In der Vorerinnerung (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee, assoverlag Oberhausen: zum Lesen, Sich-Schenken-Lassen, etwa zu Weihnachten, auch zum Selberverschenken empfohlen) – also in dieser Vorerinnerung ist bekanntlich eine Art zukünftiger Vietnamkrieg der Bundeswehr aus der Sicht der 1970er und 1980er Jahre vorweg-simuliert. Er findet sogar in einem Land A* statt. Dabei spielen die “3 Stabsärztebrüder” eine Schlüsselrolle: SA 1 (normaler Stabsarzt), SA 2 (Psychiater, Spezialist für Kriegsstresssymptome, V-Mann des MAD sowie in der Sicherheitsindustrie engagiert) und SA 3, der “Überseebruder” (s. S. 95f. der Vorerinnerung). Zu den Reizen der Lektüre der Vorerinnerung gehört auch eine Art Applikationsspiel mit der Aktualität: Dieser Roman ist u.a. auch eine Art Netz, in das die Realität hineintappt und dadurch sichtbar wird.
Nun hat sich der erste reale Stabsärztebruder, “Dr. Michael Domes, Oberstabsarzt der Reserve, Hamburg” in einem Leserbrief an die FAZ (14.9.2009) zu der von Bundeswehroberst Georg Klein befohlenen Bombardierung von Tanklastwagen bei Kundus in der Nacht zum 4.9.2009 mit der Massentötung von Zivilisten geoutet. Er stellt rhetorische Fragen von der Art: “Ein Luftangriff um circa 1.30 Uhr. Was machen Kinder und unbeteiligte Zivilpersonen um diese Uhrzeit an einem Flussbett außerhalb einer Ortschaft in einem Unruhegebiet?” (Sie wollten natürlich möglichst viel kostenlosen Sprit abzapfen, wie überall in der 3. Welt bei jeder Gelegenheit, auch an Pipelines, üblich: Es handelt sich beim Frager also nicht um den Überseebruder, der das wüsste.) “Kritik der Vereinigten Staaten: Wie kommt es, dass die jetzigen Kritiker an Deutschland, die in der Regel Amerika und seine Außenpolitik aufs schärfste verurteilen, ungefiltert amerikanische Angaben als korrekt zugrunde legen?” Das ist die deutsch-nationale Haltung der Stabsärztebrüder aus der Vorerinnerung pur! Zu den Konsequenzen siehe eben diese Vorerinnerung.
Man kann es nicht oft genug wiederholen: Auch der Vietnamkrieg wurde als Antiterroreinsatz und Hilfe zum Aufbau eines stabilen und demokratischen Südvietnam geführt. Auch damals hieß es: Gnade uns Gott, wenn der Vietcong siegt, dann bricht ganz Asien weg. Auch damals sollte immer mehr “Verantwortung” an eine “gewählte südvietnamische Regierung” übergeben werden: Die Eskalation war nur die notwendige Bedingung für die notwendige “Stabilisierung” – ohne “Stabilisierung” war an Rückzug nicht zu denken. Auch damals hieß die konkrete Strategie wie heute “clear and hold” (seinerzeit “search and destroy”), auch sie wurde hauptsächlich mit ständiger “Luftunterstützung” geführt. Auch dabei gab es massenweise tote Frauen und Kinder. Vorschlag eines Stabsärztebruders könnte sein: Wie damals könnte man verhindern, dass Kinder sich nächstens in “Unruhegebieten” rumtreiben, indem man die “Unruhegebiete” ganz räumt und die Bevölkerung in “Dörfer des glücklichen Lebens” umsiedelt!
Fazit: “Deutschland” (“WIR haben die Kraft”) ist in seinem 1. Vietnamkrieg angekommen, wie in der Vorerinnerung prognostiziert. Aber (fast) niemand hält das für möglich. Stell Dir vor, es ist Vietnamkrieg aus Deutschland, und niemand merkt es. Die Lektüre der Vorerinnerung macht das nicht Vorstellbare vorstellbar.
Die Ursprünglichen Chaoten

