Archive for the ‘Vorerinnerung (Roman)’ Category

Geschenkidee last minute: die „Vorerinnerung“ – und sie ist mal wieder brandaktuell

Montag, Dezember 19th, 2011

Zu spät für Geschenke? Keineswegs: es gibt Amazon und auch Buchhandel und Verlag. Also kann man noch (auch für Verwandte und Freunde) die „Vorerinnerung“ („Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee“, von Jürgen Link, assoverlag Oberhausen, 29 Euro 90, siehe auch Internet) ordern.

Wem könnte das eine Freude machen? Allen, die sich seit „Ausbruch“ der Großen Krise 2008ff. ständig fragen, wie wir in diese aktuelle Welt hineingekommen sind, wo der „Kommunismus“ doch seit 1989 „Geschichte ist“ und also der „demokratische Kapitalismus“ (Francis Fukuyama) sein Potential ungestört und frei entfalten kann. Die „Vorerinnerung“ setzt ihren Leserinnen ein paar neue Brillen ein, die die Aktualgeschichte der letzten 50 Jahre anders als üblich sichtbar machen.

Und sie tut das sowohl poetisch wie satirisch. Aktuelles Beispiel die Nazi-Verfassungsschutz-Enthüllungen. Dazu gibt es in der Vorerinnerung die satirische „Zwillingsgeschichte AOK“ – was nicht Allgemeine Orts-Krankenkasse, sondern „Ausländer-Overkill“ bedeutet. Alles, was jetzt ans Licht kommt und gar nicht zum Lachen ist, ist dort so vorerinnert, dass der Biererst, in den unsere Medien die „verantwortungsvolle Arbeit unserer Geheimdienste“ tauchen, sich auflöst. Der erste Schritt ist, dass man über diese Art „Verantwortung“ zu lachen wagt – und der zweite kann dann sein, „R 4“ (wie es in der Vorerinnerung heißt – für „Reich 4“) wirksam zu sabotieren. (Es wird dabei auch klar, dass R 4 nicht einfach eine Neuauflage von R 3 sein kann – eher schon von R 2.)

Die Vorerinnerung erinnert: Dienste sind immer undemokratisch – nicht nur im Osten, sondern genauso im Westen – also können Dienste niemals der Demokratie „dienen“ – immer aber einem der vielen Embryos künftiger Diktaturen.

Wäre das nicht eine last minute Geschenkidee?

Wenn die Charaktermaske Nr. 1 der Märkte eine vulgärmarxistische Predigt hält.

Freitag, Dezember 2nd, 2011

Ackermann hat in St. Michael in Hamburg eine Adventspredigt gehalten. Im Namen der Banken und Märkte bereute er nur wenige Sünden – umso mehr donnerte er gegen „die Politik“. Sein Lösungsvorschlag ist einfach: „der Politik“ die Souveränität wegnehmen und nach Brüssel übertragen. Künftig soll „die EU“ die wesentlichen Entscheidungen mit „Durchgriffsrecht“ zu den Nationalstaaten „zügig“ fällen können. Denn „die (nationalstaatliche) Politik“ versteht einfach nichts von Wirtschaft und macht ununterbrochen Murks.

Dieses Programm ist „vulgärmarxistisch“ (ökonomistisch) – wieso? Die ökonomistische Fehlinterpretation von Marx glaubt an die monodeterministische Durchschlagskraft der Ökonomie auf alle menschlichen Praxisarten. Sie glaubt daran, dass alles „aus der Ökonomie ableitbar“ sei (am Ende sogar Beethoven). Ackermann teilt in St. Michael diesen Glauben: Aus einer schweren ökonomischen Krise ist eine notständische, tendenziell diktatorische Poltik „abzuleiten“. Demokratie ist einfach die falsche Ableitung aus Krise. Deshalb weg mit der nationalstaatlichen Souveränität, in der noch ein Rest Demokratie steckt.

Ja aber was wird denn dann aus der Hegemonie des deutschen V-Trägers (Verantwortungs-Trägers), wenn auch er seine Souveränität nach Brüssel abgeben soll? Und ist Ackermann nicht ganz nah am deutschen V-Träger – könnte er nicht fast eine Inkarnation des deutschen V-Trägers sein (so schweizerisch immer sein Akzent lauten mag)? Die Antwort auf die Frage durfte die Predigt selbstverständlich nicht verschweigen, wenn sie auch nur der V-Träger selbst genau verstanden haben sollte: Deutschland wird den größten Gewinn vom Souveränitätstransfer nach Brüssel haben!

Der V-Träger hat es verstanden: Denn in Brüssel werden die Märkte direkt herrschen! Die Brüsseler Politik wird eine direkte Ableitung der Märkte sein! Und die Märkte werden die Hegemonie selbstverständlich an den „Wettbewerbsstärksten“ in Europa verleihen – dreimal darf geraten werden, wer das ist.  Anders gesagt: Ackermann plädiert für eine radikale Märkte-Republik ohne demokratische Störungen als beste Spielart einer deutschen Hegemonie in Europa.

Ob er den V-Träger überzeugen kann? Oder ob die Volkswut am Mittelmeer, aber vielleicht bald auch in Frankreich oder gar am Ende auch in Deutschland sich legen wird, wenn es heißt: Schluss mit eurem „Nationalismus“, es lebe der märktesouveräne Internationalismus der Brüsseler Experten!?

Wenn diese (schweizerische) Stimme des deutschen V-Trägers in der Kirche einen vulgärmarxistischen Glauben predigt, muss die Lage tatsächlich sehr ernst sein. Und das Hickhack zwischen Berlin und Brüssel ist ebenfalls eine „Ableitung“ dieses Ernstes. Soll man dem Volk wirklich noch mehr Demokratie wegnehmen? Wird es, wenn die normale Politik ganz verstummt, sich nicht eine eigene Politik basteln – eine, die sicher auch ökonomisch stimuliert ist, aber die aus noch vielen anderen nicht ableitbaren Quellen (wie zum Beispiel aus Rhythmen im engen und weiten Sinne) schöpfen kann?

„Petersberg II“ mit einem „tragisch fehlgeleiteten Luftangriff“ eröffnet. „V-Übergaben“ ungleich Frieden.

Dienstag, November 29th, 2011

Am 26. November griffen Kampfhubschrauber der ISAF (gleich NATO) einen Stützpunkt der pakistanischen Armee in Pakistan an, töteten 24 Soldaten und verwundeten viele weitere. Es sei ein „tragisch fehlgeleiteter Luftangriff“ gewesen. Besonders „tragisch“ daran war wohl, dass es sich bei den Opfern um Soldaten und nicht wie üblich um Zivilisten handelte. Wären es Zivilisten gewesen, so hätte man sie als „Aufständische“ bezeichnet und wäre zur Tagesordnung übergegangen – denn solche Luftschläge (aus Kampfhubschraubern, Kampfjets und Drohnen) sind in Afghanistan und Pakistan Routine. Warum es dabei immer wieder zur „tragischen Fehlleitung“ kommt (die in diesem Fall besonders krass war), ist in diesem Blog seit langem erklärt worden: Weil die Luftschläge gegen Ziele geführt werden, die von anonymen, letztlich unkontrollierbaren Denunzianten der Geheimdienste angegeben werden. Dabei ist also Racheaktionen Tür und Tor geöffnet.

Das gehört also zur Routine von COIN = Counter Insurgency Warfare, einfacher gesagt: Vietnamkrieg-Modell, Antiguerillakrieg.  Die Wehrmacht nannte es seinerzeit Bandenkrieg, und die Bundeswehr steckt nun seit zwei Jahren bis über den Helm in diesem Sumpf. Ein so schmutziger Krieg braucht viel „Semantik“. Also ist es ein „Azubi“-Krieg. mit “ Monitoring“ wie an der Uni. Wie der Fatz-Kriegsberichterstatter Stephan Löwenstein in einem lesenswerten Artikel (31.10.2011) berichtete, reißen unsere harten Jungs jede Menge Witze über diese Art Sprachregelungen: Ihre knallharten „Task Forces“, die ganze Provinzen freischießen bzw. von Kampfhubschraubern freischießen lassen („Clear and Hold“), heißen offiziell „Ausbildungs- und Schutzbatallione“, weil dabei Karzaitruppen „on the job ausgebildet“ werden sollen. An die sollen ja später verschiedene „Verantwortungen“ (inzwischen hat der deutsche V-Träger eben auch Vs in Afghanistan) „übergeben“ werden: „Raum-Verantwortung“, „Sicherheits-Verantwortung“, „Stabilitäts-Verantwortung“.

Um diese Vs geht es auf der großen Petersberg-II-Konferenz am kommenden Wochende in Bonn. Da hat der deutsche V-Träger über 100 nationale Delegationen mit 63 Außenministern (der pakistanische ziert sich noch ein bisschen) inclusive Hillary und fast 1000 „Experten“ zu Gast. Es handle sich keineswegs um eine Friedenskonferenz, es gebe keine Friedensverhandlungen, betonen die Sprecher des deutschen V-Trägers (de Maizière und Steiner). Vielmehr warnen die Generäle vor dem „schweren Fehler“, den die USA in Vietnam gemacht hätten, nämlich die Vs zu früh zu übergeben. Unter V-Gesichtspunkten brauche man viel mehr Zeit. Also wird es auf der Konferenz darum gehen, das militärische „Engagement“ auf sehr viel flexiblere Dauer zu stellen. Und die Vs erst zu übergeben, wenn COIN auf unbegrenzte Dauer durch CT (Counter-Terrorism, d.h. targeted killings per Geheimdienst-Denunziationen und Drohnen) abgelöst werden kann.

Wenn es keine Friedenskonferenz ist, dann ist es also wohl eine Kriegskonferenz.

All das kostet wirklich wahnsinnige Summen Geld – Griechenland muss unter der Diktatur der Banken für lumpige 8 Milliarden den Lebensstandard seiner Bevölkerung ungefähr um ein Drittel oder mehr „runterfahren“ – aber der Afghanistankrieg kann ruhig weiter Zig Milliarden in den Staub setzen und verbrennen. Und die Grünen Heißen Krieger und -innen nicken das alles nicht bloß weiter ab, sondern sind sogar besonders eifrige „Verteidiger/innen“ eines Krieges, von dem es bei Löwenstein heißt: „Die Gefechte im vergangenen Sommer waren hart, vielleicht die intensivsten, die Infanterieeinheiten der Bundeswehr zu bestehen hatten.“

Die Folgen bei den deutschen Soldaten sind ebenfalls hart: „Jeder fünfte bei einem Auslandseinsatz der Bundeswehr gestorbene Soldat hat sich selbst umgebracht.“ (Spiegel, 5.9.2011) Noch viel mehr leiden an PTSS (Post-Traumatischem Stress-Syndrom) – einer Art psychisch erzwungener Desertion. All das für agfhanische Schülerinnen? Vielmehr betrachtet die Generalität diesen schmutzigen Krieg als Einübung in die „volle militärische Verantwortung“ – die eigentlichen Azubis sind die Soldaten der Bundeswehr: ihr „Auftrag“ wird künftig immer heißen: COIN und CT – auf der ganzen Welt.

AUF NACH BONN

Aber es ist möglich zu sagen, dass all das „nicht in unserem Namen“ läuft. Bei der Protestdemonstration am Samstag, 3. Dezember, in Bonn (11 Uhr 30). Und auch der Aufruf „Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan“ kann weiter unterzeichnet werden.

Statt „V-Übergaben“ müssen Friedensverhandlungen kommen. Erste Schritte: Einstellung der Luftschläge, Einstellung von Clear and Hold, Rückzug der Task Forces auf die Basen, Waffenstillstand und Friedensverhandlungen der erweiterten afghanischen Friedens-Jirga.

„Wer trägt die Verantwortung?“ – Natürlich der V-Träger!

Mittwoch, November 23rd, 2011

„Wer trägt eigentlich Verantwortung?“ und: „Wo bleibt die Verantwortung?“ Um diese Fragen zu beantworten, organisierte die Fatz eine große „Tendenzwende-Konferenz“ in Berlin (es war die dritte ihrer Art). Neben bekannten Fatz-Leuten wie Nonnenmacher und Kaube wurden „hochkarätige“ Wissenschaftler wie Werner Plumpe und Heinz Bude sowie Politiker aufgefahren. Boris Palmer von den Grünen klagte: „Ich treffe nirgendwo Verantwortliche.“

Das ist kein Wunder, ist der V-Träger (Verantwortungs-Träger) doch keineswegs einfach zu kontaktieren. Dennoch hätten die Fatzleute ihm näher kommen können, wenn sie den Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“ gelesen oder wenigstens angezeigt hätten (was zu tun sie sich implizit weigerten). In diesem Roman ist der V-Träger eine der Hauptfiguren. Er ist in Therapie, weil er unter der Verantwortung leidet, manchmal hat er auch eine Art Burnout. Den Ursprünglichen Chaoten, seinen Gegenspielern, ist es aber gelungen, sein Gelaber in der Therapie aufzunehmen – und da erfährt man alles Wesentliche über ihn – auch warum man ihn nicht fassen kann (denn er hat kein Unbewusstes, träumt nie, und wo bei normalen Menschen das Unbewusste sitzt, sitzen bei ihm seine Märkte).

Er trägt schwer unter der Verantwortung, die er einerseits nach unten delegieren muss bis zum Einzelnen Bürger (auch eine Figur im Roman), weil er im Prinzip für Eigenverantwortung des Einzelnen Bürgers ist. Anderseits machen die unteren Verantwortungs-Nehmer, einschließlich der Politiker, mit der Verantwortung Murks, und dann saust die Verantwortung zurück nach oben zum V-Träger. Das ist ein so knochenharter Job, dass er in Therapie muss, um sich aussprechen zu können. Er leidet nämlich auch unter Schlaflosigkeit.

Die Fatz-Konferenz jedenfalls bekam nicht heraus, wo die Verantwortung bleibt und wer sie eigentlich trägt. Werner Plumpe meinte, die großen Gründerkapitalisten des Bismarckreiches wie Krupp hätten noch Verantwortung getragen und viel Geld für Soziales gespendet. Wenn man den Roman „Bangemachen gilt nicht“ gelesen hat, kann  man das sogar verstehen: Verantwortung ist offenbar Geld – und wer viel Geld hat, hat viel Verantwortung, wenn er das Geld auch wieder ausgibt. Aber das wiederum geht nur, wenn dabei mehr Geld wieder reinkommt. „Man tut Gutes, von dem man selbst etwas hat“ (Werner Plumpe). Damit ist auf einen Schlag auch klar, dass Verantwortung auch gleich „Wettbewerbsfähigkeit“ ist. Was aber, wenn beim Ausgeben nicht wieder mehr reinkommt? Dann wird Verantwortung erst richtig knochenhart, weil sie dann Nicht-Ausgeben bedeutet. Dann muss sie nach unten delegiert werden als Eigenverantwortung des Einzelnen Bürgers. Dann müssen die Kleinen (auch die unteren, nicht wettbewerbsfähigen, Länder) gezwungen werden, ihr letztes Geld auszugeben (das ist dann die Eigenverantwortung).

Das hat „meine Politik“, wie der V-Träger im Roman sagt, begriffen. Zum Beispiel Wolfgang Schäuble, der am 22.11.2011 im Bundestag  sein Leitmotiv wiederholte: „Wir haben die Führungsverantwortung in Europa“ – will sagen: Deutschland braucht via Brüssel „Durchgriffsrechte“ in die „Sünderländer“ hinein, die „über ihre Verhältnisse leben“, und das soll jetzt auch in díe EU-Verfassung. Genau das ist im Sinne des V-Trägers selbst, dessen Verantwortung Schäuble übernimmt und für ihn durchsetzt.

Diese hilflose „Verantwortungs-Konferenz“ ist also ein guter Anlass, nochmal die Möglichkeiten zu erwähnen, die die Lektüre der „Vorerinnerung“ bietet: Diese Geschichte vom Kampf der Ursprunglichen Chaoten mit dem V-Träger, die in der Zeit zwischen 1965 und 1995 im Ruhrgebiet spielt, lässt nicht nur nach-begreifen, sondern auch nach-fühlen, wie wir in dieses 21. Jahrhundert gekommen sind, in dem unser (deutscher) V-Träger nun zum drittenmal weltweite Führungsverantwortung trägt (Schäuble). Das ist ja eine eigentlich unglaubliche Geschichte: Wer hätte sie vor 30 oder 40 Jahren für möglich gehalten? Wer außer den Ursprünglichen Chaoten? Die Möglichkeit des Nachfühlens der Aktualgeschichte des V-Trägers wird in dem Roman literarisch angeboten, und kann nicht anders als literarisch eröffnet werden: Mit poetischen Evokationen und satirischen Simulationen (zum Beispiel des V-Trägers).

Wem dieses Blog manchmal was bringt und wer den Roman noch nicht hat, der kann ihn sich vielleicht zu Weihnachten wünschen und/oder selbst verschenken. Die „Dicke“ (der Umfang) sollte nicht abschrecken. Die Vorerinnerung ist übersichtlich in kurze Kapitel gegliedert, so dass man zum Beispiel das Labern des V-Trägers in der Therapie einzeln lesen kann. Auch nicht der Preis (erschwingliche 29,90 Euro).

Also nochmal der Titel: J.L., Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“. asso-Verlag Oberhausen – über jede Buchhandlung oder über Amazon.

Der Turboaufschwung ist ein Meister aus Deutschland – überall auf der Welt warten Azubis auf ihn.

Sonntag, Juli 31st, 2011

Wie können die Griechen wieder (oder überhaupt zum erstenmal) „wettbewerbsfähig“ werden? Günther Oettinger (Hamburger Abendblatt 26. Juli) und Philipp Rößler (FAZ 28. Juli) haben die entscheidende Idee: Deutsche Handwerksmeister in Rente sollen nach unten vor Ort gehen und die Griechen ausbilden. Der Grieche als Azubi des Meisters aus Deutschland. Das ist ein inzwischen bereits sehr erfolgreich in Afghanistan bewährtes Modell: Dort sind es deutsche Meister in Uniform, die Afghanen technisch ausbilden – on the job natürlich, wie im deutschen dualen System vorgesehen. Im „Figaro“ gab es zu dieser Meldung einen verkrampft sarkastischen Comment: Die Deutschen sollten als erste Wahl 85jährige Meister schicken, die hätten als junge Aufstreber in den 1940er Jahren schon mal Griechenlanderfahrung on the job gesammelt. Blanker Neid eines Franzmanns!

V-Träger-Klartext aus Schäubles Mund: „Unsere Führungsverantwortung“

Samstag, Juni 11th, 2011

Die Bundestagsdebatte über eine Verlängerung des Griechenland-„Schirms“ vom 10.6.2011 war ein diskurshistorisches Ereignis. In diesem Blog (wie auch in der Zeitschrift „kultuRRevolution“ und in dem Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“) geht es von Anfang an um den 3. Aufstieg Deutschlands zu einer der führenden Weltmächte und um die absehbaren Folgen, die das für Deutschland und für die Welt hat. In mündlichen Diskussionen haben besonders linksintellektuelle Freund/innen immer wieder die Köpfe geschüttelt. Deutschland strebe nicht mehr national nach einer globalen Führungsrolle, weil es in Europa und in die NATO integriert sei – so etwas wie einem neuerlichen deutschen Hegemonialismus sei deshalb von vornherein der Zahn gezogen und wir könnten das abhaken. „Empire“ sei supra- und postnational, nationaler Imperialismus sei „Geschichte“.

Dagegen geht dieses Blog davon aus, dass das realexistierende „Empire“ sich weiterhin aus nationalen Hegemoniemächten zusammensetzt, die gegenüber Dritten zusammenhalten, wobei es aber zuweilen auch untereinander deutlich knirscht (immer unterhalb der militärischen Ebene versteht sich). Das meint der Begriff „Welt-Junta“ in diesem Blog.

Wenn dem so ist, dann konnte es (und kann es) nicht verwundern, dass gerade in Deutschland dieses Thema der Welthegemonie ein Tabu war (und ist). Das gehört nicht auf offener Straße vor dem Volk beredet. Höchstens „kleine europäische Mittelmacht“ – und eben Europa, Europa – nicht Deutschland, Deutschland.

Es gibt aber einen Begriff, unter dessen feierlichem schwarzen Frack die Sache indirekt vor dem Volk verhandelt werden muss: Das ist die allerheiligste aller semantischen Kühe unseres mediopolitischen Diskurses, bei dessen Aussprechen wir alle wie in der Kirche romantisch glotzen und alle Rückfragen runterschlucken müssen: UNSERE VERANTWORTUNG, UNSERE VERANTWORTUNG, UNSERE GEWACHSENE VERANTWORTUNG. Deshab musste in der „Vorerinnerung“, deren Lektüre ihre Leser/innen mit Vergnügen auf die Höhe unserer (nicht) normalen Zeiten bringt, dieser zentrale Komplex satirisch simuliert werden in der Figur des V-TRÄGERS (VERANTWORTUNGS-TRÄGERS).

Was bedeutet es nun, wenn der V-TRÄGER sich Schäubles Mund ausleiht und im Bundestag V-Klartext redet? So geschehen in der Regierungserklärung zur Debatte über Griechenland am letzten Freitag. O-Ton Schäuble:

„Liebe Freunde, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind die stärkste Wirtschaft in Europa, und wir liegen – das ist das deutsche Schicksal – mitten in Europa. Daraus wächst unsere VERANTWORTUNG. WIR HABEN EINE FÜHRUNGSVERANTWORTUNG für Europa […]. Wir haben UNSERE VERANTWORTUNG ZUR FÜHRUNG […]. Wir müssen dieser VERANTWORTUNG gerecht werden, wir müssen Europa zusammen führen. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist UNSERE VERANTWORTUNG.“

Damit ist UNSERE FÜHRUNGSVERANTWORTUNG laut und definitiv ausgesprochen: für Europa – aber zuvor in der gleichen Rede auch bereits unmissverständlich für die ganze Welt. Mit etwas mehr als 1 Prozent der Weltbevölkerung eine Führungsrolle für die Welt proklamieren: Wohin wird das „führen“? Demokratisch ist das nicht (denn da müsste die jeweilige Bevölkerungszahl zählen). Also ist es einfach „die stärkste Wirtschaft in Europa“, aus der die VERANTWORTUNG „erwächst“: „Marxismus“ pur!

Und wie reagierten SPD und Grüne? Warnten sie den V-Träger etwa vor seinem „3. Versuch“ (siehe die Simulation in „Bangemachen…“)? Sie klatschten der Proklamation UNSERER FÜHRUNGSVERANTWORTUNG vielmehr Beifall und kritisierten nur, Schwarz-gelb nehme UNSERE FÜHRUNGSVERANTWORTUNG nicht entschieden genug wahr! Und wie reagierten unsere großen Medien? Sahen wir etwa diese Passage in den Fernsehnachrichten? War das ein Thema in der großen Presse? Vielmehr Schweigen im Walde: das wären ja auch Perlen vor die Säue – das wäre „Populismus pur“. DAS IST SACHE ALLEIN DES V-TRÄGERS.

Szenario Vietnam in A*? Der deutsche V-Träger wird nervös

Donnerstag, Juni 9th, 2011

Seit geraumer Zeit hören sich die Meldungen über die Strategie der Welt-Junta in Afghanistan (und auch in Libyen, im Irak, im Iran usw.) immer irrationaler und immer widersprüchlicher an. Es sieht so aus, als wisse die eine Hand nicht mehr, was die andere tut: Während die eine Hand die Drohnen-Killungen und die Boden-Killungen nicht bloß mutmaßlich führender, sondern auch „einfacher“ Taliban und anderer „Aufständischer“ nach Killisten anonymer Denunzianten eskaliert und dadurch ständig neue Fälle von „Bestrafungen“ (im westlichen Diskurs „Blutrache“) provoziert, schwadroniert die andere Hand, inzwischen bis zum zuständigen Minister Gates, von „baldigen Verhandlungen mit den Taliban“ (die nach anderen Meldungen längst intensiv geführt würden). Während die deutschen GRÜNEN Hindukusch-Stürmer ein „Bürgen-System“ überlegen, um die weit vorangeschrittene Unterwanderung der Karzai-Truppen (die in Wirklichkeit Truppen der jeweiligen regionalen  Warlords sind) zu bekämpfen, kündigt Obama einen baldigen Teilrückzug an, der wiederum „unseren“ De Maizière in Panik versetzt. Während immer noch von „Demokratie“ unter Karzai und seinen Warlords die Rede ist, wird täglich deutlicher, dass alle relevanten Entscheidungen sowieso von Geheimdiensten getroffen werden, also von klassisch undemokratischen Institutionen.

Genau um in einem solchen Politik- und Medienwirrwarr die nötige Distanz zu bekommen, um die Strukturen erkennen zu können, kann die Lektüre des Romans „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“ (assoverlag Oberhausen, über den Buchhandel, 29,90 Euro) hilfreich und gleichzeitig amüsant sein. „Vorerinnerung“ bezieht sich auf die Zukunfts-Simulationen, unter anderen von Bundeswehrkriegen in „Übersee“. Dabei muss der deutsche „V-Träger“ („Verantwortungs-Träger“) regelmäßig mit seinem „BB“ („Big Brother“) klarkommen, was nicht einfach ist. Hören wir ihm also mal zu (das ist jetzt zusätzlich ad hoc im Stil der „Vorerinnerung“ hinzusimuliert):

„Der BB bringt mich noch um meine letzten Nerven! Jetzt redet er plötzlich von Verhandlungen mit den Taliban, und klickt damit das Vietnam-Szenario an! Dabei habe ich ihm, als ich mit ihm in A* reingegangen bin, im 7erclub doch genau klargemacht, dass meine Azuvis [Allzuvielen] das überhaupt nicht wollen. Ich habe ihm die Statistiken der Befragungen dick vor die Nase gehalten. Ich habe ihm die Geschäftsgrundlage, natürlich auf Englisch, 10mal wiederholt. Es ist die Geschäftgrundlage, auf der ich auch meine GRÜNEN Hindukuschstürmer ins Boot gekriegt habe: „NIE WIEDER HITLER! NIE WIEDER VERLORENER KRIEG!“ (Die GRÜNEN hatten das früher etwas anders formuliert, aber dann haben sie das Angebot angenommen: Hat übrigens einer von ihnen selber gemacht!)  Nie wieder verlorener Krieg! Zwei Zusammenbrüche habe ich überlebt, ein dritter ist das Undenkbare und muss das Undenkbare bleiben. Wofür bin ich denn in die Welt-Junta reingegangen? Der BB hat doch behauptet, das wir mit der Strategie „Clear and Hold“ diesen Krieg mit 100% Garantie niemals verlieren können! Und jetzt redet er von Verhandlungen mit den Taliban – als ob ich nicht genau wüsste, wohin die Verhandlungen mit dem Vietcong in Vietnam schließlich geführt haben!

Klar weiß ich (von meinen Diensten), was der BB mit „Abzug“ meint: Stützpunkte, Öl und Pipelines auf Dauer besetzen und mit Drohnen weiter alle Terroristen und Extremisten, die die Dienste auf die Killisten setzen, ausschalten, selbst wenn deren Sympathisanten in der Hauptstadt an die Macht kommen. Das mit den Drohnen war damals in Vietnam technisch noch nicht drin, soweit okay. Dann hat er seinen Krieg mit Null eigenen Verlusten, der sein eigentliches Ziel ist. Diese Sorte Krieg ist technisch super – aber ich kann diese Sorte Krieg meinen Azuvis und sogar einem Teil meiner Politik jetzt einfach noch nicht verkaufen! Da komme ich in Teufels Küche. Und ehrlich habe ich Zweifel, ob es überhaupt klappen kann: Technisch ist es super, aber die Killlisten müssen von den Diensten erstellt werden – die Dienste kriegen die Killziele von einheimischen Informanten geliefert – wer garantiert mir denn, dass die Informanten nicht unterwandert sind und genau die falschen Leute auf die Liste setzen lassen? Und bei den Diensten, wo alles strikt geheim laufen muss, kann ich noch nichtmal das raffinierte Bürgen-System, das meine GRÜNEN vorschlagen, anwenden.

Ich sehe das Vietnam-Szenario näherrücken und kann nicht mehr schlafen. Wenn es am Ende so aussieht wie Vietnam, dann sieht es so aus wie verlorener Krieg. Das kann ich einfach nicht verantworten. Und Drohnenkriege kann ich jetzt noch nicht führen – die sind für mich jetzt noch zu früh. Ich bin doch grade erst dabei, Begriffe wie „Gefallene“ und „Helden“ wieder in die Medien zu kriegen. Der BB kann mir regelrecht meinen Konjunkturoptimismus vermiesen, wo ich gerade diesen prächtigen XXL-Aufschwung aufs Parkett lege. Aber darauf ist der BB natürlich neidisch und will sich rächen und mir noch am Ende den verlorenen Krieg in A* anhängen.“

ölbäder und der deutsche v-träger erinnert sich an seinen wüstenfuchs

Mittwoch, März 23rd, 2011

Der V-Träger ist der Verantwortungs-Träger.  Er spielt eine Hauptrolle im Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“ (assoverlag Oberhausen).  Wenn die Ursprüglichen Chaoten, seine Gegenspieler im Roman, Glück haben, können sie bekanntlich die Stimme des V-Trägers mithören.

So gestern Nacht, als auf dem Bildschirm das Bild mit den Kriegsschiffen im Mittelmeer plötzlich ausfiel, der Ton aber weiterlief, allerdings schlagartig ganz anders: Es war die Stimme des V-Trägers!  Mal wütend, mal lamentierend, und sie sagte:

meine grünen wüstenstürmer pinkeln mich jetzt an vonwegen drückebergerei in der libyschen wüste.  sie kapieren einfach gar nichts grün hinter den ohren und ölige laien in wüstenstürmen wie sie sind.  ich verstehe schließlich was von wüstenstürmen in libyen, mein welschmann hat schon  vor 100 jahren welche geführt und ich selber mit meinem wüstenfuchs vor 60.  mein wüstenfuchs war wirklich genial was wüstenstürme angeht und hat trotzdem verloren.  seit mein 3. versuch läuft und ich wieder kriege führen muss, ist mein eisernes prinzip: nie wieder verlorener krieg.  schon gar nicht wieder verlorener blutkrieg.  ich bin kein öliger anfänger, als ob ich nicht wüsste, welche enormen blutvorkommen in der libyschen wüste –  was soll das blinken von wegen semantische vertauschung – scheiß programm!  abschalten!  ach du dicker pater was hab ich da wieder gesagt!

mein franzmann will die blutanlagen erobern, und ich soll den ölzoll mitentrichten (ich habe gesagt: blinken abschalten!) aber ich entrichte ölzoll nur noch, wenn der sieg absolut garantiert ist, nie wieder vonwegen bis zum letzten öltropfen kämpfen und so: die verantwortung liegt doch im endeffekt wenns zum schwur kommt immer bei mir.  meine generäle warnen mich vor imperial overstretching, sie haben in afghanistan und am horn schon genug zu tun.  mein franzmann ist voll im imperial overstretching drin, das sieht doch jeder, ich weiß von meinen diensten, dass er neural enhancing pillen nimmt und schon völlig süchtig ist, ich brauch ihn doch nur da rumzappeln zu sehen.

meine verantwortung heißt blutquellen sichern und sicherer blutfluss, und das wird durch die strategie meines franzmanns, ölbäder mit noch mehr ölbädern zu bekämpfen, doch total verunsichert!  schon jetzt steigt der blutpreis wie eine rakete (verdammtes blinken scheiß programm: ich habe euch gesagt: abschalten!) wenn mein franzmann in der wüste schiffbruch erleidet, wird der blutpreis explodieren und meinem aufschwung den gau verpassen.  das kann ich nicht verantworten.  dieser stress zerreißt mich, mein öldruck geht schon wieder hoch zusammen mit dem blutpreis, und mein internist sieht ein infarktrisiko, aber ich bin sicher, dass das infarktrisiko meines franzmanns viel höher ist.

Da war auch die Stimme weg und bloß noch ein schwarzer stummer Bildschirm übrig: Hoffentlich nichts Schlimmes passiert. Das war ein nächtliches Déjà-vu, denn diese ganze Situation ist vorerinnert im Roman: Siehe das Kapitel „dem v-träger geht einiges durcheinander, als der ernstfall wieder an ihm herantritt (simulation von 1972 auf 1990)“ (S. 744-752).

Bei der Gelegenheit nochmal warum es sich lohnt, den Roman „Bangemachen…“ zu kaufen, sich schenken zu lassen, ihn zu lesen und/oder zu verschenken: Dieser Roman erzählt jenseits der Kretin-Alternative „entweder politisch oder erfahrungssubjektiv“ die Geschichte des deutschen V-Trägers und der Ursprünglichen Chaoten zwischen der 68er Zeit und dem 21. Jahrhunderts. Wie es zum 3. Versuch des V-Trägers kam, in dem wir heute leben müssen. Erzählt es poetisch und satirisch, sensibel und cool. Nach der Lektüre weiß die Leserin, in welcher Geschichtslandschaft sie heute lebt und wie es dazu gekommen ist.

Das Nordafrika-Szenario des V-Trägers wird real

Mittwoch, März 9th, 2011

Der V-Träger ist der Verantwortungs-Träger. Er ist eine Hauptperson des Romans „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“ (assoverlag Oberhausen 2008). Dieser Roman versucht in einer seiner mehreren Dimensionen begreifbar zu machen, wie „dieses unser Land“ unter der Verantwortung des V-Trägers wieder zu einer führenden Weltmacht wurde, so dass es heute bei allen Kriegs-Szenarien überall von vornherein völlig normal „engagiert“ ist. Aktuell beim „Nordafrika-Szenario“.

Ein solches „Nordafrika-Szenario“ wurde in dem Roman vorerinnert (siehe S. 837ff.). Die Ursprünglichen Chaoten, Gegenspieler des V-Trägers, versuchen, gegen die Simulationen und Szenarien des V-Trägers eigene satirische Simulationen zu stellen, indem sie z.B. auch den V-Träger simulieren. Das ist eine der Dimensionen des Romans: die Dimension einer Art von interaktivem Anti-Computerspiel. Man erkennt die vorerinnerte Simulation als Realität wieder – einschließlich der Unterschiede zur Simulation – und begreift auf diese Weise ihre Struktur und Kausalität, einschließlich der Schwachpunkte des V-Trägers.

Aber nun das Szenario. Es kommt im Kapitel „das definitive schlusswort des v-trägers“ vor (seite 835-839). Zwei Ausschnitte (GAU heißt Größter Anzunehmender Unfall):

„ich spiele jetzt seit fast 2 wochen GAU-games, das sind die einzigen wirklich intelligenten und wirklich realistischen computerspiele, die ich kenne.  gewonnen hat, wem es gelingt, einen GAU auszulösen.  das ist eine äußerst schwierige aufgabe, weil zuerst nur normale züge erlaubt sind und als erstes sektorielle notstände durch normale züge plus zufallsgeneratoren erreicht werden müssen.  bei einem sektoriellen notstand kann man normale notstandsmaßnahmen ergreifen.  wenn man möglichst viele sektorielle notstände (z.b. massenarbeitslosigkeit plus abschneiden der sozialen netze, ethnische pogrome, AIDS, rinderwahnsinn oder ähnliches) auf die beine gestellt hat, erhöht sich die chance, dass durch die kopplung mehrerer sektorieller notstände per zufallsgeneratoren ein großnotstand erreicht werden kann [… usw.]

das beste an meinen spielen ist der realismus, dass es nicht um idiotische planeten und meteoreneinschläge und diese ganzen gentechnikunfälle geht, wo nicht bloß zwillinge, sondern mindestens 7linge oder 8linge mit einem killergen geklont werden, sondern z.b. darum, wie die europäische wiedervereinigung in einen GAU ausbüxen kann, wenn ich die normale strategie blut und eisen meines eisernen kanzlers anwende, wo ich also, um den sack flöhe unter einen hut zu kriegen, einen äußeren feind und einen gemeinsam geführten krieg als katalysator der einheit brauche, wo sich dann keiner ausschließen kann, was wirklich genial von meinem eisernen kanzler damals war [… usw.]

einmal habe ich vor 2 tagen mit einem nordafrikaszenario schon den GAU geschafft: durch eine geschickte kombination normaler züge wie ein allgemeines kopftuch- und vollbartverbot in den meisten euroländern plus fremdsprachenverbot in der öffentlichkeit (außer englisch und europäischen sprachen, wo es tolle absurde streitfälle gibt nicht bloß über türkisch) plus zufallsgenerator X (z.B. besonders ausgefallene echte und unsichtbare-kräftesäfte-viren) sind islamische fundamentalisten in algier an die macht gekommen und ihre fanatischen jungen mujaheddin haben die französischen und deutschen ölspezialisten als geiseln genommen und nur die deutschen freigelassen und die franzosen dann massakriert.  da war dann zugzwang zum großnotstand im ganzen euroland und zum schulterschluss mit meinem franzmann und zum gemeinsamen V-schlägekrieg und auch zur gemeinsamen eroberung und zum gemeinsamen protektorat, von wo es dann viel schneller zum GAU vorwärtsgegangen ist, als ich gedacht hätte, wegen der wirklich sehr realistischen und sehr intelligenten zufallsgeneratoren beim öl und bei den vielenn AKWs meines franzmanns.

[… usw. zum nachlesen im original.]

Flugverbotszone wäre auch ein guter Zufallsgenerator im GAU-Game gewesen.

Tag 12 der Revolution: Der ägyptische V-Träger kommt aus der Deckung

Sonntag, Februar 6th, 2011

ZDF Spezial am Abend des 5. Februar: Wir sind jetzt in Verbindung mit Nagib Sawiris, dem reichsten Mann Ägyptens, der die deutsche Schule in Kairo besucht hat und unsere Sprache spricht: Guten Abend Herr Sawiris! Sie sind der reichste Mann Ägyptens, besitzen das größte Telekomnetz und vieles andere. Sie engagieren sich jetzt für einen geordneten Übergang zur Demokratie. Stehen Sie schon in Kontakt mit der Übergangsregierung? – „Guten Abend. Ja, wir haben ein Komitee der Opposition gebildet und schon mit Vizepräsident Suleiman, der ein großes Prestige in Ägypten genießt, gesprochen. Ich bin zuversichtlich, dass unsere Forderung nach freien und fairen Wahlen erfüllt wird.“ – Meinen Sie denn, dass Sie auch die Forderungen der Demonstranten erfüllen können? – „Ja, da bin ich optimistisch. Freie und faire Wahlen.“ – Danke Herr Sawiris!

Der Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“ (assoverlag Oberhausen) hat den Versuch unternommen, die Landschaft des 21. Jahrhunderts „vorzuerinnern“. Dazu gehört der „V-Träger“, d.h. der Verantwortungs-Träger, der die letzte und höchste Verantwortung trägt, weil er das größte Risiko trägt, das er wiederum deshalb trägt, weil er das größte Kapital investiert. Der V-Träger im Roman redet von „meiner Politik“ und „meiner Wehr“, die er beide oft genug kritisiert. Was er aber absolut nicht ab kann, ist jede Form von „Chaos“. Da hört der Spaß bei ihm auf, und dann schnauzt er seine Poltitik und seine Wehr an.

Hier die Fragen, die das ZDF nicht gestellt hat: Herr Sawiris, ist denn Ihr Komitee demokratisch legitimiert? Wer hat Sie denn gewählt? Ist denn in Ihrem Oppositions-Komitee auch der ärmste Mann Ägyptens vertreten? Und auch die ärmste Frau Ägyptens? Wie würden Sie das Verhältnis zwischen den Ägyptern, die in Ihrer Gehaltklasse sind, und denen, die in der Gehaltsklasse des ärmsten Ägypters  und der ärmsten Ägypterin sind, denn quantifizieren? Was bedeutet es denn für Ihre Verhandlungen, dass Herr Suleiman Mubaraks Geheimdienstchef war, also niemand anderer als der Mielke Ägyptens, also die Verantwortung für die massenhaften Killungen und Folterungen und den ganzen Stasihorror trägt? Hätte denn 1989 ein ostdeutsches Oppositions-Komitee freie und faire Wahlen mit Mielke aushandeln sollen, während Erich weiter an der Macht geblieben wäre?

Na klar: bei solch verantwortlungslosen und chaotischen Fragen hätte der deutsche V-Träger seinem ZDF den Saft abdrehen müssen. Das ZDF weiß aber im voraus, dass das die richtige Antwort auf solche Fragen wäre und stellt sie deshalb erst gar nicht. Claro!

Re: Deutsche Kriegsweihnacht. Angela Umbra Mortis in Kundus erschienen

Montag, Dezember 20th, 2010

„Überschattet“ von einem tragischen Unfalltod mit der Waffe im Kampfgebiet erschien auf dem Bildschirm die wie ein schwarzer Schatten gekleidete Allegorie des Todes inmitten von Weihnachts- und Natogrün – das Ökogrün der grünen heißen Krieger war ebenfalls im geistigen Hintergrund  mit dabei. Die deutsche Kriegsweihnacht, die auf so erschütternde Prototypen zurückblickt, ist wieder da. Und angeblich sind die 70 Prozent im Volk, die den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan fordern, dennoch „stolz“ auf „unsere Soldaten am Hindukusch“ und sollen dennoch gerührt sein über den Besuch des Todesengels im miltärischen Weihnachtsgrün.

Grund zum Stolz besteht, wie Stephan Löwenstein, einer der neuen deutschen Kriegsberichterstatter, in der FAZ vom 20.12.2010 auf Seite 2 mitteilt: Die Bundeswehr mache „Fortschritte“ und siege wieder (am 15.11.2010 titelte die FAZ: „Der Sieg bei Isa Khel“, und am 17.11.: „Bundeswehr soll weiter Taliban angreifen“). Wie sagte der V-Träger zu den Konvertern in der „Vorerinnerung“ („Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee“): Wenn ich auch früher „Nie wieder Krieg“ gefordert haben sollte, dann habe ich gemeint: Nie wieder verlorener Krieg. Die neue, im Laufe des Jahres 2010 implementierte Offensivstrategie zeitige große Erfolge. „Gerade läuft eine große Operation in der Provinz Baghlan, wo wichtige Straßen zusammenlaufen. […] Die Operation wird unterstützt von amerikanischen und anderen ISAF-Kräften, darunter dem rund 400 Mann starken deutschen Kampfverband („Ausbildungs- und Schutzbataillon“, ASB) […]. Der verunglückte deutsche Soldat gehörte zu diesem ASB.“ – „Inzwischen ist ihr [Angela] nicht nur Achtung, sondern beinahe ein wenig Stolz auf eine Truppe anzumerken, die sich neuerdings nicht nur als einfühlsame Stabilisierer in einem kargen Land erwiesen haben [Grammatik original], sondern auch, von einigen politischen Fesseln befreit und durch die Umstände gezwungen, als durchsetzungskräftige und tapfere Kämpfer.“

Eine von ARD, BBC und ABC durchgeführte Umfrage in den „einfühlsam stabilisierten“ Gebieten Afghanistans ergab allerdings, dass sogar die Bevölkerung im NATO-Propagandabereich zu zwei Dritteln die ISAF ableht und zu 52 Prozent den sofortigen Abzug fordert. Besonders katastrophal war der Schwund an „Zustimmung“ zur Bundeswehr: Er ging seit 2008 von 45 auf jetzt noch 21 Prozent zurück (FAZ und WAZ 7.12.2010). Und das wie gesagt sogar in den „stabilisíerten“ Gebieten! Soviel zum „Fortschrittsbericht“.

Vor etwa einem Jahr haben die Zeitschriften kultuRRevolution, AMOS, DISS-journal, Analyse + Kritik, et cetera ppf u.a. den Appell „Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan“ veröffentlicht, der von mehr als hundert Personen unterzeichnet wurde. Dieser Appell unterschied sich von anderen dadurch, dass er den Krieg als einen schmutzigen Anti-Guerillakrieg („Drones ’n Drugs“) kennzeichnete, dessen Speerspitze in Killungsaktionen ohne Prozess und fern von Kampfgebieten durch „Spezialkräfte“ (wie das KSK) gegen „Aufständische“ besteht, die als solche von anonymen IMs denunziert wurden, wobei hohe Anteile von zweifelsfreien Zivilisten (Frauen und Kindern) als „Kollateralschäden“ in Kauf genommen werden (eingestandenermaßen bis zum Verhältnis von 1:6).  Durch Wikileaks ist das als Routine dieses Krieges bestätigt. Auch die Soldaten, die nicht an solchen „Spezialaktionen“ beteiligt sind und die „nur“ mit traditioneller Kriegstaktik Dörfer erobern, sitzen im Boot eines schmutzigen Krieges. Die vielen „Traumatisierungen“ und der große Bedarf an Kriegs-Psychotherapie sprechen eine deutliche Sprache.

Deshalb kann ein Zeichen setzen, wer den Appell jetzt und künftig unterzeichnet.

Deshalb kam unser Appell auch nicht darum herum, den plausibelsten Grund für das sture Festhalten an der Eskalation dieses Krieges durch die Bundesregierung zu nennen: Deutschland als eine der führenden Weltmächte nicht bloß ökonomisch und politisch, sondern auch militärisch zu etablieren. Darin dürfte der eigentliche Grund für den nun ständig betonten „Stolz“ liegen.

Und doch gibt es den „grünen Höhenflug“: Wenn man sich nicht vorstellen kann, dass die grünen Wählerinnen unter Grün das Grün der deutsche Kriegsweihnacht mit allem Drum und Dran verstehen, dann bleibt nur die Erklärung, dass sie die sture Kriegspolitik der Berliner Grünen mit einem vollständigen Blackout „verarbeitet“ haben. Wie lange dieser Blackout wohl noch hält?

wikileaks und die kommenden kulturrevolutionen: tendenz volldemokratie.

Donnerstag, Dezember 16th, 2010

Ein Gespenst geht um im Netz – das Gespenst des Wikileaks. Alle Mächte des alten globalen Dorfs haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, der Papst und die saudischen Prinzen, Putin und Obama, Amazon und Mastercard, chinesische Kommunisten und deutsche Turbotuis bei Anne Will. Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor: Wikileaks ist bereits von allen globalen Mächten als eine Macht anerkannt.  Alle Mächte sehen „dringenden Handlungsbedarf“ dabei, Wikileaks mit vereinten Kräften zu zerschlagen.

Anders gesagt: Der V-Träger (siehe die Vorerinnerung „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee“, asso verlag Oberhausen, mögliches Weihnachtsgeschenk last minute), also der globale Verantwortungs-Träger, hat den „fairen Wettbewerb“ darum eröffnet, mit welchen Diskursen man Wikileaks am besten zerschlagen kann. In dieser Konkurrenz um Schweinegeld geht es höchst satirisch und höchst ungewollt kulturrevolutionär zu: So entdecken die Spötter über „politische Korrektheit“ pötzlich in gottserbärmlicher Humorlosigkeit das „Gesetz“ des Ladendiebstahls und schlagen dem V-Träger vor, die Transparenz von Megaverbrechen, darunter der von der UNO-Charta als größtes Verbrechen überhaupt definierten Kriegsvorbereitung, als „Diebstahl“ zu definieren. Diebstahl von was, wird der V-Träger sicherlich fragen – Antwort der wissenssoziologisch studierten Turbotuis: Von „Wissen“.

Erstaunlicher als solche Angebote an den V-Träger ist das Ausbleiben eines Engagements für Wikileaks: Wo bleiben Institutionen wie  Transparency International (bekommen sie kalte Füße, sobald mit Transparenz Ernst gemacht wird?) – und wo bleibt die Zunft der Zeithistoriker? Müsste diese Zunft nicht ein großes Manifest gegen die Versuche herausgeben, Wikileaks zu zerschlagen? Hat nicht Wikileaks „aüßerst wertvolle Quellen“ zugänglich gemacht? Und zwar über jetzt noch anhaltende Kriege (während unsere Zeithistoriker in den Archiven noch mit der Lupe nach weiteren Quellen über die Weltkriege forschen)? Und sogar über noch nicht begonnene, aber bereits akut geplante Kriege: Ein saudischer Prinz hat die USA dringend aufgefordert, der „Schlange den Kopf abzuschlagen“, im Klartext: einen Krieg gegen den Iran zu beginnen? „Diebstahl von Wissen“?

Keine zwei Jahre ist es her, als in der Panik des Crash all jene, die jetzt mit verbissenen Gesichtern die Zerschlagung von Wikileaks und die lebenslange Verknastung der „Quellen“ fordern, sich in Propagierung von „Transparenz“ überboten. Daraus wurden bekanntlich bloß Mogelpackungen, die die Transparenz des Finanzsektors erheblich verkleinert haben. (Transparenz ist für den V-Träger das rote Tuch schlechthin – beruht doch sein ganzes Konkurrenzsystem auf maximaler Intransparenz.) Spricht es da nicht Bände, dass genau in dem Moment, wo Wikileaks Quellen aus Banken zugänglich machen wollte, das eingangs erwähnte Bündnis losgeschlagen hat?

Aber – da sind sich alle Turbotuis einig – Kriegsverbrechen und Finanzvergehen in den Vordergrund zu rücken, wäre ungeschickt. Reden wir also von diplomatischen Albernheiten und Dummheiten, die angeblich unter „private Diskretion“ fallen. In der Tat gilt es, private Intimität (wie etwa sexuelle Vorlieben) durch Diskretion zu schützen. Aber keines der von Wikileaks publizierten Dokumente wurde von Wikileaks verfasst! Es waren Diplomaten der Supermacht, die solche Indiskretionen, Albernheiten und Dummheiten nach Washington gekabelt haben. Jeder Zeithistoriker wird zugeben, dass es leider zur Geschichtsschreibung dazugehört, auch die Dummheiten und Albernheiten einer Supermacht-Diplomatie zu „wissen“. Dummheiten und Albernheiten haben oft genug bei Kriegsvorbereitungen und Kriegsverbrechen mitgewirkt.

Die kommenden Kulturrevolutionen werden volldemokratisch sein, oder sie werden nicht sein. Transparenz aller öffentlich relevanten Wirtschaft und Politik ist so etwas wie das notwendige Spielfeld für volldemokratische Spiele, und Wikileaks bedeutet womöglich das bisher wichtigste Ereignis dieser Tendenz. Sollte die Operation Zerschlagung so weitergehen, wie sie begonnen hat: mit derartigen argumentativen Selbsttoren oder gar mit der Satanisierung und „Terroristisierung“ von Julian Assange und seinen Mitstreitern bzw. ihren Quellen, dann sollten alle kulturevolutionären Tendenzen, gerade auch die mit satirischen Potentialen, diesen Kampf als den ihren begreifen und sich entsprechend engagieren.

„Proliferanten“: neue Anten?

Mittwoch, November 24th, 2010

In einem Interview des DLF zu den Artillerieduellen in Korea (24.11.2010) sagte Markus Tidten, Koreaexperte der „Stiftung Wissenschaft und Politik“, u.a., Nordkorea gehöre zu „den wichtigsten Proliferanten von spaltbarem Material“. Über Google gibt es einige frühere Belege zu diesen Anten aus einem Expertendiskurs für das Schweizer Verteidigungsministerium. Haben wir hier die Geburt neuer (medialer) „Anten“ erlebt? (Ironisch waren „Proliferanten“ als eine von verschiedenen Selbstbezeichnungen für die „Ursprünglichen Chaoten“ im Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee“ vorweg simuliert worden – auf Diskurse, nicht auf spaltbares Material bezogen.)

Die Ursprünglichen Chaoten

Gabriel schafft´s: nun also doch „Niwis“.

Freitag, September 24th, 2010

In den Zukunftssimulationen des Romans „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee“ (assoverlag Oberhausen) gibt es „Iwis“ („Integrationswillige“) und „Niwis“ („Nicht-Integrationswillige“), mit entsprechenden Einträgen in ihre Pässe, die sie bei sich zu führen verpflichtet sind. Darum herum entwickeln sich satirisch-lustige und gleichzeitig möglichst realistische „Zwillingsgeschichten“ (in denen ein weibliches Zwillingspaar für Wirbel sorgt). Als der von allen Medien hochgepushte Abschaff-Bestseller alle „Volksparteien“ umgehend dazu „zwang“, die „Abschaffung der Parallelgesellschaften“ noch auf die Schnelle zum wichtigsten Punkt ihrer jeweiligen Agenda 2010 zu erheben, sah es zunächst so aus, als ob die Simulation des Romans zwar inhaltlich, nicht aber ganz in der Formulierung verifiziert sei: Die neuen Reizwörter hießen „I-V“ („Integrations-Verweigerer“, mit Anklang an „Kriegsdienst-Verweigerer“) und „I-M“ („Integrations-Muffel“).

Nun hat aber SPD-Chef Gabriel die Simulation doch noch auch formal verifiziert: Am 20.9. erklärte er in der Tagesschau, „Integrationsunwillige“ müssten mit „Sanktionen“ rechnen und sollten, falls sie nicht reagierten, „abgeschoben“ werden. Dass diese „Abschaffung“ haargenau das Programm des Abschaff-Bestsellers darstellt (bloß ohne die ethnogenetische Begründungs-Theorie), fiel sogar der Bundesjustizministerin auf. Jedenfalls: Semantisch ist die Vorsilbe „un-“ im Deutschen äquivalent mit der Negation, also mit „nicht“. Da haben wir also doch noch unsere „Niwis“.

[Zusatz: JETZT AUCH 100% WÖRTLICH „NIWIS“:

Am 27.9.2010 meldet die Watz vom SPD-Parteitag: „In der SPD wird die Forderung lauter, NICHT INTEGRATIONSWILLIGE Zuwanderer mit SANKTIONEN zu belegen.“ ]

Jetzt braucht es bloß noch weibliche Zwillinge bzw. deren diskurspartisanenhaftes Äquivalent, um daraus auch eine glückliche Realsatire zu machen. Dazu wiederum braucht es eine entsprechende Subjektivität – und die kommt ganz von selbst beim Lesen der „Vorerinnerung“. Der Roman ist weder „zu dick“ (Dan Brown & Co. gehen mit ihren jeweils an die 1000 Seiten massenweise über die Ladentische) noch „zu schwer“ (man kann z.B. einfach mit einzelnen Zwillingsgeschichten anfangen), noch gar „zu teuer“ (29,90 €). Gerüchteweise sollen „Schachtelsätze“ drin vorkommen – nicht in den Zwillingsgeschichten, und wenn schon: Daniel Kehlmann verdankt seinen Erfolg doch auch der Tatsache, dass er seinen Leserinnen nach 20 Jahren Popliteratur mit Minisätzeslang mal wieder den Konjunktiv der indirekten Rede und ein paar syntaktische Schachtelungen zumutet. Das scheint bei diesen (seinen Leserinnen) gut anzukommen. „Aber in der Vorerinnerung büxt das Subjektive und Poetische immer wieder ins Politischer aus!“ Nun ja, das ist nicht zu leugnen.

Norbert Bolz kandidiert zum MdmW!

Freitag, August 13th, 2010

Norbert Bolz, zu Beginn seiner Karriere auch einmal Beiträger der Zeitschrift „kultuRRevolution“ (heft 8 von februar 1985, 52-55, Titel „der terrorist als held“, über den „kulturrevolutionären diskurs des jungen lukács“), ist seither als postmoderner Medientheoretiker und Verfasser vieler Manifeste hervorgetreten, darunter eines „Konsumistischen“ und eines gegen Rousseau und den Egalitarismus gerichteten. Nun ruft er im „Tagesspiegel“ (13. August 2010) zur Gründung einer neuen Partei auf, die sich mutig als „rechts“ und „rechts von der CDU“ bekennen soll: „Die erste Aufgabe einer anspruchsvollen politischen Rechten wäre, zu sagen, was die Politische Korrektheit der Medienlinken zu sagen verbietet. Mehr noch als Ideen braucht man dazu Mut, denn in der Öffentlichkeit herrscht keine Waffengleichheit. Die Medienlinke hofiert die Linken und denunziert die Rechten. Auf der Kommunistischen Plattform darf man fröhlich tanzen. Aber wehe, wenn man der „Jungen Freiheit“ ein Interview gibt.“ Sein Held solch mutiger Wahrheit ist Thilo Sarrazin, der bekanntlich sofort aus der SPD und der Bundesbank flog, sogar seine Rente verlor und nun am Hungertuch nagen muss, als er den Mut hatte festzustellen, dass Südeinwanderer im Schnitt einen niedrigeren IQ als eingeborene Deutsche hätten und dass folglich Heiraten zwischen hiesigen Einwanderern türkischer Herkunft und „nachgeholten“ Ehepartner/innen verboten werden sollten. Verboten.

Bolz meint, dass solcher Mut gerade in der deutschen Academia viel Zustimmung finde, aber leider nur „hinter vorgehaltener Hand… Du hast ja recht, aber das kann man doch  nicht sagen…“ Diese bekannte Feigheit deutscher Intellektueller, sich als Rechte zu bekennen, könnte daher „nur durch ein Coming-out von Starintellektuellen gebrochen werden.“ Bolz, zweifellos der Typ des Starintellektuellen par excellence, schaut also dem Tod ins Auge und geht mutig voran.

Er hat damit seinen Hut in den Ring geworfen und seine Kandidatur zum MdmW erklärt. Das ist ein Kürzel aus dem Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“ (assoverlag Oberhausen). Es lautet: „Mann der mutigen Wahrheit“. Solche MdmW braucht der „V-Träger“ (Verantwortungs-Träger), und zwar möglichst viele, darunter „Turbotuis“ (alias Starintellektuelle) und unter denen wiederum gerade auch „Konverter“ (Konvertiten der 68er Intelligenz). Das alles, und damit auch der Fall Norbert Bolz, ist in dem Roman vorerinnert und wird dort in seinen diskursiven Mechanismen vorweg erzählt, damit man es dann wiedererkennt, wenn es kommt.

Man muss das Manifest im „Tagesspiegel“ zusammen mit einem fast gleichzeitigen Manifest im „focus“ vom 26. Juli 2010 sehen. Dort ruft der „focus“ zu einer deutschen „Tea Party“-Bewegung auf und verspricht einer neuen Rechtspartei auf Anhieb 20% der Stimmen. Als führende Köpfe werden eingeladen (ob mit ihrem Einverständnis ist unklar): Joachim Gauck, Arnulf Baring, Peter Sloterdijk, Wolfgang Clement, Friedrich Merz, Necla Kelek, Thilo Sarrazin und Paul Kirchhof. Diese 8 mit Großfoto. Wie man sieht, nur eine Frau, die aber gleichzeitig als mutige „Migrantin“ (FdmW) für 2 zählt. Das Manifest sieht (kein Witz) den „Kairos“ für eine solche Partei gekommen.

Nun aber die Frage: Und wo ist Norbert Bolz? Keine Sorge, es fehlt nur sein Foto, nicht sein Name („die Philosophen Robert Spaemann, Norbert Bolz und Peter Sloterdijk“). Aber dieses Fehlen des Fotos ist doch fatal: Es zwang den Medienphilosophen offensichtlich dazu, ein eigenes Manifest nachzuschieben und damit seinen Mut zu beweisen, der zugleich (das können wir als Diskurstheoretiker jederzeit bestätigen) als ernsthafte Kandidatur zählt.

Britta Heidemann erinnert in der Watz-Kultur an die Vorerinnerung (25.6.)

Freitag, Juni 25th, 2010

Auf Seite 2 des überregionalen Kulturteils der Watz (wie sie in der „Vorerinnerung“ geschrieben wird) erschien am 25.6.2010 eine ausführliche (süffig geschriebene) Wegweisung, verfasst von Britta Heidemann, zum Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee“ – Ergebnis eines Gesprächs mit dem Autor. Es geht dabei auch um das Rhizom-Modell für das Ruhrgebiet. Jetzt ist zu hoffen, dass ein paar Leute mehr den Weg ins Rhizom wagen: Die Urlaubszeit könnte das Zeitfenster öffnen.

Interview mit der Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung (BSZ)

Dienstag, Juni 8th, 2010

Im Zusammenhang mit seiner Lesung am 15. Juni wird morgen ein Interview mit Jürgen Link in der Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung (BSZ) erscheinen.

Es lässt heute bereits online lesen.

Die Fragen stelle Rolf van Raden.

Neue Lesung im Doppelpack: „Kulturhauptstadt auf eigene Faust“

Dienstag, Juni 8th, 2010

Ich lese an der Ruhr-Universität Bochum Auszüge aus meinem Ruhr-Roman („Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung. assoVerlag Oberhausen). Darin einmontiert wird ein Kurzessay „Das Konzept Rhizom“ (bezogen auf das Ruhrgebiet und auf den Roman).

Wann?  Dienstag 15. Juni 2010, 18-20 Uhr

Wo?   Ruhr-Universität Bochum, HZO 60

Mit Diskussion: Ich lade dazu besonders herzlich ein, trotz Semester- und Schulschluss zu kommen. Ich lese andere Stücke als in den Buchläden und signiere natürlich auch.

Alle Informationen gibt es hier als druckbares PDF.

Jürgen Link

Deserteur Köhler? Welche der Seelen des deutschen V-Trägers ist mutig und welche feige?

Dienstag, Juni 1st, 2010

Köhler war Kohls Sherpa auf den Siebener Gipfeln. Offenbar wollte er nun auch den Sherpa am Hindukusch machen. Sherpas sind berühmt für ihre Tapferkeit und ihre Opferbereitschaft: sie retten ihre weißen Herren unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Und nun wird ihm Desertion vorgeworfen.

Es ist wirklich nicht einfach da durchzublicken. Vielleicht kann aber die Lektüre des Romans „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“ (assoverlag) da wirklich etwas klären. Dort wird der deutsche V-Träger (Verantwortungs-Träger) auf seinem 3. Versuch begleitet. Dieser deutsche V-Träger leidet an MPD, das heißt Multiple Personality Disorder (nicht zu verwechseln mit NPD): er trägt nicht bloß zwei, sondern viele Seelen in seiner Brust – so wie Schopenhauers ewig unerlöster Ur-Wille ist er hin und hergerissen: die eine Seele sagt: Hier sind die Zukunftschancen, die andere da. Die eine will an den Hindukusch, die andere woanders hin.

Da wollte die Seele namens Horst als Sherpa mutig die Wahrheit darüber sagen, warum die Bundeswehr am Hindukusch ist (nicht wegen der Seewege: wo ist denn da See? Seewege bezog sich aufs Horn von Afrika! Hindukusch bezog sich auf Instabilität, die unsere Chancen gefährdet). Sicher sah er Kritik voraus, wollte aber als Sherpa seiner Berg-Chefin den Aufstieg zum Hindukusch der mutigen Wahrheit freimachen. Aber die Chefin ließ ihren Sherpa feige im Schnee stehen.

Da griff er zur letzten Möglichkeit eines Sherpas: Wie der Schweizer Held Winkelried zog er alle Speere auf sich und ging mutig in den Opfertod. Und nun werfen die feigen anderen Seelen des V-Trägers ausgerechnet ihm sogar Desertion vor. Wir warten nun auf mutige Seelen, die seine Tat in ihrer tragischen Konsequenz begreifen und jetzt die Chance zum Befreiungsschlag nutzen. Es muss jetzt laut bestätigt werden: Ja, wir sind ein Land dieser Größe. Ja, wir müssen für unsere Chancen und Interessen „im Zweifel“ auch militärisch aktiv werden wie jetzt am Hindukusch, wo es um Chancen und Stabilität geht. Wir warten jetzt auf einen MUTIGEN BEFREIUNGS-SCHLÄGER.

Oder sollte der Sherpa doch eine Mimose und ein feiger Deserteur sein? Das darf nicht wahr sein.

Sondersendung der Ursprünglichen Chaoten

Montag, Mai 31st, 2010

Frühere Sondermeldungen noch im Ohr, hörten wir eben die Sondersendung zum Rücktritt Horst Köhlers. Alles klang wie ein Fake der Ursprünglichen Chaoten – aber wir wussten ja, dass wir das nicht gefaket hatten. Wir gehörten ja nicht zu denen, die sein Interview über die Interessen eines Landes unserer Größe und die Rolle der Bundeswehr dabei als verfassungsfeindlich und lügenhaft mit Kritik überschüttet hatten. Im Gegenteil hatten wir ja Respekt vor seinem Mut zur Wahrheit bekundet. Mit ihm verlieren wir einen großen MdmW, also einen großen Mann der mutigen Wahrheit (die Geschichte des MdmW kann man in dem Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“, assoverlag Oberhausen, nachlesen; dort sind Zeiten der Krise wie augenblicklich vorerinnert).

Spannend wird es übrigens sein zu sehen, wie die SCHLAGzeitung bei weiterer Eskalation sämtlicher Krisen das Problem lösen wird, eine einzige SCHLAGzeile zu generieren, wenn sozusagen mehrere „Themen“ sich dazu drängen: LENA oder KÖHLER oder JOGI oder EURO usw.?  Man wird kombinieren müssen: etwa FOLGT LENA KÖHLER NACH? Bleiben Sie dran!

Die Ursprünglichen Chaoten