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Wenn Katrin Göring-Eckardt frenetisch “verantwortet”…

Sonntag, Oktober 16th, 2016

Was bedeutet es, wenn in einem Text, der (nach Abzug der Flickwörter und der Namen der Kriegsparteien wie “Russland”, “Syrien”, “Deutschland”, “wir” usw.) aus circa 210 Lexemen (Wortkomplexen) besteht, 7 , also zwischen 3 und 4 Prozent, auf “Verantwortung” fallen? Wie in diesem Blog zur Genüge nachgewiesen, steht “Verantwortung” im Kontext von Eskalationen schlicht und einfach für Krieg. Bei dem Text handelt es sich um einen Gastbeitrag von Karin Göring-Eckardt im Namen der GRÜNEN für die FAZ (15.10.2016: “Der Druck auf Assad und Putin muss wachsen”). “Deutschland ist Teil dieser Weltgemeinschaft, die innerhalb der Vereinten Nationen Verantwortung trägt: Verantwortung für Humanität und Hilfe, Verantwortung zum Schutz.” In der “Verantwortung zum Schutz” steckt die Forderung nach Eskalation (“Druck”). Nicht nur fordern die Grünen zusätzliche “Sanktionen” gegen Russland (nicht gegen Saudi-Arabien), sondern sie fordern eine “Flugverbotszone”, und zwar “Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln”: Die letzte Formel (“all necessary means”) ist die klassische Formel für Kriege mit nach oben offener Eskalation von eingesetzten Waffen. Konkret für die Grünen hier und jetzt: Das Flugverbot muss von NATO-Jägern und NATO-Raketen (mit deutscher Beteiligung) “durchgesetzt” werden, wobei es zu einem Luftkrieg mit Russland kommen wird, was die Grünen sehr genau wissen und also nicht nur in Kauf nehmen, sondern propagieren. Dass ein solcher Luftkrieg sich umgehend mit dem Ukrainekonflikt koppeln wird, wissen sie ebenfalls und scheinen sie zu begrüßen.

KAIROS DER TARTUFFES

Dass wir seit geraumer Zeit auf unseren Bildschirmen eine frenetische Eskalation von Tartuffes, also Tugendheuchlern, beobachten können, wurde ebenfalls in diesem Blog bereits konstatiert. Katrin Göring-Eckardt wird medial als “Theologin” gehandelt (sie hat ein Theologiestudium abgebrochen) – soll wohl heißen, ihre Politik sei 100 Prozent “ethisch” grundiert – ebenso wie die des Pfarrers Gauck und der Pfarrerstochter Merkel. Während die Katrin ihren Aufruf zur Eskalation verfasste, bombardierte Saudi-Arabien (als Stellvertreter für den Westen) im Jemen eine Hochzeitsgesellschaft – so wie in Afghanistan seit Jahren üblich. (Im Blog wurde erklärt, wie das läuft: ein “Informant” will mit einem anderen Clan abrechnen und ruft bei der NATO an – diesmal bei der “Koalition” im Jemen.) Ein weiterer Zufall will, dass auf der Website von Al Jazeera gerade eine ausführliche Reportage über die Kriegsführung der USA mit Drohnen in Afghanistan zu lesen und als Video anzusehen ist (Jamie Doran/Najibullah Quraishi, “Living Beneath the Drones”): Ein ganzes Volk einschließlich seiner Kinder, das über sich täglich die Drohnen kreisen sieht, wird in eine Angstpsychose versetzt, die in vielen Fällen bis an die Grenze des klinischen Wahnsinns geht (Interviews mit einigen der wenigen Psychiater des Landes). Wäre da nicht auch “Druck” angesagt oder gar “Sanktionen”? Die Katrin quetscht sich am Ende ihres Artikels, nachdem sie außer Russland vor allem auch den Iran mit Sanktionen beglücken möchte, eine “Kritik” an Saudi-Arabien ab: Dessen Politik “führt zur Radikalisierung der sunnitischen Assad-Gegner”. Da bleibt mir die Spucke weg, wie man so sagt.

“HAUSAUFGABENMACHER” ODER “WELTMISSIONARE”? BEIDES!

In der “Vorerinnerung” (dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee”, asso-Verlag Oberhausen; schon mal als Weihnachtsgeschenk empfohlen) wird in Zukunftssimulationen der “dritte Versuch des deutschen V-Trägers” vorerinnert (Verantwortungs-Trägers: die Katrin hilft ihm gerade sehr) – damit es nicht später wieder heißt, das hätte man nicht voraussehen können. Bei der militärischen Komponente der in die ganze Welt wachsenden deutschen Verantwortung wird ein Konflikt innerhalb der militärischen Führungseliten simuliert: zwischen “Hausaufgabenmachern”, die die deutsche militärische Verantwortung auf die “Hinterhöfe” auf dem Balkan, in Osteuropa und in Nordafrika beschränken möchten – und den “Weltmissionaren”, die am roten Faden der “humanitären Schutz-Verantwortung” unbegrenzt weiter ausgreifen möchten. Bisher haben sich im Fall Balkan die Hausaufgabenmacher, und im Fall Afghanistan die Weltmissionare durchgesetzt. Augenblicklich wird nicht nur Nord-, sondern ganz Afrika als deutscher Hinterhof (“Verantwortungs-Kontinent”) definiert. Und auch noch der “mittlere Osten” (mit Syrien und dem Irak)? (Und dann auch noch die direkten westlichen Nachbarn Russlands, vor allem die Ukraine?!)

BIS WOHIN ERSTRECKEN SICH “UNSERE” HINTERHÖFE? ES GEHT UM GEOSTRATEGIE, NICHT UM HUMANITÄT

Ja, bis wohin erstrecken sich eigentlich die deutschen Hinterhöfe? Es gibt manchmal Anzeichen, dass in der Führung der Bundeswehr nicht alle für grenzenlose Ausweitung unserer Hinterhöfe oder gar für grenzenlose Weltmission schwärmen. In diesem geostrategischen Dilemma muss man die Initiative der GRÜNEN so verstehen: Schluss mit dieser Alternative: Die Hinterhöfe gehen direkt in die Weltmission über. Die Parolen Keine Obergrenzen! No borders! bekommen eine ganz neue Bedeutung. BÜNDNIS TARTUFFE/DIE GRÜNEN: Während die deutschen Eliten bei allen Unterschieden in einem Punkt Konsens haben: “Wir” leben nach Ende der bipolaren Welt nunmal wieder (wie vor dem WK I) in einer von Geopolitik und Einflusssphären bestimmten Welt, und wir müssen deshalb wie Bismarck Realpolitik machen, und dazu gehören Blut und Eisen, also auch Militär – während diese Mentalität bei Berliner Kopflangern wie Herfried Münkler dominiert, möchte die Katrin über diese geostrategische Realpolitik in schlimmster “deutscher” Tradition eine Tugendmaske stülpen.

MALI, NIGER, ÄTHIOPIEN

Angela Merkels Afrikareise nach Mali, Niger und Äthiopien ist in diesem Kontext zu sehen. Scheinbar ging es vor allem um Abriegelung der Flüchtlingsströme – aber in Mali und Niger ist die Bundeswehr gerade dabei, im schlimmsten Fall ein afrikanisches Afghanistan herbeizueskalieren. In der “Vorerinnerung” ist eine Intervention in Azania (Südafrika) simuliert – was bedeutet es, dass nun schon Äthiopien (zu Zeiten Mussolinis hieß es Abessinien) im deutschen Verantwortungs-Horizont auftaucht?

WNLIA – WEDER ASSAD NOCH AL NUSRA, LIEBER … WAS?

Die Katrin behauptet: “Assad verantwortet (verantwortet) zusammen mit seinen Verbündeten die weit überwiegende Mehrzahl der zivilen Toten” (also weit mehr als IS, Al Nusra, früher Al Kaida genannt, und weitere dschihadistische “Rebellen” zusammen) – woher weiß sie das? Offensichtlich von Diensten – sie tut also so, als ob sie Diensten vertrauen könnte. Aber sicher: Assad versucht mit allen Mitteln, sich an der Macht zu halten, darunter mit Luftbombardements mit schrecklichen “Kollateralschäden” unter Zivilisten – aber wer hat die Strategie der Luftschläge mit den unvermeidlichen “Kollateralschäden” weltweit durchgesetzt? Und wer hat sie 1999 auf dem Balkan praktiziert? Unter anderen die GRÜNEN. Sicher ist der Syrienkrieg inzwischen so weit eskaliert, dass die Formel WNLIA (Weder – Noch, Lieber irgendwie anders) nicht mehr kurzfristig zu konkretisieren ist. Immerhin kann man sagen: WNLIA spricht jedenfalls dafür, Rojawa (das selbstverwaltete Syrisch-Westkurdistan) zu unterstützen – es wird direkt bedroht von Katrins verharmlosten “Rebellen” und deren Pate Erdogan.  Nichts davon kommt bei der Katrin vor – statt dessen behauptet sie auf recht ominöse Weise: “Russland handelt und schafft ein neues Tschetschenien” – Syrien = Tschetschenien?  Was soll denn das nun wieder heißen?

Stand der Normalisierung der Massenflucht und der Normalisierung der AfD

Dienstag, September 6th, 2016

 

 

Der 1. Akt der Normalisierung 

Im Wirtschaftsteil der FAZ vom 2. September konnte man eine interessante Infographik bewundern. Sie zeigte als monatsbezogenes Blockdiagramm die in Deutschland erfassten Flüchtlinge zwischen Januar 2015 und Juli 2016. Wenn man sich darüber (naheliegend) eine Mantelkurve vorstellte, hatte sie annähernd die beeindruckende nahezu symmetrische Gestalt eines Auf zwischen 32229 und 206101 (Peak der Kurve im November 2015) und eines umgekehrten Ab zwischen Peak und 16160 (Juli 2016). Diese Kurve, die einer Quasi-Normalverteilung gleicht, zeigt aber nur das jeweilige Wachstum – würde man die jeweils erreichten Summen aggregieren, so ergäbe sich eine logistische Kurve: Beginn bei circa 30000, dann quasi-exponentielle Steigerung des Wachstums ab Juni 2015: Wachstumsrate August-November von über 100 Prozent! Genauso beeindruckend die symmetrische negative Wachstumsrate von -75 % bis Februar 2016 und circa -95% bis März. “Normalisiert” man diese quasi-logistische Kurve, so hat man also fast den Idealtyp der Kurve eines Normalwachstums, wie man es von der Konjunktur kennt: Aufschwung, quasi-exponentielle Steigung des Wachstums, Peak, sinkendes Wachstum bis Nullwachstum auf erhöhtem Niveau. Nennen wir diese Kurve also den ersten Akt der Normalisierung der deutschen “Flüchtlingskrise”. Es ist klar, wem dieser erste Akt zu verdanken ist: Erstens der Abriegelung der griechischen Nordgrenze bei Idomeni, die selbstverständlich nur mit dem Segen (und sogar dem heißen Wunsch) Berlins zu machen war – und zweitens der Abriegelung der türkischen Westgrenze durch Erdogan im Rahmen des “Türkeideals”. (Man wird sagen: Die Statistiken über die “erfassten” Flüchtlinge sind irreführend, und man hätte recht – man wird also fast alle Zahlen erhöhen müssen – wobei sich aber am Kurvenverlauf wenig ändert.)

Jetzt kommt der zweite Akt: durch noch tiefere Versenkung Griechenlands

Die Erreichung des Quasi-Nullwachstums kann aber die “Flüchtlingskrise” noch keineswegs “lösen”, wie man u.a. am Triumphlauf der AfD sieht: Der “viel zu hohe Sockel” muss noch “abgespeckt” werden. Deshalb der neue Akzent auf “schnellerer und effektiverer Abschiebung” bzw. – neuer Trumpf de Maizière: “Rückführung” auch wieder nach Griechenland. Dem steht bisher ein Urteil des EuGH von 2011 entgegen: Die ersten Spardiktate der Troika hatten Griechenland bereits derartig versenkt, dass es selbst bei lockeren Maßstäben Flüchtlinge nicht mehr menschenwürdig unterbringen konnte. Nun behauptet de Maizière aber: Neuerdings hätten “wir” Griechenland mit derartig viel “Rettungsgeldern” überschüttet, dass es nun auch 100000 Flüchtlinge (momentan offiziell 60000, in Wirklichkeit mehr) “stemmen” könnte. (Verhältnismäßig zur Bevölkerung entsprechen dem bis zu 1 Million im staatlich superreichen Deutschland.) Zwar seien Verwaltungsgerichtsurteile zu “befürchten”, aber dann müsste eben der EuGH sein Urteil revidieren (da ist de Maizière zuversichtlich, dass der EuGH das macht, wenn Berlin es fordert). Dennoch: Der zweite Akt steht auf wackligen Füßen, zumal auch Erdogan viel Druckpotential beim “Deal” hat.  Der “Deal” klappt übrigens nur halb: Die türkische Westgrenze ist noch immer relativ dicht, aber die “Rückführung” der dennoch “Durchgesickerten” von den griechischen Inseln funktioniert gar nicht.

Also: Jetzt muss dann eben die AfD normalisiert werden.

Akt 1 reicht nicht und Akt 2 lässt auf sich warten – Resultat: AfD marschiert. Gottseidank haben “wir” (unser hegemonialer mediopolitischer Diskurs) seit 2000 und der “Haiderkrise” das neue Dispositiv des “Populismus” (statt vorher nur “Radikalismus” und “Extremismus”). “Populismus” erstreckt sich verschwommen in einer “Grauzone” beiderseits der Normalitätsgrenze, kann also je nach Bedarf als innerhalb oder außerhalb des politischen Normalspektrums verortet werden. Je stärker die AfD bei Wahlen wird, umso klarer ist die neue Marschrichtung der Hegemonie: Es gibt in der AfD einige “extremistische” Ausrutscher, aber insgesamt ist ihr Populismus normal. Also: Die Hegemonie akzeptiert die AfD im Normalspektrum (typisch das “Argument”: Man muss der AfD dankbar sein, dass sie die NPD kaputt macht).

Die Normalisierung der AfD bedeutet “Erweiterung” des hegemonialen Spektrums “Deutschland”

Normalisierung der AfD bedeutet: Man darf sie nicht mehr “rechtsextrem” nennen, sie wird nicht “vom Verfassungsschutz beobachtet”, sie darf “normal” bei Parteirunden und in Talkshows mitreden; wahrscheinlich bekommt sie bald eine subventionierte Stiftung. Aber strukturell bedeutet es mehr: Ihre zur Hegemonie antagonistischen Positionen (Massenabschiebungen von Flüchtlingen und Einwanderern; Opposition gegen den militärischen Overstrech der Bundeswehr; allgemein nationalistische “Rhetorik”) können zwar nicht akzeptiert werden – man wird aber versuchen, aus diesem “Drohpotential” Kapital zu schlagen für die GERMROPA-Strategie, also die erhebliche “Verhärtung” der deutschen Hegemonie in Europa und in der Welt. Zum Beispiel wird man die weitere Versenkung Griechenlands u.a. damit begründen, der AfD “Emotionen” wegzunehmen. Das ist ja wirklich der Gipfel der Lächerlichkeit: Die hegemonialen Parteien behaupten, sie hätten “Argumente” und die AfD nur “Emotionen” – und die AfD wollte ja nicht regieren – sie würde dann ihr Programm nicht durchführen können und sich entlarven. In Wahrheit wissen die AfD-Wähler, dass sie die Politik der Hegemonie gerade von “außen” direkt beeinflussen können und schon erheblich beeinflussen durch ihre “Emotionen”!

Opposition gegen den imperial overstrech von GERMROPA – ein Trumpf der AfD

Vieles im Programm der AfD ist durchaus hegemonial: Besonders ihr radikalkapitalistisches Wirtschafts- und “Sozial”programm. Auch von den nichthegemonialen Punkten lässt sich einiges “integrieren”. So kommt die Forderung nach Massenabschiebung Teilen der Hegemonie, vertreten etwa durch die CSU, durchaus zupass. Was sie am meisten stört, ist die Opposition gegen die “Weltmissionen” der Bundeswehr und besonders gegen die Eskalationspolitik gegen Russland. Dabei sieht sich die AfD in der Tradition des zum Beispiel auch von Schäuble so hochgejubelten Bismarck und seines Rückversicherungsvertrags mit Russland. In diesem Punkt stimmt die AfD mit Forderungen der Friedensbewegung überein. NATO-“Speerspitzen” und “Raketenschirme” an der Westgrenze Russlands – das hätte ja nicht nur Bismarck hirnverbrannt gefunden. Und dabei geht es wohlgemerkt nicht um PUUUTIIIN, sondern um ein großes und bedeutendes europäisches Land. Nicht bloß die AfD-Führung ist also chaotisch, sondern auch die Reaktion der deutschen Hegemonie auf die AfD: Man will ihre Wählerinnen “ernst nehmen”, will sie also normalisieren – aber man will sie im Sinne einer durchgedrehten GERMROPA-Strategie “interpretieren”, was kaum erfolgreich sein dürfte (allenfalls bei der weiteren Versenkung Griechenlands und dann auch anderer Mittelmeerländer).

Eine normalismustheoretische Analyse ist notwendig: Die Werkzeugkiste ist da

Die diesem Blog zugrunde liegende Normalismustheorie erlaubt also eine Analyse der aktuellen großen Denormalisierungen, an der die alten “linken” Stereotypen vollständig scheitern. Ja es braucht mal wieder (nach Jahrzehnten des “linken” Theoriebashing) Theorie. Aber eine konkret auf aktuelle Praxis bezogene Theorie. Die Werkzeugkiste ist da:

– die Zeitschrift “kultuRRevolution. zeitschrift für angewandte diskurstheorie” – Bitte Homepage besuchen: zeitschrift-kulturrevolution.de

—> Das neue Heft 70/2016 der kRR hat den Schwerpunkt “Normalismus und Antagonismus in der Postmoderne”. Das ist der Vorabdruck einiger Kapitel aus einem neuen Buch gleichen Titels. Darin auch ein Kapitel über die “Flüchtlingskrise” aus normalismustheoretischer Sicht.  Das Heft ist als Grundlage für Mit-Theoretisieren und Mit-Praktizieren gedacht.

– die Titel von Jürgen Link zur Normalismustheorie: Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird, 5. Auflage – Normale Krisen? Normalismus und die Krise der Gegenwart (mit einer gut verständlichen Zusammenfassung der Normalismustheorie).

– Anteil der Kultur an der Versenkung Griechenlands. Von Hölderlins Deutschenschelte zu Schäubles Griechenschelte (gut geeignet auch zum verschenken – auch darin Kurzsynthesen der Normalismustheorie).

– Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung. (Eine Art verfremdeter Roman über die Normalisierung von 1968 im Ruhrgebiet und darüber hinaus.)

Man müsste etwas “Geld in die Hand nehmen” – aber sehr viel weniger als für neue Gadgets.

Bundeswehr schafft “Kampfdrohnen” an – wie bitte? Was für ein “Kampf”? Es sind Killdrohnen, die die Bereitschaft zu Selbstmordattentaten ernorm steigern!

Mittwoch, Januar 13th, 2016

Nun also doch Killdrohnen für die Bundeswehr. Erstens: Es findet ja kein Kampf statt. Die “Piloten” sitzen bequem am Computer, zum Beispiel zuhause, stellen die Drohne per Joystick aufs Ziel ein und schießen dann die Raketen auf das Ziel ab. Das läuft oft auch im Dunkel der Nacht. Von “Kampf” kann jedenfalls keine Rede sein. Zweitens: Die Bundesregierung behauptet, die geplanten “deutschen Drohneneinsätze” hätten nichts mit den amerikanischen “außergerichtlichen Exekutionen” zu tun – die Bundeswehr würde bloß bei Gefahr für “unsere Jungs” die Raketen der Drohnen abfeuern. Für wie dumm soll das Volk eigentlich verkauft werden? Genauso wie bei den offiziellen Killungen sind die “Einsätze” von der Lageeinschätzung abhängig, die entweder wie stets zweifelhaft sein kann oder direkt von “eingeborenen” Informanten stammt, wobei Rachemotive mitspielen (all die bombardierten Hochzeitsgesellschaften!). Jedenfalls sind auch bei diesen “Einsätzen” die Risiken von “Kollateralschäden” enorm.

DRITTENS: DROHNENKILLUNGEN UND SELBSTMORDATTENTATE SIND SYMMETRISCH!

Drittens und ganz besonders drittens: In allen Ländern mit Drohnenkillungen wächst die Bereitschaft junger Fanatiker zu Selbstmordattentaten enorm. Diese Jungs (es sind ja schließlich auch Jungs) haben die angeblich “ritterlichen” Kämpfe der mittelalterlichen muslimischen Helden gegen die Kreuzritter im Kopf. (Alle G7-Krieger und -Zivilisten sind für sie symbolisch “Kreuzfahrer”.) Und nun Drohnenkillungen, also eine Steigerung des “feigen Mordes aus dem Hinterhalt” ins Entsetzliche! Immer mehr dortige Jungs sehen als einzige Gegenwaffe gegen solche Feigheit den “Märtyrertod” im Selbstmordattentat.

VIERTENS: DAS VERSCHWIEGENE MOTIV – DIE “KILLRATE”

Viertens schließlich: Im Vietnamkrieg war die Statistik der Tötungen Wir vs. Sie (also die Killrate)noch ganz offiziell ein entscheidender Index der Kriegsführung. Ganz offiziell ging das Pentagon davon aus, bei einer Killrate von 10:1 (auf einen toten GI 10 tote “Vietcong”) sei der Krieg binnen 3 Jahren zu gewinnen. Das führte nicht nur zu Massakern an Dorfbewohnern, sondern auch massenweise zu falschen Angaben der kämpfenden Einheiten. Heute dürfte die Killrate weiter (wenn auch inoffiziell) ein wichtiger Index sein. Auch das aber hat Folgen beim Feind: Auch die “dschihadistischen” Krieger (extrem im Fall von Al Kaida, Al Nusra, IS usw.) streben nach einer “positiven” Killrate – am ehesten zu erzielen durch Selbstmordattentate wie jetzt in Istanbul: 10 Deutsche gegen einen IS-Krieger, Killrate 10:1.

Es ist nicht sicher, obwohl sehr wahrscheinlich, dass deutsche Touristen gezielt massakriert wurden. Zufall ist wahrscheinlich, dass dieses Massaker nun wirkt wie die “Antwort” auf zwei deutsche Eskalationsschritte: Am Tage davor starteten die Tornados und verkündete Frau von der Leyen die Anschaffung von Killdrohnen. Leider hat die Eskalation einen Grad erreicht, an dem sie nicht einfach mehr zu ändern sein dürfte. Aber das bedeutet nicht, dass man nun einfach lustig drauflos ständig neue Eskalationsschritte wie jetzt die Killdrohnen noch draufsatteln sollte!

Kundus: Wenn unsere Azubis “Fersengeld geben”… will die Bundeswehr reeskalieren! (Das darf nicht wahr sein.)

Mittwoch, September 30th, 2015

Als Diskurstheoretiker kann man nicht übersehen, wenn längst vergessen geglaubte “deutsche” (militaristische) Vokabeln plötzlich wieder auftauchen. So geschehen, als die Watz am 30. September 2015 (unter)titelt, dass die offizielle Armee Afghanistans “Fersengeld gegeben” habe, statt die Großstadt Kundus, immerhin jahrelang eine Art Hauptstadt der deutschen Zone, tapfer zu verteidigen. Komplex “Feigheit vor dem Feind” – im Weltkrieg II waren es “die Italiener”, die – wie unsere Nazilehrer plauderten, wenn sie ihre Stunden nicht vorbereitet hatten – in Afrika und vor Stalingrad und sonstwo “Fersengeld gegeben” hätten statt gefälligst “Blutzoll zu entrichten” und den Heldentod zu sterben für Deutschland. A propos Geld: Also diese unsere Fersengeld gebenden Azubis, die die Bundeswehr “ausbildet” – insgesamt hat das Afghanistan-Abenteuer den “deutschen Steuerzahler” zwischen 20 und 30 Milliarden gekostet, ein Bruchteil der Summe hätte die armen Griechen vor dem Elend retten können – kosten richtiges Geld. Und jetzt geben diese teuren Azubis nicht nur “Fersengeld”, sondern werfen ihre Uniformen weg und machen sich auf den Weg nach Deutschland, um als Bürgerkriegsflüchtlinge um Asyl zu ersuchen. (Viele Dolmetscher mit ihren Familien sind ja schon hier – sie fühlen sich sehr zu recht bedroht.)

Natürlich ist es ein “verheerendes Signal”, das von Kundus “gesendet” wird – auch wenn eine überlegene prowestliche Truppe (von der Bundeswehr taktisch beraten?) die Stadt zurückerobern wird. Aber Vorsicht! Am Ende droht noch eine Art Dien Bien Phu, eine Einkesselung. Ja wer sich an die Vietnamkriege erinnert, hat das alles mehrfach gesehen. Es bestätigt ein für allemal die Lehre: Die sprach- und kulturfremde Armee eines nördlichen reichen Weltgendarmen wie die Bundeswehr kann einen Antiguerillakrieg in der armen Dritten Welt nicht gewinnen. Wenn aus diesem Fiasko überhaupt eine Lehre gezogen werden kann, dann eben diese. Dabei waren die Ausgangsbedingungen für die Bundeswehr “optimal”: Erstens: In ihrer Besatzungszone im Nordosten wohnen vergleichsweise wenige Paschtunen (das wichtigste “Meer”, in dem die “Fische” der Taliban schwimmen können) und hauptsächlich Tadschiken und Usbeken. Zweitens: Die Taliban sind frauenfeindliche und verrannt antimoderne Fanatiker. Also alles andere als der sozialrevolutionäre vietnamesische FLN. Drittens: Deutschland hatte ein relativ  positives Image, unter anderem als Nicht-Kolonialmacht und “Feind der Angelsachsen”. Und nun ist die deutsche Zone plötzlich eine “Hochburg der Taliban” geworden!  Sollte das nicht zu denken geben? Sollte nicht selbst im Kopf von Ursula von der Leyen und ihrer soldatischen “Afghanistan-Connection” (siehe unten) die Einsicht dämmern: Es geht einfach nicht – ein Antiguerillakrieg der Ersten in der Dritten Welt ist nicht gewinnbar?

Das sollte man meinen. Aber das Gegenteil melden unsere Medien aus Berlin: Von der Leyen will reeskalieren!  Will die “Mission” verlängern statt einen Schlussstrich zu ziehen! Beraten wird sie dabei von der “Afghanistan-Connection”, einer Gruppe von hauptsächlich jüngeren Bundeswehroffizieren, die im Ruf “harter Jungs” stehen (“keine Weicheier”: Depression und Suizide sind für die einfachen Schützen Arsch). Diese Connection träumt offenbar den alten Traum aller im Antiguerillakrieg besiegten Generäle und Offiziere weiter: Und wir können es doch! Und wir werden es doch beweisen! Und wir werden doch einen Antiguerillakrieg in der Dritten Welt gewinnen! Zum Teufel auch – wenn nicht in Afghanistan, dann in Mali oder sogar im Irak! “Wir schaffen das!”

Diese Leute sind wie Atomkraftfanatiker: Sie sind Technokraten einer längst als höllisch erwiesenen Technik, die sie aber fanatisch nicht aufgeben wollen. In Fanatismus stehen sie den Taliban nicht nach. Dabei zeigt sich doch momentan an allen Ecken und Enden, dass Deutschland bei seinem dritten Versuch, “zur Weltmacht zu greifen”, bereits jetzt in einer schweren Krise der “imperialen Überdehnung” (imperial overstreching) steckt. Mit 1,5 Prozent der Weltbevölkerung nicht nur Exportweltmeister, sondern auch noch World Cop spielen wollen.

Und zum Thema Demokratie: Eine Seilschaft von jungen Offizieren, deren Namen das Volk nicht einmal kennt, stellt die Weichen einer Politik, die das Volk nicht will – und diese Politik ist nicht bloß voller (im Wortsinn) tödlicher Risiken, sondern sie ist auch wahnsinnig teuer und wird umso teurer, je mehr die Eskalation weitergeht. Drei Namen dieser Connection: Generalleutnant Markus Kneip, Oberstleutnant Heico Huber, Oberst Peter Mirow (siehe tagesspiegel).

Erzähl nochmal den Witz vom “Einlenken”, oder: Schwarzrot freiwillig gefangen in der Eskalationsspirale

Donnerstag, Dezember 4th, 2014

 

ESKALATIONSLOGIK, OPTIONEN, “EINLENKEN” – UND WAS, WENN NICHT “EINGELENKT” WIRD?

Seit Monaten dreht die Regierung Merkel-Gabriel an der Eskalationsspirale gegen Russland. Zugrunde liegt dieser Spirale die herrschende NATO-Doktrin der nach oben offenen “Flexible Response”. Sie beruht auf einer Eskalations-“Leiter” von “gestuften Optionen”. Es beginnt mit nicht-militärischen “Optionen”, vor allem Wirtschaftssanktionen, deren Ziel das “Einlenken” des Gegners ist. Wenn der Gegner nicht “einlenkt”, kommen automatisch die “Optionen” militärischer Eskalationsstufen an die Reihe. So war es mit “SADDAM”, so war es mit “MILOSEVIC”, und es endete jedesmal, weil der Gegner wie erwartet nicht “einlenkte”, mit der “Option” Krieg. Nun sind sich allerdings die Medien einig, dass beim Eskalationsspiel gegen Russland militärische “Optionen” ausscheiden würden – aber was passiert denn, wenn “PUUTIIN” wie erwartbar nicht “einlenkt”, und die nicht-militärischen “Optionen” ausgereizt sind, bevor die russische Wirtschaft völlig zusammenbricht? Und es stimmt ja nicht wirklich, dass (auch jetzt schon) militärische “Optionen” ausscheiden würden: Was sind NATO-Großmanöver an der russischen Grenze und was ist die Schaffung einer ultraschnellen NATO-Eingreiftruppe gegen Russland, “Speerspitze” genannt (mit der Bundeswehr als “Speerspitze in der Speerspitze”), anderes als militärische “Optionen”? Und was war die in diesem Blog schon kommentierte (und seither gottseidank erstmal stornierte) “Idee”, bewaffnete Fallschirmjäger der Bundeswehr an die ukrainisch-russische Grenze zu verlegen, anderes als die Inkaufnahme einer “begrenzten” militärischen Kollision mit Russland? Was ist das enge und “nibelungentreue” Bündnis mit der Kiewer Regierung, die für jeden sichtbar bereits auf die militärische “Option” setzt und bereits eine Art Stellvertreterkrieg gegen Russland führt, anderes als die Verwischung zwischen nicht-militärischen und militärischen Eskalationsstufen?

DIE BUNDESWEHR ALS “SPEERSPITZE IN DER SPEERSPITZE” – UND WAS DANN?

Bereits jetzt ist also die Eskalationsstufe absehbar, wenn die nicht-militärischen “Optionen” kein “Einlenken PUUTIINS” erreicht haben werden. Was dann? Diese Frage müsste doch in der mediopolitischen Öffentlichkeit, auf allen Kanälen, auf allen Pressekonferenzen und in allen Talkshows diskutiert werden – als Thema Nr. 1, unter Hintanstellung aller “Probleme” von zu wenig Frauen in Aufsichtsräten usw.

DER WESTEN UND SEINE ANGELA OHNE EINFLUSSSPHÄREN?! – UND DIE NEUE KÜNDIGUNG DES RÜCKVERSICHERUNGSVERTRAGS MIT RUSSLAND

Statt dessen lenkt der mediopolitische Diskurs von dieser wahrhaften Überlebensfrage völlig ab und spielt schöne vorweihnachtliche Normalität. Zwischendurch heuchelt Angela (Weihnachtsengel) Merkel moralische Überlegenheit gegenüber PUUTIIN: Für PUUTIIN seien Nachbarn “Einflusssphären” , für “uns” (Merkel) dagegen “Partner”. Wie bitte: Der “Westen”, allen voran die USA und Deutschland, hätten keine Einflussphären? Wofür denn dann überhaupt eine NATO? Und warum denn dann täglich in den Nachrichten die Ausflaggung aller Politiker der Welt nach “prowestlich” oder “prorussisch”? Dabei sollte doch die Analogie mit dem Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren Lehrstücke über Lehrstücke liefern. Aber seit Berlin zum drittenmal gegen Russland eskaliert, ist der Erste Weltkrieg plötzlich “kein Thema” mehr. Statt dessen wird die total falsche Analogie mit einem pervers verdrehten Zweiten Weltkrieg (PUUTIIN gleich Hitler!) wieder aus dem Abfall des Kalten Krieges ausgebuddelt. Und niemand erinnert an die Nicht-Verlängerung des “Rückversicherungsvertrags” mit Russland nach dem Sturz Bismarcks, die die Bündnisse und die Bündnisautomatismen des Weltkriegs auf den Weg brachte. Was Merkel-Gabriel mit ihrer Sanktionspolitik gegen Russland machen, ist strikt analog zu einer neuen Nicht-Verlängerung des Rückversicherungsvertrags. Die Folgen stehen in den Geschichtsbüchern. Die  NATO ist ein äußerst riskanter Bündnisautomatismus: Jedes, auch das kleinste, Mitglied, kann den “Stolperdraht” oder besser die “Lunte” spielen, um den “Bündnisfall” auszulösen! Und nun wird die Ukraine zwar noch nicht offiziell aufgenommen, aber bereits jetzt wie ein Mitglied behandelt (und sie soll schnell in die EU, die ebenfalls eine militärische Dimension besitzt, die wiederum per Quasi-Automatismus mit der NATO verbunden ist).

DEMOKRATIE? – ODER GELASSENHEIT IN  IHREN SCHERBEN?

Nun soll es (jedenfalls offiziell) aber doch einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Deutschland Wilhelms II. und dem Deutschland Merkel-Gabriels geben: Schließlich sind wir jetzt eine Demokratie! Der Rückversicherungsvertrag und seine Kündigung – das alles war Geheimdiplomatie, davon wusste das Volk nichts, genauso wenig wie von den Eskalationsspielchen (“Serbien muss einlenken!”) vor dem Krieg. Und heute? Weiß das Volk, warum die Eskalationsspirale gegen Russland sich plötzlich wieder dreht, und zwar in rasendem Tempo? Tatsächlich läuft die neue Geopolitik mit Deutschland als Weltmacht 3 oder 2 wie gehabt völlig geheim gegenüber dem Volk. Niemand von uns weiß, was eigentlich die Gründe für die Eskalation sind. Dass PUUTIIN “Einflusssphären” kennt, Angela aber, wie sie behauptet, nicht? In geheuchelter moralischer Entrüstung kann nun wirklich die Ursache nicht liegen. Genau wie vor 100 Jahren riskiert unsere Regierung, dass ihr Volk (schlimmstenfalls im Wortsinne) “dumm sterben” soll. Wir wissen ja nicht einmal, warum der Ölpreis abschmiert, wir hören nur, dass PUUTIIN das hoffentlich zum “Einlenken” zwingen wird. Dabei spielt er jedenfalls bis auf weiteres das Eskalationsspiel mit und lässt “Southstream” platzen. Der “Westen” reagiert, wie es heißt, mit “Gelassenheit” – woran man sieht, dass der Westen mit diesem Schachzug nicht gerechnet hatte! Wieviele Schachzüge wird es noch geben, mit denen der Westen nicht rechnet? Und zu “Gelassenheit”: Das war Heideggers Rückzugsideal nach dem Zweiten Weltkrieg, als auch sein erträumtes Deutschland in Scherben lag – da blieb nichts anderes übrig als “Gelassenheit”.

Vor 100 Jahren: Georg Trakl Opfer der Schlacht bei Horodok (Ukraine) gegen Russland

Montag, November 3rd, 2014

Am 3. November 1914 starb Georg Trakl als eins der Millionen Opfer des 1. Weltkriegs und als eins der vielen jungen Genies der Moderne, deren Zukunft der besoffene imperiale Nationalismus und der “Griff zur Weltmacht” auslöschte. Im Alter von 27 Jahren hatte er sich in einem Lazarett in Krakau mit einer Überdosis von Medikamenten das Leben genommen. Trakl war als Sanitäter (weil er von Beruf Apotheker war) an die Ostfront gegen Russland kommandiert worden, wo er in einer der ersten entsetzlichen Materialschlachten des Krieges eingesetzt wurde, der Schlacht bei Horodok in der Ukraine (polnisch Grodek Jagiellonski, russisch Gorodok), 24 Kilometer südwestlich von Lwiw (Lemberg), am 7 . September 1914. Die Opfer an Toten und Schwerverletzten auf beiden Seiten gingen in die Tausende: Trakl sollte Hunderte von laut und leise klagenden Schwerverletzten “versorgen”: Er fühlte sich vollständig ohnmächtig und brach zusammen, versuchte bereits, sich das Leben zu nehmen. Er wurde daraufhin als krank nach Krakau ins Hospital überführt. Wie er in den zwei letzten Monaten seines Lebens in tödlicher Depression existierte, kann man sich nur vorstellen, es sind keine Konkreta darüber bekannt. Aber er schrieb noch einige Gedichte, die zu den Gipfeln der modernen Poesie zählen. Verse wie diese aus “Grodek”: “Am Abend tönen die herbstlichen Wälder/ Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen/ Und blauen Seen, darüber die Sonne/ Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht/ Sterbende Krieger, die wilde Klage/ Ihrer zerbrochenen Münder. / Doch stille sammelt im Weidengrund/ Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt/ Das vergoßne Blut sich, mondne Kühle; /Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.”

Man kann den letzten Vers nur halbwegs angemessen lesen, wenn man sich die Straßen in Richtung Russland gefüllt mit nationalistische Kriegslieder grölenden Fortschrittsbatallionen (“wir fahrn nach Lotz!”) vorstellt. Die Schlussverse: “Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,/Die ungeborenen Enkel.” Trakl erlebte diesen Krieg als “die letzten Tage der Menschheit”, wie Karl Kraus von ihm inspiriert formulierte: in einer Halluzination wie bei seinem Vorbild Rimbaud sah er visionär das Ende der Menschheit als Konsequenz dieser Art von Kriegen voraus. Wie es in einem anderen der letzten Gedichte (“Klage”) heißt: “Schlaf und Tod, die düstern Adler/ Umrauschen nachtlang dieses Haupt:/ Des Menschen goldnes Bildnis/ Verschlänge die eisige Woge/  Der Ewigkeit.” – “Sieh ein ängstlicher Kahn  versinkt/ Unter Sternen,/ Dem schweigenden Antlitz der Nacht.”

Im 2. Weltkrieg rollte die Vernichtungsmaschine der Wehrmacht wieder auf den gleichen Straßen nach Osten gegen Russland. Und diesmal wurde auch hinter der Front vernichtet: Im Mai 1943 wurde das Ghetto von Horodok “aufgelöst”, seine letzten Bewohner ins Gas geschickt – so wie das ganze Jiddischland der Westukraine.

Im Jahre 2014 verbündete sich die deutsche Regierung mit einer nationalistischen ukrainischen Regierung, deren Chefs Politik in Kampfanzügen machte und die innere Konflikte militärisch als “Anti-Terror-Operationen” lösen wollte. In dieser Regierung gab es Fraktionen, die sich in der Tradition von 1943 sahen und die von “Siegesparaden über Russland” träumten.  Der deutsche Präsident, eine Art Kaiser Wilhelm III., setzte am 1. September 2014 in  Danzig (wo die Wehrmacht am 1. September 1939 den 2. Weltkrieg begonnen hatte), indirekt Putin mit Hitler gleich und forderte, der Westen müsse ihn stoppen. Unbekannte Master Minds planten daraufhin die Entsendung bewaffneter deutscher Fallschirmjäger an die ukrainisch-russische Grenze. Die militärische Eskalation gegen Russland schien kaum noch zu stoppen zu sein.

Natürlich können Eskalationspolitiker mit Trakl nichts anfangen – Phantasielosigkeit ist die erste Bedingung von Eskalationspolitik. Aber Medienleute, vor allem weibliche, sollten noch einen Rest von Vorstellungskraft und historischem Erinnerungsvermögen besitzen. Ihre phantasielosen einäugigen, eskalationsträchtigen Berichte sind mit Trakls Versen zu konfrontieren: “Dornige Wildnis umgürtet die Stadt./ Von blutenden Stufen jagt der Mond/ Die erschrockenen Frauen./ Wilde Wölfe brachen durchs Tor.” (“Im Osten”)

 

 

100 Jahre WK I, 75 Jahre WK II: Die SCHLAGzeitung schaltet auf Modus WK III

Montag, September 1st, 2014

Machen wir uns nichts vor: Die politischen SCHLAGzeilen der SCHLAGzeitung sind die deutlichste Stimme der deutschen hegemonialen Eliten. Genau heute, am 1. September 2014 (Antikriegstag, da Jahrestag des Überfalls auf Polen 1939), bringt SCHLAG auf der Front Page (Front Page) die riesige SCHLAGzeile: PUTIN GREIFT NACH EUROPA! garniert mit einem schon nicht mehr bulldoggenhaft drohenden, sondern zynisch grinsenden PUUTIIN, der mit einem Globus spielt. Richtig: Chaplins “Great Dictator”, also PUUTIIN = HITLER! Noch am letzten Samstag gab es die “blutrote” SCHLAGzeile “PUTIN FÜHRT KRIEG” vor schwarzem Hintergrund, garniert mit nur einer riesigen “amokdrohenden” Augenpartie (nur die Augenpartie) von PUUTIIN – darunter die Köpfe von Merkel, Cameron, Obama und Hollande: “… und sie reden, reden, reden”. Klare “Botschaft”: sie müssen HANDELN, HANDELN, HANDELN! Dreimal darf der SCHLAGleser raten, was HANDELN bedeutet. Aber immerhin stand diese diskursive Mobilmachung noch auf Seite 2, während auf Seite 1 noch Uli Hoeness im Knast die Priorität hatte. Ab jetzt wird die radikale Eskalationsstrategie also erste Priorität, passend zum Antikriegstag. (Klar, wo die zynisch grinsenden Köpfe also realiter sitzen: Und man kann ihnen nicht vorwerfen, sie blickten nicht durch. In dem Artikel vom Samstag auf Seite 2 schreiben sie wörtlich: “Die Ukraine als Mitglied der NATO? Für viele ist schon der Gedanke ein Spiel mit dem Feuer! Denn: Wäre das Land derzeit NATO-Mitglied, MÜSSTEN (Hervorhebung im Original) Deutschland (!!) und die anderen NATO-Partner den ukrainischen Truppen zu Hilfe kommen. (ab jetzt fett weiter:) ES WÄRE DER KRIEGSFALL WESTEUROPA GEGEN RUSSLAND!” Soweit Zitat, und daneben “Kommentar” des freundlich grinsenden Béla Anda: “UKRAINE BRAUCHT DIE NATO!”

Kein Zweifel mehr möglich: Die klarste Stimme der deutschen hegemonialen Eliten stimmt das Volk auf eine radikale Eskalationsstrategie ein, bei der sogar das Risiko eines Krieges gegen Russland in Kauf genommen wird (selbst wenn es von den Experten sagen wir mit “nur 33,33 Periode Wahrscheinlichkeit” bewertet wird, weil man “rechnet”, dass man PUUTIIN zum “Einlenken” zwingen kann).

Totale Einäugigkeit der deutschen Mainstream-Medien

Aber ist PUUTIIN nicht wirklich darauf aus, ganz Osteuropa (und dann auch Deutschland) zu erobern? Das können nur Wahnsinnige ernsthaft glauben. Es gilt: WNLIA = Weder-noch, lieber irgendwie anders. Der binäre Reduktionismus, das heißt die totale “Einäugigkeit”: “PUUTIIN” gegen den Rest der Welt, ist eine tödliche diskursive Waffe – als ob wir nicht bis 3 zählen könnten und uns entweder für PUUTIIN oder für eine radikale Eskalationsstrategie des “Westens” im Schlepptau der abenteuerlichen “Anti-Terror-Aktionen” Kiews mit Bombardierung von Großstädten entscheiden müssten. Die Einäugigkeit und Selbstgleichschaltung unserer Medien unterscheidet sich in nichts von 1914 (in diesen Tagen, als vor 100 Jahren bereits die mörderischen Materialschlachten gegen Russland an der Ostfront tobten). Einzelne Beobachter im Netz müssen der ARD und anderen Medien die plumpesten Manipulationen nachweisen: ein altes Foto eines russischen Panzermanövers als “Beweis”, dass russische Panzer in die Ukraine einmarschieren – ein Hubschrauberabschuss in Syrien als “Beweis” für das, was in der Ukraine passiert. Kann denn irgendwer den “Beweisen” der Kiewer Regierung trauen, die pleite ist, weil von ihren Oligarchen ausgesaugt, und jetzt nur in einem Kriegszustand überleben zu können glaubt? Kann denn irgendwer “Beweisen” der westlichen Dienste trauen, die 2003 bei SAADAAAM bekanntlich Massenvernichtungswaffen unterm Bett entdeckten? Kann den irgendwer auch nur auf korrekte Übersetzungen russischer Verlautbarungen vertrauen?

Weder noch, lieber irgendwie anders – es gibt mehr als nur 2 Positionen

Weder Putin noch Poroschenko-Jazenjuk, sondern lieber sofort eine Erklärung Merkels, dass Deutschland unter keinen Umständen (wie immer Russland seine Anhänger in der Ostukraine gegen die Kiewer “Anti-Terror-Aktionen” unterstützt) – unter keinen Umständen Krieg gegen Russland auch nur als eine “Option, die auf dem Tisch ist”, zulassen wird. Das muss Merkel doch erklären, um gemäß ihrem Eid “Schaden vom deutschen Volk abzuwenden”. Und das unabhängig davon, ob auch Putin (so wie die Regierung Jazenjuk) faschistoide Tendenzen hat (hat er). Und unabhängig davon, ob auch Putin (so wie die NATO) geostrategisch kalkuliert (tut er). Doch das darf keine Rolle bei der Frage von Krieg und Frieden zwischen Deutschland und Russland spielen (oder will jemand wie Blair 2003 im Irak mit bekanntem Erfolg eine “stable democracy” nun auch in Russland schaffen: durch einen Krieg gegen das 145-Millionen-Volk?) – Und nach dieser Erklärung dann konkret eine sofortige Waffenruhe in der Ukraine als ersten Schritt fordern – von beiden Seiten, das heißt auch von Kiew. Bei Eintreten der Waffenruhe dann sofort die Sanktionen aussetzen. Das ist das erste, alles weitere kommt danach im Zuge von Verhandlungen einschließlich der “Separatisten” (Autonomisten, wie man in anderen Ländern sagt). (Oder sollte man Cameron ermutigen, im Falle eines Siegs der schottischen Separatisten eine Anti-Terror-Operation gegen Edinburgh mit Luftbombardements und Artilleriefeuer zu unternehmen? Genau das macht man in der Ukraine.)

Und warum haben die Medien eigentlich das Flugzeug offenbar “vergessen”?

Wie erbärmlich unsere Massenmedien sich benehmen, dafür schließlich der allerdickste Hammer (anders kann ich das nicht formulieren): Nachdem der angebliche Abschuss des malaysischen Flugzeugs durch die russische oder “prorussische” Seite den entscheidenden Wendepunkt für die Radikalisierung der westlichen Eskalation gebildet hatte (wir erinnern uns an das Spiegel-Cover STOPPT PUUUTIIIN JETZT! mit den Porträts der toten niederländischen Passagiere) – nachdem die Boxen (darunter die Black Box) schon seit Wochen sichergestellt wurden und Wochen über Wochen vergingen – ist dieser casus belli (Kriegsgrund) seit geraumer Zeit “kein Thema” mehr für unsere Medien! Wahrscheinlich haben die Chefredakteure gesagt: “Da ist die Luft raus.” Und alle gehorchen und “vergessen” einfach das “Thema” (denn sonst müsste man ja die Frage stellen, warum die Tondokumente des Kiewer Towers verschwunden sind: hat etwa PUUTIIN sie geklaut?! und warum die Zeugen, die eine Militärmaschine in nächster Nähe des Passagierflugzeugs sahen, nicht ernsthaft einbezogen werden? Und warum die Kiewer “Anti-Terror-Truppen” die Absturzstelle wochenlang beschossen haben?

100 Jahre nach Sarajewo stellt die EU “Russland ein Ultimatum”: Das haben die Verantwortungs-GAUCKler aus der Urkatastrophe des westlichen Ultimarationalismus “gelernt”.

Sonntag, Juni 29th, 2014

Während die Historiker daran erinnern, dass die “Urkatastrophe des 20 Jahrhunderts” aus einer fatalen Verkettung von Militärbündnis-Automatismen, Eskalationen und Provokationen, “Wetten” auf das “Einlenken” des Gegners, Ultimaten und totaler “Einäugigkeit” der Medien entstand, haben die westlichen Großmächte des 21. Jahrhunderts daraus folgendes “gelernt”, wie sie in ihren Reden schwingen: Die Militärbündnis-Automatismen der NATO müssten verstärkt und vor allem auf die Nachbarstaaten Russlands ausgedehnt werden; gegen die russischen Eskalationen und Provokationen müsste der Westen gegen-eskalieren und gegen-provozieren; “PUUTIIN” müsste zum “Einlenken” gezwungen werden; “PUUTIIN” müsste ein Ultimatum gestellt werden (schon gemacht); und wer im öffentlichen Diskurs die prowestliche Einäugigkeit breche und den obersten Verantwortungs-GAUCKler als Kriegstreiber kritisiere, müsse als “Nazi” bezeichnet und der Staatsanwaltschaft angezeigt werden.

Dabei ist es doch einfach ein schlichtes Faktum, dass Gauck es auf sich genommen hat, sich rund um die Uhr aufs Schießen einzuschießen. Dass er dabei seine Kompetenz klar überschreitet und den Hindenburg spielt, was einem Bundespräsidenten ja eben gerade nicht mehr erlaubt sein sollte. Dass er gegen die überwältigende Mehrheit der Volksmeinung “schießt”. Dürfte man ihn dafür “Spinner” nennen? Da sei sein Gott vor! Aber zwei Bezeichnungen muss er sich gefallen lassen: “Verantwortungs-Backe” (so der probajuwarische Separatist Gauweiler im “Stern”: wo er recht hat…), das heißt mit aufgeblasener Backe “Verantwortung” zu fordern im Sinne von “zur Waffe greifen” – und eben Verantwortungs-GAUCKler (dieses Blog).

Wer wirklich etwas aus der 100 Jahre alten Urkatastrophe, jenem “Schoß, der fruchtbar noch”, lernen möchte, der sollte nun “Die letzten Tage der Menschheit” von Karl Kraus lesen oder wieder lesen. Dort wird jene Dialektik der westlichen Aufklärung aufgeklärt, in der aus der Ratio immer wieder die Ultima Ratio der kriegerischen und konterrevolutionären Gewalt entstanden ist. Gauck beleidigen? Ebert beleidigen? Beleidigt werden durften und dürfen nur die Karl Krause und Rosa Luxemburgs, die den westlichen Ultimarationalismus aufgeklärt haben. Sie waren in diesem Sinne nicht pro-westlich – also waren sie, würden die Verantwortungs-GAUCKler “wie aus der Pistole geschossen”, rufen: “pro-russisch”. Tertium non datur: darauf beschränkt sich diese Art Ratio – eine Ratio, die nicht bis 3 zählen kann.

(Als “V-Träger” = “Verantwortungs-Träger” wurden alle V-GAUCKler und V-Backen vorerinnert in meinem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung”, assoVerlag Oberhausen.)

“Selbsternannter Separatistenchef nimmt deutsche Geiseln”, oder: Wie und wozu man mit selbsternannten Militärbeobachtern ein “exponiertes Glied” schafft. Wieweit wird die selbsternannte Weltjunta G7 jetzt eskalieren?

Montag, April 28th, 2014

Erinnerung an “selbsternannt”: Es handelt sich um eine schwere diskursive Waffe der Schreibtischtäter – die Bombardierung Serbiens begann mit der 100fach wiederholten Floskel vom “selbsternannten Parlament der bosnischen Serben.” Unglaublich die Einäugigkeit der Schreibtischtäter, die ihren Feinden Einäugigkeit vorwerfen: Wenn es in dieser globalisierten Welt eine mächtige selbsternannte Instanz gibt, dann ist es die weltbeherrschende Weltjunta G7. Nie gab es für die G7 die geringste demokratische Legitimation. Sie wurde vielmehr 1975 auf Initiative von Helmut Schmidt und Giscard d’Estaing zunächst als wirtschaftliches Welt-Direktorium geschaffen (Musterbeispiel von “selbsternannt”), und maßte sich dann mit der Zeit alle Entscheidungskompetenzen, besonders auch die militärischen, an. Die UNO wurde zu ihrem bloßen Transmissionsriemen.(Russland saß mit Jelzin immer bloß am “Katzentisch”, von dem es jetzt kurz und bündig wieder rausgekickt wurde.)

Und nun SCHLAGEN uns die SCHLAGzeilen der diversen SCHLAGzeitungen weitere schwere diskursive Waffen um die Ohren: GEISELNAHME “DEUTSCHER OSZE-BEOBACHTER!!!” Mal halblang: Es waren keine OSZE-Beobachter, sondern eingestandenermaßen “Beobachter”, die “auf der Basis einer bilateralen Einladung” aus Kiew zusammen mit Kiewer Soldaten (Spezialkräften? Dienstekader?) “beobachten” sollten, wie die “separatistischen” und die ukrainischen Truppenpositionen und deren Kampffähigkeit einzuschätzen sei. Das können natürlich nur völlig einäugige und selbsternannte Separatisten für Spionage halten. Wie panische Ameisen versuchen nun Merkels, Steinmeiers und Von der Leyens Profis dieser abenteuerlichen und eskalierenden, total “selbsternannten” Aktion nachträglich ein dürftiges OSZE-Mäntelchen umzuhängen.

Verrückter Albtraum: Hohe Bundeswehroffiziere (ein Oberst!) übernehmen an der russischen Grenze, fast in Sichtweite von Stalingrad, in Städten, deren Juden und Kommunisten 1941 im Rücken der Wehrmacht von SS und ukrainischen “Freiwilligen” massenweise abgeknallt und in riesige Gruben geschmissen wurden (man lese Littell), einen kriegsvorbereitenden Auftrag – dagegen verblasst ja selbst das Tanklastermassaker des Obersten Klein in Afghanistan.

Und so haben wir jetzt DEUTSCHE GEISELN. In der Zeitschrift kultuRRevolution (Klartext Verlag Essen: siehe zeitschrift-kulturrevolution.de) wurde ein diskursives Schema entwickelt, nach dem Kriege angezettelt werden können. Dazu gehört die klare Zweiteilung zwischen “unserem System” (dem “demokratischen Westen”) und dem feindlichen System (“Russland” und alle “Prorussen”). Ein “exponiertes Glied” ist nun eine Enklave des eigenen Systems außerhalb seiner Grenzen, typischerweise eine GEISELNAHME außerhalb des eigenen Systems. An seinem exponierten Glied leidet symbolisch das ganze eigene System, so dass das Glied da draußen mit allen Mitteln, notfalls militärisch, “herausgehauen” werden muss. Die Schaffung eines exponierten Gliedes gehört also zu den riskantesten Eskalationsschritten im Vorfeld eines Krieges, die sich überhaupt denken lassen.

Albtraum-Szenario: Hat die Kiewer Regierung (in der Swoboda sitzt, und die zweifelsfrei “russisches Roulett” spielen möchte) die Bundeswehroffiziere genau deshalb “eingeladen”, um sie zu GEISELN zu machen, damit die Bundeswehr “gezwungen” wird zu … (nicht auszudenken). Albtraum-Szenario hoch 2: Haben die Bundeswehroffiziere das geahnt und “mitgespielt”?

QUOUSQUE TANDEM? (siehe dazu das vorige Post) Es braucht einen hippokratischen Eid der Medienleute, keine hoch explosiven diskursiven Waffen zu verwenden.

Albtraum? “Russland will 3. Weltkrieg anzetteln” – Was suchen die Stabsärztebrüder in Slavjansk oder: Wohin führt die “gewachsene deutsche Verantwortung”? Quousque tandem: Schreibtischtäter wie 1914

Samstag, April 26th, 2014

“Russland will 3. Weltkrieg anzetteln”: Das ist kein Albtraum, sondern die realexistierende Schlagzeile der Fatz an diesem 26. April 2014 (nicht: 1914). In Gänsefüßchen, aber bloß in der Unterzeile als Zitat von Jasenjuk ausgewiesen. Und Jasenjuk ist immerhin der aktuell wichtigste offizielle Adressat der “gewachsenen deutschen Verantwortung”. Schlagzeile am gleichen Tag (Watz): “Ukraine: Rebellen setzen deutsche Beobachter fest”. Aber BILD setzt weiter auf Normalität: Schlagzeile was mit Trennung von Heino (oder Heintje was weiß ich), bloß unten das mit den “Deutschen”, die hier in der Hand von “Putin-Rebellen” (immerhin: nicht “Terroristen”) sind. Man kann daraus schließen, dass BILD eher auf Deeskalation, und die Fatz eher auf Eskalation setzt. Also alles normal und zurück zu Heino-Heintje-Heinckes?

Das mindeste, was man denken und auch sagen muss, ist aber: Diese Eskalation darf nicht der mediopolitischen Klasse überlassen werden – denn das sind ja mehrheitlich kleine oder große “Verantwortungs-Träger”. Hier muss ich wieder an meinen Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag Oberhausen, 29 Euro 90) erinnern. Darin sind Eskalationen des deutschen “V-Trägers” (“Verantwortungs-Trägers”) und seiner “Wehr” voraus-simuliert, und es wird spannend, satirisch und poetisch erzählt, wohin uns der V-Träger führen wird, wenn ihm die “Verantwortung” für Eskalationen überlassen wird. Und da spielen auch die “Stabsärztebrüder” mit: drei Brüder, die alle in der Bundeswehr engagiert sind. Sie werden übrigens nicht an die russische Grenze simuliert – das war den Ursprünglichen Chaoten, die die Geschichten erzählen, einfach nicht vorstellbar. (Also: Auch mir persönlich war das nicht vorstellbar.)

Aber jetzt ist es “Fakt”: Unter welchem OSZE-Mantel auch immer diese realexistierenden Stabsärztebrüder in Slavjansk “Verantwortung übernommen” haben – weiß denn niemand, was die Wehrmacht in diesen Städten angerichtet hat? Ist es denn überhaupt zu fassen, dass deutsche Soldaten (in welchem Mantel auch immer) in diesen Städten wieder militärische “Verantwortung übernehmen”?

“Wir können sowieso nix machen – die Politiker machen doch sowieso, was sie wollen”??!! Wir können uns immerhin zum Beispiel die Redakteure (oder -innen) der Fatz bei der Arbeit vorstellen – wie sie über die Schlagzeile der FrontPage (nomen est omen) entscheiden. Dass Jasenjuk das gesagt hat, ist ein Fakt – aber ist es ein “nackter Fakt”? Muss man nicht unbedingt hinzufügen, dass sich in einem solchen Spruch doch klar der Wunsch des Sprechers ausdrückt, es möge einen 3. Weltkrieg geben, damit NATO und Bundeswehr zum “Kriegseintritt gezwungen” werden? Muss man nicht medial fordern, sofort jede Art von “Mechanismus” abzustellen, die Leuten wie Jasenjuk diese Hoffnung gibt? Muss die mediale Klasse nicht laut und deutlich sagen: Wie immer Putin sich einem Diktator nähert, Deutschland wird niemals – unter keiner denkbaren Begründung und “Verantwortung”, “gezwungen” von keinem “Mechanismus” – in einen Krieg gegen Russland “eintreten”? Stattdessen werden einfache Leute, bei denen noch nicht sämtliche Tassen im Schrank kaputt sind, mit dem 1914-typischen Hetzwort “Putin-Versteher” belegt.

Ohne mediale Schreibtischtäter wäre der 1. Weltkrieg weder mit solcher “Begeisterung” “ausgebrochen” noch hätte er so lange dauern und so viele Millionen Tote kosten können. Ein Aufstand der Zivilgesellschaft gegen die neuen Schreibtischtäter ist etwas Denkbares. Ich habe ein lateinisches Zitat eingesetzt (Quousque tandem: lustig! das Programm will tandem unbedingt groß schreiben!) – Bildungsschrott, der aber vielleicht im Netz Neugier erweckt: So begann Cicero seine berühmteste Rede, und es heißt: “Wie lange eigentlich noch?” Ja, wie lange eigentlich noch soll das weitergehen mit der “gewachsenen deutschen Verantwortung”?

Jetzt ist die Intelligenz und die Ironie von Karl Kraus wieder gefragt. Kraus musste 1914-1918 unter scharfer Zensur schreiben. Aber er erfand wunderbare Tricks: So meldete er, wenn in Wien lange Schlangen vor den Geschäften standen und viele Todesanzeigen die Zeitungen füllten, dass – in Paris, London und Sankt Petersburg riesige Schlangen vor den Läden ständen und die Zensur Todesanzeigen verbieten würde. WNLIA: Weder noch lieber irgendwie anders. Weder Putin noch Jasenjuk, sondern eine Garantie, dass ein Krieg gegen Russland in keinem denkbaren “Szenario” in Frage kommt – jedenfalls nicht mit deutscher Beteiligung.

 

 

Selbstanzeige Schröder: “Wir (= Joschka und ich, Grüne und SPD) haben 1999 gegen das Völkerrecht Serbien bombardiert”.

Montag, März 10th, 2014

Was wäre wohl losgewesen, wenn der damalige Kanzler Schröder gemeinsam mit seinem Außenminister “Joschka” 1999 im Bundestag als offizielle deutsche Regierungspolitik erklärt hätten: “Wir verstoßen jetzt mal gegen das Völkerrecht und schicken unsere Flugzeuge nach Serbien, dass die mal einen souveränen Staat bombardieren – ohne dass es einen Sicherheitsratsbeschluss gegeben hätte”? Heute, 15 Jahre danach, hat er die zynische Ehrlichkeit, das genauso und wörtlich zu erklären. Damals klang es anders, als Scharping im Bundestag rumschrie: “Schauen Sie diese Bilder an! Schauen Sie sie an!” und die angetrunkene Angelika Beer für die Grünen vor laufender Kamera hysterisch rumtorkelnd mit sich überschlagender Fistelstimme schrie: “Wenn wir eine Bombenpause machen, ist der Völkermord in 24 Stunden vollendet!” – und Joschka heiser was von Auschwitz brüllte.

Wir sollten uns demnach bereits jetzt auf eine Wiederholung dieses “gespaltenen Szenarios” einstellen. Es werden vielleicht bereits jetzt wieder passende “Bilder” vorfabriziert (eine ukrainische Ärztin berichtete über einen estnischen Politiker ja bereits davon, dass die Scharfschützen am Maidan von “unserer” Seite eingesetzt worden sein könnten: Das hat der neue Generalstaatsanwalt der Ukraine, ein bekennender Neonazi, natürlich sofort dementiert. Er hat statt dessen festgestellt, dass diese Scharfschützen Russen waren, die von der Krim kamen: na klar.)

Was Schröder betrifft, so soll seine Ehrlichkeit nicht etwa als späte Reue verstanden werden, sondern (zur Verteidigung Putins) als Bekenntnis zur “normalen Souveränität” der fünf Vetomächte und Deutschlands in Sachen Völkerrecht. Sie respektieren es, wenn es mit ihren Interessen übereinstimmt – und eben nicht, wenn nicht.

Ähnlich wie in Ägypten, Libyen und Syrien scheint auch in der Ukraine die volldemokratische, kulturrevolutionäre Platzbesetzungsbewegung von Paramilitärs und Militärs zweckentfremdet und dann abgewürgt zu werden. Und diese Paramilitärs, die nun das Militär befehligen, sind großenteils Nostalgiker der SS-Division “Galizien”. Wie in Ägypten scheint die Mehrheit der Maidan-Besetzer aus jungen Leuten zu bestehen, die unter dem Label “Europa” in die 1. Normalitätsklasse springen möchten (das sagte eine junge Frau wörtlich: “Ich bin hier, weil ich ein normales Leben in einem normalen Land führen will – sonst wandere ich aus.”) Die Neonazipartei “Swoboda” (jetzt zu einem Drittel in der Regierung) und der “Rechte Sektor” drehen stattdessen – gemeinsam mit Putin, dem sie ständig “Steilvorlagen” geben – an der Eskalationsschraube zu einem nationalistischen Ukrainisierungskrieg. (Übrigens ist es trotz allem Bekannten einfach wie eine Halluzination, dass “wir” eine Regierung unterstützen, die in Athen eine Regierung Samaras-Chrisí Avgí und in Deutschland eine Regierung CSU-NPD wäre – wobei der CSU noch Unrecht getan wird. Und dass dieser einmalige Tabubruch seit 1945 mediopolitisch einfach “kein Thema ist”!)

Sind wir wieder soweit, dass nur noch die Hoffnung auf Kriegsangst der “Märkte” bleibt?

Wenn (99 Jahre nach 1914) wieder “die Optionen auf dem Tisch liegen”

Sonntag, August 25th, 2013

Nächstes Jahr wird “die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts” 100 Jahre alt. Hätten sie gewusst, was sie im August 1914 losgetreten hatten, so hätten sie lieber einen Kompromiss geschlossen, meinten (sicher ehrlich) einige Kaisergeneräle von damals post mortem. (Giftgasangriffe, zuerst von Deutschen, dann von allen praktiziert, gehörten auch dazu.) Aber sie hatten eben die Optionen der Eskalationsszenarien durchgerechnet, auch wenn man das damals noch nicht so nannte. Die deutsche Regierung, die eine Art Militärregierung war, hatte ein “window of opportunity” (Chancenfenster) entdeckt, das sich demnächst zu schließen drohte (auch wenn man das ebenfalls noch nicht so nannte).

Es ist kein Zufall, dass auch die Generalstäbe von heute in “Szenarien” mit “Optionsbäumen” nach Wahrscheinlichkeitskalkülen rechnen (inzwischen mit Computerunterstützung). Aber dass es dabei angeblich um “Skripten” und “Narrative” geht, lässt tief blicken: Diese Art “apokalyptische Literatur” beweist wider Willen, dass auch modernste Hightechkriege nicht normalisierbar sind und es auch nie werden. “Die Optionen sind auf dem Tisch” – das heißt, dass da schlechte Literaten am Schreibtisch sitzen und Apokalypsen simulieren. Aber ihren “Optionen” entsprechen militärische Automatismen, gegen die der Schlieffenplan tatsächlich “alt aussieht”. Denn “auf dem Tisch liegen” Eskalations-Stufen wie “Straße von Hormus geschlossen”, “Iran wird hineingezogen” usw. – nach oben offen,

Bleibt zu hoffen, dass diesmal (anders als 2003, wo sie “jubilierten”) die Souveräne letzter Instanz, also “die Märkte”, kalte Füße bekommen und trotz Giftgas-Narrativ den Wiederholungszwang aushebeln.

“Angela”: zu deutsch ab jetzt = Killdrohne

Samstag, Januar 26th, 2013

Angela heißt auf griechisch bekanntlich “weiblicher Engel”. Ein weibliches Geistwesen, das vom Himmel kommt. Aber schon in der Bibel (Apokalypse) gibt es auch Engel, die Rache und Vernichtung über die Erde bringen. Unsere Angela hat sich nun (nach der Bundeswehr-Generalität und nach de Maizière) erstmals klar persönlich für die “Anschaffung” (jedes Wort in diesem Killdiskursen ist ein Hammer) von “Kampfdrohnen” ausgesprochen. Auch bei diesem Thema kann sich das hiesige Blog immer nur wiederholen (siehe die Posts vom 31.8 2012, 8.8. 2012, 29.7. 2012, 3.6. 2012 usw. bis zurück zum Afghanistanappell, der als einziger die Drohnenkriegführung erwähnte).

“Kampfdrohnen”? Das muss schon jetzt zum Unwort des Jahrhunderts erklärt werden. Wie es im Post vom 29.7. hieß: “Wo bitte findet zwischen einer computergesteuerten Killmaschine und einem (oder mehreren) Menschen, die nichtsahnend sind, ein “Kampf” statt? Und selbst Terrorismusverdächtige, womit zu großen Teilen Guerillakämpfer gemeint sind, die im Kosovo, in Libyen und Syrien sofort “Freiheitskämpfer” sind, sobald sie auf Seiten der NATO kämpfen, gehören vermutlich bis auf weiteres noch zur Species Homo Sapiens? Wo also bitte findet da ein Kampf statt? Dass ein “target”, als das die Computer ihre “Ziele” rein maschinell killen, von anonymen Geheimdienstinformanten auf Killlisten gebracht wurden, wobei das Risiko eines absichtlichen “Irrtums” sehr groß ist, wurde in diesem Blog oft genug erklärt.”

Es handelt sich also um Killdrohnen – am Begriff “Kampfdrohnen” erkennen wir ab jetzt den von den Toten auferstandenen Hässlichen Deutschen.

Wie in diesem Blog längst prognostiziert wurde, werden CDU und SPD die künftigen deutschen Killdrohnenkriege (der erste wird Afghanistan nach dem “Abzug” sein – wenn  nicht noch Mali vorher drankommt) ohne die geringsten “Bauchschmerzen” absegnen. Und Omid Nouripour von den GRÜNEN fordert eine “völkerrechtliche Regelung” durch den UNO-Sicherheitsrat (!!!), die er natürlich bekommen wird (denn wer sitzt im UNO-Sicherheitsrat?!!) – und dann werden auch die GRÜNEN Drohnenkriege der Bundeswehr absegnen.

Aber man muss die GRÜNEN daran erinnern, dass Killdrohnen eine der gefährlichsten RISIKOTECHNOLOGIEN sind, die sich überhaupt denken lassen: 1) wegen der Verseuchung der Böden durch die Schwermetalle der Raketen (wie bei allen Raketen und Bomben); 2) wegen der “Kollateralschäden” (mit gekillte Kinder und Frauen); 3) vor allem wegen der Geheimhaltung der Zielbestimmung und der Erstellung der Killlisten durch anonyme Informanten; 4) weil Killdrohnen die Eskalationsgefahr in jedem Konflikt sehr stark erhöhen: sie verschaffen den Generälen ein Gefühl der Allmacht (ja: sie werden sich fühlen wie die Racheengel der Apokalypse), der eigenen Unverwundbarkeit, das Gefühl, nun endlich so etwas wie eine individualisierbare Atomwaffe zu besitzen und NIE MEHR EINEN KRIEG VERLIEREN ZU KÖNNEN!

Wann wird die deutsche Öffentlichkeit (und besonders die weibliche) so weit fortgeschritten sein, dass die Meldungen über die Killdrohnen eines deutschen GROßEN BRUDERS auch nur ein Zehntel des Ekelaufschreis auslösen wie die senilen Viagrafantasien eine kleinen Brüderle?

(Mali, Algerien:) GAU-Games in Nordafrika

Freitag, Januar 18th, 2013

Eigentlich könnte hier der Post vom 1.11.2012 (“Mali: Jetzt implementiert der deutsche V-Träger auch sein Nordafrika-Szenario”) einfach wiederholt werden. Es wurde dort zitiert, wie in dem satirisch-ernsten Szenario- und Simulationsroman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag Oberhausen) der “V-Träger” (Verantwortungs-Träger) GAU-Games spielt (GAU = Größter Anzunehmender Unfall, mythisch “Apokalypse”). Der V-Träger muss in diesen Computerspielen einen GAU auslösen, um durch dieses Training zu lernen, einen GAU in der Realität zu vermeiden. Eines der Spiele dreht sich um ein “Nordafrika-Szenario”, wo es u.a. (die GAU-Games sind ja realistisch) um Ölfelder, Geiselnahmen, Militärinterventionen und Protektorate geht. Und es geht dabei um Frankreich, Deutschland und Algerien. Deutschland wird im Zuge einer Geiselnahme zur “Solidarität” mit Frankreich gezwungen, und so kann es weiter gehen zum GAU: Gewonnen! Aber der V-Träger bekommt Anwandlungen von Panik, weil er fürchtet, in der Realität mal an der GAU-Schraube drehen zu wollen.

Zu dieser literarischen Simulation gehörte bereits in den 1990er Jahren, als sie geschrieben wurde, keine spezielle Profetengabe – es waren schon damals alle Faktoren zu einem solchen GAU-Game virulent: Deutschlands Wiederaufstieg zur auch militärischen Weltmacht (erster Akt Somalia 1992), die Bedrohung durch den “islamischen Krisenhalbmond”, die Konversion der GRÜNEN Pazifisten zu Heißen Kriegern und vor allem zu ideologischen Sykophanten im Dienste der Welt-Junta (diese Konversion kann in ihrer Fatalität überhaupt nicht überschätzt werden: sie setzte die Welt-Junta-Ideologie in den Medien und damit in der veröffentlichten Meinung erst richtig durch).

Konkret Mali: Warum in aller Teufel Namen besuchte Omid Nouripour, “sicherheitspolitischer Sprecher” der GRÜNEN, ausgerechnet Anfang Januar 2013 ausgerechnet Bamako, die Hauptstadt von Mali: Was suchte er dort? (Während Hollande kurz vorher in Algerien war.) Zwar warnte Nouripour, Durchhalte-Meister bezüglich Afghanistans, nach seinem Abstecher nach Bamako davor, den (damals bereits beschlossenen) Malikrieg allzu blauäugig loszutreten. Es könnten “Magneten terroristischer Anschläge” dadurch entstehen (Interview SWR 15.1.2013). (Unterton: Man müsste den Krieg also gut vorbereiten; die malischen Soldaten würden zu schlecht bezahlt.) Inzwischen fliegen Transallmaschinen der Bundeswehr (ohne dass der Bundestag auch bloß einmal darüber diskutiert hätte) diese schlecht bezahlten malischen Soldaten in Nordwestafrika herum. Was passiert, wenn was passiert?

In “reißender Zeit” (Hölderlin), bei entfesselter Massendynamik, spielen auch einzelne V-Nehmer womöglich (kontingent) eine wichtige Rolle. Beispiel “BHL”, also Bernard-Henri Lévy, französischer Tui, der es ja tatsächlich geschafft hat, Sarkozy zur Libyen-Intervention zu überreden. Darauf ist BHL mächtig stolz – endlich kann der ENS-Eliteschüler seinem Platon Vollzugsmeldung liefern: “Bevor nicht die Philosophen Könige und die Könige Philosophen werden, …”!! Jetzt fordert BHL eine volle deutsche Beteiligung in Mali (ebenso wie Daniel Cohn-Bendit im Europaparlament). Was BHL nicht sagt, ist das Wichtigste: Die Libyen-Intervention ist der direkte Auslöser der Situation in Mali: Denn die diversen fundamentalistischen Truppen dort bekamen ihre Waffen aus dem durch die Intervention ausgelösten “Chaos” in Libyen. BHL muss also B sagen, nachdem er A gesagt hatte; als Philosoph ist er konsequent. Und der kleine Philosoph Nouripour (er hat sein Philosophiestudium abgebrochen, um Politiker zu werden) wird ihm folgen: wetten?

Wie im Roman: dieses Szenario hat das Zeug zum SuperGAU. Was wäre der SuperGAU? Der 3. Weltkrieg des “Westens” gegen den gesamten “islamischen Krisenhalbmond” von Marokko bis Afghanistan und darüber hinaus. Sollte Breivik wirklich der einzige gewesen sein, der dieses Ziel ohne Abstriche verfolgt? Aber wenn man den Roman liest, in dem die GAU-Games vorkommen und der erzählt, wie es dazu kommen konnte, dann sieht man: Nicht die Breiviks, einschließlich philosophischer, sind die eigentliche Gefahr, sondern die Szenario-Strategen in den Armeen und Diensten, die meinen, sie könnten ein Teil-Szenario isoliert durchziehen – es sind die ungeplanten “Dominoeffekte”, die die Eskalation in Richtung GAU in Gang setzen

Das beste “Einsatzversorgungsverbesserungsgesetz” ist doch der sofortige Rückzug!

Donnerstag, Oktober 20th, 2011

Jetzt will der Bundestag ein “Einsatzversorgungsverbesserungsgesetz” beschließen, weil die Zahl der in Afghanistan traumatisierten Soldaten der Bundeswehr Rekorde schlägt (schon 587 in den ersten 9 Monaten von 2011 – das sind mehr als 10 Prozent der Gesamtstärke – natürlich muss die Rotation berücksichtigt werden). Woher kommen denn die Traumatisierungen? Von schlechter Versorgung? Oder von der Eskalationsstrategie der NATO? Und wieviel mal mehr kostet die sture Fortsetzung und Eskalation als die teuerste Versorgung? Schon redet de Maizière ominös davon, dass die Bundeswehr durch die “Reform” einen “anderen” Soldatentyp gewinnen will. “Traumafeste” Männer mit kruppstahlharten Körperpanzern? Das ist die altbekannte Logik der deutschen Generäle: Erstes Prinzip: Durchhalten bis zum Endsieg. Wenn was schiefgeht: siehe erstes Prinzip.