Ein „Kommissarsbefehl“ in Afghanistan?? Hat die fatale Stunde geschlagen?

Zitat Spiegel-Online 30.12.2009: „Laut dem Bericht einer von Karzai eingesetzten Untersuchungskommission trieben am vergangenen Samstag Soldaten der internationalen Truppen im Distrikt Narang in der Provinz Kunar 10 Zivilisten aus ihren Häusern und erschossen sie. Unter den 10 Todesopfern seien 8 Schüler im Alter von 13 bis 17 Jahren. […] Dagegen sagte ein ranghoher Isaf-Offizier, der anonym bleiben wollte, es habe keine zivilen Todesopfer gegeben. Alle Toten seien Männer ‚im Kampfesalter‘ gewesen. Bei dem Vorfall seien US-Elitesoldaten im Einsatz gewesen, aber keine Nato-Soldaten. Ein US-Soldat in Asadabad, der Hauptstadt von Kunar, sagte, keiner der Getöteten sei ‚unschuldig‘ gewesen.“

Die Überschrift des Artikels lautet: „8 US-Bürger bei Selbstmordanschlag getötet“ (da ging es um – verfremdet ausgedrückt – die gezielte Tötung einer CIA-Einheit durch INS = insurgents). Es ist also doppelt schwierig, den Faktenkern aus den durchmischten Meldungen zu extrahieren. Plausibel erscheint es zunächst, dass nicht „normale“ Isaf-Soldaten, sondern „Eliteeinheiten“ die „Aktion“ oder den „Einsatz“ durchführten – aber offensichtlich abgesprochen mit und geschützt von Isaf-Truppen (zu denen zwar nicht in dieser Provinz, aber insgesamt die deutschen Soldaten gehören).

Natürlich ist allgemein bekannt, dass man „demokratische“ Kriege niemals mit Nazi-Kriegen „vergleichen darf“. Hier geht es auch nicht um „Vergleich“, sondern um Schwierigkeiten beim Verstehen. Und dazu hilft nun doch unsere inzwischen verbreitete Kenntnis über den deutschen Feldzug gegen die Sowjetunion 1941-1945. Da war es so, dass „Einsatzgruppen“ in Absprache mit und im Schutz der Wehrmacht den (geheimen) „Kommissarsbefehl“ durchführten. Das ging so: Denunziation „aktiver Kommunist und potentieller Widerständler“ (= „Kommissar“) – aus dem Bett geholt – erschossen.  Die „Einsatzgruppen“ (meistens der SS, der Polizei, aber auch der Wehrmacht selbst) waren durchaus „Elitetruppen“.

So könnte es also auch jetzt in Afghanistan laufen (kein Vergleich! bloß Verständnishilfe): Es scheint einen (geheimen) Befehl zu geben, alle auch bloß potentiellen „Taliban“ (oder „Insurgents“), soweit sie im „kampffähigen Alter“ sind (also offenbar ab 13 Jahren) „gezielt zu töten“. Es scheint, dass die direkt Ausführenden Elitesoldaten sind (im Fall Deutschland also KSK: wie bei dem Massaker von Yakob Baj am 4.9.2009), aber dass sie in Absprache mit und im Schutz der „normalen“ Isaf handeln. Nach dem Rezept: Denunziation – aus dem Bett holen – erschießen.

Wer eine alternative Erklärung der Fakten weiß, möge sie bitte als Comment mitteilen.

Falls die hier gewagte Hypothese aber insgesamt korrekt sein sollte: Was würde daraus folgen?? Hätte dann nicht die fatale Stunde geschlagen, wo wir uns eingestehen müssten, dass deutsche Truppen „im deutschen Namen“ Aktionen zumindest decken, zu deren Verständnis man auf frühere deutsche Kriege zurückgreifen muss? Und: Begreifen wir jetzt nicht endlich, warum „unsere Väter geschwiegen haben“? Vielleicht weil sie solche Meldungen ebenfalls (innerlich) unter eine falsche Überschrift gestellt und sie im freudschen Sinne „verleugnet“, ja sogar „verworfen“ haben (das ist was anderes als „verdrängt“: es ist schlimmer)? „Ich habe nichts gesehen“?

Um es zu wiederholen: Wir können nicht mehr warten auf eine neuerliche „Gnade der späten Geburt“ – weil wir allemannfrau längst schon geboren sind.

Die Ursprünglichen Chaoten

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