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	<title>Bangemachen gilt nicht. &#187; Krise</title>
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	<description>(Nicht) normale Zeiten! — kultuRRevolutionäre Zeiten?</description>
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		<title>Haben Märkte Menschenrechte? (Straßburg soll das jetzt klären.)</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 17:47:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gestern stand in diesem Blog, dass die Märkte neuerdings mit Heidegger die &#8220;Gelassenheit&#8221; pflegen. Ansonsten ist ihnen nichts Menschliches fremd: weder Nervosität noch Panik, weder Jubilieren noch tiefste Depression. Sie können auch sadistisch sein und ganze Länder &#8220;gnadenlos abstrafen&#8221;. Danach hätten sie jedenfalls schon mal eine Seele und könnten schon also keine &#8220;unbeseelten Objekte&#8221; sein. Aber sind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern stand in diesem Blog, dass die Märkte neuerdings mit Heidegger die &#8220;Gelassenheit&#8221; pflegen. Ansonsten ist ihnen nichts Menschliches fremd: weder Nervosität noch Panik, weder Jubilieren noch tiefste Depression. Sie können auch sadistisch sein und ganze Länder &#8220;gnadenlos abstrafen&#8221;. Danach hätten sie jedenfalls schon mal eine Seele und könnten schon also keine &#8220;unbeseelten Objekte&#8221; sein. Aber sind sie wirklich Menschen? Pflanzen oder Tiere wohl auch kaum, aber vielleicht Götter?</p>
<p>Das soll jetzt vielleicht endlich geklärt werden, und zwar natürlich von Juristen. <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,810039,00.html">Die Hedge Fonds wollen beim Europäischen Gerichtshof in Straßburg ihr Menschenrecht auf Eigentum einschließlich Wachstums von Eigentum (Profit) einklagen</a>. Was ist, wenn die einzige Alternative wäre: Märkte sind Computerprogramme, also doch &#8220;unbeseelte Objekte&#8221;? Dann dürften die Juristen doch sicher für &#8220;Märkte sind zwar vielleicht keine normalen Menschen, aber sie haben die Menschenrechte von solchen&#8221; entscheiden. Spannend.</p>
<p>Die andere Lösung steht in der &#8220;Vorerinnerung&#8221; (&#8220;Bangemachen gilt nicht auf der Suche mach der Roten Ruhr-Armee&#8221;): Märkte sind &#8220;das Unterbewusste des V-Trägers&#8221;. Dort nachzulesen.</p>
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		<title>Griechenland: Wie ein Volk von den Märkten und ihren willigen Vollstreckern in der Politik platt gemacht wird</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 16:04:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich hätte auch formulieren können: denormalisiert wird. Aber die Krise hat in den bereits jetzt gänzlich von ihr erfassten Ländern einen Grad erreicht, der uns zwingt, die normalistischen Statistiken in konkrete Bilder zu übersetzen. Der Normalismus hat den Nachteil der Abstraktheit von Statistik, aber den Vorteil, ein Minimum an Transparenz zu ermöglichen (das der Kapitalismus pur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hätte auch formulieren können: denormalisiert wird. Aber die Krise hat in den bereits jetzt gänzlich von ihr erfassten Ländern einen Grad erreicht, der uns zwingt, die normalistischen Statistiken in konkrete Bilder zu übersetzen. Der Normalismus hat den Nachteil der Abstraktheit von Statistik, aber den Vorteil, ein Minimum an Transparenz zu ermöglichen (das der Kapitalismus pur am liebsten zensieren möchte).</p>
<p>Deshalb hier einige neue Statistiken griechischer Institute, die ich aus der &#8220;normalen&#8221; griechischen Presse entnommen habe: Es ist soweit, dass die meisten (normalen) Haushalte bereits am Essen sparen müssen: Das betrifft zwischen 45 und 75% (je nach Einkommen), darunter praktisch alle &#8220;Unter-1000-Euro-Haushalte&#8221;. 6 von 10 griechischen Haushalten sind an der Grenze, ihre Strom- und Wasserrechnungen nicht mehr bezahlen und leufende Kredite nicht mehr bedienen zu können. 89,2% können sich kein Essen in Restaurants mehr leisten. 74,9% rechnen mit weiterer starker Senkung ihrer Einkommen in 2012. (Eine realistische Einschätzung, weil ja die Reichenbach-Troika eine Senkung des Mindestlohns um 50% auf 350 Euro und eine Streichung aller Zulagen sowie Massenentlassungen fordert.)</p>
<p>52% der Haushalte sind wegen dieser &#8220;Situation an der Grenze&#8221; (man kann sagen: an der unteren Normalitätsgrenze des Lebensstandards) bereits jetzt auf Hilfe von Freunden angewiesen. Die Banken vergeben keine Kredite mehr. Apotheken geben (zunächst bis zum Wochenende 13.1.2012 &#8211; sie entscheiden dann über eine Verlängerung) Medikamente, auch notwendige wie Blutdrucksenker, nur noch gegen bar heraus. Bisher bekam man Medikamente auf Rezept, und die Apotheken bekamen das Geld von der staatlichen Krankenversicherung &#8211; die aber seit Monaten die Zahlungen praktisch ausgesetzt hat &#8211; und die dazu gezwungen ist, weil der Staat seine Verpflichtungen auch nicht mehr erfüllt (erfüllen &#8220;kann&#8221;: die Reichenbach-Troika fordert ja die &#8220;Senkung des Defizits&#8221;).</p>
<p>Ein anderes statistisches Büro (Hellastat) fasste seine Erhebungen zu &#8220;sieben verborgenen Wunden der Krise&#8221; zusammen: 1. Leere Regale. Nicht nur müssen die Haushalte selbst beim Notwendigsten sparen &#8211; auch die ausländischen Großlieferanten (wie Lidl usw.) vertrauen den griechischen Banken nicht mehr, so dass der gesamte normale Zahlungsverkehr kollabiert.  2. Kollaps der Exporte.  Das allgemeine Misstrauen gegen griechische Banken hat die ausländischen Abnehmer griechischer Produkte dazu veranlasst, auf andere Länder umzusteigen. 3. Die Sanktionen gegen den Iran. (Ja!) Der Iran gehörte zu den wenigen großen Importeuren (und Exporteuren: Öl), die noch über griechische Banken Handel trieben. Wenn jetzt die Sanktionen verschärft werden und Griechenland kein iranisches Öl mehr kaufen darf, wird es auch nichts mehr verkaufen können. 4. Das allgemeine Misstrauen in der gesamten Wirtschaft. Was in den &#8220;wettbewerbsfähigen&#8221; Ländern (der 1. Normalitätsklasse) bisher hauptsächlich die Banken betrifft, hat in Griechenland die gesamte Wirtschaft erfasst: Jeder hält jeden für potentiell bankrott und will nur noch Cash sehen. Dieser Punkt von Hellastat liest sich wie die klassische Beschreibung einer schweren zyklischen Krise durch einen Privatgelehrten namens Karl Marx. 5. Das Gesetz des Stärkeren. In allen ökonomischen Beziehungen verschärfen die jeweils (noch) Stärkeren ihre Bedingungen gegenüber den Schwächeren und machen dadurch immer mehr platt. 6. Die &#8220;Paraökonomie&#8221;, d.h. der &#8220;informelle&#8221; oder &#8220;schwarze&#8221; Sektor. Weil die normalen Banken nichts mehr verleihen, entwickeln sich in Griechenland nun wie in der gesamten 3. Welt (3. bis 5. Normalitätsklasse) unlizensierte Wucherbanken. 7. Die chronische Verzögerung. Alle Zahlungen, Käufe, Vertragserfüllungen werden verzögert und nach Möglichkeit &#8220;bis auf weiteres&#8221; ausgesetzt.</p>
<p>Kein Wunder, dass unsere ökonomischen Experten und Politiker nicht in solche Einzelheiten gehen: Es könnten alles Prognosen für &#8220;uns&#8221; selber sein, wenn die internationale Krise nicht durch ein Wunder bald beendet wird. (Dass Deutschland als einziges G 7-Land die Krise bereits &#8220;abgehakt&#8221; hat, ist extrem &#8220;anormal&#8221; und also selbst ein schweres Krisensymptom!) Also wird weiter über &#8220;unsere Hilfe&#8221; gelabert &#8211; von der nicht ein einziger Centime bei den 80% ankommt, die platt gemacht werden. Es geht hauptsächlich um die Zinsen, die der griechische Staat weiter an &#8220;unsere&#8221; Banken zahlen soll:  ohne Verzögerung bitte! (Dass auch der &#8220;Schuldenschntt&#8221; ein Riesenbetrug ist, dürfte sich doch langsam rumgesprochen haben: der Schnitt wird auf den Nennwert berechnet statt auf den Marktwert: bei 50% &#8220;Schnitt&#8221; und einem Marktwert von nur noch 20% machen unsere Banken durch ihren &#8220;Verzicht&#8221; nochmal zusätzlich satte Profite!)</p>
<p>Wenn man dann die Reden und Kommentare der griechischen Politiker liest, kann man die Wut der Leute verstehen: Statt von den &#8220;sieben Wunden&#8221; zu reden, dreschen sie pathetisch leere Worthülsen über &#8220;nationale Solidarität&#8221;, oder wie Papademos sagte, als die Gewerkschaften ihm vorwarfen, mit der Mindestlohnsenkung eine &#8220;rote Linie&#8221; überschritten zu haben: &#8220;Meine einzige rote Linie ist die Rettung (oder &#8220;Erlösung&#8221;) unseres Landes!&#8221;</p>
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		<title>Geschenkidee last minute: die &#8220;Vorerinnerung&#8221; &#8211; und sie ist mal wieder brandaktuell</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 10:10:21 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Zu spät für Geschenke? Keineswegs: es gibt Amazon und auch Buchhandel und Verlag. Also kann man noch (auch für Verwandte und Freunde) die &#8220;Vorerinnerung&#8221; (&#8220;Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee&#8221;, von Jürgen Link, assoverlag Oberhausen, 29 Euro 90, siehe auch Internet) ordern.
Wem könnte das eine Freude machen? Allen, die sich seit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu spät für Geschenke? Keineswegs: es gibt Amazon und auch Buchhandel und Verlag. Also kann man noch (auch für Verwandte und Freunde) die &#8220;Vorerinnerung&#8221; (&#8220;Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee&#8221;, von Jürgen Link, assoverlag Oberhausen, 29 Euro 90, siehe auch Internet) ordern.</p>
<p>Wem könnte das eine Freude machen? Allen, die sich seit &#8220;Ausbruch&#8221; der Großen Krise 2008ff. ständig fragen, wie wir in diese aktuelle Welt hineingekommen sind, wo der &#8220;Kommunismus&#8221; doch seit 1989 &#8220;Geschichte ist&#8221; und also der &#8220;demokratische Kapitalismus&#8221; (Francis Fukuyama) sein Potential ungestört und frei entfalten kann. Die &#8220;Vorerinnerung&#8221; setzt ihren Leserinnen ein paar neue Brillen ein, die die Aktualgeschichte der letzten 50 Jahre anders als üblich sichtbar machen.</p>
<p>Und sie tut das sowohl poetisch wie satirisch. Aktuelles Beispiel die Nazi-Verfassungsschutz-Enthüllungen. Dazu gibt es in der Vorerinnerung die satirische &#8220;Zwillingsgeschichte AOK&#8221; &#8211; was nicht Allgemeine Orts-Krankenkasse, sondern &#8220;Ausländer-Overkill&#8221; bedeutet. Alles, was jetzt ans Licht kommt und gar nicht zum Lachen ist, ist dort so vorerinnert, dass der Biererst, in den unsere Medien die &#8220;verantwortungsvolle Arbeit unserer Geheimdienste&#8221; tauchen, sich auflöst. Der erste Schritt ist, dass man über diese Art &#8220;Verantwortung&#8221; zu lachen wagt &#8211; und der zweite kann dann sein, &#8220;R 4&#8243; (wie es in der Vorerinnerung heißt &#8211; für &#8220;Reich 4&#8243;) wirksam zu sabotieren. (Es wird dabei auch klar, dass R 4 nicht einfach eine Neuauflage von R 3 sein kann &#8211; eher schon von R 2.)</p>
<p>Die Vorerinnerung erinnert: Dienste sind immer undemokratisch &#8211; nicht nur im Osten, sondern genauso im Westen &#8211; also können Dienste niemals der Demokratie &#8220;dienen&#8221; &#8211; immer aber einem der vielen Embryos künftiger Diktaturen.</p>
<p>Wäre das nicht eine last minute Geschenkidee?</p>
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		<title>Europa gespalten &#8211; aber entlang welcher Linie?</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Dec 2011 15:16:18 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Dass die Brüsseler Dezemberbeschlüsse (&#8220;Stabilitätsunion&#8221;) Europa gespalten haben, darüber besteht in den Medien Einigkeit &#8211; nicht mehr nur von &#8220;2 Geschwindigkeiten&#8221; ist die Rede, sondern von &#8220;2 Klassen&#8221; und der Angst vieler Länder vor &#8220;Deklassierung&#8221;.  Am schönsten ist das &#8220;Spiegel&#8221;-Cover vom 28.11.2011, das eine tief gespaltene 1-Euro-Münze zeigt. Der Spalt geht senkrecht zum Betrachter, der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass die Brüsseler Dezemberbeschlüsse (&#8220;Stabilitätsunion&#8221;) Europa gespalten haben, darüber besteht in den Medien Einigkeit &#8211; nicht mehr nur von &#8220;2 Geschwindigkeiten&#8221; ist die Rede, sondern von &#8220;2 Klassen&#8221; und der Angst vieler Länder vor &#8220;Deklassierung&#8221;.  Am schönsten ist das &#8220;Spiegel&#8221;-Cover vom 28.11.2011, das eine tief gespaltene 1-Euro-Münze zeigt. Der Spalt geht senkrecht zum Betrachter, der also denkt: Aha, die Spaltung geht zwischen links und rechts, also zwischen England und Kontinent. Schaut man aber ganauer hin, so sieht man, dass man das Bild um 90 Grad drehen muss, um die übliche Karte zu erhalten, und dass der Riss demnach horizontal zwischen Nord und Süd etwa durch die Alpen läuft.</p>
<p>Genau auf diese verborgene Drehung kommt es an. Denn die Spaltungsbeschlüsse haben keineswegs England deklassiert, sondern nur (falls die Beschlüsse &#8220;umgesetzt&#8221; werden) jene Spaltung institutionell zementiert, die von &#8220;den Märkten&#8221; bereits durch die Zins-Spreizung &#8220;beschlossen&#8221; worden war. Formal haben sich in Brüssel Nord und Süd auf gleiche &#8220;Spielregeln&#8221; geeinigt: Jedes Land soll der &#8220;goldenen Regel&#8221; folgen, also nicht mehr ausgeben als einnehmen und unter der 3-Prozent-BIP-Grenze eines Haushaltsdefizits bleiben. Formal haben sich Deutschland und Griechenland sowie alle anderen außer England auf diese gleiche Regel verpflichtet. Formal kann Deutschland genauso mit &#8220;Sanktionen&#8221; bestraft werden wie Griechenland. Formal hat Deutschlansd seine Souveränität genauso an die Brüsseler undemokratische, quasi diktatorische Bürokratie abgegeben wie Griechenland.</p>
<p>In diesem &#8220;formal&#8221; steckt der springende Punkt! Denn Deutschland hat bekanntlich eine vielfach größere &#8220;Wettbewerbsfähigkeit&#8221; (Kapitalstärke) nicht nur als Griechenland , sondern auch als Spanien, Italien und auch eine größere als Frankreich. Deutschland denkt also, den &#8220;Stabilitätspakt&#8221; einhalten zu können, ohne die verbliebenen sozialen Sicherheitsnetze bis auf schäbige Reste &#8220;runterfahren&#8221; zu müssen. Die Südländer aber müssen das tun und werden damit in eine niedrigere Normalitätsklasse &#8220;absteigen&#8221;: Aus der 1. Liga in die 2. (Spanien und Italien) &#8211; oder aus der 2. sogar in die 3. (Griechenland). Und das ist das Wesen der Spaltung.</p>
<p>Frankreich hat durchgesetzt, dass keine nördliche Bank &#8220;bluten&#8221; muss nirgends, dass keine Schulden mehr erlassen werden und dass den Nordbanken alle Zinsverluste letztlich aus Steuergeldern ersetzt werden auf ewige Zeiten. Diese Ewigkeit wird man abwarten müssen &#8211; ebenso wie Sarkozys &#8220;Glauben&#8221;, durch magische Willensanstrengung die deutsche &#8220;Wettbewerbsfähigkeit&#8221; herbeizwingen zu können. Er könnte mit dieser Willensanstrengung einen Mai (oder einen anderen Monat) auslösen.</p>
<p>Fazit: Deutschland hat seine Souveränität nur &#8220;formal&#8221; abgegeben &#8211; tatsächlich verstärkt es sie mittels der &#8220;Märkte&#8221; und dehnt sie auf die ganze Eurozone aus. Die Süd- und Ostländer aber sind ihre Souveränität tatsächlich los. Der &#8220;Stabilitätspakt&#8221; ist die eiserne Klammer zwischen Normalitätsklasse 1 und den Normalitätsklassen 2 und 3. Imgrunde eine gigantische Wiedervereinigung &#8211; insofern ist es sehr passend, dass Bodo Hombach den &#8220;Soli&#8221; vom Osten auf den europäischen Süden umwidmen möchte.</p>
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		<title>Ein Land, das &#8220;nicht normal&#8221; ist, muss seine Hegemonie &#8220;ohne Kraftmeierei&#8221; managen!</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Dec 2011 11:10:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Drones'n'Drugs]]></category>
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		<description><![CDATA[Helmut Schmidt hat seine 92 Jahre in die Waagschale geworfen, um auf dem SPD-Parteitag eine &#8220;Geschichtsstunde&#8221; zu halten. Er fing mit dem 30jährigen Krieg des 17. Jahrhunderts an, als nach seiner Philosophie Europas &#8220;Peripherie&#8221; Europas &#8220;Zentrum&#8221; (also Deutschland) überfallen hätte,  und endete mit den zwei Weltkriegen des 20., die er zu einem neuen &#8220;30jährigen Krieg&#8221;, wo [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Helmut Schmidt hat seine 92 Jahre in die Waagschale geworfen, um auf dem SPD-Parteitag eine &#8220;Geschichtsstunde&#8221; zu halten. Er fing mit dem 30jährigen Krieg des 17. Jahrhunderts an, als nach seiner Philosophie Europas &#8220;Peripherie&#8221; Europas &#8220;Zentrum&#8221; (also Deutschland) überfallen hätte,  und endete mit den zwei Weltkriegen des 20., die er zu einem neuen &#8220;30jährigen Krieg&#8221;, wo das &#8220;Zentrum&#8221; seine Revanche gegen die &#8220;Peripherie&#8221; genommen hätte, verharmloste.</p>
<p>Er stellte fest: &#8220;Deutschland wird auf absehbare Zeit kein normales Land sein.&#8221; Womit er meinte, das &#8220;die Peripherie&#8221; immer noch nicht vergessen hat, dass deutsche Truppen (mit dem gleichen Eisernen Kreuz, das heute die Bundeswehr ziert) ganz Europa platt gemacht und zig Millionen Menschen umgebracht haben. Aber das hat er nicht vertieft. Was außerdem insbesondere fehlte, war die Geschichte, die er selbst gemacht hat: Zuerst (zusammen mit Willy Brandt) erfand er das &#8220;Modell Deutschland&#8221; und fing damit an, die Leute hierzulande mit schwarz-rot-goldenen Plastiktüten vollzumüllen. Dann gründete er, nun bereits als Kanzler, 1975 die berühmten G 7 und hievte sein &#8220;Modell&#8221; damit in die führenden Weltmächte, in die Welt-Champions-League. Seit damals macht Deutschland wieder auch ganz offiziell Weltpolitik, wobei Schmidts &#8220;Philosophie&#8221; eine von &#8220;strategischem Gleichgewicht des Schreckens&#8221; war, weshalb er für die Pershings eintrat.</p>
<p>Aber er folgte dabei der Parole der preußischen Aufrüstung zur Weltmacht unter Bismarck: &#8220;Mehr sein als scheinen&#8221;. Anders gesagt: Die Hegemonie in Europa und den &#8220;Platz an der Welt-Sonne&#8221; tatsächlich durchsetzen, ohne verbal auf den Putz zu hauen wie Kaiser Wilhelm. Denn das hätte die &#8220;Peripherie&#8221; alarmiert &#8211; und sie hätte &#8220;uns&#8221; daran erinnert, dass wir &#8220;aus historischen Gründen&#8221;  keine &#8220;normale&#8221; Hegemonialmacht sein können (sondern nur eine besondere, verheimlichte).</p>
<p>So erklärt sich Schmidts ständige Schizophrenie, die er mit dem coolen Gestus des hanseatischen &#8220;Machers&#8221; managte. Denn wenn er auch in die Geschichte als der Kanzler eingehen wird, der Deutschland über die G 7 wieder zur Groß- und Weltmacht gemacht hat, so war er auch der, der im Wahlkampf 1980 gegen Strauß in der Essener Gruga mit dem pathetischen Ausruf &#8220;Wir Deutschen haben die Schnauze voll vom Schießen!&#8221; noch einmal einen knappen Sieg errang (wenn ihm dann auch zwei Jahre später sein Partner Genscher den Dolch in den Rücken stieß).</p>
<p>Die Schnauzen-Parole (sein Aufstieg hatte ja als &#8220;Schmidt-Schnauze&#8221; begonnen) richtete sich gegen die Forderung von Strauß, schon damals mit Kanonenbooten in den Golf gegen den Iran zu fahren. Zu früh! Und auch später kritisierte Schmidt deutsche Kriegsbeteiligungen auf dem Balkan und in Afghanistan &#8211; aber wer hatte die Bundeswehr entscheidend aufgerüstet? Verteidigungsminister Schmidt. Und wer hielt pathetische Reden vor feierlichen Gelöbnissen und behauptete dort, an die Soldaten gewandt: &#8220;Ihr könnt sicher sein, dass ihr niemals von diesem Staat in einen verbrecherischen Krieg geschickt werdet!&#8221; (Während in Afghanistan die Killerdrohnen schwirrten.)</p>
<p>Auch jetzt wird an der Parteitagsrede (zu recht) kritisiert, dass sie widersprüchlich sei. Man lobt die philosophische Tiefe (und sicher war Schmidt der bisher intellektuellste Kanzler), aber wie soll Deutschland denn gleichzeitig auf &#8220;schädliche deutschnationale Kraftmeierei&#8221; verzichten, &#8220;Solidarität mit der Peripherie&#8221; üben und trotzdem seiner &#8220;Führungsverantwortung gerecht werden&#8221;?</p>
<p>So ist der spingende Punkt der Geschichtsstunde ein anderer: Als Deutschland nach Bismarck immer größer wurde (infolge seiner rasant wachsenden wirtschaftlichen und militärischen Stärke), da ging es nicht mehr ohne eine gewisse &#8220;Kraftmeierei&#8221;. Und heute hat die Große Krise es der Hegemonialmacht unmöglich gemacht, die Hegemonie weiter sozusagen auf Zehenspitzen auszuübern wie Schmidt es zu seiner Zeit gern gemacht hätte (von Zehenspitzen konnte natürlich auch damals keine Rede sein) - aber richtig: &#8220;Wir&#8221; waren noch nicht wiedervereinigt, standen noch nicht militärisch in aller Welt, und &#8220;wir&#8221; waren noch nicht der Krisen-Bewältigungs-Weltmeister mit dem stärksten &#8220;Wachstum&#8221; (der Profite) in Schmidts G 7.</p>
<p>Und wenn er auch noch so sehr den Mund gespitzt hat (nicht nur beim Rauchen): gepfiffen hat er nicht &#8211; die Afghanistankonferenz hat er nicht erwähnt und den umgehenden Rückzug der Bundeswehr hat er nicht noch einmal gefordert. Dabei hätte er doch davor warnen können, dass Deutschland wieder dabei ist, einen 30jährigen Krieg zu führen (Karzai fordert 2014 + 10 und bietet der Bundeswehr Stationierung &#8220;für immer&#8221; an!) In dem Punkt hat sich die Troika sicher vorher mit ihm abgesprochen: Stein(meier + brück) &#8211; Steinmeier der &#8220;Architekt&#8221; des deutschen Afghanistankrieges und Steinbrück, der &#8220;die Kavallerie gegen die Indiander&#8221; mobilisieren wollte (keine Kraftmeierei)? Und der vor allem Solidarität mit Sarrazin (deutsche &#8220;Peripherie&#8221;?) geübt hat. Und den Schmidt deshalb als nächsten Kanzler und als seinen geliebten Sohn empfiehlt.</p>
<p>In zwei Punkten hat Schmidt aber unbewusst und ungewollt die Wahrheit gesagt: 1. ist Deutschland tatsächlich kein normales Land, weil keine Kriegs- und Weltmacht normal sein kann: Oder ist die Weltpolitik der USA &#8220;normal&#8221;? 2. Das mit der &#8220;Peripherie&#8221; &#8211; damit sind in der Entwícklungsforschung die in Abhängigkeit und Unterentwicklung gehaltenen Länder gemeint. In der Normalismustheorie unterscheidet man 5 Normalitätsklassen. Und gerade werden tatsächlich die südeuropäischen Länder von der 2. in die 3. Normalitätsklasse &#8220;runtergestuft&#8221; &#8211; sie werden tartsächlich definitiv Peripherie und haben deshalb kein Anrecht mehr auf soziale Sicherungen &#8211; sie dürfen nicht länger &#8220;über ihre Verhältnisse leben&#8221;. Und dagegen schickt Steinbrück die Kavallerie der 1. Klasse, und das kommentiert Helmut Schmidt mit: &#8220;Er kann es!&#8221;</p>
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		<title>Wenn die Charaktermaske Nr. 1 der Märkte eine vulgärmarxistische Predigt hält.</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Dec 2011 17:14:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ackermann hat in St. Michael in Hamburg eine Adventspredigt gehalten. Im Namen der Banken und Märkte bereute er nur wenige Sünden &#8211; umso mehr donnerte er gegen &#8220;die Politik&#8221;. Sein Lösungsvorschlag ist einfach: &#8220;der Politik&#8221; die Souveränität wegnehmen und nach Brüssel übertragen. Künftig soll &#8220;die EU&#8221; die wesentlichen Entscheidungen mit &#8220;Durchgriffsrecht&#8221; zu den Nationalstaaten &#8220;zügig&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,801329,00.html">Ackermann hat in St. Michael in Hamburg eine Adventspredigt gehalten.</a> Im Namen der Banken und Märkte bereute er nur wenige Sünden &#8211; umso mehr donnerte er gegen &#8220;die Politik&#8221;. Sein Lösungsvorschlag ist einfach: &#8220;der Politik&#8221; die Souveränität wegnehmen und nach Brüssel übertragen. Künftig soll &#8220;die EU&#8221; die wesentlichen Entscheidungen mit &#8220;Durchgriffsrecht&#8221; zu den Nationalstaaten &#8220;zügig&#8221; fällen können. Denn &#8220;die (nationalstaatliche) Politik&#8221; versteht einfach nichts von Wirtschaft und macht ununterbrochen Murks.</p>
<p>Dieses Programm ist &#8220;vulgärmarxistisch&#8221; (ökonomistisch) &#8211; wieso? Die ökonomistische Fehlinterpretation von Marx glaubt an die monodeterministische Durchschlagskraft der Ökonomie auf alle menschlichen Praxisarten. Sie glaubt daran, dass alles &#8220;aus der Ökonomie ableitbar&#8221; sei (am Ende sogar Beethoven). Ackermann teilt in St. Michael diesen Glauben: Aus einer schweren ökonomischen Krise ist eine notständische, tendenziell diktatorische Poltik &#8220;abzuleiten&#8221;. Demokratie ist einfach die falsche Ableitung aus Krise. Deshalb weg mit der nationalstaatlichen Souveränität, in der noch ein Rest Demokratie steckt.</p>
<p>Ja aber was wird denn dann aus der Hegemonie des deutschen V-Trägers (Verantwortungs-Trägers), wenn auch er seine Souveränität nach Brüssel abgeben soll? Und ist Ackermann nicht ganz nah am deutschen V-Träger &#8211; könnte er nicht fast eine Inkarnation des deutschen V-Trägers sein (so schweizerisch immer sein Akzent lauten mag)? Die Antwort auf die Frage durfte die Predigt selbstverständlich nicht verschweigen, wenn sie auch nur der V-Träger selbst genau verstanden haben sollte: Deutschland wird den größten Gewinn vom Souveränitätstransfer nach Brüssel haben!</p>
<p>Der V-Träger hat es verstanden: Denn in Brüssel werden die Märkte direkt herrschen! Die Brüsseler Politik wird eine direkte Ableitung der Märkte sein! Und die Märkte werden die Hegemonie selbstverständlich an den &#8220;Wettbewerbsstärksten&#8221; in Europa verleihen &#8211; dreimal darf geraten werden, wer das ist.  Anders gesagt: Ackermann plädiert für eine radikale Märkte-Republik ohne demokratische Störungen als beste Spielart einer deutschen Hegemonie in Europa.</p>
<p>Ob er den V-Träger überzeugen kann? Oder ob die Volkswut am Mittelmeer, aber vielleicht bald auch in Frankreich oder gar am Ende auch in Deutschland sich legen wird, wenn es heißt: Schluss mit eurem &#8220;Nationalismus&#8221;, es lebe der märktesouveräne Internationalismus der Brüsseler Experten!?</p>
<p>Wenn diese (schweizerische) Stimme des deutschen V-Trägers in der Kirche einen vulgärmarxistischen Glauben predigt, muss die Lage tatsächlich sehr ernst sein. Und das Hickhack zwischen Berlin und Brüssel ist ebenfalls eine &#8220;Ableitung&#8221; dieses Ernstes. Soll man dem Volk wirklich noch mehr Demokratie wegnehmen? Wird es, wenn die normale Politik ganz verstummt, sich nicht eine eigene Politik basteln &#8211; eine, die sicher auch ökonomisch stimuliert ist, aber die aus noch vielen anderen nicht ableitbaren Quellen (wie zum Beispiel aus Rhythmen im engen und weiten Sinne) schöpfen kann?</p>
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		<title>Die &#8220;Elite-Bonds&#8221;, die Normalitätsklassen und der &#8220;zerrissene&#8221; deutsche V-Träger</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Nov 2011 15:31:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Normalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Jetzt sollen gemeinsame &#8220;Elite-Bonds&#8221; der &#8220;wettbewerbsstärksten&#8221; Euroländer (Deutschland, Frankreich, Niederlande, Österreich, Finnland, Luxemburg) aus dem Hut gezaubert werden. Das wird dementiert &#8211; aber was ist in der Großen Krise nicht schon alles dementiert worden?
Die &#8220;Elite-Bonds&#8221; (oder &#8220;Triple-A-Bonds&#8221;) sind gegen Barrosos Euro-Bonds gerichtet. Sie stellen nichts anderes dar als die offizielle Spaltung der Eurozone in zwei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt sollen gemeinsame <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,800340,00.html">&#8220;Elite-Bonds&#8221; der &#8220;wettbewerbsstärksten&#8221; Euroländer</a> (Deutschland, Frankreich, Niederlande, Österreich, Finnland, Luxemburg) aus dem Hut gezaubert werden. Das wird dementiert &#8211; aber was ist in der Großen Krise nicht schon alles dementiert worden?</p>
<p>Die &#8220;Elite-Bonds&#8221; (oder &#8220;Triple-A-Bonds&#8221;) sind gegen Barrosos Euro-Bonds gerichtet. Sie stellen nichts anderes dar als die offizielle Spaltung der Eurozone in zwei (oder drei) Normalitätsklassen: Erste Klasse gleich &#8220;Elite&#8221; &#8211; Italien gleich 2. Klasse, Griechenland gleich 3. (Ramsch-)Klasse.</p>
<p>Normalitätsklassen sind Länder bzw. Zonen mit verschiedenen Standards an Normalität (von der 1. Klasse aus gesehen). Insgesamt gibt es 5 Klassen (erläutert im Rahmen der Normalismustheorie). Mediopolitisch wird das mit Fußballligen verglichen: Deutschland spielt in der 1. Liga, Italien steigt ab in die 2. Liga, Griechenland schon in die 3. Das hat erhebliche Konsequenzen: Zur 3. Liga gehören z.B. kaum noch soziale Netze (im Sinne von Sicherungssystemen). Dort wird auch die Demokratie auf Ramsch runtergestuft, also eine &#8220;sanfte&#8221; Notstandsdiktatur von EU-Bürokraten errichtet. All das heißt für die 3. Klasse: Schluss mit &#8220;über die Verhältnisse leben&#8221;. Diese &#8220;Verhältnisse&#8221; sind eben ein anderer Begriff für die Normalitätsklassen. Und der Kern davon wiederum ist die berühmte &#8220;Wettbewerbsfähigkeit&#8221;, also Kapitalstärke.</p>
<p>Man darf nicht um den Brei reden: Obwohl auch die sozialen Netze der deutschen Arbeiter und Angestellten schon zusammengekürzt wurden und weiter zusammengekürzt werden, kann die 1. Liga ihren &#8220;Mitarbeitern&#8221;, solange die Konjunktur noch läuft, dennoch ein bisschen mehr zahlen als in den unteren Klassen, wo &#8220;&#8221;Radikalreformen&#8221; laufen, die Arbeitslosighkeit steigt und die Leute massenhaft aus ihren Wohnungen auf die Straße zwangsgeräumt werden (z.B. in Spanien). Trotzdem und gerade deshalb muss die Perspektive Solidarität mit den zwangsabgestiegenen Lohnabhängigen (nicht Banken!) heißen.</p>
<p>Noch ist nicht endgültig entschieden, ob es &#8220;Elite-Bonds&#8221; und demnach eine offene &#8220;Abstiegs&#8221;-Erklärung gibt. Noch ist der deutsche V-Träger (Verantwortungs-Träger) innerlich &#8220;zerrissen&#8221;. Aus dem Roman &#8220;Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee&#8221; ist bekannt, dass er zuweilen unter fürchterlichen Entscheidungsneurosen leidet und am liebsten manchmal die ganze Verantwortung hinschmeißen möchte &#8211; aber das geht nicht, weil er ja die &#8220;Führungsverantwortung&#8221; (Schäuble) hat. Also muss er entscheiden: Gar keine Eurobonds oder Barroso-Ramsch-Eurobonds oder Elite-Eurobonds. Die Frage ist, mit welcher dieser drei &#8220;Optionen&#8221; er seine Hegemonie am besten verteidigen und ausbauen kann. Es ist wirklich ein Wahnsinnsproblem &#8211; denn dabei zählen nicht nur die Profite und Profitraten, sondern natürlich auch die Frage, bei welcher Option die &#8220;antideutschen Stimmungen&#8221; am kleinsten zu halten sind. Denn diese &#8220;antideutschen Stimmungen&#8221; verbreiten sich irrationalerweise überall in Europa, sogar in Frankreich. &#8220;Führungsverantwortung&#8221; ist knochenhart!</p>
<p>So wie das Dementi momentan lautet, ist es zudem eine Entscheidung für Frankreich (kommt ins Elite-Boot der 1. Klasse) und gegen Italien! Denn käme diese Option, dann würde Italien sozusagen offiziell aus dem Boot der 1. Normalitätsklasse rausgekippt &#8211; was die Märkte als erste kapiert bzw. selber entschieden haben. Ja der deutsche V-Träger hat es wahrhaftig nicht leicht. (Aber wo sitzt er eigentlich? Das hat sich auch die Fatz schon vergeblich gefragt: siehe vorigen Post. Wo er sitzt, das steht in der &#8220;Vorerinnerung&#8221;.)</p>
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		<title>Also klar muss die Demokratie storniert werden, wenn sie den Märkten zu widersprechen droht! Griechenland wird abgeschafft.</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Nov 2011 17:16:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskursanalytische Wortmeldung (DAW)]]></category>
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		<description><![CDATA[Nur zwei Tage hat das Versprechen gedauert, dass das griechische Volk bei der Abschaffung seiner sozialen Netze und seines kleinen Lebensstandards (wir reden nicht von den wenigen Millionären, die es gibt) demokratisch mitreden können sollte. Nach Artikel Null aller Verfassungen (&#8220;Im Krisenfall liegt die Souveränität letzter Instanz bei den Märkten&#8221;) haben die Märkte schon an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nur zwei Tage hat das Versprechen gedauert, dass das griechische Volk bei der Abschaffung seiner sozialen Netze und seines kleinen Lebensstandards (wir reden nicht von den wenigen Millionären, die es gibt) demokratisch mitreden können sollte. Nach Artikel Null aller Verfassungen (&#8220;Im Krisenfall liegt die Souveränität letzter Instanz bei den Märkten&#8221;) haben die Märkte schon an Allerheiligen mit einem neuerlichen Minicrash abgestimmt: gegen das Referendum. Passend zu Allerseelen entschieden daraufhin alle &#8220;verantwortlichen&#8221; Politiker der EU, G7,  G20 usw., dass es kein Referendum geben wird und teilten das Papandreou mit. Der erklärte ihnen den Hintergrund seiner Ankündigung: Er wollte damit bloß seiner &#8220;Opposition&#8221; unter Samaras endlich ihr nerviges &#8220;Oppositions&#8221;-Spielchen verderben und sie zum Eintritt in eine Große Notstands-Koalition zwingen, die gemeinsam das Diktat aus Brüssel &#8220;umsetzt&#8221;. Was Samaras umgehend akzeptierte, woraufhin Papandreou auch dem Volk sein &#8220;Demokratiespielchen&#8221; wieder wegnahm. (Und die Märkte zufrieden ein Kursfeuerwerk hinlegten.)</p>
<p>Genau das hatten die Herren der &#8220;Ersten EU-Liga&#8221; schon seit langem von Samaras gefordert: Er war &#8211; anders als seine &#8220;Oppositions&#8221;-Kollegen in Spanien und Portugal &#8211; der einzige gewesen, der mitten im kapitalistischen Notstand weiter &#8220;Opposition&#8221; spielte. Da musste mal klargestellt werden, was &#8220;demokratische Verantwortung&#8221; bedeutet.</p>
<p>Nun also eine &#8220;Notregierung&#8221; &#8211; endlich ist das in diesem Blog seit Beginn der Krise verwendete Wort auch offiziell. Eine &#8220;Notregierung von Technokraten&#8221;. Haargenau wie bei Brüning (wie hier seit langem erklärt). Statt des Reichspräsidenten die EU-Kommission, statt Brüning mit seinen Technokraten die Technokraten der Großen Notregierung &#8211; und tschüssi Demokratie, Carl Schmitt lässt grüßen.</p>
<p>Damit liegt die Souveränität Griechenlands auch ganz offiziell nicht mehr im Lande, sondern in &#8220;Brüssel&#8221; &#8211; will sagen in der Achse Berlin-Paris, letztlich in Berlin &#8211; und noch letzlicher bei den &#8220;Märkten&#8221; (Artikel Null GG).</p>
<p>Wird Brecht recht behalten, der bekanntlich formulierte: &#8220;Wenn die Herrschenden gesprochen haben/ Werden die Beherrschten sprechen&#8221;? Und was werden sie sagen? &#8220;Wahrlich wir leben in finsteren Zeiten&#8221;?</p>
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		<title>Muss die Demokratie storniert werden, wenn sie den Märkten zu widersprechen droht?</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Nov 2011 15:53:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krise]]></category>
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		<description><![CDATA[Schon seit Beginn der großen Krise 2008 ist der alte Mechanismus im Gange, der 1929ff. in vielen Ländern, darunter Deutschland, die parlamentarische Demokratie (so Mini sie sein mag) durch offene Notstandsdiktaturen ersetzte, als &#8220;die Märkte&#8221; mit Demokratie nicht mehr klarkamen. Es wird häufig vergessen, dass auch Brüning bereits mit einer Notstandsdiktatur regierte (durch Notverordnungen des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schon seit Beginn der großen Krise 2008 ist der alte Mechanismus im Gange, der 1929ff. in vielen Ländern, darunter Deutschland, die parlamentarische Demokratie (so Mini sie sein mag) durch offene Notstandsdiktaturen ersetzte, als &#8220;die Märkte&#8221; mit Demokratie nicht mehr klarkamen. Es wird häufig vergessen, dass auch Brüning bereits mit einer Notstandsdiktatur regierte (durch Notverordnungen des Reichspräsidenten ohne parlamentarische Mehrheit).</p>
<p>In der Krise von 2008ff. gab und gibt es ähnliche Tendenzen &#8211; das letzte Beispiel hierzulande war das &#8220;Neunergremium&#8221;, das geheim und aus der Hüfte alle marktrelevanten Entscheidungen am Bundestag vorbei fällen sollte, und das dann aber doch fürs erste von Karlsruhe gestoppt wurde. Viel &#8220;robuster&#8221; traf dieser Trend zur Notstanddiktatur die Länder des Mittelmeers, und besonders Griechenland. Man benutzte die EU-Bürokratie als &#8220;Reichspräsidenten&#8221;. Und immer häufiger hörte man von höchsten Stellen das ominöse Wort von den &#8220;demokratisch nicht durchsetzbaren Notwendigkeiten&#8221;.</p>
<p>Nun ist die Katze endgültig aus dem Sack: Aus sicher absolut zwingenden Gründen, von denen noch nichts durchgesickert ist, hat Papandreou eine Kehrtwendung um 180 Grad vollzogen und eine Volksabstimmung (ein Verfahren direkter Demokratie) über das &#8220;Rettungs- und Sparpaket&#8221; angekündigt, das auf eine weitgehende Liquidierung der griechischen &#8220;sozialen Netze&#8221; hinausläuft (von &#8220;Brüssel&#8221; kommandiert). Natürlich weiß Papandreou, dass ein OXI (NEIN)  wieder &#8211; wie 1940 beim Ultimatum Mussolinis &#8211; möglich ist. Auch die Märkte wissen das (sie haben ein gutes Gedächtnis) und geben einen absolut negativen Kommentar dazu.</p>
<p>Nun aber die Politiker der &#8220;ersten europäischen Liga&#8221; (das heißt: der ersten Normalitätsklasse): Sie fordern von  Papandreou, diesen Unsinn zu widerrufen. Wie kann man nur glauben, das Volk könnte statt der Märkte entscheiden, wenn es ans Eingemachte geht? Diese Sachen sind nicht &#8220;demokratisch durchsetzbar&#8221;, müssen also anders durchgesetzt werden &#8211; fragt sich wie. Wie schade, werden die Märkte heimlich seufzen, dass eine Militärdiktatur in Griechenland schon verbraucht ist &#8211; Brüssel schien ein brauchbarer Ersatz &#8211; aber was ist, wenn die Griechen OXI sagen?</p>
<p>Gerade jetzt braucht das einfache griechische Volk die Solidarität der weltweiten Anti-Marktdiktatur-Bewegung. Wir müssen uns - nicht nur in BILD &#8211; auf eine Eskalation nationalistischee Hetze gefasst machen. Wir werden jetzt wertvolle Aufschlüsse über die Demokratieauffassung unserer politischen und medialen Klasse erhalten.</p>
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		<title>Noch hält der 30jährige Krieg den Rekord, aber Afghanistan steht schon auf Platz 2!</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Oct 2011 14:04:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Drones'n'Drugs]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
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		<description><![CDATA[Schon hat der &#8220;demokratische&#8221; Krieg der Bundeswehr in Afghanistan &#8211; mit 10 Jahren Dauer &#8211; Kaiser Wilhelm und den Führer klar überholt. Es gab in Deutschland bisher nur einen Krieg, der noch länger dauerte: den 30jährigen.
Bisher hat &#8220;der Steuerzahler&#8221; offiziell 17 Milliarden dafür ausgegeben (tatsächlich also sicher circa mindestens 20 Milliarden). Erfolg: Heute ist die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schon hat der &#8220;demokratische&#8221; Krieg der Bundeswehr in Afghanistan &#8211; mit 10 Jahren Dauer &#8211; Kaiser Wilhelm und den Führer klar überholt. Es gab in Deutschland bisher nur einen Krieg, der noch länger dauerte: den 30jährigen.</p>
<p>Bisher hat &#8220;der Steuerzahler&#8221; offiziell 17 Milliarden dafür ausgegeben (tatsächlich also sicher circa mindestens 20 Milliarden). Erfolg: Heute ist die &#8220;Sicherheitslage&#8221; erheblich schlechter als am Anfang. Die alten Generäle meckern &#8211; aber wie? Keineswegs für den Rückzug, im Gegenteil. Altgeneral Kujat meckert, dass die Bundeswehr nicht von Anfang an einen knallharten Krieg geführt habe, wofür sie ganz anders hart hätte bewaffnet werden müssen (SPON 7. Oktober). Altgeneral McChrystal meckert, dass die NATO-Truppen sich nicht gut über Afghanistan informiert hätten, es hätte praktisch keine eigenen Agenten mit Sprachkenntnissen gegeben (SPON 7. Oktober).</p>
<p>Was bedeutet das für die Zukunft? Man will den Krieg nun mehr in Richtung Geheimdienste-Spezialkräfte umsteuern und dadurch gleichzeitig &#8220;effizienter&#8221; (&#8220;bessere&#8221; Killrate) und &#8220;preiswerter&#8221; (Drohnen) machen. Die Stiftung Wissenschaft und Politik (Bertelsmann) hat dazu ein Papier vorgelegt, dass diese neue Strategie als Wende von &#8220;COIN&#8221; (Counter-Insurgency) zu &#8220;CT&#8221; (Counter-Terrorism) beschreibt. Sie äußert allerdings Zweifel auch am neuen Konzept.</p>
<p>Klar ist: Die Bundeswehr bleibt auf jeden Fall bis Ende 2014 (egal was die große Mehrheit des Volkes will und was es kostet, Krise hin und Schulden her)  und zieht nur dann ab, &#8220;wenn die Sicherheitlage es erlaubt&#8221; &#8211; das könnte durchaus bis 2032 dauern &#8211; dann hätten &#8220;wir Demokraten&#8221; den Rekord von Wallenstein und Co. &#8220;geknackt&#8221;!</p>
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		<title>Auch die Kostenrechnung des DIW von 17 Mrd. Euro könnte Bewegung im Afghanistankrieg signalisieren</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 14:17:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Drones'n'Drugs]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan Krise Bundeswehr]]></category>

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		<description><![CDATA[Auch das ist eine kleine Sensation: Seit 10 Jahren werden die Kosten des Bundeswehrkrieges in Afghanistan politisch und medial als Tabu behandelt. Sogar die Kriegsgegner schämen sich oft dieses Arguments. Und nun bringt das renommierte DIW die Schockzahl von 17 Milliarden in die Medien, und die Medien bringen diese Zahl (zum erstenmal in 10 Jahren! [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auch das ist eine kleine Sensation: Seit 10 Jahren werden die Kosten des Bundeswehrkrieges in Afghanistan politisch und medial als Tabu behandelt. Sogar die Kriegsgegner schämen sich oft dieses Arguments. <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,789640,00.html">Und nun bringt das renommierte DIW die Schockzahl von 17 Milliarden in die Medien</a>, und die Medien bringen diese Zahl (zum erstenmal in 10 Jahren! Man muss sich das vorstellen!) endlich wahrnehmbar heraus.</p>
<p>Nun könnte man noch meinen: Damit sollen vielleicht die Euro-Rettungsschirme verharmlost werden, die (insgesamt) noch erheblich darüber liegen. Aber im Detail eben nicht: Die nächste Tranche &#8220;für Griechenland&#8221; (d.h. für die &#8211; auch deutschen &#8211; Gläubigerbanken, die sonst keine Zinsen mehr bekämen) liegt bei nicht einmal der Hälfte.</p>
<p>Also wird diese Zahl endlich doch auch denen zu denken geben, denen die Kriegsopfer egal sind und die auch weitere Antiguerillakriege der Bundeswehr in der Zukunft für irgendwie &#8220;normal&#8221; halten &#8211; aber die werden noch mehr kosten! Und man könnte diese Riesensummen -schließlich &#8220;ist Krise&#8221;! &#8211; doch so einfach einsparen, wenn man das militärische Afghanistanabenteuer beendete und erst gar nicht in die Vollmitgliedschaft in der Welt-Junta &#8211; die auf ununterbrochene Antiguerillakriege hinausläuft &#8211; einsteigen würde. Es wäre zu hoffen, dass es Politiker (besonders auch Grüne und besonders auch Frauen) gibt, denen so etwas jetzt durch den Kopf geht. Und vielleicht sogar Generäle?</p>
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		<title>Das Interview mit Naqibullah Shorish könnte Bewegung im Afghanistankrieg signalisieren</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Sep 2011 15:09:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am 22. September hat die FAZ ein Interview mit dem Pashtunenführer Naqibullah Shorish (lange Zeit im deutschen Exil und des Deutschen fließend mächtig) publiziert. Das ist eine kleine Sensation, weil Shorish für die echte Friedensjirga spricht, die im Unterschied zu der anderen Gruppe gleichen Namens nicht im Auftrag der Karzai-Regierung und der NATO handelt, sondern auch das Vertrauen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 22. September hat die FAZ ein <a href="http://www.faz.net/artikel/C31325/im-gespraech-stammesfuehrer-naqibullah-shorish-jeder-im-westen-spricht-mit-eigenen-taliban-30690464.html">Interview mit dem Pashtunenführer Naqibullah Shorish </a>(lange Zeit im deutschen Exil und des Deutschen fließend mächtig) publiziert. Das ist eine kleine Sensation, weil Shorish für die echte Friedensjirga spricht, die im Unterschied zu der anderen Gruppe gleichen Namens nicht im Auftrag der Karzai-Regierung und der NATO handelt, sondern auch das Vertrauen des bewaffneten Widerstands gegen die NATO (also auch der &#8220;Aufständischen&#8221;, die weiter von den Drohnen und anderen Waffen der NATO &#8220;gezielt&#8221; gekillt werden), in seinen Friedenswillen genießt. Dass dieses Interview erscheinen konnte, zeigt, dass es in den deutschen Eliten nun Kräfte gibt, die ernsthafte Waffenstillstandsverhandlungen immerhin für eine &#8220;Option&#8221; halten. (Alle Kontrahenten und alle Phasen scheinen analog zu Vietnam zu verlaufen.) Es wäre zu hoffen, dass solche Kräfte bis in die Führung der Bundeswehr reichen. Leider scheint diese in ihrer Mehrheit (und gemeinsam mit de Maizière) weiter auf Eskalation, &#8220;bessere Bewaffnung&#8221;, vor allem Kampfhubschrauber zwecks weiterer &#8220;clear and hold&#8221;-Offensiven, zu setzen. Auch Shorish dürfte sich Illusionen hingeben, wenn er meint, die Europäer gegen die USA ausspielen zu können.</p>
<p>Umso wichtiger ist es, dass die deutsche Friedensbewegung, die Aktionen zum 10. Jahrestag des Kriegsbeginns und zu der geplanten großen Afghanistankonferenz im Dezember plant, die stärksten Argumente gegen diesen schmutzigen Antiguerillakrieg und für den Rückzug der Bundeswehr hörbarer in die Öffentlichkeit bringt.</p>
<p>Besonder zwei Argumente des Aufrufs &#8220;Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan&#8221; sind wichtig:</p>
<p>1. In Afghanistan übt die Bundeswehr längst hauptsächlich für weitere künftige Antiguerillakriege. Sie möchte ein &#8220;volles&#8221; Mitglied der Weltjunta werden mit allem Drum und Dran nach dem Vorbild der USA(Kampfhubschrauber, Drohnen, &#8220;Spezialkräfte&#8221;, gezielte Tötungen). Das ist das Ziel des Umbaus der Bundeswehr zu &#8220;mehr Professionalität&#8221;. Der Rückzug aus Afghanistan kann und muss diese ganze Richtung stoppen.</p>
<p>2. Wenn dieser Umbau auch als &#8220;Beitrag zum Sparen&#8221; verkauft wird, so ist das Volksbetrug. Der volle Einstieg in die Weltjunta auf Dauer wird ganz im Gegenteil enorm teuer werden! Jeder neue &#8220;Einsatz&#8221; wird Milliarden verschlingen. Das ist gerade jetzt in der Wirtschaftskrise grotesk. In der Bevölkerung muss das Prinzip populär werden: &#8220;Keine Sparmaßnahme nirgendwo, wenn nicht zuerst der Krieg in Afghanistan und die Kosten der Weltjunta radikal eingespart werden!&#8221;</p>
<p>Die (äußerst heterogenen) Taliban können und müssen im Prozess von Verhandlungen mit der Fiedensjirga zu einem innerafghanischen pluralistischen Ausgleich gebracht werden. NATO und Bundeswehr haben es geschafft, diese zunächst hauptsächlich fundamentalistisch-religiöse Bewegung zu einer jetzt wohl mehrheitlich vor allem nationalen Unabhängigkeitsbewegung umzuentwickeln. Diese Bewegung hat nur dann Ausssichten, wenn sie bereit ist, eine pluralistische Koalition mit allen Anti-Besatzer-Strömungen in ihrem Lande einzugehen. Nur in einer solchen Richtung können auch die Frauenrechte in einem unabhängigen und unbesetzten Afghanistan gesichert werden. Jede weitere Unterstützung der NATO-Offensiven und der NATO-Besatzung macht alles nur schlimmer. Die clear and hold-Offensiven und die Drohnenbomben diskreditieren auch alle gutwilligen CIMIC-Initiativen (Civil-Military-Cooperation). Es gibt zum schnellstmöglichen Rückzug der Bundeswehr keine Alternative.</p>
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		<title>Nichts ist normal bei &#8220;den Märkten&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Aug 2011 15:55:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Normalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8220;Die Märkte&#8221; sind wieder &#8220;nervös&#8221; &#8211; sie sind auch wieder schwarze Pädagogen und &#8220;strafen ab&#8221;: ganze Länder wie jetzt auch Italien, jeden und jede, der oder die nicht super &#8220;wettbewerbsfähig&#8221; ist (das sind ja leider die wenigsten!) und auch Politiker, die sie (&#8220;die Märkte&#8221;) sogar im Urlaub überfallen. Das alles ist wahrlich nicht normal: In [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Die Märkte&#8221; sind wieder &#8220;nervös&#8221; &#8211; sie sind auch wieder schwarze Pädagogen und &#8220;strafen ab&#8221;: ganze Länder wie jetzt auch Italien, jeden und jede, der oder die nicht super &#8220;wettbewerbsfähig&#8221; ist (das sind ja leider die wenigsten!) und auch Politiker, die sie (&#8220;die Märkte&#8221;) sogar im Urlaub überfallen. Das alles ist wahrlich nicht normal: In den Urlaubsmonaten sollten sich &#8220;die Märkte&#8221; gefälligst wie &#8220;die Menschen&#8221; etwas entspannen (und tun das auch im langjährigen Durchschnitt). Aber 2011 nicht. Und vor allem sollten &#8220;die Märkte&#8221; doch nicht schon im Jahr 2 eines Zyklus (gerechnet ab dem Aufschwung von 2009) wieder nervös werden! Das dürften sie normalerweise doch erst ab dem Jahr 6 oder 7 eines Zyklus!  &#8220;Die Märkte&#8221; leiden also unter einem pathologisch durcheinandergeratenen Zyklus. Sie werden doch wohl keinen &#8220;double dip&#8221; hinlegen?</p>
<p>Das findet auch der Ex-Maoist Barroso nicht lustig und schreibt einen Brandbrief, den &#8220;die Märkte&#8221; aber schrecklich &#8220;abstrafen&#8221; &#8211; (oder ob Barroso heimlich den Partisanen gespielt hat und dem Kapitalismus einen zusätzlichen Schubs geben wollte?).</p>
<p>Dabei waren &#8220;die Märkte&#8221; bis vor ganz kurzem 100 Prozent sicher, dass die Krise &#8220;abgehakt&#8221; wäre. Und speziell die deutschen Märkte jubelten und jubelten über den deutschen Turbo-Aufschwung (soviel BMWs wurden noch nie nach China verkauft). Und die Schäub- und Brüderles und Angelas jubelten mit: Krise abgehakt, Turboaufschwung, Jobwunder!</p>
<p>Jetzt zittern aber plötzlich besonders die deutschen Märkte noch mehr als die meisten anderen (abgesehen natürlich von den italienischen) &#8211; und das aus sehr gutem Grunde. Denn jetzt zeigt sich, dass &#8220;unser&#8221; spezieller Turboaufschwung alles andere als normal war: Er beruhte auf lauter Sonderfaktoren wie den chinesischen &#8220;kommunistischen&#8221; BMW-Fans und droht nun umso tiefer zu fallen, je höher er vorher aufgeblasen worden war. Das gibt wieder stressige Wochenenden für unsere Ackermänner und Schäubles.</p>
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		<title>Der Turboaufschwung ist ein Meister aus Deutschland &#8211; überall auf der Welt warten Azubis auf ihn.</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Jul 2011 11:28:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Drones'n'Drugs]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
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		<category><![CDATA[Zwischenruf der Ursprünglichen Chaoten]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan Azubis Griechenland Deutschland]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie können die Griechen wieder (oder überhaupt zum erstenmal) &#8220;wettbewerbsfähig&#8221; werden? Günther Oettinger (Hamburger Abendblatt 26. Juli) und Philipp Rößler (FAZ 28. Juli) haben die entscheidende Idee: Deutsche Handwerksmeister in Rente sollen nach unten vor Ort gehen und die Griechen ausbilden. Der Grieche als Azubi des Meisters aus Deutschland. Das ist ein inzwischen bereits sehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie können die Griechen wieder (oder überhaupt zum erstenmal) &#8220;wettbewerbsfähig&#8221; werden? Günther Oettinger (Hamburger Abendblatt 26. Juli) und Philipp Rößler (FAZ 28. Juli) haben die entscheidende Idee: Deutsche Handwerksmeister in Rente sollen nach unten vor Ort gehen und die Griechen ausbilden. Der Grieche als Azubi des Meisters aus Deutschland. Das ist ein inzwischen bereits sehr erfolgreich in Afghanistan bewährtes Modell: Dort sind es deutsche Meister in Uniform, die Afghanen technisch ausbilden &#8211; on the job natürlich, wie im deutschen dualen System vorgesehen. Im &#8220;Figaro&#8221; gab es zu dieser Meldung einen verkrampft sarkastischen Comment: Die Deutschen sollten als erste Wahl 85jährige Meister schicken, die hätten als junge Aufstreber in den 1940er Jahren schon mal Griechenlanderfahrung on the job gesammelt. Blanker Neid eines Franzmanns!</p>
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		<title>Cem Özdemir, Angela Merkel und die rätselhafte Subjektqualität der &#8220;Märkte&#8221; (und was der V-Träger dazu sagt)</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Jul 2011 11:29:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kollektivsymbolik]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Vorerinnerung (Roman)]]></category>
		<category><![CDATA[Krise "die Märkte" Vorerinnerung Hegemonie]]></category>

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		<description><![CDATA[Cem Özdemir wirft Angela Merkel ihre Entscheidungsschwäche vor: Sie solle nicht immer hinter &#8220;den Märkten&#8221; herlaufen, sondern endlich die Vorherrschaft der Politik wiederherstellen. Wie sie das machen soll? Indem sie &#8220;ein starkes Signal an die Märkte sendet&#8221; und &#8220;die Märkte endlich wieder beruhigt&#8221; usw. Wie aber, wenn Merkel realistischer wäre als Özdemir? Denn wer sind &#8220;die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,775514,00.html">Cem Özdemir </a>wirft Angela Merkel ihre Entscheidungsschwäche vor: Sie solle nicht immer hinter &#8220;den Märkten&#8221; herlaufen, sondern endlich die Vorherrschaft der Politik wiederherstellen. Wie sie das machen soll? Indem sie &#8220;ein starkes Signal an die Märkte sendet&#8221; und &#8220;die Märkte endlich wieder beruhigt&#8221; usw. Wie aber, wenn Merkel realistischer wäre als Özdemir? Denn wer sind &#8220;die Märkte&#8221;? So wie alle unsere Medien und Politiker von &#8220;den Märkten&#8221; reden, sind es personale Subjekte &#8211; genau von derselben Sorte wie Merkels &#8220;Menschen&#8221;. Es gibt &#8220;die Menschen&#8221; (bei denen zum Beispiel &#8220;der Aufschwung ankommt&#8221;) &#8211; und es gibt &#8220;die Märkte&#8221;. Beide &#8220;machen sich Sorgen&#8221;, sind &#8220;nervös&#8221;, sind &#8220;beunruhigt&#8221;, können &#8220;in Panik geraten&#8221; oder &#8220;sich wieder beruhigen&#8221; &#8211; ja sie können auch &#8220;jubilieren&#8221; und dann &#8220;eine Kursrakete hinlegen&#8221;. Sind &#8220;die Märkte&#8221; also einfach auch &#8220;Menschen&#8221;? Genau da fängt das Rätsel an, zu dem Özdemir offensichtlich noch gar nicht vorgedrungen ist, weil er gar nicht merkt, dass er selber genauso wie Merkel glaubt, das Wichtigste in &#8220;der Politik&#8221; wäre, &#8220;die Märkte endlich zu beruhigen&#8221;.</p>
<p>Tatsächlich haben alle realistischen Beobachter aus der Krise inzwischen folgendes gelernt: Der ungeschriebene Grundgesetz-Artikel Null heißt &#8220;Was die Politik nicht entscheiden kann, entscheiden in letzter Instanz die Märkte&#8221;. Worum geht es bei allen Wochenend-Krisensitzungen seit dem Beginn der Krise im Jahre 2008? Darum, dass am Montag &#8220;die Märkte nicht in Panik geraten&#8221;. Das schlimmste &#8220;Signal an die Märkte&#8221; wäre aber das von Ozdemir vorgeschlagene, nämlich als führender Politiker laut zu schreien: &#8220;Die Politik muss über die Märkte herrschen&#8221;. Das würde &#8220;die Märkte&#8221; ganz sicher nicht &#8220;beruhigen&#8221;, da würden sie vielleicht sogar &#8220;total durchdrehen&#8221;. Denn offensichtlich sind &#8220;die Märkte&#8221; sehr eigenwillige und höchst empfindliche Subjekte, die sich einer &#8220;Diktatur der Politik&#8221; niemals unterwerfen würden, im Gegenteil: eine solche Politik würden sie &#8220;gnadenlos abstrafen&#8221;. Das können sie nämlich, und das bereitet Angela Merkel die größten Sorgen.</p>
<p>Offenbar kommt man aus dem Rätsel und aus der ständigen Sorge um die &#8220;Stimmung der Märkte&#8221; nicht heraus, solange man &#8220;die Märkte&#8221; für quasi-menschliche Subjekte hält und &#8220;psychologisch&#8221; behandeln möchte. Was &#8220;die Märkte&#8221; angeht, so hat tatsächlich der alte Marx dieses Rätsel ein für allemal gelöst: &#8220;Die Märkte&#8221; mit ihren inzwischen vom Computerhandel in Sekundenbruchteilen ixmal um den Globus &#8220;gefluteten&#8221; Billionen sind un-menschliche Mechanismen, die sich nach dem Profitkriterium (&#8220;Gewinnmarge, Wettbewerbsfähigkeit, Effizienz&#8221;) bewegen &#8211; von denen die Menschen &#8220;gnadenlos abgestraft&#8221; werden, wenn sie die &#8220;Wettbewerbsfähigkeit&#8221; nicht an die erste Stelle setzen möchten - mehr noch: von denen die Menschen ein bloßes Anhängsel darstellen, die die Menschen längst nicht mehr &#8220;beherrschen&#8221; können, die auf noch so &#8220;starke Signale&#8221; der Politik in gewissen Situationen einfach pfeifen.</p>
<p>Am Punkte dieser Einsicht beginnt dann eine andere Betrachtungsweise. Es zeigt sich dann, dass hinter Angela Merkels Entscheidungsschwäche ein Dilemma des &#8220;deutschen V-Trägers&#8221; (&#8220;Verantwortungs-Trägers&#8221;) steckt: Wie soll der deutsche V-Träger seine Hegemonie in Europa bewahren und verstärken &#8211; durch offene Staatspleiten der Mittelmeerländer und ihren Austritt aus dem Euro, wodurch sie wieder nationale Verantwortung (V) bekämen &#8211; oder durch Eurobonds, wodurch ihre Integration verstärkt würde? Das Entscheidende wäre in beiden Fällen die Durchsetzung der Hegemonie &#8211; bei welcher Variante würden die &#8220;Südvölker&#8221; lauter über &#8220;deutsche Diktatur&#8221; schreien?</p>
<p>Für eine solche alternative Sicht hat der Roman &#8220;Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee&#8221; (assoverlag Oberhausen) fantasievolle und satirische Modelle entwickelt: Dort wird auch die Rede von &#8220;den Märkten&#8221; (als ob sie menschliche Subjekte wären) lustig beim Wort genommen. Dort sind Crashe und Krisen &#8220;der Märkte&#8221; und &#8220;der Politik&#8221; witzig vorerinnert. Und eben der V-Träger, dessen &#8220;Bauch&#8221; bzw. dessen &#8220;Unterbewusstes&#8221; eben die Märkte sind. Daran leidet der V-Träger zuweilen sehr tieftragisch und fühlt sich dann wie der zerrissene Wille &#8220;seines Philosophen&#8221; (Schopenhauer). Und schimpft auf &#8220;seine Politik&#8221;. Zu Özdemir würde er sagen: Halt endlich die Schnauze, was die Krise angeht, bleib bei deinen AKWs, ich kriege Bauchschmerzen wenn du redest, mein Bauch sind meine Märkte, die reagieren allergisch auf dich, wenn du wüsstest, wie nervös ich meine Märkte in meinem Bauch in diesen Wochen fühle! Das ist schon kein Ziehen mehr, das sind Koliken, besonders wenn du dich auch noch einmischst! Lieber Cem, hör auf mich zu quälen! Ich bin doch die Kuh, die auch deine Milch geben muss!</p>
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		<title>Endlich hieb- und stichfeste Argumente für Verbotsantrag: Sarrazin und SPD vor NPD schützen!</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Apr 2011 08:26:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskursanalytische Wortmeldung (DAW)]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Zwischenruf der Ursprünglichen Chaoten]]></category>
		<category><![CDATA[bangemachen]]></category>
		<category><![CDATA[jürgen link]]></category>
		<category><![CDATA[Sarrazin]]></category>

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		<description><![CDATA[Schon wieder musste Sarrazin der NPD gerichtlich untersagen lassen, ihn zu zitieren. Das kann nicht so weitergehen, weil auf den 450 Seiten seines Buches noch jede Menge Zitate stehen, die die NPD gerne zitieren möchte. Dabei ist die Schonung besonders peinlich, mit der die NPD Sarrazin behandelt: Sie könnte ja auch selbst auf Plagiat klagen.
Noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schon wieder musste Sarrazin der NPD gerichtlich untersagen lassen, ihn zu zitieren. Das kann nicht so weitergehen, weil auf den 450 Seiten seines Buches noch jede Menge Zitate stehen, die die NPD gerne zitieren möchte. Dabei ist die Schonung besonders peinlich, mit der die NPD Sarrazin behandelt: Sie könnte ja auch selbst auf Plagiat klagen.</p>
<p>Noch einmal: Das kann so nicht weitergehen. Weder ist Sarrazin der Stress ständiger Klagen noch der SPD das Damoklesschwert einer NSPD-Gründung zuzumuten. Diese Notstandssituation der Demokratie dürfte endlich in Karlsruhe durchschlagen: Ein neuer Verbotsantrag gegen die NPD dürfte endlich Erfolg haben, weil das Argument eines Notstands der Demokratie wegen der Möglichkeit, eine in der Wolle gefärbte demokratische Urgestein-Partei nicht mehr klar von einer totalitären Partei unterscheiden zu können. die Karsruher Richter überzeugen wird.</p>
<p>Nur ein Verbot der NPD kann diese daran hindern, ständig weiter Sarrazin zu zitieren, obwohl diese Zitate inzwischen von höchster SPD-Stelle (Bundesschiedskommission ) als in der Mitte sozialdemokratischer Meinungsfreiheit liegend  gewürdigt worden sind. Man hat Sarrazin dabei ganz explizit die Demütigung erspart, ihm eine Distanzierung von seinem Buch aufzunötigen.</p>
<p>Nur ein Verbot der NPD kann ferner deren Stimmen (jedenfalls einige) auf demokratische Parteien (und besonders auf die SPD) umverteilen. Denn es ist nicht ausgemacht, dass der Spruch der Schiedskommission dieses Ziel bereits erreichen wird: Es bleibt ein Restrisiko, dass die gewonnenen NPD-Stimmen die verlorenen alt-sozialdemokratischen Stimmen nicht nur nicht überwiegen, sondern vielleicht sogar nicht einmal ausgleichen werden. Solche Restrisiko-Kalküle sind einer demokratischen Volkspartei ebenfalls einfach nicht länger zuzumuten.</p>
<p>Diese Argumente werden Karlsruhe endlich überzeugen. Da sind wir ganz sicher!</p>
<p>Die Ursprünglichen Chaoten</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Was steckt hinter der Rede vom &#8220;neuen Normal&#8221;?</title>
		<link>http://bangemachen.com/2011/was-steckt-hinter-der-rede-vom-neuen-normal/</link>
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		<pubDate>Tue, 05 Apr 2011 11:19:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Normalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Es trifft sich gut, dass in diesem Eintrag, der die Nummer 100 trägt, wieder vom Normalismus die Rede ist. In früheren Einträgen dieses Blog wurde bereits mehrfach die Rede vom &#8220;neuen Normal&#8221; (new normal) kommentiert. Inzwischen proliferiert sie in den Medien. Das ist zunächst nicht mehr als ein rätselhaftes Symptom, weil niemand weiß, was dieses ominöse &#8220;neue [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es trifft sich gut, dass in diesem Eintrag, der die Nummer 100 trägt, wieder vom Normalismus die Rede ist. In früheren Einträgen dieses Blog wurde bereits mehrfach die Rede vom &#8220;neuen Normal&#8221; (new normal) kommentiert. Inzwischen proliferiert sie in den Medien. Das ist zunächst nicht mehr als ein rätselhaftes Symptom, weil niemand weiß, was dieses ominöse &#8220;neue Normal&#8221; eigentlich sein soll: Jedenfalls keine neue Benzinsorte (oder bald doch?). Wie in diesem Blog schon erklärt, kam der Begriff als &#8220;new normal&#8221; zuerst in den USA im Zuge der Wirtschaftskrise von 2008ff. auf. Man verstand darunter ein Herunterfahren der vorherigen Normalität (im Sinne von durchschnittlichem Konsum), zum Beispiel der Klimaanlagen, der Friseurkosten usw. In einer eigenen Fernsehserie berichteten &#8220;normale AmerikanerInnen&#8221;, wie sie ihre Normalität herunterfuhren.</p>
<p>Dann kam aber an den Börsen schon die &#8220;V-Formation&#8221; in Fahrt (d.h. dass die Aktienkurse samt Derivaten, Superprofiten, Boni usw.) genauso rasant wieder hochgingen wie sie vorher abgestürzt waren. In dieser Situation schlug Deutsche-Bank-Chef Ackermann vor, noch höhere Profitraten als vor der Krise als &#8220;neues Normal&#8221; der Banken zu definieren.</p>
<p>Dann kamen neue sogenannte &#8220;schwarze Schwäne&#8221;, d.h. risikostatistisch extrem unerwartete Ereignisse wie arabische Revolutionen und Fukushima. <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,754338,00.html">Jetzt soll also das Leben nach der Katastrofe in Japan ebenfalls ein &#8220;neues Normal&#8221; sein.</a></p>
<p>Das dürfte reichen, um sich ein bisschen mit Normalismustheorie zu beschäftigen (J.L., Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird, 4., erweiterte Aufl. Göttingen: Vandenhoeck u. Ruprecht 2009). Dann ergibt sich, dass das widersprüchliche und konfuse Reden vom &#8220;neuen Normal&#8221; (u.a. auch in dem neuen, nicht uninteressanten Buch von Gabor Steingart: Das Ende der Normalität. Nachruf auf unser Leben, wie es bisher war) zwei Problemkreise signalisiert:</p>
<p>1) Ist alles normalisierbar? Wenn Normalitäten auf &#8220;gemitteten&#8221; Massenverteilungen auf der Basis von Verdatung und Statistik beruhen, ist dann jede, auch eine katastrofische gemittete Massenverteilung &#8220;normal&#8221;? In der Todeszone von Tschernobyl lebt heute eine statistisch bestimmbare verstrahlte Flora und Fauna - ist sie deshalb &#8220;normal&#8221;? War die Vergasung von soundsoviel Menschen täglich in Auschwitz &#8220;normal&#8221;? Ist die wöchentliche Killung einer gewissen Anzahl von &#8220;Insurgents&#8221; durch Drohnen in Pakistan und Afghanistan &#8220;normal&#8221;? Hier zeigt sich, dass nicht jeder beliebige statistische Mittelwert normal ist, sondern dass es einen historisch und kulturell begründeten Rahmen gibt, außerhalb dessen das Reden von &#8220;Normalität&#8221; entweder sinnlos oder zynisch ist. Dieser Rahmen ist das Resultat von historischen Kämpfen und kollektiven Willensentscheidungen.</p>
<p>2) In der Tat leben wir in einer Zeit mehrerer, sich u.U. koppelnder De-normalisierungen (sowohl bloßes Herunterfahren wie teilweise auch katastrofisches Abstürzen von Normalität). So ist im Kontext von Fukushima von einer &#8220;historischen Zäsur&#8221; die Rede. Dabei ist in jedem einzelnen Fall zu fragen, ob die Denormalisierung normalisierbar erscheint oder nicht bzw. nur in the very long run. Im ersten Fall stellt sich eine &#8220;heruntergefahrene&#8221; neue Normalität ein. Das wäre dann ein sinnvoll als solches zu bezeichnendes &#8220;neues Normal&#8221;. Im zweiten Fall &#8211; dem einer mittelfristig irreversiblen Denormalisierung wie vielleicht in Fukushima &#8211; stellt sich die Frage nach einer grundsätzlichen Alternative zu jeder Form von Normalismus, auch zu einem noch so weit heruntergefahrenen flexiblen Normalismus. Das ist dann die Frage nach transnormalistischen, &#8220;konkret-utopischen&#8221; (Ernst Bloch) Alternativen.</p>
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		<title>Fukushima: Wirklich kein Robotereinsatz?</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Mar 2011 07:13:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Normalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Zwischenruf der Ursprünglichen Chaoten]]></category>

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		<description><![CDATA[Viele fragen sich, warum Japan &#8211; bekanntlich an der Weltspitze der Roboterentwicklung &#8211; in Fukushima keine Roboter einsetzt. Nun gibt es neuerdings den Verdacht, dass mindestens in der Informationspolitik zu Fukushima bereits Roboter im Einsatz seien. So soll die Informationsquelle, die als &#8220;Regierungssprecher Yukio Edano&#8221; auftritt, in Wirklichkeit ein Roboter sein. Man begründet das damit, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viele fragen sich, warum Japan &#8211; bekanntlich an der Weltspitze der Roboterentwicklung &#8211; in Fukushima keine Roboter einsetzt. Nun gibt es neuerdings den Verdacht, dass mindestens in der Informationspolitik zu Fukushima bereits Roboter im Einsatz seien. So soll die Informationsquelle, die als &#8220;Regierungssprecher Yukio Edano&#8221; auftritt, in Wirklichkeit ein Roboter sein. Man begründet das damit, dass er seit nunmehr fast 3 Wochen stereotyp von rechts her die Bühne betrete, sich stereotyp verneige, am Mikrofon stereotyp eine Kopfhaltung schräg abwärts zu den Kameras einnehme und stereotyp das Gleiche sage.</p>
<p>Gerade der letzte Umstand lässt uns allerdings an dieser Verschwörungstheorie zweifeln: Tatsächlich sind die &#8220;Informationen&#8221; dieser Quelle nicht bloß stereotyp, sondern hyperstereotyp. Es gibt nur ganz wenige Varianten: Entweder: &#8220;besorgniserregend, aber nicht gesundheitsgefährdend&#8221; oder &#8220;ernst, aber stabil&#8221;. Kenner wissen, dass echte Roboter bereits sehr viel intelligentere Programme besitzen.</p>
<p>Die Ursprünglichen Chaoten</p>
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		<title>&#8220;Kontrollierte Explosionen&#8221;: Symbol des durchdrehenden Normalismus</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Mar 2011 10:08:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Drones'n'Drugs]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivsymbolik]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
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		<description><![CDATA[Was hat die Stunde geschlagen, wenn die hegemonialen Medien sokratisch werden und bekennen, dass sie nur wissen, dass sie nichts wissen? Nur vage kann man ahnen, dass auf jeden Fall der normalistische SuperGAU eingetreten ist: Die Experten als Träger der sarrazinischen &#8220;MINT-IQ-Intelligenz&#8221; [Mathe, Ing, Natwiss, Techno] haben keine Daten mehr, können also keine Wahrscheinlichkeiten mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was hat die Stunde geschlagen, wenn die hegemonialen Medien sokratisch werden und bekennen, dass sie nur wissen, dass sie nichts wissen? Nur vage kann man ahnen, dass auf jeden Fall der normalistische SuperGAU eingetreten ist: Die Experten als Träger der sarrazinischen &#8220;MINT-IQ-Intelligenz&#8221; [Mathe, Ing, Natwiss, Techno] haben keine Daten mehr, können also keine Wahrscheinlichkeiten mehr berechnen und auf dem normalistischen &#8220;Optionen-Tisch&#8221; die besten &#8220;Optionen&#8221; zwecks Normalisierung &#8220;wählen&#8221;.</p>
<p>Ebenfalls nur vage kann man ahnen, welche &#8220;Option&#8221; sie in dieser Situation &#8220;gewählt&#8221; haben: die Taktik der &#8220;kontrollierten Explosion&#8221;: Nacheinander ließen sie in allen betroffenen Reaktoren Wasserstoffgas frei, um &#8220;den Druck zu verringern&#8221; und führten so angeblich &#8220;kontrollierte Explosionen&#8221; herbei, von denen sie behaupteten, sie seien nur schwach radioaktiv. Wie das rein technisch ablief und was daraus folgte und weiter folgen wird, wussten und wissen sie selbst nicht. Was wir aber wissen können: Diese Taktik der &#8220;kontrollierten Explosion&#8221; ist das repräsentative Symbol, die pars pro toto des durchdrehenden Normalismus &#8211; des Normalismus, der nicht bloß den Notstand (also die Denormalisierung) erklärt, sondern der die Denormalisierung dadurch zum GAU treibt, dass er glaubt, man könne auch eine irreversible Denormalisierungs-Kaskade noch normalisieren &#8211; durch Notstands-Schläge in diese Kaskade hinein.</p>
<p>Tragödie und Farce: Diese gleiche durchgedreht-normalistische Mentalität tobt sich nun auch außerhalb der atomaren Havarie aus: In Politik und Wirtschaft (und sicher bald auch Kultur). Es gilt die Kaskade von denormalisierenden Kopplungen mit anderen Praxis-Diskursbereichen (luhmannschen Teilsystem) mit allen  Mitteln zu verhindern, vor allem die &#8220;Ansteckung&#8221; der Börsen. Keine Panik! Ruhig bleiben! &#8220;Die Krise bietet auch Chancen&#8221; (wie wir seit 2008 ständig hören). Wenn die Öl- und Chippreise steigen, ist das gut für deren Aktien! Und erstmal das &#8220;enorme Potential&#8221; an Wiederaufbaunachfrage in Japan! Wenn schon der technoszientistische GAU nicht zu verhindern ist, können wir den ProfitGAU &#8220;mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit&#8221;  verhindern. Wie es die US-Middleclass 1987 beim Crash sagte: &#8220;Things look already pretty much better today, and it may even go up!&#8221;</p>
<p>Aber was diese Kopplung angeht, hat der japanische Premier Naoto Kan unter Stress eine Aussage getroffen, die die Kopplung ebenfalls wie eine pars pro toto bestätigte, indem er sie verhindern wollte: Er beschwor die Firma Tepco, die letzten 50 Ingenieure und Facharbeiter nicht auch noch aus dem havarierten AKW abzuziehen, weil&#8230; (zig Millionen Menschen in Gefahr schweben?) &#8211; weil&#8230; das den sicheren Kollaps der Firma Tepco bedeuten würde! (SPON 15. März, 6 Uhr 25 MEZ) In Tschernobyl waren es &#8220;Helden der sozialistischen Arbeit&#8221; &#8211; in Fukushima also &#8220;Helden des kapitalistischen Profits&#8221;.</p>
<p>Normalismustheoretisch kann gesagt werden: Die Abschottungsversuche gegen Kopplungen mit anderen &#8220;Teilsystemen&#8221; und gegen &#8220;Entdifferenzierungen&#8221; bergen ein hohes Risiko diskursiver &#8220;kontrollierter Explosionen&#8221;, also von Paniken (die man gerade verhindern will). Normalismustheoretisch gesehen, sind dagegen solche Kopplungen gut, weil sie Möglichkeiten aufzeigen, nicht nur AKWs, sondern auch andere Hochrisiko-Unternehmen rechtzeitig abzuschalten.</p>
<p>Musterbeispiel: Die Interventionskriege vom Typ Afghanistan sind sowohl wörtlich wie metaphorisch ebenfalls Hoch-Risiko-Technologien. Welch ein weiteres Symbol, dass über Fukushima eine Flugverbotszone verhängt wurde! Und dass der US-Flugzeugträger wegen der Radioaktivität umkehren musste! Aber es besteht die Gefahr, dass die Kriege, Revolutionen und Konterrevolutionen nun &#8220;in den Schatten&#8221; der japanischen Katastrophen geraten: Das nützt nicht bloß Gaddafi, sondern allen Konterrevolutionären: Gestern marschierte Saudi-Arabien in Bahrain ein. Vor einigen Tagen forderte sogar Karzai den Abzug der NATO, also auch der Bundeswehr, wegen der vielen zivilen Opfer der &#8220;Luftschläge&#8221; (die ja nicht bloß kriminell sind, wenn sie von Gaddafi geführt werden). Die übrigens immer auch große ökologische Schäden anrichten. Ceterum censeo exercitum Germanicum ex Afghanistan esse recedendum.</p>
<p>Wann endlich kommen die Mitglieder und Wählerinnen der Grünen zu der Einsicht, dass ihre Führung schizophren handelt, solange sie die Hochrisiko-Technologie eines Eskalationskrieges absegnet?</p>
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		<title>&#8220;Stresstest&#8221; &#8211; Mega-Diskurs-Blase zur Normalisierung der Krise</title>
		<link>http://bangemachen.com/2010/stresstest-mega-diskurs-blase-zur-normalisierung-der-krise/</link>
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		<pubDate>Sat, 24 Jul 2010 10:13:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskursanalytische Wortmeldung (DAW)]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivsymbolik]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Normalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Stresstest für Banken&#8221; &#8211; das gehört zur medizinischen Kollektivsymbolik: Infarktgefährdete Patienten müssen eine &#8220;Stress-Echo-Kardiografie&#8221; machen und dabei auf dem Stress-Fahrrad prüfen, wie hoch der Blutdruck bei einer jeweiligen &#8220;Belastung&#8221; steigt. Dafür gibt es ein normales Spektrum und Grenzwerte, wo es anormal wird und also ein bedenkliches Infarktrisiko beginnt.
Es ist klar, dass es sich bei dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Stresstest für Banken&#8221; &#8211; das gehört zur medizinischen Kollektivsymbolik: Infarktgefährdete Patienten müssen eine &#8220;Stress-Echo-Kardiografie&#8221; machen und dabei auf dem Stress-Fahrrad prüfen, wie hoch der Blutdruck bei einer jeweiligen &#8220;Belastung&#8221; steigt. Dafür gibt es ein normales Spektrum und Grenzwerte, wo es anormal wird und also ein bedenkliches Infarktrisiko beginnt.</p>
<p>Es ist klar, dass es sich bei dem Banken-Stresstest um ein bloßes Kollektivsymbol, um eine Diskurs-Blase handelt. Wie es heißt, wird simuliert, wie tief die Eigenkapitaldecke einer Bank bei Annahme eines bestimmten Konjunkturrückgangs sinkt. Der &#8220;Belastung&#8221; entspricht also der Konjunktureinbruch, und die Eigenkapitaldecke soll dem Blutdruck entsprechen. Der Witz ist bloß, dass:</p>
<p>Erstens der wichtigste Indikator die Höhe der Aktienkurse wäre, weil die Banken den größten Teil ihrer Profite einfach durch Aktienkauf (&#8220;Anlage&#8221;) und Wertsteigerung der gekauften Aktien (&#8220;Assets&#8221;) machen. Der Konjunkturverlauf ist damit nur äußerst schwach korreliert.</p>
<p>Zweitens der entscheidende Wert für die &#8220;Gesundheit&#8221; einer Bank eben die Profite und die Profitrate sind (Fehlanzeige in der Simulation).</p>
<p>Drittens alle wirklich wichtigen Daten für Aktienkurse, Profite und Profitrate den &#8220;Simulatoren&#8221; natürlich verborgen sind. Denn unsere &#8220;soziale Marktwirtschaft&#8221; beruht nun mal auf Konkurrenz autonomer Einheiten. &#8220;Transparenz&#8221; wäre zwar für den Normalismus gut, ist aber Gift für den Kapitalismus. Transparenz hieße ja, dass alle Konkurrenten alle &#8216;heißen&#8217; Daten aller Konkurrenten kennen würden, und das wäre ja das Ende der Konkurrenz, wäre &#8220;Sozialismus&#8221;!</p>
<p>Warum also der &#8220;Stresstest&#8221;? Es wird gar nicht verheimlicht: Um das &#8220;Vertrauen&#8221; in die Gesamtheit der Banken so sehr zu erhöhen, dass die Aktienkurse das Niveau von 2007 wieder erreichen, als der Dow bei 14000 stand, während er jetzt um 10000 dümpelt. Sollte dieses Dümpeln anhalten, so würden die Bankenprofite erneut in den Keller gehen, weil sie eben dominant aus steigenden Aktienkursen kommen. Die Kurse müssen also irgendwie wieder zum &#8220;Klettern&#8221; gebracht werden &#8211; es muss wieder &#8220;All Times Highs&#8221; geben, koste es was es wolle.</p>
<p>Deshalb erleben wir augenblicklich eine PR-Großaktion auf allen Kanälen, deren &#8220;Evangelium&#8221; (&#8220;Good News&#8221;) lautet: Die Krise ist abgehakt hurrah! Die Krise ist abgehakt hurrah! usw. Und dazu war der Stresstest ein toller PR-Gag! Jetzt müssten die Aktien also endlich eine Super-Rally &#8220;aufs Parkett legen&#8221;. Und zwar eine &#8220;nachhaltige&#8221;, die auch den immer riskanten Herbst überlebt.  Schaun wir mal.</p>
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