“Und willst du nicht mein Bruder sein…”: Michael Martens verrät die geheimen Gedanken des deutschen V-Trägers in der Fatz

Am 21. Juli begann Michael Martens, Südosteuropakorrespondent der Fatz, ein Interview mit dem griechischen Oppositionsführer, Alexis Tsipras, von Syriza, im Stil eines Verhörs: Wie ein Maschinengewehr rasselten die Suggestivfragen herunter: Ob Tsipras Humor habe? Was er von einer Karikatur in der Parteizeitung “Avgi” halten würde, in der Hitler aus der Hölle bei Merkel anrief – warum er mit dem “Semifaschisten” Kammenos (Partei der Unabhängigen Griechen) gesprochen habe, warum Schäuble in der “Avgi” als “Gauleiter” tituliert worden sei, warum Tsipras in einer Wahlkampfrede gesagt habe, Nea Dimokratia und Pasok hätten die griechische Flagge an Merkel ausgeliefert. Nach der 5. dieser äußerst informativen und hoch objektiven Fragen brach Tsipras das “Interview” genannte Verhör ab.

Daraufhin stellte sich Martens (FAZnet vom 27.7.) als Opfer einer totalitären Verfolgung dar. Alle seine Fragen hätten auf Tatsachen beruht. Jetzt wissen wir also: Tsipras ist sehr humorlos und böse, und Merkels und Schäubles Griechenlandpolitik ist rundum okay. Hätte Tsipras zurückgefragt: “Wie erklären Sie sich, das sich seit drei Jahren riesige Teile der südeuropäischen Bevölkerungen von der deutschen Hegemonialpolitik um ihre Normalität gebracht fühlen und dabei immer wieder von einem 4. Reich reden?” – so hätte Martens sicher gesagt: “Ich stelle hier die Fragen!”

Genau das ist der Gestus, bei dem vielen Südeuropäern immer wieder spontan Begriffe wie “Gauleiter” auf die Zunge kommen. Sie können eben den Spieß nicht umdrehen und arrogante deutsche Besserwissis (konkret Wolfgang Schäuble) etwa mit der Frage konfrontieren: “Warum weigern Sie sich, etwas zur bis heute ausgebliebenen Rückzahlung der Zwangsanleihe des 3. Reichs zu sagen?” Überlegt man genau, dann ist es bei solchen Fragen die offizielle deutsche Seite, die sich in die Tradition des 3. Reiches stellt.

Und das tat auch Michael Martens in seinem Bericht: Denn er stellte ihn unter die Überschrift: “Und willst du nicht mein Bruder sein…” Dieser Spruch (mit der bekannten Folge: “dann schlag ich dir den Schädel ein!”) soll angeblich in Tsipras’ Schädel stecken. Martens suggeriert, Tsipras würde ihm am liebsten den Schädel einschlagen (typisch für Linksradikale). Aber: Der Spruch ist ein deutscher, kein griechischer Spruch – er stammt aus einem deutschen, keinem griechischen Schädel – konkret aus dem Schädel von Martens. Man muss nicht bei Freud nachlesen, um zu wissen: Dieser Wunsch ist der eigene Wunsch des Verhörers. “Herr Martens, haben Sie Humor?”

Martens hat hier also die Stimme des deutschen “V(erantwortungs)-Trägers” simuliert, wenn sie vor Wut die Fassung verliert – wenn sie “leider andere Saiten aufziehen muss”. So wie diese Stimme in dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag Oberhausen; 29,90 Euro) vor-simuliert ist. In diesem Roman sind “Charaktere” wie Martens vorerinnert. Dieser Roman handelt genau vom Problem des deutschen V-Trägers bei seinem “3. Versuch” eines “Griffs zur Weltmacht” – sein dickster Klotz am Bein dabei ist der 2. Versuch, und tatsächlich läuft der 3. Versuch ja auch ziemlich anders. Aber was ist eigentlich mit dem 1. Versuch (dem unter Kaiser Wilhelm)? Gibt es da auch keinerlei Analogien? (Gegen Missverständnisse: Die Figur des V-Trägers macht gerade klar, dass es sich um funktionale Prozesse wie Kapitalbewegungen und geopolitische “Zwänge” handelt, nicht um gute oder böse “Charaktere” – was die “Charaktere” aber nicht reinwäscht, wenn sie sich zu “Charaktermasken” der Machtprozesse machen. Wie Martens.

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3 Antworten zu ““Und willst du nicht mein Bruder sein…”: Michael Martens verrät die geheimen Gedanken des deutschen V-Trägers in der Fatz”

  1. anton-reiser sagt:

    hier mal ne weiter literaturempfehlung, um der frage nach historischen analogien mehr tiefenschärfe zu verleihen : gerade erschien Dominik Rigoll, Staatsschutz in Westdeuschland, Von der Entnazifizierung zur Extremistenabwehr, eine von P. Schöttler betreute diss.
    Rigoll erarbeitet, wie die demokratischen neuanfänge der brd nach 1949 durch die grundgesetzlich ermöglichte rückkehr der altnazis in sämtliche staatliche machtpositionen abgewürgt wurden, und daß diese altnazis die 68er, die hierzu kritische fragen formulierten, als extremisten mit berufsverbotsverfahren überziehen konnten. diese vorgänge wurden durch die “totalitarismustheorie” akademisch geweiht.
    resultat dieser restauration ist, zusätzlich verstärkt durch 1989, daß alle linken alternativen zu den bestehenden verhältnissen im mediopolitschen diskurs unter totalitarismus-/bzw. extremismusverdacht stehen, die, außerhalb “unserer” systemlogik stehend, einfach nicht ernst zu nehmen seien. auf bildzeitungsniveau: linke spinner.
    der “qualitätsjournalist” Martens prolongiert diese berufsverbotspraxis/dieses mediale axiom im gestus eines verfassungschützers auf bildzeitungsniveau in sein interview. er will nichts anderes zeigen, als daß Tsipras
    ein humorloser!!! extremist ist, der einfach nicht ernst zu nehmen sei. deutsche geschichtsvergessenheit angewandt auf griechenland.
    ist es dann skandalös, wenn die griechen diese analogien benennen???

  2. dr. rr. nat. harald wenk sagt:

    @anton reiser: guter hinweis. die “dreistheit” der altnazis den “jungfräzulichen” ersten massenakademikern mit einem: “selber nazis!” mit wirlich allem zip und zapp in universitäten, schulen, medien, berufsentscheidungen, museumskomzeptionen, politischer theorie etc., zu kommen, sprengt so sehr den “normalen” rahmen von “menschlichkeit” und “geschäftsgrundlage vernünftigen miteinanders” , das, nach dem motto: “ultradreistheit siegt”, vor allem mit der staatlichen wirklichen macht im rücken, die alt-nazis sich damit “durchsetzten”. der “flur”schaden in der deutschen intelluktulaität und, gesistes – und medeinlandschaft ist eine verheeerende veralltäglichung von volksverdummung und entfremdung! das bekannte wechselln der linken und alternativen GRÜNEN und SPDler ins konversative arbeitgerlager hat sehr viel damit zu tun.

  3. dr. rer. nat. harald wenk sagt:

    wie funktioniert die “projektion” von wei9genn qünschen auf vvorwürfe an andere. nun, die “imitation der affekte” (mpreaus, spinoza), gefühle und handlungenn, identifikatoruiscgh, ist das dicklste band der “geschäftsgrundlage” de kommunikation mit andern überhaupt. versteht man jemanden, ghört msan schon fast dazu, wie es günthe anders in seine antiquitheutr des mesncehn benutzt,. damitz wolltew r ausdrücken, wie unglsauvblich naiv mit dies identifikstorischen grundlage eben nichtumgegangen, sondern diese über fast alle “herrscht”. falls der leser dies durchdenkt und berücksichtuigrt, gehört er fast “zu eine anderemn klasse mensch”, so schlim ist das. roichtoig. die vielen “loguischen” probleme beruhen auf der “induzierten” “dialetik des “gleich und doch entgegengesetzt”… sovie zur (sigmund) freud-lose erklärung des saueren verständigungsgeschäftes.

    sehr gut, dass professor link die übliche verpersönlichung in die “frosch im brunnen perspektive” kollektiv-persönlicher animositäteten zerstört durch einbringem der profesionellen wirlichen macht- und wirtschaftsdymaniken und -strukturen, die sehr stark “überpersönlich” sind , da aus MILLIARDEN von einzelhandlungen, maschinen, und debkakten bestehend, die arbeuitsteilung-funktionlistisch, geldgsteurt, z. b. durch aktienkurse , märkte, zins- ud profitraten, sind.

    der linker berufspolitiker Tspirpas erkannte das das böse journalistenspiel. die arroganz der medienmacht lieg darin, es mit ihm gespielt haben zu wollen. das ist typischer nietzscheanischer “wille zur macht”, das bestreben, andere nach seinem sinne leben zu lassen, wie spinoza feiner analysierte. da sowas ein “qusalitätsjornalist” weiss, weiss er was er da an”richtet”.

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