Archive for November, 2009

“Sollen wir eine Bank überfallen?” Aber Frau Wintermantel! Natürlich eine gründen! Und Bad Universities!

Mittwoch, November 25th, 2009

Margret Wintermantel, Chefin der deutschen Rektoren und -innen, Psychologin mit Forschung über Experten-Laien-Dialoge, erwies sich als kläglich unfähig zu einem solchen, als protestierende Studis ein Go-in machten. “Sollen wir denn eine Bank überfallen?” schrie sie die Studis an.

Aber Frau Wintermantel! Da sieht man, dass Sie den BA in Wirtschaft nicht packen würden: Sie sind nicht auf Exzellenzniveau, sonst wüssten Sie, dass seit langem die Faustregel gilt:

“Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?”

Deshalb gleich hier die entsprechende Multiple-Choice-Aufgabe für Sie:

Diese Faustregel wurde formuliert von:

A Friedrich von Schiller

B Josef Ackermann

C Ulrike Meinhof

D Jemand anderem

(1 Credit Point; mehrere Lösungen können richtig sein)

Wenn Sie nun diese Faustregel auf Exzellenzniveau kreativ auf Ihre zugegeben nicht ganz einfache Situation anwenden, ergibt sich folgendes: Ihre Bologna-Blase ist geplatzt (was die Ursprünglichen Chaoten in diesem Blog schon im Juni konstatiert hatten – jetzt sogar von der Fatz bestätigt). Aber nicht verzweifeln! Sie müssen jetzt ernst mit Ihrem Prinzip machen, dass Unis wie Wirtschaftsunternehmen zu führen sind. Was haben die Banken gemacht, als ihre Kredit-Blasen platzten? Sie haben Bad Banks gegründet und die toxischen Kredite darein ausgelagert. Dafür gab ihnen der Staat sofort ein paar hundert Milliarden, damit sie wieder frische Profite machen konnten.

Das ist doch die Lösung für Sie: Sie gründen Bad Universities und lagern die faulen Kredit-Punkte (Credit Points) zusammen mit den toxischen Bachelor-Studiengängen in diese Bad Universities aus: Dann wird Ihnen der Staat für die Exzellenzen ganz sicher die fehlenden Milliarden geben!

Die Ursprünglichen Chaoten, nach einer Idee des Unpolitischen Zwillings

Das Rätsel des “neuen Normal” – und eine normalismustheoretische Antwort

Sonntag, November 22nd, 2009

Seit dem 17. November 2009 (Rhein-Main-Zeitung; 19.11. dann fatz) häufen sich in den Wirtschaftsmedien die Fragen, was “das neue Normal” sei. U.a. wurde diese Frage auf der 12. Euro Finance Week in Frankfurt gleich am Anfang von 25-Prozent-Ackermann aufgeworfen; es folgten dann noch die Reden von 500 weiteren Bankern.

Ja, was ist wohl das “neue Normal”? Wir haben sicher zu recht erstmal den Verdacht, dass es sich um einen typischen Banker-Übersetzungsfehler handeln dürfte. So ist es: es soll die Verdeutschung des englischen “the new normal” sein, was ja wohl heißen müsste: “die neue Normalität”. So hieß eine populäre Sendung auf ABC News, in der normal people erzählen durfte, wie sie ihr “old normal” mehr oder weniger findig runterbrechen auf “new normal”. Zum Beispiel indem sie die Air Condition rauf- bzw. runterstellen, um Energie zu sparen, oder indem sie jeden zweiten Friseurtermin canceln und sich selbst frisieren, oder indem sie sonst den Gürtel enger schnallen.

Es geht also um die Störung bzw. Unterbrechung (Diskontinuität) der “alten Normalität” durch die Krise. Es geht also um die Normalisierung der Krise – wobei aber paradoxerweise eine “nicht normale Normalisierung” erwartet wird – d.h. eine Normalisierung, die nicht zurück zum “old normal”, zur Vor-Krisen-Normalität zu führen scheint. Darin steckt also sozusagen eine Menge Sprengstoff, weil es bedeuten würde, dass das “normale Wachstum” (s. dazu den “Versuch über den Normalismus”, 4. Auflage Göttingen, Vandenhoeck u. Ruprecht) irgendwie unterbrochen werden könnte. Dieses “normale Wachstum” geht in endlosen Schlangenlinien (logistischen Kurven) aufwärts: steiler, exponentieller Aufschwung, Abnahme des Steigungswinkels bis annähernd Null plus eventuell kleiner Abschwung – neuer Zyklus mit neuem Aufschwung usw. bis in alle Ewigkeit. (Das zu “wissen” – darin besteht eigentlich alles Wissen der genialen Manager – sie wetten bloß verschieden auf die Kurvenknicks.)

Das ominöse Stichwort vom “new normal” bedeutet also ein Menetekel: lange Unterbrechung oder gar Ende der endlosen Schlange des normalen Wachstums? Für die Wirtschaft und die Banker bedeutet es konkret das Rätsel, “wo nach der Krise [...] die neuen Gleichgewichtspreise und -mengen liegen werden” (fatz 19.11.). Noch konkreter: wo die Durchschnittsprofitrate liegen wird – ob sie dauerhaft sinkt und was das für Folgen haben wird. Natürlich durfte die Frage so (kapitalismusanalytisch) in Frankfurt nicht gestellt werden – sie durfte (bzw. konnte) nicht einmal normalismusanalytisch gestellt werden. Und was Ackermann & Co. sagten, lief auf das Platzen der Diskurs-Blase “neues Normal” hinaus: Sie propagierten nämlich unisono ihr “altes Normal”: 25 Prozent Rendite, keine Einschränkung ihrer “Freiräume” (Ackermann). Das Platzen der Diskurs-Blase könnte ein böses Omen für die neue wundervolle Aktien-Blase sein, die nach dem Prinzip der endlosen Schlange mit ganz kurzen Zyklen up up and away neuen “Rekorden” zustürmt. Also: Die neuen Profite stammen im wesentlichen bloß aus der Aktienspekulation. Genau das ist  – nein nicht das “neue”, sondern das “alte Normal”.

“Wir stehen voll hinter dem Protest der Belegschaft – GM muss Opel jetzt zügig stilllegen!”

Sonntag, November 15th, 2009

Schizophren? Nicht vorstellbar? Wenn aber eine Bundesministerin und alle Landesminister genau solche Erklärungen abgegeben hätten – bloß auf einem anderen Politikfeld? So ist es tatsächlich: Auf die Forderung der protestierenden Studierenden nach Abschaffung der Studiengebühren, der Uni-Dualisierung und der völlig vor die Wand gesetzten Bachelor-”Reform” mit ihrem absurden Verpunktungs- und Modulsystem, das auf Fast Knowledge, also Verdummung, und vor allem auf die Schaffung eines akademischen Billiglohn-Prekariats hinausläuft, antwortete Frau Schavan und antworteten die Kulturminister: Wir stehen voll hinter den Forderungen der Studierenden – jetzt sind die Unis am Zuge, ihre Hausaufgaben endlich zu machen und die “Reform” endlich zügig umzusetzen! Vor allem: die Lehrinhalte endlich zügig zu entschlacken!

Studiengebühren? Schweigen. Dualisierung der Unis in Elite und Fast Knowledge, der Profs in Principal Investigators und E-Learning-Begleiter? Schweigen. Bachelor-Verpunktung und -Verdummung? Soll noch gesteigert werden (“Entschlackung”)! Abschaffung der Hochschulräte mit ihren Crash-Bankern und der privaten Akkreditierungsagenturen? Schweigen. Wieder umgekehrt: Frau Wintermantel, Chefin der Rektorenkonferenz, kann weit und breit keine “Ökonomisierungstendenzen” erblicken – sie hält diesen Begriff für “ideologisch”.

Offensichtlich gehen diese V-Träger davon aus, dass ihre Verdummungs-”Reform” bereits gewirkt habe und die Protestierenden nicht merken würden, was jedem Opelarbeiter sofort aufstieße: Ihr fordert A? Aber wir sind doch total solidarisch mit euch und fordern doch genauso wie ihr endlich die zügige Umsetzung von Non-A! (Ein Modul Logik wäre Schlacke – ist aber weitestgehend schon entschlackt.)