Münkler als Ideologe

In dem Interview mit dem schweizerischen Tages-Anzeiger vom 11.11., das Jürgen Link in seinem letzten Beitrag schon weitgehend auseinandergenommen hat, rekurriert Münkler ziemlich unvermittelt auf die Kategorie des Willens: “Die Europäer sind klug beraten, wenn sie sich nicht als weltpolitischen Akteur verstehen. Dafür sind sie tatsächlich zu schwach, und ihre Bevölkerungen bringen auch nicht den nötigen Willen auf.” Eine deutliche Mahnung an die vom ihm Beratenen, die für die weiteren Expansionsbesrebungen notwendigen ideellen Voraussetzungen, eine neu-imperialisische Mentalität in Europa zu fördern. Vorher kann man nicht viel machen, außer schrittweise die Positionen auszubauen (und die Menschen weiter daran zu gewöhnen): an der “Peripherie”, in der “näheren Umgebung” – wie in Afghanistan? Das stellt M. sich unter “stark wertgebundener Außenpolitik” vor?

Auffällig, und dazu passend, ist sein Verschweigen elementarster Wissensbestände der Politologie bzw. Geschichtswissenschaft mit der (nicht ganz neuen) These, dass erst die Schwächung einer Weltmacht die Welt unsicherer mache, dass also, so ist zu schlussfolgern, das von ihm erwähnte britische Kolonialreich (dessen Vorbild, das Römische Reich mit seiner pax Romana hätte er noch nennen können) oder eben die USA auf ganz unkriegerische Weise zu ihren Rollen als “Weltpolizisten” gekommen wären. Zu letzteren dürfen wir ihm einen Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung über die USA und Mexiko/ Mittelamerika empfehlen: “Hinterhof der USA? Eine Beziehungsgeschiche” (aus 2011). Die Autorin, M. Braig, schreibt u.a.: “Für die Entgegensetzung der Amerikas und die Wahrnehmung Mexikos als ‘Hinterhof der USA’ sind Verlust- und Gewalterlebnisse zentral”, was dann im Einzelnen über das 19. Jh. hinweg (1811 besetzten erstmals angloamerikanische Siedler spanisches Territorium) dargelegt wird. Und “Amerikas Kriege” (Emmerich; Gassert: Wiss. Buchgesellsch. 2014, mit sehr deutlichen Worten auch zu den Vernichtungskriegen gegen die Urbevölkerung) möchten wir ihm ebenfalls ans Herz legen. – Mit dem Gespenst eines “Vakuums” bei Rückzug der Kolonialmächte hat man uns schon in der Schule in den 60er Jahren zu erschrecken versucht am Beispiel der “Balkanisierung Afrikas”…

Interessant ist auch der Widerspruch in Münklers ‘Analyse': zum einen vermutet er, dass Trump eine “Art geteilter Weltherrschaft mit Russland” anstrebe, zum andern erwartet er gleichzeitig Konflikte Russland-USA, wo dann Merkel-“Germeuropa” die Vermittlerrolle spielen könnte. Auch hier verwirrt ihn seine Intention.

Münkler gilt als ausgewiesener Experte mit in manchen Kreisen hohem Renommee, was er schon lange nutzt, um die Großmachtpläne Deutschlands und Deutsch-Europas argumentativ und ideologisch (das Wort hier ganz alltagssprachlich-abwertend) zu unterfüttern. Da kommt noch einiges auf uns zu.

Wolfram Breger

3 Antworten zu “Münkler als Ideologe”

  1. Simon N. Taalbach sagt:

    Dem kann man sich nur anschließen: einerseits erscheint Münklers Argumentation ziemlich widersprüchlich, andererseits ist diese Widersprüchlichkeit wahrscheinlich ein Produkt der durchaus paradoxen Germropa-Idee. Denn eines ist nach diesen Ausführungen deutlicher als je zuvor: der „dramatisch“ wachsende „Zwang für die Europäer, zusammenzuarbeiten“ steht unter deutscher Hegemonie. Insofern ist Münklers Lachen auf die Frage nach Angela Merkel als „neue Führerin der freien Welt“ auch ein entlarvendes Lachen, bei dem der Realo dem Idealisten in die Parade fährt: ‚einfach zu schön, um wahr zu sein’.

    Dass im Grunde aber doch mit dieser Vorstellung geliebäugelt wird, erschließt sich aus Münklers Assoziierung Deutschlands mit jenen „Staaten, die eine stark wertverbundene Aussenpolitik betreiben“ und der für Merkel laut Münkler vorbestimmten Rolle „als Hüterin von Werten und Normen“: Deutschland als Hüterin der europäischen Verträge bei Schäuble, Deutschland als Hüterin von Werten und Normen bei Merkel. Hier zeichnet sich eine Umwertung der „Verantwortung für den Holocaust“ ab, wegen der Deutschland „moralisch auch zu leicht angreifbar“ ist: aus der historischen Schuld erwächst die gegenwärtige ‚Verantwortung’.

    Auffällig ist, wie von Wolfram Breger schon erwähnt, auch die Rhetorik: Schnorrerei („sicherheitspolitische Kostgänger der USA“), Drückebergerei („noch einmal die Arbeit für uns erledigen“) und eben Willensschwäche (als mangelnder Wille, weltpolitische Stärke zu demonstrieren) werden den europäischen Bürgern attestiert. Hinzu kommt noch die thermodynamische Symbolik des „Machtvakuum(s)“ und des wachsenden „Druck(s)“ auf Deutschland und damit eine Rede, die jeweils auch im Vorfeld der bisherigen ‚Anläufe des deutschen V-Trägers’ nachweislich eine wichtige Rolle spielte.

    Paradox bleibt, wie Deutschland einerseits die EU „zusammenhalten“ und andererseits „seine Interessen als Exportnation“ (Druck + Expansion) verfolgen soll. Gleichwohl erscheint dieser Widerspruch für das politische Handeln konstitutiv und ist sicherlich einer der Gründe für Schäubles europäische Knute.

    Allerdings kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Münkler die mangelnde Vorbereitung auf eine solche politische Welt-Lage gezielt herunterspielt („Rückblickend muss man bedauern, dass sich die Europäer nicht schon viel früher auf diese Wende eingestellt haben“). Zumindest in Deutschland trifft das alles meiner Einschätzung nach auf ein zumindest halbwegs bestelltes Feld. Man denke an ‚Weichenstellungen’ wie den kürzlich erhöhten Verteidigungs-Etat, die Dominanz in Brüssel usw. So gesehen, kann einem wirklich angst und bange werden vor dem germropäischen „wir“, das hier geschmiedet wird und hinter dem sich die mediopolitische Klasse mehr schlecht als recht versteckt. Aber wie heißt es so schön in der Redewendung und in diesem Blog? Bangemachen gilt nicht!

  2. Dr. rer. nat. Harald Wenk sagt:

    Dieser für Wolfram Berger krtische KOmmentar war verschwunden.

    “Die Europäer sind klug beraten, wenn sie sich nicht als weltpolitischen Akteur verstehen. Dafür sind sie tatsächlich zu schwach, und ihre Bevölkerungen bringen auch nicht den nötigen Willen auf.”
    Herr Münkler hat die erfolge der friedensbewgung in der minmalen steigerung auf halbewusstsein seines intesens am eihenen überleben trotz alledem irgendie noch mitbekommen. Herr BEGER weder das erste noch das zweite, das Münkler es mitbekommen hat. )

    “Eine deutliche Mahnung an die vom ihm Beratenen, die für die weiteren Expansionsbesrebungen notwendigen ideellen Voraussetzungen, eine neu-imperialisische Mentalität in Europa zu fördern. ” kommentiert her Berger den Satz münklers der im VOLLEN KONTRADIKTORISVHRN GENSATZ mit “KLUG BERATEN” steht.

    Dr Artikel wurde wusch kurz bem ahicken och Hrn Knoboch zugeordnet in r Anzeige.

    pofesor Link ist doch germanist???

  3. Lieber professot link.

    schon 2 nummern de kulturrevolution sind mir als abonnent nicht ausgeliefert worden.

    ausserdem werde ich derartig ostentativ abgehört und das dann in alltagsintrigen untergebracht, sogar in radiosendungen die ich aktuell höre, dass es kaum zu fassen ist.
    zudem sagt keiner was darüber. ich werde auch seit jahren überall dauergehackt und nicht nur das.

    das beziehende nichtbeziehen ist äußertat unförmig geworden allüberall. zudem wrde ich quasooffiziel dauenfd anfhelogen. da schrint eingerchnt zu sein.

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