Archive for the ‘Diskursanalytische Wortmeldung (DAW)’ Category

„Selbsternannter Separatistenchef nimmt deutsche Geiseln“, oder: Wie und wozu man mit selbsternannten Militärbeobachtern ein „exponiertes Glied“ schafft. Wieweit wird die selbsternannte Weltjunta G7 jetzt eskalieren?

Montag, April 28th, 2014

Erinnerung an „selbsternannt“: Es handelt sich um eine schwere diskursive Waffe der Schreibtischtäter – die Bombardierung Serbiens begann mit der 100fach wiederholten Floskel vom „selbsternannten Parlament der bosnischen Serben.“ Unglaublich die Einäugigkeit der Schreibtischtäter, die ihren Feinden Einäugigkeit vorwerfen: Wenn es in dieser globalisierten Welt eine mächtige selbsternannte Instanz gibt, dann ist es die weltbeherrschende Weltjunta G7. Nie gab es für die G7 die geringste demokratische Legitimation. Sie wurde vielmehr 1975 auf Initiative von Helmut Schmidt und Giscard d’Estaing zunächst als wirtschaftliches Welt-Direktorium geschaffen (Musterbeispiel von „selbsternannt“), und maßte sich dann mit der Zeit alle Entscheidungskompetenzen, besonders auch die militärischen, an. Die UNO wurde zu ihrem bloßen Transmissionsriemen.(Russland saß mit Jelzin immer bloß am „Katzentisch“, von dem es jetzt kurz und bündig wieder rausgekickt wurde.)

Und nun SCHLAGEN uns die SCHLAGzeilen der diversen SCHLAGzeitungen weitere schwere diskursive Waffen um die Ohren: GEISELNAHME „DEUTSCHER OSZE-BEOBACHTER!!!“ Mal halblang: Es waren keine OSZE-Beobachter, sondern eingestandenermaßen „Beobachter“, die „auf der Basis einer bilateralen Einladung“ aus Kiew zusammen mit Kiewer Soldaten (Spezialkräften? Dienstekader?) „beobachten“ sollten, wie die „separatistischen“ und die ukrainischen Truppenpositionen und deren Kampffähigkeit einzuschätzen sei. Das können natürlich nur völlig einäugige und selbsternannte Separatisten für Spionage halten. Wie panische Ameisen versuchen nun Merkels, Steinmeiers und Von der Leyens Profis dieser abenteuerlichen und eskalierenden, total „selbsternannten“ Aktion nachträglich ein dürftiges OSZE-Mäntelchen umzuhängen.

Verrückter Albtraum: Hohe Bundeswehroffiziere (ein Oberst!) übernehmen an der russischen Grenze, fast in Sichtweite von Stalingrad, in Städten, deren Juden und Kommunisten 1941 im Rücken der Wehrmacht von SS und ukrainischen „Freiwilligen“ massenweise abgeknallt und in riesige Gruben geschmissen wurden (man lese Littell), einen kriegsvorbereitenden Auftrag – dagegen verblasst ja selbst das Tanklastermassaker des Obersten Klein in Afghanistan.

Und so haben wir jetzt DEUTSCHE GEISELN. In der Zeitschrift kultuRRevolution (Klartext Verlag Essen: siehe zeitschrift-kulturrevolution.de) wurde ein diskursives Schema entwickelt, nach dem Kriege angezettelt werden können. Dazu gehört die klare Zweiteilung zwischen „unserem System“ (dem „demokratischen Westen“) und dem feindlichen System („Russland“ und alle „Prorussen“). Ein „exponiertes Glied“ ist nun eine Enklave des eigenen Systems außerhalb seiner Grenzen, typischerweise eine GEISELNAHME außerhalb des eigenen Systems. An seinem exponierten Glied leidet symbolisch das ganze eigene System, so dass das Glied da draußen mit allen Mitteln, notfalls militärisch, „herausgehauen“ werden muss. Die Schaffung eines exponierten Gliedes gehört also zu den riskantesten Eskalationsschritten im Vorfeld eines Krieges, die sich überhaupt denken lassen.

Albtraum-Szenario: Hat die Kiewer Regierung (in der Swoboda sitzt, und die zweifelsfrei „russisches Roulett“ spielen möchte) die Bundeswehroffiziere genau deshalb „eingeladen“, um sie zu GEISELN zu machen, damit die Bundeswehr „gezwungen“ wird zu … (nicht auszudenken). Albtraum-Szenario hoch 2: Haben die Bundeswehroffiziere das geahnt und „mitgespielt“?

QUOUSQUE TANDEM? (siehe dazu das vorige Post) Es braucht einen hippokratischen Eid der Medienleute, keine hoch explosiven diskursiven Waffen zu verwenden.

Albtraum? „Russland will 3. Weltkrieg anzetteln“ – Was suchen die Stabsärztebrüder in Slavjansk oder: Wohin führt die „gewachsene deutsche Verantwortung“? Quousque tandem: Schreibtischtäter wie 1914

Samstag, April 26th, 2014

„Russland will 3. Weltkrieg anzetteln“: Das ist kein Albtraum, sondern die realexistierende Schlagzeile der Fatz an diesem 26. April 2014 (nicht: 1914). In Gänsefüßchen, aber bloß in der Unterzeile als Zitat von Jasenjuk ausgewiesen. Und Jasenjuk ist immerhin der aktuell wichtigste offizielle Adressat der „gewachsenen deutschen Verantwortung“. Schlagzeile am gleichen Tag (Watz): „Ukraine: Rebellen setzen deutsche Beobachter fest“. Aber BILD setzt weiter auf Normalität: Schlagzeile was mit Trennung von Heino (oder Heintje was weiß ich), bloß unten das mit den „Deutschen“, die hier in der Hand von „Putin-Rebellen“ (immerhin: nicht „Terroristen“) sind. Man kann daraus schließen, dass BILD eher auf Deeskalation, und die Fatz eher auf Eskalation setzt. Also alles normal und zurück zu Heino-Heintje-Heinckes?

Das mindeste, was man denken und auch sagen muss, ist aber: Diese Eskalation darf nicht der mediopolitischen Klasse überlassen werden – denn das sind ja mehrheitlich kleine oder große „Verantwortungs-Träger“. Hier muss ich wieder an meinen Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“ (assoverlag Oberhausen, 29 Euro 90) erinnern. Darin sind Eskalationen des deutschen „V-Trägers“ („Verantwortungs-Trägers“) und seiner „Wehr“ voraus-simuliert, und es wird spannend, satirisch und poetisch erzählt, wohin uns der V-Träger führen wird, wenn ihm die „Verantwortung“ für Eskalationen überlassen wird. Und da spielen auch die „Stabsärztebrüder“ mit: drei Brüder, die alle in der Bundeswehr engagiert sind. Sie werden übrigens nicht an die russische Grenze simuliert – das war den Ursprünglichen Chaoten, die die Geschichten erzählen, einfach nicht vorstellbar. (Also: Auch mir persönlich war das nicht vorstellbar.)

Aber jetzt ist es „Fakt“: Unter welchem OSZE-Mantel auch immer diese realexistierenden Stabsärztebrüder in Slavjansk „Verantwortung übernommen“ haben – weiß denn niemand, was die Wehrmacht in diesen Städten angerichtet hat? Ist es denn überhaupt zu fassen, dass deutsche Soldaten (in welchem Mantel auch immer) in diesen Städten wieder militärische „Verantwortung übernehmen“?

„Wir können sowieso nix machen – die Politiker machen doch sowieso, was sie wollen“??!! Wir können uns immerhin zum Beispiel die Redakteure (oder -innen) der Fatz bei der Arbeit vorstellen – wie sie über die Schlagzeile der FrontPage (nomen est omen) entscheiden. Dass Jasenjuk das gesagt hat, ist ein Fakt – aber ist es ein „nackter Fakt“? Muss man nicht unbedingt hinzufügen, dass sich in einem solchen Spruch doch klar der Wunsch des Sprechers ausdrückt, es möge einen 3. Weltkrieg geben, damit NATO und Bundeswehr zum „Kriegseintritt gezwungen“ werden? Muss man nicht medial fordern, sofort jede Art von „Mechanismus“ abzustellen, die Leuten wie Jasenjuk diese Hoffnung gibt? Muss die mediale Klasse nicht laut und deutlich sagen: Wie immer Putin sich einem Diktator nähert, Deutschland wird niemals – unter keiner denkbaren Begründung und „Verantwortung“, „gezwungen“ von keinem „Mechanismus“ – in einen Krieg gegen Russland „eintreten“? Stattdessen werden einfache Leute, bei denen noch nicht sämtliche Tassen im Schrank kaputt sind, mit dem 1914-typischen Hetzwort „Putin-Versteher“ belegt.

Ohne mediale Schreibtischtäter wäre der 1. Weltkrieg weder mit solcher „Begeisterung“ „ausgebrochen“ noch hätte er so lange dauern und so viele Millionen Tote kosten können. Ein Aufstand der Zivilgesellschaft gegen die neuen Schreibtischtäter ist etwas Denkbares. Ich habe ein lateinisches Zitat eingesetzt (Quousque tandem: lustig! das Programm will tandem unbedingt groß schreiben!) – Bildungsschrott, der aber vielleicht im Netz Neugier erweckt: So begann Cicero seine berühmteste Rede, und es heißt: „Wie lange eigentlich noch?“ Ja, wie lange eigentlich noch soll das weitergehen mit der „gewachsenen deutschen Verantwortung“?

Jetzt ist die Intelligenz und die Ironie von Karl Kraus wieder gefragt. Kraus musste 1914-1918 unter scharfer Zensur schreiben. Aber er erfand wunderbare Tricks: So meldete er, wenn in Wien lange Schlangen vor den Geschäften standen und viele Todesanzeigen die Zeitungen füllten, dass – in Paris, London und Sankt Petersburg riesige Schlangen vor den Läden ständen und die Zensur Todesanzeigen verbieten würde. WNLIA: Weder noch lieber irgendwie anders. Weder Putin noch Jasenjuk, sondern eine Garantie, dass ein Krieg gegen Russland in keinem denkbaren „Szenario“ in Frage kommt – jedenfalls nicht mit deutscher Beteiligung.

 

 

Nach 1 Woche: Ein Superskandal der griechischen Regierung in den deutschen Medien weiter totgeschwiegen

Sonntag, April 6th, 2014

Nun ist der „Baltakos-Skandal“ fast 1 Woche alt, in der alle griechischen Medien täglich davon sprachen (großenteils auch abwiegelnd, aber sie mussten davon sprechen). Auch international ein großes Thema (z.B. in BBC und Guardian). Und in Deutschland (außer taz und Focus) weiter laut dröhnendes Totschweigen.

Nochmal eine andere Analogie: Angenommen ein russischer Neonaziparteisprecher hätte ein Video veröffentlicht, das ihn in „kollegialem“ Gespräch mit Putins Generalsekretär zeigte (mit vielen „Fick ihn!“, „diese Wichser“ usw.) – was wäre in den deutsche Medien los? Da würde (steht zu befürchten) vermutlich die Bundeswehr schon mobilmachen.

Die Analogie ist nicht abwegig, denn: Während die griechischen Medien über Baltakos und Samaras voll waren, während Samaras nach 2 Tagen peinlichen Schweigens nichts anderes zu erklären wusste, als dass er schon immer der schärfste Gegner der Chrisí Avgí gewesen sei (griechische Neonazipartei, deren Goebbels Kasidiaris das Video mit seinem Kumpelgespräch mit dem Generalsekretär der Regierung Samaras, Baltakos, ins Netz gestellt hatte) – während Samaras nichts über den Inhalt des Videos und über seine angebliche Unwissenheit zu sagen wagte – während all dem tagten die EU-Außenminister, allen voran Steinmeier, in Athen. Gingen sie darauf ein, dass der Generalsekretär der gastgebenden Regierung gerade als Neonazi-Versteher entlarvt worden war? Mit keinem Wort – aber sie verurteilten Putin und unterstützten die Regierung in Kiew, in der bekanntlich ebenfalls Neonazis (Partei Swoboda) sitzen. (Zwischen Swoboda und Chrisí Avgí bestehen engste Kontakte: Swoboda stellte für die vor Weihnachten erschossenen zwei Chrisí-Avgí-Kader in Kiew „Märtyrermahnwachen“ auf, die von einer Delegation der Chrisí Avgí besucht wurden (Fotos im Internet, ebenso wie die mit dem Hitlergruß von Jazenjuk, mit dem Steinmeier jede Menge Verträge unterzeichnet hat).

Außerdem verurteilten die EU-Außenminister in Athen schärfstens die Twitter-Sperre in der Türkei.

Ein erster Grund für das Totschweigen in den deutschen Medien dürfte also die äußerst peinliche „Achse“ Athen-Kiew von teils regierungsnahen, teils bereits regierenden Neonazis sein.

Aber es gibt noch einen zweiten Grund: Nächsten Freitag, 11. April, fliegt Angela Merkel wieder nach Athen. Sie will dort Arm in Arm mit Samaras eine „Botschaft an die Welt“ richten: „Hurra die Krise ist vorbei! Griechenland hat eine Anleihe an den Märkten platziert! Das haben wir gemeinsam geschafft!“ Dass die Arbeitslosigkeit offiziell (!) weiter bei knapp 30% liegt und noch einige Monate steigen wird, bevor die „Talsohle“ erreicht wird (selbstverständlich wird in jeder Krise irgendwann die Talsohle erreicht – das Elend auf dieser Talsohle interessiert nicht nur nicht die Märkte – es freut sie ungemein, sinken dadurch doch die „Arbeitskosten“ noch weiter und steigt die „Wettbewerbsfähigkeit“ (die Profitrate) in glänzende Höhen).

Dieses Hurratheater also würde durch Baltakos laut krachend aus dem Sattel geworfen. Das muss vor dem „normalen deutschen Mediennutzer“ verborgen werden, da „zu komplex“ für ihn. Und da machen (fast) alle großen deutschen Medien mit! „Eine Zensur findet nicht statt“. Das steht ja für alle Fälle im Grundgesetz, wo es unsere „freien Medienleute“ nicht weiter stört. Sie sind Verantwortungs-Träger (nachzulesen im Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee“).

Selbstanzeige Schröder: „Wir (= Joschka und ich, Grüne und SPD) haben 1999 gegen das Völkerrecht Serbien bombardiert“.

Montag, März 10th, 2014

Was wäre wohl losgewesen, wenn der damalige Kanzler Schröder gemeinsam mit seinem Außenminister „Joschka“ 1999 im Bundestag als offizielle deutsche Regierungspolitik erklärt hätten: „Wir verstoßen jetzt mal gegen das Völkerrecht und schicken unsere Flugzeuge nach Serbien, dass die mal einen souveränen Staat bombardieren – ohne dass es einen Sicherheitsratsbeschluss gegeben hätte“? Heute, 15 Jahre danach, hat er die zynische Ehrlichkeit, das genauso und wörtlich zu erklären. Damals klang es anders, als Scharping im Bundestag rumschrie: „Schauen Sie diese Bilder an! Schauen Sie sie an!“ und die angetrunkene Angelika Beer für die Grünen vor laufender Kamera hysterisch rumtorkelnd mit sich überschlagender Fistelstimme schrie: „Wenn wir eine Bombenpause machen, ist der Völkermord in 24 Stunden vollendet!“ – und Joschka heiser was von Auschwitz brüllte.

Wir sollten uns demnach bereits jetzt auf eine Wiederholung dieses „gespaltenen Szenarios“ einstellen. Es werden vielleicht bereits jetzt wieder passende „Bilder“ vorfabriziert (eine ukrainische Ärztin berichtete über einen estnischen Politiker ja bereits davon, dass die Scharfschützen am Maidan von „unserer“ Seite eingesetzt worden sein könnten: Das hat der neue Generalstaatsanwalt der Ukraine, ein bekennender Neonazi, natürlich sofort dementiert. Er hat statt dessen festgestellt, dass diese Scharfschützen Russen waren, die von der Krim kamen: na klar.)

Was Schröder betrifft, so soll seine Ehrlichkeit nicht etwa als späte Reue verstanden werden, sondern (zur Verteidigung Putins) als Bekenntnis zur „normalen Souveränität“ der fünf Vetomächte und Deutschlands in Sachen Völkerrecht. Sie respektieren es, wenn es mit ihren Interessen übereinstimmt – und eben nicht, wenn nicht.

Ähnlich wie in Ägypten, Libyen und Syrien scheint auch in der Ukraine die volldemokratische, kulturrevolutionäre Platzbesetzungsbewegung von Paramilitärs und Militärs zweckentfremdet und dann abgewürgt zu werden. Und diese Paramilitärs, die nun das Militär befehligen, sind großenteils Nostalgiker der SS-Division „Galizien“. Wie in Ägypten scheint die Mehrheit der Maidan-Besetzer aus jungen Leuten zu bestehen, die unter dem Label „Europa“ in die 1. Normalitätsklasse springen möchten (das sagte eine junge Frau wörtlich: „Ich bin hier, weil ich ein normales Leben in einem normalen Land führen will – sonst wandere ich aus.“) Die Neonazipartei „Swoboda“ (jetzt zu einem Drittel in der Regierung) und der „Rechte Sektor“ drehen stattdessen – gemeinsam mit Putin, dem sie ständig „Steilvorlagen“ geben – an der Eskalationsschraube zu einem nationalistischen Ukrainisierungskrieg. (Übrigens ist es trotz allem Bekannten einfach wie eine Halluzination, dass „wir“ eine Regierung unterstützen, die in Athen eine Regierung Samaras-Chrisí Avgí und in Deutschland eine Regierung CSU-NPD wäre – wobei der CSU noch Unrecht getan wird. Und dass dieser einmalige Tabubruch seit 1945 mediopolitisch einfach „kein Thema ist“!)

Sind wir wieder soweit, dass nur noch die Hoffnung auf Kriegsangst der „Märkte“ bleibt?

(führerstaat D) München 2014: Wie übersetzt man „lead nation“? Was bedeutet ein Fußball-Symbol für Krieg?

Montag, Februar 3rd, 2014

Die drei Reden von Gauck, von der Leyen und Steinmeier auf der Münchner „Sicherheitskonferenz“ (früher: „Wehrkundetagung“) markieren (leider) vermutlich einen historischen Einschnitt in der deutschen Geschichte. Alle drei betonten, dass bisher eine „Kultur der Zurückhaltung“ bei militärischem „Engagement“ geherrscht habe, mit der nun Schluss gemacht werden müsse. Sie dürfe nicht als „Kultur des Heraushaltens“ missverstanden werden (Steinmeier). Und er kodierte das mit dem Kollektivsymbol des Fußballs: „Deutschland ist zu groß, um Weltpolitik nur von der Außenlinie zu kommentieren.“ Schon in Heft 1 der Zeitschrift „Kulturrevolution“ wurde begründet, warum nicht die Verwendung von Kriegs-Symbolen für Fußballspiele („aggressives Pressing“ usw.) ein bedenkliches Symptom ist, sondern die umgekehrte Verwendung von Fußball-Symbolen für Krieg (wie bei Steinmeier).

In früheren Posts wurde ja schon die Frage gestellt, warum von der Leyen, die als „Shen Te“ startete, derartig flott zur Demaskierung des bösen Vetters „Shui Ta“ überging. Gauck kann nun geradezu als die desmaskierte Einheit von Shen Te und Shui Ta betrachtet werden: Als Pastor hat er die passende Suada für den Schluss des brechtschen Dramas: Stimme der Götter. Er fordert für „das beste Deutschland, das wir kennen“ den „Weg zu einer Form der Verantwortung, die wir noch nicht eingeübt haben“. Mit bemerkenswerter Chuzpe zitiert er selbst den Klartext dieser neuen „Verantwortung“, nämlich „mehr zahlen“ und „mehr schießen“. Widerlegt er diese Annahmen? Keineswegs – er sagt bloß: „Es wird Sie nicht überraschen: Ich sehe das anders.“ Aber er dementiert weder Zahlen noch Schießen, sondern begründet die neue „Verantwortung“ (die er auch inhaltlich auf „Schutzverantwortung“, also Interventionsrecht, ausdehnen möchte) so wie Steinmeier mit Deutschlands „Größe“. (Halten wir fest: Deutschland hat gerade mal etwas mehr als 1 Prozent der Weltbevölkerung! Klarer kann man nicht sagen, was für eine „Größe“ gemeint ist: Einzig und allein die Größe des Kapitals. So wimmelt es in den Reden auch davon, wie sehr Deutschland von einer „stabilen“ Weltordnung „profitiere“: Sehr zutreffend.)

Wenn der 13jährige Krieg in Afghanistan „Kommentieren von der Außenlinie“ gewesen sein soll, dann ist klar, was es bedeuten wird, wenn die Bundeswehr künftig als „Profispieler aufs Feld“ („Feld“!) stürmen wird.

Die demaskierte Turbosoldatenmutti spricht fließend Englisch und Französisch – sie redete also Englisch und definierte Deutschland als „Frame work Nation“ und als „Lead Nation“. Das erste heißt in der offiziellen deutschen Version „Rahmennation“ und das zweite „Leitnation“. Das erste wird als ein genuin deutsches Konzept erläutert: Es schlägt vor, innerhalb der NATO oder auch darüber hinaus je konkrete internationale „Gruppen“ zu bilden (z.B. für die kommende Afghanistan-Mission „Resolute Support“) – und jede dieser Gruppen wird geführt von einer „Rahmennation“ – und dazu ist Deutschland bereit. Also ein ähnliches Konzept wie „lead nation“, das allerdings noch weiter geht. Es wäre mit „Führungsnation“ zu übersetzen und hat übrigens ebenfalls eine sportliche Konnotation: „Spitzenreiternation“. Jedenfalls ist „Leitnation“ eindeutig der Versuch, dem brisanten Signifikanten „Führer“ auszuweichen!

All dies ist im Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee“ (assoverlag Oberhausen) vor-erinnert: „Verantwortung“ (eine Hauptfigur ist der „V-Trager“, d.h. „Verantwortungs-Träger“, zu dessen pfäffischer Stimme sich Gauck gemacht hat), „dritter deutscher Versuch“, „Stabilisierung“, „Afrika-Mission“ der Bundeswehr usw. Die sowohl satirische wie poetische Vorweg-Simulation dieses „Versuchs“ ist der aktuellen Neubestimmung der „deutschen Außen- und Sicherheitspolitik“ auf den Leib geschrieben. Die Lektüre dieses  Polit-Fiction-Romans bietet Energie gegen das Überrollt-Werden, gegen blitzartige Putschversuche wie in München (wo Gauck eindeutig seine Kompetenz als symbolisch-moralische Instanz weit überschritt und sich quasi Entscheidungsmacht wie die Weimarer Präsidenten anmaßte).

GAUCKeLEYEN nein danke.

Tagesmütter an die Front? Wie eine „Einsatzarmee“ ihre „Arbeit“ mit der Familie vereinbaren will.

Montag, Januar 13th, 2014

Die Bundeswehr steckt in ihrer schwersten Krise seit ihrer Umfunktionierung zur „Einsatzarmee“, d.h. zur globalen Weltjunta-Interventionsarmee. Sie hat ihren „Dreizehnjährigen Krieg“ in Afghanistan nicht gewinnen können und damit de facto verloren. Trotzdem will sie statt nachzudenken „durchstarten“ und sich sofort für künftige CT-Kriege (Counter Terrorism) bereit machen (so hat es noch de Maizière verkündet). Obwohl solche strukturellen Entscheidungen in der Normal-Medial-Demokratie vor dem Volk möglichst geheim gehalten werden, ahnt das Volk halb und halb, wohin die Reise geht. Folge: Es gibt nicht genug freiwillige „Soldatinnen und Soldaten“. Zwar behauptet die Bundeswehr, es würden sich jede Menge melden, aber der springende Punkt kam bei der neuen Ministerin heraus, als sie sagte, die Wehr müsse Bedingungen schaffen, um im Wettbewerb mit der Wirtschaft „um die besten Köpfe“ bestehen zu können. Daraus können wir schließen, dass die angeblich genügend vielen Freiwilligen nicht zu den „besten Köpfen“ gehören – vermutlich sowohl technisch wie politisch (zu viele mit Faschoideen im Kopf).

Als ersten Schritt will die Turbomutti also eine Tagesmütteroffensive in den Kasernen starten. Aber da klafft schon, und umso schmerzhafter, der große Spagat: Denn eigentlich müssten dann ja auch Tagesmütter in die Kasernen der „Einsatzgebiete“, was evidenterweise nicht geht. Da zeigt sich, dass die Bundeswehr schlechthin kein „normaler Arbeitgeber“ werden kann – weil ihre „Arbeit“ (der Krieg!) nun mal nicht normalisiert werden kann.

Noch konkreter soll die künftige „Arbeit“ dieses „Arbeitgebers“ eben CT-Krieg heißen, also das Viererpack aus „Spezialkräften“ (wie sollen die ihre „Arbeit“ mit der „Familie vereinbaren“?), Geheimdiensten, die mittels „eingeborener“ Informanten Killlisten erstellen, Killdrohnen und schließlich „Ausbildungseinheiten“, die „eingeborene Azubis“ für die Drecksarbeit „ausbilden“ werden (mit Tagesmüttern?). (Größere Truppeneinheiten werden höchstens noch Blitz-Aufräumkriege mit Shock and Awe, also hauptsächlich nach massiven „Luftschlägen“, führen und dann an das Viererpack übergeben.)

Man muss der neuen Ministerin nicht unterstellen, sie kalkuliere all das bereits genauestens ein und unternehme bewusst eine große Lügenoffensive. Man muss ihr nicht einmal unterstellen, dass sie jetzt bereits fest entschlossen sei, Killdrohnen einzusetzen. (Sie sagte dazu: „Das muss der Bundestag entscheiden“ – vielleicht hofft sie, dass sich das hinziehen werde – obwohl eine Nebenäußerung nichts Gutes verheißt, weil sie eine Simulation dieses Blog im vorigen Post vom 6.1. bereits verifiziert: Ganz automatische Killdrohnen werde die Bundeswehr definitiv nicht einsetzen – logo, weil die ja auch keine Tagesmütter brauchen. Mit dieser Selbstverständlichkeit lässt die Ministerin aber eben die von MENSCHEN bzw. ARBEITERN – im Sinne Ernst Jüngers – gelenkten Killdrohnen als weniger schlimm offen.)

Aber: Zyniker wissen, dass die „beste Vereinbarung von Arbeit und Familie“ eben für „Drohnenpiloten“ gegeben ist: Sie können (und das findet in den USA bereits routinemäßig statt) ihre „Arbeit“ in einer Heimatkaserne machen und jeden Abend mit der Familie verbringen – ganz ohne Tagesmütter.

Nur: Dazu sind tatsächlich „gute Köpfe“, am besten Spitzen-Digital-Natives, idealiter Piraten, erfordert. Und die melden sich (bisher) nicht massenweise freiwillig für die Wehr.

Nicht bloß die einzig vernünftige, sondern auch die am ehesten glatt realisierbare Lösung ist also der Verzicht der Bundeswehr auf ihre globale Weltjuntarolle und der Rückbau zur Verteidigungsarmee. Leider ist die 4/5-Mehrheit des Bundestags da ganz anderer Ansicht. Schon schwafelt Steinmeier davon, „wir“ könnten Frankreich „in Afrika nicht allein lassen“. Glücklicherweise verstehen gerade „gute Köpfe“, wohin diese Reise geht – auch wenn ihnen Tagesmütter angeboten werden.

„Und willst du nicht mein Bruder sein…“: Michael Martens verrät die geheimen Gedanken des deutschen V-Trägers in der Fatz

Dienstag, Juli 30th, 2013

Am 21. Juli begann Michael Martens, Südosteuropakorrespondent der Fatz, ein Interview mit dem griechischen Oppositionsführer, Alexis Tsipras, von Syriza, im Stil eines Verhörs: Wie ein Maschinengewehr rasselten die Suggestivfragen herunter: Ob Tsipras Humor habe? Was er von einer Karikatur in der Parteizeitung „Avgi“ halten würde, in der Hitler aus der Hölle bei Merkel anrief – warum er mit dem „Semifaschisten“ Kammenos (Partei der Unabhängigen Griechen) gesprochen habe, warum Schäuble in der „Avgi“ als „Gauleiter“ tituliert worden sei, warum Tsipras in einer Wahlkampfrede gesagt habe, Nea Dimokratia und Pasok hätten die griechische Flagge an Merkel ausgeliefert. Nach der 5. dieser äußerst informativen und hoch objektiven Fragen brach Tsipras das „Interview“ genannte Verhör ab.

Daraufhin stellte sich Martens (FAZnet vom 27.7.) als Opfer einer totalitären Verfolgung dar. Alle seine Fragen hätten auf Tatsachen beruht. Jetzt wissen wir also: Tsipras ist sehr humorlos und böse, und Merkels und Schäubles Griechenlandpolitik ist rundum okay. Hätte Tsipras zurückgefragt: „Wie erklären Sie sich, das sich seit drei Jahren riesige Teile der südeuropäischen Bevölkerungen von der deutschen Hegemonialpolitik um ihre Normalität gebracht fühlen und dabei immer wieder von einem 4. Reich reden?“ – so hätte Martens sicher gesagt: „Ich stelle hier die Fragen!“

Genau das ist der Gestus, bei dem vielen Südeuropäern immer wieder spontan Begriffe wie „Gauleiter“ auf die Zunge kommen. Sie können eben den Spieß nicht umdrehen und arrogante deutsche Besserwissis (konkret Wolfgang Schäuble) etwa mit der Frage konfrontieren: „Warum weigern Sie sich, etwas zur bis heute ausgebliebenen Rückzahlung der Zwangsanleihe des 3. Reichs zu sagen?“ Überlegt man genau, dann ist es bei solchen Fragen die offizielle deutsche Seite, die sich in die Tradition des 3. Reiches stellt.

Und das tat auch Michael Martens in seinem Bericht: Denn er stellte ihn unter die Überschrift: „Und willst du nicht mein Bruder sein…“ Dieser Spruch (mit der bekannten Folge: „dann schlag ich dir den Schädel ein!“) soll angeblich in Tsipras‘ Schädel stecken. Martens suggeriert, Tsipras würde ihm am liebsten den Schädel einschlagen (typisch für Linksradikale). Aber: Der Spruch ist ein deutscher, kein griechischer Spruch – er stammt aus einem deutschen, keinem griechischen Schädel – konkret aus dem Schädel von Martens. Man muss nicht bei Freud nachlesen, um zu wissen: Dieser Wunsch ist der eigene Wunsch des Verhörers. „Herr Martens, haben Sie Humor?“

Martens hat hier also die Stimme des deutschen „V(erantwortungs)-Trägers“ simuliert, wenn sie vor Wut die Fassung verliert – wenn sie „leider andere Saiten aufziehen muss“. So wie diese Stimme in dem Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“ (assoverlag Oberhausen; 29,90 Euro) vor-simuliert ist. In diesem Roman sind „Charaktere“ wie Martens vorerinnert. Dieser Roman handelt genau vom Problem des deutschen V-Trägers bei seinem „3. Versuch“ eines „Griffs zur Weltmacht“ – sein dickster Klotz am Bein dabei ist der 2. Versuch, und tatsächlich läuft der 3. Versuch ja auch ziemlich anders. Aber was ist eigentlich mit dem 1. Versuch (dem unter Kaiser Wilhelm)? Gibt es da auch keinerlei Analogien? (Gegen Missverständnisse: Die Figur des V-Trägers macht gerade klar, dass es sich um funktionale Prozesse wie Kapitalbewegungen und geopolitische „Zwänge“ handelt, nicht um gute oder böse „Charaktere“ – was die „Charaktere“ aber nicht reinwäscht, wenn sie sich zu „Charaktermasken“ der Machtprozesse machen. Wie Martens.

Hölderlin und der neue Papst S.J.

Samstag, März 16th, 2013

Glaubt man dem neuesten Leak aus dem Vatikan, dann zitierte der neue Papst nach seiner Wahl vor den Kardinälen auf deutsch einen „Hölderlinvers“: „Es ist ruhig, das Alter, und fromm“ (z.B. FAZ 16.3.2013, S. 2). Dieser Vers steht, wie ich inzwischen sehe, tatsächlich in dem Geburtstagsgedicht „Meiner Verehrungswürdigen Grosmutter zu ihrem 72. Geburtstag“: „O ihr Lieben! und lange, wie du, o Mutter! zu leben/ Will ich lernen; es ist ruhig das Alter und fromm.“  In diesem durchgängig „zweistimmigen“ Privatgedicht hat Hölderlin seine eigene (neospinozistische) Weltsicht indirekt in der christlichen Sprache seiner Familie formuliert.

Bekannter ist ein scheinbar ähnlicher, direkt in der eigenen Sprache formulierter Vers, der Schlussvers aus „Abendphantasie“: „Friedlich und heiter ist dann das Alter“. Das ist die Pointe eines jedenfalls nicht orthodox frommen Gedichts: „Wohin denn ich? Es leben die Sterblichen/ Von Lohn und Arbeit; wechselnd in Müh‘ und Ruh’/ Ist alles freudig; warum schläft denn/ Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?“ Sowie: „Komm denn nun, sanfter Schlummer! zu viel begehrt/ Das Herz; doch endlich, Jugend! verglühst du ja,/ Du ruhelose, träumerische!/ Friedlich und heiter ist dann das Alter.“ Wenn das eine Frömmigkeit ist, dann eine heidnische.

Franziskus kennt also tatsächlich wahrscheinlich nicht bloß einen Vers von Hölderlin. Wir werden vielleicht noch mehr darüber erfahren, wie der neue Papst darauf gekommen ist. Hypothese: Als Jesuit hospitierte er einige Monate in St. Georgen. Dort mag er erfahren haben, dass Hölderlin sich an einer wichtigen Stelle auf Ignatius von Loyola, den Gründer des Ordens, bezieht: Das Motto über dem gesamten Hyperionroman (Non coerceri maximo, contineri minimo, divinum est; also: Vom Größten nicht eingeschränkt, im Kleinsten enthalten sein, ist das Göttliche) stammt vom Grabstein des Ignatius.

Hölderlin ein „Kryptojesuit“, wie sie von den Aufklärern überall vermutet und entlarvt wurden? Vielmehr dürften die revolutionären (evangelischen) Theologiestudenten des Tübinger Stifts wie Hölderlin, Hegel und Schelling jesuitische Anspielungen als ironische Geheimsprache benutzt haben. So heißt der deutsche Freund Hyperions „Bellarmin“ – wie der stramme Gegenreformator und Jesuit gleichen Namens. Geheimer Sinn: „Schöner Deutscher“ (also „griechischer“, heidnischer Deutscher). Dann muss man das Loyola-Zitat als verschlüsselnden Kode für Hölderlins Neospinozismus lesen.

Pointe: Im Tübinger Turm, wo er, nach allgemeiner Auffassung unter einem, allerdings recht besonderen, Wahnsinn („geistige Zerrüttung“) leidend, nach seinem Zusammenbruch 1806 und nach seiner „Therapie“ in Autenrieths Klinik lebte, schaffte sich Hölderlin die ihn störenden Besucher dadurch vom Halse, dass er ihnen Adelstitel verlieh und sie mit „Euer Majestät“ usw. anredete, bis sie entnervt wieder gingen. Zu den am häufigsten gebrauchten Titeln gehörten „Ehrwürdiger Pater“ und „Eure Heiligkeit“. Konkret etwa: „Ich bin nun orthodox geworden, Eure Heiligkeit!“ Wenn ihn Sensationsgierige über seine Liebe zu Diotima (Susette Gontard) ausfragen wollten, antwortete er etwa: „Ach, reden Sie mir nicht von Diotima, das war ein Wesen! Und wissen Sie: dreizehn Söhne hat sie mir geboren, der eine ist Kaiser von Rußland, der andere König von Spanien, der dritte Sultan, der vierte Papst!“

Warten wir mal ab, ob die hegemonialen Medien diesen Kontext selbst herausfinden. Wenn nicht, sei dieser Post zum Plagiat angeboten – Plagiate sind gute Mittel, nicht hegemoniale Diskursfetzen in die Hegemonie zu bringen.

„Angela“: zu deutsch ab jetzt = Killdrohne

Samstag, Januar 26th, 2013

Angela heißt auf griechisch bekanntlich „weiblicher Engel“. Ein weibliches Geistwesen, das vom Himmel kommt. Aber schon in der Bibel (Apokalypse) gibt es auch Engel, die Rache und Vernichtung über die Erde bringen. Unsere Angela hat sich nun (nach der Bundeswehr-Generalität und nach de Maizière) erstmals klar persönlich für die „Anschaffung“ (jedes Wort in diesem Killdiskursen ist ein Hammer) von „Kampfdrohnen“ ausgesprochen. Auch bei diesem Thema kann sich das hiesige Blog immer nur wiederholen (siehe die Posts vom 31.8 2012, 8.8. 2012, 29.7. 2012, 3.6. 2012 usw. bis zurück zum Afghanistanappell, der als einziger die Drohnenkriegführung erwähnte).

„Kampfdrohnen“? Das muss schon jetzt zum Unwort des Jahrhunderts erklärt werden. Wie es im Post vom 29.7. hieß: „Wo bitte findet zwischen einer computergesteuerten Killmaschine und einem (oder mehreren) Menschen, die nichtsahnend sind, ein „Kampf“ statt? Und selbst Terrorismusverdächtige, womit zu großen Teilen Guerillakämpfer gemeint sind, die im Kosovo, in Libyen und Syrien sofort „Freiheitskämpfer“ sind, sobald sie auf Seiten der NATO kämpfen, gehören vermutlich bis auf weiteres noch zur Species Homo Sapiens? Wo also bitte findet da ein Kampf statt? Dass ein „target“, als das die Computer ihre „Ziele“ rein maschinell killen, von anonymen Geheimdienstinformanten auf Killlisten gebracht wurden, wobei das Risiko eines absichtlichen „Irrtums“ sehr groß ist, wurde in diesem Blog oft genug erklärt.“

Es handelt sich also um Killdrohnen – am Begriff „Kampfdrohnen“ erkennen wir ab jetzt den von den Toten auferstandenen Hässlichen Deutschen.

Wie in diesem Blog längst prognostiziert wurde, werden CDU und SPD die künftigen deutschen Killdrohnenkriege (der erste wird Afghanistan nach dem „Abzug“ sein – wenn  nicht noch Mali vorher drankommt) ohne die geringsten „Bauchschmerzen“ absegnen. Und Omid Nouripour von den GRÜNEN fordert eine „völkerrechtliche Regelung“ durch den UNO-Sicherheitsrat (!!!), die er natürlich bekommen wird (denn wer sitzt im UNO-Sicherheitsrat?!!) – und dann werden auch die GRÜNEN Drohnenkriege der Bundeswehr absegnen.

Aber man muss die GRÜNEN daran erinnern, dass Killdrohnen eine der gefährlichsten RISIKOTECHNOLOGIEN sind, die sich überhaupt denken lassen: 1) wegen der Verseuchung der Böden durch die Schwermetalle der Raketen (wie bei allen Raketen und Bomben); 2) wegen der „Kollateralschäden“ (mit gekillte Kinder und Frauen); 3) vor allem wegen der Geheimhaltung der Zielbestimmung und der Erstellung der Killlisten durch anonyme Informanten; 4) weil Killdrohnen die Eskalationsgefahr in jedem Konflikt sehr stark erhöhen: sie verschaffen den Generälen ein Gefühl der Allmacht (ja: sie werden sich fühlen wie die Racheengel der Apokalypse), der eigenen Unverwundbarkeit, das Gefühl, nun endlich so etwas wie eine individualisierbare Atomwaffe zu besitzen und NIE MEHR EINEN KRIEG VERLIEREN ZU KÖNNEN!

Wann wird die deutsche Öffentlichkeit (und besonders die weibliche) so weit fortgeschritten sein, dass die Meldungen über die Killdrohnen eines deutschen GROßEN BRUDERS auch nur ein Zehntel des Ekelaufschreis auslösen wie die senilen Viagrafantasien eine kleinen Brüderle?

Wo bleibt der Shitstorm der Piraten gegen de Maizières Killerdrohnen?

Mittwoch, August 8th, 2012

Die Bundeswehr unter de Maizière treibt die Umrüstung auf Killerdrohnen (und also auf Killerdrohnenkriege) im Eiltempo voran. De Maizère und seine Generäle sprechen von „Kampfdrohnen“: Wo bitte findet zwischen einer computergesteuerten Killmaschine und einem (oder mehreren) Menschen, die nichtsahnend sind, ein „Kampf“ statt?  Und selbst Terrorismusverdächtige, womit zu großen Teilen Guerillakämpfer gemeint sind, die im Kosovo, in Libyen oder Syrien sofort „Freiheitskämpfer“ sind, sobald sie auf Seiten der NATO kämpfen, gehören vermutlich bis auf weiteres noch zur Species Homo sapiens? Wo also bitte findet da ein „Kampf“ statt? Dass die „targets“, als die die Computer ihre „Ziele“ rein maschinell killen, von anonymen Geheimdienstinformanten auf Killlisten gebracht wurden, wobei das Risiko eines absichtlichen „Irrtums“ sehr groß ist, wurde in diesem Blog oft genug erklärt.

Tatsächlich scheinen de Maizière und seine Generäle ein kleines bisschen Sorge zu haben, dass man ihre Drohnenkillungen nicht sonderlich „tapfer“, ja vielleicht sogar ein bisschen „feige“ finden könnte – weshalb sie vorsorglich verkünden, ihre deutschen Drohnenpiloten sollten „nach Möglichkeit in der Nähe der Kampfzonen“ stationiert werden (sie fürchten wohl die Stationierung hier in der Nähe von Berlin oder sonstwo hierzulande, von wo aus diese „Cybersoldaten“ dann ihre targets in Afghanistan, Pakistan oder künftig werweißwo in aller Welt killen könnten (so wie die US-Drohnenpiloten von Texas aus). Als ob sich irgendetwas änderte, wenn „unsere Cyberjungs“ ihr Geschäft von sagen wir Katar aus besorgten.

Und nun zu den Piraten: Sie sollten jene Partei sein, die sich besonders gut in Cybersachen auskennt. Sie protestiert gegen Vorratsdatenspeicherung, aber nicht gegen die Aufrüstung der Bundeswehr mit Killerdrohnen. Sollte es daran liegen, dass ihr Vorsitzender Regierungsrat „im Hause“ de Maizières ist? Oder dass sie ausgerechnet Angelika Beer zur „Verteidigungsexpertin“ erwählt haben? Kennen sie nicht die Karriere von Angelika Beer bei den Grünen, die sie von einer führenden Pazifistin zur halb betrunken vor den Fernsehkameras herumschreienden Propagandistin der 50000 (in Worten fünfzigtausend) Bombardements der NATO auf dem Balkan 1999 konvertiert hat? Wo sie sich dann als „verteidigungspolitische Sprecherin“ der Grünen besonders um die Versorgung unserer Jungs daselbst mit möglichst AIDS-freiem Sexmaterial gekümmert hat? Und die Grünen verließ, als sie nicht auf die Liste zur Europawahl kam – mit der Begründung, den Grünen „ginge es nur noch um die Macht“? Weshalb sie – kaum bekamen die Piraten Chancen – dort schnell anheuerte und sich als „verteidigungspolitische Expertin“ anbot? Mit Erfolg?

Oder sollte es einfach daran liegen, dass die überwältigende Mehrheit der Piratenbasis sich nicht für die Bundeswehr und ihre jetzigen und künftigen Cyberkriege interessiert und auch ansonsten nicht durchblickt? Vielleicht gibt es ja eine Piratin oder eine Piraten-Symp, die dies hier liest – sie soll sich melden, wenn sie Material über die Konversion der grünen „Pazifisten“ zum Bellizismus haben möchte. Um sich um Durchblick zu kümmern. (Es wäre ein Jammer, wenn die Piraten mit ihren guten Startideen zu einer Cyberwarpartei entarten würden wie die Grünen.)

Wahlkampfschlager des Friedensnobelpreisträgers: Dass er den Drohnen-c/k-Geheimkrieg der Zukunft schon in der Gegenwart führt

Sonntag, Juni 3rd, 2012

Obwohl er „bloß“ gegen einen Mormonen-Milliardär antreten muss, fürchtet der Friedensnobelpreisträger (FNPT) wohl zurecht gewisse Risiken in seinem Wahlkampf: Er hat einen starken Block von Rassisten und Antikommunisten ohne Kommunismus gegen sich, der für ihn unerreichbar ist – egal was er macht. Also geht es um die „Mitte“: Und ausgerechnet jetzt schlägt die Große Krise wieder zu (und es besteht das Risiko, dass die „Mitte“ die Krise dem jeweils amtierenden Präsidenten zurechnet und ihn für diese Krise „abstraft“).

Was bleibt da für den Wahlkampf? „To be tough on terrorists, insurgents and other enemies“. Also gibt auch der schwarze FNPT mit seinen entsprechenden Errungenschaften an und informiert die New York Times über seine Heldentaten: Erstens hat er persönlich Stuxnet gepusht. Schön, würde man sagen, wenn so ein Supervirus sämtliche Atomanlagen der Welt, und vor allem auch die der Atomwaffenmächte, außer Gefecht setzen würde.

Viel wichtiger aber ist die zweite Heldentat des FNPT: Er bekennt sich offen zum Drohnen-c/k-Geheimkrieg und gibt damit an, ihn seit Jahren in Pakistan, Afghanistan und im Jemen zu führen und ihn ständig zu eskalieren. Neu ist daran nicht diese Entwicklung, die ja seit langem einer der Hauptinhalte dieses Blog war. Neu ist die Behauptung des FNPT, er hake persönlich die c/k-Listen ab. Zur Erinnerung: Auf die  c/k-Listen (capture or kill) werden von den Geheimdiensten „Terroristen“ und „Insurgents“ („Aufständische“, also Guerillakämpfer) in aller Welt gesetzt und damit im wörtlichen Sinne „zum Abschuss freigegeben“. Meistens mit Drohnen oder anderen Flugobjekten, bei denen naive Zeitgenossen sich fragen, wie man mit solchen Flugobjekten „gefangen nehmen“ (capture) kann.

Ich gestehe, dass ich Zweifel daran habe, dass der FNPT wirklich persönlich alle c/k-Nummern abhakt – es sind doch wohl mindestens Tausende, also vermutlich zu viele, so dass er das Abhaken doch wohl teilweise delegieren muss. An wen genau, können wir leider nicht wissen, weil es sich bei der „Erstellung“ der Listen ja um Geheimdienstarbeit handelt.

All das kann man jetzt in der New York Times lesen: direkt als („gute“) Leaks aus dem Weißen Haus. Nur ein entscheidendes Kettenglied dieser neuen Kriegführung wird auch diesmal wieder verschwiegen (weshalb es auch diesmal wieder in diesem Blog betont werden muss): Die wichtigsten Quellen der c/-k-Listung sind sprach- und kulturkundige „einheimische“ Informanten – ohne die der ganze Cyberwar mit all seiner sophistication nicht laufen könnte – und diese einheimischen Informanten sind unkontrollierbar, weil top secret. Sie genießen eine Ermächtigung, von der frühere Ermächtiger auch kaum mehr besaßen.

Stop! Hier soll doch wohl nicht „verglichen“ werden?  Demokratisch-rechtsstaatliche Verhältnisse mit früheren Diktaturen? „Verglichen“ werden darf nämlich nicht! Was aber, wenn sich die Tatsachen selber vergleichen? Die vom FNPT und seinen Assistenten abgehakten c/k-Opfer sind: a) mutmaßliche Terroristen, die tatsächlich Terror begangen haben; b) mutmaßliche Terroristen, die vermutlich Terror begangen haben; c) mutmaßliche Terroristen, die vermutlich künftig Terror begehen können; d) mutmaßliche Aufständische, die als solche anonym westlichen Geheimdiensten denunziert wurden; e) mutmaßliche Aufständische, die mutmaßlich Angriffe auf westliche Besatzungstruppen, etwa in Afghanistan, planen und als solche anonym westlichen Geheimdiensten denunziert wurden; f) mutmaßliche Sympathisanten mutmaßlicher Aufständischer, die für mutmaßliche Aufständische mutmaßlich  Erkundigungsaufträge o.ä. durchführen könnten.  Dazu kommen g) versehentlich verleumderisch Denunzierte; h) absichtlich verleumderisch Denunzierte; und i) „Kollateralschäden“.

Frage an Völkerrechtler: Gibt es auch nur eine einzige dieser c/k-Kategorien, die rechtsstaatlich „okay“ ist? Die also zurecht ohne öffentliches Gerichtsverfahren, sogar ohne öffentlich überprüfbare Identifizierung,  nicht bloß in „kurzem Prozess“, sondern ohne jeden Prozess per Abhakung des FNPT oder eines seiner Beauftragten gekillt werden darf? Und wenn es „Kriegführende“ sein sollten: die ohne öffentlich überprüfbare Identifizierung auf Verdacht und Denunziation (so wie in den deutschen „Bandenkriegen“ der Vergangenheit die „Kommissare“) gekillt werden dürfen?

Ich glaube allerdings nicht, dass irgendein Völkerrechtler solche Blogs wie dieses hier liest, und werde also ohne Antwort bleiben.

So bleibt immerhin folgender Schluss hinzuzufügen: Die nun dokumentierte Kriegführung der „Zukunft“ (die aber bereits ganz gegenwärtig „läuft“) bezieht sich auf die USA. Für Deutschland und die Bundeswehr ist es überwiegend (noch) Zukunft. Aber – wie in diesem Blog mehrfach erwähnt – werden die Weichen dorthin bereits gestellt: Ermächtigung der Geheimdienste (sie erstellen in Afghanistan bereits c/k-Listen) und Aufrüstung mit Drohnen (angeblich bisher nur „Aufklärungsdrohnen“). Denn das „Modell“ ist „attraktiv“: Es ist „peiswerter“, und es „spart“ nicht nur Geld, sondern auch Opfer bei eigenen Soldaten (Tod, Verletzung, Traumatisierung). Die Zukunft wird zeigen, ob die Psyche des „soldatischen Mannes am Computer“ diesen „Job“ auf Dauer ohne eine neue Form der Traumatisierung durchhalten kann.

Jedenfalls sollte das bleierne Schweigen über die bereits aktenkundige Kriegführung der „Zukunft“ mindestens in der Friedensbewegung spätestens jetzt beendet werden. Ohne schlechtes Gewissen: Dieser FNPT hat mit dem früheren sympathischen Barack Obama, Autor des Buches „Dreams from my Father“, nur noch wenig gemein. Gerade wer ein schlechtes Gewissen hat zu „vergleichen“, sollte jetzt „Dreams from my Father“ lesen – man darf doch wohl mindestens den jungen Barack Obama mit dem „reifen“ FNPT vergleichen?!

„Abzug aus Afghanistan“ = Umstellung auf „Smart Defense“

Montag, Mai 14th, 2012

Es gibt in der aktuellen Politik wohl kaum einen Begriff, der zweideutiger ist als „Abzug aus Afghanistan“: Während dieser Begriff für die Niederlande, für Australien und nun für Frankreich mehr oder weniger das bedeutet, was er wörtlich sagt, bedeutet er für die USA und Deutschland etwas völlig anderes: Umstellung auf „Smart Defense“. Der konkrete Inhalt dieses neuerdings in der NATO eingeführten Begriffs wurde in diesem Blog von Anfang an gekennzeichnet: Denunziationsnetz der Geheimdienste plus Killerdrohnen plus einheimische War Lords – bezogen auf Afghanistan als Kurzformel: Drones ’n‘ Drugs.

Den Klartext dieser geheimen Bedeutung der Formel „Abzug aus Afghanistan“ könnte man lesen, falls man den (geheimen) Text des im April paraphierten „Sicherheits-Abkommens“ für die Zeit nach dem „Abzug“ zwischen den USA und der Karzai-Administration lesen könnte. Allerdings sind die großen Linien bekannt: Die USA erhalten Militärstützpunkte für ein oder mehrere Jahrzehnte und das Recht, Elitetruppen auf Dauer zu stationieren (wie es heißt 15000). Diese Truppen genießen Immunität. Ihre Hauptwaffe sind Aufklärungs- und Killerdrohnen, für deren Einsatz Pentagon und CIA freie Hand haben. Außerdem bezahlen die USA weiter die Karzai-Armee (das heißt die War Lords) mit Milliarden (die also zu den Drogenprofiten hinzukommen).

Weil es in den hegemonialen Medien systematisch verschwiegen wird, muss noch einmal wiederholt werden, warum der Drohnenkrieg, der sich gegen „Terroristen“ und „Aufständische“ richtet, die als weder Kombattanten noch Kriminelle definiert werden und also vollständig nicht nur außerhalb des Völkerrechts, sondern außerhalb jeden Rechts allein unter der souveränen Ermächtigung der Geheimdienste stehen, Zivilisten nicht nur aus „Versehen“ (als „Kollateralschäden“), sondern systematisch killt: Weil die Killlisten von Geheimdiensten auf der Basis anonymer einheimischer „Informanten“ erstellt werden, und weil besonders in Clangesellschaften Konflikte zwischen Clans (besonders wenn „Blutrache“ im Spiel ist) über die Denunziationen ausgetragen werden können. (Solche Rache-Denunziationen sind aus Afghanistan bekannt.)

Wenn man wissen könnte (was unmöglich ist, weil das Wesen von Geheimdiensten eben die Geheimhaltung ist, weshalb sie prinzipiell nicht demokratisch sein können) – wenn man wissen könnte, wer momentan im Jemen genau von Drohnen gekillt wird und aufgrund welcher Denunziationen (es sind Dutzende, wenn nicht Hunderte – wöchentlich, wenn nicht täglich), hätte man ein offenes Strukturbild von „Smart Defense“. Genauso aber läuft es auch in Afghanistan und in Pakistan.

Zusätzlich zu den „preiswerten“ Drohnen gibt es in Afghanistan auch noch Night Raids (plötzliche nächtliche Kill-Überfälle auf Dörfer), die nach dem gleichen geheimen Denunziationssystem funktionieren. Da spricht es wahrlich Bände, dass sich neuerdings sogar Karzai-Truppen weigern, solche vom CIA angeordneten Night Raids durchzuführen.

Und nun die Bundeswehr: Weitgehend ohne Echo in der Öffentlichkeit hat der Bundestag die Umstellung der „neuen Kriege“ der Bundeswehr auf Smart Defense mit Drohnen in die Wege geleitet. Dabei ist nur von „Aufklärungsdrohnen“ die Rede, obwohl jeder wissen kann, dass die gleichen Drohnen nicht bloß „Targeting“ (Ausmachen der Ziele), sondern auch Killing durchführen können. Bloß weil de Maizière und seine Generäle diese Umrüstung in skandalösem Eiltempo, ohne minimale Informationen und zu skandalös teuren Preisen durchziehen wollen, kam es neulich im Bundestag zu einem sogenannten „Eklat“, als eine Drohnenfinanzierung für die NATO im Verteidigungsausschuss keine Mehrheit erhielt.

Die eigentliche Frage ist aber eine andere: Versteht die Bundeswehr unter „Abzug aus Afghanistan“ dasselbe wie die USA? Dafür spricht, dass Deutschland mit Karzai und seinen War Lords offenbar ein ähnliches Abkommen für die „kommenden Jahrzente“ aushandeln möchte. (Und die Drohnenkriegführung in  Somalia gegen die Piraten schon mal üben will.)

Orientalen schuld am Amok? Jedenfalls nicht am Durchhalteparolen-Amok

Donnerstag, März 29th, 2012

Der mysteriöse „Amoklauf“ des angeblichen Einzeltäters Bales in mehreren afghanischen Dörfern mit vielen verschiedenen Namen konnte bisher noch mit schwarzem Humor und sarkastischer Ironie kommentiert werden. Insbesondere bot sich dazu die „Orientalisierung“ der afghanischen Zeugenberichte (kein Einzeltäter, ganzes Killteam, Hubschraubereinsätze) in den westlichen hegemonialen Medien wie Spiegel online an: Solche Berichte erklären sich nach westlich aufgeklärtem Wissen aus typisch orientalischer Märchenfantasie – die Nachfahren von Hadschi Halef Omar machen schon mal aus einem einzelnen Amokläufer mehrere Spezialkräfte.

Aber irgendwann wird der Sarkasmus überfordert: So wird nun aus Pentagonkreisen berichtet, sorglose (bekiffte?) afghanische Wachposten des Basiscamps von Bales hätten geschlafen und deshalb nicht gemerkt, dass dieser sich mindestens zweimal nachts (offenbar bewaffnet) aus dem Camp heraus und wieder herein „geschlichen“ und mindestens zwei „Amokläufe“ „begangen“ (!!! „Amokläufe begangen“!!!) habe – einen in einem Dorf nördlich des Camps, einen zweiten in einem Dorf südlich des Camps. Dazwischen habe er also eine Amokpause eingelegt.

„Nachbarin Euer Fläschchen!“ flüstert Gretchen, als es ihr bei der fundamentalistischen Predigt schlecht wird. Kinder gezielt zu ermorden, muss den äußersten Grad an Indignation hervorrufen, wie es der Mord an drei jüdischen Kindern in Toulouse weltweit bestätigt hat. da müssen die Mörder ja elementare Hemmschwellen abschalten (im Falle Merahs und der Hunderte deutscher Judenmörder durch Antisemitismus). Nun hat aber Bales (oder wer es sonst noch war) neun afghanische Kinder gezielt ermordet. Angeblich teilweise im Schlaf. Das ruft keineswegs den gleichen Grad an Indignation im Westen hervor – wie schaffen das unsere Medien? Indem sie berichten, Bales sei ein schwerkranker, im Irakkrieg am Kopf verletzter, Soldat, der sich zudem an nichts erinnern könne. Und nun sogar: Den orientalisch verbummelte afghanische Wachsoldaten nicht pflichtgemäß im Camp gehalten (und am besten gleich an einen Armeepsychiater überwiesen) hätten. Dass auch ein kranker Mensch beim Kindermord elementare Hemmschwellen abschalten muss (durch irgendein Äquivalent von Antisemitismus), ist in den aufgeklärten Medien „kein Thema“.

Deutlicher lässt sich nicht beweisen, dass der gesamte Antiguerillakrieg in Afghanistan der eigentliche Amoklauf ist. Das ist auch schon seit langem gesagt worden, führt aber zu keinen Konsequenzen. Auch jetzt, auch heute, laufen mit hoher Wahrscheinlichkeit „Talibanjagden“ und „Nightraids“, darunter solche der Bundeswehr in ihrer Besatzungszone. Warum läuft das alles weiter? Warum muss „eine neuerliche Abzugsdebatte vermieden werden“? Wegen der Durchhalteparolen, in denen „wir Deutschen“ seit eh und je Meister sind.

Durchhalteparole Nummer eins: Die Bedrohung der Frauenrechte durch die Taliban. Dabei sagen inzwischen offizielle, „prowestliche“ Berichte, dass die Frauenrechte in den NATO-Zonen genauso schlimm unterdrückt werden wie in den Taliban-Zonen. Das ist nicht im geringsten überraschend, beruht doch die „Stabilität“ in den NATO-Zonen, darunter in der deutschen Zone, auf dem Bündnis der NATO mit eben jenen (ebenfalls erzfundamentalistischen) Warlords, die in Afghanistan zwischen der sowjetischen Besatzung und dem Sieg der Taliban herrschten und deren Unterschied zu den Taliban in Sachen Frauen- und Menschenrechte kaum nennenswert war. Inzwischen sehen demokratische Frauenrechtlerinnen wie Malalai Joya die Präsenz der NATO-Truppen als Haupthindernis für die Stärkung ihrer eigenen Position (eben wegen der durch die NATO „stabilisierten“ Herrschaft der Warlords).

Durchhalteparole Nummer zwei: Wenn „wir“ abziehen, übernehmen die Taliban sofort wieder die Herrschaft im ganzen Land. Realistisch ist dagegen eine hoch dezentralisierte Herrschaft mit regionalen Gleichgewichten der Kräfte, wodurch gerade auch die starken demokratischen Tendenzen einen Aufschwung nehmen können, weil den Warlords die gigantischen Gelder der NATO ausgehen werden.

Durchhalteparole Nummer drei: „Solidarität mit den USA“ (früher auf gut deutsch Nibelungentreue genannt): „zusammen rein – zusammen raus“. Aber die Niederlande sind schon raus, und Frankreich folgt ihnen wahrscheinlich noch in diesem Jahr. Und aus den USA erfährt man, dass 69 Prozent der Bevölkerung für den baldigen Abzug ist. Gerüchte sagen, dass der Großteil der US-Truppen ebenfalls bald nach der Wahl abgezogen wird.

Durchhalteparole Nummer vier: „Wir“ haben derartig viel Geld (allein Deutschland 20 Milliarden oder mehr) und so schrecklich viele Opfer „reingesteckt“, und müssen deshalb durchhalten. Muss man das einer Mentalität kommentieren, deren oberstes Gesetz ansonsten lautet: Niemals gutes Geld schlechtem Geld nachschmeißen? Wo so viel von Bankrott in Griechenland die Rede ist: Die einfache Wahrheit über den Afghanistankrieg lautet: Dieser Krieg ist bankrott, er ist pleite. „Volkswirtschaftlich“ und „betriebswirtschaftlich“ muss er sofort liquidiert werden. Und dass viele Tote durch noch mehr Tote „gerettet“ werden müssen – aber stopp, wir dürfen ja nicht „vergleichen“.

(Heimliche) Durchhalteparole Nummer fünf (wieder speziell deutsch): Wir „müssen“ künftig jederzeit fähig sein, Antiguerillakriege in aller Welt zu führen, weil „wir“ in den engsten Spitzenkreis der militärischen Welt-Junta unter Führung der USA wollen. Deutschland muss bereit sein, jederzeit in aller Welt militärisch mitzu“stabilisieren“. Dazu dient der Afghanistankrieg der Bundeswehr als Trainingsfeld, und das darf nicht abgebrochen werden, bevor die neuen Waffen, Strategien und Taktiken erprobt sind. Bevor genügend Kader mit Praxiserfahrung für die Kriege der Zukunft „on the job“ trainiert sind.

Nicht nur der Krieg selbst – auch alle seine fünf Durchhalteparolen sind also bankrott – und trotzdem tun Schwarzgelb-Rotgrün weiter so, als ob da nichts wäre mit der Bundeswehr in Afghanistan. Und die großen Medien machen mit durch Tabuierung und „Herausnahme des Themas“. Mögliche afghanische Zeugen sind Märchenerzähler – aber warum bekommen sie dann für jedes tote Kind 50000 Dollar Schweigegeld?

Massaker in Afghanistan: westliche Aufklärung vs. orientalische Fantasie

Donnerstag, März 22nd, 2012

„Aufklärung“ ist ein Basiskonzept des „Westens“: Wer die Aufklärung verpasst hat, sieht hierzulande im Wortsinne schon mal „sehr alt aus“. Aber Aufklärung hat nicht bloß die Bedeutung eines epochalen Ereignisses in der Geschichte emanzipativer Theorie und Praxis – sie hat auch eine militärische und eine polizeiliche Bedeutung (und eine sexuelle). (Ob es zwischen Philosophie und Polizei einen Zusammenhang gibt, soll hier nicht untersucht werden.)

Wie schnell der offenbar im Geiste von Al Kaida verübte Terror in Südfrankreich polizeilich aufgeklärt werden kann, werden wir sehen. Zu hoffen bleibt, dass darüber der mysteriöse „Amoklauf“ in Südafghanistan nicht vergessen wird. In einem früheren Post sind drei mediale Namen des Dorfes genannt: „Najib Yan“, „Belandi Pul“ und „Zangabad“. Inzwischen tauchte (auf Al Jazeera) ein vierter Name auf: „Belambai“. Kann das ein Verhörer oder Verleser von Balandi Pul“ sein – oer umgekehrt? Eins ist klar: Toulouse und Montauban haben nicht jeweils vier verschiedene Versionen.

Wichtiger als die Nebligkeit der Orte ist unter Aspekten der Aufklärung die Nebligkeit des Täters (oder der Täter). Denn im Gegensatz zu der aufgeklärten Version des Pentagons (Einzeltäter Robert Bales, Amok, psychisch gestört, PTSD, also Post Traumatic Stress Disorder; eventuell betrunken) behaupten afghanische Bewohner/innen des nebligen Dorfes hartnäckig, ein ganzes Kill-Team sei wie bei My Lai betrunken und/oder stoned schreiend, lachend und mordend durch die Nacht gestürmt. Diese Aussagen sind nicht bloß hartnäckig, nicht bloß übereinstimmend, sondern werden auch von verschiedenen mutmaßlichen Zeugen geäußert.

Interessant ist nun, wie der Widerspruch zwischen der Version solcher mutmaßlicher (oder angeblicher) Zeugen und Zeuginnen und der aufgeklärten Version des Pentagons von Medienleuten (Spiegel online) erklärt wird: Die Afghanen würden Ereignisversionen von Mund zu Mund weitergeben und dabei ständig vergrößern. So könnten also – muss man wohl annehmen – aus einem einzelnen Amokläufer mit der Zeit immer mehr und schließlich ein ganzes Killteam geworden sein. Das erinnert an Karl Mays Halef (und Dschinnistan hat ja als geografische Basis Afghanistan). Edward Said analysierte es als westlich-aufgeklärtes Stereotyp über die „Orientalen“: Der „Orient“ ist das Land der Wunder, wie schon Lessing ironisch im „Nathan“ sagte – sie haben nicht umsonst „Tausendundeinenacht“ erfunden. Sie haben viel Fantasie und sind gut im Märchenerfinden.

Wenn das so ist, dann haben sich aber die westlichen Medien bereits orientalisch angesteckt: Man sieht es an den Dorfnamen, die immer mehr werden. Und warum bleibt es bei der präzisen Zahl 16 der Leichen – sowohl bei den Orientalen wie beim Pentagon?

[Zusatz 23.3.: Der Verdacht, dass das Pentagon sich orientalisch infiziert haben könnte, erhärtet sich: Jetzt nehmen schon die Leichen zu – heute sind es bereits 17, ohne dass es eine Begründung dafür gäbe wie etwa den Tod eines schwerverletzten Opfers. – Die Zeugenaussagen der Dörfler werden weiter einfach ignoriert. – Der Anwalt von Bales berichtet, sein Mandant könne sich nicht an einen Amoklauf erinnern.]

Amok oder „angemessene militärische Reaktion“: Was macht den Unterschied?

Mittwoch, März 14th, 2012

Noch wird „untersucht“, wie es in Südafghanistan zum „Amoklauf“ eines „amerikanischen Soldaten“ gekommen sein soll. Mehrere Informationen verschwanden umgehend aus den willigen Medien: Dass der Täter ein „Elitesoldat“ gewesen sei – dass es sich um „Spezialkräfte“ gehandelt habe – dass es erhebliche Zweifel an der Einzeltäterthese gebe. Nicht einmal der Name des Dorfes stimmte in den Medien überein: Heißt es „Balandi Pul“ oder heißt es vielmehr „Zangabad“? [Nachtrag: dann wird auch noch „Najib Yan“ angeboten – kein Medium weist auf die Widersprüche hin!] Jedenfalls einigten sich die Medien in aller ihrer bellizistischen Willigkeit spontan auf die Sprachregelung „Amok“, „psychische Probleme“, „Nervenzusammenbruch“. Während aber bei „echten“ Amokläufern spätestens nach drei Tagen der Name des Täters und mindestens der Ort genau bekannt ist, verschwand dieser Täter anonym in der Obhut des Pentagons. [Nachtrag 17.3.: Sein Anwalt hat nun den Namen veröffentlicht: R. Bales. Bales ist inzwischen in den USA. Der Anwalt wird auf PTSS (Post-Traumatisches Stress-Syndrom) plädieren. Imgrunde läuft die Linie des Anwalts darauf hinaus: Der Krieg selbst ist ein Amoklauf, da kann es jeden erwischen. Das ist genau die Einschätzung dieses Blogs hier.]

Nun vergleiche man folgende Meldung aus Spiegel online vom 30.12.2009 (siehe dazu den Post vom 1.1.2010 in diesem Blog): „Laut dem Bericht einer von Karzai eingesetzten Untersuchungskommission trieben am vergangenen Samstag Soldaten der internationalen Truppen im Distrikt Narang in der Provinz Kunar 10 Zivilisten aus ihren Häusern und erschossen sie. Unter den 10 Todesopfern seien 8 Schüler im Alter von 13 bis 17 Jahren. […] Dagegen sagte ein ranghoher Isaf-Offizier, der anonym bleiben wollte, es habe keine zivilen Todesopfer gegeben. Alle Toten seien Männer im Kampfesalter gewesen. Bei dem Vorfall seien US-Elitesoldaten im Einsatz gewesen, aber keine NATO-Soldaten. Ein US-Soldat in Asadabad, der Hauptstadt von Kunar, sagte, keiner der Getöteten sei unschuldig gewesen.“

Das war ein typischer „Einsatz“ eines Elite-Killteams, das vermutlich auf der Basis einer von Geheimdiensten wie BND und MAD aufgrund anonymer Denunziation erstellten „c/k-Liste“ (capture or kill) handelte. Solche Killungen von als „Aufständische“ anonym denunzierten Zivilisten finden routinemäßig in Afghanistan, darunter auch routinemäßig in der deutschen Zone, statt, in wachsender Zahl von Drohnen durchgeführt.

Was eigentlich ist der Unterschied zwischen dem Fall von Narang und dem „Amok“ in dem Dorf, dessen Name unklar ist? In beiden Fällen Elitesoldaten, in beiden Fällen kaltblütige Killung von Zivilisten, in beiden Fällen darunter von Kindern. Dennoch das eine eine „angemessene militärische Reaktion“ (wie ja auch das von Oberst Klein befohlene Massaker von Jakob Baj vom 4.9.2009), das andere „Amok“. Wieso keine „psychischen Probleme“ im einen Fall, wohl aber im andern? Was ist eigentlich schlimmer: ein Amok mit psychischen Problemen oder einer ganz ohne? (Dass der Antiguerillakrieg und der Counter-Terrorism-Krieg eigentlich Amokläufe sind, das ist natürlich infam zu behaupten: Sie sind vielmehr beide „demokratisch“ und „rechtsstaatlich“.)

Übrigens ist sicher einer der Hauptgründe für die massive Umstellung der Killungen auf Drohnen, dass Drohnen keine psychischen Probleme bekommen und also auch nicht Amok laufen können. Aber was ist mit den Dohnenpiloten im heimischen Texas (und demnächst auch hierzulande)? Vielleicht bekommen sie wirklich weniger psychische Probleme, wenn sie ihre Killungen als Computerspiele auffassen? Fragt sich, wie lange sie das durchhalten können, ohne psychische Probleme zu bekommen.

Ceterum censeo … (meine Leserinnen wissen es schon).

Er will das Wort „Griechenland“ abschaffen – er hat es verdient, „Schatzemann“ zu heißen

Sonntag, Februar 5th, 2012

„Georg“ Chatzimarkakis, seines Zeichens FDP-Euroabgeordneter, kommt im Moment in den griechischen pardon hellenischen Medien groß raus. Nicht mit einer Erinnerung an seine Plagiatsaffäre (er sollte seine Doktorarbeit großenteils abgekupfert haben, kam aber mit einem blauen Auge davon, weil er sowieso die schlechteste Note hatte) – nein, weil er die ultimative Lösung für die Griechenlandkrise vorschlägt: mit den internationalen Namen für das Land seiner Vorfahren, die vom lateinischen „Graecia“ kommen (Greece, Griechenland usw.), sei es wie mit einem „verbrannten“ Firmennamen – so wie bei Schlecker  oder Tepco – die Namen solcher Pleitefirmen müssen ganz schnell weg, weil „die Märkte“ solche Namen abstrafen – ein neues Logo muss ganz schnell her, und dann kommt der Aufschwung! Also weg mit „Griechenland“ und „Grieche“, statt dessen her mit (dem seit alters zuhause gebräuchlichen) „Hellas“ und „Hellene“. Mit diesem Coup würden „die Märkte“ sofort eine Kursrakete für „hellenische“ Schulden und Banken aufs Parkett legen! 

Falls jemand es nicht richtig begriffen hat: Alle Sprachen der Welt sollen ihre Lexika neu auflegen und „Greece“ usw. streichen und statt dessen „Hellas“ (auf englisch wie auszusprechen?) reinnehmen.

Wenn das mal keinen Doctor integrationis honoris causa wert ist! Und noch mehr: Schon während Plagiate noch ein „Thema“ waren, sprachen unsere Diskutanten bei Anne Will seinen Namen immer „Schatzimakakis“ aus – in der Tat ist ihm sein pleitegriechischer Name nicht länger zuzumuten. Verleihen wir ihm den „deutschen“ Namen Schatzemann honoris causa. Und warum nicht gleich an die Börse gehen? – mit Schatze minus Mann dot com!

3 ZUSCHLÄGE EINEN TAG SPÄTER

Gestern war ich, wie man sieht, noch ausgesprochen optimistisch für Schatze minus Mann dot com. Aber (es muss was Unterbewusstes gewesen sein) heute nacht wurde ich zu früh wach und kam ins Grübeln. Ich bin ja ganau wie Schatzemann überzeugt davon, dass die ultimative Souveränität und Entscheidungskraft bei „den Märkten“ liegt. Und deshalb kann ich den Märkten einige early warning signals nicht vorenthalten – einige Zweifel, die mir im Dunkeln kamen:

1. Wenn die Kurse für Hellas dot com hochschießen, werden andere Pleiteländer natürlich auf die gleiche Idee kommen, ihren Namen zu wechseln. Italien könnte sich zum Beispiel ROMA dot com nennen, Portugal VASCODAGAMA dot com, Island VIKING usw.  Es könnten daraus auch „ganz große Dinger“ entstehen. So weiß man zwar nicht genau, welche Länder Alexander der Große auf seinem Feldzug nach Indien alle durchquerte (oder weiß man das doch, Anton Reiser?). Jedenfalls soll er auch Afghanistan mindestens gestreift haben. Das ist ein Land, das bekanntlich unbedingt umgetauft werden muss: Vorschlag ALEXLAND minus DRONES minus DRUGS dot com. Sogar der Krieg, der ja bekanntlich zu teuer wird, könnte so ersetzt werden. Es könnte ALEXLAND minus TALIBAN dot com ebenfalls an die Börse gehen, und die Märkte würden dann entscheiden. Aber attention please: Das Ganze könnte ausufern – wenn die Schulden sämtlicher 150 armen Länder der Welt zu Hits an den Börsen würden, würden am Ende die deutschen Schuldenrenditen steigen…

2. Auch das Problem der Aussprache von HELLAS bleibt. Auf französisch zum Beispiel gibt es hélas schon – und das heißt leider „leider“.

3. Naürlich müsste angesichts der augenblicklichen Umfragewerte auch das Logo FDP gewechselt werden – Vorschlag LDPD (Liberal-Demokratische Partei Deutschlands) – dass es die schon mal gab, wissen die Märkte bestimmt nicht – wurde nie an einer Börse gehandelt – aber wenn es ihnen jemand steckt?

Wenn die Märkte bei Heidegger Zuflucht suchen

Mittwoch, Januar 18th, 2012

Wem es noch nicht aufgefallen sein sollte: Die allerjüngste Phase der Krise ist dadurch gekennzeichnet, dass die Märkte auf „bad news“ (jedenfalls bis auf weiteres) nicht mehr mit „Nervosität“ reagieren, sonden mit „Gelassenheit“. Hedge Fonds drohen offen damit, Griechenland trotz aller Rekorde an monatlich neuen und härteren „Sparpaketen“ Pleite gehen zu lassen – die Märkte? „Nehmen’s gelassen“ und „sind im Plus“. Frankreich herabgestuft? Die Märkte „bleiben gelassen“ und „legen zu“. ESFS herabgestuft? Die Märkte haben „äußerst gelassen alles längst eingepreist“ und „legen ne kleine Kursrakete aufs Parkett“.

Woher stammt die Gelassenheit? Von Heidegger! Na do staunß? Die „Ge-lassenheit“ ist sogar Heideggers letzte Botschaft an die Zukunft. Nachdem er zunächst das „Ge-stell“ und den „Gegen-stand“, zu deutsch die moderne Naturwissenschaft und die moderne Technik samt der entsprechenden Philosophien (worunter er nebenbei auch die Atombombe und – wie einige behaupten – unausgesprochen auch Auschwitz zusammenfasste) kritisiert hatte, wurde er auf seine allerältesten Tage weise, wie es sich gehört, und empfahl angesichts des „Ge-stells“ die „Ge-lassenheit“. Dieses sein letztes Wortspiel ist folgendermaßen aufzulösen: Das angesichts der Fülle des SEINS so popelige Dasein soll eine Haltung einnehmen, in der es darauf verzichtet, mittels Ge-stellen irgendwas am SEIN „stellen“ (ein-stellen, aus-stellen, an-stellen) zu wollen und statt dessen das SEIN einfach zu „lassen“ (zum Beispiel auch das SEIN in sich selbst einfach zu-zu-lassen, was man in bestimmten lacanistischen Analysen üben kann).

In solch einer Analyse befindet sich, wie Leserinnen der „Vorerinnerung“ („Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee“) wissen, auch der V-Träger (der Verantwortungs-Träger), dessen „Unterbewusstes“ eben seine „Märkte“ sind. Mit Heidegger (was eine Ergänzung des Romans wäre) könnte der V-Träger tatsächlich lernen, die Märkte als sein schicksalhaftes SEIN „einfach in sich zu-zu-lassen“. Also „Ge-lassenheit“ erlangen.

Das ist offenbar nun geschehen: Die Märkte nehmen alles „ge-lassen“ und sagen sich: All die bad news von den Ratingagenturen sind bloße Gegen-stände des Ge-stells. Sie können dem SEIN nichts anhaben: Kaufen!

Wie konnte Angela „faire Ausbeutung“ über die Zunge bringen?

Mittwoch, Dezember 7th, 2011

„Faire Ausbeutung“ proliferiert zu einem Knüller im Netz, nachdem Angela Merkel genau diese dem Korruptionskönig Karzai anbot. Üblicherweise wiederholt dieses Blog hier nicht Dinge, die sowieso schon proliferieren. Aber dieses Zitat ist wirklich absolut rätselhaft: Wie konnte die sonst so gut semantisch gemanagte Kanzlerin sagen (offiziell vom Kanzleramt bestätigt): „Ich denke, die Jugend Afghanistans muss auch eine Zukunft haben. In diesen Zusammenhang gehört auch eine faire Ausbeutung der afghanischen Rohstoffe. Hier hat Deutschland sehr viel Erfahrung […]“? Köhler musste zurücktreten – und nun das!

Erklärungsversuch: Es war eine improvisierte Antwort in einer Pressekonferenz, also nicht von Beratern zu verhindern. Also echte Angela. Sie hatte natürlich in ihrer Jugend in der DDR ständig gehört, dass im Kapitalismus Arbeiter und Rohstoffe von Imperialisten ausgebeutet werden. Und sie wurde im Pfarrhaus so erzogen, dass immer alles umgekehrt richtig ist wie bei den „Kommunisten“. Dass also Ausbeutung gut ist, wenn westlich und wenn fair (Fairness ist ja der höchste westliche Wert neben „Verantwortung“, die übrigens auch in ihem Statement wucherte).

So spielt einem das Unbewusste, das auf nur 2 Alternativen (schwarz und weiß) programmiert ist, einen Streich: Wir haben eine Kanzlerin, die tatsächlich an „faire Ausbeutung“ glaubt und die dafür kämpft – nur in Afghanistan?

Also klar muss die Demokratie storniert werden, wenn sie den Märkten zu widersprechen droht! Griechenland wird abgeschafft.

Donnerstag, November 3rd, 2011

Nur zwei Tage hat das Versprechen gedauert, dass das griechische Volk bei der Abschaffung seiner sozialen Netze und seines kleinen Lebensstandards (wir reden nicht von den wenigen Millionären, die es gibt) demokratisch mitreden können sollte. Nach Artikel Null aller Verfassungen („Im Krisenfall liegt die Souveränität letzter Instanz bei den Märkten“) haben die Märkte schon an Allerheiligen mit einem neuerlichen Minicrash abgestimmt: gegen das Referendum. Passend zu Allerseelen entschieden daraufhin alle „verantwortlichen“ Politiker der EU, G7,  G20 usw., dass es kein Referendum geben wird und teilten das Papandreou mit. Der erklärte ihnen den Hintergrund seiner Ankündigung: Er wollte damit bloß seiner „Opposition“ unter Samaras endlich ihr nerviges „Oppositions“-Spielchen verderben und sie zum Eintritt in eine Große Notstands-Koalition zwingen, die gemeinsam das Diktat aus Brüssel „umsetzt“. Was Samaras umgehend akzeptierte, woraufhin Papandreou auch dem Volk sein „Demokratiespielchen“ wieder wegnahm. (Und die Märkte zufrieden ein Kursfeuerwerk hinlegten.)

Genau das hatten die Herren der „Ersten EU-Liga“ schon seit langem von Samaras gefordert: Er war – anders als seine „Oppositions“-Kollegen in Spanien und Portugal – der einzige gewesen, der mitten im kapitalistischen Notstand weiter „Opposition“ spielte. Da musste mal klargestellt werden, was „demokratische Verantwortung“ bedeutet.

Nun also eine „Notregierung“ – endlich ist das in diesem Blog seit Beginn der Krise verwendete Wort auch offiziell. Eine „Notregierung von Technokraten“. Haargenau wie bei Brüning (wie hier seit langem erklärt). Statt des Reichspräsidenten die EU-Kommission, statt Brüning mit seinen Technokraten die Technokraten der Großen Notregierung – und tschüssi Demokratie, Carl Schmitt lässt grüßen.

Damit liegt die Souveränität Griechenlands auch ganz offiziell nicht mehr im Lande, sondern in „Brüssel“ – will sagen in der Achse Berlin-Paris, letztlich in Berlin – und noch letzlicher bei den „Märkten“ (Artikel Null GG).

Wird Brecht recht behalten, der bekanntlich formulierte: „Wenn die Herrschenden gesprochen haben/ Werden die Beherrschten sprechen“? Und was werden sie sagen? „Wahrlich wir leben in finsteren Zeiten“?

SDI, NMD, GMD, Aegis: Die Namen wechseln, das Ziel bleibt – die Wiedergewinnung des Erstschlagmonopols

Freitag, September 2nd, 2011

Ein Test mit „Aegis“ ist fehlgeschlagen. Die Medien erzählen was über „Raketenabfangsysteme“ der USA. Daran wurde schon seit Reagans Zeiten gebastelt – damals hieß es SDI (Strategic Defense Inititiative), im Medienmund „Star Wars“. Seitdem wechselten die Namen – so hieß es unter Bush jr. NMD (National Missile Defense). Der „Schild“ sollte dann in Polen direkt vor Russlands Nase aufgebaut werden, was selbst einige deutsche Politiker etwas frech fanden. Deshalb stornierte Obama dieses Projekt und strich das „National“ – jetzt heißt es einfach GMD (Ground based Missile Defense). Auch die Bedrohungen wechselten – zu Reagans Zeiten gehörte sogar mal Gaddafi dazu, letztens natürlich Iran und Nordkorea.

Worum es wirklich geht, kann jedes Kind verstehen: Angenommen die USA verfügen über einen funktionierenden Raketenschild, dann haben sie das Monopol auf die nukleare Erstschlagskapazität wiedergewonnen, das sie schon einmal 4 Jahre lang besaßen (von 1944 bis 1948). Das ist der Traum jedes Supermächtigen – damit kann man jeden Konkurrenten erpressen. Denn es ist so einfach zu verstehen: Die USA führen einen nuklearen Erstschlag sagen wir gegen ein künftiges China, das sie als Bedrohung sehen – China schlägt zurück, aber die USA fangen diese „Antwort“ mit ihrem „Schutzschild“ ab. Das genügt, um per Ultimatum jedes Ansinnen durchzusetzen. (Dazu passt übrigens, das sich die USA bis heute weigern, offiziell auf den Erstschlag zu verzichten.)

Techniker sagen, es werde rein technisch nie funktionieren können (Ablenkung der Abfangraketen durch Attrappen, Gegen-Lasersysteme und weiß der Teufel was) – aber die Geschichte der Nukleartechnologie zeigt, dass die entsprechenden Ingenieure und Politiker wahrhaft fundamentalistische Fanatiker sind, die ihr Ziel weiter wild entschlossen verfolgen werden – es sei denn, sie würden von einem klaren Nein aller Länder der Welt gestoppt. Dazu muss aber des Pudels Kern klar ausgesprochen und in der breiten Öffentlichkeit bekannt werden. Genau das verhindern auch die europäischen Regierungen, die so tun, als ob es um den Iran ginge, der auch uns bedrohen würde, weshalb wir uns in NMD oder GMD „einbeziehen lassen“ müssten. Ohne Spaß: Wenn ein Land vom Iran tatsächlich bedroht sein könnte (obwohl es eigene Atomwaffen hat, die selbst Ahmadinedschad abschrecken dürften), dann ist es Israel – soll dagegen ein „Raketenschild“ im Pazifik oder in Europa schützen?

Also: alle diese Basteleien mit „Aegis“ und Co. sind Schritte auf dem Weg zum absoluten Worst Case Scenario, zur Realisierung der Apokalypse. Dieser Weg kann jetzt noch gesperrt werden – irgendwann nicht mehr.