Archive for Oktober, 2009

Lesung aus der “Vorerinnerung” in Siegen

Montag, Oktober 12th, 2009

Im Anschluss an die Tagung des Siegener Promotionskollegs “Demokratie und Kapitalismus” liest Jürgen Link aus dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung” (assoverlag Oberhausen).

Wann? Freitag, 6. November 2009, 19 Uhr

Wo? Kultcaff Uni Siegen

An der Tagung selbst beteiligt sich J.L. mit einem Vortrag zum Thema

“Normalisierung der Krise” (10.15 Uhr Senatssaal AR-UB 032)

Vortrag und Lesung im Kombipack

Montag, Oktober 12th, 2009

Im Rahmen der Tagung “Literaturwunder Ruhr” hält Jürgen Link einen Votrag (Titel gegenüber dem ersten Programm geändert) zum Thema:

Ein Rhizom, hämmernd und kochend – oder wie die Heimatliteratur am Ruhrgebiet scheitert (mit einer autogenen Fluchtlinie).

Die Fluchtlinie besteht aus einer kurzen Lesung aus dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung”.

Wann? Freitag, 30. Oktober 2009

Wo? Bochum, Haus der Geschichte des Ruhrgebiets, Clemensstr. 17-19 (Nähe Schauspielhaus)

Siehe auch das übrige, spannende Programm im Internet!

Sarrazins protonormalistisches Manifest und der gespaltene V-Träger

Donnerstag, Oktober 8th, 2009

Er hat schon lange als “Mann der mutigen Wahrheit (links)” gearbeitet (Leserinnen der “Vorerinnerung: Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr Armee”, assoverlag, wissen bescheid). Jetzt hat er einmal in Ruhe ein richtiges Manifest publizieren lassen, das die hegemonialen Mediokraten und den V-Träger selber (siehe unten) gespalten hat: Zastrow bei Springer und Mohr beim Spiegel verteidigen ihn vehement, während andere dann doch kalte Füße bekommen. Aber worin besteht eigentlich genau der Kern dieser “mutigen Wahrheit” und dieses Spaltpilzes?

Da ist wirklich die Normalismustheorie gefragt (Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird, Vandenhoeck und Ruprecht). Über die bekannten “provokanten Formulierungen” hinaus (Massen von kleinen “Kopftuchmädchen” fluten auf uns zu) war der Kern der “mutigen Wahrheit” normalismustheoretisch völlig eindeutig: Sarrazin hat die protonormalistische Theorie von der “differentiellen Geburtenrate” reproduziert. Die “Unterschicht” (hauptsächlich die türkisch-arabische, aber auch ansatzweise die “deutsche”) hat einen unterdurchschnittlichen IQ, setzt aber die meisten kleinen Scheißerchen in die Welt. Dagegen fehlen Einwanderer mit hohem IQ (wie früher die Juden), und (ist zu ergänzen:) auch die “Deutschen” mit hohem IQ verweigern das Kinderkriegen (Syndrom der “kinderlosen Akademikerinnen”). Folge: Der durchschnittliche IQ schmiert immer mehr ab. Diese Lage ist in Berlin besonders schlimm. Die Schülerinnen dort werden von Jahr zu Jahr dümmer. Da aber nur ein hoher IQ zum “Leistungsträger” qualifiziert, schmiert auch die Wirtschaft ab.

Diese Theorie wurde von Darwins Vetter Francis Galton vor mehr als 100 Jahren erfunden; sie bildete die Grundlage seiner “Eugenik”, und die wiederum war der Musterfall einer “protonormalistischen” Reaktion auf moderne Massendynamiken. Die angeblich immer schiefere IQ-Verteilung der “Population” (Begriff auch von Sarrazin) bedeutete angeblich eine katastrophale Denormalisierung – die Normalität (Beseitung der Schieflage durch Verringerung der Niedrig-IQ-Population) sollte dringend wieder hergestellt werden (Galton dachte an Heiratsverbote – er konnte sich noch nicht vorstellen, was seinen Nachfolgern noch alles einfallen würde). Bei Sarrazin heißt das: weiteren Zuzug radikal verbieten (im wesentlichen: Heiratsverbot in Deutschland; sollen sie in der Türkei heiraten, dort bleiben und Kopftuchmädchen produzieren).

Weitere historische und systematische Informationen über Galton, IQ-Fiktionen (wissenschaftlich höchst wackliges Konzept!) und “Protonormalismus” finden sich im “Versuch über den Normalismus”. Dort wird auch erläutert, wie der Protonormalismus nach dem 2. Weltkrieg in Verruf geriet und durch den “flexiblen Normalismus” ersetzt wurde. Der hat die Normalitätsgrenzen ausgeweitet und die zuvor “anormalen Populationen” (nicht bloß Einwanderer, sondern auch sexuelle Minderheiten, Behinderte usw.) in die Normalität integriert und inkludiert. Sarrazins Monolog stellt sich damit als ein wahrhaftiges Manifest gegen den flexiblen Normalismus und für eine “Wende” zum Protonormalismus heraus.

Und genau das spaltet nicht bloß die Mediokraten des V-Trägers, sondern den V-Träger selber! Der V-Träger ist der “Verantwortungs-Träger”  und spielt eine Hauptrolle in dem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee”. Er leidet dort manchmal an MPD (Multiple Personality Disorder), wobei er sich verspricht und NPD sagt. Was im Roman prognostisch simuliert wurde, spielt sich nun in der Realität ab: Die eine Person im V-Träger, Bundesbankchef Weber, ist über Sarrazin schlicht entsetzt. Sie weiß, dass der Weltmarkt und gerade auch ein richtig verstandener Neoliberalismus nur mit flexiblem Normalismus vereinbar ist. Die andere Person im V-Träger aber (Hans-Olaf Henkel) schmeißt sich schützend vor Sarrazin und wettert gegen den “Vernichtungsfeldzug”, der diesen angeblich bedroht. (Wir sollen innerlich ergänzen: Sarrazin wird jetzt verfolgt wie früher die Juden.) Diese Person im V-Träger will also das “Tabu” des “Denkverbots” über den Protonormalismus und über härtere Normalitätsgrenzen draußen und drinnen endlich vom Tisch kriegen. Wie das weitergehen könnte, kann man in der “Vorerinnerung” lesen – es ist dort vor-erinnert: Es macht den V-Träger zuweilen regelrecht philosophisch, und er grübelt dann in seinen schlaflosen Nächten über Schopenhauers tragisch in sich gespaltenen “Willen”.

“Es geht uns nicht um einen sofortigen Abzug”. Oder: Wie aus bösen Stasis gute Realos werden

Mittwoch, Oktober 7th, 2009

Man hätte es sich doch denken können! Nach dem veritablen Kollaps der Niemals-mit-der-Linken-SPD muss der Linken nach dem erfolgreichen Muster der Grünen jetzt ganz auf die Schnelle jeder noch verbliebene antihegemoniale Zahn gezogen werden, damit sie “regierungsfähig” wird – und als erstes der antihegemoniale Eckzahn. Was ist dieser Eckzahn? Natürlich die Ablehnung des deutschen Vietnamkrieges in Afghanistan. Denn daran hängt das ganze Prinzip weltweiter militärischer Interventionen der Bundeswehr. Und daran wiederum hängt “unsere” neue Rolle als Weltmacht (“gewachsene Verantwortung”) und führendes Mitglied der G7-Weltjunta. So sagen unsere Medien das natürlich nicht – sie sagen “Politikfähigkeit”, “Regierungsfähigkeit”, NATO-Verpflichtungen und dreimal dreitausendmal “Verantwortung”.

Also: Der Eckzahn muss raus. Meint Bodo Ramelow, beinahe heimlicher Regierungschef von Thüringen. Wem sagt er das? Natürlich der Springerpresse (Welt am Sonntag 4.10.2009). Nun könnte man denken: Landesregierungen haben sowieso nichts über Afghanistan zu entscheiden, warum weicht er da nicht einfach aus? Na weil es eben der Eckzahn ist, und das will die Hegemonie als erstes wissen – das hätte sie sogar von einem Kommunalpolitiker wissen wollen. Also bedient Ramelow beflissen und antwortet: “Uns geht es nicht um einen sofortigen Abzug.” Da kann sogar das niederländische Parlament einen fast sofortigen Abzug beschließen – die Niederlande sind nun mal kein Mitglied der G7-Weltjunta.

“Wie soll man die neue große Bundestagsfraktion der Linken bändigen, in der viele radikale Leute sitzen?” fragt die WamS weiter. Antwort: “Wir arbeiten mit Hochdruck daran.”

Stopp! Wer ist dieses “Wir”? Wer sitzt mitten in diesem “Wir” als Afghanistan-Spezialisten drin?  Da wird es spannend: Dadrin sitzen “Leute”, die für die Springerpresse ansonsten das schlechthin Böse sind: Alte SED- und (oh Graus!) sogar Stasi-Seilschaften! Das sind aber keineswegs die “radikalen Leute”, von denen die Rede war! Bitte nicht verwechseln! Diese Stasi-Seilschaften sind vielmehr neuerdings “Realos” – sie sind die unbedingt notwendigen “Realos”, die gebraucht werden, um eine Partei “politikfähig” zu machen. Damit das Szenario abspulen kann wie bei den Grünen.

Diese “Realos” der Linken haben auch einen “Vordenker”. Der war bekannter Stasi-Mann und heißt André Brie. Bei einem “Vordenker der Realos” ist Stasi aber keine Schande, sondern ganz im Gegenteil: Eine sehr gute Sache! Siehe dazu den Artikel “Der Vordenker dachte in die falsche Richtung” aus der Fatz vom 24.9.2009. Da erfahren wir nicht nur, dass er Stasi war, sondern auch, dass er Lafontaines Forderung nach dem Abzug aus Afghanistan “zu platt” findet! “Oft reiste er als Afghanistan-Beauftragter des Europaparlaments an den Hindukusch” – um dort mit der Bundeswehr die junge afghanische Demokratie aufzubauen! Wir verstehen: Es ist ja bei dieser Seilschaft nicht das erstemal: Die verstehen echt was von Afghanistan, die haben ja schon den Krieg der Sowjettruppen gegen die Taliban unterstützt, bis zum Endsieg! Die haben sich ihre Realoehrenmitgliedschaft nun wirklich unter großen Opfern verdient!

Bitte keine Verschwörungstheorie: Ramelow ist schließlich Wessi. Okay, als ob es keine genauso guten Wessi-Realos gäbe (siehe immer wieder die Geschichte der Grünen). Aber in dem “Wir” haben sich eben Wessirealos und Ossirealos zusammengefunden – und die Ossirealos sind alte SED- und Stasiseilschaften. Ramelows Büro zeigt das im Kleinen: seine Quasi-Chefsekretärin Marion Wallroth war Stasi. Das stört auch in ihrem Fall keine Springerpresse. Q.E.D.