Archive for the ‘Zwischenruf der Ursprünglichen Chaoten’ Category

Talokan heißt der 1. GAU der Hochrisikotechnologie namens “neue Bundeswehr” (= Welt-Junta-Bundeswehr)

Dienstag, Mai 31st, 2011

Was am 28. Mai 2011 in Talokan in der deutschen Zone von Afghanistan geschah, ist das bisher größte Debakel der “neuen, reformierten, Bundeswehr”, deren Strategie bekanntlich “vom Einsatz” (in der ganzen Welt) bestimmt ist. Die “engagierten Eliten” (Militärs, Politiker, aber gerade auch Medienleute) waren (völlig zurecht) “von der Rolle”, ja in Panik: Die mediale Gleichschaltung der Bevölkerung rotierte: Teils erfuhr man gar nichts, teils gab es dicke Falschmeldungen: “Selbstmordanschlag” hieß es, und zwei Tage später wurde das kleinlaut als Ente entlarvt – es war viel schlimmer: Eine ferngezündete Bombe hatte im Gouverneurspalast von Talokan installiert werden können.

Die gleichen wild rotierenden Sprachregelungen bei den Opfern: Zuerst wurde gemeldet, “zwei weitere Soldaten der Bundeswehr” seien “gefallen”. Damit konnten die Automaten in Gang gesetzt werden: “feige, barbarische, abscheuliche Tat” (während die eigenen nächtlichen Drohnen-Killungen offenbar tapfer, zivilisiert und ethisch wertvoll sein sollen). Dann kam tropfenweise heraus, dass der Anschlag einem veritablen Gipfeltreffen gegolten hatte: zwischen dem obersten General der Bundeswehr und Befehlshaber aller ISAF-Truppen im gesamten Norden von Afghanistan, Generalmajor Markus Kneip, dem “Polizeichef” ebenfalls des gesamten Nordens, Daud Daud, dem “Polizeichef” der Provinz und anderen Spitzenleuten (sicher auch von den Diensten). Auf deutscher Seite war General Kneip verwundet worden (zuerst: “schwer”, dann: “leicht”), zwei seiner (hochrangigen!) Adjutanten getötet und eine Adjutantin schwer verletzt. Auf afghanischer Seite war Daud Daud unter den Opfern.

Wenn man die Informationspolitik der Bundeswehr auf eine Formel bringen will, dann kann sie nur lauten: “dumm sterben lassen” (die Opfer im wörtlichen, und das Volk im übertragenen Sinne). Denn wer war Daud Daud: etwa ein einfacher “Polizeichef”? Daud Daud war der engste Vertraute und Nachfolger von Achmed Schah Massud, dem kurz vor dem 11. September 2001 noch von den Taliban ermordeten Führer der “Nordallianz”. Daud Daud war also der aktuelle inoffizielle Führer der Nordallianz. Und die Bundeswehr samt BND und MAD hat sein Leben nicht schützen können! Dass der Anschlag in einem Gebäude der “Afghanen” stattfand, ändert daran gar nichts: Die (jährlich mindestens 1 Milliarde teure, vom “Steuerzahler” großzügig alimentierte) “Verantwortung” für ihre Zone liegt bei der Bundeswehr bzw. bei “Deutschland” und nirgendwo sonst. “Die Deutschen” haben nichts gewusst und haben das Debakel mit zu verantworten. Noch-Gesamtchef des NATO-Abenteuers in Afghanistan, US-General Petraeus, der Master Mind der Eskalationsstrategie “clear and hold” mit ihren Killteams und Drohnenschlägen, muss einen Schock erlitten haben.

Denn Daud Daud dürfte unersetzlich sein. Vereinfacht dargestellt (aber es gibt auch Vereinfachungen, die die Struktur klarlegen), ist Afghanistan ein “multiethnisches” Land mit einer paschtunischen Mehrheit, einer Farsi sprechenden Minderheit im Westen und mehreren Minderheiten im Norden, darunter der wichtigsten , tadschikischen. Während die Taliban hauptsächlich unter den Paschtunen dominieren, bildete (und bildet) die scharf anti-paschtunische Mentalität der in der Nordallianz dominierenden Tadschiken so etwas wie die “eiserne Reserve” der NATO-Intervention. Deren Führer hieß Daud Daud, und er konnte bei einem geheimen Gipfeltreffen, auf dem die weitere gemeinsame Eskalation der Petraeus-Strategie zwischen der Bundeswehr und ihren afghanischen “Azubis” besprochen werden sollte, getötet werden!

Damit liegt diese Strategie endgültig in Scherben. Die einzige Alternative zur Option der Vernunft, dem sofortigen Abzug, lautet: noch stärkere, noch riskantere, noch hirnrissigere Eskalation. Deren erster Laut-Sprecher war der CDU-“Verteidigungsexperte” Beck, der einen “Vergeltungsschlag” forderte. Aber auch die Vorschläge der “verteidigungspolitischen Sprecher” der anderen Parteien erinnern an die Maßnahmen von Tepco nach Fukushima: Die SPD bezweifelte die Effizienz der von der CDU angeregten Spürhunde-Einsätze und “biometrischen Überprüfungen” unserer afghanischen Azubis und forderte Verbesserung ihrer “nachrichtendienstlichen Überwachung”. Am nächsten zu einer Tepco-Maßnahme (wie z.B. Einsatz von Wasserwerfern gegen Kernschmelze) kamen die Grünen mit ihrem Sprecher Nouripour: Er forderte ein “Bürgensystem” für unsere Azubis. Er, Nouripour, verstehe nämlich was vom afghanischen Clansystem: Eine “Bürge” würde sein “Gesicht verlieren”, wenn er seine Hand für einen Verwandten ins Feuer gelegt hätte, der sich dann später doch als U-Boot herausstellen würde.

Diese grüne Schizophrenie wäre – wenn es nicht um Leben und Tod afghanischer, deutscher und anderer Menschen ginge – köstlicher schwarzer Humor. Bei der Atomtechnologie treten sie zurecht (unter dem Druck der Bevölkerung) für die Vermeidung auch des kleinsten Risikos ein – bei der GAUrisikotechnologie “Welt-Junta-Kriege der neuen Bundeswehr” schlagen sie ein “Bürgensystem” vor (das wäre doch noch ein Tipp für RWE bei AKWs!)!  Und die Moral von der Geschicht? Bei der GAUrisikotechnologie Eskalationskriege fehlt leider noch der Druck der Bevölkerung. Wie lange noch?

Endlich hieb- und stichfeste Argumente für Verbotsantrag: Sarrazin und SPD vor NPD schützen!

Donnerstag, April 28th, 2011

Schon wieder musste Sarrazin der NPD gerichtlich untersagen lassen, ihn zu zitieren. Das kann nicht so weitergehen, weil auf den 450 Seiten seines Buches noch jede Menge Zitate stehen, die die NPD gerne zitieren möchte. Dabei ist die Schonung besonders peinlich, mit der die NPD Sarrazin behandelt: Sie könnte ja auch selbst auf Plagiat klagen.

Noch einmal: Das kann so nicht weitergehen. Weder ist Sarrazin der Stress ständiger Klagen noch der SPD das Damoklesschwert einer NSPD-Gründung zuzumuten. Diese Notstandssituation der Demokratie dürfte endlich in Karlsruhe durchschlagen: Ein neuer Verbotsantrag gegen die NPD dürfte endlich Erfolg haben, weil das Argument eines Notstands der Demokratie wegen der Möglichkeit, eine in der Wolle gefärbte demokratische Urgestein-Partei nicht mehr klar von einer totalitären Partei unterscheiden zu können. die Karsruher Richter überzeugen wird.

Nur ein Verbot der NPD kann diese daran hindern, ständig weiter Sarrazin zu zitieren, obwohl diese Zitate inzwischen von höchster SPD-Stelle (Bundesschiedskommission ) als in der Mitte sozialdemokratischer Meinungsfreiheit liegend  gewürdigt worden sind. Man hat Sarrazin dabei ganz explizit die Demütigung erspart, ihm eine Distanzierung von seinem Buch aufzunötigen.

Nur ein Verbot der NPD kann ferner deren Stimmen (jedenfalls einige) auf demokratische Parteien (und besonders auf die SPD) umverteilen. Denn es ist nicht ausgemacht, dass der Spruch der Schiedskommission dieses Ziel bereits erreichen wird: Es bleibt ein Restrisiko, dass die gewonnenen NPD-Stimmen die verlorenen alt-sozialdemokratischen Stimmen nicht nur nicht überwiegen, sondern vielleicht sogar nicht einmal ausgleichen werden. Solche Restrisiko-Kalküle sind einer demokratischen Volkspartei ebenfalls einfach nicht länger zuzumuten.

Diese Argumente werden Karlsruhe endlich überzeugen. Da sind wir ganz sicher!

Die Ursprünglichen Chaoten

Fukushima: Wirklich kein Robotereinsatz?

Mittwoch, März 30th, 2011

Viele fragen sich, warum Japan – bekanntlich an der Weltspitze der Roboterentwicklung – in Fukushima keine Roboter einsetzt. Nun gibt es neuerdings den Verdacht, dass mindestens in der Informationspolitik zu Fukushima bereits Roboter im Einsatz seien. So soll die Informationsquelle, die als “Regierungssprecher Yukio Edano” auftritt, in Wirklichkeit ein Roboter sein. Man begründet das damit, dass er seit nunmehr fast 3 Wochen stereotyp von rechts her die Bühne betrete, sich stereotyp verneige, am Mikrofon stereotyp eine Kopfhaltung schräg abwärts zu den Kameras einnehme und stereotyp das Gleiche sage.

Gerade der letzte Umstand lässt uns allerdings an dieser Verschwörungstheorie zweifeln: Tatsächlich sind die “Informationen” dieser Quelle nicht bloß stereotyp, sondern hyperstereotyp. Es gibt nur ganz wenige Varianten: Entweder: “besorgniserregend, aber nicht gesundheitsgefährdend” oder “ernst, aber stabil”. Kenner wissen, dass echte Roboter bereits sehr viel intelligentere Programme besitzen.

Die Ursprünglichen Chaoten

ölbäder und der deutsche v-träger erinnert sich an seinen wüstenfuchs

Mittwoch, März 23rd, 2011

Der V-Träger ist der Verantwortungs-Träger.  Er spielt eine Hauptrolle im Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag Oberhausen).  Wenn die Ursprüglichen Chaoten, seine Gegenspieler im Roman, Glück haben, können sie bekanntlich die Stimme des V-Trägers mithören.

So gestern Nacht, als auf dem Bildschirm das Bild mit den Kriegsschiffen im Mittelmeer plötzlich ausfiel, der Ton aber weiterlief, allerdings schlagartig ganz anders: Es war die Stimme des V-Trägers!  Mal wütend, mal lamentierend, und sie sagte:

meine grünen wüstenstürmer pinkeln mich jetzt an vonwegen drückebergerei in der libyschen wüste.  sie kapieren einfach gar nichts grün hinter den ohren und ölige laien in wüstenstürmen wie sie sind.  ich verstehe schließlich was von wüstenstürmen in libyen, mein welschmann hat schon  vor 100 jahren welche geführt und ich selber mit meinem wüstenfuchs vor 60.  mein wüstenfuchs war wirklich genial was wüstenstürme angeht und hat trotzdem verloren.  seit mein 3. versuch läuft und ich wieder kriege führen muss, ist mein eisernes prinzip: nie wieder verlorener krieg.  schon gar nicht wieder verlorener blutkrieg.  ich bin kein öliger anfänger, als ob ich nicht wüsste, welche enormen blutvorkommen in der libyschen wüste –  was soll das blinken von wegen semantische vertauschung – scheiß programm!  abschalten!  ach du dicker pater was hab ich da wieder gesagt!

mein franzmann will die blutanlagen erobern, und ich soll den ölzoll mitentrichten (ich habe gesagt: blinken abschalten!) aber ich entrichte ölzoll nur noch, wenn der sieg absolut garantiert ist, nie wieder vonwegen bis zum letzten öltropfen kämpfen und so: die verantwortung liegt doch im endeffekt wenns zum schwur kommt immer bei mir.  meine generäle warnen mich vor imperial overstretching, sie haben in afghanistan und am horn schon genug zu tun.  mein franzmann ist voll im imperial overstretching drin, das sieht doch jeder, ich weiß von meinen diensten, dass er neural enhancing pillen nimmt und schon völlig süchtig ist, ich brauch ihn doch nur da rumzappeln zu sehen.

meine verantwortung heißt blutquellen sichern und sicherer blutfluss, und das wird durch die strategie meines franzmanns, ölbäder mit noch mehr ölbädern zu bekämpfen, doch total verunsichert!  schon jetzt steigt der blutpreis wie eine rakete (verdammtes blinken scheiß programm: ich habe euch gesagt: abschalten!) wenn mein franzmann in der wüste schiffbruch erleidet, wird der blutpreis explodieren und meinem aufschwung den gau verpassen.  das kann ich nicht verantworten.  dieser stress zerreißt mich, mein öldruck geht schon wieder hoch zusammen mit dem blutpreis, und mein internist sieht ein infarktrisiko, aber ich bin sicher, dass das infarktrisiko meines franzmanns viel höher ist.

Da war auch die Stimme weg und bloß noch ein schwarzer stummer Bildschirm übrig: Hoffentlich nichts Schlimmes passiert. Das war ein nächtliches Déjà-vu, denn diese ganze Situation ist vorerinnert im Roman: Siehe das Kapitel “dem v-träger geht einiges durcheinander, als der ernstfall wieder an ihm herantritt (simulation von 1972 auf 1990)” (S. 744-752).

Bei der Gelegenheit nochmal warum es sich lohnt, den Roman “Bangemachen…” zu kaufen, sich schenken zu lassen, ihn zu lesen und/oder zu verschenken: Dieser Roman erzählt jenseits der Kretin-Alternative “entweder politisch oder erfahrungssubjektiv” die Geschichte des deutschen V-Trägers und der Ursprünglichen Chaoten zwischen der 68er Zeit und dem 21. Jahrhunderts. Wie es zum 3. Versuch des V-Trägers kam, in dem wir heute leben müssen. Erzählt es poetisch und satirisch, sensibel und cool. Nach der Lektüre weiß die Leserin, in welcher Geschichtslandschaft sie heute lebt und wie es dazu gekommen ist.

Luftschläge auf Tripolis: Wo bleibt der Kinderschutzbund?

Dienstag, März 22nd, 2011

Die Leser/innen dieses Blogs wissen, dass hier versucht wird, Fakten und Argumente einzubringen, die in den “normalen” Diskursen ganz fehlen oder die im Getöse des Mainstreams untergehen.

Jetzt fallen die deutschen Wüstenstürmer von Reitz bis Özdemir und Andrea Nahles sogar über Guido und Angela her, weil “wir” nicht beim Bomben auf Tripolis dabei sind. Dabei sollten wenigstens die Grünen und “SPD-Linken” (und ihre Wählerinnen) an mindestens zwei Fakten denken:

Erstens sind Luftschläge in großstädtische Gebiete hinein mindestens (mindestens!!!) tausendfacher schwerer Kindesmissbrauch. Kann sich Andrea Nahles nicht vorstellen, was es für ihr Baby für Folgen hätte, wenn sie mit ihm im Keller sitzen und auf das Ende der Raketeneinschläge in nächster Nähe warten müsste? Nach einem Amoklauf in einer Schule rücken jeweils ganze Brigaden von Seelsorgern und Psychologen an, um die Traumatisierungen der immerhin schon Teenager zu lindern und lebenslange Schäden mindestens einzugrenzen. Und was ist ein Amoklauf gegen Raketen- und Bombeneinschläge in nächster Nähe? Man frage die heute 70 jährigen, die als Kinder noch Bombenangriffe in dem Jahren 1943-1945 erlebt und überlebt haben, ob sie das Trauma je “bewältigt” haben. Damals ging es gegen Hitler, richtig – Gaddafi ist vielleicht alles mögliche, sicher ein “Despot”, aber kein Hitler. Ob er als “Charakter” ein Hitler ist, spielt dabei keine Rolle: Er besitzt nicht das welteroberungsfähige militärische Potential der Weltmacht Deutschland, das Hitler zur Verfügung stand, und steht nicht im Eroberungskrieg gegen andere Länder. Hitler als Welteroberer war tatsächlich ein absoluter Grenzfall, der als Modell für Ölkriege nun wirklich nicht taugt.

Zweitens besonders ins Stammbuch der Grünen: Raketen- und Bombenschläge in großstädtische Gebiete hinein richten dort enorme und langandauernde ökologische Schäden an.

Aber “Zivilisten und Demokratie unterstützen”? Gibt es unter den Bewohnerinnen des Großraums Tripolis (immerhin Zweidrittel der Bevölkerung Libyens) keine Zivilisten? Ach nee: das sind entweder “Söldner” Gaddafis oder von Gaddafi “als Schutzschilde Missbrauchte”, auf die wir keine Rücksicht nehmen können, wenn es darum geht, “Zivilisten zu schützen und uns für Demokratie und Menschenrechte zu engagieren”.

Wohlgemerkt: All das unter der total kontrafaktischen Annahme, dass es “präzise chirurgische Luftschläge” gibt, die genau bloß Gaddafis und ähnliche bad guys treffen und dabei keine Zivilisten oder andere zugestandenermaßen Unschuldige mit massakrieren.

Wäre es nicht langsam eine Überlegung wert, Luftschläge in städtische Gebiete hinein als schwere Kriegsverbrechen ein für allemal zu ächten (mindestens!!! wegen der Kinder)?

Das Nordafrika-Szenario des V-Trägers wird real

Mittwoch, März 9th, 2011

Der V-Träger ist der Verantwortungs-Träger. Er ist eine Hauptperson des Romans “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag Oberhausen 2008). Dieser Roman versucht in einer seiner mehreren Dimensionen begreifbar zu machen, wie “dieses unser Land” unter der Verantwortung des V-Trägers wieder zu einer führenden Weltmacht wurde, so dass es heute bei allen Kriegs-Szenarien überall von vornherein völlig normal “engagiert” ist. Aktuell beim “Nordafrika-Szenario”.

Ein solches “Nordafrika-Szenario” wurde in dem Roman vorerinnert (siehe S. 837ff.). Die Ursprünglichen Chaoten, Gegenspieler des V-Trägers, versuchen, gegen die Simulationen und Szenarien des V-Trägers eigene satirische Simulationen zu stellen, indem sie z.B. auch den V-Träger simulieren. Das ist eine der Dimensionen des Romans: die Dimension einer Art von interaktivem Anti-Computerspiel. Man erkennt die vorerinnerte Simulation als Realität wieder – einschließlich der Unterschiede zur Simulation – und begreift auf diese Weise ihre Struktur und Kausalität, einschließlich der Schwachpunkte des V-Trägers.

Aber nun das Szenario. Es kommt im Kapitel “das definitive schlusswort des v-trägers” vor (seite 835-839). Zwei Ausschnitte (GAU heißt Größter Anzunehmender Unfall):

“ich spiele jetzt seit fast 2 wochen GAU-games, das sind die einzigen wirklich intelligenten und wirklich realistischen computerspiele, die ich kenne.  gewonnen hat, wem es gelingt, einen GAU auszulösen.  das ist eine äußerst schwierige aufgabe, weil zuerst nur normale züge erlaubt sind und als erstes sektorielle notstände durch normale züge plus zufallsgeneratoren erreicht werden müssen.  bei einem sektoriellen notstand kann man normale notstandsmaßnahmen ergreifen.  wenn man möglichst viele sektorielle notstände (z.b. massenarbeitslosigkeit plus abschneiden der sozialen netze, ethnische pogrome, AIDS, rinderwahnsinn oder ähnliches) auf die beine gestellt hat, erhöht sich die chance, dass durch die kopplung mehrerer sektorieller notstände per zufallsgeneratoren ein großnotstand erreicht werden kann [… usw.]

das beste an meinen spielen ist der realismus, dass es nicht um idiotische planeten und meteoreneinschläge und diese ganzen gentechnikunfälle geht, wo nicht bloß zwillinge, sondern mindestens 7linge oder 8linge mit einem killergen geklont werden, sondern z.b. darum, wie die europäische wiedervereinigung in einen GAU ausbüxen kann, wenn ich die normale strategie blut und eisen meines eisernen kanzlers anwende, wo ich also, um den sack flöhe unter einen hut zu kriegen, einen äußeren feind und einen gemeinsam geführten krieg als katalysator der einheit brauche, wo sich dann keiner ausschließen kann, was wirklich genial von meinem eisernen kanzler damals war [… usw.]

einmal habe ich vor 2 tagen mit einem nordafrikaszenario schon den GAU geschafft: durch eine geschickte kombination normaler züge wie ein allgemeines kopftuch- und vollbartverbot in den meisten euroländern plus fremdsprachenverbot in der öffentlichkeit (außer englisch und europäischen sprachen, wo es tolle absurde streitfälle gibt nicht bloß über türkisch) plus zufallsgenerator X (z.B. besonders ausgefallene echte und unsichtbare-kräftesäfte-viren) sind islamische fundamentalisten in algier an die macht gekommen und ihre fanatischen jungen mujaheddin haben die französischen und deutschen ölspezialisten als geiseln genommen und nur die deutschen freigelassen und die franzosen dann massakriert.  da war dann zugzwang zum großnotstand im ganzen euroland und zum schulterschluss mit meinem franzmann und zum gemeinsamen V-schlägekrieg und auch zur gemeinsamen eroberung und zum gemeinsamen protektorat, von wo es dann viel schneller zum GAU vorwärtsgegangen ist, als ich gedacht hätte, wegen der wirklich sehr realistischen und sehr intelligenten zufallsgeneratoren beim öl und bei den vielenn AKWs meines franzmanns.

[… usw. zum nachlesen im original.]

Flugverbotszone wäre auch ein guter Zufallsgenerator im GAU-Game gewesen.

Gaddafi plagiiert die NATO

Sonntag, März 6th, 2011

Jetzt macht er auch noch copy and paste! Und plagiiert unverschämterweise den Diskurs der NATO! Er führt “gezielte Luftschläge”, und zwar nur gegen “Al Kaida” und andere “Aufständische”, rein militärisch. Obwohl das nur bei Demokraten legitim ist. Kein “Luftschlag” sei gegen Zivilisten geführt worden, sagt Saif Gaddafi in Interviews – als ob er ein Demokrat wie Petraeus, Wieker oder Klein wäre, deren zivile Opfer tatsächlich und zweifellos ausschließlich “tragisch” zutode kommen. Er könnte die NATO noch weiter plagiieren und von “Kollateralschäden” reden, was er sich vermutlich für noch schlimmere Massaker aufspart.

Wie verheerend die Wirkung seiner Plagiate ist, zeigt sich nun bereits in Afghanistan, wo es erstmals Massenproteste in Kabul gegen demokratische Luftschläge der NATO gibt, bei denen Kinder tragisch zutode kamen. Dabei verwechseln die afghanischen Protestierer völlig diktatorische mit demokratischen Luftschlägen. Und sehen sich offenbar in solidarischer Analogie mit den demokratischen Rebellen in Tunis, Ägypten und Libyen. Und merken nicht, dass sie sehr schnell auf die Seite der bösen Rebellen geraten können, die ein legitimes Ziel von demokratischen “Luftschlägen” sind!

Das Rätsel der zwei Zweidrittelmehrheiten

Samstag, Februar 26th, 2011

Bei repräsentativen Umfragen sprechen sich jeweils etwa zwei Drittel der Befragten in Deutschland gegen den Krieg der Bundeswehr in Afghanistan (und für den Rückzug) sowie für die weitere Führung dieser Bundeswehr durch Minister Guttenberg aus (trotz dessen “handwerklichen Fehlern” in seiner Doktorerwerbs-Strategie und -Taktik).

Wenn man annimmt, dass die Mehrheit des bellizistischen Drittels (darunter viele Grünenwähler/innen) auch für den Oberkommandierenden Guttenberg votiert und die Mehrheit des Anti-Guttenberg-Drittels für den Abzug aus Afghanistan ist, stellt – grob überschlagen – das Schnittmenge-Drittel ein Rätsel dar.

Schizophrenie? Weibliche (und männliche) Suggestibilität durch den angeblichen Sex-Appeal? Oder die Annahme, dass der Minister, der die Wehrpflicht de facto abgeschafft und es dadurch unmöglich gemacht hat, dass jemals ein junger Deutscher, der sich nicht freiwillig dazu gemeldet hat, in Afghanistan fallen kann – dass dieser Minister den heimlichen Plan verfolgt, die Wehr in Kürze zurückzuziehen?

Gegen die zuletzt genannte Hoffnung spricht natürlich gerade die Umstellung der gesamten Wehr auf sogenannte “Elite”-Soldaten mit Profimentalität, die sich noch nie in der Geschichte viel Gedanken über Demokratie und Zivilistenrechte im Krieg gemacht haben. Es spricht auch Guttenbergs bedingungslose Zustimmung zur Petraeus-Eskalations-Strategie dagegen.

Also stehen wir beim Schnittmenge-Drittel vor dem Rätsel eines schwarzen Lochs. Bitte melden, wer hineinleuchten kann.

“Luftschläge” gegen Menschen am Boden – wenn von Gaddafi befohlen, ein Verbrechen

Dienstag, Februar 22nd, 2011

“Gaddafi bombardiert sein Volk” (WAZ). Kampfhubschrauber und Jets gegen unbewaffnete Demonstranten – niemand bezweifelt, dass es sich dabei um eine der schlimmsten Formen von Verbrechen handelt. An Feigheit nicht zu übertreffen.

Natürlich behauptet Gaddafi (bzw. sein Militär), dass sich “Terroristen” unter die Demonstranten infiltriert hätten. Das hätten ihm seine Dienste glaubwürdig berichtet. Dass es “Aufständische” (insurgents) sind, kann ja niemand bezweifeln. Wenn die libyschen “Despoten” den westlichen Diskurs fleißig gelernt haben, werden sie formulieren: Die infiltrierten Terroristen haben “die Demonstranten als Geiseln genommen.”

Hören wir zum erstenmal von “Luftschlägen” gegen “Aufständische”? Wenn man unseren Medien und Politikern folgt, ist das was ganz Neues – wozu nur ein Gaddafi fähig ist. Denn wenn die Bundeswehr einen “Luftschlag” gegen die Bewohner eines ganzen afghanischen Dorfes anordnet und dabei mindestens 150 Leichen produziert werden (unter denen Frauen und Kinder am Boden liegen), dann ist es unerhört, das mit Gaddafi zu “vergleichen”. Dann werden die eigentlichen Täter vom geheimen KSK gar nicht aufgedeckt und der offizielle Täter Oberst Klein von jedem Verfahren befreit. Warum? Weil Klein (oder wer es war) aus sicheren Quellen wusste, dass sich in die Dorfbewohner “Aufständische” infiltriert hatten, die die Zivilisten “als Geiseln genommen hatten”.

Und das genügt, um einen “Luftschlag” zu rechtfertigen. Wie solch ein Luftschlag aus Kampfhubschraubern abläuft, kann man – in Libyen sehen? Leider momentan (noch) nicht “aus sicheren Quellen”, weil Gaddafi eine Nachrichtensperre verhängt hat. Aber man kann es auf Wikileaks in dem Video “Collateral Murder” in allen Einzelheiten anschauen, wie es im Irak abläuft. Und ebenso läuft es hundertfach und fast wöchentlich in Afghanistan und Pakistan ab: meistens von Drohnen durchgeführt. Solche aus Texas gesteuerten Drohnen-Luftschläge sind “tapfer” – jeder Selbstmordanschlag ist “feige”.

Das aufständische libysche Volk bringt seine fürchterlichen Opfer hoffentlich nicht vergeblich: Es besteht die Chance, dass Gaddafi zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Und was können wir tun? Ceterum censeo exercitum Germanicum ex Afghanistan esse recedendum. Cito et velociter!

Warum Latein? Weil das die Chance erhöht, dass der Oberkommandierende der Bundeswehr es kopiert – und zwar als “Tagesbefehl”!

People’s Power in Ägypten und das “gelbe Grinsen” unserer Stabildemokraten

Samstag, Februar 12th, 2011

Im Französischen gibt es einen nicht ins Deutsche übersetzbaren Ausdruck: das “gelbe Lachen” (rire jaune), womit eine erzwungene äußerliche Freudenbekundung gemeint ist, der innerlich eine Frustration und eine Wut entsprechen. Solch “gelbes Grinsen” über den ersten großen Sieg der ägyptischen Revolution an ihrem Tag 18 konnten wir bei vielen unserer Stabildemokraten beobachten. Natürlich freuten sie sich alle, wie sie sagten, aber kurz danach (bei manchen direkt danach) begannen ihre immer dickeren “Aber”. Muss uns denn nicht ein Volk größte Sorgen machen, das People’s Power erzwungen hat, das “aber” zu über 50 Prozent von Hartz IV leben würde, wenn es in Ländern “da unten” Hartz IV gäbe? (Anders gesagt: ein Volk der 4. Normalitätsklasse.) Das “aber” keine “normalen” und “verantwortlichen” Oppositionsparteien und keine “charismatischen und verantwortlichen Oppositionsführer” besitzt? Für das eine Präsidialverfassung nach USA-Modell (statt zumindest eine parlamentarische Verfassung wie in Deutschland) noch gar nicht ausgemacht ist? Das “aber” offensichtlich mehr in Richtung Volldemokratie statt in Richtung einer “stabilen Normal-Demokratie” tendiert?

Was ist der Unterschied? Volldemokratie im Sinne sowohl von inhaltlicher Demokratie wie von Basisdemokratie (Vollversammlungs-Demokratie) ist sicherlich ein schwer zu erreichendes Ideal (eine “Utopie”, würden die Stabildemokraten sagen – aber eine “konkrete Utopie”, wäre ihnen zu antworten). Dennoch taucht dieses Konzept in mehr oder weniger deutlicher Form in allen großen Volksrevolutionen seit dem 18. Jahrhundert immer wieder auf. Jetzt auch wieder am Nil. Wenn die Besetzer des Tahrir-Platzes ununterbrochen von den Medien gefragt wurden, wer ihr “Leader” (Führer) sei – ob dieser oder jener Blogger -, dann war die ständige Antwort: Wir haben keinen Führer und brauchen auch keinen, uns geht es um inhaltliche Entscheidungen, die beraten wir kollektiv und fällen sie demokratisch. Also inhaltliche Demokratie. Wie es eine Specherin sagte: Uns ist es egal, welche Person jetzt an der Spitze des Militärrates steht, uns geht es um die Inhalte: Aufhebung des Ausnahmezustands, Freilassung aller politischen Gefangenen, Annulierung der Mubarak-Verfassung und des Mubarak-Parlaments – egal von welcher Person verkündet.

Das kann allerdings unsere Stabildemokraten nur mit größter Sorge erfüllen: Das hieße ja, dass bei uns die Basis über Stuttgart 21 usw. entscheiden dürfte! Das hieße ja, dass die Frage nicht mehr wäre, ob Schröder oder Merkel den Afghanistankrieg führt, sondern ob er geführt oder nicht geführt wird! Das würde ja mindestens bedeuten, dass wir keine Parteien mit Fraktionszwang mehr hätten, also keine Stabilparteien mehr. Das bedeutete konkret, dass der Fraktionszwang nicht ausnahmsweise bei Bonn/Berlin bzw. bei PID, sondern am Ende bei einer Frage wie Krieg oder Frieden aufgehoben werden könnte – oder dass es dazu gar eine Volksabstimmung geben müsste. Wo das und alle ähnlich wichtigen inhaltlichen Fragen doch in einer Stabildemokratie nicht das Volk, sondern verantwortliche Experten entscheiden. Die auch das Monopol auf die Massenmedien haben müssen (Modell Anne Will).

Nicht zu reden von Problemen der Ausbeutung und vom Problem der Wirtschaftsdemokratie, also von den Geschäften des V-Trägers höchstpersönlich. Das muss in einer Stabildemokratie alles “verantwortlich” im Sinne des V-Trägers vorweg-entschieden sein, sonst droht “Chaos”.

Die Forderung nach Volldemokratie schließt also immer das Risiko ein, dass eine im Sinne des V-Trägers “verantwortliche” und “stabile” Regierung der “Mitte” nicht zustande kommt. Also keine “normale” Demokratie (im Sinne einer symbolischen Quasi-Normalverteilung mit vorherrschender linker und rechter “Mitte” und kleingehaltenen “Extremen”). Also “Chaos”. Sogar bei uns in der 1. Normalitätsklasse besteht dieses Risiko.

Und nun in einem Land der 4. Normalitätsklasse mit völlig schiefer Verteilung des Lebensstandards (Mehrheit auf Hartz-IV-Niveau und weit darunter). Kein Wunder, dass die Freude unserer Stabildemokraten “gelb” ist. Was, wenn das Volk “da unten” “unsere Hilfe beim Aufbau stabiler Parteien” ablehnen sollte? Kommt dann die Mubarak-Gleichung wieder zu Ehren, die ja lautete: Stabilität in einem Land niedriger Normalitätsklasse gleich Stabildemokratie minus Demokratie?! Weil sie innerlich von der Richtigkeit dieser Gleichung überzeugt sind, ist die Freude unserer Stabildemokraten so “gelb”.

wikileaks und die kommenden kulturrevolutionen: tendenz volldemokratie.

Donnerstag, Dezember 16th, 2010

Ein Gespenst geht um im Netz – das Gespenst des Wikileaks. Alle Mächte des alten globalen Dorfs haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, der Papst und die saudischen Prinzen, Putin und Obama, Amazon und Mastercard, chinesische Kommunisten und deutsche Turbotuis bei Anne Will. Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor: Wikileaks ist bereits von allen globalen Mächten als eine Macht anerkannt.  Alle Mächte sehen “dringenden Handlungsbedarf” dabei, Wikileaks mit vereinten Kräften zu zerschlagen.

Anders gesagt: Der V-Träger (siehe die Vorerinnerung “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee”, asso verlag Oberhausen, mögliches Weihnachtsgeschenk last minute), also der globale Verantwortungs-Träger, hat den “fairen Wettbewerb” darum eröffnet, mit welchen Diskursen man Wikileaks am besten zerschlagen kann. In dieser Konkurrenz um Schweinegeld geht es höchst satirisch und höchst ungewollt kulturrevolutionär zu: So entdecken die Spötter über “politische Korrektheit” pötzlich in gottserbärmlicher Humorlosigkeit das “Gesetz” des Ladendiebstahls und schlagen dem V-Träger vor, die Transparenz von Megaverbrechen, darunter der von der UNO-Charta als größtes Verbrechen überhaupt definierten Kriegsvorbereitung, als “Diebstahl” zu definieren. Diebstahl von was, wird der V-Träger sicherlich fragen – Antwort der wissenssoziologisch studierten Turbotuis: Von “Wissen”.

Erstaunlicher als solche Angebote an den V-Träger ist das Ausbleiben eines Engagements für Wikileaks: Wo bleiben Institutionen wie  Transparency International (bekommen sie kalte Füße, sobald mit Transparenz Ernst gemacht wird?) – und wo bleibt die Zunft der Zeithistoriker? Müsste diese Zunft nicht ein großes Manifest gegen die Versuche herausgeben, Wikileaks zu zerschlagen? Hat nicht Wikileaks “aüßerst wertvolle Quellen” zugänglich gemacht? Und zwar über jetzt noch anhaltende Kriege (während unsere Zeithistoriker in den Archiven noch mit der Lupe nach weiteren Quellen über die Weltkriege forschen)? Und sogar über noch nicht begonnene, aber bereits akut geplante Kriege: Ein saudischer Prinz hat die USA dringend aufgefordert, der “Schlange den Kopf abzuschlagen”, im Klartext: einen Krieg gegen den Iran zu beginnen? “Diebstahl von Wissen”?

Keine zwei Jahre ist es her, als in der Panik des Crash all jene, die jetzt mit verbissenen Gesichtern die Zerschlagung von Wikileaks und die lebenslange Verknastung der “Quellen” fordern, sich in Propagierung von “Transparenz” überboten. Daraus wurden bekanntlich bloß Mogelpackungen, die die Transparenz des Finanzsektors erheblich verkleinert haben. (Transparenz ist für den V-Träger das rote Tuch schlechthin – beruht doch sein ganzes Konkurrenzsystem auf maximaler Intransparenz.) Spricht es da nicht Bände, dass genau in dem Moment, wo Wikileaks Quellen aus Banken zugänglich machen wollte, das eingangs erwähnte Bündnis losgeschlagen hat?

Aber – da sind sich alle Turbotuis einig – Kriegsverbrechen und Finanzvergehen in den Vordergrund zu rücken, wäre ungeschickt. Reden wir also von diplomatischen Albernheiten und Dummheiten, die angeblich unter “private Diskretion” fallen. In der Tat gilt es, private Intimität (wie etwa sexuelle Vorlieben) durch Diskretion zu schützen. Aber keines der von Wikileaks publizierten Dokumente wurde von Wikileaks verfasst! Es waren Diplomaten der Supermacht, die solche Indiskretionen, Albernheiten und Dummheiten nach Washington gekabelt haben. Jeder Zeithistoriker wird zugeben, dass es leider zur Geschichtsschreibung dazugehört, auch die Dummheiten und Albernheiten einer Supermacht-Diplomatie zu “wissen”. Dummheiten und Albernheiten haben oft genug bei Kriegsvorbereitungen und Kriegsverbrechen mitgewirkt.

Die kommenden Kulturrevolutionen werden volldemokratisch sein, oder sie werden nicht sein. Transparenz aller öffentlich relevanten Wirtschaft und Politik ist so etwas wie das notwendige Spielfeld für volldemokratische Spiele, und Wikileaks bedeutet womöglich das bisher wichtigste Ereignis dieser Tendenz. Sollte die Operation Zerschlagung so weitergehen, wie sie begonnen hat: mit derartigen argumentativen Selbsttoren oder gar mit der Satanisierung und “Terroristisierung” von Julian Assange und seinen Mitstreitern bzw. ihren Quellen, dann sollten alle kulturevolutionären Tendenzen, gerade auch die mit satirischen Potentialen, diesen Kampf als den ihren begreifen und sich entsprechend engagieren.

“Korrigiert sich” Mister Protonormalism? oder: Die Neuauflage der Neuauflage des “Heidelberger Manifests”

Montag, November 15th, 2010

“Bild am Sonntag” hat philologische Arbeit geleistet: Vielleicht waren es germanistische Praktikantinnen, die die 460 Seiten der 14. (!!) Auflage der Abschaff-Bibel textkritisch durchgesehen haben. Resultat: Einige krass “genetische” (altrassistische) Formulierungen wurden gestrichen bzw. “gemildert”. Das war aber bereits die zweite taktische Kosmetikoperation, wie der Abschaffpapst auf Seite 409 mit gewohnter Offenheit mitteilt: “Nicht jeder teilt meine Freude an prägnanten Formulierungen. Friedrich Thelen erklärte sich bereit, das Werk (!!) vor dem Hintergrund seiner langjährigen journalistischen Erfahrung durchzusehen.” Die neuerliche “Glättung” dürfte erfolgt sein, um das Ausschlussverfahren aus der SPD noch zu kippen. Offenbar sollte sie – ein erster Riesen-Streich – es dem Helden des Krisen-Managements, der die Abermilliarden Steuergelder in die Banken gekippt hat, erleichtern, sich nun offen für S. zu erklären.

Nun ist dieses ganze Manöver der taktischen Umformulierungen aber ein Déjà-vu, wie man in Heft 2 der Zeitschrift “kultuRRevolution” vom Februar 1983 nachlesen kann (leider vergriffen, in Bibliotheken ausleihbar). Dort wurde eine “Historische-kritische Ausgabe” des “Heidelberger Manifests” dokumentiert. Was war das “Heidelberger Manifest”? Es war ein Aufruf von zunächst 15, dann nur noch 11 Professoren, hauptsächlich Humangenetikern, gegen – vor allem – türkische – Einwanderung und ein Appell zur Refertilisierung des eingeboren-“deutschen” Volkes. Es war also nichts anderes als das jetzt so groß als originell medialisierte Abschaff-Manifest. Insbesondere der Bochumer Astronom Theodor Schmidt-Kaler hatte damals allzu eindeutig rassistische Töne zu “mildern” gesucht, um seine Partei (die CDU) für eine Politik des Einwanderungsstopps, der “Rückführung” und der Refertilisierung zu gewinnen. War in der ersten Fassung noch von der “Unterwanderung des deutschen  Volkes durch Millionen von Ausländern und ihre Familien”, von der “Überfremdung unserer Sprache, unserer Kultur und unseres Volkstums” die Rede gewesen, so wurden “Unterwanderung”, “Überfremdung” und “Volkstum” später gestrichen. Hieß es vorher: “Gegenüber der zur Erhaltung unseres Volkes notwendigen Zahl von Kindern werden jetzt jährlich kaum mehr als die Hälfte geboren” – so las sich das nach Tische folgendermaßen: “Die Lage erschwert sich dadurch, daß nur wenig mehr als die Hälfte der Kinder geboren werden, die für ein Nullwachstum der deutschen Bevölkerung der Bundesrepublik erforderlich wären: die Erneuerung der generativen Funktion der deutschen Familie ist dringend nötig.”

Und Schmidt-Kaler fügte vor allem folgenden Passus ein: “Was die Lösung dieses Problems so erschwert, ist die Tatsache, daß in der öffentlichen Diskussion die notwendigen Fragen nicht mehr gestellt werden können, ohne daß gegen die Fragesteller der Vorwurf des Nazismus erhoben wird.” Dieser Vorwurf war damals noch zu Recht gefürchtet, und deshalb musste “Prof.” Oberländer, bekannter Ex-Minister mit Verstrickung in die “Endlösung”, seine Unterschrift zurückziehen.

Wie man sieht, hat S. lediglich eine Neuauflage dieses “Manifests” auf den Markt geschmissen: natürlich ausführlicher, mit viel protonormalistischen statistischen Tabellen (die aber ebenfalls schlicht auf eine “Erneuerung der generativen Funktion der deutschen Familie” zielen – besonders in den seitenlangen Passagen gegen die “kinderlosen Akademikerinnen”). Nicht nur in diesem Punkt handelt es sich um eine schlichte Kopie – besonders entlarvend ist die Übernahme der zentralen Parole des Heidelberger Manifests: “Nicht die Menschen zu den Maschinen, sondern die Maschinen zu den Menschen” (bei S. Seite 258). Man könnte das endlos fortsetzen – u. a. auch die Berufung auf Eibl-Eibesfeldt.

Und nun aber der Unterschied zu damals: Damals von der hegemonialen Öffentlichkeit, vor allem dem hegemonialen mediopolitischen Diskurs, mit überwältigender Mehrheit abgeschmettert – heute von dem medialen Diskurs mit durchschlagender Mehrheit (BILD plus Spiegel plus etc.) als “Meinungsfreiheit respektiert” – dem womöglich der politische folgen wird (siehe das Menetekel Steinbrück, der imgrunde sagt: leiber Freund S., streich doch die Genetik nich stärker: dann werden wir alle Dir recht geben! Als ob die Genetik nicht auch in der “Kultur” stecken würde).

In dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (asso verlag Oberhausen: brauchbares Weihnachtsgeschenk) kann man bei der Figur des “Volkstodastronomen” an Schmidt-Kaler denken – und der neue “deutsche Volksheld” (Spiegel) und Mister Protonormalism ist in mehreren Kapiteln, am exaktesten im Kapitel “Zwillingsgeschichte Zwillingsforschung”, vorerinnert. Der Held des Kapitels ist ein Zwillingsforscher, der IQs testet, sich selbst für ein Genie hält und von den Antiheldinnen, einem weiblichen Zwillingspaar, in den Wahnsinn getrieben wird. Wenn es bei dem neuerlichen Versuch, uns mit Neorassismus zu überrollen, sehr stark um Typen von Subjektivität geht, dann kann die öffentliche Vorlesung des Kapitels “Zwillingsforschung”, bei der es viel zu lachen gibt, jetzt vermutlich hilfreich sein (Lesung plus Kursessay über Normalismus und S.). InteressentInnen mögen sich melden.

Die Ursprünglichen Chaoten c/o Jürgen Link

Norbert Bolz kandidiert zum MdmW!

Freitag, August 13th, 2010

Norbert Bolz, zu Beginn seiner Karriere auch einmal Beiträger der Zeitschrift “kultuRRevolution” (heft 8 von februar 1985, 52-55, Titel “der terrorist als held”, über den “kulturrevolutionären diskurs des jungen lukács”), ist seither als postmoderner Medientheoretiker und Verfasser vieler Manifeste hervorgetreten, darunter eines “Konsumistischen” und eines gegen Rousseau und den Egalitarismus gerichteten. Nun ruft er im “Tagesspiegel” (13. August 2010) zur Gründung einer neuen Partei auf, die sich mutig als “rechts” und “rechts von der CDU” bekennen soll: “Die erste Aufgabe einer anspruchsvollen politischen Rechten wäre, zu sagen, was die Politische Korrektheit der Medienlinken zu sagen verbietet. Mehr noch als Ideen braucht man dazu Mut, denn in der Öffentlichkeit herrscht keine Waffengleichheit. Die Medienlinke hofiert die Linken und denunziert die Rechten. Auf der Kommunistischen Plattform darf man fröhlich tanzen. Aber wehe, wenn man der “Jungen Freiheit” ein Interview gibt.” Sein Held solch mutiger Wahrheit ist Thilo Sarrazin, der bekanntlich sofort aus der SPD und der Bundesbank flog, sogar seine Rente verlor und nun am Hungertuch nagen muss, als er den Mut hatte festzustellen, dass Südeinwanderer im Schnitt einen niedrigeren IQ als eingeborene Deutsche hätten und dass folglich Heiraten zwischen hiesigen Einwanderern türkischer Herkunft und “nachgeholten” Ehepartner/innen verboten werden sollten. Verboten.

Bolz meint, dass solcher Mut gerade in der deutschen Academia viel Zustimmung finde, aber leider nur “hinter vorgehaltener Hand… Du hast ja recht, aber das kann man doch  nicht sagen…” Diese bekannte Feigheit deutscher Intellektueller, sich als Rechte zu bekennen, könnte daher “nur durch ein Coming-out von Starintellektuellen gebrochen werden.” Bolz, zweifellos der Typ des Starintellektuellen par excellence, schaut also dem Tod ins Auge und geht mutig voran.

Er hat damit seinen Hut in den Ring geworfen und seine Kandidatur zum MdmW erklärt. Das ist ein Kürzel aus dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag Oberhausen). Es lautet: “Mann der mutigen Wahrheit”. Solche MdmW braucht der “V-Träger” (Verantwortungs-Träger), und zwar möglichst viele, darunter “Turbotuis” (alias Starintellektuelle) und unter denen wiederum gerade auch “Konverter” (Konvertiten der 68er Intelligenz). Das alles, und damit auch der Fall Norbert Bolz, ist in dem Roman vorerinnert und wird dort in seinen diskursiven Mechanismen vorweg erzählt, damit man es dann wiedererkennt, wenn es kommt.

Man muss das Manifest im “Tagesspiegel” zusammen mit einem fast gleichzeitigen Manifest im “focus” vom 26. Juli 2010 sehen. Dort ruft der “focus” zu einer deutschen “Tea Party”-Bewegung auf und verspricht einer neuen Rechtspartei auf Anhieb 20% der Stimmen. Als führende Köpfe werden eingeladen (ob mit ihrem Einverständnis ist unklar): Joachim Gauck, Arnulf Baring, Peter Sloterdijk, Wolfgang Clement, Friedrich Merz, Necla Kelek, Thilo Sarrazin und Paul Kirchhof. Diese 8 mit Großfoto. Wie man sieht, nur eine Frau, die aber gleichzeitig als mutige “Migrantin” (FdmW) für 2 zählt. Das Manifest sieht (kein Witz) den “Kairos” für eine solche Partei gekommen.

Nun aber die Frage: Und wo ist Norbert Bolz? Keine Sorge, es fehlt nur sein Foto, nicht sein Name (“die Philosophen Robert Spaemann, Norbert Bolz und Peter Sloterdijk”). Aber dieses Fehlen des Fotos ist doch fatal: Es zwang den Medienphilosophen offensichtlich dazu, ein eigenes Manifest nachzuschieben und damit seinen Mut zu beweisen, der zugleich (das können wir als Diskurstheoretiker jederzeit bestätigen) als ernsthafte Kandidatur zählt.

Sondersendung der Ursprünglichen Chaoten

Montag, Mai 31st, 2010

Frühere Sondermeldungen noch im Ohr, hörten wir eben die Sondersendung zum Rücktritt Horst Köhlers. Alles klang wie ein Fake der Ursprünglichen Chaoten – aber wir wussten ja, dass wir das nicht gefaket hatten. Wir gehörten ja nicht zu denen, die sein Interview über die Interessen eines Landes unserer Größe und die Rolle der Bundeswehr dabei als verfassungsfeindlich und lügenhaft mit Kritik überschüttet hatten. Im Gegenteil hatten wir ja Respekt vor seinem Mut zur Wahrheit bekundet. Mit ihm verlieren wir einen großen MdmW, also einen großen Mann der mutigen Wahrheit (die Geschichte des MdmW kann man in dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung”, assoverlag Oberhausen, nachlesen; dort sind Zeiten der Krise wie augenblicklich vorerinnert).

Spannend wird es übrigens sein zu sehen, wie die SCHLAGzeitung bei weiterer Eskalation sämtlicher Krisen das Problem lösen wird, eine einzige SCHLAGzeile zu generieren, wenn sozusagen mehrere “Themen” sich dazu drängen: LENA oder KÖHLER oder JOGI oder EURO usw.?  Man wird kombinieren müssen: etwa FOLGT LENA KÖHLER NACH? Bleiben Sie dran!

Die Ursprünglichen Chaoten

Ausbildung

Freitag, April 16th, 2010

(Karl Kraus zum Gedächtnis)

Die Bundeswehr, das wissen Fatz wie Tatz

Stellt Ausbilder und bildet im Galopp

Jetzt Azubis von Karzai aus, hopphopp!

Professionell, sonst ist es für die Katz.

Sie üben also friedlich einen Kampfeinsatz

Natürlich realistisch on the job

Damits nicht wird am Ende nochen Flop,

Sind echte Taliban der Feind bei dieser Hatz.

Doch diese hinterhältig feigen Taliban

Verüben einen Anschlag auf die Bundeswehr

Mitten im Friedenstraining spieln sie Krieg.

In ihrem dumpfen Fanatismuswahn

Schießen sie feige quer und spieln nicht fair

Versaun der Wehr den Aufstieg in die Champions League.

“Elitesoldaten” plus “gezielte Tötungen” plus “verhältnismäßige Kollateralschäden” plus “Luftschläge” = “humanitäres Völkerrecht”??

Mittwoch, Februar 10th, 2010

Der Eiertanz um den deutschen Afghanistankrieg wird frenetisch: Seit die NATO mit Zustimmung der deutschen Regierung und aktiver Beteiligung der Bundeswehr für 2010 eine Eskalation ohne Wenn und Aber mit dem Ziel der "Eliminierung" aller "Insurgents" (bzw. "Taliban") eingeleitet hat, ist die Diskursblase "Stabilisierungsmission" geplatzt. Es ist ein Krieg (was längst alle wussten) – aber was für einer? Ein "nicht internationaler bewaffneter Konflikt" (anders gesagt "Bürgerkrieg") – aber wieso ist die Bundeswehr in Afghanistan "nicht international" – also "national"?? Also lässt Guido das "nicht international" einfach weg und sagt: "bewaffneter Konflikt im Sinne des Völkerrechts".

Aber auch so kommt die Bundeswehr nicht aus dem Schneider: Denn des Pudels Kern (bekanntlich der Teufel: siehe Faust) ist nun einmal (was beim Massaker von Yakob Baj exemplarisch klar wurde): Die gesamte Afghanistan-Strategie der NATO (und damit auch der Bundeswehr) steht im Dienste ihrer strategischen Speerspitze, und die lautet: "Elitesoldaten" plus "gezielte Tötungen" plus "verhältnismäßige Kollateralschäden" plus "Luftschläge". Nach dieser Formel funktionierte auch Yakob Baj: Das KSK hatte unter lauter Decknamen und mithilfe eines anonymen "Informanten" "Talibanführer" ausgemacht. Die sollten nach der Regel "capture or kill" "eliminiert" werden (wobei das "capture" bloße Augenwischerei ist, da man mit Luftangriffen nicht gefangen nehmen kann). Oberst Klein wurde nicht etwa ausgetrickst – er spielte begeistert mit, worin sich zeigt, dass eben die Speerspitze "Elite" und der Stiel "ISAF" einen einheitlichen Speer bilden. KSK und Klein hielten die erwartbaren "Kollateralschäden" (das zivile "Humanmaterial", wie es in dem berühmten Feldjägerbericht hieß) für "verhältnismäßig".

(Die Rolle des KSK wird jetzt als angeblich ganz neue Sensation verkauft: Sie ist ein alter Hut: siehe "Zeit" vom 17.12.2009.)

Die Bundeswehr vollzog bei Yakob Baj nur nach, was die ständige Praxis der Eliteeinheiten der USA und des UK ist und was die große Eskalationsschlacht in Afghanistan 2010 bestimmen wird. Die gerade in der Provinz Helmand gegen die Stadt Mardscha gestartete Großoffensive zeigt das Verfahren: Flugblätter fordern die Bevölkerung auf, die Stadt bzw. Gegend zu verlassen. Die Taliban nehmen die Bevölkerung angeblich als Geiseln und hindern sie an der Flucht. Daraus geht klar hervor, dass der erste Schritt darin besteht, nach dem Vorbild Vietnam eine "free fire zone" d.h. vor allem "free bombing zone", herzustellen, in der dann die "gezielte Tötung" sich frei entfalten kann (die Kollateralschäden sind dann vor vornherein "verhältnismäßig", da ja auf Flugblättern gewarnt wurde).

Nur: Mit noch so frenetischen Eiertänzen kommen Bundesregierung und Bundeswehr nicht aus dem Schneider: Entweder sind die als  Taliban bezeichneten Individuen "Kombattanten", dann müssen sie klar als solche erkennbar und von Zivilisten unterscheidbar sein (was in einem Guerillakrieg nicht möglich ist) – oder sie sind Terroristen, d.h. (mutmaßliche) Kriminelle – dann dürfen sie auf keinen Fall auf bloße Denunziation hin ohne Anklage, Prozess und Urteil einfach präventiv "eliminiert" werden. Genau das werden sie aber. Und dieser exterministischen Praxis werden zugegebenermaßen alle sich in der Nähe befindlichen "Unschuldigen" ebenfalls als "verhältnismäßig" geopfert. Das soll "humanitäres Volkerrecht" sein?

In Vietnam hieß dieses Verfahren: das Wasser mit dem Fisch eliminieren, soweit man es nicht ablassen kann (Weiterverarbeitung der Guerillaregel "Fisch im Wasser"). Das führte in Vietnam dazu, dass immer mehr Wasser zu Fisch wurde. Es lässt sich prognostizieren: Das wird sogar die Taliban und andere Insurgents in Afghanistan kurz- und mittelfristig stärken (und sei es wegen der Gleichsetzung von Paschtunen und "Taliban" auf beiden Seiten sowie der traditionalen Verpflichtungen der Clans zur Vergeltung).

Fazit: Dieser Krieg stinkt vom Kopfe ("Speerspitze") her. Fazit: Die Bundeswehr muss aufgefordert werden, "umgehend" abzuziehen, wie in dem Appell "Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan" gefordert  – "Exit mit open end" heißt Tolerierung einer strukturell exterministischen Strategie, wodurch nicht nur viele Unschuldige umkommen, sondern sogar die Insurgents kurz- und mittelfristig gestärkt statt geschwächt werden.

Ja aber Gnade uns Gott wenn die Taliban… Nach einer Anti-Eskalationserklärung der Bundeswehr mit Waffenstillstand und Einleitung des Abzugs könnte der notwendige Schutz bedrohter Gebiete z.B. nach dem Vorschlag von Johan Galtung durch starke Blauhelmeinheiten der OIC (Organization of Islamic Countries) in Zusammenarbeit mit der UNO gewährleistet werden (im Vorfeld einer neuen Friedenskonferenz ohne westliche Großmächte und unter Beteiligung aller relevanten afghanischen Bevölkerungsgruppen).

Wo bitte findet die “Schlammschlacht” statt? (postumer Zwischenruf von Karl Kraus)

Donnerstag, Januar 21st, 2010

In einem Interview in der Fatz (21.1.2010) empörte sich Oberst Ulrich Kirsch, Vorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbandes, über die Art, wie die Debatte um das Massaker (Jürgen Todenhöfer) von Yakob Baj geführt werde. Er sagte u.a., dieser Streit sei "zu einer unangemessenen Schlammschlacht mutiert", während "unsere Kameradinnen und Kameraden im Stich gelassen" würden. Ihm zufolge findet diese "Schlammschlacht" nicht etwa in Afghanistan, sondern in Berlin statt. Schlagen in Berlin die Drohnen zu? Wird an der Spree "gezielt getötet"? Wird in Mitte "Luftunterstützung angefordert"?

Was sagte Karl Kraus sinngemäß dazu: Wo die Fantasie, sich eine konkrete Schlammschlacht vorstellen zu können, derartig verkümmert ist, können wir wetten, dass der Krieg weitergehen und eskaliert werden wird. Sofortiger Abzug? Bitte keine Schnellschüsse!

Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan!

Dienstag, Januar 12th, 2010

Holt die Stabsärztebrüder nachhause!
Der AfghanistanAppell.de

Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan!

In vielen Einträgen dieses Blog wurde die Abwärtskurve der "Versumpfung" der Bundeswehr in A* dokumentiert. Mehr und mehr hörten und hören sich die Meldungen von dort an wie die Simulationen über den A*-Krieg im Roman "Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee." Auch die "Stabsärztebrüder" des Romans sind im realen A* in ihrem gefährlichen Dienst tätig. Man konnte zu Weihnachten einige ihrer Feldpostbriefe im SZ-Magazin vom 23.12.2009 nachlesen, z.B.:

"Insgesamt hat der ISAF-Einsatz in Kundus nur noch wenig von einem Hilfseinsatz, sondern mehr von einem (asymmetrischen) Krieg. Wenigstens alle 3 Tage passiert etwas. Anfangs kamen in schöner Regelmäßigkeit Raketen, das hat nachgelassen. Dafür häufen sich Anschläge und Hinterhalte. Kaum ein Schutzzug, der noch kein Feuergefecht hatte. Mindestens 6mal wurden unsere Patrouillen angesprengt." (Oberstabsarzt Jens Weimer, 34)

"Spätestens nach dem 2. Bunkeralarm entwickelt auch der größte Philanthrop blutige Rachegelüste. Die militärisch einfachste Lösung, die hier von den Soldaten auch favorisiert wird, ist der groß angelegte Artillerie-Gegenschlag. Technisch kein großes Problem: Abschussstelle orten, Kanone ausrichten und zurückschießen – dauert weniger als 1 Minute. Die ersten feindlichen Raketenschützen hätten wohl auch Pech, aber die Taliban sind nicht blöd. Schon die nächsten hätten ein langes Kabel und würden die Rakete neben einem Kindergarten starten." (ders.)

Den Stabsärztebrüdern ist also klar: Die "Option" einer weiteren sehr blutigen Eskalation rückt näher.

Aber es gibt eine andere Option: den Rückzug. Dafür setzt sich der APPELL "HERAUS AUS DER SACKGASSE IN AFGHANISTAN!" ein, den die Zeitschrift "kultuRRevolution. zeitschrift für angewandte diskurstheorie" zusammen mit der Zeitschrift AMOS entwickelt hat. Er ist spezifisch für ein deutsches Publikum formuliert und soll rechtzeitig zur Londoner Konferenz am 28.1. veröffentlicht werden.

Update: Wie geplant wurde der Appell am 28.1. in der Wochenzeitung Der Freitag mit den ersten 150 Unterschriften veröffentlicht. Der Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” mit seinen prägnanten Gründen für einen “umgehenden” Rückzug der Bundeswehr erfreut sich seit seiner Publikation im “Freitag” am 25. Januar weiterer Unterstützung. Er erweist sich so als wichtiges Instrument, um zu verhindern, dass bald wieder “war as usual” herrschen kann. Deshalb bitten wir jetzt (und ohne deadline) um zusätzliche Unterschriften.

AfghanistanAppell.de
Vollständigen Appell als PDF lesen

Jetzt unterzeichnen!

Ein “Kommissarsbefehl” in Afghanistan?? Hat die fatale Stunde geschlagen?

Freitag, Januar 1st, 2010

Zitat Spiegel-Online 30.12.2009: “Laut dem Bericht einer von Karzai eingesetzten Untersuchungskommission trieben am vergangenen Samstag Soldaten der internationalen Truppen im Distrikt Narang in der Provinz Kunar 10 Zivilisten aus ihren Häusern und erschossen sie. Unter den 10 Todesopfern seien 8 Schüler im Alter von 13 bis 17 Jahren. […] Dagegen sagte ein ranghoher Isaf-Offizier, der anonym bleiben wollte, es habe keine zivilen Todesopfer gegeben. Alle Toten seien Männer ‘im Kampfesalter’ gewesen. Bei dem Vorfall seien US-Elitesoldaten im Einsatz gewesen, aber keine Nato-Soldaten. Ein US-Soldat in Asadabad, der Hauptstadt von Kunar, sagte, keiner der Getöteten sei ‘unschuldig’ gewesen.”

Die Überschrift des Artikels lautet: “8 US-Bürger bei Selbstmordanschlag getötet” (da ging es um – verfremdet ausgedrückt – die gezielte Tötung einer CIA-Einheit durch INS = insurgents). Es ist also doppelt schwierig, den Faktenkern aus den durchmischten Meldungen zu extrahieren. Plausibel erscheint es zunächst, dass nicht “normale” Isaf-Soldaten, sondern “Eliteeinheiten” die “Aktion” oder den “Einsatz” durchführten – aber offensichtlich abgesprochen mit und geschützt von Isaf-Truppen (zu denen zwar nicht in dieser Provinz, aber insgesamt die deutschen Soldaten gehören).

Natürlich ist allgemein bekannt, dass man “demokratische” Kriege niemals mit Nazi-Kriegen “vergleichen darf”. Hier geht es auch nicht um “Vergleich”, sondern um Schwierigkeiten beim Verstehen. Und dazu hilft nun doch unsere inzwischen verbreitete Kenntnis über den deutschen Feldzug gegen die Sowjetunion 1941-1945. Da war es so, dass “Einsatzgruppen” in Absprache mit und im Schutz der Wehrmacht den (geheimen) “Kommissarsbefehl” durchführten. Das ging so: Denunziation “aktiver Kommunist und potentieller Widerständler” (= “Kommissar”) – aus dem Bett geholt – erschossen.  Die “Einsatzgruppen” (meistens der SS, der Polizei, aber auch der Wehrmacht selbst) waren durchaus “Elitetruppen”.

So könnte es also auch jetzt in Afghanistan laufen (kein Vergleich! bloß Verständnishilfe): Es scheint einen (geheimen) Befehl zu geben, alle auch bloß potentiellen “Taliban” (oder “Insurgents”), soweit sie im “kampffähigen Alter” sind (also offenbar ab 13 Jahren) “gezielt zu töten”. Es scheint, dass die direkt Ausführenden Elitesoldaten sind (im Fall Deutschland also KSK: wie bei dem Massaker von Yakob Baj am 4.9.2009), aber dass sie in Absprache mit und im Schutz der “normalen” Isaf handeln. Nach dem Rezept: Denunziation – aus dem Bett holen – erschießen.

Wer eine alternative Erklärung der Fakten weiß, möge sie bitte als Comment mitteilen.

Falls die hier gewagte Hypothese aber insgesamt korrekt sein sollte: Was würde daraus folgen?? Hätte dann nicht die fatale Stunde geschlagen, wo wir uns eingestehen müssten, dass deutsche Truppen “im deutschen Namen” Aktionen zumindest decken, zu deren Verständnis man auf frühere deutsche Kriege zurückgreifen muss? Und: Begreifen wir jetzt nicht endlich, warum “unsere Väter geschwiegen haben”? Vielleicht weil sie solche Meldungen ebenfalls (innerlich) unter eine falsche Überschrift gestellt und sie im freudschen Sinne “verleugnet”, ja sogar “verworfen” haben (das ist was anderes als “verdrängt”: es ist schlimmer)? “Ich habe nichts gesehen”?

Um es zu wiederholen: Wir können nicht mehr warten auf eine neuerliche “Gnade der späten Geburt” – weil wir allemannfrau längst schon geboren sind.

Die Ursprünglichen Chaoten

“Militär allein ist nicht die Lösung”: ein diskursiver Trumpf, der nicht mehr sticht!

Donnerstag, Dezember 31st, 2009

In der Vorerinnerung (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee: Roman bei asso, Oberhausen: besorgen!) wird es vorerinnert:

Wir machten dann auch kurze improvisierte Simulationsspiele für die Manipulationstrümpfe des V-Trägers: “Wie verkauft Arschky eine Werkschließung?” – Da spielt er den Trumpf x allein ist keine Lösung”: (mit Pathos:) “Kollegen! Dazu sagen wir klar: So nicht! Nicht mit uns! Werkschließung allein kann nicht die Lösung sein! Wir brauchen noch andere Lösungen, Kollegen, die genau so wichtig sind und sogar noch viel wichtiger, Kollegen! Wir brauchen einen Sozialplan!” (S. 399)

V-Träger = Verantwortungs-Träger; Arschky = SPD-Betriebsratsboss

Man setze statt Arschky Künast, Trittin, Steinmeier & Co. und statt Werkschließung Krieg in Afghanistan, und man ist in der Gegenwart angelangt. Besonders dick pumpte Guido Westerwelle diese Diskursblase auf: “Militär allein kann nicht die Lösung sein! Wir brauchen noch andere Lösungen! Wir brauchen einen Aufbauplan!” und sogar (mit Pathos:) “Ich gehe nicht zur Afghanistan-Konferenz, wenn es eine reine Truppenaufstockungskonferenz wird!” Aber da stachen Künast, Trittin, Steinmeier & Co. (und sowieso die CDU) ein bisschen in seine Diskursblase, und sie sackte in sich zusammen. Der Trumpf sticht einfach  nicht mehr.

Als ob irgendjemand (einschließlkich Bush) jemals so doof gewesen wäre zu behaupten: “Militär allein ist die Lösung in Afghanistan” – alle (einschließlich Bush) haben selbstverständlich immer gesagt: Militär allein ist nicht die Lösung, wir brauchen auch einen Aufbauplan. Am liebsten würden sie sogar sämtliche zivilen Projekte, einschließlich von “pazifistischen”, per CMC (Civil-Military Cooperation) als Feigenblätter über ihre “gezielten Tötungen” und ihre Massaker von Typ Yakob Baj kleistern. (Worauf leider leider viele NGOs, sogar  “pazifistische”, hereinfallen.)

Militär allein ist nicht die Lösung? Militär ist Teil des Problems und nicht der Lösung, und zwar der wichtigste Teil des Problems!  Deshalb beginnt die Lösung klipp und klar mit dem Abzug des Militärs aus Afghanistan, und insbesondere mit dem Abzug der Bundeswehr, und zwar sofort.