Archive for the ‘Zwischenruf der Ursprünglichen Chaoten’ Category

Luftschläge auf Tripolis: Wo bleibt der Kinderschutzbund?

Dienstag, März 22nd, 2011

Die Leser/innen dieses Blogs wissen, dass hier versucht wird, Fakten und Argumente einzubringen, die in den „normalen“ Diskursen ganz fehlen oder die im Getöse des Mainstreams untergehen.

Jetzt fallen die deutschen Wüstenstürmer von Reitz bis Özdemir und Andrea Nahles sogar über Guido und Angela her, weil „wir“ nicht beim Bomben auf Tripolis dabei sind. Dabei sollten wenigstens die Grünen und „SPD-Linken“ (und ihre Wählerinnen) an mindestens zwei Fakten denken:

Erstens sind Luftschläge in großstädtische Gebiete hinein mindestens (mindestens!!!) tausendfacher schwerer Kindesmissbrauch. Kann sich Andrea Nahles nicht vorstellen, was es für ihr Baby für Folgen hätte, wenn sie mit ihm im Keller sitzen und auf das Ende der Raketeneinschläge in nächster Nähe warten müsste? Nach einem Amoklauf in einer Schule rücken jeweils ganze Brigaden von Seelsorgern und Psychologen an, um die Traumatisierungen der immerhin schon Teenager zu lindern und lebenslange Schäden mindestens einzugrenzen. Und was ist ein Amoklauf gegen Raketen- und Bombeneinschläge in nächster Nähe? Man frage die heute 70 jährigen, die als Kinder noch Bombenangriffe in dem Jahren 1943-1945 erlebt und überlebt haben, ob sie das Trauma je „bewältigt“ haben. Damals ging es gegen Hitler, richtig – Gaddafi ist vielleicht alles mögliche, sicher ein „Despot“, aber kein Hitler. Ob er als „Charakter“ ein Hitler ist, spielt dabei keine Rolle: Er besitzt nicht das welteroberungsfähige militärische Potential der Weltmacht Deutschland, das Hitler zur Verfügung stand, und steht nicht im Eroberungskrieg gegen andere Länder. Hitler als Welteroberer war tatsächlich ein absoluter Grenzfall, der als Modell für Ölkriege nun wirklich nicht taugt.

Zweitens besonders ins Stammbuch der Grünen: Raketen- und Bombenschläge in großstädtische Gebiete hinein richten dort enorme und langandauernde ökologische Schäden an.

Aber „Zivilisten und Demokratie unterstützen“? Gibt es unter den Bewohnerinnen des Großraums Tripolis (immerhin Zweidrittel der Bevölkerung Libyens) keine Zivilisten? Ach nee: das sind entweder „Söldner“ Gaddafis oder von Gaddafi „als Schutzschilde Missbrauchte“, auf die wir keine Rücksicht nehmen können, wenn es darum geht, „Zivilisten zu schützen und uns für Demokratie und Menschenrechte zu engagieren“.

Wohlgemerkt: All das unter der total kontrafaktischen Annahme, dass es „präzise chirurgische Luftschläge“ gibt, die genau bloß Gaddafis und ähnliche bad guys treffen und dabei keine Zivilisten oder andere zugestandenermaßen Unschuldige mit massakrieren.

Wäre es nicht langsam eine Überlegung wert, Luftschläge in städtische Gebiete hinein als schwere Kriegsverbrechen ein für allemal zu ächten (mindestens!!! wegen der Kinder)?

Das Nordafrika-Szenario des V-Trägers wird real

Mittwoch, März 9th, 2011

Der V-Träger ist der Verantwortungs-Träger. Er ist eine Hauptperson des Romans „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“ (assoverlag Oberhausen 2008). Dieser Roman versucht in einer seiner mehreren Dimensionen begreifbar zu machen, wie „dieses unser Land“ unter der Verantwortung des V-Trägers wieder zu einer führenden Weltmacht wurde, so dass es heute bei allen Kriegs-Szenarien überall von vornherein völlig normal „engagiert“ ist. Aktuell beim „Nordafrika-Szenario“.

Ein solches „Nordafrika-Szenario“ wurde in dem Roman vorerinnert (siehe S. 837ff.). Die Ursprünglichen Chaoten, Gegenspieler des V-Trägers, versuchen, gegen die Simulationen und Szenarien des V-Trägers eigene satirische Simulationen zu stellen, indem sie z.B. auch den V-Träger simulieren. Das ist eine der Dimensionen des Romans: die Dimension einer Art von interaktivem Anti-Computerspiel. Man erkennt die vorerinnerte Simulation als Realität wieder – einschließlich der Unterschiede zur Simulation – und begreift auf diese Weise ihre Struktur und Kausalität, einschließlich der Schwachpunkte des V-Trägers.

Aber nun das Szenario. Es kommt im Kapitel „das definitive schlusswort des v-trägers“ vor (seite 835-839). Zwei Ausschnitte (GAU heißt Größter Anzunehmender Unfall):

„ich spiele jetzt seit fast 2 wochen GAU-games, das sind die einzigen wirklich intelligenten und wirklich realistischen computerspiele, die ich kenne.  gewonnen hat, wem es gelingt, einen GAU auszulösen.  das ist eine äußerst schwierige aufgabe, weil zuerst nur normale züge erlaubt sind und als erstes sektorielle notstände durch normale züge plus zufallsgeneratoren erreicht werden müssen.  bei einem sektoriellen notstand kann man normale notstandsmaßnahmen ergreifen.  wenn man möglichst viele sektorielle notstände (z.b. massenarbeitslosigkeit plus abschneiden der sozialen netze, ethnische pogrome, AIDS, rinderwahnsinn oder ähnliches) auf die beine gestellt hat, erhöht sich die chance, dass durch die kopplung mehrerer sektorieller notstände per zufallsgeneratoren ein großnotstand erreicht werden kann [… usw.]

das beste an meinen spielen ist der realismus, dass es nicht um idiotische planeten und meteoreneinschläge und diese ganzen gentechnikunfälle geht, wo nicht bloß zwillinge, sondern mindestens 7linge oder 8linge mit einem killergen geklont werden, sondern z.b. darum, wie die europäische wiedervereinigung in einen GAU ausbüxen kann, wenn ich die normale strategie blut und eisen meines eisernen kanzlers anwende, wo ich also, um den sack flöhe unter einen hut zu kriegen, einen äußeren feind und einen gemeinsam geführten krieg als katalysator der einheit brauche, wo sich dann keiner ausschließen kann, was wirklich genial von meinem eisernen kanzler damals war [… usw.]

einmal habe ich vor 2 tagen mit einem nordafrikaszenario schon den GAU geschafft: durch eine geschickte kombination normaler züge wie ein allgemeines kopftuch- und vollbartverbot in den meisten euroländern plus fremdsprachenverbot in der öffentlichkeit (außer englisch und europäischen sprachen, wo es tolle absurde streitfälle gibt nicht bloß über türkisch) plus zufallsgenerator X (z.B. besonders ausgefallene echte und unsichtbare-kräftesäfte-viren) sind islamische fundamentalisten in algier an die macht gekommen und ihre fanatischen jungen mujaheddin haben die französischen und deutschen ölspezialisten als geiseln genommen und nur die deutschen freigelassen und die franzosen dann massakriert.  da war dann zugzwang zum großnotstand im ganzen euroland und zum schulterschluss mit meinem franzmann und zum gemeinsamen V-schlägekrieg und auch zur gemeinsamen eroberung und zum gemeinsamen protektorat, von wo es dann viel schneller zum GAU vorwärtsgegangen ist, als ich gedacht hätte, wegen der wirklich sehr realistischen und sehr intelligenten zufallsgeneratoren beim öl und bei den vielenn AKWs meines franzmanns.

[… usw. zum nachlesen im original.]

Flugverbotszone wäre auch ein guter Zufallsgenerator im GAU-Game gewesen.

Gaddafi plagiiert die NATO

Sonntag, März 6th, 2011

Jetzt macht er auch noch copy and paste! Und plagiiert unverschämterweise den Diskurs der NATO! Er führt „gezielte Luftschläge“, und zwar nur gegen „Al Kaida“ und andere „Aufständische“, rein militärisch. Obwohl das nur bei Demokraten legitim ist. Kein „Luftschlag“ sei gegen Zivilisten geführt worden, sagt Saif Gaddafi in Interviews – als ob er ein Demokrat wie Petraeus, Wieker oder Klein wäre, deren zivile Opfer tatsächlich und zweifellos ausschließlich „tragisch“ zutode kommen. Er könnte die NATO noch weiter plagiieren und von „Kollateralschäden“ reden, was er sich vermutlich für noch schlimmere Massaker aufspart.

Wie verheerend die Wirkung seiner Plagiate ist, zeigt sich nun bereits in Afghanistan, wo es erstmals Massenproteste in Kabul gegen demokratische Luftschläge der NATO gibt, bei denen Kinder tragisch zutode kamen. Dabei verwechseln die afghanischen Protestierer völlig diktatorische mit demokratischen Luftschlägen. Und sehen sich offenbar in solidarischer Analogie mit den demokratischen Rebellen in Tunis, Ägypten und Libyen. Und merken nicht, dass sie sehr schnell auf die Seite der bösen Rebellen geraten können, die ein legitimes Ziel von demokratischen „Luftschlägen“ sind!

Das Rätsel der zwei Zweidrittelmehrheiten

Samstag, Februar 26th, 2011

Bei repräsentativen Umfragen sprechen sich jeweils etwa zwei Drittel der Befragten in Deutschland gegen den Krieg der Bundeswehr in Afghanistan (und für den Rückzug) sowie für die weitere Führung dieser Bundeswehr durch Minister Guttenberg aus (trotz dessen „handwerklichen Fehlern“ in seiner Doktorerwerbs-Strategie und -Taktik).

Wenn man annimmt, dass die Mehrheit des bellizistischen Drittels (darunter viele Grünenwähler/innen) auch für den Oberkommandierenden Guttenberg votiert und die Mehrheit des Anti-Guttenberg-Drittels für den Abzug aus Afghanistan ist, stellt – grob überschlagen – das Schnittmenge-Drittel ein Rätsel dar.

Schizophrenie? Weibliche (und männliche) Suggestibilität durch den angeblichen Sex-Appeal? Oder die Annahme, dass der Minister, der die Wehrpflicht de facto abgeschafft und es dadurch unmöglich gemacht hat, dass jemals ein junger Deutscher, der sich nicht freiwillig dazu gemeldet hat, in Afghanistan fallen kann – dass dieser Minister den heimlichen Plan verfolgt, die Wehr in Kürze zurückzuziehen?

Gegen die zuletzt genannte Hoffnung spricht natürlich gerade die Umstellung der gesamten Wehr auf sogenannte „Elite“-Soldaten mit Profimentalität, die sich noch nie in der Geschichte viel Gedanken über Demokratie und Zivilistenrechte im Krieg gemacht haben. Es spricht auch Guttenbergs bedingungslose Zustimmung zur Petraeus-Eskalations-Strategie dagegen.

Also stehen wir beim Schnittmenge-Drittel vor dem Rätsel eines schwarzen Lochs. Bitte melden, wer hineinleuchten kann.

„Luftschläge“ gegen Menschen am Boden – wenn von Gaddafi befohlen, ein Verbrechen

Dienstag, Februar 22nd, 2011

„Gaddafi bombardiert sein Volk“ (WAZ). Kampfhubschrauber und Jets gegen unbewaffnete Demonstranten – niemand bezweifelt, dass es sich dabei um eine der schlimmsten Formen von Verbrechen handelt. An Feigheit nicht zu übertreffen.

Natürlich behauptet Gaddafi (bzw. sein Militär), dass sich „Terroristen“ unter die Demonstranten infiltriert hätten. Das hätten ihm seine Dienste glaubwürdig berichtet. Dass es „Aufständische“ (insurgents) sind, kann ja niemand bezweifeln. Wenn die libyschen „Despoten“ den westlichen Diskurs fleißig gelernt haben, werden sie formulieren: Die infiltrierten Terroristen haben „die Demonstranten als Geiseln genommen.“

Hören wir zum erstenmal von „Luftschlägen“ gegen „Aufständische“? Wenn man unseren Medien und Politikern folgt, ist das was ganz Neues – wozu nur ein Gaddafi fähig ist. Denn wenn die Bundeswehr einen „Luftschlag“ gegen die Bewohner eines ganzen afghanischen Dorfes anordnet und dabei mindestens 150 Leichen produziert werden (unter denen Frauen und Kinder am Boden liegen), dann ist es unerhört, das mit Gaddafi zu „vergleichen“. Dann werden die eigentlichen Täter vom geheimen KSK gar nicht aufgedeckt und der offizielle Täter Oberst Klein von jedem Verfahren befreit. Warum? Weil Klein (oder wer es war) aus sicheren Quellen wusste, dass sich in die Dorfbewohner „Aufständische“ infiltriert hatten, die die Zivilisten „als Geiseln genommen hatten“.

Und das genügt, um einen „Luftschlag“ zu rechtfertigen. Wie solch ein Luftschlag aus Kampfhubschraubern abläuft, kann man – in Libyen sehen? Leider momentan (noch) nicht „aus sicheren Quellen“, weil Gaddafi eine Nachrichtensperre verhängt hat. Aber man kann es auf Wikileaks in dem Video „Collateral Murder“ in allen Einzelheiten anschauen, wie es im Irak abläuft. Und ebenso läuft es hundertfach und fast wöchentlich in Afghanistan und Pakistan ab: meistens von Drohnen durchgeführt. Solche aus Texas gesteuerten Drohnen-Luftschläge sind „tapfer“ – jeder Selbstmordanschlag ist „feige“.

Das aufständische libysche Volk bringt seine fürchterlichen Opfer hoffentlich nicht vergeblich: Es besteht die Chance, dass Gaddafi zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Und was können wir tun? Ceterum censeo exercitum Germanicum ex Afghanistan esse recedendum. Cito et velociter!

Warum Latein? Weil das die Chance erhöht, dass der Oberkommandierende der Bundeswehr es kopiert – und zwar als „Tagesbefehl“!

wikileaks und die kommenden kulturrevolutionen: tendenz volldemokratie.

Donnerstag, Dezember 16th, 2010

Ein Gespenst geht um im Netz – das Gespenst des Wikileaks. Alle Mächte des alten globalen Dorfs haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, der Papst und die saudischen Prinzen, Putin und Obama, Amazon und Mastercard, chinesische Kommunisten und deutsche Turbotuis bei Anne Will. Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor: Wikileaks ist bereits von allen globalen Mächten als eine Macht anerkannt.  Alle Mächte sehen „dringenden Handlungsbedarf“ dabei, Wikileaks mit vereinten Kräften zu zerschlagen.

Anders gesagt: Der V-Träger (siehe die Vorerinnerung „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee“, asso verlag Oberhausen, mögliches Weihnachtsgeschenk last minute), also der globale Verantwortungs-Träger, hat den „fairen Wettbewerb“ darum eröffnet, mit welchen Diskursen man Wikileaks am besten zerschlagen kann. In dieser Konkurrenz um Schweinegeld geht es höchst satirisch und höchst ungewollt kulturrevolutionär zu: So entdecken die Spötter über „politische Korrektheit“ pötzlich in gottserbärmlicher Humorlosigkeit das „Gesetz“ des Ladendiebstahls und schlagen dem V-Träger vor, die Transparenz von Megaverbrechen, darunter der von der UNO-Charta als größtes Verbrechen überhaupt definierten Kriegsvorbereitung, als „Diebstahl“ zu definieren. Diebstahl von was, wird der V-Träger sicherlich fragen – Antwort der wissenssoziologisch studierten Turbotuis: Von „Wissen“.

Erstaunlicher als solche Angebote an den V-Träger ist das Ausbleiben eines Engagements für Wikileaks: Wo bleiben Institutionen wie  Transparency International (bekommen sie kalte Füße, sobald mit Transparenz Ernst gemacht wird?) – und wo bleibt die Zunft der Zeithistoriker? Müsste diese Zunft nicht ein großes Manifest gegen die Versuche herausgeben, Wikileaks zu zerschlagen? Hat nicht Wikileaks „aüßerst wertvolle Quellen“ zugänglich gemacht? Und zwar über jetzt noch anhaltende Kriege (während unsere Zeithistoriker in den Archiven noch mit der Lupe nach weiteren Quellen über die Weltkriege forschen)? Und sogar über noch nicht begonnene, aber bereits akut geplante Kriege: Ein saudischer Prinz hat die USA dringend aufgefordert, der „Schlange den Kopf abzuschlagen“, im Klartext: einen Krieg gegen den Iran zu beginnen? „Diebstahl von Wissen“?

Keine zwei Jahre ist es her, als in der Panik des Crash all jene, die jetzt mit verbissenen Gesichtern die Zerschlagung von Wikileaks und die lebenslange Verknastung der „Quellen“ fordern, sich in Propagierung von „Transparenz“ überboten. Daraus wurden bekanntlich bloß Mogelpackungen, die die Transparenz des Finanzsektors erheblich verkleinert haben. (Transparenz ist für den V-Träger das rote Tuch schlechthin – beruht doch sein ganzes Konkurrenzsystem auf maximaler Intransparenz.) Spricht es da nicht Bände, dass genau in dem Moment, wo Wikileaks Quellen aus Banken zugänglich machen wollte, das eingangs erwähnte Bündnis losgeschlagen hat?

Aber – da sind sich alle Turbotuis einig – Kriegsverbrechen und Finanzvergehen in den Vordergrund zu rücken, wäre ungeschickt. Reden wir also von diplomatischen Albernheiten und Dummheiten, die angeblich unter „private Diskretion“ fallen. In der Tat gilt es, private Intimität (wie etwa sexuelle Vorlieben) durch Diskretion zu schützen. Aber keines der von Wikileaks publizierten Dokumente wurde von Wikileaks verfasst! Es waren Diplomaten der Supermacht, die solche Indiskretionen, Albernheiten und Dummheiten nach Washington gekabelt haben. Jeder Zeithistoriker wird zugeben, dass es leider zur Geschichtsschreibung dazugehört, auch die Dummheiten und Albernheiten einer Supermacht-Diplomatie zu „wissen“. Dummheiten und Albernheiten haben oft genug bei Kriegsvorbereitungen und Kriegsverbrechen mitgewirkt.

Die kommenden Kulturrevolutionen werden volldemokratisch sein, oder sie werden nicht sein. Transparenz aller öffentlich relevanten Wirtschaft und Politik ist so etwas wie das notwendige Spielfeld für volldemokratische Spiele, und Wikileaks bedeutet womöglich das bisher wichtigste Ereignis dieser Tendenz. Sollte die Operation Zerschlagung so weitergehen, wie sie begonnen hat: mit derartigen argumentativen Selbsttoren oder gar mit der Satanisierung und „Terroristisierung“ von Julian Assange und seinen Mitstreitern bzw. ihren Quellen, dann sollten alle kulturevolutionären Tendenzen, gerade auch die mit satirischen Potentialen, diesen Kampf als den ihren begreifen und sich entsprechend engagieren.

Norbert Bolz kandidiert zum MdmW!

Freitag, August 13th, 2010

Norbert Bolz, zu Beginn seiner Karriere auch einmal Beiträger der Zeitschrift „kultuRRevolution“ (heft 8 von februar 1985, 52-55, Titel „der terrorist als held“, über den „kulturrevolutionären diskurs des jungen lukács“), ist seither als postmoderner Medientheoretiker und Verfasser vieler Manifeste hervorgetreten, darunter eines „Konsumistischen“ und eines gegen Rousseau und den Egalitarismus gerichteten. Nun ruft er im „Tagesspiegel“ (13. August 2010) zur Gründung einer neuen Partei auf, die sich mutig als „rechts“ und „rechts von der CDU“ bekennen soll: „Die erste Aufgabe einer anspruchsvollen politischen Rechten wäre, zu sagen, was die Politische Korrektheit der Medienlinken zu sagen verbietet. Mehr noch als Ideen braucht man dazu Mut, denn in der Öffentlichkeit herrscht keine Waffengleichheit. Die Medienlinke hofiert die Linken und denunziert die Rechten. Auf der Kommunistischen Plattform darf man fröhlich tanzen. Aber wehe, wenn man der „Jungen Freiheit“ ein Interview gibt.“ Sein Held solch mutiger Wahrheit ist Thilo Sarrazin, der bekanntlich sofort aus der SPD und der Bundesbank flog, sogar seine Rente verlor und nun am Hungertuch nagen muss, als er den Mut hatte festzustellen, dass Südeinwanderer im Schnitt einen niedrigeren IQ als eingeborene Deutsche hätten und dass folglich Heiraten zwischen hiesigen Einwanderern türkischer Herkunft und „nachgeholten“ Ehepartner/innen verboten werden sollten. Verboten.

Bolz meint, dass solcher Mut gerade in der deutschen Academia viel Zustimmung finde, aber leider nur „hinter vorgehaltener Hand… Du hast ja recht, aber das kann man doch  nicht sagen…“ Diese bekannte Feigheit deutscher Intellektueller, sich als Rechte zu bekennen, könnte daher „nur durch ein Coming-out von Starintellektuellen gebrochen werden.“ Bolz, zweifellos der Typ des Starintellektuellen par excellence, schaut also dem Tod ins Auge und geht mutig voran.

Er hat damit seinen Hut in den Ring geworfen und seine Kandidatur zum MdmW erklärt. Das ist ein Kürzel aus dem Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“ (assoverlag Oberhausen). Es lautet: „Mann der mutigen Wahrheit“. Solche MdmW braucht der „V-Träger“ (Verantwortungs-Träger), und zwar möglichst viele, darunter „Turbotuis“ (alias Starintellektuelle) und unter denen wiederum gerade auch „Konverter“ (Konvertiten der 68er Intelligenz). Das alles, und damit auch der Fall Norbert Bolz, ist in dem Roman vorerinnert und wird dort in seinen diskursiven Mechanismen vorweg erzählt, damit man es dann wiedererkennt, wenn es kommt.

Man muss das Manifest im „Tagesspiegel“ zusammen mit einem fast gleichzeitigen Manifest im „focus“ vom 26. Juli 2010 sehen. Dort ruft der „focus“ zu einer deutschen „Tea Party“-Bewegung auf und verspricht einer neuen Rechtspartei auf Anhieb 20% der Stimmen. Als führende Köpfe werden eingeladen (ob mit ihrem Einverständnis ist unklar): Joachim Gauck, Arnulf Baring, Peter Sloterdijk, Wolfgang Clement, Friedrich Merz, Necla Kelek, Thilo Sarrazin und Paul Kirchhof. Diese 8 mit Großfoto. Wie man sieht, nur eine Frau, die aber gleichzeitig als mutige „Migrantin“ (FdmW) für 2 zählt. Das Manifest sieht (kein Witz) den „Kairos“ für eine solche Partei gekommen.

Nun aber die Frage: Und wo ist Norbert Bolz? Keine Sorge, es fehlt nur sein Foto, nicht sein Name („die Philosophen Robert Spaemann, Norbert Bolz und Peter Sloterdijk“). Aber dieses Fehlen des Fotos ist doch fatal: Es zwang den Medienphilosophen offensichtlich dazu, ein eigenes Manifest nachzuschieben und damit seinen Mut zu beweisen, der zugleich (das können wir als Diskurstheoretiker jederzeit bestätigen) als ernsthafte Kandidatur zählt.

Sondersendung der Ursprünglichen Chaoten

Montag, Mai 31st, 2010

Frühere Sondermeldungen noch im Ohr, hörten wir eben die Sondersendung zum Rücktritt Horst Köhlers. Alles klang wie ein Fake der Ursprünglichen Chaoten – aber wir wussten ja, dass wir das nicht gefaket hatten. Wir gehörten ja nicht zu denen, die sein Interview über die Interessen eines Landes unserer Größe und die Rolle der Bundeswehr dabei als verfassungsfeindlich und lügenhaft mit Kritik überschüttet hatten. Im Gegenteil hatten wir ja Respekt vor seinem Mut zur Wahrheit bekundet. Mit ihm verlieren wir einen großen MdmW, also einen großen Mann der mutigen Wahrheit (die Geschichte des MdmW kann man in dem Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“, assoverlag Oberhausen, nachlesen; dort sind Zeiten der Krise wie augenblicklich vorerinnert).

Spannend wird es übrigens sein zu sehen, wie die SCHLAGzeitung bei weiterer Eskalation sämtlicher Krisen das Problem lösen wird, eine einzige SCHLAGzeile zu generieren, wenn sozusagen mehrere „Themen“ sich dazu drängen: LENA oder KÖHLER oder JOGI oder EURO usw.?  Man wird kombinieren müssen: etwa FOLGT LENA KÖHLER NACH? Bleiben Sie dran!

Die Ursprünglichen Chaoten

Ausbildung

Freitag, April 16th, 2010

(Karl Kraus zum Gedächtnis)

Die Bundeswehr, das wissen Fatz wie Tatz

Stellt Ausbilder und bildet im Galopp

Jetzt Azubis von Karzai aus, hopphopp!

Professionell, sonst ist es für die Katz.

Sie üben also friedlich einen Kampfeinsatz

Natürlich realistisch on the job

Damits nicht wird am Ende nochen Flop,

Sind echte Taliban der Feind bei dieser Hatz.

Doch diese hinterhältig feigen Taliban

Verüben einen Anschlag auf die Bundeswehr

Mitten im Friedenstraining spieln sie Krieg.

In ihrem dumpfen Fanatismuswahn

Schießen sie feige quer und spieln nicht fair

Versaun der Wehr den Aufstieg in die Champions League.

„Elitesoldaten“ plus „gezielte Tötungen“ plus „verhältnismäßige Kollateralschäden“ plus „Luftschläge“ = „humanitäres Völkerrecht“??

Mittwoch, Februar 10th, 2010

Der Eiertanz um den deutschen Afghanistankrieg wird frenetisch: Seit die NATO mit Zustimmung der deutschen Regierung und aktiver Beteiligung der Bundeswehr für 2010 eine Eskalation ohne Wenn und Aber mit dem Ziel der "Eliminierung" aller "Insurgents" (bzw. "Taliban") eingeleitet hat, ist die Diskursblase "Stabilisierungsmission" geplatzt. Es ist ein Krieg (was längst alle wussten) – aber was für einer? Ein "nicht internationaler bewaffneter Konflikt" (anders gesagt "Bürgerkrieg") – aber wieso ist die Bundeswehr in Afghanistan "nicht international" – also "national"?? Also lässt Guido das "nicht international" einfach weg und sagt: "bewaffneter Konflikt im Sinne des Völkerrechts".

Aber auch so kommt die Bundeswehr nicht aus dem Schneider: Denn des Pudels Kern (bekanntlich der Teufel: siehe Faust) ist nun einmal (was beim Massaker von Yakob Baj exemplarisch klar wurde): Die gesamte Afghanistan-Strategie der NATO (und damit auch der Bundeswehr) steht im Dienste ihrer strategischen Speerspitze, und die lautet: "Elitesoldaten" plus "gezielte Tötungen" plus "verhältnismäßige Kollateralschäden" plus "Luftschläge". Nach dieser Formel funktionierte auch Yakob Baj: Das KSK hatte unter lauter Decknamen und mithilfe eines anonymen "Informanten" "Talibanführer" ausgemacht. Die sollten nach der Regel "capture or kill" "eliminiert" werden (wobei das "capture" bloße Augenwischerei ist, da man mit Luftangriffen nicht gefangen nehmen kann). Oberst Klein wurde nicht etwa ausgetrickst – er spielte begeistert mit, worin sich zeigt, dass eben die Speerspitze "Elite" und der Stiel "ISAF" einen einheitlichen Speer bilden. KSK und Klein hielten die erwartbaren "Kollateralschäden" (das zivile "Humanmaterial", wie es in dem berühmten Feldjägerbericht hieß) für "verhältnismäßig".

(Die Rolle des KSK wird jetzt als angeblich ganz neue Sensation verkauft: Sie ist ein alter Hut: siehe "Zeit" vom 17.12.2009.)

Die Bundeswehr vollzog bei Yakob Baj nur nach, was die ständige Praxis der Eliteeinheiten der USA und des UK ist und was die große Eskalationsschlacht in Afghanistan 2010 bestimmen wird. Die gerade in der Provinz Helmand gegen die Stadt Mardscha gestartete Großoffensive zeigt das Verfahren: Flugblätter fordern die Bevölkerung auf, die Stadt bzw. Gegend zu verlassen. Die Taliban nehmen die Bevölkerung angeblich als Geiseln und hindern sie an der Flucht. Daraus geht klar hervor, dass der erste Schritt darin besteht, nach dem Vorbild Vietnam eine "free fire zone" d.h. vor allem "free bombing zone", herzustellen, in der dann die "gezielte Tötung" sich frei entfalten kann (die Kollateralschäden sind dann vor vornherein "verhältnismäßig", da ja auf Flugblättern gewarnt wurde).

Nur: Mit noch so frenetischen Eiertänzen kommen Bundesregierung und Bundeswehr nicht aus dem Schneider: Entweder sind die als  Taliban bezeichneten Individuen "Kombattanten", dann müssen sie klar als solche erkennbar und von Zivilisten unterscheidbar sein (was in einem Guerillakrieg nicht möglich ist) – oder sie sind Terroristen, d.h. (mutmaßliche) Kriminelle – dann dürfen sie auf keinen Fall auf bloße Denunziation hin ohne Anklage, Prozess und Urteil einfach präventiv "eliminiert" werden. Genau das werden sie aber. Und dieser exterministischen Praxis werden zugegebenermaßen alle sich in der Nähe befindlichen "Unschuldigen" ebenfalls als "verhältnismäßig" geopfert. Das soll "humanitäres Volkerrecht" sein?

In Vietnam hieß dieses Verfahren: das Wasser mit dem Fisch eliminieren, soweit man es nicht ablassen kann (Weiterverarbeitung der Guerillaregel "Fisch im Wasser"). Das führte in Vietnam dazu, dass immer mehr Wasser zu Fisch wurde. Es lässt sich prognostizieren: Das wird sogar die Taliban und andere Insurgents in Afghanistan kurz- und mittelfristig stärken (und sei es wegen der Gleichsetzung von Paschtunen und "Taliban" auf beiden Seiten sowie der traditionalen Verpflichtungen der Clans zur Vergeltung).

Fazit: Dieser Krieg stinkt vom Kopfe ("Speerspitze") her. Fazit: Die Bundeswehr muss aufgefordert werden, "umgehend" abzuziehen, wie in dem Appell "Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan" gefordert  – "Exit mit open end" heißt Tolerierung einer strukturell exterministischen Strategie, wodurch nicht nur viele Unschuldige umkommen, sondern sogar die Insurgents kurz- und mittelfristig gestärkt statt geschwächt werden.

Ja aber Gnade uns Gott wenn die Taliban… Nach einer Anti-Eskalationserklärung der Bundeswehr mit Waffenstillstand und Einleitung des Abzugs könnte der notwendige Schutz bedrohter Gebiete z.B. nach dem Vorschlag von Johan Galtung durch starke Blauhelmeinheiten der OIC (Organization of Islamic Countries) in Zusammenarbeit mit der UNO gewährleistet werden (im Vorfeld einer neuen Friedenskonferenz ohne westliche Großmächte und unter Beteiligung aller relevanten afghanischen Bevölkerungsgruppen).

Wo bitte findet die „Schlammschlacht“ statt? (postumer Zwischenruf von Karl Kraus)

Donnerstag, Januar 21st, 2010

In einem Interview in der Fatz (21.1.2010) empörte sich Oberst Ulrich Kirsch, Vorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbandes, über die Art, wie die Debatte um das Massaker (Jürgen Todenhöfer) von Yakob Baj geführt werde. Er sagte u.a., dieser Streit sei "zu einer unangemessenen Schlammschlacht mutiert", während "unsere Kameradinnen und Kameraden im Stich gelassen" würden. Ihm zufolge findet diese "Schlammschlacht" nicht etwa in Afghanistan, sondern in Berlin statt. Schlagen in Berlin die Drohnen zu? Wird an der Spree "gezielt getötet"? Wird in Mitte "Luftunterstützung angefordert"?

Was sagte Karl Kraus sinngemäß dazu: Wo die Fantasie, sich eine konkrete Schlammschlacht vorstellen zu können, derartig verkümmert ist, können wir wetten, dass der Krieg weitergehen und eskaliert werden wird. Sofortiger Abzug? Bitte keine Schnellschüsse!

Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan!

Dienstag, Januar 12th, 2010

Holt die Stabsärztebrüder nachhause!
Der AfghanistanAppell.de

Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan!

In vielen Einträgen dieses Blog wurde die Abwärtskurve der "Versumpfung" der Bundeswehr in A* dokumentiert. Mehr und mehr hörten und hören sich die Meldungen von dort an wie die Simulationen über den A*-Krieg im Roman "Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee." Auch die "Stabsärztebrüder" des Romans sind im realen A* in ihrem gefährlichen Dienst tätig. Man konnte zu Weihnachten einige ihrer Feldpostbriefe im SZ-Magazin vom 23.12.2009 nachlesen, z.B.:

"Insgesamt hat der ISAF-Einsatz in Kundus nur noch wenig von einem Hilfseinsatz, sondern mehr von einem (asymmetrischen) Krieg. Wenigstens alle 3 Tage passiert etwas. Anfangs kamen in schöner Regelmäßigkeit Raketen, das hat nachgelassen. Dafür häufen sich Anschläge und Hinterhalte. Kaum ein Schutzzug, der noch kein Feuergefecht hatte. Mindestens 6mal wurden unsere Patrouillen angesprengt." (Oberstabsarzt Jens Weimer, 34)

"Spätestens nach dem 2. Bunkeralarm entwickelt auch der größte Philanthrop blutige Rachegelüste. Die militärisch einfachste Lösung, die hier von den Soldaten auch favorisiert wird, ist der groß angelegte Artillerie-Gegenschlag. Technisch kein großes Problem: Abschussstelle orten, Kanone ausrichten und zurückschießen – dauert weniger als 1 Minute. Die ersten feindlichen Raketenschützen hätten wohl auch Pech, aber die Taliban sind nicht blöd. Schon die nächsten hätten ein langes Kabel und würden die Rakete neben einem Kindergarten starten." (ders.)

Den Stabsärztebrüdern ist also klar: Die "Option" einer weiteren sehr blutigen Eskalation rückt näher.

Aber es gibt eine andere Option: den Rückzug. Dafür setzt sich der APPELL "HERAUS AUS DER SACKGASSE IN AFGHANISTAN!" ein, den die Zeitschrift "kultuRRevolution. zeitschrift für angewandte diskurstheorie" zusammen mit der Zeitschrift AMOS entwickelt hat. Er ist spezifisch für ein deutsches Publikum formuliert und soll rechtzeitig zur Londoner Konferenz am 28.1. veröffentlicht werden.

Update: Wie geplant wurde der Appell am 28.1. in der Wochenzeitung Der Freitag mit den ersten 150 Unterschriften veröffentlicht. Der Appell „Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan“ mit seinen prägnanten Gründen für einen „umgehenden“ Rückzug der Bundeswehr erfreut sich seit seiner Publikation im „Freitag“ am 25. Januar weiterer Unterstützung. Er erweist sich so als wichtiges Instrument, um zu verhindern, dass bald wieder „war as usual“ herrschen kann. Deshalb bitten wir jetzt (und ohne deadline) um zusätzliche Unterschriften.

AfghanistanAppell.de
Vollständigen Appell als PDF lesen

Jetzt unterzeichnen!

Ein „Kommissarsbefehl“ in Afghanistan?? Hat die fatale Stunde geschlagen?

Freitag, Januar 1st, 2010

Zitat Spiegel-Online 30.12.2009: „Laut dem Bericht einer von Karzai eingesetzten Untersuchungskommission trieben am vergangenen Samstag Soldaten der internationalen Truppen im Distrikt Narang in der Provinz Kunar 10 Zivilisten aus ihren Häusern und erschossen sie. Unter den 10 Todesopfern seien 8 Schüler im Alter von 13 bis 17 Jahren. […] Dagegen sagte ein ranghoher Isaf-Offizier, der anonym bleiben wollte, es habe keine zivilen Todesopfer gegeben. Alle Toten seien Männer ‚im Kampfesalter‘ gewesen. Bei dem Vorfall seien US-Elitesoldaten im Einsatz gewesen, aber keine Nato-Soldaten. Ein US-Soldat in Asadabad, der Hauptstadt von Kunar, sagte, keiner der Getöteten sei ‚unschuldig‘ gewesen.“

Die Überschrift des Artikels lautet: „8 US-Bürger bei Selbstmordanschlag getötet“ (da ging es um – verfremdet ausgedrückt – die gezielte Tötung einer CIA-Einheit durch INS = insurgents). Es ist also doppelt schwierig, den Faktenkern aus den durchmischten Meldungen zu extrahieren. Plausibel erscheint es zunächst, dass nicht „normale“ Isaf-Soldaten, sondern „Eliteeinheiten“ die „Aktion“ oder den „Einsatz“ durchführten – aber offensichtlich abgesprochen mit und geschützt von Isaf-Truppen (zu denen zwar nicht in dieser Provinz, aber insgesamt die deutschen Soldaten gehören).

Natürlich ist allgemein bekannt, dass man „demokratische“ Kriege niemals mit Nazi-Kriegen „vergleichen darf“. Hier geht es auch nicht um „Vergleich“, sondern um Schwierigkeiten beim Verstehen. Und dazu hilft nun doch unsere inzwischen verbreitete Kenntnis über den deutschen Feldzug gegen die Sowjetunion 1941-1945. Da war es so, dass „Einsatzgruppen“ in Absprache mit und im Schutz der Wehrmacht den (geheimen) „Kommissarsbefehl“ durchführten. Das ging so: Denunziation „aktiver Kommunist und potentieller Widerständler“ (= „Kommissar“) – aus dem Bett geholt – erschossen.  Die „Einsatzgruppen“ (meistens der SS, der Polizei, aber auch der Wehrmacht selbst) waren durchaus „Elitetruppen“.

So könnte es also auch jetzt in Afghanistan laufen (kein Vergleich! bloß Verständnishilfe): Es scheint einen (geheimen) Befehl zu geben, alle auch bloß potentiellen „Taliban“ (oder „Insurgents“), soweit sie im „kampffähigen Alter“ sind (also offenbar ab 13 Jahren) „gezielt zu töten“. Es scheint, dass die direkt Ausführenden Elitesoldaten sind (im Fall Deutschland also KSK: wie bei dem Massaker von Yakob Baj am 4.9.2009), aber dass sie in Absprache mit und im Schutz der „normalen“ Isaf handeln. Nach dem Rezept: Denunziation – aus dem Bett holen – erschießen.

Wer eine alternative Erklärung der Fakten weiß, möge sie bitte als Comment mitteilen.

Falls die hier gewagte Hypothese aber insgesamt korrekt sein sollte: Was würde daraus folgen?? Hätte dann nicht die fatale Stunde geschlagen, wo wir uns eingestehen müssten, dass deutsche Truppen „im deutschen Namen“ Aktionen zumindest decken, zu deren Verständnis man auf frühere deutsche Kriege zurückgreifen muss? Und: Begreifen wir jetzt nicht endlich, warum „unsere Väter geschwiegen haben“? Vielleicht weil sie solche Meldungen ebenfalls (innerlich) unter eine falsche Überschrift gestellt und sie im freudschen Sinne „verleugnet“, ja sogar „verworfen“ haben (das ist was anderes als „verdrängt“: es ist schlimmer)? „Ich habe nichts gesehen“?

Um es zu wiederholen: Wir können nicht mehr warten auf eine neuerliche „Gnade der späten Geburt“ – weil wir allemannfrau längst schon geboren sind.

Die Ursprünglichen Chaoten

„Militär allein ist nicht die Lösung“: ein diskursiver Trumpf, der nicht mehr sticht!

Donnerstag, Dezember 31st, 2009

In der Vorerinnerung (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee: Roman bei asso, Oberhausen: besorgen!) wird es vorerinnert:

Wir machten dann auch kurze improvisierte Simulationsspiele für die Manipulationstrümpfe des V-Trägers: „Wie verkauft Arschky eine Werkschließung?“ – Da spielt er den Trumpf x allein ist keine Lösung“: (mit Pathos:) „Kollegen! Dazu sagen wir klar: So nicht! Nicht mit uns! Werkschließung allein kann nicht die Lösung sein! Wir brauchen noch andere Lösungen, Kollegen, die genau so wichtig sind und sogar noch viel wichtiger, Kollegen! Wir brauchen einen Sozialplan!“ (S. 399)

V-Träger = Verantwortungs-Träger; Arschky = SPD-Betriebsratsboss

Man setze statt Arschky Künast, Trittin, Steinmeier & Co. und statt Werkschließung Krieg in Afghanistan, und man ist in der Gegenwart angelangt. Besonders dick pumpte Guido Westerwelle diese Diskursblase auf: „Militär allein kann nicht die Lösung sein! Wir brauchen noch andere Lösungen! Wir brauchen einen Aufbauplan!“ und sogar (mit Pathos:) „Ich gehe nicht zur Afghanistan-Konferenz, wenn es eine reine Truppenaufstockungskonferenz wird!“ Aber da stachen Künast, Trittin, Steinmeier & Co. (und sowieso die CDU) ein bisschen in seine Diskursblase, und sie sackte in sich zusammen. Der Trumpf sticht einfach  nicht mehr.

Als ob irgendjemand (einschließlkich Bush) jemals so doof gewesen wäre zu behaupten: „Militär allein ist die Lösung in Afghanistan“ – alle (einschließlich Bush) haben selbstverständlich immer gesagt: Militär allein ist nicht die Lösung, wir brauchen auch einen Aufbauplan. Am liebsten würden sie sogar sämtliche zivilen Projekte, einschließlich von „pazifistischen“, per CMC (Civil-Military Cooperation) als Feigenblätter über ihre „gezielten Tötungen“ und ihre Massaker von Typ Yakob Baj kleistern. (Worauf leider leider viele NGOs, sogar  „pazifistische“, hereinfallen.)

Militär allein ist nicht die Lösung? Militär ist Teil des Problems und nicht der Lösung, und zwar der wichtigste Teil des Problems!  Deshalb beginnt die Lösung klipp und klar mit dem Abzug des Militärs aus Afghanistan, und insbesondere mit dem Abzug der Bundeswehr, und zwar sofort.

Gefragt ist jetzt vor allem jene politisch-ästhetische Fantasie, die es ermöglicht, uns das „Humanmaterial“ nach dem „im deutschen Namen“ angerichteten Massaker von Yakob Baj vorzustellen.

Sonntag, Dezember 20th, 2009

Vorweg: Dass es keineswegs der Kenntnis von Geheimberichten von Feldjägern der Bundeswehr oder gar von KSK-Einheiten bedurfte, um sich in groben Zügen klarzumachen, wie das „Massaker“ (Jürgen Todenhöfer in der Watz 17.12.) von Yakob Baj in der deutschen Zone zustandekam und wie es ablief, beweisen die entsprechenden Einträge dieses Blogs (18.5.2009: enorme Kosten für den Steuerzahler, die verschwiegen werden; 24.6.: Strategie des „3. Versuchs“ eines deutschen „Griffs zur Weltmacht“; 21.7.: neue, offensive und aggressive Eskalations-Strategie der Bundeswehr erklärt; 23.7.: Satire Kollateralschäden im Sauerland; 19.8.: Streit unter den „Stabsärztebrüdern“; 20.9.: Warum Anwesenheit des halben Dorfes Yakob Baj bei den Tanklastern? Um gratis Sprit zu bekommen! – inzwischen offiziell bestätigt; 14.12.: deutsche Soldaten als ***de* – wie die zerfetzten und verbrannten Kinder ausgesehen haben). Also: Wer z.B. den Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“ (assoverlag Oberhausen – gutes Weihnachtsgeschenk last minute) gelesen hatte, konnte sich alles genau vorstellen.

Dass das alles nun aus Geheimberichten bestätigt und noch übertroffen wird, haben wir allerdings keineswegs unserer Mini-Stabil-Demokratie zu verdanken, sondern einem regelrechten Hauen und Stechen auf Seiten der Stabsärztebrüder (siehe „Bangemachen gilt nicht…“, wo es vorerinnert ist): Ein Minister gestürzt, sein Nachfolger „angeschlagen“, der oberste General, binnen Minuten gestürzt, beschuldigt den Minister offen der Lüge, „neue Videos tauchen auf“ (die beweisen, dass die Bundeswehr „am Boden“ war) – all das hauptsächlich über die SCHLAGzeitung ausgehauen und ausgestochen! Ein atemberaubender Vorgeschmack auf künftige Notstände und Neo-Militärputsche. Dann das Machtwort von Schneiderhans Vorgänger Kujat (Interview DLF 17.12.): Ein solches öffentliches Hauen und Stechen zwischen Fraktionen der Bundeswehrführung ist „absolut nicht normal, nein ganz und gar nicht normal“. Das gehöre nicht in die Öffentlichkeit der Mini-Stabil-Demokratie, das gehöre hinter verschlossene Türen. Mit umgehendem Erfolg: Sofort Schweigen im Medienwald, Thema „abgehakt“, „Saft abgedreht“, „Luft raus“. Untersuchungsausschuss erklärt, mindestens 1 Jahr zu brauchen, und dann nochmal mindestens 3 Monate (also bis Frühjahr 2011 – wenn der Endsieg schon errungen sein soll!). Umschalten auf „Kopenhagen“ und Weihnachten.

Also muss unsereins wieder seine politisch-ästhetische Fantasie bemühen: Worum kann sich eine solch wirklich „absolut nicht normale“ innere Eskalation in der Generalität drehen? Eindeutig um die äußere Eskalation in Afghanistan und künftig allgemein. Es geht um die Taktik, mit der der Schritt der Bundeswehr zur Weltjunta-Armee mit voller Power „verkauft“ werden kann. Es geht also um den „3. Versuch des deutschen V-Trägers“ („Verantwortungs-Trägers“: siehe Eintrag vom 24.6.). Damit wird auch das Massaker von Yakob Baj einigermaßen transparent: Die KSK und ihr Hiwi Oberst Klein wollten eine „gezielte Tötung von INS (Insurgents) mit erheblichen Kollateralschäden“ nach US-Modell durchführen, weil sie auf die „Solidarität“ ihres BB (Big Brothers USA) zählten. Dabei verrechneten sie sich: Der BB erzwang die Medialität des Massakers, vermutlich um seinen Juniorpartner Deutschland zu zwingen, seine „Heuchelei“ zu beenden und sich offen für einen „schmutzigen Krieg aufzustellen“. Die Fraktion der „Weltmissionare“, wie sie in der „Vorerinnerung“ heißen, will nun in einer Art „medialen Durchbruchsschlacht“ diese „Ehrlichkeit“ in kurzer Zeit erzwingen. Es soll sogar das Grundgesetz geändert werden, um Massaker zu legalisieren (Spiegel Online 18.12.). Dagegen setzt sich die Fraktion der „Hausaufgabenmacher“ für eine Fortsetzung der Salamitaktik ein.

Es ist atemberaubend, mit welchem Tempo der 3. Versuch sämtliche „Einsatzformen“ des 1. und 2. Versuchs samt ihren diskursiven Begleitkomplexen restauriert. So spricht der berühmte geheime „Feldjägerbericht“ ganz naiv davon, dass bereits am Mittag des 4.9. das Terrain von „Humanmaterial“ völlständig gesäubert gewesen sei (nur noch Leichen von Eseln hätten herumgelegen: „Zeit“ vom 17.12.). Da können die Stabsärztebrüder nur aufjaulen, weil es im 3. Versuch doch „Patientengut“ heißen muss! Auch der „Endsieg“ ist wieder da: als Kombination von „Endkampf“ und „gewinnen“ (Lothar Rühl in der Fatz vom 17.12.) – ja sogar für alle Fälle auch der „Dolchstoß“: „Solche Ereignisse werden noch öfter eintreten, wenn der Endkampf um die Kontrolle Afghanistans erfolgreich geführt werden soll. Je mehr und je öfter die Politik den Truppen im Feld aus dem sicheren Heim in den Arm fallen wird, desto geringer werden die Erfolgschancen.“ (dito) Natürlich darf da auch die „Drückebergerei“ nicht fehlen (Wolfssohn in der Watz 17.12.).

In all diesen geheimen wie auch in den von SCHLAG enthüllten Diskursfragmenten kommen die Opfer nicht vor: Sie sind aus dem mediopolitischen Diskurs genauso „klinisch“ herausgesäubert wie das „Humanmaterial“ aus dem Schlachtfeld von Yakob Baj („Ein Schlachten wars, nicht eine Schlacht zu nennen“: Schiller). Die Leichen sind auf alle Zeiten unauffindbar verbrannt und „entsorgt“ (oh ja ihr Grünen: das war auch eine ökologische Katastrofe, die ihr da mitzuverantworten habt). Dennoch gab es noch einige überlebende und „nur“ schwer verletzte Kinder im Krankenhaus von Kundus: Kein einziger Journalist von all denen, die sonst ständig wiederholen, dass „die Opfer unterschlagen werden“, uns aber dennoch mit Schockbildern von (nur den jeweils „richtigen“) Terroropfern schocken, hat die Idee gehabt, uns Bilder dieser von der Bundeswehr „im deutschen Namen“ massakrierten Kinder „zuzumuten“. Nichts zeigt deutlicher als diese Tatsache, dass afghanische Menschen (als Menschen der 5. Normalitätsklasse) im Hauen und Stechen um die beste Strategie und Taktik des 3. deutschen Versuchs nicht zählen. Sie sind allenfalls minimierte Zahlen in einem CDE („Collateral Damage Estimate“). Wir brauchen all unsere politisch-ästhetische Fantasie, um sie uns vorstellen zu können.

In den Geheimberichten sind die afghanischen Bauern und ihre Kinder durch Chiffren ersetzt: „COM PRT KDZ“, „TF 47“, „42 S VF 8903852017“ (das war die „Zielkoordinate“, mit der 150-200 Menschen ausgelöscht wurden). Wir sollten uns wenigstens den Namen des Dorfs merken: „Yakob Baj“ – es ist das erste Dorf des 3. Versuchs, das so wenig vergessen werden sollte wie all die Dörfer aus dem 1. und 2. Versuch: Oradour-sur-Glane, Kalavrita, Lidice, und all die tausende russischer Dörfer, die bei „normalen Kampfhandlungen“ vernichtet wurden.

(Solche) Soldaten sind ***de*

Montag, Dezember 14th, 2009

In der Vorerinnerung (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee; Roman bei asso, Oberhausen; als Weihnachtsgeschenk empfohlen) wird die Chiffre auf Seite 846 aufgelöst: Sie bedeutet nicht etwa „Mörder“, sondern selbstverständlich „Helden“. Es geht dort (fiktional!) um die Simulation eines künftigen Krieges der Bundeswehr, und die chiffrierte Parole ist an Fabrikmauern im Ruhrgebiet gepinselt worden, vielleicht von den „Ursprünglichen Chaoten“? Außerdem kann man an diesen Mauern auch lesen: Soldaten sind Kollateralschadenminimierer; sowie: TUCHOLSKY.

Wie werden solche ***de* gemacht? Wie inzwischen durchgesickert ist, nach einer einfachen Bauanleitung:

Ein anonymer „Informant“ (in der DDR hießen sie IM) informiert eine unbekannte Instanz der Bundeswehr, dass in einem afghanischen Dorf „Talibanführer“ aufgetaucht seien. Diese Instanz beschließt eine „gezielte Tötung“ unter Inkaufnahme ziviler Kollateralschäden. Dazu werden Elite-***de* vom KSK (Kommando Spezial-Kräfte) eingesetzt und US-„Luftunterstützung angefordert“. Als Grund gibt man die „Entführung“ von zwei Tank-LKWs an und behauptet, die sollten in ein Bundeswehrcamp gefahren werden und dort explodieren. (Tatsächlich scheint der Sprit an die Bauern verschenkt worden zu sein, was die Präsenz fast des ganzen Dorfes bei den LKWs erklären würde.) Dann befiehlt ein Oberst Klein diese „militärische Option“, und zwar gegen „INS“, was die Abkürzung für „Insurgents“ ist, zu deutsch „Aufständische“ – also nicht einmal „Taliban“. Wie ein Taliban und gar ein Talibanführer von völlig sprach- und kulturunkundigen Bundeswehrangehörigen zu identifizieren wäre, ist sowieso rätselhaft, da sie ja keine Abzeichen tragen. Es reicht für ***de* also der Anruf eines IM und die Bezeichnung „Aufständische“, um…

Resultat: Nach dem Anwalt Popal, einem Cousin von Karsai und also kaum im Verdacht stehend, ein Talibanführer zu sein (aber wer weiß das schon? wenn ein „Informant“ es anders sieht?), der immerhin ohne Sprachprobleme die Familien der Opfer kontaktieren konnte, wurden 168 Zivilisten, darunter viele Kinder und Frauen, aus der Totsicherheit der Luft heraus massakriert (siehe WAZ vom 27.11.2009). Fotos der zerfetzten und verbrannten Körper wie bei Terroranschlägen gab es natürlich nicht zu sehen. Es gibt aber (sicher verschwindend wenige) Deutsche, die sich diese Körper auch ohne Fotos vorstellen können (darunter die Leserinnen der Vorerinnerung).

Ist das nun ein Roman, ist das fiktional? Ja, es kommt so im Roman vor, aber es soll am 4. September 2009 auch von den ***de* der realexistierenden Bundeswehr realisiert worden sein. Das erscheint aber unglaublich, weil es sonst doch spontane Demonstrationen in dem Land geben müsste, das die Welt mit zwei Vernichtunsgkriegen überzogen hat. Der Ruf nach Rückzug der Bundeswehr aus diesem schmutzigen Vietnamkrieg müsste doch massenhaft erschallen. Die grüne Basis müsste doch ihre Führung zwingen, die weitere Unterstützung dieses Krieges sofort einzustellen – oder sie müsste, falls das nicht geschieht, sofort massenhaft aus dieser Partei austreten. Wenn es wahr ist, dann heißt das doch, dass demnächst wieder „die“ Deutschen allesamt in der Welt als Angehörige eines skrupellosen militaristischen Plattmachervolkes betrachtet werden könnten; dass gesagt werden kann: Die haben aus ihrer Geschichte aber auch gar gar gar nichts gelernt – die haben sich keinen Deut geändert – die sind wieder genau die gleichen ***de* wie beim letzten und vorletztenmal.

Das zwingt uns zu einer vorsorglichen Klarstellung: Wir distanzieren uns ganz entschieden von den ***de*, die „gezielte Tötungen“ nach Berichten von „Informanten“ befehlen und dafür „Luftunterstützung anfordern“, um „Kollateralschäden zu minimieren“. Wir meinen eher: „Kollateralschädenminimierung“ (auch „angemessene militärische Reaktion“ genannt) ist ***de*tum, das nicht besser ist als Terror. Wir können nicht auf die nächste Gnade einer späten Geburt warten, weil wir schon geboren sind. Wir wollen jetzt sofort klarstellen, dass solche Kollateralschädenminimierungen zwar wieder „im deutschen Namen“ erfolgen, nicht aber in unserem. Wer das ähnlich sieht, möge einen Comment machen.

Die Ursprünglichen Chaoten

Die Bologna-Mauer bröckelt, wankt – kann jetzt zum Fallen gebracht werden?

Mittwoch, Dezember 9th, 2009

Frau Wintermantel muss sich warm anziehen! Zwar verlässt sie sich auf ihren Betonkopf und mauert kräftig weiter, zusammen mit den anderen Betonköpfen der Wissenschaftsminister und Rektoren – aber ihre Bologna-Mauer bröckelt immer mehr, und nun beginnt sie zu wanken. Die Protestbewegung der Studis rennt weiter gegen die Mauer an, und nun ruft sogar Bernhard Kempen, Chef des Hochschulverbandes, zum Boykott der Akkreditierungsagenturen auf (siehe dazu auch hier drunter die Posts vom 25.11., 15.11. und 19.6. 2009). Es ist jetzt keine Utopie mehr: Die Mauer kann zum Fallen gebracht werden!

Was sind die letzten Hindernisse?

HINDERNIS NUMMER 1:  DIE WURZEL DES ÜBELS IST DIE VERPUNKTUNG – DAS IST NOCH NICHT KLAR GENUG.

Verpunktet oder nicht verpunktet sein, das ist die Frage! Alle Übel der Bologna-Mauer (Akkreditierung, Fast Knowledge und Verdummung, Dualisierung von Forschung und Lehre, von „Exzellenz“ und akademischem Billiglohn-Prekariat) beruhen auf dem Fundamentalunsinn der Verpunktung von Intelligenz und Lernen (per Credit Points und Workloads). Wenn es etwas gibt, das sich nicht quantifizieren, also verpunkten lässt, dann sind es die Aha-Erlebnisse eines wirklichen Studiums. Wenn Frau Schavan, Frau Wintermantel und die ganze Betonköpfeschar jetzt in Panik rufen: Bologna heißt doch gar nicht nur 6 Semester Bachelor und jede Woche Prüfung, das haben wir doch nie so gesagt, dann lügen sie im entscheidenden Punkt der Verpunktung: Bologna heißt Verpunktung, und diese Mauer muss weg.

HINDERNIS NUMMER 2: DIE MEDIEN MAUERN MIT AN DER BOLOGNA-MAUER.

Selten hat es eine derart dreiste Manipulation fast aller Medien gegeben wie in der Frage der Bologna-Mauer. Oder wo in den Medien war schon mal für die Mehrheit der Bevölkerung sichtbar von Verpunktung, von Akkreditierung, von wirtschaftsnahen Hochschulräten usw. die Rede?

HINDERNIS NUMMER 3: DIE BERECHTIGTE ANGST DER BACHELOR-GENERATION.

Gegen die mutige Forderung einer „Kölner Erklärung“ nach Abschaffung des BaMa-Systems gab es ängstliche studentische Stimmen. Nur allzu verständlich! Diese Studis haben ja das Bachelor-Studium aufnehmen müssen und haben jetzt berechtigte Angst, dass ihre einzigen Zeugnisse entwertet werden könnten.

DIESES HINDERNIS KANN AUSGERÄUMT WERDEN: DURCH FREIHEIT UND PLURALITÄT DER STUDIENGÄNGE!

Die unsäglichen, verpunkteten und verdummenden BaMa-Studiengänge sollen nach den Betonköpfen jetzt „nachgebessert“ werden. Und warum erhielten die bewährten Studiengänge Diplom, Magister und Staatsexamen seinerzeit nie die Chance, nachgebessert zu werden? Warum wurden sie klammheimlich verboten? Und das unter dem ohrenbetäubenden Geschrei von Hochschulfreiheit und Nachfrageberücksichtigung? Ein einziges Mal können die Betonköpfe der Bologna-Mauer beim Wort genommen werden: Die Lösung ist sehr einfach: Diplom, Magister und Staatsexamen sind wieder freizuschalten, und die Studis können dann frei wählen zwischen diesen Studiengängen und den „reformierten“, d.h. verpunkteten BaMa-Studiengängen. Beide Optionen erhalten gleichermaßen die Möglichkeit der Nachbesserung (selbstverständlich gibt es neue Entwicklungen, vor allem durch die Computerisierung, die berücksichtigt werden müssen). Auch früher schon gab es die Möglichkeit von Erweiterungsprüfungen, etwa von Staatsexamen zu Magister oder umgekehrt – dementsprechend sollten Erweiterungsmöglichkeiten von BaMa zu Diplom/Magister/Staatsexamen und umgekehrt eröffnet werden. Die personellen Ressourcen stehen sofort  bereit, wenn die aufwendigen Akkreditierungsagenturen eingespart sind.

CHANCEN! CHANCEN! TÖNT ES AUS ALLEN MEDIEN – DAS HIER IST JETZT ENDLICH EINE CHANCE, DIE KEINE BLASE IST!

„Sollen wir eine Bank überfallen?“ Aber Frau Wintermantel! Natürlich eine gründen! Und Bad Universities!

Mittwoch, November 25th, 2009

Margret Wintermantel, Chefin der deutschen Rektoren und -innen, Psychologin mit Forschung über Experten-Laien-Dialoge, erwies sich als kläglich unfähig zu einem solchen, als protestierende Studis ein Go-in machten. „Sollen wir denn eine Bank überfallen?“ schrie sie die Studis an.

Aber Frau Wintermantel! Da sieht man, dass Sie den BA in Wirtschaft nicht packen würden: Sie sind nicht auf Exzellenzniveau, sonst wüssten Sie, dass seit langem die Faustregel gilt:

„Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“

Deshalb gleich hier die entsprechende Multiple-Choice-Aufgabe für Sie:

Diese Faustregel wurde formuliert von:

A Friedrich von Schiller

B Josef Ackermann

C Ulrike Meinhof

D Jemand anderem

(1 Credit Point; mehrere Lösungen können richtig sein)

Wenn Sie nun diese Faustregel auf Exzellenzniveau kreativ auf Ihre zugegeben nicht ganz einfache Situation anwenden, ergibt sich folgendes: Ihre Bologna-Blase ist geplatzt (was die Ursprünglichen Chaoten in diesem Blog schon im Juni konstatiert hatten – jetzt sogar von der Fatz bestätigt). Aber nicht verzweifeln! Sie müssen jetzt ernst mit Ihrem Prinzip machen, dass Unis wie Wirtschaftsunternehmen zu führen sind. Was haben die Banken gemacht, als ihre Kredit-Blasen platzten? Sie haben Bad Banks gegründet und die toxischen Kredite darein ausgelagert. Dafür gab ihnen der Staat sofort ein paar hundert Milliarden, damit sie wieder frische Profite machen konnten.

Das ist doch die Lösung für Sie: Sie gründen Bad Universities und lagern die faulen Kredit-Punkte (Credit Points) zusammen mit den toxischen Bachelor-Studiengängen in diese Bad Universities aus: Dann wird Ihnen der Staat für die Exzellenzen ganz sicher die fehlenden Milliarden geben!

Die Ursprünglichen Chaoten, nach einer Idee des Unpolitischen Zwillings

„Wir stehen voll hinter dem Protest der Belegschaft – GM muss Opel jetzt zügig stilllegen!“

Sonntag, November 15th, 2009

Schizophren? Nicht vorstellbar? Wenn aber eine Bundesministerin und alle Landesminister genau solche Erklärungen abgegeben hätten – bloß auf einem anderen Politikfeld? So ist es tatsächlich: Auf die Forderung der protestierenden Studierenden nach Abschaffung der Studiengebühren, der Uni-Dualisierung und der völlig vor die Wand gesetzten Bachelor-„Reform“ mit ihrem absurden Verpunktungs- und Modulsystem, das auf Fast Knowledge, also Verdummung, und vor allem auf die Schaffung eines akademischen Billiglohn-Prekariats hinausläuft, antwortete Frau Schavan und antworteten die Kulturminister: Wir stehen voll hinter den Forderungen der Studierenden – jetzt sind die Unis am Zuge, ihre Hausaufgaben endlich zu machen und die „Reform“ endlich zügig umzusetzen! Vor allem: die Lehrinhalte endlich zügig zu entschlacken!

Studiengebühren? Schweigen. Dualisierung der Unis in Elite und Fast Knowledge, der Profs in Principal Investigators und E-Learning-Begleiter? Schweigen. Bachelor-Verpunktung und -Verdummung? Soll noch gesteigert werden („Entschlackung“)! Abschaffung der Hochschulräte mit ihren Crash-Bankern und der privaten Akkreditierungsagenturen? Schweigen. Wieder umgekehrt: Frau Wintermantel, Chefin der Rektorenkonferenz, kann weit und breit keine „Ökonomisierungstendenzen“ erblicken – sie hält diesen Begriff für „ideologisch“.

Offensichtlich gehen diese V-Träger davon aus, dass ihre Verdummungs-„Reform“ bereits gewirkt habe und die Protestierenden nicht merken würden, was jedem Opelarbeiter sofort aufstieße: Ihr fordert A? Aber wir sind doch total solidarisch mit euch und fordern doch genauso wie ihr endlich die zügige Umsetzung von Non-A! (Ein Modul Logik wäre Schlacke – ist aber weitestgehend schon entschlackt.)

Es ist soweit: Der 1. Stabsärztebruder hat sich geoutet!

Sonntag, September 20th, 2009

In der Vorerinnerung (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee, assoverlag Oberhausen: zum Lesen, Sich-Schenken-Lassen, etwa zu Weihnachten, auch zum Selberverschenken empfohlen) – also in dieser Vorerinnerung ist bekanntlich eine Art zukünftiger Vietnamkrieg der Bundeswehr aus der Sicht der 1970er und 1980er Jahre vorweg-simuliert. Er findet sogar in einem Land A* statt. Dabei spielen die „3 Stabsärztebrüder“ eine Schlüsselrolle: SA 1 (normaler Stabsarzt), SA 2 (Psychiater, Spezialist für Kriegsstresssymptome, V-Mann des MAD sowie in der Sicherheitsindustrie engagiert) und SA 3, der „Überseebruder“ (s. S. 95f. der Vorerinnerung). Zu den Reizen der Lektüre der Vorerinnerung gehört auch eine Art Applikationsspiel mit der Aktualität: Dieser Roman ist u.a. auch eine Art Netz, in das die Realität hineintappt und dadurch sichtbar wird.

Nun hat sich der erste reale Stabsärztebruder, „Dr. Michael Domes, Oberstabsarzt der Reserve, Hamburg“ in einem Leserbrief an die FAZ (14.9.2009) zu der von Bundeswehroberst Georg Klein befohlenen Bombardierung von Tanklastwagen bei Kundus in der Nacht zum 4.9.2009 mit der Massentötung von Zivilisten  geoutet.  Er stellt rhetorische Fragen von der Art: „Ein Luftangriff um circa 1.30 Uhr. Was machen Kinder und unbeteiligte Zivilpersonen um diese Uhrzeit an einem Flussbett außerhalb einer Ortschaft in einem Unruhegebiet?“ (Sie wollten natürlich möglichst viel kostenlosen Sprit abzapfen, wie überall in der 3. Welt bei jeder Gelegenheit, auch an Pipelines, üblich: Es handelt sich beim Frager also nicht um den Überseebruder, der das wüsste.) „Kritik der Vereinigten Staaten: Wie kommt es, dass die jetzigen Kritiker an Deutschland, die in der Regel Amerika und seine Außenpolitik aufs schärfste verurteilen, ungefiltert amerikanische Angaben als korrekt zugrunde legen?“ Das ist die deutsch-nationale Haltung der Stabsärztebrüder aus der Vorerinnerung pur! Zu den Konsequenzen siehe eben diese Vorerinnerung.

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Auch der Vietnamkrieg wurde als Antiterroreinsatz und Hilfe zum Aufbau eines stabilen und demokratischen Südvietnam geführt. Auch damals hieß es: Gnade uns Gott, wenn der Vietcong siegt, dann bricht ganz Asien weg. Auch damals sollte immer mehr „Verantwortung“ an eine „gewählte südvietnamische Regierung“ übergeben werden: Die Eskalation war nur die notwendige Bedingung für die notwendige „Stabilisierung“ – ohne „Stabilisierung“ war an Rückzug nicht zu denken. Auch damals hieß die konkrete Strategie wie heute „clear and hold“ (seinerzeit „search and destroy“), auch sie wurde hauptsächlich mit ständiger „Luftunterstützung“ geführt. Auch dabei gab es massenweise tote Frauen und Kinder. Vorschlag eines Stabsärztebruders könnte sein: Wie damals könnte man verhindern, dass Kinder sich nächstens in „Unruhegebieten“ rumtreiben, indem man die „Unruhegebiete“ ganz räumt und die Bevölkerung in „Dörfer des glücklichen Lebens“ umsiedelt!

Fazit: „Deutschland“ („WIR haben die Kraft“) ist in seinem 1. Vietnamkrieg angekommen, wie in der Vorerinnerung prognostiziert. Aber (fast) niemand hält das für möglich. Stell Dir vor, es ist Vietnamkrieg aus Deutschland, und niemand merkt es. Die Lektüre der Vorerinnerung macht das nicht Vorstellbare vorstellbar.

Die Ursprünglichen Chaoten