NSU-Skandal: Realsatire und Literarsatire

Fast täglich melden die Medien neue bizarre Entdeckungen der Untersuchungsausschüsse zum NSU-Skandal. Dadurch nimmt die Transparenz allerdings nicht zu, sondern negativ exponentiell ab. Es bringt also nichts, aus diesen sich häufenden Bizarrerien herausfinden zu wollen, was wirklich geschehen ist, wer mit wem wann interagiert hat usw., wie groß das Netz war, ob es “Sympathisanten” hatte und wo, wohlmöglich in welchen Büros usw. Denn wo Dienste im Spiel sind, ist das oberste Gebot ihre Vorsilbe: „geheim“. Es gibt für Dienstmänner (und Dienstfrauen!) kein größeres Verbrechen als einen „Bruch der Schweigepflicht“. Denn das würde „Informanten gefährden und künftige Rekrutierungen erschweren“. Dienste bewegen sich also von ihrem Grundprinzip her am Gegenpol der Transparenz – Intransparenz ist ihr Wesen.

Deshalb sind Dienste in der Demokratie ein hölzernes Eisen, und auch von demokratischen Untersuchungsausschüssen derartiger Dienste ist nichts anderes zu erwarten als eine Serie von Realsatiren. Es ist aussichtslos, die tatsächlichen interpersonalen Interaktionsnetze rekonstruieren zu wollen. Solche Hypothesen handeln sich lediglich den Aufheuler „Verschwörungstheorie!!“ ein

Was allerdings möglich ist, ist die satirische Simulation des interpersonalen Netz-Interaktionismus als solchen. Eine derartige literarische Satire liefert ihren Leserinnen schöne Anlässe zum Grinsen und Lachen und dabei gleichzeitig Ahaerlebnisse mittels des Vergleichs zwischen Simulation und der Spitze realer Eisberge wie des NSU. Man lernt die Funktionsweise von Diensten besser begreifen als noch so viele Untersuchungsausschüsse in vielen Jahren (bis sie durch neue Skandale total überholt sind und einfach vergessen werden).

Eine solche satirische Simulation gibt es bereits in einem Kapitel des in diesem Blog schon mehrfach erwähnten ästhetisch-politischen Romans „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“ (assoverlag Oberhausen, über den Buchhandel oder Amazon). Es handelt sich um das Kapitel „Zwillingsgeschichte AOK, Simulation von 1975 auf 1988“. AOK steht dabei für „Ausländer-Overkill“, und es geht um eine groteske Eskalation, in der sich Dienste mit Nazinetzen verheddern. Dass diese literarische Simulation sich, wenn auch verspätet, als höchst realistisch erweist, zeigt der Fall NSU. Er zeigt ebenfalls, dass Lächerlichkeit Empörung und Grausen nicht ausschließt.

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