Er will das Wort „Griechenland“ abschaffen – er hat es verdient, „Schatzemann“ zu heißen

„Georg“ Chatzimarkakis, seines Zeichens FDP-Euroabgeordneter, kommt im Moment in den griechischen pardon hellenischen Medien groß raus. Nicht mit einer Erinnerung an seine Plagiatsaffäre (er sollte seine Doktorarbeit großenteils abgekupfert haben, kam aber mit einem blauen Auge davon, weil er sowieso die schlechteste Note hatte) – nein, weil er die ultimative Lösung für die Griechenlandkrise vorschlägt: mit den internationalen Namen für das Land seiner Vorfahren, die vom lateinischen „Graecia“ kommen (Greece, Griechenland usw.), sei es wie mit einem „verbrannten“ Firmennamen – so wie bei Schlecker  oder Tepco – die Namen solcher Pleitefirmen müssen ganz schnell weg, weil „die Märkte“ solche Namen abstrafen – ein neues Logo muss ganz schnell her, und dann kommt der Aufschwung! Also weg mit „Griechenland“ und „Grieche“, statt dessen her mit (dem seit alters zuhause gebräuchlichen) „Hellas“ und „Hellene“. Mit diesem Coup würden „die Märkte“ sofort eine Kursrakete für „hellenische“ Schulden und Banken aufs Parkett legen! 

Falls jemand es nicht richtig begriffen hat: Alle Sprachen der Welt sollen ihre Lexika neu auflegen und „Greece“ usw. streichen und statt dessen „Hellas“ (auf englisch wie auszusprechen?) reinnehmen.

Wenn das mal keinen Doctor integrationis honoris causa wert ist! Und noch mehr: Schon während Plagiate noch ein „Thema“ waren, sprachen unsere Diskutanten bei Anne Will seinen Namen immer „Schatzimakakis“ aus – in der Tat ist ihm sein pleitegriechischer Name nicht länger zuzumuten. Verleihen wir ihm den „deutschen“ Namen Schatzemann honoris causa. Und warum nicht gleich an die Börse gehen? – mit Schatze minus Mann dot com!

3 ZUSCHLÄGE EINEN TAG SPÄTER

Gestern war ich, wie man sieht, noch ausgesprochen optimistisch für Schatze minus Mann dot com. Aber (es muss was Unterbewusstes gewesen sein) heute nacht wurde ich zu früh wach und kam ins Grübeln. Ich bin ja ganau wie Schatzemann überzeugt davon, dass die ultimative Souveränität und Entscheidungskraft bei „den Märkten“ liegt. Und deshalb kann ich den Märkten einige early warning signals nicht vorenthalten – einige Zweifel, die mir im Dunkeln kamen:

1. Wenn die Kurse für Hellas dot com hochschießen, werden andere Pleiteländer natürlich auf die gleiche Idee kommen, ihren Namen zu wechseln. Italien könnte sich zum Beispiel ROMA dot com nennen, Portugal VASCODAGAMA dot com, Island VIKING usw.  Es könnten daraus auch „ganz große Dinger“ entstehen. So weiß man zwar nicht genau, welche Länder Alexander der Große auf seinem Feldzug nach Indien alle durchquerte (oder weiß man das doch, Anton Reiser?). Jedenfalls soll er auch Afghanistan mindestens gestreift haben. Das ist ein Land, das bekanntlich unbedingt umgetauft werden muss: Vorschlag ALEXLAND minus DRONES minus DRUGS dot com. Sogar der Krieg, der ja bekanntlich zu teuer wird, könnte so ersetzt werden. Es könnte ALEXLAND minus TALIBAN dot com ebenfalls an die Börse gehen, und die Märkte würden dann entscheiden. Aber attention please: Das Ganze könnte ausufern – wenn die Schulden sämtlicher 150 armen Länder der Welt zu Hits an den Börsen würden, würden am Ende die deutschen Schuldenrenditen steigen…

2. Auch das Problem der Aussprache von HELLAS bleibt. Auf französisch zum Beispiel gibt es hélas schon – und das heißt leider „leider“.

3. Naürlich müsste angesichts der augenblicklichen Umfragewerte auch das Logo FDP gewechselt werden – Vorschlag LDPD (Liberal-Demokratische Partei Deutschlands) – dass es die schon mal gab, wissen die Märkte bestimmt nicht – wurde nie an einer Börse gehandelt – aber wenn es ihnen jemand steckt?

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3 Antworten zu “Er will das Wort „Griechenland“ abschaffen – er hat es verdient, „Schatzemann“ zu heißen”

  1. anton-reiser sagt:

    oh, jürgen, welche grob materialistische verkennung dir doch unterlief.
    Dr.!! Chatzimarkakis löst die krise durch unmittelbaren rückgriff auf die quellen „unserer“ griechisch-christlichen leitkultur: in zeiten der tagespolitischen krise greift er zurück auf die blütezeit der griechischen philosphie und die ergebnisse des unviversalienstreites. in unmittelbarer auseinandersetzung mit platons problematik bezieht er die scholastische position der nominalisten und rettet die europäische ökonomie auf dem einzig möglichen weg: besinnung die ewigen wahrheiten der kultur!!!!

    wir sollten dankbar sein.

    anton

  2. anton-reiser sagt:

    jürgen link schrieb: „So weiß man zwar nicht genau, welche Länder Alexander der Große auf seinem Feldzug nach Indien alle durchquerte (oder weiß man das doch, Anton Reiser?)“.

    nach der logik Chatzimarkakis`müßte dazu etwas in Fontanes „Irrungen udn Wirrungen“ zu finden sein. mal so ganz vom label her gedacht…..

    anton

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