Archive for the ‘Vorerinnerung (Roman)’ Category

Verteidigungsminister von A*: Wir verteidigen unsere Freiheit im Sauerland

Donnerstag, Juli 23rd, 2009

Der afghanische Verteidigungsminister erklärte gestern in Kabul vor der internationalen Presse, dass die afghanische Republikwehr ihre UNO-Mission in Deutschland bis zur völligen Stabilisierung fortsetzen wird. Afghanistan werde sich durch Terror nicht erpressen lassen. Es handle sich bei der laufenden Großoffensive gegen die sogenannten “Christwehren” im Sauerland nicht um einen Krieg. weil Terroristen keine Krieger seien, sondern Terroristen. Die Sicherheitslage in Deutschland habe sich allerdings verschlechert, so dass die afghanische Republikwehr noch wenigstens 5 bis 10 Jahre in Deutschland bleiben und der dortigen Polizei helfen müsse. Auf Fragen nach den Kosten dieser Mission erklärte der Minister lediglich, dass die Republikwehr im Sauerland die Freiheit Afghanistans verteidige. Auf Fragen nach den zivilen deutschen Opfern der Mission kündigte er an, dass die Familien der erschossenen Jugendlichen im Sauerland zügig großzügig und unbürokratisch von Afghanistan entschädigt würden. Eine Untersuchung werde eingeleitet, alles spreche aber für Notwehr der beteiligten Soldaten der Republikwehr.

(Was sind “Christwehren”? Nachzulesen in der “Vorerinnerung” (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee, assoverlag)

Wenn die “Missionare” in A* “robust” werden

Dienstag, Juli 21st, 2009

Jetzt hat die Generalität der Bundeswehr in A* offiziell die “Robustheit” ihrer “Mission” erklärt. Zusammen mit ihren afghanischen Hiwis hat sie in der deutschen Zone eine Großoffensive gegen “Taliban und andere Aufständische” (welche?) eröffnet. Dabei setzt sie Kampfjets und Panzer vom Typ “Marder” (“mit starker Feuerkraft”) ein. Was bedeutet das im Klartext? Dass sie sich 1) zur aus Vietnam altbekannten Eskalations-Strategie im Anti-Guerrillakrieg bekennt, und dass sie 2) eine höhere Eskalationsstufe eingeleitet hat. Dabei ist ihr, wie sie selbst sagt, ”mehr als klar”, dass immer beide Seiten eskalieren werden.

Auch den ersten Kollateralschaden hat es schon gegeben: Ein einheimischer Jugendlicher wurde erschossen, als er nicht rechtzeitig stoppte (in allen entsprechenden bisherigen Fällen wurde Notwehr der deutschen Todesschützen anerkannt und das Verfahren eingestellt).

Merke: “Soldaten sind ***de*!”

(Auflösung: Helden)

Dazu gehören pompöse Rituale wie die Massenvereidigung mit Kanzlerin und Jung am 20.  Juli vorm Reichtag: Die Heimatfront steht nämlich angeblich noch nicht bedingungslos genug hinter ihren Jung-Jungs. Was wird denn dann eigentlich noch alles von der Heimatfront erwartet? Wir sind gespannt.

Manchmal kann einem bei solchen Nachrichten, von denen man nicht recht weiß, ob es sich nicht um einen Thrillerfilm handelt, ganz schön der Kopf schwirren. Das ist der passende Moment, um sich an die Lektüre der “Vorerinnerung” zu machen (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee, im assoverlag). Etwa das Kapitel “Zuerst werden wir, zum kleineren Teil Fahrräder schiebend”. Darin kommt die Parole “Soldaten sind ***de*” vor; dort wird die Eskalationsstrategie der Bundeswehr ausfantasiert und wird erzählt, wie deutsche Deserteure der Zukunft entstehen und was für Soldaten es schaffen können, aus der Eskalationsstrategie auszusteigen und wie.

Frage: ein Roman auf Höhe der Krise? Antwort: die Vorerinnerung!

Freitag, Juli 17th, 2009

 Im Fatz-Feuilleton vom 15 Juni kritisierte der junge Romancier Thomas von Steinaecker, dass der postmodern “realistische” Roman nicht auf der Höhe der Krise sei: “Es ist anzunehmen, dass wir in den Romanen der nächsten Saison schon bald verstärkt von Maklern und Managern lesen werden. Es kann jedoch nicht damit getan sein, aus der Erleichterung heraus, endlich wieder ein ‘wichtiges’ Thema zu haben, in der bekannten Manier über arbeitslose Banker zu schreiben, die sich kein Sushi mehr leisten können.” Was Steinaecker auf seine Art sehr zutreffend darstellt, ist folgendes: Es geht bei der Krise um “abstrakte Mechanismen”, an deren Relevanz eine interpersonal-interaktionistische Love Story einfach nicht herankommen kann. Das ganze sei eher “virtuell” wie eine “Computersimulation” – und da müssten ganz neue Erzählweisen her, um etwa über die “komplexen Kettenreaktionen” von “40 Billionen Euro” mehr zu erfahren als in der Fatz auch schon steht.

Was Steinaecker also einklagt, ist ein Roman von aktualhistorischer Relevanz, der die “abstrakten” Prozesse mit ihren “Simulationen” schwindelerregender Massen von Menschen und Kapitel und ihrer Crash-Trächtigkeit im Turbo-Kapitalismus als “phantastische Grundierung” unseres normalen Alltags erzählen (erzählen!) könnte. Das hört sich an wie ein generatives Modell für die “Vorerinnerung” (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee, assoverlag). Dort kämpfen keine entlassenen Manager, sondern die Ursprünglichen Chaoten gegen den “V-Träger”, d.h. den Verantwortungs-Träger, der die Verantwortung trägt  für eben jene Abstraktionen und Simulationen, die ihrerseits ironisch gegen-simuliert werden. Die Vorerinnerung entstand in den 80er und 90er Jahren, lange vor dieser Krise. Man lese aber zum Beispiel das Kapitel “Dazu die flankierende Simultan-Simulation der Märkte, des Wählers und unserer Lebenslinien (Hochrechnung von 1974 auf 1994)”. (Seite 282 ff.) Verblüffende prognostische Kompetenz?

In der Tat: Die Grundbedingung für einen Roman auf der Höhe der Krise ist eine solide alternative prognostische Kompetenz. Der Turbo-Kapitalismus lebt von Prognosen, Wetten auf die Zukunft, Vertrauen auf künftige Profite, kurz von Simulation. Weshalb ein Roman ohne Simulations-Kompetenz, wie Steinaecker richtig bemerkt, ein anachronistisches Unding ist – allenfalls tauglich als Szenario für einen sofort vergessenen abendlichen TV-Film vorm Einschlafen. Wie aber können Gegen-Simulationen und Gegen-Prognosen zu Erzählstrukturen werden? Indem sie partisanenhaften Subjekten als Waffen in die Hand gegeben werden: im Kampf gegen den V-Träger der turbokapitalistischen Simulationen, die in den Crash führen. Wer eine wirklich alternative Urlaubslektüre sucht, lese die “Vorerinnerung”.

Neues von den “kleinen Wallensteinen” im Fronteinsatz

Freitag, Juli 3rd, 2009

In der “Vorerinnerung” (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee, asso-Verlag Oberhausen; Urlaubslektüre-Tipp) gibt es die  “Konverter” und die “kleinen Wallensteine aus der Emscherzone”. Die ersten sind die umgedrehten, konvertierten Achtundsechziger allgemein, und die zweiten sind die Grünen Globalstrategen im Besonderen. Warum “Wallensteine”? Weil Schiller in der Figur des großen alten Wallenstein den speziell “deutschen” Militärstrategen klassisch dargestellt hat: als großen Schweiger und großen Zauderer, der einen strategischen Superkalkül ausheckt, der sich dann am Ende als Super-GAU erweist. Bei den Grünen standen diese (sehr kleinen) Wallensteine bis 1999 (Jugoslawienkrieg) an der Spitze der “pazifistischen Fraktion” und schwiegen meistens und kalkulierten, bis sie dann vom “grünen Mann der mutigen Wahrheit” (“Vorerinnerung”) mit ein paar Posten zum Frontwechsel gebracht werden konnten. Heute sind die meisten schon politisch tot. Was von ihnen übrig ist, wird an die Fernsehfront geschickt, um Durchhalteparolen im Afghanistankrieg aus angeblich ‘linker’ Position abzulassen. So der “verteidigungspolitische” Sprecher der Grünen, Winfried (“Winni”) Nachtwei, zuerst Kampfflieger, dann Pazifist, dann Kleinwallenstein, dann wieder symbolischer Kampfflieger.

Warum werden die Konverter von 68 wieder dringend gebraucht? Weil knapp 70% der Bevölkerung inzwischen den schnellen Rückzug fordern. Weil ein Konservativer wie Jürgen Todenhöfer, spiegel(!)verkehrt wie die Konverter, zum Apostaten der G7-Kriegspolitik in der 3. Welt geworden ist.

Warum werden aber jene 70% dennoch die Parteien wählen, die den Krieg noch 10  Jahre weiter führen und erheblich eskalieren wollen (so Minister Jung)? Weil niemand das Tabu der Kosten dieses Krieges, die direkt mit den Folgen der Krise zusammenhängen, in der Öffentlichkeit zu berühren wagt. Nach den Kosten eines Krieges zu fragen, war in Deutschland schon immer Landesverrat und ein Schande. Diese absurde aktualgschichtliche Situation wird in der “Vorerinnerung” in ein alternatives, grelles Licht gerückt.

Warum auch das in Vietnam kein Krieg war

Donnerstag, Juni 25th, 2009

Ist das da unten in A* nun ein Krieg? “Fallen” unsere Jungs da oder werden sie bloß “getötet”? Nein, sagt Jung, kein Krieg, keine Besatzung, werden doch Schulen gebaut und wird doch Demokratie stabilisiert; die Feinde sind keine Soldaten, sondern Terroristen.

Recht hat er, wie diejenigen bestätigen können, die alt genug sind, um sich an das daunten in Vietnam zu erinnern. Das war auch kein Krieg (schon allein deshalb, weil nie einer erklärt wurde – genau wie heute in A*) und auch keine Besatzung, sondern Hilfe für die blutjunge (nomen est omen) vietnamesische Demokratie. Den vietnamesischen Bauern wurde sogar intensiv geholfen: sie wurden aus den gefährlichen Gegenden rausgeholt und in “Dörfern des glücklichen Lebens” geschützt. Da gab es auch Schulen. Die gefährlichen Gegenden wurden dann mit Napalm und Agent Orange stabilisiert. Free fire zones. Wer stur dadrin geblieben war, hatte sich das selbst zuzuchreiben. Genau wie heute in A* waren die Feinde auch damals keine Soldaten, sondern Terroristen (“Vietcong” genannt). Sie terrorisierten die Bauern  so sehr, dass die nicht Krieg führenden Nicht-Besatzer ihnen helfen mussten. Sie taten das in aller Regel, indem sie “Luftunterstützung anforderten” (Kampfbomber und Kampfhubschrauber). Insofern ist es völlig einsichtig, dass heute auch in A* unsere Helfer-Jungs immer häufiger “Luftunterstützung anfordern” und Kampfhubschrauber für unverzichtbare pädagogische Instrumente halten, die sie lieber heute als morgen für ihre Aufbauarbeit einsetzen wollen.

Und noch was war schon damals genauso: Die Vietcong-Terroristen waren so abgefeimt, dass sie die amerikanische Innenpolitik beeinflussen wollten (so wie die Taliban heute unsere Wahlen). Und genauso wie damals gibt es auch heute darauf selbstverständlich nur eine Antwort: Nerven behalten, Durchhalten, nicht erpressen lassen. (Darin sind wir Deutschen doch wirklich die Erfahrensten überhaupt auf der Welt.) Also: den Nicht-Krieg eskalieren! Der Erfolg ist uns sicher: Schließlich herrscht auch in Vietnam ja seit langem eine blühende stabile Demokratie.

Eine “unsägliche Schande” ist es also, nicht bedingunglos hinter unseren Jungs zu stehen und den Rückzug der Bundeswehr aus A* zu fordern, um deren Leben vorm Blutzoll zu bewahren.  Auch daran erinnern wir uns sehr gut, weil wir alt genug sind: wir,

Die Ursprüglichen Chaoten

Wofür die 3 Blutopfer in A*? Für Deutschlands 3. Versuch

Mittwoch, Juni 24th, 2009

In der “Vorerinnerung” (“Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee”. Roman bei asso) haben die Ursprünglichen Chaoten vor Jahr10ten die künftigen SCHLAGzeilen der SCHLAGzeitung über den künftigen Krieg der Bundeswehr in A* simuliert. Wer sich den Roman besorgt, kann (S. 631-636) selber raten, welche der dortigen SCHLAGzeilen der SCHLAGzeitung echt und welche simuliert sind (z.B. über den Krieg in A*: DER BEFREIUNGSSCHLAG).

Jetzt gibt es dazu echtes Material: DREI DEUTSCHE SOLDATEN FALLEN IM KAMPF. BUNDESWEHR IM KRIEG! +++ VERLETZTE, SCHWERE GEFECHTE +++ WIE BLUTIG WIRD A* NOCH? (SCHLAG vom 24.6.2009)

Wer hätte diese SCHLAGzeilen von SCHLAG vor 2 Jahr10ten für echt gehalten? (Außer den Ursprünglichen Chaoten?) Wer in Deutschland hat eigentlich gemerkt, dass “wir” in einen deutschen Vietnam-Krieg gerutscht sind mit allem Drumunddran: “Versumpfung”, “Schmutz”, Drogen, Eskalationslogik, heimliche Killrate: Wenn sie uns 3 killen, werden wir eben mindestens 10mal soviel “Aufständische”, “Rebellen”, “Extremisten” killen, auch wenn es Kollateralzivilisten sind (und auch wenn das dann die Blutrache weiter steigert). Und dieser Krieg ist schweineteuer!!! (Niemand in unseren Medien fordert aber darüber “Transparenz”.) Wir sollen das statt dessen jetzt normal finden.

Wie konnte das passieren? Die Lektüre der “Vorerinnerung” gibt die Antwort: Die 3 (und insgesamt schon 35, die “für Deutschland starben”, wie SCHLAG ergänzt) sind für den 3. Versuch des V-Trägers gefallen. Wer ist denn schon wieder der V-Träger? (“Vorerinnerung” besorgen!) Es ist der Verantwortungs-Träger, und sein 3. Versuch ist ganz schlicht und einfach der 3. Versuch der deutschen Eliten, zu einer führenden Weltmacht aufzusteigen. Wer das will, muss die “Blutopfer” bringen und den “Blutzoll” zahlen. So ist das nunmal. SCHLAG will es. Merkelstein will es auch. Wer es nicht will, weil die beiden ersten Versuche so bitter in die Hose gegangen sind, sollte sich vielleicht langsam mal die Augen reiben (in SCHLAG steht neben den SCHLAGzeilen die passende Reklame: GANZ DEUTSCHLAND MACHT AUGEN) und fragen, wie “wir” soweit gekommen sind. Das wird bei der Lektüre der “Vorerinnerung” wirklich sehr deutlich.

Die Ursprünglichen Chaoten

(Wer es jetzt mit der Angst kriegt und das schreckliche Wort Taliban flüstert, der findet in der “Vorerinnerung” auch darauf die Antwort: WNLIA. Das heißt: Weder noch – lieber irgendwie anders.)

Nach 10 Jahren: Die Bologna-Blase platzt! Und wann platzt endlich die Akkreditierung?

Freitag, Juni 19th, 2009

Vor 10 Jahren, mitten in der Bullenstimmung der New-Economy-Blase, tagten die Wissenschaftsminister der EU in Bologna. Der Wein, den sie tranken, war bestimmt nicht schlecht. Ansonsten waren sie von Lobbyisten ermutigt worden, ein paar große Worte loszulassen über „europäische Vereinheitlichung“ pipapo. Das wars auch schon.

Aber dann schlugen die Lobbyisten (mit Bertelsmann an der Spitze) zu: Sie fanden willige Politiker/innen, um eine gigantische Ent-Bildungs-Blase aufzupumpen. Angeblich war in Bologna zwingend beschlossen worden, dass in allen Ländern und in allen Fächern nur noch sogenannte kurz-kompakte Bachelor-Master-Studiengänge (BaMa) gültig sein dürften. Geschwafelt wurde viel von Freiheit, aber noch nie gab es eine solche Zwangswirtschaft: Alle früheren Studiengänge, sie mochten noch so gut gelaufen sein (Diplome, Magister) wurden erst mal verboten. Statt freiem Wettbewerb: Verbote!

Dann wurde die Zwangsjacke von 6 Semester Ba plus 3 Semester Ma aufgeblasen: Jede Menge Module, möglichst viel (abstrakte!) „Didaktik“ und möglichst verquer „interdisziplinär“, alles mit beckmesserischen Credit Points – so dass für das jeweilige Hauptfach kaum noch Zeit übrig ist.

„Erfolg“ natürlich: kleinkarierter Wildwuchs in jeder Blase – nahezu Kollaps der früheren Auslandssemester, völliger Kollaps der Einheit von Forschung und Lehre, wilde Konkurrenzkämpfe auf der Massenflucht der Profs in die wenigen „Exzellenz-Pools“, Abschiebung von 90 Prozent der Studierenden in verschultes und verpunktetes Mini-Quiz-Wissen, das von frustrierten Lehrkräften, die in der Konkurrenz um die „Exzellenz“ auf der Strecke geblieben sind und deren Motivation dabei in die Binsen gegangen ist, widerwillig und zwangsweise „vermittelt“ werden muss – an ebenfalls zunehmend frustrierte Studierende.

10 Jahre später merken alle, dass die Bologna-Blasen geplatzt sind genau wie die Derivate der Banken: Die Studienabbrüche steigen statt zu sinken, die „internationale Durchlässigkeit“ ist aufs Minimum geschrumpft. Studierende und Profs sind so demotiviert wie noch nie. Und „die Märkte“ mögen BaMa auch nicht. All das kann seit dem erfolgreichen Bildungsstreik Mitte Juni nicht mehr unter dem Deckel gehalten werden.

Aber die allerwichtigste Blasenpumpe sonnt sich immer noch im toten Winkel der öffentlichen Aufmerksamkeit: Das Akkreditierungswesen!!

Denn die schlauesten Lobbyisten damals vor 10 Jahren waren die Akkrediteure. Sie ließen sich von den willigen Politiker/innen das Monopol auf die Anerkennung der MaMa-Blasen geben. Sie gründeten flink private Agenturen, und sie entwickelten sich zur wichtigsten „nehmenden Hand“ (Sloterdijk) des „Bologna-Prozesses“. Jede kleine BaMa-Blase wurde von ihnen akkreditiert (und dann regelmäßig reakkreditiert), und für jedes kleine Bläschen kassierten die Agenturen ca. 15000 Euro von den Unis, also aus dem eigentlich für Forschung und Lehre gedachten öffentlichen Eigentum. Wieviele Millionen dabei bisher zusammenkamen und was mit ihnen seither geschah, weiß niemand. Dass das Akkreditierungswesen absurd ist, leuchtet unmittelbar ein: Kann eine „nehmende Hand“ wohl eine „gebende Hand“ objektiv und kritisch beurteilen?

Deshalb: Das absurde Akkreditierungswesen ist die Blase aller Blasen des schon weitgehend geplatzen Bologna-Unfugs. Bevor nicht diese Blase aller Blasen platzt, ist immer noch kein Licht am Ende des Tunnels.

Bitte liebe Bewegung: Nehmt folgende Forderungen in Eure Kataloge auf:

Abschaffung des flächendeckenden Zwangs-Akkreditierungsunwesens (Ersetzuung durch zielführende Peer-Reviews nur, wo es sinnvoll ist).

Auflösung der Akkreditierungs-Agenturen.

Verpflichtung zu nachträglicher völliger Transparenz der Finanzen der Agenturen: Wieviel genau haben sie eingesackt? Wofür haben sie wieviel ausgegeben? Was ist mit dem Rest los?

Rückgabe des Rests an die Unis!

(PS. Hinter vorgehaltener Hand hört man, dass Bertelsmann möglicherweise mit dem Platzen der Bologna-Blase gerechnet hätte – um dann eine neue, diesmal ganz direkt lukrative Blase aufzublasen. Umstellung des gesamten kollabierten Bildungswesens auf E-learning!)

Die Ursprünglichen Chaoten

(Wer sind die Ursprünglichen Chaoten? Sie spielen eine wichtige Rolle in dem Roman von Jürgen Link: „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“, assoverlag Oberhausen. Dort ist alles über sie nachzulesen.)

Kurras, die Offenbarung und das Siebente Siegel

Montag, Juni 8th, 2009

Nicht nur die Welt der Wirtschaft wird theologisch, wenn das Siebente Siegel geöffnet wird („Offenbarungseid“) – auch die Welt der Dienste. Ihr Siebentes Siegel ist das Doppelagententum. Kurras habe, so die neueste Offenbarung Sanctae Mariae Annae, mindestens 5 nach Westen “desertierte” Ost-Agenten (also Doppelagenten: oder hatten sie sich im Osten offiziell abgemeldet?) hochgehen lassen (alias offenbart). Mindestens einer davon habe sich einem britischen Dienst (welchem?? Siebentes Siegel!!) „offenbart“. Woher aber wusste Kurras von dieser unter dem Siebenten Siegel der westlichen Dienste stehenden Offenbarung? Und nicht nur von dieser? War Kurras ein echter Prophet mit der Gabe des Zweiten Gesichts? Und warum konnten ihm die westlichen Dienste einfach nicht auf die Schliche kommen, obwohl sie Verdacht geschöpft haben sollen?

Candide (kennen wir nicht!) – Candide würde jetzt blauäugig, wie er ist, vorschlagen: Dann öffnet doch einfach auch die Sieben Siegel der westlichen Dienste! Darin müssen doch die noch fehlenden Offenbarungen stecken! Candide kennen wir nicht.

SCHLAG enthüllt

Dienstag, Mai 26th, 2009

SCHLAG enthüllt: SCHLAGs SCHLAGzeilen gegen Rudi Dutschke kamen von der Stasi!

Jetzt ist es raus: Die Stasi ist aber auch vor gar nichts zurückgescheut! Sie hat sogar SCHLAG manipuliert, was SCHLAG jetzt exklusiv enthüllt!! Lesen Sie das Exklusiv-Interview von SCHLAG mit dem Stasiexperten X. TASY:

SCHLAG: Stimmt es, dass damals 68 die SCHLAGzeilen von SCHLAG gegen Rudi Dutschke und gegen 68 von der Stasi ausgebrütet worden sind?

X. TASY: Daran kann aufgrund der Aktenlage kein Zweifel mehr bestehen.

SCHLAG: Was wollte die Stasi damit erreichen?

X. TASY: Eine Pogromstimmung gegen Rudi Dutschke und die ganze 68-Bewegung. Dadurch sollte unsere Demokratie sturmreif geschossen werden.

SCHLAG. Wusste Axel Springer davon?

X. TASY: Natürlich nicht. Er wurde von der Stasi skrupellos manipuliert.

SCHLAG: Wie konnte das passieren?

X. TASY: Dazu muss man daran erinnern, dass Axel Springer wie kein Zweiter von der Stasi gehasst wurde.

SCHLAG: Warum?

X. TASY: Sie hat ihn fürchterlich beneidet, weil er ihr, was Leistungen in Manipulation angeht, eigentlich weit überlegen war. Demokratische Manipulation leistet eben einfach mehr als diktatorische Manipulation. Die spielen einfach nicht in der gleichen Liga.

SCHLAG: Wie war es dann möglich?

X. TASY: Nur durch die absolut größte Skrupellosigkeit: indem die Stasi der SCHLAGzeitung demokratische SCHLAGzeilen unterjubelte! Die SCHLAGzeilen gegen Rudi Dutschke und 68 waren ja astrein demokratisch!

SCHLAG: Haben denn meine Kollegen von der Redaktion damals gar nichts gemerkt?

X. TASY: Sie konnten das ja gar nicht merken, weil sie als in der Wolle gefärbte Urgesteine von Demokratie eine derartige Skrupellosigkeit einfach nicht fassen konnten. Sie hielten die SCHLAGzeilen gegen Rudi und seine Fans deshalb natürlich für astrein demokratisch, weil sie das ja auch waren, und hätten nie im Träume erraten können, dass hinter diesen astrein demokratischen SCHLAGzeilen diktatorische Abgefeimtheit steckte.

SCHLAG: Grässlich.

X. TASY: Das Abgefeimteste war ja eben, dass die Stasi sich hinter astrein demokratischen Parolen versteckte.

SCHLAG: Fürchterlich. Gottseidank, dass es keine Stasi mehr gibt. Ich bin mir nicht sicher, ob sie mich nicht auch manipuliert hätten, weil ich ja auch ein Urgestein von in der Wolle gefärbter Demokratie bin und deshalb auch nichts merken könnte. Ich orientiere mich heute noch oft an unseren meisterhaften SCHLAGzeilen von damals!

(Mehr Satirisches über die SCHLAGzeitung und überhaupt über den Kampf zwischen der 68er Bewegung und SCHLAG in der „Vorerinnerung“: „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee“, assoverlag Oberhausen.)

Kurras und Verschwörungstheorie: War Springer Stasiagent?

Samstag, Mai 23rd, 2009

Dass Kurras Stasi-Kontaktmann war, gibt wirklich zu denken!

Dass die ganze Protestbewegung von 1968 von der Stasi provoziert wurde, ist völlig normal und keinerlei Verschwörungstheorie.

Dass Kurras in Zeiten des KPD-Verbots als Polizist auf eigene Faust und ohne Auftrag des politischen Kommissariats der Berliner Polizei, ja sogar ohne dessen Kenntnis, locker SEW-Mitglied und Stasi-Kontaktmann sein konnte, war völlig normal. Jeder Zweifel daran ist Verschwörungstheorie.

Dass die Justiz in zwei Kurras-Prozessen seinerzeit nicht herauskriegen konnte, was nun die Spatzen von den Dächern pfeifen, nämlich dass der Angeklagte SEW-Mitglied (und insofern selbstverständlich Kontaktmann zu Ostberlin) war, ist völlig normal und keinerlei Verschwörungstheorie.

Dass auch BILD das nicht herauskriegen konnte, ist völlig normal und keinerlei Verschwöungstheorie.

Dass der Osten im Westen mit Kontaktmännern arbeitete, ist völlig normal und keinerlei Verschwörungstheorie – dass der Westen im Osten mit Kontaktmännern arbeitete, ist undenkbar und ist reine Verschwörungstheorie. (Sonst hätte das doch in BILD gestanden!)

Dass es westliche Doppelagenten gab, ist bloß ein Gag von James Bond – in Wirklichkeit ist das undenkbar und reine Verschwörungstheorie. (Sonst hätte das doch in BILD gestanden!)

Dass Kurras ein West-Stasi war, ist völlig normal und keinerlei Verschwörungstheorie – dass er das im Auftrag von West-Diensten gewesen sein könnte, ist undenkbar und reine Verschwörungstheorie – sonst hätte das doch in der BILD-Zeitung gestanden!

Wenn das alles normal ist, wäre es allerdings auch normal, dass der Dutschke-Attentäter Josef Bachmann ebenfalls Stasi-Agent war und dass sogar Axel Springer die ganze Hetze von BILD gegen die Bewegung im Auftrag der Stasi orchestriert haben dürfte. Noch Fragen zu Verschwörungstheorie? („Dann wäre es doch notwendig, außer den Stasiakten endlich auch die Akten der westlichen Dienste öffentlich zugänglich zu machen?“ – Wie kann man bloß eine solch verschwörungstheoretische Idee spinnen: davon distanzieren wir uns entschieden!)

Ja, das gibt alles sehr zu denken!

Und man bekommt die richtige Perspektive auf solche Sachen, wenn man die Vorerinnerung (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee) ordert und liest. Darin z.B. das Kapitel „Zwillingsgeschichte AOK (= Ausländer-Overkill), prognostische Simulation von 1975 auf 1988“ – dort geht es um Dienste und um ihre Versuche, an der Geschichte herumzufummeln. Dabei wird auch klar, wer die Verschwörungstheoretiker sind und warum sie der Geschichte mit all ihrem Fummeln letztlich nicht beikommen können. Das alles ist satirisch und gibt viel zu lachen. Und nach der Lektüre sieht man unsere Medienwirklichkeit mit anderen, vergnüglich-ernsten Augen.

Die Vorerinnerung schenkt ein Teleskop, wodurch man sofort das Nicht-Normale der Gegenwart sehen kann, z.B. den deutschen Krieg in Afghanistan

Dienstag, Mai 19th, 2009

Eigentlich sollten die Massenmedien im Normalismus sofort Alarm geben, wenn irgendwo eine Grenze der Normalität überschritten wird. Meistens tun sie das auch, z.B. bei der Bankenkrise. Aber es gibt Denormalisierungen (Verluste von Normalität) von allerhöchster Wichtigkeit, wo unsere Massenmedien aus politischen Gründen absichtlich schlafen und uns sogar höchst unnormale Entwicklungen als „normal“ verkaufen möchten. Z.B. den deutschen Krieg in Afghanistan. Angeblich ist es „normal“,

  • dass die Bundeswehr in schweren Kampfeinsätzen gegen völlig unklar definierte „Extremisten“ und „Aufständische“ routinemäßig Leichen produziert und „Luftunterstützung anfordert“ (gegen Dörfer!);
  • dass Soldaten der Bundeswehr mit Einstellung des Verfahrens rechnen können, wenn sie in Afghanistan tote Frauen und Kinder als Kollateralschäden zurücklassen;
  • dass die Steuerzahler diesen schmutzigen, niemals offiziell erklärten, Krieg täglich mit mindestens circa 2 Mill. Euro und jährlich mit mindestens circa 700 Mill. Euro finanzieren müssen.

Gegen diese bewusste Ausblendung und Augenwischerei hilft es, die „Vorerinnerung“ zu lesen („Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee“, Roman von Jürgen Link; assoverlag Oberhausen), wodurch man auf sowohl vergnügliche wie ernsthafte Weise ein aktualhistorisches Teleskop geschenkt bekommt, um die Ereignisse der Gegenwart, z.B. den deutschen Krieg in Afghanistan, in alternativem Licht sehen zu können.

Zum Beispiel das Kapitel „Zwillingsgeschichte vom UDD aus Afrika (Simulation von 1976-82 auf 1998 plus x)“. UDD heißt: Unbekannter deutscher Deserteur. In der Zukunftssimulation ist ein Bundeswehreinsatz in Afrika, ein „deutsche Vietnam in Afrika“, simuliert, das nun in Afghanistan Wirklichkeit geworden ist. Der Vergleich ist sehr spannend! Die Zukunftssimulationen der „Vorerinnerung“ erweisen sich alle als sehr realistisch – im Unterschied zu manchen unintelligenten und bloß ablenkenden SF-Stories. Den Leserinnen stellen sich dann neue Fragen:

  • Wann wird es einen tatsächlichen „UDD“ (unbekannten deutschen Deserteur) geben?
  • Warum besteht keine Pflicht, dass die finanziellen Lasten der Bundeswehrkriege in aller Welt mindestens monatlich auf Euro und Cent über die Massenmedien publiziert werden? Sollen sogar die Spekulanten zur „Transparenz“ gezwungen werden, nicht aber die Bundeswehr?
  • Warum müssen Kriege nicht mehr offiziell erklärt werden
  • Warum gibt es nicht wenigstens für die allerwichtigste politische Entscheidung, die über Krieg und Frieden, eine Volksabstimmung, durch die sichergestellt wird, dass die Politiker nicht völlig gegen eine demokratische Volksmehrheit in schmutzige Kriege abrutschen?

Lesung in Berlin

Freitag, Mai 1st, 2009

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen und Freunde,

vielleicht habt Ihr schon gehört, dass ich, als es mir auf den Nägeln brannte, die Erfahrungen unserer (Achtundsechziger) Generation und damit auch ein Stück deutscher Aktualgeschichte zu bilanzieren und in die Zukunft hinein zu verlängern, von der Theorie zur Praxis des Interdiskurses übergegangen bin.

Resultat:
„Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung.“ Roman, erschienen 2008 bei asso Oberhausen. Daraus werde ich demnächst auch in Berlin lesen.

Wo?

Bei b_books, Lübbener Str. 14, U-Bahn Schlesisches Tor.

Wann?

Freitag, 8. Mai 2009 um 21.00 Uhr

Natürlich könnt Ihr mich im Anschluss an die Lektüre „löchern“. Ich würde mich freuen, einige von Euch bei der Gelegenheit wiederzusehen.

Bangemachen gilt nicht — auf der Suche nach einer neuen Romanstruktur

Montag, April 13th, 2009
Bangemachen gilt nicht Bangemachen gilt nicht

Ein paar Hinweise zu Jürgen Link: Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung.

„Vorerinnerung“ meint den Versuch einer neuen Romanstruktur, gekennzeichnet durch ein Spiel von (sehr konkret im Nahhorizont liegenden, nicht SF-artigen) Zukunfts-Simulationen und der ‚nachrückenden’ wirklichen Geschichte. Also eine neue Art ‚Einschachtelung’ der Realität von den realistischen Zukunftsbildern im Kopf her.

Das Subjekt dieses ernsten Spiels ist ein Wir, die „Ursprünglichen Chaoten“. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Achtundsechzigern im Ruhrgebiet, denen dieser später so erfolgreiche Begriff zuerst im internen Szenejargon angehängt worden war. Anders gesagt, geht es demnach in einer von mehreren Dimensionen um eine Art kollektiven Lebensbericht von Achtundsechzigern aus zwar nicht lernblockierter, aber auch nicht „konvertierter“ Perspektive (also etwas Seltenes, Interessantes). Sie versuchen, ohne das eigentlich zu wissen, im „posthistorischen“ Normalismus der Zeit 1973-2001 den Kontakt zur Geschichte zu bewahren. Dabei überschreiten weder Protagonisten noch Situationen den Rahmen des „Normalen“, so daß die ersten eine Art „Partisanen des Normalismus“ darstellen.

Diese „Ursprünglichen Chaoten“ haben versucht, durch Vorlesen ihrer Simulationen, der pikaresken (und komischen) „Zwillingsgeschichten“, in denen ein weibliches Zwillingspaar die Hauptrolle spielt, in Schrebergärten eine Koalition gegen den „V-Träger“ zu bilden. Der „V-Träger“ ist der „Verantwortungs-Träger“, der seinen Namen von dem Witz bekam: „Ihr tragt die T-Träger, und ich trag die Verantwortung“. Man kann im „V-Träger“ also eine Art Personifikation des Kapitalprozesses sehen: als Ich in therapeutischer Monologsituation. In einer Art Wettlauf von Simulationen und Hochrechnungen kämpfen der V-Träger und die Ursprünglichen Chaoten um die jeweils auftauchende Wirklichkeit.

Die eigentliche „Spannung“ des Textes ist also die Spannung der Geschichte selbst, die durch den Wechsel der Töne vermittelt wird (Geschichte zwischen 1965 und 1995 bzw. 2001 plus x, d.h. die „normale“ Posthistorie zwischen zwei dynamischen Momenten, davon einem zukünftigen). Herkömmliche Spannung gibt es in den Zwillingsgeschichten, die wie in einem Novellenzyklus in den Text integriert sind.

Mittels einer Reihe neuer narrativer Verfahren (z.B. Kurvenbewegungen von Schlag- und Reizwörtern wie „Chaoten“) erscheint die verdrängte Geschichtlichkeit der endlos rotierenden ewigen Wiederkehr unserer Postmoderne/Posthistorie.

Die in den 70er/80er Jahren eingetretene Spaltung der Literatur in politische und „subjektive“ wird von diesem Text unterlaufen, der beides zugleich und keines von beiden, sondern ein drittes Neues ist. In der politisch-aktualgeschichtlichen Dimension geht es um den „3. Versuch des V-Trägers“, d.h. den 3. Aufstieg Deutschlands zur Weltmacht (mit einem „deutschen Vietnam“ der Zukunft).

Das (in gewisser Weise „blinde“) Motiv der „Roten Ruhr-Armee“ steht für den vermutlich verlorenen historischen Antagonismus: es changiert zwischen der Erinnerung an die 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts und dem Terror-Motiv (sowohl 1970er Jahre wie Simulationen um „2001“. Die Chiffre „2001“ (im Sinne von 2001 plus x) diente von Anfang an als Symbol für „21. Jahrhundert“ und konkrete, nahe „Zukunft“).

Es geht also um eine neue Konstellation von „Geschichten“ (als pikareske Simulationen und als Lebensbericht) und „Geschichte“ (gegen ihr angebliches Verlöschen in der Postmoderne) und damit von Spiel und Ernst. Fluchtpunkt ist ein Jenseits der postmodernen Spielkultur, eine „alternative Geschichte“, ohne ‚Rückfall’ in historizistisches Erzählen. In den Zwillingsgeschichten gibt es ‚spannende Handlung’ und Komik, im Bericht der Ursprünglichen Chaoten herrscht ein intensiv-panoramatischer Ton (Umfang insgesamt 1090 S.).

Kurzformeln:

  • „der etwas andere 68er Roman“;
  • ein (etwas anderer) ruhr-spezifischer 68er Roman;
  • eine diskursiv andere Annäherung an den Normalismus;
  • eine „narrative Diskursgeschichte“ entlang an Schlag- und Reizwörtern und Kollektivsymbolen;
  • politische Dimension: Rückblick auf 68 – Vorausblick auf den ‚3. deutschen Versuch’ im 21. Jahrhundert – dazwischen langer Marsch durch die Normalität;
  • politische Dimension: Resistenz gegen Militarisierung und deutsche Weltpolizeikriege;
  • Dimension Subjektivitäten: Intellektuelle und Arbeiter, neue As-Sociationen?
  • Struktur: analog einem Novellenzyklus (Zwillingsgeschichten der Zukunft), dessen Rahmen den Umfang einer eigenen Lang-Narration besitzt; Wechsel der Töne.