Auf Seite 2 des überregionalen Kulturteils der Watz (wie sie in der “Vorerinnerung” geschrieben wird) erschien am 25.6.2010 eine ausführliche (süffig geschriebene) Wegweisung, verfasst von Britta Heidemann, zum Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee” – Ergebnis eines Gesprächs mit dem Autor. Es geht dabei auch um das Rhizom-Modell für das Ruhrgebiet. Jetzt ist zu hoffen, dass ein paar Leute mehr den Weg ins Rhizom wagen: Die Urlaubszeit könnte das Zeitfenster öffnen.
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Britta Heidemann erinnert in der Watz-Kultur an die Vorerinnerung (25.6.)
Freitag, 25. Juni 2010Und noch mal Doppelpack – im Rahmen der Dortmunder Ringvorlesung Kulturhauptstadt
Dienstag, 22. Juni 2010Im Rahmen der Dortmunder Ringvorlesung “Jenseits der Kohle. Kulturgeschichte(n) des Ruhrgebiets” anlässlich des Jahrs der Kulturhauptstadt befasst sich Jürgen Link mit dem Ereignis “Rheinhausen” im “Doppelpack” (Vortrag kombiniert mit Kurzlesung aus dem Rheinhausen-Kapitel des Romans “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung”, assoverlag Oberhausen).
“Abstract”: Der Kampf der Belegschaft von Krupp-Rheinhausen Ende 1987/Anfang 1988 wurde in Alltag und Medien als eine Art “letztes Gefecht” der klassischen Arbeiterschaft des Ruhrgebiets wahrgenommen. Dabei zeigten die Kampfformen eine Art Janusgesicht zwischen Abgesang und Antizipation. Welche Rolle spielten Basisengagements und welche Betriebsrat und IG Metall? Wie verhielt sich der Konflikt zur politischen Konstellation und warum konnte er isoliert werden? Welche Vorstellungen von “Normalität” erwiesen sich als ausschlaggebend?
Dazu sollen zunächst aktualhistorische Daten erinnert und interpretiert werden. Danach folgt eine exemplarische Kurz-Lesung aus dem Roman “Bangemachen gilt nicht…”
Wann? Donnerstag 8. Juli 2010, 19 Uhr
Wo? Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund (Hansastr. 3)
Interview mit der Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung (BSZ)
Dienstag, 08. Juni 2010Im Zusammenhang mit seiner Lesung am 15. Juni wird morgen ein Interview mit Jürgen Link in der Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung (BSZ) erscheinen.
Es lässt heute bereits online lesen.
Die Fragen stelle Rolf van Raden.
Neue Lesung im Doppelpack: “Kulturhauptstadt auf eigene Faust”
Dienstag, 08. Juni 2010Ich lese an der Ruhr-Universität Bochum Auszüge aus meinem Ruhr-Roman (“Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung. assoVerlag Oberhausen). Darin einmontiert wird ein Kurzessay “Das Konzept Rhizom” (bezogen auf das Ruhrgebiet und auf den Roman).
Wann? Dienstag 15. Juni 2010, 18-20 Uhr
Wo? Ruhr-Universität Bochum, HZO 60
Mit Diskussion: Ich lade dazu besonders herzlich ein, trotz Semester- und Schulschluss zu kommen. Ich lese andere Stücke als in den Buchläden und signiere natürlich auch.
Alle Informationen gibt es hier als druckbares PDF.
Jürgen Link
Deserteur Köhler? Welche der Seelen des deutschen V-Trägers ist mutig und welche feige?
Dienstag, 01. Juni 2010Köhler war Kohls Sherpa auf den Siebener Gipfeln. Offenbar wollte er nun auch den Sherpa am Hindukusch machen. Sherpas sind berühmt für ihre Tapferkeit und ihre Opferbereitschaft: sie retten ihre weißen Herren unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Und nun wird ihm Desertion vorgeworfen.
Es ist wirklich nicht einfach da durchzublicken. Vielleicht kann aber die Lektüre des Romans “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag) da wirklich etwas klären. Dort wird der deutsche V-Träger (Verantwortungs-Träger) auf seinem 3. Versuch begleitet. Dieser deutsche V-Träger leidet an MPD, das heißt Multiple Personality Disorder (nicht zu verwechseln mit NPD): er trägt nicht bloß zwei, sondern viele Seelen in seiner Brust – so wie Schopenhauers ewig unerlöster Ur-Wille ist er hin und hergerissen: die eine Seele sagt: Hier sind die Zukunftschancen, die andere da. Die eine will an den Hindukusch, die andere woanders hin.
Da wollte die Seele namens Horst als Sherpa mutig die Wahrheit darüber sagen, warum die Bundeswehr am Hindukusch ist (nicht wegen der Seewege: wo ist denn da See? Seewege bezog sich aufs Horn von Afrika! Hindukusch bezog sich auf Instabilität, die unsere Chancen gefährdet). Sicher sah er Kritik voraus, wollte aber als Sherpa seiner Berg-Chefin den Aufstieg zum Hindukusch der mutigen Wahrheit freimachen. Aber die Chefin ließ ihren Sherpa feige im Schnee stehen.
Da griff er zur letzten Möglichkeit eines Sherpas: Wie der Schweizer Held Winkelried zog er alle Speere auf sich und ging mutig in den Opfertod. Und nun werfen die feigen anderen Seelen des V-Trägers ausgerechnet ihm sogar Desertion vor. Wir warten nun auf mutige Seelen, die seine Tat in ihrer tragischen Konsequenz begreifen und jetzt die Chance zum Befreiungsschlag nutzen. Es muss jetzt laut bestätigt werden: Ja, wir sind ein Land dieser Größe. Ja, wir müssen für unsere Chancen und Interessen “im Zweifel” auch militärisch aktiv werden wie jetzt am Hindukusch, wo es um Chancen und Stabilität geht. Wir warten jetzt auf einen MUTIGEN BEFREIUNGS-SCHLÄGER.
Oder sollte der Sherpa doch eine Mimose und ein feiger Deserteur sein? Das darf nicht wahr sein.
Sondersendung der Ursprünglichen Chaoten
Montag, 31. Mai 2010Frühere Sondermeldungen noch im Ohr, hörten wir eben die Sondersendung zum Rücktritt Horst Köhlers. Alles klang wie ein Fake der Ursprünglichen Chaoten – aber wir wussten ja, dass wir das nicht gefaket hatten. Wir gehörten ja nicht zu denen, die sein Interview über die Interessen eines Landes unserer Größe und die Rolle der Bundeswehr dabei als verfassungsfeindlich und lügenhaft mit Kritik überschüttet hatten. Im Gegenteil hatten wir ja Respekt vor seinem Mut zur Wahrheit bekundet. Mit ihm verlieren wir einen großen MdmW, also einen großen Mann der mutigen Wahrheit (die Geschichte des MdmW kann man in dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung”, assoverlag Oberhausen, nachlesen; dort sind Zeiten der Krise wie augenblicklich vorerinnert).
Spannend wird es übrigens sein zu sehen, wie die SCHLAGzeitung bei weiterer Eskalation sämtlicher Krisen das Problem lösen wird, eine einzige SCHLAGzeile zu generieren, wenn sozusagen mehrere “Themen” sich dazu drängen: LENA oder KÖHLER oder JOGI oder EURO usw.? Man wird kombinieren müssen: etwa FOLGT LENA KÖHLER NACH? Bleiben Sie dran!
Die Ursprünglichen Chaoten
Warum kein Beifall für Köhlers mutigen Beitrag zum “Diskurs” über und zur “Normalität” in A*?
Donnerstag, 27. Mai 2010Alle hegemonialen Parteien einschließlich der Grünen fordern seit Yakob Baj nahezu täglich “Ehrlichkeit” und “Mut” im “Diskurs” über Afghanistan. Man müsse auf dieser Basis der Bevölkerung endlich “überzeugend vermitteln”, warum die Bundeswehr dort einen blutigen und zunehmend schmutzigen Krieg führt und nicht im Traum an Abzug denkt. Es gehe dort gar nicht, das müsse man heute ehrlich zugeben, um Okzidental-Demokratie und Mädchenschulen, sondern um “unsere gewachsene Verantwortung” und um eine absolut “notwendige Stabilisierung”.
Offenbar hatte Horst Köhler als oberster politischer Verantwortungs-Träger den (absolut zutreffenden!) Eindruck, dass die Bevölkerung noch etwas genauer wissen möchte, was eigentlich mit “Verantwortung” und “Stabilität” gemeint ist. Er entschloß sich also (auf dem Rückflug von Afghanistan) mutig zur Ehrlichkeit und übersetzte “Verantwortung” und “Stabilität” fürs Volk ins Konkrete: “Alles das heißt, wir haben Verantwortung” fing er an, und setzte fort: “ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit”" müsse wissen, “dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen” usw.
Statt den Mut zur Ehrlichkeit zu loben, schreien die Führer der Parteien, die den Krieg in A* und gerade noch seine enorme Eskalation beschlossen haben und allen voran der Erz-Konverter (zum Begriff s.u.) Jürgen Trittin, die Bundeswehr führe keine Wirtschaftskriege. Dabei hat Köhler das mögliche kleine Missverständnis sofort klargestellt: In A* führt die Bundeswehr Krieg, “um ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen” – und für “freie Handelswege” kämpft die Bundeswehr augenblicklich vor allem am Horn von Afrika. Was ist daran falsch? Trittin hat beide Kriege mit beschlossen!
Wenn Köhlers Partner also undankbar und unfair sind, sollten wir Kriegsgegner Fairness beweisen: Mit “einem Land unserer Größe” kann Köhler nicht die Bevölkerungszahl gemeint haben: Wie im Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” genau quantifiziert wird, bringt Deutschland momentan noch (!) 1,2% der Weltbevölkerung auf und ist damit (noch!) das 16. Land im Ranking (sehr bald wird es stark abrutschen). Also kann Köhler mit “Größe” nicht die Bevölkerung, sondern nur die Kapitalstärke gemeint haben. Auf dieser Basis sind “wir” 3.größtes Land der G 7 (oder eigentlich als europäischer Hegemon schon 2.größtes), und niemand weiß das besser als Köhler, der seine Karriere als Kohls “Sherpa” auf den damaligen G 7-Treffs begann und dann im IWF fortsetzte. Niemand versteht besser als er, wie “unsere Chancen” (d.h. die Gewinnaussichten unseres Kapitals) von der “Instabilität ganzer Regionen” negativ beeinflusst werden können. Also dass “im Zweifel, im Notfall” die Bundeswehr “stabilisieren” muss – was sie in A* tut.
Mit Köhlers mutigem Statement ist nun auch noch der letzte Punkt des Appells “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan”, der von einigen Friedensfreunden als überzogen eingeschätzt wurde, offiziell: Die Bundeswehr ist dort, weil “ein Land unserer Größe” (sprich: eine Groß- und Weltmacht) “im Zweifel” (!!) auch militärisch präsent sein muss, wenn es um die “Stabilisierung ganzer Regionen” geht. Aus keinem anderen Grunde. Weil er das mutig gesagt hat, kriegt er jetzt Prügel vom Erzkonverter Trittin.
“Erzkonverter”: der Begriff “Konverter” wird in dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag Oberhausen) näher erklärt. (Jürgen Trittin kämpfte einstmals mutig gegen den Marsch der Bundeswehr in die weite Welt und konkret gegen die öffentlichen Gelöbnisse.)
Lesung aus dem Roman und politischer Impuls im Kombipack
Donnerstag, 15. April 2010Auf Einladung des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS) liest Jürgen Link die Simulation vom UDD (Unbekannter deutscher Deserteur) aus seinem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag Oberhausen). In dieser Simulation haben sich die “ursprümglichen Chaoten”, die Schreiber des Textes, einen künftigen Antiguerillakrieg der Bundeswehr in einem Land A* vorgestellt – rechtzeitig, um ihn zu verhindern. Dazu gehört die Geschichte vom UDD.
Inzwischen findet ein solcher Krieg in einem anderen Lande A* tatsächlich statt – ohne dass man bisher von einem Deserteur gehört hätte. Deshalb das Kombipack: Im politischen Impuls werden einige Spezifika des gemeinsamen Appells von DISS-journal, kultuRRevolution und AMOS “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” erläutert und zur Diskussion gestellt.
Wann?
Mittwoch, 21. April 2010, 17 Uhr
Wo?
DISS, Siegstraße 15, Duisburg
Alle Interessentinnen sind herzlich eingeladen.
Fünf Azubis und drei Ausbilder in A* verunglückt
Samstag, 03. April 2010So steht das nicht in unseren Medien, müsste aber konsequenterweise! Statt dessen heißt es: Drei Fallschirmjäger der Bundeswehr seien in eine feige und heimtückische Falle der Taliban gelockt worden, und fünf afghanische Karzai-Soldaten seien einem tragischen Irrtum zum Opfer gefallen und im friendly fire der Bundeswehr umgekommen.
Tatsächlich handelt es sich um die ersten größeren Todesopfer einer Offensive der Bundeswehr, die nach dem amerikanischen Modell von McChrystal ("Clear and Hold") versucht, von "Aufständischen" kontrollierte Gebiete gewaltsam zu erobern. Nur haben die deutschen Interventionspolitiker (einschließlich der rot-grünen) diese Realität mittels ihres Newspeak in einer Weise vertuscht, gegen die die Vertuschungspraxis der katholischen Kinderquäler fast noch harmlos erscheint, weil es in A* um nicht weniger als um Leben und Tod geht.
Deshalb ein kurzer Crashkurs in Bundeswehr-Newspeak:
Offensive mit massiver Feuerkraft = "mehr Präsenz in der Fläche"
Gemeinsame Offensive mit Karzai-Soldaten = "Ausbildung"
offensive deutsche Kampftruppen = "Ausbilder"
offensive Karzai-Truppen = "Auszubildende"
Wenn der Volksmund sagt: "Sie wollen uns dumm sterben lassen", so meint er das meistens nur metaphorisch. In A* ist das Dumm-Sterben dagegen bitterer Ernst: auf allen Seiten. (Übrigens: Die taz bringt die Nachricht kommentarlos im Newspeak unter Fernerliefen und macht groß mit dem osterfröhlichen Appell auf, den Garten auf Frühling zu trimmen.)
Neues vom Geist der Drohnen
Freitag, 02. April 2010Die Drohnen der Bundeswehr in Afghanistan "geben den Geist auf"! Die alten kleinen, aus deutschem Eigenbau, sämtlich bei 40 Grad Celsius – und nun auch die erste von drei großen Drohnen vom Typ "Heron" aus israelischer Produktion: gleich bei der esten Probe zu Schrott gelenkt! Bei der Gelegenheit erfahren wir, dass die "Hero(i)n"-Drohnen nicht gekauft, sondern geleast sind (für 110 Millionen Euro). Und zwar für 3 Jahre! Das zeigt, wie ernst die Stäbe ihre angeblich ja allein entscheidungsbefugte "Politik" nehmen! Die "Politik" verspricht doch einen "Exit" schon vom nächsten Jahr ab; sie entscheidet doch jeweils bloß für ein weiteres Jahr. Aber was bleibt ihr noch übrig, wenn die Generäle schon auf 3 Jahre ausgeleast sind? Natürlich die Verantwortung!
Wenn die Nato-Raketen das “Herz der Finsternis” penetrieren
Montag, 15. Februar 2010Den Generälen der Nato-Großoffensive in Afghanistan schlägt ihr Herz so hoch, dass sie klassische Literatur zitieren: "Wir stoßen vor ins Herz der Finsternis", sagte der britische General Matt Bazely. Ob er allerdings seinen Joseph Conrad wirklich gelesen hat, bei dem dieses Kollektivsymbol afrikanischer Barbarei ziemlich ambivalent ist, ist zu bezweifeln. Er meinte es wohl so: Wir bringen die Zivilisation ins schwarze Herz der asiatischen Barbarei.
Womit? Zum Beispiel mit Raketen, deren Penetrationsfähigkeit auf moderne Weise ebenfalls klassisch ist. Nur dass sie manchmal gleich am Anfang "fehlgeleitet" werden und dann 12 "Unschuldige" töten, wo sich Mc Chrystal gleich am Anfang "entschuldigen" muss. Was oder wer kann Raketen "fehlleiten"? Entweder schlechte Technik – oder irrtümlich oder absichtlich falsche Zielvorgabe des anonymen afghanischen Informanten. Die Nato sagt öffentlich: Es war die Technik. Das System "HIMARS" hat die Raketen "mehrere 100 Meter" fehlgeleitet und wird jetzt überprüft. Da gibt es schon wieder zwei Möglichkeiten: Entweder es stimmt, und dann ist der Einsatz eines solchen Systems unglaublich und völlig unvereinbar mit den Versicherungen über die Metergenauigkeit "chirurgischer Schläge" – oder es ist eine Deckbehauptung wegen Alternative eins.
Klar ist nur eins: Der "Vorfall", wie das – auch in unseren Medien! – genannt wird, war eine "gezielte Tötung" (targeted killing), worin der eigentliche Kern der Nato-Penetrations-Strategie ins Herz der Finsternis besteht. Anonyme Signalisierung eines Informanten der zivilisierten Geheimdienste, und dann Luftschlag (Rakete, Drohne, Jet-Bombe [wie bei den nächsten zivilen Opfern], Hubschrauber-Schlag). Das läuft auf der Basis sogenannter "c-k-Listen" ("capture or kill"), die u.a. auch vom BND erstellt werden. "Capture" ist dabei bloße Floskel: Aus der Luft lässt sich nicht verhaften. Außerdem weiß die Nato nicht, wen sie verhaftet hätte: Einen Kombattanten? Dann müsste er in ein öffentlich zugängliches Gefangenenlager und hätte viele Rechte – einen (mutmaßlichen) Verbrecher? Dann hätte er Recht auf einen Anwalt, müsste verklagt werden, einen Prozess bekommen usw. Leichen haben all das "verwirkt".
[Zusatz nach zwei Tagen: Die Prüfung des Raketensystems hat ergeben: Technik völlig okay - das eingestellte Ziel wurde exakt getroffen. Es war korrekt, weil unter den Opfern vermutlich auch ein oder zwei Taliban waren. Also doch Sache eines anonymen Informanten. MacChrystal kann sich ent-entschuldigen. Alles korrekt! Heißt konkret: Wenn nur 5 oder 6mal soviele zugegebenermaßen Unschuldige als mutmaßliche Taliban gezielt getötet werden, darunter die Hälfte Kinder, ist das ein "angemessenes" CDE = Collateral Damage Estimate. Und es geht täglich weiter. Das ist der wahrlich harte Kern der ISAF-Strategie.]
"Heart of Darkness" lesen ist nicht schlecht: Es macht bestimmt sehr nachdenklich. Weniger klassisch, aber aktueller ist der Roman "Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee" (assoverlag Oberhausen), wo ein Anti-Guerillakrieg der Bundeswehr simuliert war, bevor er nun stattfindet. Es ist dort aktualhistorisch rekonstruiert, wie es zu einer solchen "unerhörten Begebenheit" (Goethe) kommen konnte.
Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan!
Dienstag, 12. Januar 2010Holt die Stabsärztebrüder nachhause!
Der AfghanistanAppell.de
In vielen Einträgen dieses Blog wurde die Abwärtskurve der "Versumpfung" der Bundeswehr in A* dokumentiert. Mehr und mehr hörten und hören sich die Meldungen von dort an wie die Simulationen über den A*-Krieg im Roman "Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee." Auch die "Stabsärztebrüder" des Romans sind im realen A* in ihrem gefährlichen Dienst tätig. Man konnte zu Weihnachten einige ihrer Feldpostbriefe im SZ-Magazin vom 23.12.2009 nachlesen, z.B.:
"Insgesamt hat der ISAF-Einsatz in Kundus nur noch wenig von einem Hilfseinsatz, sondern mehr von einem (asymmetrischen) Krieg. Wenigstens alle 3 Tage passiert etwas. Anfangs kamen in schöner Regelmäßigkeit Raketen, das hat nachgelassen. Dafür häufen sich Anschläge und Hinterhalte. Kaum ein Schutzzug, der noch kein Feuergefecht hatte. Mindestens 6mal wurden unsere Patrouillen angesprengt." (Oberstabsarzt Jens Weimer, 34)
"Spätestens nach dem 2. Bunkeralarm entwickelt auch der größte Philanthrop blutige Rachegelüste. Die militärisch einfachste Lösung, die hier von den Soldaten auch favorisiert wird, ist der groß angelegte Artillerie-Gegenschlag. Technisch kein großes Problem: Abschussstelle orten, Kanone ausrichten und zurückschießen – dauert weniger als 1 Minute. Die ersten feindlichen Raketenschützen hätten wohl auch Pech, aber die Taliban sind nicht blöd. Schon die nächsten hätten ein langes Kabel und würden die Rakete neben einem Kindergarten starten." (ders.)
Den Stabsärztebrüdern ist also klar: Die "Option" einer weiteren sehr blutigen Eskalation rückt näher.
Aber es gibt eine andere Option: den Rückzug. Dafür setzt sich der APPELL "HERAUS AUS DER SACKGASSE IN AFGHANISTAN!" ein, den die Zeitschrift "kultuRRevolution. zeitschrift für angewandte diskurstheorie" zusammen mit der Zeitschrift AMOS entwickelt hat. Er ist spezifisch für ein deutsches Publikum formuliert und soll rechtzeitig zur Londoner Konferenz am 28.1. veröffentlicht werden.
Update: Wie geplant wurde der Appell am 28.1. in der Wochenzeitung Der Freitag mit den ersten 150 Unterschriften veröffentlicht. Der Appell “Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan” mit seinen prägnanten Gründen für einen “umgehenden” Rückzug der Bundeswehr erfreut sich seit seiner Publikation im “Freitag” am 25. Januar weiterer Unterstützung. Er erweist sich so als wichtiges Instrument, um zu verhindern, dass bald wieder “war as usual” herrschen kann. Deshalb bitten wir jetzt (und ohne deadline) um zusätzliche Unterschriften.
AfghanistanAppell.de
Vollständigen Appell als PDF lesen
Jetzt unterzeichnen!
Ein “Kommissarsbefehl” in Afghanistan?? Hat die fatale Stunde geschlagen?
Freitag, 01. Januar 2010Zitat Spiegel-Online 30.12.2009: ”Laut dem Bericht einer von Karzai eingesetzten Untersuchungskommission trieben am vergangenen Samstag Soldaten der internationalen Truppen im Distrikt Narang in der Provinz Kunar 10 Zivilisten aus ihren Häusern und erschossen sie. Unter den 10 Todesopfern seien 8 Schüler im Alter von 13 bis 17 Jahren. [...] Dagegen sagte ein ranghoher Isaf-Offizier, der anonym bleiben wollte, es habe keine zivilen Todesopfer gegeben. Alle Toten seien Männer ‘im Kampfesalter’ gewesen. Bei dem Vorfall seien US-Elitesoldaten im Einsatz gewesen, aber keine Nato-Soldaten. Ein US-Soldat in Asadabad, der Hauptstadt von Kunar, sagte, keiner der Getöteten sei ‘unschuldig’ gewesen.”
Die Überschrift des Artikels lautet: “8 US-Bürger bei Selbstmordanschlag getötet” (da ging es um – verfremdet ausgedrückt – die gezielte Tötung einer CIA-Einheit durch INS = insurgents). Es ist also doppelt schwierig, den Faktenkern aus den durchmischten Meldungen zu extrahieren. Plausibel erscheint es zunächst, dass nicht “normale” Isaf-Soldaten, sondern “Eliteeinheiten” die “Aktion” oder den “Einsatz” durchführten – aber offensichtlich abgesprochen mit und geschützt von Isaf-Truppen (zu denen zwar nicht in dieser Provinz, aber insgesamt die deutschen Soldaten gehören).
Natürlich ist allgemein bekannt, dass man “demokratische” Kriege niemals mit Nazi-Kriegen “vergleichen darf”. Hier geht es auch nicht um “Vergleich”, sondern um Schwierigkeiten beim Verstehen. Und dazu hilft nun doch unsere inzwischen verbreitete Kenntnis über den deutschen Feldzug gegen die Sowjetunion 1941-1945. Da war es so, dass “Einsatzgruppen” in Absprache mit und im Schutz der Wehrmacht den (geheimen) “Kommissarsbefehl” durchführten. Das ging so: Denunziation “aktiver Kommunist und potentieller Widerständler” (= “Kommissar”) – aus dem Bett geholt – erschossen. Die “Einsatzgruppen” (meistens der SS, der Polizei, aber auch der Wehrmacht selbst) waren durchaus “Elitetruppen”.
So könnte es also auch jetzt in Afghanistan laufen (kein Vergleich! bloß Verständnishilfe): Es scheint einen (geheimen) Befehl zu geben, alle auch bloß potentiellen “Taliban” (oder “Insurgents”), soweit sie im “kampffähigen Alter” sind (also offenbar ab 13 Jahren) “gezielt zu töten”. Es scheint, dass die direkt Ausführenden Elitesoldaten sind (im Fall Deutschland also KSK: wie bei dem Massaker von Yakob Baj am 4.9.2009), aber dass sie in Absprache mit und im Schutz der “normalen” Isaf handeln. Nach dem Rezept: Denunziation – aus dem Bett holen – erschießen.
Wer eine alternative Erklärung der Fakten weiß, möge sie bitte als Comment mitteilen.
Falls die hier gewagte Hypothese aber insgesamt korrekt sein sollte: Was würde daraus folgen?? Hätte dann nicht die fatale Stunde geschlagen, wo wir uns eingestehen müssten, dass deutsche Truppen “im deutschen Namen” Aktionen zumindest decken, zu deren Verständnis man auf frühere deutsche Kriege zurückgreifen muss? Und: Begreifen wir jetzt nicht endlich, warum “unsere Väter geschwiegen haben”? Vielleicht weil sie solche Meldungen ebenfalls (innerlich) unter eine falsche Überschrift gestellt und sie im freudschen Sinne “verleugnet”, ja sogar “verworfen” haben (das ist was anderes als “verdrängt”: es ist schlimmer)? “Ich habe nichts gesehen”?
Um es zu wiederholen: Wir können nicht mehr warten auf eine neuerliche “Gnade der späten Geburt” – weil wir allemannfrau längst schon geboren sind.
Die Ursprünglichen Chaoten
“Militär allein ist nicht die Lösung”: ein diskursiver Trumpf, der nicht mehr sticht!
Donnerstag, 31. Dezember 2009In der Vorerinnerung (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee: Roman bei asso, Oberhausen: besorgen!) wird es vorerinnert:
Wir machten dann auch kurze improvisierte Simulationsspiele für die Manipulationstrümpfe des V-Trägers: “Wie verkauft Arschky eine Werkschließung?” – Da spielt er den Trumpf x allein ist keine Lösung”: (mit Pathos:) “Kollegen! Dazu sagen wir klar: So nicht! Nicht mit uns! Werkschließung allein kann nicht die Lösung sein! Wir brauchen noch andere Lösungen, Kollegen, die genau so wichtig sind und sogar noch viel wichtiger, Kollegen! Wir brauchen einen Sozialplan!” (S. 399)
V-Träger = Verantwortungs-Träger; Arschky = SPD-Betriebsratsboss
Man setze statt Arschky Künast, Trittin, Steinmeier & Co. und statt Werkschließung Krieg in Afghanistan, und man ist in der Gegenwart angelangt. Besonders dick pumpte Guido Westerwelle diese Diskursblase auf: “Militär allein kann nicht die Lösung sein! Wir brauchen noch andere Lösungen! Wir brauchen einen Aufbauplan!” und sogar (mit Pathos:) “Ich gehe nicht zur Afghanistan-Konferenz, wenn es eine reine Truppenaufstockungskonferenz wird!” Aber da stachen Künast, Trittin, Steinmeier & Co. (und sowieso die CDU) ein bisschen in seine Diskursblase, und sie sackte in sich zusammen. Der Trumpf sticht einfach nicht mehr.
Als ob irgendjemand (einschließlkich Bush) jemals so doof gewesen wäre zu behaupten: “Militär allein ist die Lösung in Afghanistan” – alle (einschließlich Bush) haben selbstverständlich immer gesagt: Militär allein ist nicht die Lösung, wir brauchen auch einen Aufbauplan. Am liebsten würden sie sogar sämtliche zivilen Projekte, einschließlich von “pazifistischen”, per CMC (Civil-Military Cooperation) als Feigenblätter über ihre “gezielten Tötungen” und ihre Massaker von Typ Yakob Baj kleistern. (Worauf leider leider viele NGOs, sogar “pazifistische”, hereinfallen.)
Militär allein ist nicht die Lösung? Militär ist Teil des Problems und nicht der Lösung, und zwar der wichtigste Teil des Problems! Deshalb beginnt die Lösung klipp und klar mit dem Abzug des Militärs aus Afghanistan, und insbesondere mit dem Abzug der Bundeswehr, und zwar sofort.
Gefragt ist jetzt vor allem jene politisch-ästhetische Fantasie, die es ermöglicht, uns das “Humanmaterial” nach dem “im deutschen Namen” angerichteten Massaker von Yakob Baj vorzustellen.
Sonntag, 20. Dezember 2009Vorweg: Dass es keineswegs der Kenntnis von Geheimberichten von Feldjägern der Bundeswehr oder gar von KSK-Einheiten bedurfte, um sich in groben Zügen klarzumachen, wie das “Massaker” (Jürgen Todenhöfer in der Watz 17.12.) von Yakob Baj in der deutschen Zone zustandekam und wie es ablief, beweisen die entsprechenden Einträge dieses Blogs (18.5.2009: enorme Kosten für den Steuerzahler, die verschwiegen werden; 24.6.: Strategie des “3. Versuchs” eines deutschen “Griffs zur Weltmacht”; 21.7.: neue, offensive und aggressive Eskalations-Strategie der Bundeswehr erklärt; 23.7.: Satire Kollateralschäden im Sauerland; 19.8.: Streit unter den “Stabsärztebrüdern”; 20.9.: Warum Anwesenheit des halben Dorfes Yakob Baj bei den Tanklastern? Um gratis Sprit zu bekommen! – inzwischen offiziell bestätigt; 14.12.: deutsche Soldaten als ***de* – wie die zerfetzten und verbrannten Kinder ausgesehen haben). Also: Wer z.B. den Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag Oberhausen – gutes Weihnachtsgeschenk last minute) gelesen hatte, konnte sich alles genau vorstellen.
Dass das alles nun aus Geheimberichten bestätigt und noch übertroffen wird, haben wir allerdings keineswegs unserer Mini-Stabil-Demokratie zu verdanken, sondern einem regelrechten Hauen und Stechen auf Seiten der Stabsärztebrüder (siehe “Bangemachen gilt nicht…”, wo es vorerinnert ist): Ein Minister gestürzt, sein Nachfolger “angeschlagen”, der oberste General, binnen Minuten gestürzt, beschuldigt den Minister offen der Lüge, “neue Videos tauchen auf” (die beweisen, dass die Bundeswehr “am Boden” war) – all das hauptsächlich über die SCHLAGzeitung ausgehauen und ausgestochen! Ein atemberaubender Vorgeschmack auf künftige Notstände und Neo-Militärputsche. Dann das Machtwort von Schneiderhans Vorgänger Kujat (Interview DLF 17.12.): Ein solches öffentliches Hauen und Stechen zwischen Fraktionen der Bundeswehrführung ist “absolut nicht normal, nein ganz und gar nicht normal”. Das gehöre nicht in die Öffentlichkeit der Mini-Stabil-Demokratie, das gehöre hinter verschlossene Türen. Mit umgehendem Erfolg: Sofort Schweigen im Medienwald, Thema “abgehakt”, “Saft abgedreht”, “Luft raus”. Untersuchungsausschuss erklärt, mindestens 1 Jahr zu brauchen, und dann nochmal mindestens 3 Monate (also bis Frühjahr 2011 – wenn der Endsieg schon errungen sein soll!). Umschalten auf “Kopenhagen” und Weihnachten.
Also muss unsereins wieder seine politisch-ästhetische Fantasie bemühen: Worum kann sich eine solch wirklich “absolut nicht normale” innere Eskalation in der Generalität drehen? Eindeutig um die äußere Eskalation in Afghanistan und künftig allgemein. Es geht um die Taktik, mit der der Schritt der Bundeswehr zur Weltjunta-Armee mit voller Power “verkauft” werden kann. Es geht also um den “3. Versuch des deutschen V-Trägers” (“Verantwortungs-Trägers”: siehe Eintrag vom 24.6.). Damit wird auch das Massaker von Yakob Baj einigermaßen transparent: Die KSK und ihr Hiwi Oberst Klein wollten eine “gezielte Tötung von INS (Insurgents) mit erheblichen Kollateralschäden” nach US-Modell durchführen, weil sie auf die “Solidarität” ihres BB (Big Brothers USA) zählten. Dabei verrechneten sie sich: Der BB erzwang die Medialität des Massakers, vermutlich um seinen Juniorpartner Deutschland zu zwingen, seine “Heuchelei” zu beenden und sich offen für einen “schmutzigen Krieg aufzustellen”. Die Fraktion der “Weltmissionare”, wie sie in der “Vorerinnerung” heißen, will nun in einer Art “medialen Durchbruchsschlacht” diese “Ehrlichkeit” in kurzer Zeit erzwingen. Es soll sogar das Grundgesetz geändert werden, um Massaker zu legalisieren (Spiegel Online 18.12.). Dagegen setzt sich die Fraktion der “Hausaufgabenmacher” für eine Fortsetzung der Salamitaktik ein.
Es ist atemberaubend, mit welchem Tempo der 3. Versuch sämtliche “Einsatzformen” des 1. und 2. Versuchs samt ihren diskursiven Begleitkomplexen restauriert. So spricht der berühmte geheime “Feldjägerbericht” ganz naiv davon, dass bereits am Mittag des 4.9. das Terrain von “Humanmaterial” völlständig gesäubert gewesen sei (nur noch Leichen von Eseln hätten herumgelegen: “Zeit” vom 17.12.). Da können die Stabsärztebrüder nur aufjaulen, weil es im 3. Versuch doch “Patientengut” heißen muss! Auch der “Endsieg” ist wieder da: als Kombination von “Endkampf” und “gewinnen” (Lothar Rühl in der Fatz vom 17.12.) – ja sogar für alle Fälle auch der “Dolchstoß”: “Solche Ereignisse werden noch öfter eintreten, wenn der Endkampf um die Kontrolle Afghanistans erfolgreich geführt werden soll. Je mehr und je öfter die Politik den Truppen im Feld aus dem sicheren Heim in den Arm fallen wird, desto geringer werden die Erfolgschancen.” (dito) Natürlich darf da auch die “Drückebergerei” nicht fehlen (Wolfssohn in der Watz 17.12.).
In all diesen geheimen wie auch in den von SCHLAG enthüllten Diskursfragmenten kommen die Opfer nicht vor: Sie sind aus dem mediopolitischen Diskurs genauso “klinisch” herausgesäubert wie das “Humanmaterial” aus dem Schlachtfeld von Yakob Baj (“Ein Schlachten wars, nicht eine Schlacht zu nennen”: Schiller). Die Leichen sind auf alle Zeiten unauffindbar verbrannt und “entsorgt” (oh ja ihr Grünen: das war auch eine ökologische Katastrofe, die ihr da mitzuverantworten habt). Dennoch gab es noch einige überlebende und “nur” schwer verletzte Kinder im Krankenhaus von Kundus: Kein einziger Journalist von all denen, die sonst ständig wiederholen, dass “die Opfer unterschlagen werden”, uns aber dennoch mit Schockbildern von (nur den jeweils “richtigen”) Terroropfern schocken, hat die Idee gehabt, uns Bilder dieser von der Bundeswehr ”im deutschen Namen” massakrierten Kinder “zuzumuten”. Nichts zeigt deutlicher als diese Tatsache, dass afghanische Menschen (als Menschen der 5. Normalitätsklasse) im Hauen und Stechen um die beste Strategie und Taktik des 3. deutschen Versuchs nicht zählen. Sie sind allenfalls minimierte Zahlen in einem CDE (“Collateral Damage Estimate”). Wir brauchen all unsere politisch-ästhetische Fantasie, um sie uns vorstellen zu können.
In den Geheimberichten sind die afghanischen Bauern und ihre Kinder durch Chiffren ersetzt: “COM PRT KDZ”, “TF 47″, “42 S VF 8903852017″ (das war die “Zielkoordinate”, mit der 150-200 Menschen ausgelöscht wurden). Wir sollten uns wenigstens den Namen des Dorfs merken: “Yakob Baj” – es ist das erste Dorf des 3. Versuchs, das so wenig vergessen werden sollte wie all die Dörfer aus dem 1. und 2. Versuch: Oradour-sur-Glane, Kalavrita, Lidice, und all die tausende russischer Dörfer, die bei “normalen Kampfhandlungen” vernichtet wurden.
Sarrazins protonormalistisches Manifest und der gespaltene V-Träger
Donnerstag, 08. Oktober 2009Er hat schon lange als “Mann der mutigen Wahrheit (links)” gearbeitet (Leserinnen der “Vorerinnerung: Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr Armee”, assoverlag, wissen bescheid). Jetzt hat er einmal in Ruhe ein richtiges Manifest publizieren lassen, das die hegemonialen Mediokraten und den V-Träger selber (siehe unten) gespalten hat: Zastrow bei Springer und Mohr beim Spiegel verteidigen ihn vehement, während andere dann doch kalte Füße bekommen. Aber worin besteht eigentlich genau der Kern dieser “mutigen Wahrheit” und dieses Spaltpilzes?
Da ist wirklich die Normalismustheorie gefragt (Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird, Vandenhoeck und Ruprecht). Über die bekannten “provokanten Formulierungen” hinaus (Massen von kleinen “Kopftuchmädchen” fluten auf uns zu) war der Kern der “mutigen Wahrheit” normalismustheoretisch völlig eindeutig: Sarrazin hat die protonormalistische Theorie von der “differentiellen Geburtenrate” reproduziert. Die “Unterschicht” (hauptsächlich die türkisch-arabische, aber auch ansatzweise die “deutsche”) hat einen unterdurchschnittlichen IQ, setzt aber die meisten kleinen Scheißerchen in die Welt. Dagegen fehlen Einwanderer mit hohem IQ (wie früher die Juden), und (ist zu ergänzen:) auch die “Deutschen” mit hohem IQ verweigern das Kinderkriegen (Syndrom der “kinderlosen Akademikerinnen”). Folge: Der durchschnittliche IQ schmiert immer mehr ab. Diese Lage ist in Berlin besonders schlimm. Die Schülerinnen dort werden von Jahr zu Jahr dümmer. Da aber nur ein hoher IQ zum “Leistungsträger” qualifiziert, schmiert auch die Wirtschaft ab.
Diese Theorie wurde von Darwins Vetter Francis Galton vor mehr als 100 Jahren erfunden; sie bildete die Grundlage seiner “Eugenik”, und die wiederum war der Musterfall einer “protonormalistischen” Reaktion auf moderne Massendynamiken. Die angeblich immer schiefere IQ-Verteilung der “Population” (Begriff auch von Sarrazin) bedeutete angeblich eine katastrophale Denormalisierung – die Normalität (Beseitung der Schieflage durch Verringerung der Niedrig-IQ-Population) sollte dringend wieder hergestellt werden (Galton dachte an Heiratsverbote – er konnte sich noch nicht vorstellen, was seinen Nachfolgern noch alles einfallen würde). Bei Sarrazin heißt das: weiteren Zuzug radikal verbieten (im wesentlichen: Heiratsverbot in Deutschland; sollen sie in der Türkei heiraten, dort bleiben und Kopftuchmädchen produzieren).
Weitere historische und systematische Informationen über Galton, IQ-Fiktionen (wissenschaftlich höchst wackliges Konzept!) und “Protonormalismus” finden sich im “Versuch über den Normalismus”. Dort wird auch erläutert, wie der Protonormalismus nach dem 2. Weltkrieg in Verruf geriet und durch den “flexiblen Normalismus” ersetzt wurde. Der hat die Normalitätsgrenzen ausgeweitet und die zuvor “anormalen Populationen” (nicht bloß Einwanderer, sondern auch sexuelle Minderheiten, Behinderte usw.) in die Normalität integriert und inkludiert. Sarrazins Monolog stellt sich damit als ein wahrhaftiges Manifest gegen den flexiblen Normalismus und für eine “Wende” zum Protonormalismus heraus.
Und genau das spaltet nicht bloß die Mediokraten des V-Trägers, sondern den V-Träger selber! Der V-Träger ist der “Verantwortungs-Träger” und spielt eine Hauptrolle in dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee”. Er leidet dort manchmal an MPD (Multiple Personality Disorder), wobei er sich verspricht und NPD sagt. Was im Roman prognostisch simuliert wurde, spielt sich nun in der Realität ab: Die eine Person im V-Träger, Bundesbankchef Weber, ist über Sarrazin schlicht entsetzt. Sie weiß, dass der Weltmarkt und gerade auch ein richtig verstandener Neoliberalismus nur mit flexiblem Normalismus vereinbar ist. Die andere Person im V-Träger aber (Hans-Olaf Henkel) schmeißt sich schützend vor Sarrazin und wettert gegen den “Vernichtungsfeldzug”, der diesen angeblich bedroht. (Wir sollen innerlich ergänzen: Sarrazin wird jetzt verfolgt wie früher die Juden.) Diese Person im V-Träger will also das “Tabu” des “Denkverbots” über den Protonormalismus und über härtere Normalitätsgrenzen draußen und drinnen endlich vom Tisch kriegen. Wie das weitergehen könnte, kann man in der “Vorerinnerung” lesen – es ist dort vor-erinnert: Es macht den V-Träger zuweilen regelrecht philosophisch, und er grübelt dann in seinen schlaflosen Nächten über Schopenhauers tragisch in sich gespaltenen “Willen”.
Es ist soweit: Der 1. Stabsärztebruder hat sich geoutet!
Sonntag, 20. September 2009In der Vorerinnerung (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee, assoverlag Oberhausen: zum Lesen, Sich-Schenken-Lassen, etwa zu Weihnachten, auch zum Selberverschenken empfohlen) – also in dieser Vorerinnerung ist bekanntlich eine Art zukünftiger Vietnamkrieg der Bundeswehr aus der Sicht der 1970er und 1980er Jahre vorweg-simuliert. Er findet sogar in einem Land A* statt. Dabei spielen die “3 Stabsärztebrüder” eine Schlüsselrolle: SA 1 (normaler Stabsarzt), SA 2 (Psychiater, Spezialist für Kriegsstresssymptome, V-Mann des MAD sowie in der Sicherheitsindustrie engagiert) und SA 3, der “Überseebruder” (s. S. 95f. der Vorerinnerung). Zu den Reizen der Lektüre der Vorerinnerung gehört auch eine Art Applikationsspiel mit der Aktualität: Dieser Roman ist u.a. auch eine Art Netz, in das die Realität hineintappt und dadurch sichtbar wird.
Nun hat sich der erste reale Stabsärztebruder, “Dr. Michael Domes, Oberstabsarzt der Reserve, Hamburg” in einem Leserbrief an die FAZ (14.9.2009) zu der von Bundeswehroberst Georg Klein befohlenen Bombardierung von Tanklastwagen bei Kundus in der Nacht zum 4.9.2009 mit der Massentötung von Zivilisten geoutet. Er stellt rhetorische Fragen von der Art: “Ein Luftangriff um circa 1.30 Uhr. Was machen Kinder und unbeteiligte Zivilpersonen um diese Uhrzeit an einem Flussbett außerhalb einer Ortschaft in einem Unruhegebiet?” (Sie wollten natürlich möglichst viel kostenlosen Sprit abzapfen, wie überall in der 3. Welt bei jeder Gelegenheit, auch an Pipelines, üblich: Es handelt sich beim Frager also nicht um den Überseebruder, der das wüsste.) “Kritik der Vereinigten Staaten: Wie kommt es, dass die jetzigen Kritiker an Deutschland, die in der Regel Amerika und seine Außenpolitik aufs schärfste verurteilen, ungefiltert amerikanische Angaben als korrekt zugrunde legen?” Das ist die deutsch-nationale Haltung der Stabsärztebrüder aus der Vorerinnerung pur! Zu den Konsequenzen siehe eben diese Vorerinnerung.
Man kann es nicht oft genug wiederholen: Auch der Vietnamkrieg wurde als Antiterroreinsatz und Hilfe zum Aufbau eines stabilen und demokratischen Südvietnam geführt. Auch damals hieß es: Gnade uns Gott, wenn der Vietcong siegt, dann bricht ganz Asien weg. Auch damals sollte immer mehr “Verantwortung” an eine “gewählte südvietnamische Regierung” übergeben werden: Die Eskalation war nur die notwendige Bedingung für die notwendige “Stabilisierung” – ohne “Stabilisierung” war an Rückzug nicht zu denken. Auch damals hieß die konkrete Strategie wie heute “clear and hold” (seinerzeit “search and destroy”), auch sie wurde hauptsächlich mit ständiger “Luftunterstützung” geführt. Auch dabei gab es massenweise tote Frauen und Kinder. Vorschlag eines Stabsärztebruders könnte sein: Wie damals könnte man verhindern, dass Kinder sich nächstens in “Unruhegebieten” rumtreiben, indem man die “Unruhegebiete” ganz räumt und die Bevölkerung in “Dörfer des glücklichen Lebens” umsiedelt!
Fazit: “Deutschland” (“WIR haben die Kraft”) ist in seinem 1. Vietnamkrieg angekommen, wie in der Vorerinnerung prognostiziert. Aber (fast) niemand hält das für möglich. Stell Dir vor, es ist Vietnamkrieg aus Deutschland, und niemand merkt es. Die Lektüre der Vorerinnerung macht das nicht Vorstellbare vorstellbar.
Die Ursprünglichen Chaoten
A*: Streit unter Stabsärztebrüdern wie in der Vorerinnerung simuliert!
Mittwoch, 19. August 2009Aus Anlass der Wahl in A* und der in deren Umfeld aufs höchste prekariserten Sicherheitslage meldete sich Altminister Rühe zu Wort und wurde (wenn auch falsch) mit der Schlagzeile “Rühe fordert baldigen Abzug aus Afghanistan” (FAZ 17.8.2009) zitiert. Nanu? War es nicht Rühe gewesen, der als “MdmBa” (Mann ders mit Betonkinn ausschießt: so in der Vorerinnerung) die Bundeswehr in die “Kampfeinsätze in Übersee” hineinbugsiert hatte? Tatsächlich plädiert er unbedingt für Sieg in A*: Dazu müsse es aber einfach härter zur Sache gehen. Nach einem Sieg könnte die Wehr dann in etwa 2 Jahren mit dem Abzug anfangen. Darüber regt sich nun der andere Altminister Struck, der mit dem Bismarck-Makeup, auf: Er habe nichts zurückzunehmen von der Verteidigung unserer Freiheit am Hindukusch, und unser jetziger Jungs-Jung habe recht, wenn er 5-10 Jahre in A* bleiben wolle.
Sommertheater? Vielmehr die realisierte Simulation des Streits der Stabsärztebrüder aus der Vorerinnerung! “Hausaufgabenmacher” gegen “Weltmissionare”, d.h. Bundeswehr in “unsere” näheren Einflusssphären (wie Balkan) oder weit weg nach “Übersee” – Rühe macht sich da zum Sprecher jener Generäle und Stabsärzte, die meinen, dass “wir” uns übernehmen, wenn wir beides gleichzeitig machen wollen. Gut, wo “wir” jetzt schon mal im Sumpf von A* sitzen, dürfen “wir” nicht als Verlierer rausgehen. Das wäre sehr schlecht für unser “Ansehen” “da unten” und also für unseren 3. Versuch. Also “zur Sache”: 2 Jahre richtiger Vietnamkrieg mit allem Drum und Dran bis zum Endsieg – aber nicht ewig dort bleiben. Struck geht damit durchaus d’accord: Er ist aber pessimistischer über die Zeit bis zum Endsieg. Und beide Stabsärztebrüder sind sich in einem 100%ig einig: Merkel muss endlich “mutig die Wahrheit sagen”. Struck: “dass die Jungs da sterben können, und dass sie da Afghanen töten können, dass das da zur Sache geht”.
“Zur Sache” – Schluss mit Schätzchen.
Verteidigungsminister von A*: Wir verteidigen unsere Freiheit im Sauerland
Donnerstag, 23. Juli 2009Der afghanische Verteidigungsminister erklärte gestern in Kabul vor der internationalen Presse, dass die afghanische Republikwehr ihre UNO-Mission in Deutschland bis zur völligen Stabilisierung fortsetzen wird. Afghanistan werde sich durch Terror nicht erpressen lassen. Es handle sich bei der laufenden Großoffensive gegen die sogenannten “Christwehren” im Sauerland nicht um einen Krieg. weil Terroristen keine Krieger seien, sondern Terroristen. Die Sicherheitslage in Deutschland habe sich allerdings verschlechert, so dass die afghanische Republikwehr noch wenigstens 5 bis 10 Jahre in Deutschland bleiben und der dortigen Polizei helfen müsse. Auf Fragen nach den Kosten dieser Mission erklärte der Minister lediglich, dass die Republikwehr im Sauerland die Freiheit Afghanistans verteidige. Auf Fragen nach den zivilen deutschen Opfern der Mission kündigte er an, dass die Familien der erschossenen Jugendlichen im Sauerland zügig großzügig und unbürokratisch von Afghanistan entschädigt würden. Eine Untersuchung werde eingeleitet, alles spreche aber für Notwehr der beteiligten Soldaten der Republikwehr.
(Was sind “Christwehren”? Nachzulesen in der “Vorerinnerung” (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee, assoverlag)
Wenn die “Missionare” in A* “robust” werden
Dienstag, 21. Juli 2009Jetzt hat die Generalität der Bundeswehr in A* offiziell die “Robustheit” ihrer “Mission” erklärt. Zusammen mit ihren afghanischen Hiwis hat sie in der deutschen Zone eine Großoffensive gegen “Taliban und andere Aufständische” (welche?) eröffnet. Dabei setzt sie Kampfjets und Panzer vom Typ “Marder” (“mit starker Feuerkraft”) ein. Was bedeutet das im Klartext? Dass sie sich 1) zur aus Vietnam altbekannten Eskalations-Strategie im Anti-Guerrillakrieg bekennt, und dass sie 2) eine höhere Eskalationsstufe eingeleitet hat. Dabei ist ihr, wie sie selbst sagt, ”mehr als klar”, dass immer beide Seiten eskalieren werden.
Auch den ersten Kollateralschaden hat es schon gegeben: Ein einheimischer Jugendlicher wurde erschossen, als er nicht rechtzeitig stoppte (in allen entsprechenden bisherigen Fällen wurde Notwehr der deutschen Todesschützen anerkannt und das Verfahren eingestellt).
Merke: “Soldaten sind ***de*!”
(Auflösung: Helden)
Dazu gehören pompöse Rituale wie die Massenvereidigung mit Kanzlerin und Jung am 20. Juli vorm Reichtag: Die Heimatfront steht nämlich angeblich noch nicht bedingungslos genug hinter ihren Jung-Jungs. Was wird denn dann eigentlich noch alles von der Heimatfront erwartet? Wir sind gespannt.
Manchmal kann einem bei solchen Nachrichten, von denen man nicht recht weiß, ob es sich nicht um einen Thrillerfilm handelt, ganz schön der Kopf schwirren. Das ist der passende Moment, um sich an die Lektüre der “Vorerinnerung” zu machen (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee, im assoverlag). Etwa das Kapitel “Zuerst werden wir, zum kleineren Teil Fahrräder schiebend”. Darin kommt die Parole “Soldaten sind ***de*” vor; dort wird die Eskalationsstrategie der Bundeswehr ausfantasiert und wird erzählt, wie deutsche Deserteure der Zukunft entstehen und was für Soldaten es schaffen können, aus der Eskalationsstrategie auszusteigen und wie.


