolutioniert (dazu weiter unten). Dabei ist dieses Ergebnis der Umfrage schlicht und einfach so zu lesen, dass alle Befragten (auch das 1/3 pro) begriffen haben, was „Verantwortung“ heißt – welchen Job das Wort „Verantwortung“ in Steinmeiers Politik macht: Es macht schlicht und einfach den Job von „Krieg“. Und den will der deutsche demokratische Souverän nun mal nicht.

Da sieht Steinmeier rot. Er rastet aus. Man kennt unseren sanften Steinmeier mit den langen Redepausen und der samtenen Stimme und der dicken Tuibrille nicht wieder. Medientuis wie Frankenberger in der Fatz jubilieren: Endlich! Jetzt haut unser Steinmeier auf den Tisch und rechnet mit „sogenannten“ (!!) Demonstranten ab. So ists richtig, wir lassen uns doch unsere „Verantwortung“, die einen „ausgezeichneten Job macht“, nicht in den Dreck ziehen mit Parolen wie „Kriegstreiber“! Wir wollen doch noch viele Kriege in aller Welt als „Verantwortungs-Missionen“ führen. Mali reicht nicht, ein neues Papier sieht ganz Afrika als „unseren Verantwortungs-Kontinent“ vor, mit allen Formen von Engagement, „im Notfall auch militärisch“. Aber wo bitte ist in Afrika kein Notfall gegeben? (Das weiß das Volk ebenfalls.)

In der „Vorerinnerung“ wird satirisch erklärt, welches Spiel der „V-Träger“ mit seinen politischen Männern spielt. Und Steinmeier spielt dieses Spiel gerade in der Wirklichkeit vor: Lange Zeit hatte er beim V-Träger einen guten Job als „Mann ders klammheimlich durchzieht“ – wir erinnern uns (oder auch nicht), wie er als Kanzleramtschef von Schröder die Fäden der Balkankriege zog, ohne dass er überhaupt in den Medien auftauchte. Auch als Außenminister setzte er diesen Job zunächst fort. Dabei hatte der V-Träger ihm einen höchst brenzligen Job übertragen: Deutschland als dritte oder sogar zweite Weltmacht (auf Basis seiner Kapitalstärke, denn seine Bevölkerung bringt ja mal grade ein gutes Prozent der Welt auf die Waage) auch diplomatisch und militärisch etablieren. Wirklich ein knochenharter Job, für den die Rolle eines Mdkd eigentlich ideal zu sein scheint.

Aber wenn das Volk anfängt, „Verantwortung“ ins Deutsche zu übersetzen, dann muss Steinmeier andere Saiten aufziehen – wie man sieht, hat er sie. Er hat sich verwandelt in einen MdmW, einen „Mann der mutigen Wahrheit“. Mutig sagt er dem verantwortungslosen Volk die Wahrheit: Egal was ihr wollt oder nicht wollt, die Entscheidung liegt beim V-Träger. Ihr blickt nicht durch, alle Experten sind für gewachsene deutsche Verantwortung. Ihr könnt euch auf den Kopf stellen: Die Bundeswehr wird trotzdem marschieren! Die Bundeswehr wird trotzdem Killdrohnen anschaffen! Die Bundeswehr wird trotzdem Afrika stabilisieren! Basta! Basta! Basta! (Basta? Wer sagte das seinerzeit? Und wer war Kanzleramtschef?)