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	<title>Bangemachen gilt nicht. &#187; Krise</title>
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	<description>(Nicht) normale Zeiten! — kultuRRevolutionäre Zeiten?</description>
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		<title>&#8220;Stresstest&#8221; &#8211; Mega-Diskurs-Blase zur Normalisierung der Krise</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Jul 2010 10:13:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskursanalytische Wortmeldung (DAW)]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivsymbolik]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Normalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Stresstest für Banken&#8221; &#8211; das gehört zur medizinischen Kollektivsymbolik: Infarktgefährdete Patienten müssen eine &#8220;Stress-Echo-Kardiografie&#8221; machen und dabei auf dem Stress-Fahrrad prüfen, wie hoch der Blutdruck bei einer jeweiligen &#8220;Belastung&#8221; steigt. Dafür gibt es ein normales Spektrum und Grenzwerte, wo es anormal wird und also ein bedenkliches Infarktrisiko beginnt.
Es ist klar, dass es sich bei dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Stresstest für Banken&#8221; &#8211; das gehört zur medizinischen Kollektivsymbolik: Infarktgefährdete Patienten müssen eine &#8220;Stress-Echo-Kardiografie&#8221; machen und dabei auf dem Stress-Fahrrad prüfen, wie hoch der Blutdruck bei einer jeweiligen &#8220;Belastung&#8221; steigt. Dafür gibt es ein normales Spektrum und Grenzwerte, wo es anormal wird und also ein bedenkliches Infarktrisiko beginnt.</p>
<p>Es ist klar, dass es sich bei dem Banken-Stresstest um ein bloßes Kollektivsymbol, um eine Diskurs-Blase handelt. Wie es heißt, wird simuliert, wie tief die Eigenkapitaldecke einer Bank bei Annahme eines bestimmten Konjunkturrückgangs sinkt. Der &#8220;Belastung&#8221; entspricht also der Konjunktureinbruch, und die Eigenkapitaldecke soll dem Blutdruck entsprechen. Der Witz ist bloß, dass:</p>
<p>Erstens der wichtigste Indikator die Höhe der Aktienkurse wäre, weil die Banken den größten Teil ihrer Profite einfach durch Aktienkauf (&#8220;Anlage&#8221;) und Wertsteigerung der gekauften Aktien (&#8220;Assets&#8221;) machen. Der Konjunkturverlauf ist damit nur äußerst schwach korreliert.</p>
<p>Zweitens der entscheidende Wert für die &#8220;Gesundheit&#8221; einer Bank eben die Profite und die Profitrate sind (Fehlanzeige in der Simulation).</p>
<p>Drittens alle wirklich wichtigen Daten für Aktienkurse, Profite und Profitrate den &#8220;Simulatoren&#8221; natürlich verborgen sind. Denn unsere &#8220;soziale Marktwirtschaft&#8221; beruht nun mal auf Konkurrenz autonomer Einheiten. &#8220;Transparenz&#8221; wäre zwar für den Normalismus gut, ist aber Gift für den Kapitalismus. Transparenz hieße ja, dass alle Konkurrenten alle &#8216;heißen&#8217; Daten aller Konkurrenten kennen würden, und das wäre ja das Ende der Konkurrenz, wäre &#8220;Sozialismus&#8221;!</p>
<p>Warum also der &#8220;Stresstest&#8221;? Es wird gar nicht verheimlicht: Um das &#8220;Vertrauen&#8221; in die Gesamtheit der Banken so sehr zu erhöhen, dass die Aktienkurse das Niveau von 2007 wieder erreichen, als der Dow bei 14000 stand, während er jetzt um 10000 dümpelt. Sollte dieses Dümpeln anhalten, so würden die Bankenprofite erneut in den Keller gehen, weil sie eben dominant aus steigenden Aktienkursen kommen. Die Kurse müssen also irgendwie wieder zum &#8220;Klettern&#8221; gebracht werden &#8211; es muss wieder &#8220;All Times Highs&#8221; geben, koste es was es wolle.</p>
<p>Deshalb erleben wir augenblicklich eine PR-Großaktion auf allen Kanälen, deren &#8220;Evangelium&#8221; (&#8220;Good News&#8221;) lautet: Die Krise ist abgehakt hurrah! Die Krise ist abgehakt hurrah! usw. Und dazu war der Stresstest ein toller PR-Gag! Jetzt müssten die Aktien also endlich eine Super-Rally &#8220;aufs Parkett legen&#8221;. Und zwar eine &#8220;nachhaltige&#8221;, die auch den immer riskanten Herbst überlebt.  Schaun wir mal.</p>
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		<title>Sondersendung der Ursprünglichen Chaoten</title>
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		<pubDate>Mon, 31 May 2010 15:09:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Vorerinnerung (Roman)]]></category>
		<category><![CDATA[Zwischenruf der Ursprünglichen Chaoten]]></category>

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		<description><![CDATA[Frühere Sondermeldungen noch im Ohr, hörten wir eben die Sondersendung zum Rücktritt Horst Köhlers. Alles klang wie ein Fake der Ursprünglichen Chaoten &#8211; aber wir wussten ja, dass wir das nicht gefaket hatten. Wir gehörten ja nicht zu denen, die sein Interview über die Interessen eines Landes unserer Größe und die Rolle der Bundeswehr dabei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Frühere Sondermeldungen noch im Ohr, hörten wir eben die Sondersendung zum Rücktritt Horst Köhlers. Alles klang wie ein Fake der Ursprünglichen Chaoten &#8211; aber wir wussten ja, dass wir das nicht gefaket hatten. Wir gehörten ja nicht zu denen, die sein Interview über die Interessen eines Landes unserer Größe und die Rolle der Bundeswehr dabei als verfassungsfeindlich und lügenhaft mit Kritik überschüttet hatten. Im Gegenteil hatten wir ja Respekt vor seinem Mut zur Wahrheit bekundet. Mit ihm verlieren wir einen großen MdmW, also einen großen Mann der mutigen Wahrheit (die Geschichte des MdmW kann man in dem Roman &#8220;Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung&#8221;, assoverlag Oberhausen, nachlesen; dort sind Zeiten der Krise wie augenblicklich vorerinnert).</p>
<p>Spannend wird es übrigens sein zu sehen, wie die SCHLAGzeitung bei weiterer Eskalation sämtlicher Krisen das Problem lösen wird, eine einzige SCHLAGzeile zu generieren, wenn sozusagen mehrere &#8220;Themen&#8221; sich dazu drängen: LENA oder KÖHLER oder JOGI oder EURO usw.?  Man wird kombinieren müssen: etwa FOLGT LENA KÖHLER NACH? Bleiben Sie dran!</p>
<p>Die Ursprünglichen Chaoten</p>
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		<title>Das Rätsel des &#8220;neuen Normal&#8221; &#8211; und eine normalismustheoretische Antwort</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Nov 2009 15:39:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Normalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit dem 17. November 2009 (Rhein-Main-Zeitung; 19.11. dann fatz) häufen sich in den Wirtschaftsmedien die Fragen, was &#8220;das neue Normal&#8221; sei. U.a. wurde diese Frage auf der 12. Euro Finance Week in Frankfurt gleich am Anfang von 25-Prozent-Ackermann aufgeworfen; es folgten dann noch die Reden von 500 weiteren Bankern.
Ja, was ist wohl das &#8220;neue Normal&#8221;? Wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit dem 17. November 2009 (Rhein-Main-Zeitung; 19.11. dann fatz) häufen sich in den Wirtschaftsmedien die Fragen, was &#8220;das neue Normal&#8221; sei. U.a. wurde diese Frage auf der 12. Euro Finance Week in Frankfurt gleich am Anfang von 25-Prozent-Ackermann aufgeworfen; es folgten dann noch die Reden von 500 weiteren Bankern.</p>
<p>Ja, was ist wohl das &#8220;neue Normal&#8221;? Wir haben sicher zu recht erstmal den Verdacht, dass es sich um einen typischen Banker-Übersetzungsfehler handeln dürfte. So ist es: es soll die Verdeutschung des englischen &#8220;the new normal&#8221; sein, was ja wohl heißen müsste: &#8220;die neue Normalität&#8221;. So hieß eine populäre Sendung auf ABC News, in der normal people erzählen durfte, wie sie ihr &#8220;old normal&#8221; mehr oder weniger findig runterbrechen auf &#8220;new normal&#8221;. Zum Beispiel indem sie die Air Condition rauf- bzw. runterstellen, um Energie zu sparen, oder indem sie jeden zweiten Friseurtermin canceln und sich selbst frisieren, oder indem sie sonst den Gürtel enger schnallen.</p>
<p>Es geht also um die Störung bzw. Unterbrechung (Diskontinuität) der &#8220;alten Normalität&#8221; durch die Krise. Es geht also um die Normalisierung der Krise &#8211; wobei aber paradoxerweise eine &#8220;nicht normale Normalisierung&#8221; erwartet wird &#8211; d.h. eine Normalisierung, die nicht zurück zum &#8220;old normal&#8221;, zur Vor-Krisen-Normalität zu führen scheint. Darin steckt also sozusagen eine Menge Sprengstoff, weil es bedeuten würde, dass das &#8220;normale Wachstum&#8221; (s. dazu den &#8220;Versuch über den Normalismus&#8221;, 4. Auflage Göttingen, Vandenhoeck u. Ruprecht) irgendwie unterbrochen werden könnte. Dieses &#8220;normale Wachstum&#8221; geht in endlosen Schlangenlinien (logistischen Kurven) aufwärts: steiler, exponentieller Aufschwung, Abnahme des Steigungswinkels bis annähernd Null plus eventuell kleiner Abschwung &#8211; neuer Zyklus mit neuem Aufschwung usw. bis in alle Ewigkeit. (Das zu &#8220;wissen&#8221; &#8211; darin besteht eigentlich alles Wissen der genialen Manager &#8211; sie wetten bloß verschieden auf die Kurvenknicks.)</p>
<p>Das ominöse Stichwort vom &#8220;new normal&#8221; bedeutet also ein Menetekel: lange Unterbrechung oder gar Ende der endlosen Schlange des normalen Wachstums? Für die Wirtschaft und die Banker bedeutet es konkret das Rätsel, &#8220;wo nach der Krise [...] die neuen Gleichgewichtspreise und -mengen liegen werden&#8221; (fatz 19.11.). Noch konkreter: wo die Durchschnittsprofitrate liegen wird &#8211; ob sie dauerhaft sinkt und was das für Folgen haben wird. Natürlich durfte die Frage so (kapitalismusanalytisch) in Frankfurt nicht gestellt werden &#8211; sie durfte (bzw. konnte) nicht einmal normalismusanalytisch gestellt werden. Und was Ackermann &amp; Co. sagten, lief auf das Platzen der Diskurs-Blase &#8220;neues Normal&#8221; hinaus: Sie propagierten nämlich unisono ihr &#8220;altes Normal&#8221;: 25 Prozent Rendite, keine Einschränkung ihrer &#8220;Freiräume&#8221; (Ackermann). Das Platzen der Diskurs-Blase könnte ein böses Omen für die neue wundervolle Aktien-Blase sein, die nach dem Prinzip der endlosen Schlange mit ganz kurzen Zyklen up up and away neuen &#8220;Rekorden&#8221; zustürmt. Also: Die neuen Profite stammen im wesentlichen bloß aus der Aktienspekulation. Genau das ist  &#8211; nein nicht das &#8220;neue&#8221;, sondern das &#8220;alte Normal&#8221;.</p>
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		<title>Frage: ein Roman auf Höhe der Krise? Antwort: die Vorerinnerung!</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Jul 2009 14:54:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Vorerinnerung (Roman)]]></category>

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		<description><![CDATA[ Im Fatz-Feuilleton vom 15 Juni kritisierte der junge Romancier Thomas von Steinaecker, dass der postmodern &#8220;realistische&#8221; Roman nicht auf der Höhe der Krise sei: &#8220;Es ist anzunehmen, dass wir in den Romanen der nächsten Saison schon bald verstärkt von Maklern und Managern lesen werden. Es kann jedoch nicht damit getan sein, aus der Erleichterung heraus, endlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> Im Fatz-Feuilleton vom 15 Juni kritisierte der junge Romancier Thomas von <a title="thomas" href="http://www.faz.net/s/Rub9A19C8AB8EC84EEF8640E9F05A69B915/Doc~E61A427C414D4482E8999AFA936B0FE97~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Steinaecker</a>, dass der postmodern &#8220;realistische&#8221; Roman nicht auf der Höhe der Krise sei: &#8220;Es ist anzunehmen, dass wir in den Romanen der nächsten Saison schon bald verstärkt von Maklern und Managern lesen werden. Es kann jedoch nicht damit getan sein, aus der Erleichterung heraus, endlich wieder ein &#8216;wichtiges&#8217; Thema zu haben, in der bekannten Manier über arbeitslose Banker zu schreiben, die sich kein Sushi mehr leisten können.&#8221; Was Steinaecker auf seine Art sehr zutreffend darstellt, ist folgendes: Es geht bei der Krise um &#8220;abstrakte Mechanismen&#8221;, an deren Relevanz eine interpersonal-interaktionistische Love Story einfach nicht herankommen kann. Das ganze sei eher &#8220;virtuell&#8221; wie eine &#8220;Computersimulation&#8221; &#8211; und da müssten ganz neue Erzählweisen her, um etwa über die &#8220;komplexen Kettenreaktionen&#8221; von &#8220;40 Billionen Euro&#8221; mehr zu erfahren als in der Fatz auch schon steht.</p>
<p>Was Steinaecker also einklagt, ist ein Roman von aktualhistorischer Relevanz, der die &#8220;abstrakten&#8221; Prozesse mit ihren &#8220;Simulationen&#8221; schwindelerregender Massen von Menschen und Kapitel und ihrer Crash-Trächtigkeit im Turbo-Kapitalismus als &#8220;phantastische Grundierung&#8221; unseres normalen Alltags erzählen (erzählen!) könnte. Das hört sich an wie ein generatives Modell für die &#8220;Vorerinnerung&#8221; (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee, assoverlag). Dort kämpfen keine entlassenen Manager, sondern die Ursprünglichen Chaoten gegen den &#8220;V-Träger&#8221;, d.h. den Verantwortungs-Träger, der die Verantwortung trägt  für eben jene Abstraktionen und Simulationen, die ihrerseits ironisch gegen-simuliert werden. Die Vorerinnerung entstand in den 80er und 90er Jahren, lange vor dieser Krise. Man lese aber zum Beispiel das Kapitel &#8220;Dazu die flankierende Simultan-Simulation der Märkte, des Wählers und unserer Lebenslinien (Hochrechnung von 1974 auf 1994)&#8221;. (Seite 282 ff.) Verblüffende prognostische Kompetenz?</p>
<p>In der Tat: Die Grundbedingung für einen Roman auf der Höhe der Krise ist eine solide alternative prognostische Kompetenz. Der Turbo-Kapitalismus lebt von Prognosen, Wetten auf die Zukunft, Vertrauen auf künftige Profite, kurz von Simulation. Weshalb ein Roman ohne Simulations-Kompetenz, wie Steinaecker richtig bemerkt, ein anachronistisches Unding ist &#8211; allenfalls tauglich als Szenario für einen sofort vergessenen abendlichen TV-Film vorm Einschlafen. Wie aber können Gegen-Simulationen und Gegen-Prognosen zu Erzählstrukturen werden? Indem sie partisanenhaften Subjekten als Waffen in die Hand gegeben werden: im Kampf gegen den V-Träger der turbokapitalistischen Simulationen, die in den Crash führen. Wer eine wirklich alternative Urlaubslektüre sucht, lese die &#8220;Vorerinnerung&#8221;.</p>
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		<title>DIW kneift und erklärt damit die Denormalisierung</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Apr 2009 10:01:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Normalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 14.4.2009 legte das &#8220;hoch renommierte&#8221; DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) ein bizarres Osterei: Es erklärte, für 2010 keine Prognose abgeben zu wollen, um &#8220;das Volk nicht zu verwirren&#8221; (DIW-Chef Klaus Zimmermann zum &#8220;Tagesspiegel&#8220;). Das ist, normalismustheoretisch betrachtet, ein enormes Ereignis! Was ist denn nochmal die Funktion der hochbezahlten und subventionierten Wirtschaftsexperten? Warum überhaupt das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 14.4.2009 legte das &#8220;hoch renommierte&#8221; DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) ein bizarres Osterei: <a title="Pressemitteilung des DIW" href="http://www.diw.de/deutsch/presse/pressemitteilungen/aktuell/27278.html?pcode=97033&amp;language=deutsch">Es erklärte, für 2010 keine Prognose abgeben zu wollen</a>, um &#8220;das Volk nicht zu verwirren&#8221; (DIW-Chef <a title="Zimmermann im Interview" href="http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Klaus-Zimmermann-DIW;art271,2774329">Klaus Zimmermann zum &#8220;Tagesspiegel</a>&#8220;). Das ist, normalismustheoretisch betrachtet, ein enormes Ereignis! Was ist denn nochmal die Funktion der hochbezahlten und subventionierten Wirtschaftsexperten? Warum überhaupt das pausenlose Beschallen der Öffentlichkeit mit Prognosen? Um den &#8220;Wirtschaftssubjekten&#8221;, allen voran denen an den Börsen, die Sicherheit zu geben, dass auf jeden Fall mindestens alles &#8220;normal weiterläuft&#8221;. Zur Normalität gehört mindestens die Kontinuität des Prozesses, &#8220;daß es so weitergeht&#8221;, wie Walter Benjamin sagte. Dass kein Bruch, keine Unterbrechung, kein Riss entsteht. Das Risiko eines Bruches lauert vor allem beim Übergang von der Gegenwart in die Zukunft, weil die Zukunft ja erst dann wirklich real sein kann, wenn sie Gegenwart, also keine Zukunft mehr ist. Deshalb die ganze Prognostik: Auf der Basis eines enormen Apparats von Verdatung und Statistik werden die Verlaufskurven über die Linie Gegenwart/Zukunft hinaus tief ins Terrain der Zukunft weitergezogen. Und auf diese weitergezogenen Kurven schauen &#8220;die Märkte&#8221; und &#8220;orientieren sich&#8221; daran.</p>
<p>Und nun kneifen die Experten! Um &#8220;das Volk nicht zu verwirren&#8221;! Zimmermann machte den Eindruck, dass ihm der ganze Job keinen Spaß mehr macht. &#8220;Schon in normalen Zeiten&#8221;, gab er wiederholt zu Protokoll, hätten es die Experten wahnsinnig schwer. Und nun seien die Zeiten nicht mehr normal (das sagte er aber nicht laut). Er erklärte also die Denormalisierung, so wie man einen Krieg erklärt. Er erklärte den Bruch, den Riss und den Verlust der Kontinuität, also des &#8220;Bodens&#8221; der &#8220;Märkte&#8221; &#8211; zur gleichen Zeit, in der andere Experten täglich ein paarmal das Stichwort &#8220;Bodenbildung&#8221; an die Märkte geben. Alles sehr paradox.</p>
<p>Dabei ist klar, dass die Experten zuerst wie immer gerechnet haben: Ihre Resultate hätten sie, wenn sie einigermaßen zu Optimismus Anlass gegeben hätten, ganz sicher nicht unterdrückt. Also gaben sie zu Pessimismus Anlass. Das kann sich jeder an den fünf Fingern abzählen. Mit der Selbstzensur hat das DIW sich also offen von jeder wissenschaftlichen Redlichkeit abgemeldet und sich als Institut &#8220;für normalistische Volksaufklärung und Propaganda&#8221; geoutet und gleichzeitig den Bankrott erklärt: Es will der Normalität nicht schaden und erklärt offen die Denormalisierung!</p>
<p>Ehrlicherweise hätte das DIW seinen Laden also dicht machen und <a title="Finanzierung des DIW" href="http://www.diw.de/deutsch/das_institut/26626.html#62387">seine Subventionen zurückgeben</a> sollen. Dass ihm eine solche Konsequenz natürlich völlig fernliegt, könnte bald eine Volksstimmung gegen &#8220;die Experten&#8221; auslösen wie zuvor schon gegen &#8220;die Banker&#8221;. Dabei braucht das &#8220;Volk&#8221; gute Experten, die aber eben statt dem normalen Kapitalprozess bzw. dem kapitalistischen Normalismus (wie kriegen wir die Profitrate wieder hoch?) den Interessen des Volkes dienen sollten. Wäre eine volldemokratische Expertengewerkschaft mit einer Art hippokratischem Eid nicht auch eine &#8220;Option&#8221;?</p>
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		<title>„Bodenbildung“ — eine Metapher aus dem Kollektivsymbol des Gebäudes — und was dahinter steckt.</title>
		<link>http://bangemachen.com/2009/willkommen/</link>
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		<pubDate>Sat, 11 Apr 2009 17:26:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kollektivsymbolik]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Normalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit Ende Februar 2009 zieht sich der Interdiskurs unserer westlichen Massenmedien buchstäblich hoch an der Metapher der „Bodenbildung“ („bottom building“). Die „Experten“ der Regierungen und die „Analysten“ der Banken , von denen keiner die Megakrise von 2008ff. prognostiziert hat, deren Diskurs-Blasen also genauso geplatzt sind wie die Derivate der Banker, sagen nun voraus, dass der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_64" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/hiroshiken/2609304701/"><img class="size-medium wp-image-64" title="Bodenbildung" src="http://bangemachen.com/wp-content/uploads/2009/04/business-building-300x225.jpg" alt="Foto: hiroshiken" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: hiroshiken</p></div>
<p>Seit Ende Februar 2009 zieht sich der Interdiskurs unserer westlichen Massenmedien buchstäblich hoch an der Metapher der „Bodenbildung“ („bottom building“). Die „Experten“ der Regierungen und die „Analysten“ der Banken , von denen keiner die <a title="Krise" href="http://bangemachen.com/?cat=5">Megakrise von 2008ff.</a> prognostiziert hat, deren Diskurs-Blasen also genauso geplatzt sind wie die Derivate der Banker, sagen nun voraus, dass der Dow nicht mehr unter 7000 und der Dax nicht mehr unter 4000 sinken wird. Man kann sich das gut vorstellen: Die <a title="denormalisierung! (kultuRRevolution 55/56)" href="http://www.konkretion.de/krr_152/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=85&amp;Itemid=34">Türme der Banken sind symbolisch eingestürzt</a>, sogar wie das Kölner Archiv bis tief in den Boden hinein (von 14000 Dow und von 8000 Dax) – irgendwo muss aber ja der Fels erreicht werden, auf dem dann solide neue Türme gebaut werden können. Und genau das empfehlen die Experten den Anlegern jetzt mittels ihrer Prognosen: Der Boden ist gebildet! Steigt wieder alle in Aktien ein!</p>
<p>Worauf beruht diese angeblich „wissenschaftliche“ Prognostik (mit all ihren sogenannt „technischen“ Finessen als da sind „mehrfaches Testen des Bodens“, durchschnittliche Wachstumsraten der Kurse in 3 Monaten, 200 Tagen usw.)? Imgrunde bloß auf einem banalen Kollektivsymbol: Wenn ein Gebäude einstürzt, muss irgendwo darunter ein fester Boden sein. Was aber ist der eigentliche Sinn dieses Symbols? Er bleibt unausgesprochen wie oft bei Kollektivsymbolen – er bleibt im toten Winkel der Reflexion und lautet im Klartext: Seit Ende Februar 2009 funktionieren die Börsen, nachdem sie letztes Jahr plötzlich „verrückt gespielt“ hatten (also ein Fall für den Psychiater, weil „anormal“ geworden waren), Adam Smith sei dank wieder „normal“. </p>
<p>Damit sind wir bei einem ganz wichtigen kulturellen Kern der Krise, der aber vom hegemonialen (herrschenden) Diskurs im Vagen gelassen wird: Der Kapitalismus ist nicht nur ökonomisch, er kann allein ökonomisch nicht existieren, er braucht eine kulturelle Versicherung – und eine der wichtigsten kulturellen Versicherungen ist die Produktion und Reproduktion von Normalitäten, also der Normalismus.</p>
<p>Die Experten sagen also mit ihrer „Bodenbildung“: Die Unterbrechung der Normalität an den Börsen ist zuende, ab jetzt geht es wieder aufwärts in normaler, d.h. „endlos wachsender Schlange“: Aufschwung, „Konsolidierung“, d.h. kleiner Abschwung, aber nicht unter die letzte „Talsohle“, wieder Aufschwung usw. Darin steckt eine weitere Prognose: Die Krise war (sie sehen sie schon als abgehakt) letztlich eine „normale“ Krise, die nicht länger als höchstens 2 Jahre dauert, dann kommt der nächste „normale“ Zyklus. Also: Es wird keine Depression, d.h. keine ernsthafte Denormalisierung (Verlust von Normalität) geben. </p>
<p>Woher nehmen sie ihre Sicherheit? Hier ist der springende Punkt, ein perfekter Zirkel: Die Normalität wird zurückkehren, weil alles andere nicht normal wäre! Symbolisch: Unter jedem Zusammenbruch ist irgendwo unten fester Boden. (Als ob die Fluktuation von Werten, Profiten und Profitraten einem Gebäude analog wäre!) Es gibt also einen kollektiven „Willen zur Normalität“, der an die Wurzeln moderner westlicher Kulturen reicht. Die Normalismus-Forschung analysiert diese Zusammenhänge – und sie kann deshalb zu einer ernsthaft alternativen Prognostik beitragen, auf die alle angewiesen sind, die sich nicht mit Kollektikvsymbolen abspeisen lassen wollen.</p>
<p>Mehr dazu in: <a title="Artikel als PDF lesen" href="http://bangemachen.com/wp-content/uploads/2009/04/bankentuerme.pdf">»Ein 11. September der Finanzmärkte.« Die Kollektivsymbolik der Krise zwischen Apokalypse, Normalisierung und Grenzen der Sagbarkeit (PDF)</a>.</span></p>
<p><span> Aus: <a title="kultuRRevolution" href="http://www.konkretion.de/krr_152/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=85&amp;Itemid=34">kultuRRevolution 55/56, Februar 2009</a>.</span></p>
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