Archive for Juli, 2009

Verteidigungsminister von A*: Wir verteidigen unsere Freiheit im Sauerland

Donnerstag, Juli 23rd, 2009

Der afghanische Verteidigungsminister erklärte gestern in Kabul vor der internationalen Presse, dass die afghanische Republikwehr ihre UNO-Mission in Deutschland bis zur völligen Stabilisierung fortsetzen wird. Afghanistan werde sich durch Terror nicht erpressen lassen. Es handle sich bei der laufenden Großoffensive gegen die sogenannten “Christwehren” im Sauerland nicht um einen Krieg. weil Terroristen keine Krieger seien, sondern Terroristen. Die Sicherheitslage in Deutschland habe sich allerdings verschlechert, so dass die afghanische Republikwehr noch wenigstens 5 bis 10 Jahre in Deutschland bleiben und der dortigen Polizei helfen müsse. Auf Fragen nach den Kosten dieser Mission erklärte der Minister lediglich, dass die Republikwehr im Sauerland die Freiheit Afghanistans verteidige. Auf Fragen nach den zivilen deutschen Opfern der Mission kündigte er an, dass die Familien der erschossenen Jugendlichen im Sauerland zügig großzügig und unbürokratisch von Afghanistan entschädigt würden. Eine Untersuchung werde eingeleitet, alles spreche aber für Notwehr der beteiligten Soldaten der Republikwehr.

(Was sind “Christwehren”? Nachzulesen in der “Vorerinnerung” (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee, assoverlag)

Wenn die “Missionare” in A* “robust” werden

Dienstag, Juli 21st, 2009

Jetzt hat die Generalität der Bundeswehr in A* offiziell die “Robustheit” ihrer “Mission” erklärt. Zusammen mit ihren afghanischen Hiwis hat sie in der deutschen Zone eine Großoffensive gegen “Taliban und andere Aufständische” (welche?) eröffnet. Dabei setzt sie Kampfjets und Panzer vom Typ “Marder” (“mit starker Feuerkraft”) ein. Was bedeutet das im Klartext? Dass sie sich 1) zur aus Vietnam altbekannten Eskalations-Strategie im Anti-Guerrillakrieg bekennt, und dass sie 2) eine höhere Eskalationsstufe eingeleitet hat. Dabei ist ihr, wie sie selbst sagt, ”mehr als klar”, dass immer beide Seiten eskalieren werden.

Auch den ersten Kollateralschaden hat es schon gegeben: Ein einheimischer Jugendlicher wurde erschossen, als er nicht rechtzeitig stoppte (in allen entsprechenden bisherigen Fällen wurde Notwehr der deutschen Todesschützen anerkannt und das Verfahren eingestellt).

Merke: “Soldaten sind ***de*!”

(Auflösung: Helden)

Dazu gehören pompöse Rituale wie die Massenvereidigung mit Kanzlerin und Jung am 20.  Juli vorm Reichtag: Die Heimatfront steht nämlich angeblich noch nicht bedingungslos genug hinter ihren Jung-Jungs. Was wird denn dann eigentlich noch alles von der Heimatfront erwartet? Wir sind gespannt.

Manchmal kann einem bei solchen Nachrichten, von denen man nicht recht weiß, ob es sich nicht um einen Thrillerfilm handelt, ganz schön der Kopf schwirren. Das ist der passende Moment, um sich an die Lektüre der “Vorerinnerung” zu machen (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee, im assoverlag). Etwa das Kapitel “Zuerst werden wir, zum kleineren Teil Fahrräder schiebend”. Darin kommt die Parole “Soldaten sind ***de*” vor; dort wird die Eskalationsstrategie der Bundeswehr ausfantasiert und wird erzählt, wie deutsche Deserteure der Zukunft entstehen und was für Soldaten es schaffen können, aus der Eskalationsstrategie auszusteigen und wie.

Frage: ein Roman auf Höhe der Krise? Antwort: die Vorerinnerung!

Freitag, Juli 17th, 2009

 Im Fatz-Feuilleton vom 15 Juni kritisierte der junge Romancier Thomas von Steinaecker, dass der postmodern “realistische” Roman nicht auf der Höhe der Krise sei: “Es ist anzunehmen, dass wir in den Romanen der nächsten Saison schon bald verstärkt von Maklern und Managern lesen werden. Es kann jedoch nicht damit getan sein, aus der Erleichterung heraus, endlich wieder ein ‘wichtiges’ Thema zu haben, in der bekannten Manier über arbeitslose Banker zu schreiben, die sich kein Sushi mehr leisten können.” Was Steinaecker auf seine Art sehr zutreffend darstellt, ist folgendes: Es geht bei der Krise um “abstrakte Mechanismen”, an deren Relevanz eine interpersonal-interaktionistische Love Story einfach nicht herankommen kann. Das ganze sei eher “virtuell” wie eine “Computersimulation” – und da müssten ganz neue Erzählweisen her, um etwa über die “komplexen Kettenreaktionen” von “40 Billionen Euro” mehr zu erfahren als in der Fatz auch schon steht.

Was Steinaecker also einklagt, ist ein Roman von aktualhistorischer Relevanz, der die “abstrakten” Prozesse mit ihren “Simulationen” schwindelerregender Massen von Menschen und Kapitel und ihrer Crash-Trächtigkeit im Turbo-Kapitalismus als “phantastische Grundierung” unseres normalen Alltags erzählen (erzählen!) könnte. Das hört sich an wie ein generatives Modell für die “Vorerinnerung” (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee, assoverlag). Dort kämpfen keine entlassenen Manager, sondern die Ursprünglichen Chaoten gegen den “V-Träger”, d.h. den Verantwortungs-Träger, der die Verantwortung trägt  für eben jene Abstraktionen und Simulationen, die ihrerseits ironisch gegen-simuliert werden. Die Vorerinnerung entstand in den 80er und 90er Jahren, lange vor dieser Krise. Man lese aber zum Beispiel das Kapitel “Dazu die flankierende Simultan-Simulation der Märkte, des Wählers und unserer Lebenslinien (Hochrechnung von 1974 auf 1994)”. (Seite 282 ff.) Verblüffende prognostische Kompetenz?

In der Tat: Die Grundbedingung für einen Roman auf der Höhe der Krise ist eine solide alternative prognostische Kompetenz. Der Turbo-Kapitalismus lebt von Prognosen, Wetten auf die Zukunft, Vertrauen auf künftige Profite, kurz von Simulation. Weshalb ein Roman ohne Simulations-Kompetenz, wie Steinaecker richtig bemerkt, ein anachronistisches Unding ist – allenfalls tauglich als Szenario für einen sofort vergessenen abendlichen TV-Film vorm Einschlafen. Wie aber können Gegen-Simulationen und Gegen-Prognosen zu Erzählstrukturen werden? Indem sie partisanenhaften Subjekten als Waffen in die Hand gegeben werden: im Kampf gegen den V-Träger der turbokapitalistischen Simulationen, die in den Crash führen. Wer eine wirklich alternative Urlaubslektüre sucht, lese die “Vorerinnerung”.

Lesung aus der “Vorerinnerung” in Marburg

Samstag, Juli 4th, 2009

Jürgen Link liest auf Einladung des AStA der Uni Marburg aus seinem Roman “Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung”.

Wann? Mittwoch, 8. Juli, 20 Uhr

Wo? Marburg, Steinweg 1 (in der Oberstadt).

Neues von den “kleinen Wallensteinen” im Fronteinsatz

Freitag, Juli 3rd, 2009

In der “Vorerinnerung” (Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee, asso-Verlag Oberhausen; Urlaubslektüre-Tipp) gibt es die  “Konverter” und die “kleinen Wallensteine aus der Emscherzone”. Die ersten sind die umgedrehten, konvertierten Achtundsechziger allgemein, und die zweiten sind die Grünen Globalstrategen im Besonderen. Warum “Wallensteine”? Weil Schiller in der Figur des großen alten Wallenstein den speziell “deutschen” Militärstrategen klassisch dargestellt hat: als großen Schweiger und großen Zauderer, der einen strategischen Superkalkül ausheckt, der sich dann am Ende als Super-GAU erweist. Bei den Grünen standen diese (sehr kleinen) Wallensteine bis 1999 (Jugoslawienkrieg) an der Spitze der “pazifistischen Fraktion” und schwiegen meistens und kalkulierten, bis sie dann vom “grünen Mann der mutigen Wahrheit” (“Vorerinnerung”) mit ein paar Posten zum Frontwechsel gebracht werden konnten. Heute sind die meisten schon politisch tot. Was von ihnen übrig ist, wird an die Fernsehfront geschickt, um Durchhalteparolen im Afghanistankrieg aus angeblich ‘linker’ Position abzulassen. So der “verteidigungspolitische” Sprecher der Grünen, Winfried (“Winni”) Nachtwei, zuerst Kampfflieger, dann Pazifist, dann Kleinwallenstein, dann wieder symbolischer Kampfflieger.

Warum werden die Konverter von 68 wieder dringend gebraucht? Weil knapp 70% der Bevölkerung inzwischen den schnellen Rückzug fordern. Weil ein Konservativer wie Jürgen Todenhöfer, spiegel(!)verkehrt wie die Konverter, zum Apostaten der G7-Kriegspolitik in der 3. Welt geworden ist.

Warum werden aber jene 70% dennoch die Parteien wählen, die den Krieg noch 10  Jahre weiter führen und erheblich eskalieren wollen (so Minister Jung)? Weil niemand das Tabu der Kosten dieses Krieges, die direkt mit den Folgen der Krise zusammenhängen, in der Öffentlichkeit zu berühren wagt. Nach den Kosten eines Krieges zu fragen, war in Deutschland schon immer Landesverrat und ein Schande. Diese absurde aktualgschichtliche Situation wird in der “Vorerinnerung” in ein alternatives, grelles Licht gerückt.