SDI, NMD, GMD, Aegis: Die Namen wechseln, das Ziel bleibt – die Wiedergewinnung des Erstschlagmonopols

Ein Test mit “Aegis” ist fehlgeschlagen. Die Medien erzählen was über “Raketenabfangsysteme” der USA. Daran wurde schon seit Reagans Zeiten gebastelt – damals hieß es SDI (Strategic Defense Inititiative), im Medienmund “Star Wars”. Seitdem wechselten die Namen – so hieß es unter Bush jr. NMD (National Missile Defense). Der “Schild” sollte dann in Polen direkt vor Russlands Nase aufgebaut werden, was selbst einige deutsche Politiker etwas frech fanden. Deshalb stornierte Obama dieses Projekt und strich das “National” – jetzt heißt es einfach GMD (Ground based Missile Defense). Auch die Bedrohungen wechselten – zu Reagans Zeiten gehörte sogar mal Gaddafi dazu, letztens natürlich Iran und Nordkorea.

Worum es wirklich geht, kann jedes Kind verstehen: Angenommen die USA verfügen über einen funktionierenden Raketenschild, dann haben sie das Monopol auf die nukleare Erstschlagskapazität wiedergewonnen, das sie schon einmal 4 Jahre lang besaßen (von 1944 bis 1948). Das ist der Traum jedes Supermächtigen – damit kann man jeden Konkurrenten erpressen. Denn es ist so einfach zu verstehen: Die USA führen einen nuklearen Erstschlag sagen wir gegen ein künftiges China, das sie als Bedrohung sehen – China schlägt zurück, aber die USA fangen diese “Antwort” mit ihrem “Schutzschild” ab. Das genügt, um per Ultimatum jedes Ansinnen durchzusetzen. (Dazu passt übrigens, das sich die USA bis heute weigern, offiziell auf den Erstschlag zu verzichten.)

Techniker sagen, es werde rein technisch nie funktionieren können (Ablenkung der Abfangraketen durch Attrappen, Gegen-Lasersysteme und weiß der Teufel was) – aber die Geschichte der Nukleartechnologie zeigt, dass die entsprechenden Ingenieure und Politiker wahrhaft fundamentalistische Fanatiker sind, die ihr Ziel weiter wild entschlossen verfolgen werden – es sei denn, sie würden von einem klaren Nein aller Länder der Welt gestoppt. Dazu muss aber des Pudels Kern klar ausgesprochen und in der breiten Öffentlichkeit bekannt werden. Genau das verhindern auch die europäischen Regierungen, die so tun, als ob es um den Iran ginge, der auch uns bedrohen würde, weshalb wir uns in NMD oder GMD “einbeziehen lassen” müssten. Ohne Spaß: Wenn ein Land vom Iran tatsächlich bedroht sein könnte (obwohl es eigene Atomwaffen hat, die selbst Ahmadinedschad abschrecken dürften), dann ist es Israel – soll dagegen ein “Raketenschild” im Pazifik oder in Europa schützen?

Also: alle diese Basteleien mit “Aegis” und Co. sind Schritte auf dem Weg zum absoluten Worst Case Scenario, zur Realisierung der Apokalypse. Dieser Weg kann jetzt noch gesperrt werden – irgendwann nicht mehr.

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2 Antworten zu “SDI, NMD, GMD, Aegis: Die Namen wechseln, das Ziel bleibt – die Wiedergewinnung des Erstschlagmonopols”

  1. Dr. rer. Nat. Harald Wenk sagt:

    Die Drohung mit einem realitischen Atomkriegszenario macht ein weing die reale Gefashr deshalb, die wir mesitenzeitlebsn schion ahbnen, deutlich.
    Dsds wird ganz platt psychonalytisch fast bewusst erst beiseite und dann verdrängt.
    Das Gleichgewicht des Schreckens und die “Philosophie der Abschreckung” FÜR DIE ANDEREN.
    Analog:
    Techniker und Wirtschaftler hätten sagen müssen, das es unmöglich sei, ein so einfaches Betriebssytem wie MS-DOS und Windows zum fast kommerziellen PC Monopol zu machen.
    Es ist “anders gekommen”.

    Selbstverständlich müssen sich die beiden und viele andere Berufsgruppen fragen, was mit ihrer mühsam erlernten Kompetenz so gemacht wird.

    Die Verbiegungen des naturwissenschaftlichen Betriebes durch das Atommilitär sind auch ziemlich tief. Ess fängt bei einer allgemeinen Geheimniskrämerei durch Antipädagogik der Mathematik und Physik an und geht über Forschungsgelder zu Direktanwendungsforschung für das Militär. Die fast disjunkte Trennug der Ostblockforschung zur westlichen kommt hinzu.

    Die Dauerverdrängung von Menschheitstodesszenarien legen den Rückgriff auf mittelalterliche psychischen Todesumgangspraktiken nahe.
    Die sind in den großen orthodoxen Religionen überliefert.

    U. a. deswegen sind die “nun (immer noch H.W.) mal da” (Habermas, mündlich im Vortrag zu den Religionen).

    Man darf diskursanalytisch wirklich nirgendwo kratzen, ohne das sich Abgründe auftun…

    Für die Multitudo: Ich finde, ähnlich wie der Artikel, die Verdrängung dieser Dauerdrohung ist Anlass zu einem Misstrauensantrag bezüglich des Selbsterhaltungstriebes, vulgus: seinen Nutzen suchen,
    meiner Mitmenschen. Ich lege ihn zu den vielen andern Anträgen.

  2. […] westlicher Geheimdienste in den arabischen FRühling und den Anstrengungen zur Wiedergewinnung des Erstschlagmonopols weiß Gott […]

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