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	<title>Bangemachen gilt nicht. &#187; Kollektivsymbolik</title>
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	<description>(Nicht) normale Zeiten! — kultuRRevolutionäre Zeiten?</description>
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		<title>&#8220;Stresstest&#8221; &#8211; Mega-Diskurs-Blase zur Normalisierung der Krise</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Jul 2010 10:13:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskursanalytische Wortmeldung (DAW)]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivsymbolik]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Normalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Stresstest für Banken&#8221; &#8211; das gehört zur medizinischen Kollektivsymbolik: Infarktgefährdete Patienten müssen eine &#8220;Stress-Echo-Kardiografie&#8221; machen und dabei auf dem Stress-Fahrrad prüfen, wie hoch der Blutdruck bei einer jeweiligen &#8220;Belastung&#8221; steigt. Dafür gibt es ein normales Spektrum und Grenzwerte, wo es anormal wird und also ein bedenkliches Infarktrisiko beginnt.
Es ist klar, dass es sich bei dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Stresstest für Banken&#8221; &#8211; das gehört zur medizinischen Kollektivsymbolik: Infarktgefährdete Patienten müssen eine &#8220;Stress-Echo-Kardiografie&#8221; machen und dabei auf dem Stress-Fahrrad prüfen, wie hoch der Blutdruck bei einer jeweiligen &#8220;Belastung&#8221; steigt. Dafür gibt es ein normales Spektrum und Grenzwerte, wo es anormal wird und also ein bedenkliches Infarktrisiko beginnt.</p>
<p>Es ist klar, dass es sich bei dem Banken-Stresstest um ein bloßes Kollektivsymbol, um eine Diskurs-Blase handelt. Wie es heißt, wird simuliert, wie tief die Eigenkapitaldecke einer Bank bei Annahme eines bestimmten Konjunkturrückgangs sinkt. Der &#8220;Belastung&#8221; entspricht also der Konjunktureinbruch, und die Eigenkapitaldecke soll dem Blutdruck entsprechen. Der Witz ist bloß, dass:</p>
<p>Erstens der wichtigste Indikator die Höhe der Aktienkurse wäre, weil die Banken den größten Teil ihrer Profite einfach durch Aktienkauf (&#8220;Anlage&#8221;) und Wertsteigerung der gekauften Aktien (&#8220;Assets&#8221;) machen. Der Konjunkturverlauf ist damit nur äußerst schwach korreliert.</p>
<p>Zweitens der entscheidende Wert für die &#8220;Gesundheit&#8221; einer Bank eben die Profite und die Profitrate sind (Fehlanzeige in der Simulation).</p>
<p>Drittens alle wirklich wichtigen Daten für Aktienkurse, Profite und Profitrate den &#8220;Simulatoren&#8221; natürlich verborgen sind. Denn unsere &#8220;soziale Marktwirtschaft&#8221; beruht nun mal auf Konkurrenz autonomer Einheiten. &#8220;Transparenz&#8221; wäre zwar für den Normalismus gut, ist aber Gift für den Kapitalismus. Transparenz hieße ja, dass alle Konkurrenten alle &#8216;heißen&#8217; Daten aller Konkurrenten kennen würden, und das wäre ja das Ende der Konkurrenz, wäre &#8220;Sozialismus&#8221;!</p>
<p>Warum also der &#8220;Stresstest&#8221;? Es wird gar nicht verheimlicht: Um das &#8220;Vertrauen&#8221; in die Gesamtheit der Banken so sehr zu erhöhen, dass die Aktienkurse das Niveau von 2007 wieder erreichen, als der Dow bei 14000 stand, während er jetzt um 10000 dümpelt. Sollte dieses Dümpeln anhalten, so würden die Bankenprofite erneut in den Keller gehen, weil sie eben dominant aus steigenden Aktienkursen kommen. Die Kurse müssen also irgendwie wieder zum &#8220;Klettern&#8221; gebracht werden &#8211; es muss wieder &#8220;All Times Highs&#8221; geben, koste es was es wolle.</p>
<p>Deshalb erleben wir augenblicklich eine PR-Großaktion auf allen Kanälen, deren &#8220;Evangelium&#8221; (&#8220;Good News&#8221;) lautet: Die Krise ist abgehakt hurrah! Die Krise ist abgehakt hurrah! usw. Und dazu war der Stresstest ein toller PR-Gag! Jetzt müssten die Aktien also endlich eine Super-Rally &#8220;aufs Parkett legen&#8221;. Und zwar eine &#8220;nachhaltige&#8221;, die auch den immer riskanten Herbst überlebt.  Schaun wir mal.</p>
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		<title>Guttenberg bestätigt den Afghanistanappell: Also jetzt weiter unterzeichnen!</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Apr 2010 10:17:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Drones'n'Drugs]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivsymbolik]]></category>

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		<description><![CDATA[Nun kann niemand mehr daran zweifeln, worin die &#8220;neue Strategie&#8221; der Bundeswehr in A* besteht: im Eskalationskurs. Baron Guttenberg, der zuständige Minister und heimliche Super-Außenminister, verkündet gemeinsam mit dem neuen Generalissimus Wieker an der Front in Kundus die Aufrüstung mit schwerer Artillerie (Panzerhaubitzen 2000), weiteren Gefechtspanzern (Marder), Hubschraubern u.a.
Wenn man den Kontext verstehen will, muss man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun kann niemand mehr daran zweifeln, worin die &#8220;neue Strategie&#8221; der Bundeswehr in A* besteht: im Eskalationskurs. Baron Guttenberg, der zuständige Minister und heimliche Super-Außenminister, verkündet gemeinsam mit dem neuen Generalissimus Wieker an der Front in Kundus die Aufrüstung mit schwerer Artillerie (Panzerhaubitzen 2000), weiteren Gefechtspanzern (Marder), Hubschraubern u.a.</p>
<p>Wenn man den Kontext verstehen will, muss man (so unglaublich das klingt) das als Sensation präsentierte Buch &#8220;Unter Beschuss. Warum Deutschland in Afghanistan scheitert&#8221; des jungen Bundeswehr-Politologen Marc Lindemann lesen, in dem dieses Eskalationsprogramm zuvor in allen Einzelheiten (genau die gleichen Waffensysteme) vorgeschlagen worden war. Lindemann war zwar nicht ein bloßer Journalist, sondern über längere Zeit bei der militärischen Aufklärung (Geheimdienste) in Afghanistan eingesetzt, aber trotzdem: Wedelt hier etwa der Schwanz mit dem Hund?</p>
<p>Wohl kaum: Eher ist anzunehmen, dass Lindemann für &#8220;Entscheider&#8221; sprach, die ihr Programm im Vorfeld lancieren wollten. Dafür spricht auch die offene, geradezu höhnische Polemik Lindemanns gegen Guttenbergs und Wiekers Vorgänger Jung und Schneiderhan. Obwohl es sicher interessant wäre, über die Auseinandersetzungen in der Generalität auch interpernal-interaktionistische Informationen zu haben, lässt sich darüber natürlich nur spekulieren.</p>
<p>Wichtig ist das Programm, das bei Lindemann im Klartext nachzulesen ist. Sein Untertitel soll natürlich gelesen werden: Deutschland darf auf keinen Fall in A* scheitern. Es muss bei den Siegern dieses Krieges sein. Warum? Weil sonst die Terroristen auch Deutschland bedrohen. Da zeigt sich eine Art Erklärungsnotstand dieses durchaus nicht dummen Autors. Warum? Weil er den eigentlichen Grund, der im Appell &#8220;Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan&#8221; genannt wird, nicht offen proklamieren kann: Weil Deutschland seine Rolle als eine der führenden Weltmächte, als ein Mitglied der inoffiziellen &#8220;Welt-Junta&#8221; unbedingt behaupten und ausbauen muss.</p>
<p>Was so nicht offen gesagt werden kann, wird kollektivsymbolisch aber völlig unmissverständlich eingestanden: Mittels des Fußball-Ligen-Symbols. Fast ununterbrochen beklagt Lindemann, dass die Bundeswehr, wenn sie so weiter macht, auf &#8220;Kreisliganiveau&#8221; bleiben und nie auf das Niveau der &#8220;1. Liga&#8221; aufsteigen könne. Diese Trainer-Understatements, um die Jungs zum äußersten anzuspornen, kennen wir schließlich.</p>
<p>Dazu passt auch das ständig propagierte Vorbild USA: Natürlich sind &#8220;wir&#8221; keine Supermacht und nicht Number One &#8211; aber ein bisschen sollten &#8220;wir&#8221; uns schon zusammenreißen. Wenn nun die USA die Großoffensive in der deutschen Zone eröffnen, können &#8220;wir&#8221; doch nicht in &#8220;unserer eigenen Zone&#8221; in den Basislagern bleiben und zukucken! Wie sieht das denn aus? Also voll eskalationsfähig werden! Ohne Rücksicht auf das Geld, das das kostet (Geld wird nie quantifiziert, bloß immer noch viel mehr als absolut notwendig gefordert).</p>
<p>Und damit wir uns auf der Zunge zergehen lassen können, was es heißt, wenn Guttenberg dieses Programm wirklich in allen konkreten Forderungen jetzt nachzubuchstabieren scheint, noch etwas O-Ton Lindemann:</p>
<p>&#8220;Die Panzerhaubitze 2000 wäre ein guter Anfang. Sie würde dafür sorgen, dass sich jeder Angreifer in einem Umkreis von 40 Kilometern reiflich überlegen muss, ob er wirklich bereit ist, ins Paradies einzutreten. Seine Chancen darauf würden sich nämlich beim Abfeuern einer BM-1 potenzieren. Um die Risiken von Kollateralschäden zu minimieren, könnte die Truppe vor Ort auch ganz offen mit der Gefahr für die Bevölkerung umgehen. Es könnten Laufzettel mit Warnhinweisen verteilt werden, die vom Aufenthalt in den bekannten Raketenabschussräumen zu gewissen Uhrzeiten abraten. Sogar Karten wären denkbar, in denen die gefährdeten Bereiche rot markiert werden. Natürlich [!!] lässt sich die grundsätzliche Gefahr, auch Unschuldige zu treffen, niemals ausschließen. Doch letztlich hängt auch das Wohl der afghanischen Bevölkerung davon ab, ob es uns gelingt, die Aufständischen zur Aufgabe zu bringen.&#8221; (Seite 118)</p>
<p>Jetzt sind wir gespannt, ob demnächst auch tatsächlich solche Handzettel (für Analfabeten!) in der deutschen Zone verteilt werden. Soviel ist klar: Indem Guttenberg-Wieker Lindemanns Vorschläge angenommen haben, ist der Afghanistanappell definitiv bestätigt: Ja, die Bundeswehr führt einen Anti-Guerillakrieg mit Eskalationsstrategie. Ja, sie führt ihn primär, um ihre &#8220;Erstligafähigkeit&#8221; zu beweisen.</p>
<p><a title="Afghanistanappell" href="http://www.afghanistanappell.de/" target="_blank"><strong><span style="color: #ff0000;">Der Appell kann hier weiter unterzeichnet werden.</span></strong></a></p>
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		<title>Wenn die Nato-Raketen das &#8220;Herz der Finsternis&#8221; penetrieren</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Feb 2010 16:31:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskursanalytische Wortmeldung (DAW)]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivsymbolik]]></category>
		<category><![CDATA[Vorerinnerung (Roman)]]></category>

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		<description><![CDATA[Den Generälen der Nato-Großoffensive in Afghanistan schlägt ihr Herz so hoch, dass sie klassische Literatur zitieren: &#34;Wir stoßen vor ins Herz der Finsternis&#34;, sagte der britische General Matt Bazely. Ob er allerdings seinen Joseph Conrad wirklich gelesen hat, bei dem dieses Kollektivsymbol afrikanischer Barbarei ziemlich ambivalent ist, ist zu bezweifeln. Er meinte es wohl so: Wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Den Generälen der Nato-Großoffensive in Afghanistan schlägt ihr Herz so hoch, dass sie klassische Literatur zitieren: <a title="heart" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,677679,00.html" title="heart">&quot;Wir stoßen vor ins Herz der Finsternis&quot;,</a> sagte der britische General Matt Bazely. Ob er allerdings seinen Joseph Conrad wirklich gelesen hat, bei dem dieses Kollektivsymbol afrikanischer Barbarei ziemlich ambivalent ist, ist zu bezweifeln. Er meinte es wohl so: Wir bringen die Zivilisation ins schwarze Herz der asiatischen Barbarei.</p>
<p>Womit? Zum Beispiel mit Raketen, deren Penetrationsfähigkeit auf moderne Weise ebenfalls klassisch ist. Nur dass sie manchmal gleich am Anfang &quot;fehlgeleitet&quot; werden und dann 12 &quot;Unschuldige&quot; töten, wo sich Mc Chrystal gleich am Anfang &quot;entschuldigen&quot; muss. Was oder wer kann Raketen &quot;fehlleiten&quot;? Entweder schlechte Technik &#8211; oder irrtümlich oder absichtlich falsche Zielvorgabe des anonymen afghanischen Informanten. Die Nato sagt öffentlich: Es war die Technik. <a title="himars" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,677847,00.html" title="himars">Das System &quot;HIMARS&quot; </a>hat die Raketen &quot;mehrere 100 Meter&quot; fehlgeleitet und wird jetzt überprüft. Da gibt es schon wieder zwei Möglichkeiten: Entweder es stimmt, und dann ist der Einsatz eines solchen Systems unglaublich und völlig unvereinbar mit den Versicherungen über die Metergenauigkeit &quot;chirurgischer Schläge&quot; &#8211; oder es ist eine Deckbehauptung wegen Alternative eins.</p>
<p>Klar ist nur eins: Der &quot;Vorfall&quot;, wie das &#8211; auch in unseren Medien! &#8211; genannt wird, war eine &quot;gezielte Tötung&quot; (targeted killing), worin der eigentliche Kern der Nato-Penetrations-Strategie ins Herz der Finsternis besteht. Anonyme Signalisierung eines Informanten der zivilisierten Geheimdienste, und dann Luftschlag (Rakete, Drohne, <a title="zivil" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,678075,00.html" title="zivil">Jet-Bombe [wie bei den nächsten zivilen Opfern]</a>, Hubschrauber-Schlag). Das läuft auf der Basis sogenannter &quot;c-k-Listen&quot; (&quot;capture or kill&quot;), die u.a. auch vom BND erstellt werden. &quot;Capture&quot; ist dabei bloße Floskel: Aus der Luft lässt sich nicht verhaften. Außerdem weiß die Nato nicht, wen sie verhaftet hätte: Einen Kombattanten? Dann müsste er in ein öffentlich zugängliches Gefangenenlager und hätte viele Rechte &#8211; einen (mutmaßlichen) Verbrecher? Dann hätte er Recht auf einen Anwalt, müsste verklagt werden, einen Prozess bekommen usw. Leichen haben all das &quot;verwirkt&quot;.</p>
<p>[Zusatz nach zwei Tagen: Die Prüfung des Raketensystems hat ergeben: <a title="okay" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,678341,00.html" title="okay">Technik völlig okay </a>- das eingestellte Ziel wurde exakt getroffen. Es war korrekt, weil unter den Opfern vermutlich auch ein oder zwei Taliban waren. Also doch Sache eines anonymen Informanten. MacChrystal kann sich ent-entschuldigen. Alles korrekt! Heißt konkret: Wenn nur 5 oder 6mal soviele zugegebenermaßen Unschuldige als mutmaßliche Taliban gezielt getötet werden, darunter die Hälfte Kinder, ist das ein &quot;angemessenes&quot; CDE = Collateral Damage Estimate. <a title="weiter" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,678373,00.html" title="weiter">Und es geht täglich weiter</a>. Das ist der wahrlich harte Kern der ISAF-Strategie.]</p>
<p>&quot;Heart of Darkness&quot; lesen ist nicht schlecht: Es macht bestimmt sehr nachdenklich. Weniger klassisch, aber aktueller ist der Roman &quot;Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee&quot; (assoverlag Oberhausen), wo ein Anti-Guerillakrieg der Bundeswehr simuliert war, bevor er nun stattfindet. Es ist dort aktualhistorisch rekonstruiert, wie es zu einer solchen &quot;unerhörten Begebenheit&quot; (Goethe) kommen konnte.</p>
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		<title>Ein Witz?</title>
		<link>http://bangemachen.com/2009/ein-witz/</link>
		<comments>http://bangemachen.com/2009/ein-witz/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 19 May 2009 16:13:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskursanalytische Wortmeldung (DAW)]]></category>
		<category><![CDATA[Interdiskurs]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivsymbolik]]></category>

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		<description><![CDATA[Staatsanwaltschaft
 
Anklageschrift
 
Die WAZ wird angeklagt, am 25.6. 1998 im gesamten Verbreitungsgebiet der WAZ öffentlich zu rechtswidrigen Taten, nämlich zur Begehung gefährlicher Körperverletzungen bis hin zu Mord sowie zu Verstößen gegen das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufgerufen zu haben.
 
Der Angeschuldigten wird Folgendes zur Last gelegt:
 
Die Angeschuldigte ist Betreiberin der größten regionalen Tageszeitung der Bundesrepublik Deutschland.
 
Im Vorfeld der Bundestagswahl [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong>Staatsanwaltschaft</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong> </strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong>Anklageschrift</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Die WAZ wird angeklagt, am 25.6. 1998 im gesamten Verbreitungsgebiet der WAZ öffentlich zu rechtswidrigen Taten, nämlich zur Begehung gefährlicher Körperverletzungen bis hin zu Mord sowie zu Verstößen gegen das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufgerufen zu haben.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Der Angeschuldigten wird Folgendes zur Last gelegt:</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Die Angeschuldigte ist Betreiberin der größten regionalen Tageszeitung der Bundesrepublik Deutschland.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Im Vorfeld der Bundestagswahl 1998 veröffentlichte sie am 25.6.1998 unter dem Titel „&#8230;noch jemand aus dem Weg“ eine grafische Darstellung, in der der Wettbewerb zwischen Wolfgang Schäuble und Volker Rühe um die Kanzlerkandidatur der CDU mit der grafischen Darstellung eines Panzerangriffs von Rühe auf den Behinderten Schäuble dargestellt wurde.</p>
<p>In einer sogenannten Gedankenblase Rühes wurde derselbe auf dem Kanzlerstuhl dargestellt. Panzerangriff, Gedankenblase und die Unterschrift „&#8230; noch jemand aus dem Weg“ bilden den wesentlichen Zusammenhang der grafischen Darstellung.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"><span style="font-size: 13pt; font-family: Arial; mso-bidi-font-size: 12.0pt;"><a href="http://bangemachen.com/wp-content/uploads/2009/05/waz_panzer.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-160" title="waz_panzer" src="http://bangemachen.com/wp-content/uploads/2009/05/waz_panzer.jpg" alt="waz_panzer" width="530" height="449" /></a></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: justify;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: justify;">
Diese Form der Darstellung im Zusammenhang mit dem vorgenannten Titel beinhaltet den Aufruf, die demokratische Chance des behinderten Wolfgang Schäuble auf Kanzlerkandidatur und Kanzlerschaft durch die Vornahme der Androhung von extremen Gewalttätigkeiten (Panzerangriff auf Rollstuhl) zu verhindern oder sonst ihre Durchführung zu vereiteln, und stellt sich gleichzeitig als Aufruf an Rühe und seine Unterstützerinnen und Unterstützer dar, im Wahlkampf schwere Panzer, die ihrer Art nach zur Verletzung und Tötung von Personen und/oder zur Beschädigung von Sachen geeignet und bestimmt sind, ohne behördliche Ermächtigung mit sich zu führen und diese zur Begehung von Vergehen der gefährlichen Körperverletzung oder gar der Tötung von Personen, darunter eines Behinderten, einzusetzen. Der Titel „&#8230; noch jemand aus dem Weg“ spielt auf die volkstümliche Redewendung „jemanden aus dem Weg räumen“ an und stellt damit zweifelsfrei sogar einen Aufruf zum Mord dar. W. Staatsanwältin</p>
<p>Ein Witz? Ja, aber ein ernstgemeinter von Staatsanwältin W.: man setze nur statt der „grafischen Darstellung“ aus der WAZ einen <a href="http://www.bo-alternativ.de/2008/10/21/dem-nazi-aufmarsch-entgegen-treten/" target="_blank">Comic mit Torte und Lunte </a>aus dem Internet-Forum bo-alternativ und statt der WAZ Martin Budich ein, und alles ist kein Witz mehr, obwohl der größte Witz des beginnenden Jahrhunderts. Staatsanwältin W. weiß nicht, dass Karikaturen Konflikte symbolisch darstellen und dazu groteske Übertreibungen als ihr wesentliches Mittel einsetzen müssen. „Panzer“ bedeutet symbolisch „große Entschlossenheit“  (und nicht: realer Panzereinsatz !!!) – Torte mit Lunte bedeutet symbolisch „Entschlossenheit mit Spaß“ (erheblich kleinere als Panzer!!!), und nicht realen Terrorismus!</p>
<p>Man muss schon nicht bloß völlig humorlos, sondern außerdem diskursanalytisch eine Null sein, um derart danebenhauen (keine Unterstellung, Statsanwältin W. habe wirklich zugeschlagen!!) zu können.</p>
<p>Aber vielleicht muss folgendes zur Erklärung dieses Danebenhauens hinzugefügt werden: Vermutlich ist sie so sozialisiert worden, dass sie das Axiom „linksextrem = rechtsextrem“ für die eigentliche Grundlage sowohl des GG wie des StGB hält; und dass sie also meint, „Linksextreme“ müssten immer und egal in welchem Zusamnenhang genauso schlimm sein wie „Rechtsextreme“ (oder noch ein bisschen schlimmer). Rein mathematisch folgt aus ihrem Axiom aber, da „extrem“ = „extrem“, die Gleichung „links = rechts“ – und dann hätten wir gar keine Wahl mehr! Und die Parole „Mehr Demokratie wagen“ wäre wohl „linksextrem“, oder?</p>
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		</item>
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		<title>„Bodenbildung“ — eine Metapher aus dem Kollektivsymbol des Gebäudes — und was dahinter steckt.</title>
		<link>http://bangemachen.com/2009/willkommen/</link>
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		<pubDate>Sat, 11 Apr 2009 17:26:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.link</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kollektivsymbolik]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Normalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit Ende Februar 2009 zieht sich der Interdiskurs unserer westlichen Massenmedien buchstäblich hoch an der Metapher der „Bodenbildung“ („bottom building“). Die „Experten“ der Regierungen und die „Analysten“ der Banken , von denen keiner die Megakrise von 2008ff. prognostiziert hat, deren Diskurs-Blasen also genauso geplatzt sind wie die Derivate der Banker, sagen nun voraus, dass der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_64" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/hiroshiken/2609304701/"><img class="size-medium wp-image-64" title="Bodenbildung" src="http://bangemachen.com/wp-content/uploads/2009/04/business-building-300x225.jpg" alt="Foto: hiroshiken" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: hiroshiken</p></div>
<p>Seit Ende Februar 2009 zieht sich der Interdiskurs unserer westlichen Massenmedien buchstäblich hoch an der Metapher der „Bodenbildung“ („bottom building“). Die „Experten“ der Regierungen und die „Analysten“ der Banken , von denen keiner die <a title="Krise" href="http://bangemachen.com/?cat=5">Megakrise von 2008ff.</a> prognostiziert hat, deren Diskurs-Blasen also genauso geplatzt sind wie die Derivate der Banker, sagen nun voraus, dass der Dow nicht mehr unter 7000 und der Dax nicht mehr unter 4000 sinken wird. Man kann sich das gut vorstellen: Die <a title="denormalisierung! (kultuRRevolution 55/56)" href="http://www.konkretion.de/krr_152/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=85&amp;Itemid=34">Türme der Banken sind symbolisch eingestürzt</a>, sogar wie das Kölner Archiv bis tief in den Boden hinein (von 14000 Dow und von 8000 Dax) – irgendwo muss aber ja der Fels erreicht werden, auf dem dann solide neue Türme gebaut werden können. Und genau das empfehlen die Experten den Anlegern jetzt mittels ihrer Prognosen: Der Boden ist gebildet! Steigt wieder alle in Aktien ein!</p>
<p>Worauf beruht diese angeblich „wissenschaftliche“ Prognostik (mit all ihren sogenannt „technischen“ Finessen als da sind „mehrfaches Testen des Bodens“, durchschnittliche Wachstumsraten der Kurse in 3 Monaten, 200 Tagen usw.)? Imgrunde bloß auf einem banalen Kollektivsymbol: Wenn ein Gebäude einstürzt, muss irgendwo darunter ein fester Boden sein. Was aber ist der eigentliche Sinn dieses Symbols? Er bleibt unausgesprochen wie oft bei Kollektivsymbolen – er bleibt im toten Winkel der Reflexion und lautet im Klartext: Seit Ende Februar 2009 funktionieren die Börsen, nachdem sie letztes Jahr plötzlich „verrückt gespielt“ hatten (also ein Fall für den Psychiater, weil „anormal“ geworden waren), Adam Smith sei dank wieder „normal“. </p>
<p>Damit sind wir bei einem ganz wichtigen kulturellen Kern der Krise, der aber vom hegemonialen (herrschenden) Diskurs im Vagen gelassen wird: Der Kapitalismus ist nicht nur ökonomisch, er kann allein ökonomisch nicht existieren, er braucht eine kulturelle Versicherung – und eine der wichtigsten kulturellen Versicherungen ist die Produktion und Reproduktion von Normalitäten, also der Normalismus.</p>
<p>Die Experten sagen also mit ihrer „Bodenbildung“: Die Unterbrechung der Normalität an den Börsen ist zuende, ab jetzt geht es wieder aufwärts in normaler, d.h. „endlos wachsender Schlange“: Aufschwung, „Konsolidierung“, d.h. kleiner Abschwung, aber nicht unter die letzte „Talsohle“, wieder Aufschwung usw. Darin steckt eine weitere Prognose: Die Krise war (sie sehen sie schon als abgehakt) letztlich eine „normale“ Krise, die nicht länger als höchstens 2 Jahre dauert, dann kommt der nächste „normale“ Zyklus. Also: Es wird keine Depression, d.h. keine ernsthafte Denormalisierung (Verlust von Normalität) geben. </p>
<p>Woher nehmen sie ihre Sicherheit? Hier ist der springende Punkt, ein perfekter Zirkel: Die Normalität wird zurückkehren, weil alles andere nicht normal wäre! Symbolisch: Unter jedem Zusammenbruch ist irgendwo unten fester Boden. (Als ob die Fluktuation von Werten, Profiten und Profitraten einem Gebäude analog wäre!) Es gibt also einen kollektiven „Willen zur Normalität“, der an die Wurzeln moderner westlicher Kulturen reicht. Die Normalismus-Forschung analysiert diese Zusammenhänge – und sie kann deshalb zu einer ernsthaft alternativen Prognostik beitragen, auf die alle angewiesen sind, die sich nicht mit Kollektikvsymbolen abspeisen lassen wollen.</p>
<p>Mehr dazu in: <a title="Artikel als PDF lesen" href="http://bangemachen.com/wp-content/uploads/2009/04/bankentuerme.pdf">»Ein 11. September der Finanzmärkte.« Die Kollektivsymbolik der Krise zwischen Apokalypse, Normalisierung und Grenzen der Sagbarkeit (PDF)</a>.</span></p>
<p><span> Aus: <a title="kultuRRevolution" href="http://www.konkretion.de/krr_152/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=85&amp;Itemid=34">kultuRRevolution 55/56, Februar 2009</a>.</span></p>
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